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Katerstimmung – Odyssee 2021 CW16

25.April – Bin heute mit dickem Kopf aufgewacht. Ist lange her, dass ich nen Kater hatte. Zum Glück ist es nur ein Leichter. Also mehr Katze, als Kater. Bin gestern erst gegen drei im Brausebrand nachhause geradelt. Frisch war es, kein Gendarm weit und breit. Genau das mag ich an Frankeich, nichts wird so richtig ernst genommen, in allen steckt ein Rheinländer.

Man konzentriert sich eben aufs Wesentliche. In Deutschland ist das Maß mit weitem Ärmel nur selten zu finden. Alle sind so sehr mit irgendetwas Sinnvollem beschäftigt, natürlich mit größtem Ernst.

Furchtbar diese Protestanten!

Niemand macht Dinge so aus der Lameng heraus. Alle sind so angestrengt, selbst beim Faulenzen wollen viele noch Höchstleistung bringen, zum Kotzen. In Schleswig-Holstein gibt es am ehesten noch so etwas wie Gelassenheit. Land zwischen den Meeren, vom Meer umschlungen sozusagen. Irgendwie muss das alles anders werden. Einfach so weitermachen wie bisher ist das Einzige, was nicht mehr geht.

Zu viel Schizophrenes leben wir da vor uns hin.

Kunststück, ging ja nach WW2 gezwungener Maßen nur nach oben. Wenn alles platt ist, geht es eben auch nur bergauf. Jetzt nach übe 70 Jahren muss endlich was Neues her. Hat doch längst jeder Teenie das ewige Wachstum als Märchen entlarvt, mal ganz abgesehen von der spannenden Frage nach dem „Warum?“. Wir könnten mal anfangen, mit moralischem Fortschritt in die vernetzte, hoffentlich grünere Zukunft zu schreiten.

Vielleicht verschwinden dann auch all diese merkwürdigen Politiker, die sich wundern, dass wir lebenswichtige Insekten erfolgreich vernichten, weil sie immer noch Insektenvernichtungsmittel bewilligen. Absurde Welt, werde wach, oder besser gesagt: Liebe Bürger Europas, lasst uns mehr Verantwortung übernehmen.

Wir müssen uns auf Gemeinnutzen konzentrieren und Wahrheiten, von Meinungen und Kommentaren trennen. Zurzeit geschieht ja viel in Sachen Verdrehung. Alles wird zurzeit vertauscht und umgedreht. Überall wittern Menschen Verschwörungen. Von der weltumspannenden Eliten-Veschwörung, die uns per Impfung in die Abhängigkeit und dann in die Sklaverei zwingt, bis hin zu Chemtrails, die uns mit Gift bespühen, um uns zu kontolieren und manipulieren.

Warum eigentlich nicht?

Zu vieles wird aus dem Kontext gerissen. Zu viele Menschen verpesten ihren Gedächtnispalast. Meine Empfehlung: Einfach Fernseher abschaffen. Lest wieder gedruckte Bücher. Gibt so viel Tolles. Lernt sprachen, reist herum, trefft Menschen, diskutiert, kocht zusammen, ernährt euch gesund, ausgewogen und endlich fleischärmer; trinkt guten Wein; schlaft lange und gut; genießt Müßiggang, soviel ihr könnt.

Aber vor Allem – genießt euch und euer Leben.

Wahrheit suchen, statt schnödem Marketing hinterherlaufen. Man stelle sich das vor, mit dem Unaussprechlichen aus Braunau. Wie er die Deutschen damals anschrien – „Wollt ihr den totalen Krieg?“ und diese Heinis sagen auch noch „JA!“. Was soll man denn dazu sagen? Habt ihr euch das jemals vorgestellt? Hat irgendjemand sich mit Großeltern darüber unterhalten? Mit Opa vielleicht gesprochen? Krieg ist doch Scheiße.

Man stirbt selbst als Held – nur eben als Zweiter!

Ich meine, wenn man mich fragen würde, so etwas wie – „Wollt ihr den totalen Apéro, ein totales Hitzefrei, den totalen Frieden, die totale Glückseligkeit, Hingabe, Liebe, die totale Weinverkostung, oder den totalen Orgasmus…..“ Okay, einverstanden. Da könnte ich mich mit anfreunden – Ich wohl dabei.

Aber den totalen Krieg? Echt jetzt? Im Ernst?

Ich versuche mir das immer wieder auszumalen – haben die da auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände abgestimmt? Oder zählte man einfach hochgerissene Arme? So nach dem Motto – „Warten Sie, mein Führer, wir zählen noch – so, jetzt haben wir es: Es sind 600.000 tausend hochgerissene JA-Arme.“

Soll ich mir das so ähnlich vorstellen?

„Entschuldigung, mein Führer – wir haben dahinten noch 20 JA-Arme übersehen, es waren Kameraden aus dem GAU-Hintertumpfingen – es sind also in Summe, 600.010 JA-Arme“ Konnte es eventuell so gwesen sein, oder langte dem Unaussprechlichem GröFaZ das einstimmige Gejohle? Hat niemand nachgefragt, was der Unaussprechliche mit „Total“ meinte? Ich meine, total wie, die totale Nassheit von Wasser? Oder totales satt sein? Oder, halt, wartet, ich hab es:

Ich bin manchmal total müde!

Ist es eher so nach dem Motto – „Wollt ihr die totale Müdigkeit?“ Also wollen und suchen nicht, aber haben tue ich sie manchmal, wenn gleich es ja eher was sehr Privates ist. Man ächzt und stöhnt ja nicht im Radio oder Fernsehen, wie total müde man ist – außer, man heißt vielleicht Jan Böhmermann. Also noch mal die Frage:

Wie konnten Menschen damals begeistert „JA“ schreien?

Ich will heute niemanden in Schutz nehmen, das ist irgendwie ja auch nicht mögich, stelt euch mal vor, ihr werdet gefragt, ob ihr den totalen Fernsehabend wollt – ihr antwortet dann mit JA – und beschwerrt euch hinterher, das der TV-Abend zu lang geht und das ihr müde und gelangweilt werdet, wo ihr doch selber dafür gestimmt habt.

Also in Schutz nehmen geht per-se schon mal nicht.

Aber vermutlich hat der unaussprechliche Onkel alle besoffen geredet hat, wahrscheinlich hat er sie in eine Art Massenhypnose hineingesülzt, so ähnlich wie beim Psychologen auf der Coach, wenn er einem helfen will, nachdem man gebeichtet hat, dass man mit fast 50 immer noch Fingernägel kaut, seinen Rotz unbewusst ständig hochzieht, oder Popel unter Tische schmiert, so wie früher als Kind, bis man Jahre später, voller Überraschung in die längst kalten, angetrockneten Kraterlandschaften, an der Tischunterkante greift und sich in Lichtgeschwindigkeit daran erinnert – UND – wie gerne man auch heute noch im Stau, gedankenversunken an den Außen und Innenwänden seiner Nase herumfingert, wie 99% aller Autofahrer. Als noch mal:

„Wollt ihr den totalen Apéro?“

Ich bleibe dabei, ich könnte auf diese Frage mit „JA“ antworten, aber nur temporär begrenzt. Denn selbst mit den besten Kumpels ist man doch nach, sagen wir fünf bis zehn Stunden müde und angetrunken, so wie ich letzte Nacht, oder nicht?

Man macht dann doch nicht einfach weiter, geschweige über Wochen, Monate Jahre. Wie lange ging der WW2 noch? Sechs Jahre, oder? Man kann sich doch auf solch einen langen Apéro unmöglich vorbereiten. Ich kenne meine Limits. So etwas artet ruckzuck in Arbeit aus.

Wir lassen uns offenkundig gerne einseifen.

Ich will mitnichten Spontanität und erquickende Lebendigkeit im Keime ersticken, geschweige verbieten, aber ein klein wenig Abstand, hin und wieder durchatmen und nicht alles gleich wollen, kaufen, glauben und machen, würde erstaunlich viel zum Weltfrieden und Weltklima beitragen.

Nicht nur wegen all dem ganzen Plastik Spielzeug der Kinder, oder den Konsum und Entertainment-Artikeln, mit den wir die Mülldeponien der zweiten und dritten Welt verschönern, weil wir den ganzen Abfall ja nicht bei uns im eigenen Land haben wollen, wie sieht das denn aus? Was sollen im Übrigen auch die Nachbarn dazu sagen?

Nie geht es uns um uns selbst, immer nur darum, was andere denken und hinter unserem Rücken plaudern könnten – welch traurige Zivilisation – lasst uns doch lieber nützliche Dinge mit unseren Mitmenschen machen. Gibt doch so Vieles. Wie wäre es mit Vollbeschäftigung? Weg mit dem ganzen Zertifikat und Urkunden-Unsinn. Jeder kann alles lernen und tun. Jeder ist wertvoll und talentiert, man muss sich nur kümmern – dabei hilft es, wenn man Menschen mag.

Man kann sich nämlich schlecht selbst mögen, wenn man Menschen grundsätzlich doof findet. Wundern braucht man sich dann nämlich nicht, wenn manche ihre Mit-Menschen schlecht behandeln, als ungläubig, gar unwert, minderwertig usw betrachten und verurteilen, oder gar foltern, wo wir doch alle im selben Boot sitzen.

Alle Menschen haben die gleichen Menschenrechte.

Rassen, Ethnien, Kulturen, ja selbst Nationen und ihre Staaten, sind lediglich artifizielle Kreationen, erschaffen von den Menschen, um abzugrenzen und Zughörigkeiten zu erzeugen, fürr die es all so etwas gar nicht bedarf – jetzt ist eine gute Zeit alte Zöpfe abzuschneiden.

Lasst uns beginnen, jetzt – heute!

Odyssee 2020

Heute morgen, so zwischen dem zweiten und dritten Eigelblöffel, fragte ich mich, ob sich in 2020 irgendetwas anders anfühlt. Bis jetzt noch nicht, würde ich tendenziell sagen. Doch wenn ich ehrlich bin, müsste ich zugeben, dass ich keine Ahnung habe. DAS ist das einzige, was ich schon seit Jahren sage – das ich nur weiß, dass ich nichts weiß – und ehrlich gesagt, ist es bis heute nicht anders geworden, eher umgekehrt. Mein Nichtwissen ist mit jedem kleinen Baustein gewachsen, den ich mir mühsam erschließen durfte. Komisch, nicht wahr? Oder ist es gar natürlich?

Wenn wir uns bemühen Vernunft.- und Wahrheitsliebend vorzugehen, landen wir zwar bei vielen Dingen, die uns die Wissenschaften hinterlassen haben, von denen wir jedoch, sein wir mal ehrlich, kaum bis wenig verstehen weswegen wir es zu Recht nicht „Unser Wissen“ nennen können, weswegen sich ein „ich weiß…..“ per-se verbietet. Ich kenne Werner Heisenberg, auch was er im Groben gemacht hat, aber wissen tue ich es nicht. Und ob ich der langen Liste, Sigmund Freud, sowie eine Unmenge weiterer kluger Köpfe hinzufüge, wird sich nichts daran ändern, eher im Gegenteil.

Wir müssen uns auch nicht gleich mit der Gretchenfrage peinigen, die für sich genommen schon so schwer ist, dass sie einem jahrelang, ach was rede ich, ein ganzes Leben im Bauch liegt. Stattdessen können wir es mit etwas Schlichtem versuchen, mit einer einfachen Verabredung. Anhand dieses Beispiels, möchte ich zeigen, was uns, nach meinem Dafürhalten, in den letzten Jahrzehnten, eher mehr, statt weniger, abhanden-gekommen ist – betrachtet es als Teaser, als Entrée für das junge und frische Jahr 2020.

Eine Verabredung, zum Beispiel, zum Dinner. Machen wir es uns nicht zu schwer, indem wir ein Dinner mit der Familie, gar unseren Eltern wählen, sondern unter Freunden. Man verabredet sich „gegen 18:00 Uhr“ um einen gemeinsamen Aperitif zu trinken und um auf das neue Jahr anzustoßen. Bei der Verabredung mit dem wichtigen Schlüsselwort „gegen“ kann man schon sehen, dass es sich vermutlich um Menschen handelt, die beide über 40 Jahre zählen. Utopische erscheinende Präzision, wie die Nutzung des alternativ verwendbaren Wortes „um“, das eine selten anzutreffende Klarheit und nicht interpretierbare sprachliche Reinheit vorlebt, verwandelt solch simple Alltäglichkeit in nahezu 100% aller Fälle in unerfüllte Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen, die wir wie Fallobst, verfault und vergoren aufheben können, was impliziert, dass wir wieder einmal, nicht gut genug, oder schlicht, zu spät waren.

Daher ist anzunehmen, dass die beiden, vermutlich recht menschlichen Individuen, die sich erfolgreich auf „gegen“ geeinigt hatten, bereits ein gewisses Maß an Weisheit und Lebenserfahrung besitzen, oder, für den Fall, dass sie jünger sind, was man mit großer Freude, nicht ausschließen kann, ein überdurchschnittliches Maß an Reife mitbringen, ohne überreif geworden zu sein. Wenn wir also davon ausgehen, dass wir zwei menschliche Individuen vor uns haben, die sich zu einem gemeinsamen Dinner, „gegen“ 18:00 verabreden, bleibt die Frage im Raume stehen, was das bedeutet.

Sprache, ist nämlich, besonders die Deutsche, ein solch scharfer Skalpell, dass wir meist zu unbedacht damit umgehen. Die faktuelle Wahrheit, sich auf „gegen“ 18:00 Uhr verabredet zu haben, bietet nämlich ein gewaltiges Maß an Flexibilität und Bewegungsspielraum, der nur dann halbwegs erfolgreich ist, wenn beide Vertragspartner, das gleiche Verständnis haben – was in aller Regel, niemals vorher abgeglichen worden ist, wenn wir ehrlich sind.

Nun werden sich wieder viele an den Kopf fassen und fragen, was das Ganze soll – vielleicht täusche ich mich auch. Hintergrund ist, dass wir zu schnell sagen „ich weiß“ – ich spreche hier für mich selbst. Die oft verwendete Floskel „ich weiß“, wird von uns in Wahrheit meist unbewusst genutzt, weswegen wir es mit großer Wahrscheinlichkeit, zu häufig anwenden. Einen großen Teil meines Lebens habe ich nämlich damit zugebracht, die andere Seite zu verstehen, was mir, heute traue ich es mir zu es in aller Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen, so gut wie nie, ich wiederhole, so gut wie NIE gelungen ist.

Egal welches Wort verwendet wurde, habe ich alle Wirklichkeiten in meine Realität erleben und kosten dürfen. Mal war ich „um“ 18:00 Uhr da, der Besuchte war noch gar nicht zuhause, bis hin zur „gegen“ 18:00 Uhr Dinner-Verabredung, bei der das Essen seit Punkt 18:00 Uhr auf dem Tisch stand, was einen erahnen lässt, dass es bei meinem Eintreffen „gegen“ 18:15 bereits lauwarm bis kalt war, was nicht nur für lautstarke Entrüstung sorgte, sondern auch in Wutausbrüche der Gastgeber endete, die nur mit größter Mühe und mit dem Hochhalten der allgemein gültigen Menschenrechte der Vereinten Nationen davon abzuhalten waren, in physische Gewalt auszuufern. In seltenen Fällen wurden volle Weinflaschen nach mir geworfen, denen ich nur mit größter Mühe ausweichen konnte. Die Weinflaschen-Werf-Vorfälle zähle ich übrigens zu den „nicht gewalttätigen“, für den Fall, dass hier Klarheit vermisst wird.

Was kann uns das sagen? Für meinen Teil, dass wir Worte mit unterschiedlichen Inhalten besetzen. Außerdem kommt dazu noch die genutzte Oberfläche des Wortes – hier spreche ich vom Unterschied zwischen, was „meint“ man und was „sagt“ man. Wenn jedes Wort also zwei Eigenschaften besitzt, Inhalt und Oberfläche – wie sehr vergrößert sich die Komplexität, wenn ich ihr Umfeld, ihren Kontext, Stimme und Körpersprache hinzuziehe? Lassen wir mal die physischen Komponenten weg, belassen wir es bei der reinen schriftlichen Form. Also die Wortumgebung und Kontext fügen wir hinzu. Damit können wir recht fundiert sagen, dass jedes Wort von einer vierfachen Komplexität umgeben ist, ohne dass wir begonnen haben zu kommunizieren.

Von den menschlichen Komponenten, wie geht es mir während ich schrieb, oder dem / der / den Besuchten? Wie ist das werte befinden? Geht es mir gut, oder schlecht? Bin ich frisch verliebt, oder frisch getrennt? Was für Dinge sind vorher geschehen und lustwandeln in unseren Köpfen herum? Welches Stress-Niveau haben wir, beeinflusst durch Gesundheit, Beruf, Umwelt und Lebensrituale? Je länger wir darüber nachdenken, stellen wir fest, dass es offenkundig mehr als vier weitere Komplexitätsebenen und Faktoren gibt. Natürlich können wir mit diesem Wissen jetzt nicht wie ein Großrechner, alle Wahrscheinlichkeiten durcharbeiten, um einen einfachen Satz, eine alltägliche Verabredung zu tätigen – mitnichten.

Aber es kann uns daran erinnern, dass wir in unserer Zwischenmenschlichen Kommunikation eine Menge Geduld, Gelassenheit und Respekt benötigen, um miteinander friedlich und harmonisch zurecht zu kommen. Wenn ein Mensch der mich mag, vielleicht sogar mehr als das, wenn Menschen aus alltäglichen Gründen, zu solch einer breiten Spanne von Regungen fähig sind, bei Menschen die sie mögen, vielleicht lieben, was wundert uns dann irgendeine Gewalttat auf diesem Planeten? Das Morden und Töten ist unser Alltag, egal ob selbst verübt oder durch fremde Hand.

Was schlummert alles in uns, wenn wir selbst mit dem geliebtem Menschen gewaltvoll umgehen, egal ob rein verbal oder gar physisch? Genau – Alles! Was Liebreizendes und etwas Zerstörerisches. Krieg und Frieden, Liebe oder Hass. Immer beides zur gleichen Zeit. Wenn ich möchte, dass Menschen mit mir gut und achtsam umgehen, dann muss ich zuallererst Gleiches mit ihnen tun – ich muss den ersten Schritt wagen, oder ich kann mein Leben lang vergeblich darauf hoffen.

Was das alles mit 2020 zu tun hat? Das schauen wir uns später an…..

 

Digitale Transformation – Odyssee 2019

Eben beim Frühstück kamen sie mir hoch, die Unwörter des Jahres. Digitalisierung und Transformation. Wie Fliegen auf Scheiße, springt unsere übergeschnappte Welt auf diesen Hype. Jeder ist digital unterwegs. Irgendetwas ist jeder am Transformieren. Der eine im Business, der nächste Privat und der Übernächste sein ganzes Leben.

Ich für meinen Fall gehe da nicht so weit. Analoger Mann in digitaler Welt, trifft auf mich mehr zu. Nicht weil ich negativ, gar pessimistisch oder unmotiviert bin, im Gegenteil. Optimist bin ich, zwar ein kritischer, aber ein echter Fall von Halbvollglas-Charakter. Neugierig bin ich auch. Alles will ich wissen. Alles und sofort. Geduld habe ich auch, aber nicht mit der Gießkanne, über alles gleich verteilt. Eher gezielt ausgesucht.

Gestern habe ich ein wirklich disruptiven, spannenden Transformationstag gehabt, in dem ich in die hochverdichtete braune, dampfende Masse der Digitalisierung getreten bin, ohne es zu merken. Seit gestern habe ich den Beweis, dass die Digitalisierung uns eventuell bereits entglitten ist. Nein, nein, nicht wie Dorothee Bär, die Staatsministerin im Bundeskanzleramt es gerne hinstellt, dass wir Acht geben müssen, die Daten der Bürger zu schützen und sie im Auge zu behalten. Wieso nur die Daten? Wieso nicht den ganzen Bürger, frag ich mich? Seit gestern habe ich die Antwort. Mir drängt sich dei Vermutung auf, dass Bürger das Medium der Digitalisierung, nicht das Zentrum sind, um das es geht.

These1: Beeinflusst die Digitalisierung meinen Alttag? Wenn ja, wie? Verbessert, oder verschlechtert er sich? Stagniert er gar? Heranführung1: Meine braunen Lieblings-Stiefel sind kaputt. Glatt in der Mitte gebrochen. Leider habe ich vergessen, ein Foto zu machen. Nun gibt es in Deutschland die Handwerkerinnung. Bereits seit hunderten von Jahren. Mehr als fünfzehn Gewerke gibt es. Für Kraftfahrzeuge, Zimmerer, und natürlich Schuhmacher.

Zu Letzterem gehe ich immer dann, wenn meine Schuhe einen Plattfuß haben und wenn ich neue Birki‘s brauche. Ihr wisst schon Birkenstock Sandalen. Früher nur von Hippies, Religionslehrern, Aussteigern und Jointrauchern getragen, heute hip und chick, seit Hollywood darin rumstolziert. Was das mit Dorothee zu tun hat? Schauen wir mal.

(Info & Anliegen zugleich: Liebe Frau Bär, ich finde es super, dass es sie gibt – aber ich rege an, noch mal ein wenig auf ihrem Mandat herum-zu-meditieren, da es mitnichten um digitale Daten der Bürger geht, sondern um die Frage, wie das Leben der Bürger durch Digitalisierung verbessert wird – UND – ich betone es noch mal in aller Bescheidenheit – UND – um Aufzuklären, welche Verantwortung der Bürger darin hat – nicht theoretisch, sondern praktisch, im Alltag!)

These2: Setzen wir Menschen moderne Technologien gezielt und effizient ein? Oder schlagen wir über die Stränge, indem wir neue Gadgets für alles Mögliche verwenden, weil es in aller Munde und daher unsere Standardantwort und Allzweckwaffe ist? Heranführung2: Seit Monaten ist Herbst. Nein, nicht seit 1977. Seit Oktober verlieren die un-digitalen, völlig natürlichen Bäume ihre Blätter.

Seitdem hat man den Eindruck in Vietnam oder Kambotscha zu leben – ich zumindest – denn seit dem das erste Blatt hinuntergefallen ist, verpesten laut brummende Laub-Gebläse Nasen und Gehöre, dass die buchstäbliche Schwarte kracht. Erst einmal trägt der arme Blatt-Operator ca. 5-10Kg extra auf der Schulter, verbrennt fossile Kraftstoffe und verpestet seine eigene Luft, die er einatmet, anstelle die alte Methode zu wählen, die für den Körper gesünder ist, wenn man sich beim Haken mit den Seiten abwechselt.

Zurück zu Heranführung1: Ich also hin zu Schuhmeister Stehle in Lütjensee. Er und seine Frau führen ihren Laden dort seit 40 Jahren. In Zahlen: Vierzig! Der Gute Meister Stehle sieht einem aus Entfernung an, ob man Einlagen braucht, oder ob man Schwierigkeiten mit seinem Bewegungsapparat hat, mindestens so gut wie ein Orthopäde, was daran liegt, dass er auch ein staatlich geprüfter Orthopädie-Schuhmeister ist. Natürlich hat er seit fast 40 Jahren – in Zahlen FAST 40 Jahren – Birkenstock Sandalen angeboten, weil die tatsächlich voll gut sind, ey!

Als ich also zum gefühlt hundersten Mal das Geschäft betrete, springt mich zuallererst die gähnende Leere an, die im Geschäft herscht. Herr und Frau Stehle sind so freundlich und nett wie eh und je. Tür öffnen, eine Klingel schellt, bring-bring. Ich trete ein.

„Moin. Ich habe zwei Anliegen. Schauen sie mal. Ist glatt in der Mitte gebrochen. Können Sie das reaprieren, Herr Stehle?

„Na sicher. Zeigen Sie mal. Ja kein Problem. Und das Zweite?“

„Ich brauche neue Birkenstock-Sandalen. In Größe 45, schwarz, ich glaube das Model heißt…“

„Nee, dass wird leider nichts!“

„Wieso denn das….?“ Sprachlos bleibt mir der Mund offen stehen.

„Birkenstock beliefert uns seit 2015 nicht mehr…….“

„Wie meinen Sie das, beliefert…..Birkenstock will nicht mehr, dass Sie deren Schuhe verkaufen…?“

„Doch schon, aber seit Kurzem, wollen die, dass wir ein Schuhsortiment im Wert von 10.000 Euro kaufen, sowie vorab benennen, welche Modelle darin enthalten sind, obwohl wir doch gar nicht wissen, welche Schuhe sie als Kunde wollen….“

„Häh…? Was soll denn der Quatsch…? Seit vierzig Jahren…..“ Herr Stehle unterbricht vehemennt.

„FAST vierzig Jahre. Seit 2015 nicht mehr……“

„…okay, FAST vierzig Jahren, verkaufen sie Birkenstock und jetzt auf einmal nicht mehr….?“

„…Naja, die haben früher ein großes Lager gehabt, um alle Schuhe für Sie als Kunden bereit zu haben, damit sie jederzeit alle Modelle bekommen…….“

„Ach so und jetzt verlagert man die Lagerkosten einfach, indem man vorab liefert und die Ware dann bei Ihnen steht, inklusive Vorkasse…?“

„So in etwa.“

„Hm, das ist ziemlich einseitig, finden Sie nicht?“

„Wem sagen Sie das….“

„Oh, ich sehe sie schließen am 24.12. für Urlaub? Schön. Bleiben Sie hier oder fahren Sie…..“

„Kein Urlaub. Wir schließen…….“

„Wie, Sie schließen? Klar schließen Sie, ist ja Weihnachten….“

„Sie verstehen nicht, junger Mann. Wir schließen unser Geschäft. Feierabend. Schluss. Ende.“

„Ja, aber, haben Sie keinen Nachfolger?“

„Nein, wo denken Sie hin? Handwerk will heute keiner mehr…..schon gar nicht hier draußen!“

„Wie meinen Sie das? Will keiner? Sie haben doch immer gut zu tun…..“

„Natürlich. Aber die jungen Leute wollen in die Stadt. Außerdem gibt es heute Online-Schuhläden. Wer repariert denn heute noch? Man geht mit der Mode. Kauft flott über das Internet….und fertig. Was meinen Sie, wieviele sich bei mir beraten lassen und dann im Internet bestellen….viele…..“

„Aber das ist doch das Gegenteil von Nachhaltig, wenn ich mehr wegschmeiße als repariere? Ich will doch den Schuh anprobieren? Wieso bestelle ich Schuhe im Internet? Auf Foto’s sehen die doch anders aus, als in echt? Kapiere ich nicht….“

„Sie denken so, aber die Mehrheit……“ Ich unterbreche energisch, mir schwillt der Kamm.

„Sie sagen, dass viele zu Ihnen kommen, von ihrer Erfahrung und Ihrem Wissen profitieren und dann im Internet Geld sparen, weil es noch dazu bequemer ist…..?“

„…für das erste Ja. Geld sparen, tun Sie im Internet aber nicht. Oft sind die Preise die gleichen. Und ob es bequemer ist, Schube wieder zurückzubringen, wenn sie nicht passen oder den Vorstellungen nicht entsprchen, dass wage ich zu bezweifeln……wir sollten irgendwann alle fünf Jahre Prüfungen ablegen, um den Schein als orthopädischer Schuhmacher zu halten, der kostet 5000€. Außerdem haben sie dann eine gewaltige Adminstrationsmaschine zu füttern, wenn Sie mit den Krankenkassen zu tun bekommen. Ohweh, wenn Sie mal einen Fehler machen. Wir haben uns dann entschieden, aufzuhören, weil es nicht mehr um gute Schuhe und zufriedene Kunden, sondern der neuen digitalen Welt offensichtlich um was anderes, jedenfalls um etwas anderes als uns, geht. Daher fiel uns der Entschluss leicht.“

„Aber, dann gibt es hier auf dem Land keinen Schuhmacher mehr, oder wie sehe ich das…?

„Richtig. Da müssen Sie dann nach Hamburg reinfahren….“

„Und was ist, mit all denen, die nicht mal eben nach Hamburg reinfahren können….?“

„Tja, für die wird es schwerer, Schuhe zu bekommen…….“

„So einfach ist das? Zusammenfassend gesagt: Wachsende Bürokratie im Gesundheitswesen, kombiniert mit bequemen, voll digital-geblitzt-dingste, noch dazu rücksichtslose, ihre Verantwortung als Kunden ablenende Bürger sorgen dafür, dass in Lütjensee, ab 2020 kein Schuhmacher mehr ist, zum ersten Mal, seit bestehen des Dorfes, ist das so?“

„So ist es. Lassen Sie sich doch keine grauen Haare wachsen. Wenn Sie sehen würden, mit was für einen Tunnelblick die Autofahrer hier durch den Ort fahren, da wette ich, dass es niemand merkt, wenn wir weg sind. Erst, wenn jemand mal einen kaputten Schu hat, so wie Sie jetzt….aber ihre Schuhe repariere ich noch. Kommen Sie am 24.12. bis 12:30 vorbei. Das letzte Paar Schuhe, das ich repariere…….“ ich ringe nach Worten….

„Ja……………. ! Will sagen NEIN…..ich bin nicht einverstanden, dass Sie schließen. Und all das, was sie da sagen, lässt mich wütend werden. Um was geht es denn? Um Schuhe. Stattdessen bekommt man klar gezeigt, dass Adminstration, Zahlen und digitaler, vermeintlicher Internet-Komfort wichtiger sind, als die Sache selbst, nämlich, dass ich Schuhe brauche, und welche repariert haben muss…..zum Kotzen!“

„Ärgern Sie sich nicht……“

„Doch, verdammt…..das hat doch nichts mit nachhaltig, vegan und ökologisch zu tun, wenn ich mein Geld zu Internet-Firmen bringe, während die kleinen Händler um die Ecke alle dicht machen…..dann schaffe ich doch meinen eigene Arbeitsplatz übermorgen ab……..kapiert das in diesem Land keiner….wir sehen uns Dienstag, am Heiligen Abend – im wahrsten Sinne….!“

Anmerkung des wütenden Autors: Geschätzte Frau Bär – ich habe mir die Zeit geniommen, Ihre Seite zu besuchen. Ihre Digitale Agenda liest sich ganz gut, allerdings fehlt ein entscheidender Passus. Menschen sollten wieder vermehrt auf dem Land leben und dort arbeiten, um weniger Straßen zu nutzen, die Umwelt weniger zu verschmutzen und um mehr Arbeitsplätze auf dem Land zu erhalten und neue zu erschaffen. Hierfür brauchen wir in der Tat überall ein gut ausgebautes Daten-Netz – Kern des Ganzen muss aber die Dezentralisierung sein.

Städte müssen aufhören zu wachsen, auch um der Mietpreise Willen. Bevor jedoch neue Möglichkeiten wie Startup’s im Ländlichen wachsen, müssen die vorhandenen Geschäfte modernisiert werden. Schlachter, Bäcker, Handwerksbetriebe, Schuhmeister etc. müssen mit ihren Erfahrungen gestärkt und gefördert werden. Man muss ihnen zuhören. Vereinfachen statt verkomplizieren. Der Bürger und seine Bedürfnisse muss im Mittelpunkt stehen, keine Adminstration.

Erfahrene Meister müssen gezielt mit jungen möglichen Nachfolgern zusammengebracht werden. Hier können Sie helfen. Bringen sie die junge digitale Generation mit der analogen zusammen. Schaffen Sie wirklich Neues – auf dem Land, nicht in der Stadt, damit die wachsende Zahl der Rentner ebenfalls die Möglichkeit hat, daran teil zu haben. Zur Zeit verödet das Land auch in Sachen Geschäfte und Unternehmen. Dieser Trend muss aufgehalten werden, im Sinne der Bürger und der Umwelt.

Dies muss das wahre Ziel der Digitalisierung sein udn keine Transformation zum Selbstzweck, als unregulierbares Phänomen. Jedoch bedarf es hierfür einen aufgeklärten Bürger und Konsumenten, der sich seiner Verantwortung bewusst ist. Auch dies ist ihre Verantwortung – Digitale Aufklärung, oder in anderen Worten, die „Digitalisierung und ihre Folgen“

PS: Jetzt muss ich meine Latschen selber reparieren, wo ich keine neuen bekommen – save the Planet!

(siehe Link, Digitale Agenda 2014 – 2017 ab Seite 2 – Einleitung „Digitale Agenda für Deutschland)

http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/themen/it-digitalpolitik/digitale-agenda.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Kalter Kaffee – oder was bitte schön ist eine Transformation?

Mein Verleger sagt, ich muss mich auf die Zukunft vorbereiten – keine Ahnung was er meint. Mein Marketing-Experte meint, dass ich meine digitalen Vehikel aktualisieren muss – das Design wäre altbacken, nicht ansprechend und sexy genug – okay, das stimmt wohl; ist ja normal – das Haushaltsbuch von unseren Müttern ist ja auch nicht ansprechend, solange es im Haben ist. Etwas anderes wollte der Blog am Anfang auch nicht sein – nun gut, es hat sich etwas verändert, das sehe ich ein. Wenn man zum Hobby alte Möbel restauriert, ist das was Anderes, als wenn man als Möbel-Tischler seine Brötchen verdienen muss – fragt Josef.

Ich solle mehr mit Youtube machen, sagen alle – so kurze Filme, eine Art Guerilla Marketing, sagt mein Nachbar und Administrator, dieses Blog’s. Zum G20 letztes Jahr – ihr erinnert euch, das Ding in Hamburg mit der Bomben-Stimmung – da hatte er schon eine verrückte Idee. So eine mit Büchern und brennenden Mülltonnen und Krokodilen – zum Glück haben wird das dann nicht gemacht. Eine Mischung aus Angst und Bauchgefühl hielt uns ab – nicht Angst vor Steinen und Feuerwerk – es war mehr die Angst vor Geschmacklosigkeit.

Etwas wirklich Radikales, Witziges und Reißerisches zu machen ist eine Sache – etwas auf Kosten und Schäden Anderer was ganz anderes. Daher bin ich nach wie vor happy, dass es nichts Dergleichen geworden ist. Doch das ändert nichts daran, dass dieser Block langweilig aussieht. Mehr noch – ich glaube, er wird immer von den gleichen besucht, was vermutlich heißt, dass es echte Fans sind, weil das öde Design dieses Blogs offensichtlich niemanden Neues einlädt, hier öfter zu verweilen.

Vielleicht sollte ich wirklich mehr mit Youtube machen – ich könnte mich beim einsamen Weintrinken filmen und dabei munter vor mich hin-schwadronieren. Keine Ahnung, ob das witzig ist oder so aussieht, aber es wäre mal etwas Anderes, so viel ist sicher. Don Tango TeeWee sozusagen – Stammtisch mit einem Stammgast – meint ihr, ich sollte das mal ausprobieren? Wie ist eure Meinung? Schreibt sie mir – ihr könnt euch sicher sein, dass ich antworte und eure Meinung demokratisch mit einbeziehe.

So, aber jetzt wollen wir uns erst einmal das WM-Endspiel ansehen.