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25.September – Mit freundlichen Grüßen – Odyssee 2022

In Deutschland bekam ich Post von Libri und der Zulassungsbehörde. In ersterem Brief mahnte man‘ ne Rechnung an, die ich nie erhalten hatte und die per Post kam, obwohl ich bereits mehrmals darum bat, per e-mail angeschrieben zu werden. Beim Öffnen suchte ich noch dazu – WÖFÜR – ich zahlen sollte.

Vergeblich.

Beim zweiten Schreiben war‘s offensichtlicher, wenngleich nicht weniger schwer verdaulich. Man teilte mir mit, mein Motorrad zwangsweise stillzulegen. Grund war die Aufkündigung meiner Versicherung. Auch die Provinzial Brandkasse hält daran fest, mir alles per Briefpost zu schicken, obwohl ich seit Jahren dazu einlade, Geld, Bäume und unser aller Nerven zu schonen und grundsätzlich ALLES, per e-mail zu schicken.

Vergeblich.

Bis zur Halskrause gefüllt mit innerer Leere, saß ich in meiner Bude in Toulouse und sah aus’m Fenster. Im Innenhof wurde lautstark Fußball gespielt und hörte französischen Rap; hin und wieder traf man Fenster; meines glücklicherweise nicht; der hebephrene Nachbar über mir schrie und lachte ohne Punkt und Komma; keine Ahnung, ob er mit jemandem am Telefon um die Wette brüllte,

oder alleine war.

Meine Hausratsversicherung bestätigte, dass man die Kosten für die geplatzte Duschkabinenscheibe – tolles Wort, oder? – nicht übernimmt, weil‘s nicht Teil der Police ist; von meiner französischen Bank bekam ich‘ne e-mail, wo sie informieren, dass in meinem On-line-Bankaccount eine Mitteilung auf mich wartet; mehrmals durchdachte ich mögliche Gründe, warum sie sie nicht direkt per E-mail schickten.

Vergeblich.

Hebephrenie und Jähzorn haben viel gemeinsam dachte ich plötzlich. Mein Nachbar über mir in Ottensen hatte die Angewohnheit nahezu jeden Abend auszuflippen und in seinen Anfällen das ganze Haus zusammen zu schreien. Anders als bei meinem spielsüchtigen Schreihals in Toulouse, lebte er mit seiner Frau zusammen.

Hin und wieder gingen Flaschen dabei kaputt.

Nicht selten hörte ich die Gattin keifen und fluchen; Türen wurden zugeschlagen; wenn’s ganz doll kam, gab’s ein Handgemenge, an dessen Ende, so bildete ich mir aus Selbstschutz und Furcht vor der Wahrheit ein, immer eine schwere Bodenvase umfiel; mein gedankliches Konstrukt, um mir auszureden, dass er ihren Kopf tatsächlich

auf die Holzdielen knallte.

Soweit gehen und glauben, dass ich die Reinkarnation von Sisyphos bin, tue ich nicht; ganz bestimmt gibt’s Millionen, wenn nicht Milliarden, die noch öfter Köpfe schütteln, von Menschen in Slums, Odachlosen, sowie Kriegsflüchtlingen usw. wollen wir gar nicht erst reden; an Tagen wie diesen spüre ich, dass ich nervenwund, alt, müde und

merkwürdig geworden bin.

In solchen Momenten, versuche ich voll Verzweiflung klaren Kopf zu bewahren; dann reite ich die rationale Schiene; da wird analysiert und nachgedacht, dass sich Balken biegen; „heut mach ich doch viel weniger als vor zwanzig Jahren“, so geht’s regelmäßig los, „trotzdem bekomm‘ ich mehr Post!“ Kopfschüttelnd stehe ich auf und gehe wütend in meiner Wohnung herum; „Und im selben Atemzug sagt sie trotzdem weniger aus,

wie kann das sein?“

Noch dazu kommt das „mehr“ an Post gar nicht an; in Deutschland wie in Frankreich übrigens; unvergessen, meine Steuerstrafzahlung in La France, weil ich eine Frist hab verstreichen lassen, von der ich nichts wusste, wo man mir ebenfalls mitteilte, auf diverse Mahnungen nicht reagiert zu haben, die ebenfalls –

nie bei mir ankamen.

Frankreich wollte 4.800€ Versäumnis-Zuschlag haben, gewissermaßen mein Gipfel aller jemals gezahlten Strafen; herunterhandeln auf 1200€ gelang damals nur, weil ich eine leidenschaftlich-epische Ode ans Finanzministerium schrieb und an die sprichwörtliche Europa-Liebe und Hingabe zur Ausländer-Integration der Grande Nation appelierte.

Danke lieber K. für dein geschliffenes Französisch!

All diese „Events“ haben was gemeinsam; sie machen michhandlungsunfähig, wie Schildkröten und Käfer auf dem Rücken; kann, oder sollte man um mehr Rücksicht bitten? Was denkt der Zuhörer? „Der soll sich mal nicht so anstellen!“, während er höflich nickt und zuhört, bis er, mit viel Glück, Verständnis einräumt, in Zukunft leiser / unkomplizierter zu sein?

Libri gibt nicht mal ’ne E-Mail Adresse an.

Als ich den Herrschaften schrieb und um Klarheit bat – WOFÜR – ich denn zahlen sollte, schickte man mir ein zweites Schriftstück, auf dem die gleiche Summer – OHNE – Mahngebühr stand, aber immer noch ohne Erklärung für – WAS.

Was kann man da machen?

So kam ich zur Überzeugung, noch genauer nachzusehen, was ich für Verbindlichkeiten habe. Und weil ich kein Auto, stattdessen nur noch Motorrad fahre, fragte ich per E-Mail den ADAC, ob Rechtsschutzversicherungen von Deutschlands größtem Automobil-Club auch für Motorräder gelten.

Mittlerweile ist das acht Wochen her.

Seit Kurzem muss ich bei meiner Deutschen Kreditkarte nicht nur Geheimnummern und PIN’s eingeben, wenn ich was on-line kaufe, sondern ein weiteres „Geheimwort“, dass man mich kürzlich zwang zu vergeben. Vermutlich habe ich seit Monaten eine ähnliche Mitteilung meiner französischen Bank, weswegen ich keine Kreditkartenzahlung mehr durchführen kann.

Wäre ’ne Erklärung.

Keine Ahnung ob es nur mir so geht. Vielleicht ist‘s für jüngere normal, weil sie‘s nicht anders gewohnt sind; vielleicht kommen die Schwierigkeiten immer dann, wenn man Gewohntes ablegen muss und gezwungen wird, sich mit neuen Abläufen zu arrangieren, die man deswegen, aus guten Gründen wie ich finde,

kritisch beäugt.

Wegen all dem Kram mehr Wein einzuschenken ist doof. Deswegen Alkoholiker zu werden, wäre wirklich traurig und irgendwie – erbärmlich. Darüber zu schreiben hilft schon. Nicht auszudenken, wenn ich nicht mal das tät. Vielleicht muss ich wirklich alles außer der Wohnung kündigen,

um keine Post zu bekommen!I

In meinem erweiterten Freundes.- und Bekanntenkreis macht man gerade das Gegenteil. Während alle Welt sich vorm Winter fürchtet und über Gas, Öl, Benzin und Strompreise flucht, weil die sich teilweise vervielfacht haben,

kaufen nicht wenige Freunde

superschnelle Autos und Motorräder. „Was sagt man dazu!“, dachte ich. Wie bei Banken, Ämtern und Versicherungen stellte ich viele neugierige Fragen, an dessen Ende immer die gleiche Antwort kam:

„Man lebt nur einmal!“

Es scheint so, als wenn ICH das Problem HABE, weil ICH das Problem BIN, weil ICH anscheinend einen anderen Lebensstil führe, weil ich anscheinend andere Werte BESITZE. Vermutlich greifen soviele Institutionen deswegen noch mehr in unsere individuellen Freiheiten ein, weil man so mehr Umsätze erzielt und somit

mehr Geld verdient.

Ändern tut das an meiner Erkenntnis nichts. In Frankreich lebt’s sich nicht besser als in Deutschland, nur anders. Weniger Administration hat man nirgends. Überall ist es komplizierter geworden – zumindest für mich. Wie wollen wir uns in Zukunft erfolgreich reduzieren, gar – neu erfinden – wenn wir den gleichen Konsum schüren und befriedigen, wie all die Jahre?

Auch das – kapiere ich nicht.

Es scheint so, als wenn mit zunehmender Lebenserfahrung die Fragen mehr, statt weniger werden; noch dazu schrumpft das Verständnis gegenüber Andersdenkenden; neulich auf‘m Flughafen näherte sich eine alte Dame einer besetzten Bank. Alle die drauf saßen waren Mitte Siebzig, außer einer, die eher mein Alter schien; sie hatte keine Probleme die alte stehende Lady zu fragen, ob es okay wäre,

wenn sie sitzen bliebe…!

Die Sitzende war geschmackvoll gekleidet und trug Rolex; die alte Dame Mitte siebzig, deutlich schlichter in Sachen Dresscode und Schmuck: doch sie lächelte, „Gerne – machen sie sich keine Umstände wegen mir….“

Altwerden scheint brutal zu sein…

Anschluss 2.0 – Odyssee2021 CW48

05.Dezember – Deutschland ohne Regierung, Österreich ohne Kanzler und Mutti mit großem Zapfenstreich. Wie geht’s weiter im deutsch-sprachigen Teil Nord-Europas? Keine Ahnung, außerdem ist es mir auch egal. Zurzeit ist das die zweithäufigste Reaktion auf meine merkwürdigen Fragen – allerdings deutlich angeführt von meiner favorisierten längst wundgescheuert und übersatt-gehörten Standardantwort – Alles gut!

Bei „Alles gut!“ geht mir noch schneller der Hut hoch als bei „Läuft!“ oder „Muss ja!“ Nicht, weil es mir gerade schlecht geht, sondern weil es zum Einen nichts sagt, vielleicht nichts sagen soll, weswegen man dann solche „rausgerotzten“ Plattitüden um die Ohren gehauen bekommt und zweitens, weil es solch unsolidarisches Desinteresse anderen gegenüber zeigt, dass ich kotzen könnte! Alles gut trifft doch nur auf gesunde Rentner mit Eigenheim in Hedwig-Holzbein zu.

Allen anderen geht‘s vermutlich eher – scheiße!

Mein Physiotherapeut und Masseur ist Harzer und hält seine Familie gerade so über Wasser; Freelancer laufen Amok, weil es kaum Aufträge, dafür umso mehr verstopfte Jobcenter und keine funktionierende Lokal-Administration gibt; Taxis bleiben meist geparkt, obwohl man wieder Urlaub auf Malle macht, während Krankenpfleger im Burnout kollabieren, wenn sie’s nicht schaffen, durch Gewerkschaftsjobs, oder andere Rettungsbojen, sich ‘nen Anker zu bauen, an dem sie hin und wieder verschnaufen können.

Wenn mir dann stumpfe Gleichgültigkeit von finanziell Abgesicherten entgegenschlägt, bin ich kurz davor auszuflippen. Egal-Bürger sorgen nämlich gerade für einen strohfeuerstark anwachsenden Ökonomie-Index, weil man Elektro-Autos derart fördert, dass man sie „einfach nehmen muss“, gefolgt von Schnäppchen-Leasing und drohenden Hamsterkäufen, angeschoben durch Teilbevölkerungs-Lockdowns,

für ungeimpfte und Schwurbler, inklusive Wutbürger, die oft beides sind.

Wo ich gerade bei Wut und Konsum bin – neulich habe ich mit ’ner Freundin drüber geplaudert, dass es im digitalen Zeitalter den Staaten möglich sein müsste, die eigenen Bürger durch andere zu erstezen, frei nach dem Motto, Deutsche gehen nach Frankreich und Franzosen heim ins Reich, wär das nicht’s? Deutsche sind viel eher bereit für Monarchie, was super ist, weil man sie in Frankreich demokratisch lebt, während Franzosen freiheitsliebender sind und viel besser zum föderalen Deutschland passen.

ich sag’s euch – Völkertausch – ist unsere Rettung!

Außerdem müssen sich letztendlich auch Länder und Nationen wie Firmen zusammenschließen, um wirtschaftlich überleben zu können. Wie soll sich die EU sonst retten? Konzerne sparen auch nur dann Milliarden ein, wenn sie fusionieren und man statt zwei Vorständen nur einer übrigbleibt; statt zwei Arbeitsämter, wo Harzer wie Arno Dübel digital hin-pilgern, hat man nur noch ein Amt, statt alles doppelt und dreifach zu bezahlen. Daher:

Österreich-Anschluss 2.0 – wie früher!

Unsere Nachbarn haben fünf Millionen Einwohner weniger als Bayern und weit über 100 Milliarden weniger Bruttoinlandsprodukt als der lederbehoste Freistaat. Klingelt es da nicht bei jedem? Auf geht’s zur Elefantenhochzeit – Kakanien und Freistaat, das erinnert doch an Sissy und Franzl. Und wo wir schon dabei sind, warum dann nicht gleich wieder ‘nen Österreicher als Reichskanzler – wie früher? Hat schon mal funktioniert – außerdem sind Ösis für Scharm & Schmarn bekannt, entstanden aus ‘ner Menschenzüchtung aus Potsdam und Paris.

Ganz im Ernst?

Solche Ideen muss man mit einbeziehen. Man darf sich nur so viel Administration ins Land stellen, wie man bezahlen kann, oder wie oder was? Wenn die Wirtschaft sich auf Depression vorbereitet, kann man den Staatsapparat nicht gleichzeitig anwachsen lassen, wie ne Immobilienblase anno 2008.

Wenngleich ich gerade wieder bemerke, wo ich jetzt darüber nachdenke, genau wie früher beim Buchmarkt, den ich auch revolutionieren wollte, nur keiner zur Selbigen kam, was mein großer Defekt und Blindspot ist, wie Franzosen zu sagen pflegen, nämlich

rational und vernünftig denken und handeln!

Für die kommenden Zeiten muss ich mir intellektuelle Unschärfe und umgekehrte Genauigkeit antrainieren, wie es nur das schöne altvordere Kakanien noch kannte, herrlich beschrieben von Robert Musil, wo man feudal und barock – doch halt, wartet mal, das leben wir doch schon in Frankreich, das kommt doch von Ludwig Katorzeh und Nachfolgern, oder nicht? Höfisch leben, und glücklicher Untertan sein. Entweder König oder Entourage…

Klingt rückständig…findet ihr…?

Mir doch egal…

Digitales Kellerloch – Odyssee 2021 CW21

30.Mai – 2021, die ganze ist von der Digitalisierung befallen. So oder so ähnlich, bezeichnete D diesen Technologie-Virus, der ebenfalls in höchstem Maße kursierte. Würde es uns gelingen, auseichend viele analoge Inseln in unserem Leben zu erschaffen, um nicht permanent hysterisch herumzuflattern?

Neben vielen anderen, beschäftigte D ganz besonders diese Eine schon ne ganze Weile – nicht nur aus eigenem Antrieb heraus, vielmehr, weil er eine wachsende Distanz zwischen sich und seinem Umfeld wahrnahm, den er den DK-Faktor nannte. (DK = Digitales Kellerloch)

Was steckte dahinter?

Zuerst einmal unterschiedliche Datenmengen. Dabei ging es noch gar nicht um die Funktion und Qualität der Datenware, wie D sie nannte, sondern schlicht um Menge versus Auswirkung in den zwei Realitäten – nämlich der Virtuellen und der Physischen Welt.

Und hier gab es schon signifikante Unterschiede, die in einem starken Spannungs-Verhältnis zur Freizeitgestaltung stehen – oder in anderen Worten:

Je mehr ich soziale Kontakte digital Pflege, nimmt im gleichen Verhältnis die physische Kontaktpflege ab. Soll heißen, wenn ich das Verhältnis 1:1 als eine ausgewogene Ausgangsbasis bezeichne, würde ein digital sehr aktiver Mensch mit einem Verhältnis 1,5:0,5 daherkommen, was automatisch eine schleichende Entfremdung mit sich bringt.

Warum?

Ein einfaches Beispiel. Vermutlich würde kaum ein Shitstorm-Teilnehmer auch nur einen seiner Beiträge zu einem Menschen sagen, der ihm direkt gegenüber sitzt und zwar aus vielerlei Gründen. Zum einen, weil wir nur 8% inhaltsbezogen kommunizieren, womit Stimme, Tonlage und Köpersprache sagenhafte 92% ausmachen – und zum Zweiten, weil wir nicht nicht auf physische Präsenz reagieren können – oder in anderen Worten:

Es fehlt der Stammtisch!

Doch was tun? D zumindest löschte alle social Media APP’s auf seinem Smartphone, um sich nicht ständig selber prüfen zu müssen, ob es sich noch um reine Informationen-Suche, oder schon um Entertainment handelte.

Denn auch hier waren die Grenzen schwimmend und nur schwer auszumachen, zumal man außerdem noch dazu sagen musste, das D nicht die leiseste Lust hatte, sein eigenes Digitales Kellerloch auszuheben, um zuzusehen, wie er darin dann langsam vermoderte.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Eine Apéro-Whattsapp-Gruppe kann eine gute Sache sein, solange sie darauf abzielt, eben jenen zu organisieren. Ersetzen kann sie ihn aber nicht, weswegen es oft gar nicht leicht ist, die richtigen Themen für den F2F Apéro aufzusparen und nicht schon aus Ungeduld im Vorwege zu teilten, so dass man die digitale Krücke aufwertet – denn die hilft in keinster Weise, neue Stammtische zu erschaffen…

Digitale Schizophrenie – Odyssee 2020 CW03

Heute morgen bin ich laufen gewesen. An sich mag ich es, weil es extrem anregend ist. Fast alle meine Ideen habe ich, wenn ich mich bewege und je mehr, desto besser. Im Grunde liegt es ja auch auf der Hand. Wenn man nur rumsitzt, wird halt alles zur Qual, wenn du dich mehr….naja, und so weiter. Zu meinem ausgedehnten Sonntags-Frühstück I’m Anschluss gesellte sich meine Zeitung und ich las einen Bericht über den raueren Umgang im Deutschen Bundestag, seit die AfD einzog.

Hm, komisch dachte ich, irgendwie wirkte der Bericht auf mich verstörend, nicht wegen der AfD, sondern wegen der Empörung, die sich zwischen den Zeilen in allen Farben ergoss. Demokratie braucht doch den Streit. Noch heute höre ich die Worte von Franz-Josef Strauß, der einmal sagte, ich zitiere „Rechts von der CSU befindet sich nur noch die Wand!“ und das meinte der Gute FJS bitter-ernst. Natürlich hatte er mit Helmut Schmidt ein mindestens ebenbürtiges Gegengewicht, aber Demokratie ohne Streit, ist keine!

Was das mit mir zu tun hat? Nun, ich liebe Demokratie und Freiheit. Was man dafür tun muss ist mir klar, dafür brauche ich weder den Staat, noch eine Partei, was nicht heißt, dass letztere nicht immens wichtig sind und genau DA, glaube ich, hapert es. Es macht einen GROSSEN Unterschied, wenn sich keine Partei mehr die großen Fragen stellt. Vermutlich strauchelt man schon bei der Identifizierung eben Solcher. Eine GROSSE zum Beispiel ist nicht, ob Parteien wie die AfD Platz im Deutschen Bundestag haben – sollte jemand die Frage stellen, gehört er sofort in die Grundschule vierte Klasse befördert, weil man in der fünften meist in Politik das Thema Demokratie bekommt.

Eine große Frage, zumindest für mich, ist, wie soll mein Land, meine Republik, meine Demokratie, unsere und meine Zukunft aussehen? Wie wollen wir leben und arbeiten? Heute, morgen, in 30 Jahren? Wenn in Deutschland im Jahre 2019, über 85% der Haushalte, unter 40.000€ Jahreseinkommen haben, und die übrigen 15% die Mittelschicht und Oberschicht repräsentieren, ohne über die Verteilung von Vermögen zu sprechen, dann muss man nicht Professor für Wirtschaftsethik sein, um zu erkennen, dass a) der Mittelstand ausstirbt und b) die Schere von Reichtum versus unterem Lebensstandard weiter und weiter auseinanderdriftet.

Was das mit Demokratie und Freiheit zu tun hat? Na, alles. Daraus leitet sich doch eine zentrale große Frage ab: Wenn der heutige Kapitalismus diesen Trend unterstützt, wollen wir das dann so lassen, oder ändern? Sagen wir mal in Deutschland, wenngleich sich diese Frage jedes Land in Europa, am Ende die ganze Welt stellen muss – doch lasst uns mal der Komplexität halber mit dem Eigenen Land anfangen, vielleicht sogar mit uns selbst – ist vermutlich volksnäher.

Unsere Wahrnehmung ist nämlich genauso selektiv und bruchstückhaft, wie alles an uns. Wir mögen nur nicht den Preis zahlen – Zechpreller sind wir in Wahrheit – vielleicht müssen wir erst einmal akzeptieren, dass die einzige Konstante unsere menschliche Gier ist, die Sucht nach höher, weiter und mehr – und nach Helden, nicht zu vergessen, die digitale Empörung, die einem beim Ansprechen von Selbigem auf allen Kanälen entgegenschlägt.

Aber Darüber wundern? Das sollten wir nicht! Es liegt ja vor unserer Nase, wir müssen nur hinschauen, wollen wir aber aus guten Gründen nicht. Stattdessen schauen wir in weite Ferne, wo das Elend groß ist und nicht schnell an unsere Tür klopfen kann.

Also, zurück zur großen Frage: Will ich, wollen wir das ändern? Und dabei ist die Antwort der wahrlich schwierige Teil, denn er offenbart, wie groß und tief die Heuchelei reicht. Ist sie rein oberflächlich, oder sind wir längst bis ins Mark von Komfort, Luxus und Dekadenz korrumpiert worden? Denn WENN wir das ändern wollten, müssen wir dementsprechend handeln,

Früher war es das natürliche Gebiet der SPD. Da die schon unter Gerd Schröder mit der Agenda 2010 nicht kapiert hat, dass sie sich ihr eigenes Grab dadurch schaufelt, weil ausgerechnet ein SPD-Kanzler mit Herrn Harz gemeinsame Sache machte, um der vermeintlich freundlichen Wirtschaft den Rücken zu stärken, während man heute, zwei Dekaden später zugeben muss, dass es das ganze Land noch weiter auseinandergetrieben hat, vorausgesetzt, man möchte das erkennen. Dass es dabei keinen Aufschrei gab, war für mich ein deutliches Zeichen, dass man in Deutschland, nach über 80 Jahren, mal wieder mit Allem durchkommen kann.

Deswegen ist es auch kein Wunder, dass es im Netz, in Zeitungen und auf Arbeitsplätzen, wo wir gleichen Menschen arbeiten, von Unzufriedenheit, Hass, Missgunst und Schizophrenie nur so wimmelt. Kein Wunder, dass wir früher oder später krank warden – und auch hier, wie vor unserem super-digitalen Fernsehprogramm,  ist die Auswahl an Krankheiten reichlich, wie man am Beispiel der stetig weiter-wachsenden Konsum-Schizophrenie erkennen kann.

Beispiel E-Fahrrad und E-Roller. Mittlerweile spricht die ganze Welt von Umweltschutz, weswegen sich aber die gleichen Leute diese elektrisch unterstützten Fortbewegungsmittel kaufen, erschließt sich mir nicht. Neulich sprach ich mit einem darüber. Mein Argument war, wenn du zu Fuß gehst, oder den Plattfuß an deinem alten Fahrrad heil machst, brauchst du dir beides nicht kaufen, womit du dem Planeten Müll ersparst und du gleichzeitig mehr für deine Gesundheit tust. Umweltschutz ist praktizierter KONSUM-Verzicht.

Als mein Gegenüber anfing davon zu reden, wieviel Kraftstoff er seitdem nicht mehr verbrennt, wo er jetzt mit Strom fährt, musste ich schmerzhaft erkennen, dass wir auch beim Thema Eigenverantwortung noch reichlich Raum nach oben haben. Spätestens, als ich meine Zeitung weiterblätterte und mir eine gewaltige Werbung ins Gesicht sprang, wo ein Bayrischer Premium-Automobilhersteller seinen 2,5 Tonnen schweren SUV mit Hybrid und Elektro-Antrieb anpries, bekam ich einen Lachanfall.

Wenn ich immer weiter mache, füttere ich die fette Hure Kapitalismus. Wenn ich sie doof finde, kann ich mein Verhalten ändern. Klar wird man mit zwei Rädern mal nass, aber wenn ich im Stadtzentrum täglich Probleme mit Parkplatz habe, wobei ich noch dazu ständig im Stau stehe und für meinen Parkplatz / Stellplatz 150€ im Monat zahle aber trotzdem nichts ändere?

Mein Lieblingsthema Pflanzenschutzmittel, ich weiß nicht mal, was das sein soll, weil es ja andere Pflanzen tötet und nicht schützt. Faschismus, oder noch passender müsste man es einen Genozid nennen, wenn ich eine Sorte ausrotte, um eine andere zu schützen, oder zu stärken, damit sie groß und….mein Gott, damit wird einem ja schlecht…!

Wohin man auch sieht – Schizophrenie. Als man das Planzen-Genozid-Mittel von Monsanto letztendlich doch freigab, konnte ich mir nicht verkneifen zu denken, ein wenig zynisch auf die Erklärung hierfür zu warten. Ich glaube es war die Landwirtschaftsministerin, oder irgendein Regierungsvertreter, gemeinsam mit den Vertretern der Landwirtschaft, die erklärten, dass die Ernten sonst schwächer ausfallen würden….! Hat man noch Töne?

Natürlich tun sie das, deswegen nennt sich die Natur auch Natur, weil alles an ihr natürlich ist. Wenn die Landwirtschaft mit geringeren Erträgen nicht leben kann, ist das System falsch, weil ein System, in dem man das Spritzen der eigenen Ländereien in Kauf nimmt, um diese von Gift begossenen Lebensmittel zu essen, nicht ganz bei Trost sein kann. Überdüngung muss aufhören, sowie das Spritzen von Gift. Wie sollen die 85% der Deutschen sich gesund ernähren, wenn alles was sich Bio nennt, nur von den oberen 15% bezahlbar ist?

Wir haben so viele fundamentale große Themen vor der Brust, dass man wirklich nur noch nachschenken kann, im Ernst! Stattdessen wird über die AfD geschrieben. Sie ist doch auch nur ein Ergebnis von mangelnder lebendiger Demokratie im tausendjährigen Angela-Merkel-Reich. Wut, Energie, Wasser und Strom sucht sich immer seinen Weg und findet ihn auch. Solange wir das Potential jedes einzelnen Bürgers, jedes Individuum nicht nutzen, wird der Lebensstil der oberen 15% durch die Unzufriedenheit der Schlechtbehandelten und Schlechtbezahlten bedroht – und das zu Recht!

Wirklich fremdschämen kann man sich deswegen nur gegenüber jenen, die sich immer wieder aufs Neue wundern. Über die Flüchtlinge, über den Trump, über den bösen Putin, die vielen Chinesen und Inder und überhaupt, warum kann nicht einfach alles so schön gemütlich und heimelig bleiben, wie es mal war? Wieso nicht?

Das, liebe Genossin und Genossen, sollten wir bei einem Glas Wein besprechen, ach was sage ich, ein Glas, eine ganze Flasche, mindestens – sonst gehen wir uns nämlich schlussendlich noch an den Kragen und das wollen wir doch nicht, nicht wahr? Wir wollen, dass alles so schön kuschelig und überschaubar bleibt, wie wir es früher so liebten, mit Modelleisenbahn, Kneipe im Keller, Landschaftstapeten und Schlagern von Roland Kaiser und Wolfgang Petry – Prost !