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Corona – Countdown für die Freiheit – Odyssee 2020 CW18

Systemrelevant wird vermutlich das Unwort des Jahres 2020. Virologie folgt vermutlich auf dem Fuße. Achtsamkeit, Müßiggang und Kommunikationswirksamkeit sind dagegen im Aufwind. Besonders Letzteres, weil es niemand kennt – noch nicht!

Es ist ein Produkt meines äußerst geschätzten Monsieur Thalamus, der, wie bereits mehrmals in einem Nebensatz erwähnt, der wahre Chef meines Selbst ist.

Während ich heute beim Frühstück saß, dachte ich darüber nach, was ich eigentlich über die derzeitige Situation weiß; im Grunde wenig. Ich weiß, dass ich, weil ich in Toulouse lebe, bis zum 11.Mai zuhause bleiben muss, um die Ansteckungsgefahr und Verbreitung des Corona-Virus einzuschränken. In Wahrheit ist das alles was ich wirklich weiß. Denn wenn ich mir im Fernsehen Informationen holen will, bin ich hinterher sogar noch weniger schlau, als vorher.

Wie kommt das?

Nun, zuerst muss man eingestehen, dass man in Frankreich ungern auf den Punkt kommt; das ist einfach nicht der Charakter der Sprache; sie umkreist gern, oft klingt sie auch elegant dabei. Ein Beispiel:

Wenn Emanuel Macron seine nächste Rede in Griechisch hält, dann werden ihn wenige Landsleute verstehen, vermutlich niemand. Wenn ein Offizier der deutschen Bundeswehr seine Kompanie antreten lässt und ihnen in perfektem Französisch zuruft stramm zu stehen, sich bei eins um 180 Grad zu drehen, so dass ihn alle nur noch mit dem Rücken ansehen, dann langsam und bedeutsam von drei langsam runterzählt, dann wird mit größter Wahrscheinlichkeit, der arme Offizier in die gleichen Visagen blicken, wie vor dem Befehl – es wird ihm ähnlich gehen wie Manu.

Oder In anderen Worten – Kommunkikationswirksamkeit ist das Verhältnis zwischen den zu platzierenden Botschaften und der nachweisbaren Umsetzung und Verstoffwechselung. Eins oder 100% ist das anzustrebende Ziel, was meiner Erfahrung nach, nur sehr wenige dauerhaft erreichen. Manche scheitern ihr Leben lang daran, es ein einziges Mal zu erreichen.

Ganz entscheidend ist die Wahl des Mediums. Wenn man mehr als tausend, wenn man vielleicht ein ganzes Volk ansprechen will, zum Beispiel die Bürger der fünften Republik, dann bleibt einem nur das Fernsehen. Ganz besonders wichtig ist, dass man nicht zu viele Botschaften platziert; unverzichtbar ist ebenfalls, dass man sich nicht widersprechen darf, oder zumindest eine gewisse Zeitspanne zwischen widersprüchlichen Botschaften setzt.

Wenn man heute Informationen herausgibt, wie man nach dem 11.Mai in Frankreich als Bürger und Einwohner vorzugehen hat, ist es wichtig, das man wenig Raum für Interpretationen lässt und, wie schon erwähnt, sicherstellt, dass die Botschaften aufeinander aufbauen und nicht Gegenteiliges beinhalten. Mein Lieblingsbeispiel ist das mit der Liebe:

„Schatz, ich liebe dich!“ Versuch eins lässt keinen Raum für Interpretation.

„Schatz, ich glaube, ich liebe dich!“ V2 beinhaltet reichlich Raum für Spekulation.

Wenn man sich für V1 entschieden hat, weißt du, dass dein Gegenüber das verstanden hat, unabhängig davon, ob sie / er ähnlich oder gar gleich empfindet. Um jemanden zu lieben braucht man nicht dessen Einverständnis; jenes braucht es nur, wenn man eine Beziehung aufbauen / erhalten will.

Wenn ich also heute sage „Ich liebe dich!“ und eine Woche später, „Ich liebe dich nicht!“ dann ist das absolut gegensätzlich, weswegen der Empfänger irritiert sein wird, mit völlig offenem Ende, was er damit macht.

Dass wir uns schwertun, diesem einfachen Beispiel Folge zu leisten, besonders in Stress.- und Krisensituationen, ist natürlich. Zumindest sollten wir versuchen, regelmäßig daran zu denken und anstreben, es immer zu beherzigen, weil man sonst Chaos erzeugt.

Wenn man jedoch den Anspruch hat, eloquent, charmant und mit reichlich Pathos und barocker Eleganz zu parlieren, dann wird es ungleich schwerer, das Kommunikationsziel im Auge zu behalten, davon ausgehend, dass man eines hat.

Natürlich wechselt man ständig zwischen verschiedenen Kommunkationstilen; mit seinem Partner spricht man anders, als mit Untergebenen, Kollegen, Mama und Papa; ähnlich ist es mit den Inhalten; jemanden lieben sagt vor Allem etwas über die Art und Weise aus, wie das geschieht, ähnlich wie in der Kommunikation.

Meinen Partner liebe ich anders als Eltern und Geschwister, obwohl es das gleiche Wort ist. Wenn ich meine Freiheit wieder haben will, dann bedarf es dafür konkrete Schritte. Ist die Wirksamkeit meiner Kommunikation gegeben, komme ich ans Ziel.

Ich gebe zu, dass eine rein funktionale Sprache, sehr militärisch und unangenehm klingt; natürlich würze ich meine Eigene auch reichlich, dass man manchmal vor all dem Stuck und der Zierde, angeblich, kaum noch den wahren Inhalt erkennt; nehme ich das rechtzeitig wahr, kann / muss ich reagieren.

In Frankreich habe ich zur Zeit den Eindruck, dass man nicht merkt, dass man seine Kommunikation etwas an die Krise anpassen muss; man macht im gleichen Stil weiter und erkennt nicht, dass man selber die Quelle ist; ich will mitnichten sagen, dass Ergebnisse und Wirksamkeit dem Zufall überlassen werden, aber den Eindruck bekommt man; sollte das unbewusst oder bewusst so sein, dann verstehe ich den Auftrag der Akademie Francaise – dann ist es in der Tat wichtig, dass man dies Kleinod vor der globalen Außenwelt schützt.

Und wenn das für die Sprache gilt, dann vermutlich auch für die Republik und seine Bürger; dann ist Macron auf die gleiche Begeisterung reingefallen, mit der er sich selber berauscht; dann ist die Quintessenz kompakt zusammengefasst:

Man findet so einen forschen & schnittigen jungen Mann toll, besonders in so einer Rolle als Präsidenten und selbstverständlich hörten sich seine Ziele damals toll an, was aber eben noch lange nicht heißt, und genau darin liegt die Falle, in die beide Seiten getreten sind, dass man all diese schön klingenden Dinge einer möglichen Zukunft in seiner Realität wiederfinden will!

In Wahrheit will man in Frankreich, dass alles bleibt wie es ist; Apéro, la cuisine Francaise, l’Amour toujour und das wars. Und wenn manche jetzt die Nase rümpfen, stelle ich mich ohne Furcht hin und frage – ja warum denn nicht! Warum soll das nicht langen? Was mehr braucht es im Leben?

Wenn also alle im Theater ihre Rolle spielen, jene auf der Bühne und die Zuschauer, dann ist doch allen geholfen, oder habe ich etwas vergessen? Oh-ja, etwas ganz Entscheidendes, nämlich dass es nicht alle Nachbarn verstehen. Manchmal sogar nicht einmal die eigenen Politiker – vielleicht fühle ich mich hier deswegen so wohl – weil ich hier meinen Müßiggang pflegen kann und ein gewisses Maß an Freiheit erspüre – umgeben von einer Sprache, die das Vehikel, das Medium, dieses Gefühls ist.

 

Nachschlag – Odyssee 2020 CW13

Letzte Nacht habe ich geträumt. Ich rannte durch irgendein riesiges Industrieareal; ich glaube es war ein Flugzeugwerk; keine Ahnung wie ich darauf kam; hier und da brannte Licht, auch Mülltonnen; muss damit zu tun haben, dass ich gestern irgendetwas über den weltweiten Flugverkehr gelesen habe; angeblich ist der um 70% zurückgegangen; das ist ziemlich viel; kein Wunder, wenn wir uns länderweise einsperre; warum wir das machen, hat man uns auf allen Kanälen erklärt.

Man will die Gesundheitssysteme vorm Kollabieren schützen und so; profitieren tun vermutlich wieder aufmerksame, ethisch-moralisch bewusst eingeschränkt Handelnde, die mit Not und Mangel Geschäfte machen; ich für meinen Teil nutze diese Zeit für meine „Mad-Sunday-Bewegung“, die den Müßiggang schützen und stärken will, egal welche Panik wir mal wieder durch die Straßen jagen.

Zur Zeit halt Corona; deswegen werde ich mich an weiteren Spekulationen, wieviele Menschen pro Jahr in welchem Land sterben, versus heute MIT Corona nicht hingeben; ich werde schreiben und zwischendurch dem Müßiggang frönen; warum? Macht halt sonst niemand; weil jeder mit in den Corona-Krieg gezogen ist.

Menschen können mit Frieden und Stille nicht umgehen; nach 75 Jahren muss man in Zentral-Europa halt mal wieder ein Abenteuer haben. Sorry, nicht für mich; ich sage – NEIN DANKE. Ich bin sozusagen Kriegsverweigerer, ich lasse den anderen ohne Kampf gewinnen; schon früher nannten sie mich Spielverderber; offensichtlich bin ich mir treu geblieben, immerhin was.

Gerade nutze ich die Zeit, um mein drittes Buch fertig zu schreiben; die Corona-Krise gibt mir Rückenwind, weil mich Emanuel Bonaparte noch bis zum 15.April zuhause haben möchte; ich sehe das wirklich als Chance, um fertig zu werden und Raum fürs Vierte zu schaffen.

Nachrichten sehe ich schon lange nicht mehr; hin und wieder frage ich meine Freundin, nach der Betriebs-Temperatur und dann weiß ich, ob ich wieder uneingeschränkt frei bin, nach dem Verständnis der fünften Republik, oder ob wir Nachschlag bekommen; daran sind meine lieben Brüder und Schwestern aus dem Frankenland Weltmeister.

Nicht eine Mahlzeit erinnere ich, wo es nicht reichlich gab; Wein genauso; immer zu viel; du möchtest noch? Komm, nimm noch einen Haps und noch einen Schluck mehr; nimm ruhig noch einen, nehm ordentlich Nachschlag. Überall bekommst du zuviel, so wie auch beim „Confinement“ oder „Stubenarrest“ wie ich es nenne; man hat sich diese schöne alte barocke Attitüde bewahrt, alles ein wenig komplizierter, länger, intensiver und gründlicher zu machen, bis man die Schmerzgrenze überschreitet.

Als wäre es gestern, erinnere ich das Mittagessen bei meinem Freund Jean-Marc, in Saint-Germain-du-Puch; ich glaube es war 2014, oder 2015; wir fingen mit einem furchtbar köstlichen Spargelgericht an, wechselten zu Austern, kamen nach reichlich Wein einen Schritt weiter und landeten bei Entenbrust und Entrecôte, bis wir dann irgendwann bei Dessert und Käse landeten.

Klingt alles nicht besonders erwähnenswert, wenn man davon absieht, dass es sieben Stunden lang dauerte und wir wirklich alle Weine seines Chateaus probierten, einschließlich 30 Jahre alte rote und weiße Raritäten; schon damls habe ich mitgemacht, so wie auch heute; völlig überzogen, fand ich schon von Anfang an; zu viel von Allem; Speisen, Weine, Staat und Patriotismus; danach fiel ich in ein zwei Stunden komatösen Nachmittagsschlaf.

Heute ist es das Gleiche; ich mache mit; ich kenne ja meine lieben Franzosen; ich finde viele Ähnlichkeiten, die mich an Deutsche erinnern; in besonderen Momenten, nach ein paar Gläsern Wein, mache ich Äußerungen wie „Franzosen sind Deutsche MIT Kultur“ oder umgekehrt „Deutsche sind Franzosen, OHNE Kultur“. Ich mag diesen Vergleich.

Manche lachen und andere gehen vehement dagegen an; man muss sich halt beide genauer anschauen; gründlich sind sie beide, nur in unterschiedlichen Feldern; wenn man Produktivität und Arbeitswut als wichtige Teile der menschlichen / europäischen Kultur ansähe, wie Müßiggang und Lebenskultur, dann wären Deutsche und Franzosen völlig ebenbürtig, um nicht zu sagen gleich, sogar in Sachen Kultur, nur eben in anderen Kompetenzen.

Was das mit Müßiggang zu tun hat? Nun, eigenlich Alles; ich muss jetzt weitere zwei Wochen zuhause bleiben, was mir beim Seele-baumeln-lassen hilft, sowie auch beim Schreiben; von daher, alles gut; ob das alle anderen in Frankreich ähnlich sehen ist fraglich, weil angeblich die häusliche Gewalt massiv angestiegen sein soll; auch in Spanien; natürlich sagt das über uns eine Menge aus, aber im Grunde es so wie mit dem Sprühen von Insektenvernichtungsmittel.

Du versprühst es solange, bis du dich wunderst, dass du die Insekten vernichtet hast; die Menschen werden mir immer fremder; jetzt in der Corona-Krise besonders; man merkt gar nicht, dass man weitermacht wie immer und genauso panikartig ins nächste Rabbithole gesprungen ist; jetzt ist es Corona, vorher waren es Gelbwesten und Flüchtlinge, sowie Landtagswahlen, wo Rechte stärker und stärker werden.

Heute ist es Corona; danach die daraus folgende Rezension; und so weiter und so fort; Digitale Informationen sind der neue WW3; Informationsmedien sind die Waffen moderner Kriegsführung; ihr braucht Evidenz? Nichts einfacher als dass; wieviele von euch würden, zu Gunsten von Müßiggang, Famile, Partnerschaft, lesen und Lebenskultur ihr Smartphone eine Woche lang abschalten….?

Seht ihr….?

Danke….!