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27.Novem-bär – La putain russe – Odyssee 2022

Heute morgen hatte ich ‘ne Eingebung. Ging dabei um Nationen und so. Beim Drübernachdenken fiel mir auf, dass Nationalstolz im Grunde nur für Politiker und Regierungen und so – genau. Wenn man Deutsche und Franzosen fragen würde, was ihnen wirklich wichtig ist, dann vermutlich, dass alles bleibt wie es ist.

Stellen wir uns vor, wir können weiterleben wie wir‘s gewohnt sind,

müsste es uns dann nicht egal sein, zu welchem Land, zu welcher Nation wir gehören? Wenn Sprache, Umgebung alles bleibt wie’s ist, also wirklich alles, dann könnten wir morgen alle Russen sein, ohne dass man einen Unterschied merkte. In Frankreich würde sich lediglich die Reihenfolge der Tricolore ändern.

Selbst die Farben blieben gleich, was will man mehr.

Mit dem GröFaZ hatte man ja schon Erfahrungen gesammelt, wie man nahezu ohne Beschädigungen Paris einnehmen ließ. Lasst Lebenskultur statt Waffen sprechen, wer sagt bei Champagner, gutem Essen und Wein schon nein, noch dazu, wenn Frauen und Musik dich begleiten. Damals hatten die Franzosen den Dreh raus.

Und heute?

Heute würde ich wetten – auch. Man bräuchte seine Armee lediglich in nachlässig-elegante Kleidung mit Schal stecken, ein paar französische Redewendungen und Verhaltensweisen lernen lassen, wie z.Bsp. Rotwein geschickt im Sonnenlicht wälzen und um 12:30 jeden Napf in Frankreich besetzen, schon wäre ganz Frankreich besetzt.

Moment mal, ganz Frankreich?

Ja, ganz genau – ganz Frankreich! Wenn man dann nämlich um 13:00 zuschlägt, ist La France am Futtern und wird sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, bis nicht in aller Ruhe Nachtisch, Käse und Digestif sorgfältig verzehrt und verarbeitet wurden.

Wenn dann Wladimir im Elysee-Palast

eine erste Radio & TV-Ansprache halten könnte, wo er sich Arm in Arm mit Emmanuel zeigt und beide bekanntgeben, dass man sich erfolgreich in Russland integriert hat, weil die Russen im Gegenzug die französische Kultur annehmen, dann könnte man das doch eine gelungene Fusion nennen, oder nicht?

Deutschland würde sich wie von selbst anschließen,

bei der Aussicht, diesen Riesenladen durchoptimieren und organisieren zu dürfen. Allen wäre geholfen. Keine Toten, kein Theater, nur zufriedene satte Gesichter. Die Deutschen würden 100 Jahre brauchen, wenn sie’s überhaupt schaffen, weil die Franzosen mit ihrer Lässigkeit und gutem Wein und Essen den arbeitswütigen Deutschen allen Wind aus den Segeln nähmen.

Welch‘ Traumland wäre dies neue Russland.

Vielleicht könnten wir uns dann durch die Hintertür mit den Ukrainern einigen, dass ganz Europa und Asien halt „Ukrasien“ heißt. Nie wieder Probleme mit Ressourcen und Kultur, geschweige Krieg. Vorausgesetzt, Politiker machen Politik für Menschen und nicht für’s eigene Portemonnaie oder um das Ego zu befriedigen.

Okay – klingt utopisch.

Aber warum nicht, dachte ich mir beim zweiten Café? Na gut, mir ist klar, so einfach wird das vermutlich nicht. In la Trance, pardon – La France – spielen die Elite-Unis eine traditionell große Rolle. Zum Beispiel die École Polytechnique. Deren Motto lautet, Achtung bitte festhalten, jetzt geht sie nämlich los, die wilde Fahrt in die Vergangenheit:

Pour la Patrie, les Sciences, la Gloire

Kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Für’s Vaterland, die Wissenschaften und den Ruhm. Na wenn das nichts ist. Da steht nichts von wie zum Beispiel „für die Menschlichkeit, Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit“ Deserteure wurden hüben wie drüben standrechtlich erschossen. Man war Vaterlandsverräter, hat Opa erzählt.

Wen verriet man da eigentlich genau?

Sollte das nicht alles freiwillig sein? Sollte man sich das Land, zu dem man sich hingezogen fühlt nicht freiwillig auswählen können und dürfen? Macht man ja auch beim Partner. Zumindest bei einer Vielzahl von Nationen macht man das noch so. Wenn einer „nein“ sagt, dann eben nicht. Soll er halt weg.- wonaders hin gehen, oder nicht?

Mit „Chers compatriotes……“

Beginnen alle Ansprachen von Manu Macron. Klingt vielleicht irgendwie militärisch, heißt aber, wenn ich mich richtig erinnere, „liebe Landsleute…“. Wen meint er? Alle Franzosen? Vermutlich. Dann meint er mich damit nicht. Ich bin also seiner Ansprache zur Folge, ausgeschlossen, vermutlich so auch einige andere hunderttausende. Warum sagt er nicht „Liebe Bürger und Bewohner von Frankreich…“

Ginge das nicht – auch?

Wählen darf ich auch nicht, egal ob mit oder ohne geänderte Ansprache. Darf man nur als Franzos‘, also mit Pass und so. Dafür muss man aber einen Test machen. Dort wird geprüft, wie gut ich Sprache und Kultur kenne. Was bedeutet, dass, wenn ich sie eben nicht gut genug kenne – im Test durchfalle.

Kommt für mich also nicht in Frage.

Solange man meint, etwas an mir „abprüfen“ zu müssen, wird das nix. Bin lieber ein guter Europäer, als ein guter Franzos‘, was auch immer in diesem Zusammenhang „gut“ bedeutet. Zumindest fühle ich mich eher als Europäer, als irgendetwas anderes, und das nicht nur weil Εὐρώπη im Altgriechischen „Vielfalt“ heißt.

Wie komm‘ ich jetzt vom schweren Thema weg?

Nichts leichter als das. Als guter Franzos‘ der ich angeblich geworden bin, dreht sich alles um Essen und Trinken. Politik, Wirtschaft, Menschenrechte und so stören da nur. Hauptsache lecker futtern und gud‘n Wein. Dann klappt’s irgendwann auch mit umweltfreundlicher Atomkraft, Mülltrennen und menschenfreundlicherer Ansprache.

Bis dahin, vive l’Europe, vive les fêmmes…

24.April – Anti-Nationalismus – Odyssee 2022

„Ich will Präsident werden!“, schrien die Kandidaten. Aus acht oder neun Compatrioten, gefühlt waren es hundert, wählte das deutsche Volk, pardon, die Franzosen der fünften Republik zwei potentielle Endlösungen, um ihr lebendiges Museum und ihre Geschichte in der Gegenwart zu bewahren. Manu bevorzugt ‘ne Wiederholung von 2017 – Marine von 1933.

Menschen lieben Wiederholungen.

Oder lassen sie‘s sich sagen, was sie gut finden sollen? Woher wissen wir, wie alles in Wahrheit ist? Wenn ich denke, ich bin besser als andere, bin ich dann ein guter Christ? Wenn ich denke, meine Nation ist besser als ne andere und dominiere sie, im Stil von Kolonien, oder Lohndumping oder ziehe in ‘nen Krieg, um zu siegen – was macht man mit solchen Heinis?

Was, wenn viele Nationen so sind?

Denken US-Amerikaner nicht ähnlich wie Russen, Chinesen, Franzosen, Spanier und Deutsche, das SIE nun wirklich die Besten und Wertvollsten sind? Haben die alten Perser nicht schon Gleiches behauptet, wie Alexander der Große, Cäsar und andere vorher und nachher? Wesen einer Rasse sollten einander achten, oder nicht? Wenn das Recht des Stärkeren die Oberhand behält und die Vernunft verliert – wie sieht dann unser Dasein aus?

(Boah – welch langweiliges Thema…)

Ein sehr, sagen wir mal – pessimistisches Werk – hat der Philosoph Oswald Spengler geschrieben. „Untergang des Abendlandes“ heißt es. Da ich aber weder Wiederholungen, noch ernste Themen mag, noch dazu solche, die meinen die Zukunft zu kennen, mache ich es, wie die Kinder im Malort von Arno Stern: Ich male einfach drauflos,

gerade so wie‘s mir gefällt!

Neulich kam mir ne existenzielle Frage hoch – im Februar war’s; ich diskutierte ich mit Freunden. Die These geht so: Sind südeuropäische Alkoholiker, unser Fokus lag hier ganz eindeutig auf Südfrankreich, glücklichere Alkis, im Vergleich zu Nordeuropäiern, Beispiel Hamburg? Ist DAS nicht eine wissenschaftliche Studie wert?

Aber sowas von!

Warum trinkt man? Um zu vergessen, um das Leben zu ertragen, oder weil man den leckeren roten Spanier, Italiener oder Côte-du-Rhone gern hat, weil gut schmeckt? Ist Trauer und Frust der Grund, oder Genuss, gar Müßiggang? Und welchen Einfluss haben Arbeit, Essen und Sonne? Was treibt uns an, den Arbeitsalltag zu überstehen? Ist es „die gute Arbeit“ die ich leiste, oder die Vorfreude auf den nächsten Apéro – also die „Nichtarbeit? Wo verdammt noch mal kommt diese Arbeitshuldigung her?

Ich befürchte der Luther Martin war’s!

Wusste ich’s doch. Die Protestanten waren‘s, die uns diesen Mist eingebrockt haben – Büßen, Pflichten ausüben, um Gottesgnade usw. sonst drohen Apokalypse und Hölle….klingt für mich wie eine weitere Wiederholung; schon in der Antike musste man aufpassen, dass einem nicht die Götter zürnten; heute gibt’s stattdessen das Endspiel „arm gegen reich“, was auch eine Wiederholung ist; wenn sich alles im Leben wiederholt, warum nicht wieder Bud Spencer Filme gucken, dazu gute Weine trinken und den ganzen Tag im Frotteehausanzug rumrennen und am Mittelmeer wohnen?

Warum nicht….?

Also statt barmherziger Christ, bin ich lieber Nihilist und Müßiggänger, als Gipfel der menschlicher Schöpfung. Klingt das nicht vernünftig? Man ahnt, warum sich nach 70 Jahren Avignon-Verirrungen, Päpste und Vatikanstaat wieder im Herzen Italiens niederließen…ihr seht? Egal wohin ihr geht, nichts als Wiederholungen…

Nächstes Mal gibt’s dann die Anleitung für Anti-Nationalismus – versprochen!

Müßiggang und Waldbrände – Odyssee 2021 CW31

08.August – Letzte Nacht habe ich viel geträumt. Ich war auf einer Art Flughafen. Menschen kamen und gingen, mit und ohne Trolleys. Ein paar Gesichter aus meiner Vergangenheit erkannte ich. Irgendwie war das ganze überdacht und ziemlich groß. Überall standen kleine Stände verstreut herum; überwiegend Frauen boten dort verschiedenste Waren an, ähnlich jenen, die einem auf dem Flughafen von Palma Kreditkarten andrehen.

Mein Gedächtnispalast hat da vermutlich ein paar neue Puzzleteile hinzugefügt und das ganze bei kleiner Flamme gegart, bis diese Film rauskam. Interessanterweise war ich nicht nur Beobachter, sondern selber auf reisen. Mein Rucksack sprach Bände. Nur wohin, wusste ich im Traum nicht; ich kam nicht bis zum Gate. Vielleicht beim nächsten Mal; oder auch nicht – wer weiß das schon. Muss man immer Ziele haben, oder wissen, wohin man will?

Eben – finde ich auch!

Vielleicht hat das Ganze weniger Tiefgründigkeit, als ich wahrhaben will. Oft ist das Leben ja einfacher, als man denkt. Der Traum könnte mit meiner anstehenden Entscheidung zusammenhängen – soll ich, oder soll ich nicht – in elf Tagen nach Hellas fliegen, trotz der vielen Brände, die den Hellenenbund in Angst und Schrecken versetzen?

Flüge habe ich nämlich schon, nur wenn es stimmt, dass dort dutzende Walbrände Leben, sowie Hab und Gut tausender Griechen bedrohen, wie übrigens auch in der Türkei, dann erklärt sich mein Traum als ausgesprochen pragmatisch und nicht spirituell-esoterisch.

Allerdings hat unser Dorfdruide mich gleich heute Morgen beim Frühstück darüber aufgeklärt, dass alle Brände von Menschenhand gelegt wurden, besonders die, in der Türkei. Dort haben unterdrückte Kurden ein Zeichen setzen wollen. In Griechenland waren es unzufriedene Bürger, um der Mitsotakis Regierung zu zeigen, dass sie mit der Politik nicht einverstanden sind.

Auch hat unser Dorfdruide verkündet, dass es nicht genügend Löschflugzeuge in Hellas gibt, weil die Fördergelder, um neue zu kaufen und vorhandene zu warten, auf dem Weg dahin versickert sind, so wie immer, weil sich seinem Vortrag nach lauschend, jeder sich dort nach wie vor die eigenen Taschen füllt, bis am Ende nichts übrig bleibt, um die ursprüngliche Sache umzusetzen. Klingt plausibel.

Unser Druide erinnet mich an die weise Müllhalde bei den Fraggles.

Ob er das Wissen aus Knochen, oder schlicht, wie wir alle, im dem Internet gelesen hat, weiß ich nicht. Fakt ist, dass er auf alles eine Antwort hat – UND – viel wichtiger, jedem einen Vortrag zu allem Menschenmöglichen geben kann, inklusive buntem Strauß Lebens- und Ernährungs-Ratschlägen.

Sein Register ist so breit, dass er mich schlicht demütig zum Schweigen bringt. Egal ob Ernährung, Politik, Wirtschaft, Medizin, Gesundheit: Einfach alles weiß er, oder hat zumindest eine ziemlich weise Antwort parat. Ganz im Gegensatz zu mir.

Ich weiß kaum was.

Oft beschleichen mich Ahnungen und Vermutungen. Doch wahres Wissen macht immer einen Bogen um mich. Ich vermute, es liegt an meiner Neugier. Sie ist kaum zu befriedigen. Viellicht nistet sich Wissen deswegen ungerne bei mir ein. Denn ob die Brände von Menschenhand gelegt, oder selbst entzündet wurden, ändert nichts an den verheerenden Schäden und dem Verlust der Menschenleben.

Auch habe ich Zweifel, dass alle Feuer das Werk menschlicher Unzufriedenheit sind. Vielleicht hat man den heißen Wind aus Afrika unterschätzt und hat tatsächlich ein paar gelegt, um bedrohlich zu sein und der unterschätzte Wind hat dann die Wirkung vervielfacht.

Denn vielleicht kann der moderne Grieche weniger Hitze ab, als seine antiken Vorfahren, weswegen er auf solche merkwürdigen Ideen mitten im glühend-heißen Sommer kommt. Vielleicht ist aber auch alles ganz anders, wer weiß das schon?

Ich jedenfalls nicht.

Gleichzeitig schaltet man in Frankreich einen weiteren Gang hoch, um die Demokratie vollständig zu begraben, wie unser Dorfdruide beim dritten Cortado hinten an schob, den er mit einem extra gereichten Grappa, in einen Carachilio verwandelte. So hochwertig erweckte Lebensgeiste lassen Superkräfte entstehen, weswegen er weitere Weisheiten, aus seiner pandorischen Glaskugel mit uns teilte.

Ab morgen muss man in La France Impfpässe mit sich führen, um Supermärkte und andere öffentlich zugängliche Geschäfte und Institutionen zu betreten. Natürlich darf man dann auch nur noch mit Impfpass fliegen und per Zug und Bus reisen.

Was machen dann alle die Mitbürger, die keine Smartphones haben, wie zum Beispiel die Älteren unter uns, und sich somit keine digitale App runterladen können? Müssen die dann in Zukunft analoge Exemplare mit sich führen, wenn sie einkaufen wollen? Was ist, wenn manche sich nicht impfen lassen wollen?

Können die dann nur noch online einkaufen?

Was aber, wenn man WEDER Internet, noch Smartphone hat und NICHT geimpft ist und daran nichts ändern will? Ist man dann Bürger zweiter Klasse? Muss man das volle Bürgerrecht dann neu erwerben, zum Beispiel mit gemeinnütziger Arbeit, oder beim Ausüben von besonderen Arbeiten, unter schwierigen Bedingungen?

In Deutschland zum Beispiel, war man während und nach dem Dritten Reich ja seiner Zeit weit voraus. Man verdiente sogar gut. Vielleicht macht das Beispiel der IG-Farben europäische Runde, wäre das nicht auch eine Form von Fortschritt?

Die Straße zu unserem kleinen Dorf zum Beispiel, wurde während der Franco-Zeit von Kriegsgefangen gebaut. Und der reichlich gedeckte Tisch, französischer Sozial-Incentives, während und nach dem Algerienkrieg, biegt sich ja bis heute so mächtig durch, dass man sich wundert, warum er nicht schlicht und ergreifend bricht.

Man könnte den Eindruck bekommen, dass jedes EU-Land seine eigene Form der IG-Farben gefunden hat. Wäre es mit diesem gewaltigen Erfahrungsschatz nicht an der Zeit, Europa endlich neu zu gestalten?

Genau das ist der Plan – sagt unser Dorfdruide.

Man muss vielleicht nicht gleich so gründlich vorgehen, wie es die damalige Großzügigkeit der IG Farben AG erlaubte, dass man privat-finanzierte KZ’s baut, um günstige Arbeitskräfte zu beschaffen – Ghettos, mit gesicherten Wohnheimen reichen heute völlig aus, denke ich.

Denn mit Fernsehen – Gott sei‘s gedankt – Zigaretten, ausreichend Alkohol und einem erzwungenen Gesundheitssystem kann man der digitalisierten Arbeitsbiene auf der einen Seite genug Zerstreuung bieten, um Zufriedenheit zu erhalten – UND – auf der anderen, das Risiko von Ausfällen durch Widerstand, Krankheit oder gar mangelnder Leistung minimieren.

Heute ist man sich selbst der beste Gutsherr!

Moderner Effizienz- und Lebensgestaltung sei Dank. Man muss heute keine Konzentrationslager mehr bauen; ein paar Siedlungen ähnlich Gebildeter und Gesinnter langen völlig aus, um die wöchentlichen vierzig bis fünfzig Stunden (Arbeit, inklusive An-Abfahrt) ertragbar zu machen.

Und das alles unter dem Deckmantel von Gesundheit und Sicherheit – ist das nicht prima? Heute ist jeder behütet und geschützt, dass er sein Leben in Frieden und Ruhe leben kann, solange er die Marktwirtschaft weiterhin unendlich lang ankurbelt, bis Selbige bricht, oder die Natur sie ihm aus der Hand nimmt.

Jedenfalls doziert das unser Dorfdruide.

Ob das alles stimmt? Keine Ahnung. Die oben erwähnten Waldbände gibt es; vermutlich werde ich wirklich deswegen nicht meine Hellenen besuchen; die verschärften Maßnahmen in Frankreich gibt es ebenfalls; ob ich deswegen wieder Schwierigkeiten bei der Einreise bekomme, weiß ich noch nicht.

Aber alle Internet-Propheten sind sich einig, dass sich jeder selber schlau machen soll. In diesem Punkt bin ich mit ihnen einig. Doch das gilt, seit es die Menschheit gibt und nicht erst, seit man es uns sagt. Was das alles für mich bedeutet?

Keine Ahnung.

Ich rauche jetzt zwei bis drei Joints pro Tag und überlege, ob ich nicht selber Marihuana anbaue. Mir erscheint gärtnern mit diesen Pflanzen sinnvoller, als im Internet zu surfen. Und wahrscheinlich werde ich mein Hellas-Urlaub in den Herbst verschoben. Der breiten Unzufriedenheit bei Kurden und Griechen wirkt das wahrscheinlich nicht entgegen.

Aber was soll ich machen?

Der eigene Wirkradius scheint sich – trotz Digitalisierung – nicht vergrößert zu haben; unser Dorfdruide behauptet sogar das Gegenteil. Wegen ihr hätten sich die Menschen von der Natur entfernt. An dem Punkt ist etwas dran, auch wenn ich das natürlich nicht beweisen kann. Es ist eher mein Bauch, der mir sagt – klingt ganz vernünftig. Ob es deswegen richtig, oder gar wahr ist, kann ich nicht sagen – findet es heraus. Ich bin noch dabei.

Ob ich mir wegen den schweren Themen mein Leben versauern lasse? Nicht die Bohne! Kommt überhaupt nicht in Frage. Es bleibt, trotz dem nahen Ende, dank menschgemachter Klimakrise, trotzdem erlaubt, das Leben zu genießen und sich des Selbigen zu erfreuen. Gute Weine, tolle Menschen und schöne Bücher helfen dabei ungemein – wenn ich darüber nachdenke, hat das schon mein Großvater immer gesagt.

Rede ich jetzt etwa schon wie Opa?

Oder galt diese Lebensweisheit vielleicht auch schon immer, seit Menschheitsgedenken? Keine Ahnung, ist mir auch egal, denn ich werde nicht den Fehler begehen, das Gegenteil meiner Eltern und Großeltern tun, nur weil sie es propagierten; dann würden wir Menschen uns ja nie weiterentwickeln, wenn wir jedes alte vorhandene Wissen ausklammern, nur weil es von Alten kommt; wie dumm wäre das denn?

Eben – ziemlich!

Interview Marine Le Pen – Odyssee 2021 CW20

23.Mai – 2021, ganz Europa ist von der Demokratie besetzt. Doch halt, nicht ganz Europa: Nur die Bewohner alter ideologischer Gedanken-Dörfer jagen immer noch Wildschweine, grölen Volkslieder und gehen keiner Keilerei aus dem Wege.

Wachsender Unmut gegenüber einer viel zu langanhaltenden 75 Jahre alten Friedenszeit, sowie die beschleunigte Globalisierung, die alle geliebten Heimat-Dörfer ins Chaos zu stürzen droht, lassen selbst stark behaarte Männerwaden in der guten Stube schlottern, das sich die gelangweilten Bewohner dieser sauberen und reinen Volkstümlichkeit, besonders nach dem hastigen Genuss von ein paar Krügen Bier, immer lauter nach eisernen Fäusten sehnen.

Doch wieso?

Konnten die Menschen etwa mit Komfort und Frieden nicht, etwa gar noch nie umgehen? War Langeweile am Ende der Grund, warum wir die über unseren Zaun gewachsenen Apfelbaum-Äste des Nachbarn abschnitten, oder sonst anderswie Streit vom Zaun brachen?

D wusste es nicht, weswegen er sich entschloss, zumindest einen dieser Vertreter zu interviewen, idealerweise jemanden, aus einem anderen Garten Eden:

Marine Le Pen.

Doch wie bereitet man sich am Besten darauf vor? Auch dies wusste D nicht und überzeugte Marines Pressesprecherin davon, dass es ihm nicht darum ging, ein provokantes Bild von Marine darzustellen, sondern, dass es in erster Linie ein privates Gespräch sein sollte. Schnell verabredeten sie einen Video-Call.

D: Liebe Marine – schön, dass es so schnell geklappt hat, ich darf dich duzen, oder?

M: Naja ausnahmsweise, weil es sich um ein privates Interrview handelt; würden wir einen formellen Rahmen haben, dann…

D: Freut mich. Also, wie geht es meiner Lieblingsnachbarin…? Liegst du im Sterben, oder in den Wehen…?“

M: Wie bitte…?

D: La France, mein Frankreich, Frankenland, Fronkraisch…du erinnerst dich…?

M: Okay, also ohne waming-up, waum nicht; also ab in den Ring…“

D: Nein, nein, wir können gerne erst einen Ice-breaker…

M: Mein Eis ist längst gebrochen…los, komm schon rein mit dir in den Ring…traust dich wohl nicht, oder…? (Marine macht ein paar Boxbewegungen vor der Kamera, wie beim Sparring…)

D: Hat Papa dich so werden lassen? Als ehemaliger Fremdenlegionär hat er dich bestimmt wie einen Jungen hart rangenommen und dich wie einen erzogen, so mit im Stehen Pinkeln und so…

M: Keine Witze über meinen Vater; er hat zwar wirklich einige merkwürdig Ansichten und ist aufgrund seines Alters ein wenig mental deformiert, aber er ist und bleibt mein Vater…(Marine fährt mit leichten Boxbewegungen fort, denen D auf der anderen Seite der Kamera gespielt ausweicht)

D: War es schwer ihn aus der Partei auszuschließen, immerhin war es sein Baby..

M: Na klar! Blöde Frage……

D: Echt wahr, dass ihr in Frankreich nicht blickt, das „Vive La France, vive La Republique“ das Gleiche ist wie „America First“, nur das es eleganter klingt…?

M: Natürlich ist das was Anderes…wir sind Frankreich und nicht…

D: Du meinst eure Kultur, Bildung und keine verlorenen Weltkriege, so wie in Deutschland, machen euch zu einer nobleren Nation…?

M: Nein, aber unsere eigenen Maßstäbe als Leitkultur für Einwanderer zu sehen, lässt zumindest mehr Ordnung im eigenen Haus entstehen…

D: Aber ist Frankeich nicht genauso wie Deutschland eine Nation, die von Zuwanderung profitiert, sie geradezu braucht…?

M: Wenn ihr in Deutschland nicht sagt, was alle denken, nämlich, dass Zuwanderer zumindest eure Kultur und Sprache annehmen müssen, um Teil eures Landes zu werden, dann ist das nicht mein Problem…

D: Klingt nicht sehr europäisch…

M: Natürlich nicht, zuerst denkt jeder an sich…

D: Sag ich ja, Frankreich first…

M: Gilt doch für jeden Menschen…wenn ihr in Deutschland eure Atomkraftwerke abschaltete, dann hindert es uns ja nicht, mehr zu bauen…jeder nach seiner Facon…

D: Was unterscheidet dich denn von Manu…?

M: Mit mir wird es kein Geschunkel mit dem Islam geben! Ich setzte mich voll für das Verschleierungsverbot…

D: Gibt es wirklich nichts Wichtigeres in Frankreich, als Religions-Mode…?

M: Es ist ein wichtiges Symbol…wir müssen…

D: Was unterscheidet dich denn jetzt konkret von Manu…?

M: Ich will, dass Frankreich auch in Zukunft Frankreich…

D: Also wie in Bayen „Mir san mir“..?

M: Wie bitte…?

D: Und Manu will all das nicht…?

M: Er ist doch der Grund, warum La France so schlecht dasteht und im Chaos versinkt…

D: Manu? Der ist doch erst in paar Jahre da…ich dachte, er ist für Erneuerung…

M: Schau dir mal dieses Chaos in unserem schönen Land an…überall Gewalt und Korruption.

D: Wo habt ihr denn Chaos…Vielfalt sieht so aus….Europa nennt sich das…hast du Angst vor Liberté und Diversité?

M: Überall herrscht Unmut und Verzweiflung…in den Banlieus brennen die Straßen…

D: Aber die Banlieus hat doch deine Klasse, die Bourgeoise selber gegründet….Zuwanderer schön raus aus den Stadtzentren, kennt man doch….unter sich bleiben uns so….und jetzt beschwert ihr euch? Ist ein Witz oder…? Und wo du Korruption ansprichst…hast du deinem Freund nicht einen gutbezahlten Posten in der eigenen Partei beschafft? Musstest du nicht erst Letztens veruntreutes Geld zurückzahlen…?

M: Dafür bin ich nicht verantwortlich…..für so etwas hab ich….

D: Noch einmal: Was unterscheidet dich von Manu…? Bis jetzt hast du das noch nicht benennen können, außer, dass Frankreich schön und französisch bleiben soll…das gilt vermutlich auch für Macron….

M: Er hat zu verantworten, das Frankeich verwahrlost…

D: Wie bitte? Also, lass uns jetzt mal Tacheles reden: In der EU willst du bleiben, weil sie sich, ich zitiere „ An euch angenähert hat“ – echt wahr, dass du das so siehst? Klingt ein bisschen größenwahnsinnig, meinst du nicht? Alleine schon Gravitationstechnisch ist leicht zu erkennen, dass du..

M: Wir können innerhalb der EU mehr bewirken als…

D: Schon kapiert, du hast die Platte gewechselt…also: In der EU bleiben, auch den Euro behalten…nur die Gartenzwerge, die sollen in Frankreich geschnitzt werden, vermutlich von glücklichen französischen Dreifachmüttern, die mit der Bibel unterm Kopfkissen ihren Partner glücklich machen…

M: …natürlich haben Frauen die gleichen Rechte wie…

D:….der natürlich ein Vorzeigeprodukt der Republik ist, idealerweise mit Abschluss von einer Grand Ècole…aber was ist mit den anderen 95% des Volkes, die nicht von der Uni kommen…heute gibt es ja nur Universitätsabsolventen und die anderen…..wäre es nicht an der Zeit, sich hier etwas beim Nachbarn abzuschauen?

M: Mir gefällt nicht, wie du über mein Land sprichst ….bist du Freund, oder…

D: Entspann dich mal, ma chère…du musst nicht gleich wie der Biden Vorgänger reden…

M: Es gibt nun einmal wenig, in dem Franzosen nicht führend…

D: Merkst du das eigentlich? Ihr müsst mit eurem selbstverliebten Werbejingles aufhören…das nervt…genießt das Leben, seit glücklich und zufrieden mit euch, aber posaunt es nicht ständig rum…Bescheidenheit…verstehst du? Ihr könnt doch Diskretion…

M: Man muss nicht schüchtern sein, wenn man erfolgreich ist…

D: Okay, also, ich halte dann fest, korrigiere mich gerne: Du bist für die EU…

M: Ich sagte, ich bin für den Erhalt und unsere Mitgliedschaft…

D: Sei nicht so pingelig – also, du bist für die EU, für den EURO, ja ich weiß, du bist nicht explizit dafür, aber auch nicht dagegen, einverstanden; was noch? Ach ja, du bist für Atomkraft, obwohl ihr wie Deutschland kein Endlager habt, willst aber auch keine Windenergie…also Bio und Öko schon, aber mit Atomkraft….und Frankreich den Franzosen…

M: Irgendwie klingst du nicht seriös, wie du meine Sicht widergibst, es klingt so, als würdest du meine Ansichten nicht ernst nehmen…

D: Deine Wahrnehmung trügt nicht…

M: Das ist eine Unverfrorenheit…

D: Möchtest du wissen warum…?

M: Eigentlich nicht…

D: Ganz genau das ist der Grund…

M: Wie bitte? Ich sage doch…

D: Ganz genau! Du bist an einer fremden Sicht, die eventuell nicht deine ist, gar nicht interessiert; du bist ein Narziss, der sich im Spiegel betrachtet – kritische Töne? Fehlanzeige, noch dazu ist dein Programm kaum anders als das vom Manu, außer…

M: Okay, bleibt das Bitte unter uns…?

D: Was…?

M: Wie gut kennst du uns…?

D: Ich würde meinen, ein wenig…

M: Tatsächlich? Mutig von dir…

D: Was wolltest du mir anvertrauen…du batst darum, das etwas unter uns…

M: Wir haben eine reelle Chance an die Macht zu kommen; die Medien geben uns Rückenwind…noch nie war sie so greifbar nah…Franzosen, alle Mittelmeerländer, im Grunde alle Südeuropäer lieben Helden…ich muss einen Krieg gegen Manu führen, weil ich mich kaum hinstellen und sagen kann, dass es wenig Unterschiede gibt und das wir im Grunde zusammenarbeiten sollten, um Frankreich in die Zukunft zu führen….das klingt nicht sexy…auch interssiert sich niemand für so eine kollaborative Zukunft, was meinst du warum Menschen Rugby und Fußball schauen? Mnschen lieben Sieger, die Hlden, die hoch zu Ross stolz durch das Schlachtfeld reiten….solange es Apéro und gutes Essen gibt..

D: Die Flasche ist alle, wollen wir bei weiß bleiben, oder zu Rot wechseln…?

M: Wie wäre es mit Rosé…?

D: Einverstanden….gute Idee….ich höre dir zu…

M: Wir Franzosen sind eigentlich recht genügsam, solange es ein wenig „Amou fou“, gute Weine und unsere weltberühmte Cuisine…

D: Jetzt fängst du schon wieder mit diesem Werbejingle an….was soll ich für mich behalten…?

M: Santé…

D: Santé…

M: Wir brauchen das barocke Drama in der Politik, die Sentimentalität…und zwischen den Wahlen geht alles seinen üblichen sozialistischen Gang…erwartet keine Revolutionen von uns…denn uns geht es gut genug….keiner will groß etwas ändern,….wir tun nur so als ob, verstehst du das? Nur kann ich das keinem sagen, schon gar nicht als Chefin des AF, der seit Gründung zum Elysee-Palast schielt…verstehst du?

D: Na klar…also bleibt es dabei was ich bereits gesagt habe…

M: Was..?

D: Das es in Wahrheit keinen Unterschied macht, wer von euch beiden an der Macht sitzt…

M: Natürlich ist das wurscht…es wäre nur unterhaltsamer, wenn ich dran käme, weil…

D: Schon kapiert, Frau und so….hast du nicht Angst, dass du dich in etwas Ähnliches verwandelst, wie Kurz in Österreich oder Trump oder all die anderen Alpha-Schwachköpfe…? Wir können euch Heinis nicht mehr gebrauchen…die jungen Generationen noch weniger….die kriegst du nicht motiviert, dich zu wählen…überleg dir also gut, ob du wirklich Präsidentin werden willst….mehr Zeit für dein Leben hast du, wenn ihr Opposition bleibt….

M: Das stimmt wohl, aber versuchen müssen wir es…

D: Verstehe ich…

Pressesprecherin: So, die Zeit ist um…

D: Danke für das Gespräch…

M: Avc Plaisir…

Tatsächlich saß man noch länger zusammen und leerte am Schluss vier Flaschen – auch die Pressesprecherin setzte sich dann dazu und trank mit…

PS: Anm.d.Redaktion: Natürlich hat ein solches Gespräch nie stattgefunden – es ist aber zu empfehlen, das wirklich stattgefundene Interview mit der Zeit-Redaktion zu lesen, weil dies fiktive Interview zwar an einigen Stellen als überzeichnet aufgefasst werden könnte und es um so mehr jeden überraschen dürfte, das die Wirklichkeit manchmal noch viel beeindruckender sein kann….was nichts daran ändert, dass es vermutlich wirklich egal ist, wer in La France an der Macht ist.

Es wird viele Jahre, gar Jahrzehnte dauern, bis man fair hergestelltes Foie Gras und all die vielen anderen leckeren Schweinereien abschafft….….lediglich die Tatsache, dass der französische Präsident der einzige demokratische Leader der Welt ist, der per Einzelentscheidung einen Krieg beginnen darf….das lässt die Redaktion immer wieder nachdenklich di Stirn runzeln…hier regen wir unsere Freunde in Frankreich an, Änderungen in ihre Verfassung einzubringen…

…frohe Pfingsten!