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27.Novem-bär – La putain russe – Odyssee 2022

Heute morgen hatte ich ‘ne Eingebung. Ging dabei um Nationen und so. Beim Drübernachdenken fiel mir auf, dass Nationalstolz im Grunde nur für Politiker und Regierungen und so – genau. Wenn man Deutsche und Franzosen fragen würde, was ihnen wirklich wichtig ist, dann vermutlich, dass alles bleibt wie es ist.

Stellen wir uns vor, wir können weiterleben wie wir‘s gewohnt sind,

müsste es uns dann nicht egal sein, zu welchem Land, zu welcher Nation wir gehören? Wenn Sprache, Umgebung alles bleibt wie’s ist, also wirklich alles, dann könnten wir morgen alle Russen sein, ohne dass man einen Unterschied merkte. In Frankreich würde sich lediglich die Reihenfolge der Tricolore ändern.

Selbst die Farben blieben gleich, was will man mehr.

Mit dem GröFaZ hatte man ja schon Erfahrungen gesammelt, wie man nahezu ohne Beschädigungen Paris einnehmen ließ. Lasst Lebenskultur statt Waffen sprechen, wer sagt bei Champagner, gutem Essen und Wein schon nein, noch dazu, wenn Frauen und Musik dich begleiten. Damals hatten die Franzosen den Dreh raus.

Und heute?

Heute würde ich wetten – auch. Man bräuchte seine Armee lediglich in nachlässig-elegante Kleidung mit Schal stecken, ein paar französische Redewendungen und Verhaltensweisen lernen lassen, wie z.Bsp. Rotwein geschickt im Sonnenlicht wälzen und um 12:30 jeden Napf in Frankreich besetzen, schon wäre ganz Frankreich besetzt.

Moment mal, ganz Frankreich?

Ja, ganz genau – ganz Frankreich! Wenn man dann nämlich um 13:00 zuschlägt, ist La France am Futtern und wird sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, bis nicht in aller Ruhe Nachtisch, Käse und Digestif sorgfältig verzehrt und verarbeitet wurden.

Wenn dann Wladimir im Elysee-Palast

eine erste Radio & TV-Ansprache halten könnte, wo er sich Arm in Arm mit Emmanuel zeigt und beide bekanntgeben, dass man sich erfolgreich in Russland integriert hat, weil die Russen im Gegenzug die französische Kultur annehmen, dann könnte man das doch eine gelungene Fusion nennen, oder nicht?

Deutschland würde sich wie von selbst anschließen,

bei der Aussicht, diesen Riesenladen durchoptimieren und organisieren zu dürfen. Allen wäre geholfen. Keine Toten, kein Theater, nur zufriedene satte Gesichter. Die Deutschen würden 100 Jahre brauchen, wenn sie’s überhaupt schaffen, weil die Franzosen mit ihrer Lässigkeit und gutem Wein und Essen den arbeitswütigen Deutschen allen Wind aus den Segeln nähmen.

Welch‘ Traumland wäre dies neue Russland.

Vielleicht könnten wir uns dann durch die Hintertür mit den Ukrainern einigen, dass ganz Europa und Asien halt „Ukrasien“ heißt. Nie wieder Probleme mit Ressourcen und Kultur, geschweige Krieg. Vorausgesetzt, Politiker machen Politik für Menschen und nicht für’s eigene Portemonnaie oder um das Ego zu befriedigen.

Okay – klingt utopisch.

Aber warum nicht, dachte ich mir beim zweiten Café? Na gut, mir ist klar, so einfach wird das vermutlich nicht. In la Trance, pardon – La France – spielen die Elite-Unis eine traditionell große Rolle. Zum Beispiel die École Polytechnique. Deren Motto lautet, Achtung bitte festhalten, jetzt geht sie nämlich los, die wilde Fahrt in die Vergangenheit:

Pour la Patrie, les Sciences, la Gloire

Kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Für’s Vaterland, die Wissenschaften und den Ruhm. Na wenn das nichts ist. Da steht nichts von wie zum Beispiel „für die Menschlichkeit, Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit“ Deserteure wurden hüben wie drüben standrechtlich erschossen. Man war Vaterlandsverräter, hat Opa erzählt.

Wen verriet man da eigentlich genau?

Sollte das nicht alles freiwillig sein? Sollte man sich das Land, zu dem man sich hingezogen fühlt nicht freiwillig auswählen können und dürfen? Macht man ja auch beim Partner. Zumindest bei einer Vielzahl von Nationen macht man das noch so. Wenn einer „nein“ sagt, dann eben nicht. Soll er halt weg.- wonaders hin gehen, oder nicht?

Mit „Chers compatriotes……“

Beginnen alle Ansprachen von Manu Macron. Klingt vielleicht irgendwie militärisch, heißt aber, wenn ich mich richtig erinnere, „liebe Landsleute…“. Wen meint er? Alle Franzosen? Vermutlich. Dann meint er mich damit nicht. Ich bin also seiner Ansprache zur Folge, ausgeschlossen, vermutlich so auch einige andere hunderttausende. Warum sagt er nicht „Liebe Bürger und Bewohner von Frankreich…“

Ginge das nicht – auch?

Wählen darf ich auch nicht, egal ob mit oder ohne geänderte Ansprache. Darf man nur als Franzos‘, also mit Pass und so. Dafür muss man aber einen Test machen. Dort wird geprüft, wie gut ich Sprache und Kultur kenne. Was bedeutet, dass, wenn ich sie eben nicht gut genug kenne – im Test durchfalle.

Kommt für mich also nicht in Frage.

Solange man meint, etwas an mir „abprüfen“ zu müssen, wird das nix. Bin lieber ein guter Europäer, als ein guter Franzos‘, was auch immer in diesem Zusammenhang „gut“ bedeutet. Zumindest fühle ich mich eher als Europäer, als irgendetwas anderes, und das nicht nur weil Εὐρώπη im Altgriechischen „Vielfalt“ heißt.

Wie komm‘ ich jetzt vom schweren Thema weg?

Nichts leichter als das. Als guter Franzos‘ der ich angeblich geworden bin, dreht sich alles um Essen und Trinken. Politik, Wirtschaft, Menschenrechte und so stören da nur. Hauptsache lecker futtern und gud‘n Wein. Dann klappt’s irgendwann auch mit umweltfreundlicher Atomkraft, Mülltrennen und menschenfreundlicherer Ansprache.

Bis dahin, vive l’Europe, vive les fêmmes…

04.September – Karl der Große – Odyssee 2022

Gegen Morgengrauen wachte ich auf. Keine Ahnung warum. Ich befand mich irgendwo in einem Loft, dass ich über AirBnB gemietet hatte. Großer Raum mit Küche, Essecke und integriertem Salon, bestimmt 100 Quadratmeter. Fenster mit durchsichtigen Vorhängen bis zum Boden,

direkt vor der Akropolis.

Draußen schnauften Reisebusse durch die engen Gassen. Irgendein Nachbar hustete sich die Seele aus dem Leib. Eine Frau schrie Unverständliches durchs Treppenhaus. Ein Mann schrie zurück. Ein Kind weinte. Hupende Busse, Autos und Motorräder. Athen.

Lag ich immer noch zu Füßen der Akropolis?

Sicher war ich mir nie. Manchmal wusste ich nicht mehr wer ich war, geschweige wo. Ein gespenstiges Gefühl, wie in ’nem unbekannten Körper aufwachen. Wie weißes Papier, unbefleckt, leer, ohne Inhalt und Geschichte. Zum Glück hielt das nie lange an. Ich wälzte mich im Bett von links nach rechts.

Nichts zu machen – WACH!

Langsam drehte ich mich auf den Rücken, blickte durch die offene Schlafzimmertür in den Salon, dessen breite Fensterfront von Jalousien abgedunkelt war. Olivenduft hatte über Nacht die Luft durchzogen. Rotwein, Sardinen, Orangen.- und Zitronen schwebten ebenfalls über’s Parkett.

Die Vorhänge schliefen noch.

Langsam sanken meine Augenlider nieder. Ich würde es den Gardinen und Sardinen nachmachen. Doch irgendwie blieb ich unruhig. Keine Ahnung wieso. Langsam hoben sich meine Lider wieder, ganz leicht, gerade so, dass Bud-Spencer-Sehschlitze Licht bekamen, um, ja was eigentlich? Keine Ahnung. Irgendwas machte mich unruhig.

Vermutlich mein Über-ES.

Herrlich der Übergang vom Dösen zum Wachwerden. Links von der geöffneten Tür stand ein stummer Diener. Rechts ragte ein Bettpfosten schemenhaft ins Halbdunkel, wie der „Phare de la Jumont“ vor Ouessant am Morgen, bei steifer Brise und Restalkohol.

Wie die Grabkammer des Tut-ench-amun schlummerte der Salon.

Das Sofa zeigte seine linke Schulter; seidenmatt glänzte das Parkett; mühsam beugte sich die elegante Stehlampe im Halbkreis über den Sofatisch; „ziemlich symmetrisch gerafft“, dachte ich, als ich die Vorhänge betrachtete und der Morgen begann, ungeduldig durch alle Ritzen zu drücken. Fast legte ich ab und segelte hinfort.

Doch halt – was war das?

Augen und Ohren horchten angestrengt ins Halbdunkel. Hörten wir was? Ein leises Trippeln, als wenn kleine Kobolde wie Pumuckl oder die Fraggles, die Bude unsicher machten? Oder hatte Herr S. Recht und ich wurde langsam paranoid?

Da war was! 

Wie Joachim von Ribbentrop vor der Urteilsverkündung lauschten Augen und Ohren. „Ich mag den cremefarbenen Ton der Chiffon-Vorhänge…“, murmelte mein Selbst. Plötzlich sprang mir ein dunkler Fleck ins Gesicht.

Was war das?

Am oberen Ende des Vorhanges, wo man den dünnen Chiffon, was auch immer man für ‘nen hauchfeinen Stoff wählte, doppelt oder dreifach zur festen Bordüre vernäht hatte, sah ich ‘nen dunklen Fleck. Bewegte er sich? War er vorher schon da? Oder hatte ich die Gardine gestern lediglich stärker gerafft, so dass sich Schatten bildete?

Vermutlich. Zufrieden döste ich ein.

Irgendwann schoss ich hoch. Vergessen waren dunkler Fleck und buntes Duft-Sortiment. Ich sah aufs Schmartfohn. Halb elch. Fühlte mich ibesser. Voller Energie sprang ich aus’m Bett, missbrauchte den chromfarbenen Metalltopf, der fürs Mixen von Getränken und nicht zum Kochen von griechischem Kaffee gedacht war.

Is like türkischer Mokka – oder umgekehrt?

Gedankenfrei sah mich die Wohnung an, während brauner Sumpf köchelte. „Nett gemacht; viel Raum, wenig Schieh-Schieh und Deko“ Ich öffnete die hinteren Jalousien zur Akropolis – „Licht reinlassen!“ Auf der gegenüberliegenden Seite massierte uns die Sonne. „Nee-nee“, lachte ich, „du bleibst schön draußen“ und blickte in Richtung Fensterfront, als ich vom Blitz getroffen – zusammenfuhr:

Ein dunkler Fleck!

Diesmal in frontaler Vorderansicht. Kein Schatten, keine Bordüre, oder dergleichen. Da saß etwas. Doch was? Eine Spinne? „Meine Güte, ist die groß…!“ Angst hatte ich nicht vor Insekten, aber ab gewisser Größe sagen wir mal – Respekt!

Langsam ging ich näher. Und näher.

Meine Schritte wurden kleiner, je dichter ich kam. ES hatte ‘ne stattliche Größe, fast mein Handteller. Zwei Meter bis zum Vorhang. Eins-fünfzig. Einen Meter. Unverändert starrte ich den Fleck an, der was zum Henker denn nun – war?

Eine gewaltige Küchenschabe!

„Du liebes Bisschen, bestimmt vier bis fünf Zentimeter lang; was für lange Tentakeln du hast; mindestens so lang wie die Schnurrbarthaare von Mantacore, dem weißen Tigger von Siegfried und Roy“ Längst dachte mein Gedächtnispalast an „Die Verwandlung“ von Kafka und den / das Video „Breathe“ von Prodigy.

„Ha’m wir‘ne Fliegenklatsche? Wird nicht langen, der Name sagt‘s schon“

In der Küche hörte ich leises Blubbern. Aus unerklärlichen Gründen dachte ich, dass jenes Geräusch vom großen Bruder der Küchenschabe kam. „Hat vermutlich gefeiert und lässt sich den Abend durch’n Kopf – hoffentlich – in die Spüle gehen!“ Bereit den Kampf aufzunehmen, rannte ich in die Küche.

War nur mein hellenischer Mokka, der mit den Fingern trommelte.

Unüberlegt griff ich nach dem verchromten Topf und hörte leises Zischen, als die Haut von Daumen und Zeigefinger brannte. Es dauerte nicht lange, bis Wellen des Schmerzes meinen Gedächtnispalast fluteten.

„Fuck-Fuck!“

Was für ein Tag. Wütend hielt ich meine verbrannten Finger untern Wasserhahn. Kurz darauf rannte ich zur Kommode, wo mein Motorradhelm lag und kramte meine Handschuhe heraus. „Ha-ha – jetzt bist du fällig; ich mach dich fertig, sag good-bye zur schönen Welt!“

Fix füllte ich kochenden Kaffee um,

wusch den Chromtopf, trocknete ihn mit speer-esker Sorgfalt, drehte auf dem Absatz, stürmte wie William Wallace bei Braveheart zum Vorhang und warf im Lauf meine Lanze auf den vermaledeiten Feind, äh – mein Geschirrtuch auf die Schabe. Sofort raste das riesenhafte Insekt die Gardine herab.

„Boah, bist du schnell, das kann ja was werden“

Bereit zum Kampf stoße ich den schweren Ledersessel beiseite, um freies Schussfeld zu haben; ich erinnerte „Karl der Käfer“ aus meiner Jugend; schon damals mochte ich den Song; währenddessen krabbelte Karl die Gardine wieder hoch.

„Großartig – grenzt an Märtyrer-Todt; hast du‘n letzten Wunsch?“

Sekunden stand ich vor Karl dem Großen am Fuße der Gardine in seinem Kaiserpalast. Karl bewegte sich mit dem Saum, der mich an den Umhang von Clark Kent erinnerte. „Wie weit können Schaben springen“, fragte ich mich.

„Was, wenn er springt und sich an Kopf oder Hals festbeißt?

Wir wissen was Zecken können, was soll da erst so’n Brummer auslösen, ne neue Pandemie?“ Kurzfristig dachte ich an Helm. Mut einredend klatschte ich die Lederhandschuhe zusammen. „Los komm schon, sei kein Feigling!“

Höhnte ich und bekam Angst, als ich mir zuhörte.

Karl saß fest. Feierlich stieß ich Tisch und Sofa beiseite. Exekutionen brauchen Platz. Entschlossen schüttelte ich Karl wie Fallobst vom Baum. Krachend schlug sein Chinin-Panzer auf den Boden. Klang erwachsen. Doch sein kaiserlicher Glanz war dahin. „So schnell kann’s gehen!“ Karl rannte los. „Verdammt bist schnell!“

Wie Carl Lewis rannte ich hinter ihm her.

Ben Johnson würden wir nicht unterbieten, aber nur wenige bewegten sich diesen Morgen so schnell wie wir. Karl schaltete den Turbo ein. „Wahnsinn, was‘n Glück das du kein Springer und Flieger bist; nicht auszudenken, wenn du mir bei voller Fahrt gegen den Motorradhelm knallst!“. Genau jener Gedanke machte meine Mission – groß!

Schon sprang ich.

Wie Supermann flog ich über Karl und sah, wie er sich unter mir abstrampelte; schon bekam ich Mitgefühl. Was, wenn er Familie hatte? Vielleicht war alles nur ein Missverständnis und wir sollten als Europäer miteinander reden.

Aber griechische Schaben?

Ich tue mich schon mit Deutschen schwer. Lykurg und Leonidas jedenfalls hätten mich ausgelacht, wenn ich jetzt zögerte. Vermutlich lachten sie sowieso, weil ich Handschuhe trage, um‘ne Schabe zu erschlagen, während die mit Sandalen auf Perser losgingen.

Ich gehe mit Sandalen nicht mal vor die Tür,

geschweige nach Persien! Es gab kein Entrinnen für Karl. Ich entschloss zuzuschlagen. „Bamm!!“, schon sauste meine Vollstrecker-Hand nieder und schlug so stark auf‘s Parkett, dass die stille asiatische Touristin im Stockwerk über mir vor Schreck einen Pups machte und errötete.

„Hab ich dich! Ein Schurke weniger!“, frohlockte ich.

Und rannte siegreich zur Küche, um mein Kalumet zu entzünden und mit den Göttern Friedenspfeife zu rauchen – und – mir Wein einzugießen. „Ist schon Mittag“, dachte ich. „Doch zuerst Tatort reinigen“ Mit Haushaltstuch bewaffnet sah ich Karl platt vor mir liegen. Als ich ihn packen wollte, strampelte er plötzlich mit Beinen und Armen.

Erschüttert fuhr ich zurück.

Was für ein Lebenswille. Kam Karl aus Sparta? „Warum habe ich Karl nicht einfach rausgetragen? Er könnte mit Kumpels einen Trinken! Zu spät, hättest du früher drauf kommen sollen!“, ging ich mit mir hart ins Gericht. Jetzt musste ich Karl erlösen, oder in die nächstbeste Asklepios-Klinik bringen. Dort heilt man ähnlich lebensverlängernd.

Ein zweites Mal donnerte meine eiserne Faust aufs Parkett.

Diesmal spürte ich, wie Karls Leben durch meine behandschuhten Finger rann. Voller Respekt und Pietät nahm ich seine irdische Hülle und legte sie feierlich auf den Balkon des Nachbars unter mir in die warme Athener Sonne.

„Mögest du größeren Tieren

ein Festmahl sein und den evolutionären Kreislauf moralisch wertvoll schließen, wie eine erfolgreiche Bilanz am Ende eines zufriedenen Lebens!“, schloss ich meine Andacht. Karl der Große wäre so oder so, wie wir alle, irgendwann gestorben.

Ein glorreiches Ende in ruhmreicher Schlacht,

vermutlich der sehnlichste Wunsch eines maskulinen virilen Lebewesens in zweiter Lebenshälfte. Karl aus Sparta – und ich – der fünfzig jährige Vollstrecker aus Theben. Hätte nicht gedacht, dass ich mal Sparta besiege.

Doch am Ende gab’s ausgleichende Gerechtigkeit.

Insekten überlebten uns

Menschen…

24.Juli – Trash – Odyssee 2022

Dieser Wixxer…! Wegen meinem verdammten Nachbarn kann ich nur noch unter Lebensgefahr duschen. Warum? Was war passiert? Vor wenigen Tagen hatte mein Video-Game-Süchtiger hebephrener Voiseng im Stockwerk über mir einen seiner berüchtigten Lach-Schrei-Anfälle.

Keine Ahnung, ob‘s Gaming

oder einer jener nie enden-wollenden Telefonate war, bei denen er so laut aufschrie, das ich unweigerlich an Screaming Jay Hawkings (s.u.) dachte. Jedes Mal fahre ich zusammen und denk darüber nach, die Männer mit den weißen Westen zu holen.

„Genauso war es – Monsieur Gendarm!“ – „Zeigen Sie mir den Tatort..!“

„Schauen Sie – mein Bad habe ich bewusst kompakt gehalten, um im Stehen oder Sitzen alles gleichzeitig machen zu können – UND – Putzaufwände zu reduzieren, natürlich alles unterm Deckmantel von Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Diversity und Bio, sowie dem moralischen Anspruch, wenig Weltraum zu bewohnen, wie es sich für allein.- und bewusst lebende nach-vorn-gebürstete Großstadtindianer gehört, deren einziger Überlebenskampf darin besteht,

freie Bistrotische und volle Weinflaschen zu jagen.

Vom Waschbecken aus kann ich meine Klobrille anheben, sowie Waschmaschine, die Duschtür und die Tür zum Banjo öffnen. „Genauso sah der Tathergang aus, Monsieur Gendarm….gerade drehte ich mich vielleicht 20 bis 45 Grad um die eigene Achse vom Waschbecken weg, um mich und meinen

Jardeng privée aus dem Kosmos der Nasszelleneffizienz herausmanövrieren,

weswegen mein leptosomisch angehauchter Alabaster-Körper nach dem Ablegen sich bereits in bester Gewohnheit in Fahrtrichtung befand, was mathematisch korrekt ausgedrückt die Mitte der Hypothenuse zu den beiden gleichschenkligen Seiten dieses rechteckigen Dreiecks darstellt – so schauen Sie doch – formschön gebildet aus Duschkabinen.- und Badezimmertür.

Da plötzlich geschah es!

Screaming hebephrenic Jay-Nachbar schrie wieder laut wiehernd auf, wirklich jeder erinnert sich an alte Kesselflicker, das ich schwer getroffen zusammenzuckte, wie‘n großer Kreutzer beim Schiffeversenken, so dass mein linker viel eigensinnigerer Arm im Vergleich zum wieselflinken, kruppstahlharten, stattdessen viel gehorsameren R-r-r-echten, derart zackig nach vorne stieß,

dass er die leicht geöffnete Badezimmertür

meteoritenmäßig heftig traf, weswegen dieser nicht minder blitzartig zurückschoss und mein Ellenbogen nach dem Entlangsprinten der Hypothenüse (sächsische Aussprache) zum kosmischen Ausgleich gegen die Duschtür donnerte, die ebenfalls just aus‘m Schlaf gerissen blindlings mit’m Kopf unterm Arm die Duschkabine zuknallte.

Da ahnte ich, wie sich der Vietcong fühlt.

Nur langsam erholte ich mich vom Schreck, schien aber offensichtlich aufmerksam genug geblieben zu sein. Da hörte ich das fürchterliche Fauchen, mit dem die angrenzende Glasscheibe der Duschkabine in abertausende Scherben in feinsten Glassplitternebel verwandelte, wie ihn nur grüne Mambas und Königskobras versprühten.

So eine Scheiße – fluchte ich!“ – „Erzählen Sie weiter….“

„Okay, Monsieur Gendarm! Langsam wie ’ne Spionagedrohne flog mein Blick an meinen Beinen herunter. Nachdenklich sah ich den Glasnebel von Oz, der wie die seichten salzigen Wellen der in der Abendröte vor sich hindösenden Ostsee hinter Neustadt in Schleswig-Holstein an meine nackten Füße brandete. Als hätten die griechischen Götter nicht bereits genug Spaß, lächelte mich die geborstene Scheibe an, die aus mir unerfindlichen Gründen im Ganzen geblieben zu sein schien.

Was tun? Nicht bewegen? Keine gute Option.

Zum Verhungern und verdursten fühlte ich mich nämlich noch zu jung. Ein weiterer lachender Aufschrei meines schizophrenen Nachbarn ließ mich erneut zusammenzucken; diesmal meine Füße, im Besonderen meine großen Zehen, die neugierig nach vorne schnellten und gierige Glasscherben dankbar in sich eindringen ließen. Blitzartig sprang mein aufgescheuchtes Nervensystem mit lauten,

Au-au-au Kacke-Pisse-Scheiße-Schreien,

aus dem Bad und bekam einen wutschnaubenden roten Kopf, der sich mich mit letzter Kraft und zittrigen Beinchen auf den nächstbesten Stuhl hiefte und damit begann, erste Glas-Trophäen aus meinem Fleisch zu pulen, begleitet von ständigem Schreien und prustendem Lachen, meines schwach ausgeleuchteten Nachbarn über mir, der sein Telefonat, oder Videospiel nach weiteren Ausrufen wie,

„Ah oui ? Mais non….ah oui ? Mais non….putain !“, endlich beendete!

Schon dachte ich an jene duschfreien zwei Monate, weil vor wenigen Tagen in Fronk-kreisch die Sommer-holy-days begonnen ham, die mit pythagorischer Routine am 32.August endeten, weswegen, mit Glück und Hilfe der fünften Republik, sowie dem Eigentümer, sowie unserem netten Guardien et moi, eine neue Scheibe, nebst Duschgenehmigung unterm Christbaum liegen dürfte.

In der Zwischenzeit sah meine Bude wie ‘ne Schlachterei aus – Sie sehen’s ja selbst!

Zwar hatten sich die Glassplitter irgendwann überreden lassen, aus meinem Fleisch zu scheiden, allerdings nicht ohne Überredungskünste meinerseits, was länger als gedacht dauerte. Auch steckten die Scherben tiefer als erhofft, dass ich gezwungen war, mein Opinel-messer zu zücken, hier schauen Sie nur, Monsieur Gendarm! In bester Rambo-Manier stocherte ich in meinen Füßen herum, dass mein Parkettboden wie nach ‘ner Schlachtung……Sie sehen es ja……..aussah!“

„Stellen Sie sich mal vor, Sie und die Männer mit den weißen Westen

Wüssten nicht, dass sie sich im Stockwerk geirrt haben und Sie ständen, so wie jetzt, in meiner an Blutopfer und Götterdämmerung erinnernde Bude, mit tropfendem Messer vor Ihnen, Monsieur Gendarm, ich wäre mir nicht sicher, ob sie meinen erklärenden Worten glauben schenkten, dass nämlich der

wahre Schuldige im Stockwerk über mir…….halt, was machen Sie denn…?!“

„Nun beruhigen Sie sich……..wir begleiten sie hinunter…..“, „Aber warten Sie, ich muss doch noch meine Sachen und….“ – „Nein,nein,nein – machen Sie sich keine Sorgen, wir kümmern uns um Alles……ja, wir schließen auch Ihre Wohnung ab…..so, ganz genau, gleich ist es vorüber……so, ist‘s gut……ist viel einfacher, wenn Sie kooperieren….“

Irgendwann wachte ich dann…..in der Klappsmühle auf….

17.Juli – Hitze – Odyssee 2022

Boa hey! Alter Schwede ist das warm. Schon die ganze Woche haben wir um die 40 Grad; und ich muss euch sagen, es ist beeindruckend! Nein, es ist mehr als das, es ist heiß! Beim Foto oben war es bereits 21:00 Uhr. Ich konnte richtig merken, wie sich mein selbst zurückzieht, wie alle Wahrnehmungen länger brauchen, wie allemeine Sinne insgesamt, mehr Zeit und Aufmerksamkeit brauchen, um zu begreifen, was passiert.

Vergesst Klimaerwärmung und den ganzen Scheiß!

Lebt zwei Wochen in Südeuropa – JETZT – und wir werdet wissen, wovon ich rede. Hellenen wissen genau was ich meine, darum ist es umso besser, wenn deutschsprachige Bürger mehr von der Erfahrung des Südens proftieren. Man ist dort nicht faul, im Gegenteil! Man arrangiert sich mit der Natur. Gaspacho ist keine coole Suppe, sondern eine andalusische Variante kalt zu essen.

Versteht ihr das – wirklich?

Gestern fuhr ich mit dem Motorrad. Voll auf Greek-Style, will sagen, kurze Hose und kurzärmliges Hemd. Was soll ich sagen – es ist und war großartig. Aber auch verdammt warm. Als setzt man dich vor ’nen riesigen Fön, der dir mit 50 Grad vor die Nase pustet, verstehst du? Als würde dich die Sahara – persönlich – anhauchen.

Was soll ich euch sage?

Es ist, als würden sich alle Sorgen, Nöte, Ängste und Bedürfnisse pulverisieren. Man steigt quasi ohne Bedürfnisse und Willen vom Drahtesel ab. Ein wenig fühlte ich mich wie willenloses Gemüse. Ferngesteuert und doch – schuldfähig. Wer bei 43 Grad im Schatten funktioniert wie ein Schachgroßmeister, sollte sich einäschern lassen oder über Befruchtung nachdenken. Ist am Ende das Gleiche. Kapiert nur keiner.

Zur Zeit bin ich dabei diese Homepage umzubauen.

Es wird geschehen, aber das WANN ist noch offen. Leute mit Kompetenzen sind rar gesät, noch dazu in gefragtem Business.  Es wird auf jeden Fall eine Fortsezung von dontangoworld.com geben, allerding als echte Homepage und nicht nur als Blog. Solltet ihr Ideen haben, oder Empfehlungen und Wünsche, schreibt sie mir – bitte. Nur zur Erinnerung:

Alles was ich hier mache, soll – EUCH – gefallen.

Und dann gibt es noch die Domain mit dem Namen – alltagsterroristen.com – sie soll das Ruder rumreißen. Keine Ahnung wie, wann und mit wem, aber sie wird es tun, soviel ist sicher. Alles nur eine Frage der Zeit. Was also gilt es zu tun, wenn man keinen Fernseher, keine Kinder und Haustiere hat? Es gilt – die Dinge zu tun, zu denen nur und ausschließlich Menschen fähig sind.

Kreatürliche Erschaffung von Kunst.

Egal ob Bilder, Schriften oder Skulpturen. Sei eine erschaffende Kreatur, nur so wirst du zum Menschen. Wem das zu hoch ist, der möge lesen. Zur Erinnerung: Die deutsche Sprache umfasst mehr als 5.000.000 Wörter. Und diese Wörter und Begrifflichkeiten wiederum erzeugen deine Landkarte, so dass du / sie die Welt erkennst.

Ohne das Wort „Schiff“ hätten die Indianer kein solches – erkannt.

Drum reist umher, oder lest so viel es geht, am Besten – Beides. Je mehr Wörter du hast oder kennst, desto besser. Frag dich, wie viele Wörter du im Alltag gebrauchst. Sind es 100? Gar 1000? Ist das viel, im Vergleich zu 5.000.000? Einverstanden: Fünf Millionen ist ’ne ganze Menge.

Doch wieviel Wörter gebrauchen wir wirklich – täglich?

Fragt euch das – und – schreibt es mir. Seit nicht faul, macht was, prüft ab, wieviel ihr verwendet; vielleicht habt ihr Tolstoi „Krieg und Frieden“ gelesen; eventuell sogar „Meister und Margarita“ von Bulgakow; möglicherweise habt ihr „Naked Lunch“ und „Unendlicher Spaß“ gelesen. Wenn ja, wäre das wunderbar. Prüft wieviel ihr nutzt.

Je nachdem, was ihr schreibt, werde ich meinen Internetauftritt anpassen.

Wollt ihr, dass ich podcasts mache? Oder mehr Kurzgeschichten? Oder mehr Videos von Allem Möglichen? Oder Hauptsache es rockt, ganz im Sinne von „Alltagsterroristen“? Lasst uns etwas Großartiges machen, heute, hier, jetzt – sofort!

Los geht’s…