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Der Granatapfelbaum

Ich muss euch eine Geschichte erzählen. Sie ist wirklich so passiert. Die Geschichte spielt in unserm Dorf. Wenn ich genauer überlege, wird die Fortsetzung auch heute noch tagein und tagaus, immer wieder aufs Neue uraufgeführt. Wie damals und zu allen Zeiten. Auch als es noch keine Zeit gab. Eigentlich hat es sich schon immer so abgespielt. Aber vorstellen kann man es sich rückblickend nie. Vor vielen Jahren bin ich deswegen dazu übergegangen, sie als eine Laune der Natur, eine Art natürliche, unbewusst-verursachte, zivilisatorisch-degenerierte Inszenierung, als ein kosmisch-komisches Theater anzusehen, welches jeden mit freiem Eintritt einlädt dabei zu sein, der sich wie ich vor jeder Kassenschlange mit all den toten Augen, oder beim Lesen von vermeintlich seriösen und wahren Nachrichten, dass Lachen nur schwer verkneifen kann, weil all das unmöglich unsere tatsächliche, gewünschte Wirklichkeit sein sollte und unmöglich, unter gar keinen Umständen so passiert sein kann. Aber der Reihe nach.

Unser Dorf ist alt. Sehr alt sogar. Manche im Ort behaupten es ist ähnlich wie die Demokratie 1000 Jahre alt. Andere bestätigen zwar, dass es heute wie schon eine ganze Ewigkeit die 3 alten Fincas gibt, nämlich Son Serralta, Son Fortuny und Son Garriga, dass aber die wirkliche stetige, einem wilden Gewächs ähnelnde Hausanhäufung, die wir üblicherweise an irgendeinem Punkt Ortschaft nennen, erst viel später zu dem geworden ist, wie wir sie heute kennen.

Früher lebte unser Dorf ausschließlich von der Landwirtschaft. Zu dieser brauchte man nur auf die Erde zu spucken und wenige Monate später stand dort ein Feigenbaum mit reifen Früchten. Oliven, Tomaten, Wein und alle möglichen Früchte wuchsen so üppig und schnell auf dieser Erde, dass manch eine Frucht mehrmals im Jahr geerntet werden konnte. Sogar im Mittelalter war das so, als es nur die 3 maurischen Gutsbetriebe gab, die ihre Bewohner, sowie Arbeiter selbst versorgten, die mit ihren Ölmühlen, Wasserspeichern und Lagersilos für alles gerüstet waren, um viele Familien zu versorgen. Ich behauptete irgendwann sogar, dass es hier schon vor über 3000 Jahren erste Siedler gegeben haben musste, weil die Phönizier die mitgebrachten Olivenbäume bestimmt nicht zum Spaß eingepflanzt hatten und das sogar weit bevor die Mauren 2000 Jahre später ihre Terrassen angelegt hatten.

Hier war das Wetter immer schön. Die Luft frisch und gesund und die Natur bezaubernd anmutig. Mein Großvater meinte irgendwann, dass es das Paradies auf Erden wäre. Tatsächlich gab es nur wenige Kinder im Ort, die in eine Stadt, oder aufs Festland flüchteten. Es gab Arbeit, Sonne, Meer und genug Jungs und Mädchen, dass jeder Mensch lächelnd einschlafen konnte. Es mangelte uns an nichts. Die Erde beschenkte unseren Ort mit reichen Ernten und Wohlstand, und die Menschen dankten es ihr mit stetig anwachsenden Familien. Eine echte Natur-Mensch-Symbiose. Eines Tages, die Mauren waren schon lange abgezogen, da kamen ihre Terrassen bei all dem Wachstum irgendwann an ihre Grenzen. Es wurden erste Zäune gezogen. Besitztümer mussten abgegrenzt werden, um leichter Meines von Deinem zu unterscheiden. Alles an Ackerfläche war aufgeteilt. Landwirtschaftliches Wachstum war nicht mehr möglich, da unser Ort auf der einen Seite vom Meer und auf der Anderen von den Bergen eingerahmt ist. Nach all den üppigen Ernten, hatten die Familien sich etwas Wohlstand erarbeitet. Häuser und Wohnungen konnten an Nachbarn vermietet werden; erste Touristen fanden Unterschlupf, die von der Ursprünglichkeit unseres Dorfes sofort eingenommen und nach einigen Gläsern Weißwein benommen waren und selig in ihre Betten krabbelten. Jahr für Jahr kamen sie wieder und brachten mehr von ihnen mit. Der Wohlstand wurde so groß, dass wohlhabende Familien mehr Zeit für Müßiggang und weniger für die Arbeit aufwenden konnten.

Neben den glücklichen Menschen, lebten auch Tiere zufrieden nebeneinander her. Esel, Ziegen, Schafe und einige Pfauen, fühlten sich genauso wohl wie die Menschen und vermehrten sich glücklich und zufrieden. Pfauenschreie, Eselgewieher und Ziegen-Gemecker gehörten mit dem heulenden Wind und den knarzenden und summenden Olivenbäumen zum Orchester von Mutter Natur, die unseren Ort in bunten Farben und Tönen ausmalte, wie ein goldiger Bilderrahmen das Motiv eines alten Meisters.

Wohlstand verbreitete sich wie Schnupfen und griff immer weiter um sich: Ernten fuhr man nicht mehr selber ein; die Kinder gingen auf Universitäten, um ein besseres Leben zu haben; die Damen des Hauses kauften sich teure Kleider und besuchten ihren Frisör öfter als den Kaufmann; die Alten hatten auf einmal Unmengen an Zeit, um sich den großen Fragen des Lebens zu stellen und die Schönheit der Natur, sowie ihre Anmut und Würde zu bestaunen.

Eines Abends saß Don Augusto auf seiner Veranda. Er sah gerade hinaus aufs Meer, als ihm ein Pfauenschrei von der benachbarten Finca durch Mark und Bein fuhr. Er schreckte so sehr zusammen, dass ihm ein ungebremster Furz entfuhr, der seinen zu Füßen liegenden geliebten Hund aufweckte und aufgeregt umherschnuppern ließ, als hätte die Haushälterin den Mülleimer der großen Küche über ihn ausgekippt. Verärgert stand Don Augusto auf, stemmte seinen großen Pranken in die Hüfte und sah den Pfau des Nachbarn stolz hinter seinen Hühnern hinterherschreiten, als wäre er der Herrscher des Universums.

„So eine Unverfrorenheit! Erst weckst du mich und dann vögelst du noch meine Mädels; aber das hat jetzt ein Ende, ein für alle Mal!“

Don Augusto ärgerte sich schon seit Jahren. Wenn ihn der laute, durchdringende Schrei des Pfauenjungens weckte und bis ins Mark erschreckte, noch dazu wissend, dass er hinter seinen Pfauen-Damen her war. Schon oft hatte er Don Fernando halb im Spaß, halb im Ernst gebeten, besser auf den notgeilen Pfau aufzupassen, der völlig frei und unkontrolliert herumspazierte und seine Hühner durcharbeitete. Don Fernando erwidere ihm nur, dass er der Natur freien Lauf lassen möchte und ihn daran erinnerte, dass es immerhin seine, Don Augustos Pfauen-Hühner wären, der seinen Pfauen hitzig werden ließen. Hühner und Hähne sein nun einmal füreinander gemacht.

Verärgert über diese vermaledeite Respektlosigkeit zog Don Augusto von Dannen, um nur vorübergehend von seiner Gattin dadurch beschwichtigt zu werden, dass er sich über 50 Jahre nicht daran gestört hätte und sich jetzt nicht wie ein Narr aufführen sollte. Don Augusto war verärgert. Es gärte in ihm, wie in frisch gepresstem Traubensaft. Er und Don Fernando waren zusammen aufgewachsen. Beste Freunde hatte früher der eine den anderen genannt, auch nachdem sie sich gegenseitig Freundinnen ausgespannt hatten und in einem ständigen Wettbewerb standen, wer die reichere Ernte einfuhr. Diesmal jedoch würde er ihn nicht so leicht davonkommen lassen. Er wollte ihm eine Lektion erteilen, eine, die ihn zum Nachdenken bringen und ihn lehren sollte, dem Gegenüber Respekt zu zollen.

Eines Nachts, Don Augusto wusste wo der Pfau des Nachts schlief, ging er auf leisen Sohlen zu dem alten Olivenbaum, auf dem der Pfauenjunge zu schlafen gewohnt war. Der Wind stand günstig, blies ihm entgegen, so dass der Vogel ihn nicht wittern konnte. Es war wohl gegen Mitternacht. Ein fetter käsiger Vollmond leuchtete vom Himmel herab und sah dabei zu, was Don Augusto minutiös geplant hatte. Gleich einem alten Indianer schlich er sich an den Baum heran. Kein Geräusch war von ihm zu hören; ganz flach atmete er ein und aus, als würde er einer Herde Bisons auflauern und das Überleben der Familie von seiner erfolgreichen Jagd abhängen.

Der Vogel schlief tief und fest. Er fühlte sich in seinem dreißig Jahren zählenden Lebensalter sicher; keine Katze, noch nicht einmal ein aggressiver Hofhund hatte ihn angegriffen; er hatte einen Sonderstatus im Tierreich, so wie Elefanten, Haie und Krokodile.

Don Augusto führte eine kleine Axt mit sich. Er hatte sie sorgfältig geschärft, so sehr, dass er sich seine Haare auf dem Unterarm damit abrasieren konnte. Sogar eine schwarze Strumpfhose seiner Frau hatte er sich übergezogen. Um die Schuhe hatte er alte Lumpen gebunden, um keine Geräusche beim Gehen zu machen. Ganz in schwarz war er gekleidet. Das Schwarz der Nacht hatte ihn völlig verschluckt. So schlich er sich an und wartete auf einen günstigen Moment, um sich aufzurichten und nach all den Jahren endlich Gerechtigkeit walten zu lassen. Der Moment kam, so wie er immer kommt: Eine Windbrise strich langsam durch die Bäume; wie ein böser Traum erhob sich Don Augusto, holte leise aus und näherte sich dem Ast, auf dem der Pfau saß und tief und fest schlief. Der Wind war ideal: Der blöde Vogel würde es nicht mal merken, dass man ihm den Stecker zog. Wie ein böser Traum glitt Don Augusto dichter und dichter. Nur noch wenige Zentimeter trennten ihn vom Vogel. Er blieb stehen, holte tief Luft:

Blitzschnell, wie früher, packte er den Pfau am Hals, drückte ihn zusammen, als wäre er ein leerer Gartenschlauch und genoss für einen Moment die Macht die er über diese Kreatur hatte. Für einen kurzen Moment stand die Zeit still: Wie ein zorniger Mayapriester, der seine überfällige Opfergarbe den Göttern darbieten wollte, stand er über dem Vogel, in seiner Rechten die Axt, die wie eine Guillotine frei herumschwebte; Don Augusto fühlte sich stark, jung, vital, unzerstörbar und im Recht. Fauchend ließ er die gleißende Klinge niedersausen. Knackend ging der Vogel entzwei; seine bunten Federn stoben auseinander wie frisch vom Winde verwehter Schnee. Ein kleiner Schwall flüssigen roten Sonnenlichts floss aus dem Federbündel über den Ast. Dann pustete der Wind weiter, als wäre nichts passiert. Don Augusto steckte die Überreste in einen Stoff-Sack, in dem früher Oliven transportiert wurden und ging hinauf in die Berge, um den Auslöser der Disharmonie und Respektlosigkeit schnell zu verscharren.

Dann ging er leise heim, duschte und legte sich friedlich ins Bett. Traumloser fester Schlaf erfasste ihn schnell, wie er ihn viele Jahre nicht erlebt hatte, seit er aufgehört hatte das Feld zu bestellen. Sonnenschein weckte ihn. Friedlich und still lag der sonnige Tag vor seinen Füßen. Nach einem kurzen Café ging er raus in den Garten; er steckte sich eine Zigarette an und fühlte sich wie ein Eroberer, nach der Unterwerfung der Eingeborenen. Diese Stille. Dieser Frieden, einfach herrlich, dachte er sich, während sich Don Fernando auf der Nachbarsfinca ebenfalls über die Stille wunderte und von Sorgen gepeinigt nach seinem Pfau Ausschau hielt. Er liebte diesen Vogel. Er hatte ihn als kleines Küken aufgezogen; zahm war er und begleitete Don Fernando, wohin er auch ging. Der Vogel trompetete auch nie einfach drauf los, wenn Don Fernando schlief, außer wenn er auf der Balz war. Dann erbat er sich etwas Verständnis für seine natürliche Rolle als Männchen.

Don Fernando ahnte schnell, was seinem geliebten Vogel widerfahren sein musste. Jeden Tag wurde er morgens von ihm begrüßt, außer heute. Doch der Vogel war zu schlau und zu jung, um abzudanken, oder sich von einem natürlichen Ereignis überraschen zu lassen. Don Fernando roch den Braten, ohne ihn zu sehen. Er verzog keine Miene, sprach mit Niemandem darüber. Selbst als ihn der Meuchelmörder mit auffallender Höflichkeit besuchte, um mit ihm einen Plausch zu halten, einen Café zu trinken und eine gemeinsame Zigarette zu rauchen, ließ er sich nichts anmerken. Er sah Don Augusto fest in die Augen, konnte aber nichts darin erkennen, dass den Mord hätte bestätigen können. Nur in einem unaufmerksamen Augenblick, als Don Augusto ein wenig zu verschmitzt lächelnd auf die Uhr sah, um sich für einen vermeintlichen weiteren Termin aufzumachen, schimmerte kurz etwas Unbekanntes aus ihm heraus, etwas, was Don Fernando vorher noch nicht an ihm gesehen hatte. Das war der Beweis. Er hatte es getan. Er war sich sicher. Sie verabschiedeten sich und jeder ging seinem überschaubaren Tagwerk nach, dass man am Ehestem das Tagwerk eines wohlhabenden Privatiers nennen konnte.

Nun, jeder kann sich jetzt genau vorstellen, wie es weiterging: Don Fernando übte Rache, was sonst. Er konnte es natürlich nicht hinnehmen, das sein geliebter Pfau gemeuchelt wurde. Zwei Bücher liebte er von Mario Puzo: „Den Paten“ und „Den Sizilianer“. Er fühlte sehr mit Don Corleone; auch mit seinem Sohn Michael. An einem besonders schönen und friedlichen Sommertag schnappte er sich den Hund von Don Augusto, erwürgte ihn mit der Garotte, der sizilianische Würgeschlinge, deren Gebrauch er vorher an einigen Hühnern und Ziegen geübt hatte, die ebenfalls Don Augusto gehörten, machte sich damit sozusagen warm, spießte den geliebten und gerade erfolgreich erdrosselten Hund auf eine dicke und lange Stahlstange, die er in seinem Schuppen gefunden hatte und legte den großen Fleischspieß vorsichtig, dafür gut sichtbar auf den wunderschön angelegten Grillplatz von Don Augustos Anwesen am Südhang zum Meer hin, um von der Hausherrin bei einem morgendlichen Spaziergang gefunden zu werden, die daraufhin einen Nervenzusammenbruch erlitt und noch für Wochen in ärztlicher Behandlung blieb und ihre Lebensfreude, für die sie ihr Gatte so sehr liebte und ihr deswegen 6 kräftige Söhne geschenkt hatte, nie wieder zurückgewinnen sollte und ihr Leben fortan in einem apathischen Dämmerzustand verbachte, sorgfältig ausbalanciert und eingestellt mit der kräftigen Wirkung von Psychopharmaka und Carlos Primero, den sie von dem Tag an in solch kräftigen Mengen trank, dass ihr Don Augusto den Autoschlüssel regelmäßig abnahm, wenn sie sich wieder anschickte die Straßen unsicher zu machen.

Der Zustand seiner Frau machte Don Augusto so traurig, dass auch er nach und nach seine Lebensfreude verlor, was ihn aber nicht davon abhielt, in einer besonders seelenlosen dunklen Nacht, auf das Grundstück seines verhassten Nachbarn zu schleichen und in mühevoller leiser Handarbeit, einige der ältesten Olivenbäume auf Don Fernandos Anwesen abzusägen.

Der Krieg der zwei Streithähne hatte mittlerweile beide Familien erfasst: Söhne und Töchter auf beiden Seiten, wollten mit den Vätern nichts mehr zu tun haben und lehnten bis auf Weiteres, das Fortführen der elterlichen Gutsbetriebe ab. Wie zwei traurige alte Hennen, trafen sich die Ehefrauen beim Kaufmann an der Ecke, um zu rauchen, zu weinen und den Weinbrandvorrat aufzufüllen, sowie ihre Autos am schwarzen Brett zu Schleuderpreisen anzubieten, da sie beide in ihrem dauerhaft alkoholisierten Zustand zu keinen Fahrten mehr im Stande waren und nach und nach eingingen, wie Pflanzen die durch mangelnde Abwechslung und fehlendes Wasser, bei lebendigem Leibe verdorrten, bis sie eines Morgens, wie zwei kleine Dörrpflaumen von ihren, mittlerweile durch Traurigkeit und Depressivität völlig implodierten Ehemännern gefunden wurden, die daraufhin fast zeitgleich auf den Dachboden gingen und sich mit dem erstbesten Kälberstricken erhängten, bis auch sie von ihren schockierten Kindern vom Balken gepflückt wurden, wie zwei überreife Früchte, die man über mehrere Sommer vergessen hatte und deswegen am Baum des Lebens verschrumpelt waren.

An einer ganz kleinen und versteckten Stelle grenzten die Grundstücke von Don Fernando und Augusto aneinander. An dieser Stelle stand ein uralter Granatapfelbaum. Jahrzehntelang hatten sie diesen Baum gemeinsam geerntet. Als ihre Frauen und sie selber beerdigt waren und die Kinder sich um die Abwicklung der Güter kümmerten, hatten sie weder das Wissen über die Natur, noch die Kenntnisse, welche Felder wann und wie bestellt werden mussten. Seit sie Kinder waren kannten sie die Granatäpfel aus den täglich frisch gefüllten Obstschalen, wussten aber nicht woher sie kamen.

Irgendwann wurde wieder geerntet; sie hatten Firmen beauftragt dies in ihrem Namen durchzuführen. Da aber niemand genug Wissen hatte, um hart zu verhandeln, wurden die Ernten zu Niedrigpreisen verschleudert. Plötzlich setzten sie zu, verloren mit jeder Ernte Geld, obwohl die Familien jahrhundertelang reicher und reicher geworden waren. Grundstücke wurden nach und nach verkauft oder verpachtet; bestellt wurden die Felder zwar, aber nicht mehr liebevoll bewirtschaftet.

Den alten Granatapfelbaum kannte niemand mehr. In diesem Jahr blieben sie zum ersten Mal hängen. Niemand wollte sich um sie kümmern. Regelmäßig besuchte ich sie. Ich sah zu wie sie reifer und reifer wurden. Dann kam der September. Die Erntezeit nahte. Doch sie blieben hängen, verfaulten und wurden schlecht. Vorgestern bin ich hingegangen. Ich habe geerntet, habe alle noch Guten gepflückt. Es waren 3.

Ein Baum weiß nicht auf wessen Grundstück er steht; er kennt keinen Besitz, keine Gier, kein Neid. Er ist einfach nur ein Baum, der Früchte trägt wenn es ihm gut geht und eingeht, wenn nicht.

 

Backofen Europa

Vorgestern ging es. Den Tag danach schon nicht mehr. Und heute drückt sie einem den Teer aus den Poren, als wenn morgen gestern gewesen ist. Alles stöhnt. Menschen bleiben bei Grün stehen und fahren bei Rot los. Die Hitze lässt sie verrückt werden. Noch verrückter als sonst. Nichts geht mehr. Flugzeuge kommen zu spät, Gepäckstücke gehen verloren. Begrüßungen bleiben aus, werden von der Hitze weggeschmolzen, als wären sie zerlassene Butter. Kleidung stört ständig; mancher bewahrt sich letzten Stil; andere entgleisen stattdessen völlig und lassen die hitzegepeinigten Augen der Anderen erblinden, unfähig wegzusehen. Taxifahrer streiken für mehr Wind. Selbst ihm ist zu warm zum Wehen. Der Sommer gleicht einer Feuerwalze und zeigt uns, wie Mark in den Knochen kochen kann. Glühende Hitze kriecht das Rückgrat hoch; unser Kopf, ein glühender Güllepott.

Einen gemischten Salat bitte, schön angemacht und gewürzt mit biblischer Hitze und Griechenlandreferendum. Er lässt die Europäer wie kopflose Hühner herumrennen, während der Ami hämisch lacht, schon lange kein Freund mehr ist und Wladimir die gepeinigten Griechen mit Pipeline und Geld vom leeren Kühlschrank weglockt: Interessenaustausch, bei 38 Grad im Schatten, wunderbar. Herr Ober, ich hätte gerne Nachschlag.

Sommer mag ich; Wärme ist mir lieber als Kälte, auch wenn sie anstrengend ist. Schwitzen finde ich schöner als Heizöl kaufen, im Ernst. Ich mache sowieso immer das Gleiche, auch ohne Hitze. Morgens stehe ich auf. Meistens zwischen 8 und 10. Dann mache ich Kaffee. Wenn ich die zweite Tasse trinke, rauche ich die erste Zigarette. Nach einer Weile, oft beim Dritten, esse ich eine Kleinigkeit. Nicht viel. Reste vom Vortag, oder Dinge die rumliegen. Morgens bin ich faul und habe wenig Hunger. Wenn ich nichts zu schreiben habe, sitze ich rum und sehr mir die Wände an. Selten lese ich Zeitung und wenn nur den Feuilleton. Doch oft ist der mir zu gestelzt, kommt mir zu elitär daher. Alle Welt will Intelligenzler sein, schlau daherreden und die Wahrheit, eine frohe Botschaft verkünden. Mich nervt das total. Nicht, weil ich ein divenhafter Narziss bin und mich mit dem Gegenteil wichtig machen will, sondern, weil es mich schlicht fürchterlich langweilt. Den Menschen fällt nichts mehr ein.

Wenn ich nicht lese und mir die Wände ansehe, kann es passieren, dass mir nach Musik ist. Das kann dann alles Mögliche sein, von Beethoven, bis hin zu lateinamerikanischer Folklore. Aber nicht immer. Manchmal höre ich auch Keine. Hin und wieder fahre ich am Morgen los und hole ein. Ich hab das ganz gerne, besonders in meinem kleinen spanischen Dorf. Aber auch das nicht jeden Tag. Das wäre ja Routine. Und genau die vertrage ich nicht. Mehr noch: Sie killt mich. Jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen, würde mich umbringen. Ich brauche Lebendigkeit, um mich wie ein Mensch und nicht wie ein Roboter, ein Industrie und Konsumsklave zu fühlen. Hin und wieder geht mir der Wein aus; dann hole ich Neuen. Mit Wein soll man keine Späße treiben.

Manchmal, so zwischen der ersten Zigarette und der Mittagszeit, habe ich gute Ideen. Zu allem Möglichen. Oft auch zum Schreiben. Dann mache ich mir Notizen, damit nichts verloren geht. Früher dachte ich lange, dass ich mir alles Mögliche merken könnte. Das war ein großer Irrtum. Ich weiß nicht, wie viele gute Ideen mir durch die Finger geronnen sind. Viele. Unzählige, ich bin mir sicher. Aber ich bin nicht traurig deswegen. Ich stelle mir einfach vor, dass sie wiederkommen werden. Wenn es Zeit für sie ist. Nicht jeder, nicht alles ist sofort dran. Manchmal muss man warten. Die Dinge passieren immer zur richtigen Zeit. Doch glauben tut das niemand. Alle sind gehetzt, haben die lange Liste des Brauchens, Wollens und Müssens im Gepäck. Ich jedoch glaube an das große Ganze, im Ernst. Glaubt es, oder lasst es sein. Ist mir egal. Ich mein, wenn alles einen Sinn hat, dann geht es nicht anders: Dann muss es so sein. Wenn alles sinnlos wäre, wirklich alles was wir so machen, dann wäre das ein ziemlicher Zufall, dass all die Dinge, das wir und all das da sind. Die Welt ein Zufall? Natur, die Bäume, Blumen und Tiere? Menschen? Alles sinnlos? Reiner Zufall? So ein Quatsch. Gibt genug intellektuelle Spinner, die das angebliche Nichts, die große Leere bewiesen haben. Ich jedenfalls bin ein Kind der Liebe und kein Zufall. Mich hat man ganz bewusst gemacht. Und wenn die ganze Welt glaubt, alles sei Zweck und sinnlos: Ich habe einen. Doch viele glauben mir auch das nicht. Manchen ist einfach nicht beizukommen. Aber das macht nichts: Man kann nicht allen helfen. Ich verstehe das. Außerdem helfe ich nicht so gerne, weil die meisten gar nicht wirklich Hilfe haben wollen, etwas an ihrem Zustand ändern wollen, sondern sich nur beschweren, ihre Unzufriedenheit in die Welt hinauspinkeln, als müssten sie jeden Strauch, jeden Baum mit ihrem Kummer düngen. Aber ändern, wollen sie trotzdem nichts. Deswegen helfe ich nur noch sehr selten; es ist nicht meine Stärke.

Wenn ich darüber nachdenke, würde ich sagen, dass ich gerne rumsitze. Darin bin ich ziemlich gut. Manchmal sitze ich auch draußen. An heißen Tagen aber erst abends. So wie heute. Eigentlich mache ich wenig, wenn ich mal vom Schreiben und Denken und Essen und Trinken und Rauchen absehe. Manches mache ich gleichzeitig. Denken, schreiben, rauchen und trinken zum Beispiel. Oder nur trinken und rauchen, ganz ohne denken. Das variiert. Wein trinke ich nicht vor 12 Uhr mittags. Nie. Das sollte man nicht machen. Alles zur richtigen Zeit. Essen, einmal am Tag. Mir langt das.

Gestern ging ich einkaufen. Brot, etwas Butter, Räucherlachs und Weißwein. Die Menschen vor den Kassen waren wie leblose Vogelscheuchen. Ich hoffte ich nicht. Sie sahen stumpf geradeaus. Kein Leben in den Augen. Schlange stehen, und warten. „Ja, genau, mit Karte.“ Nummer eintippen. Einpacken. Lächeln. Bonne journée. Merci. Gracias. Gute Nacht. Alles mechanisch, völlig ferngesteuert. Dann raus in die sengende Sonne. Hängende Schultern, kein Temperament, kein Feuer. Ich ging heim, schloss die abgedunkelte Wohnung auf und holte eine Flasche Weißwein aus dem Kühlschrank. Dann kam Carlos zu Besuch.

In Toulouse rauche ich nicht in der Wohnung. Guilia mag das nicht. Ich verstehe das. Kalter Rauch ist scheußlich. Egal ob in Hamburg, oder Toulouse. Nur auf Mallorca rauche ich im Haus, da verläuft es sich irgendwie. Außerdem ist das Haus sehr alt und riecht. Nicht wie alter Mensch und so, aber wenn ein Haus den Menschen schon über 1000 Jahre eine Heimat gibt, dann atmen die Mauern das ein und verändern sich mit. Rauch passt gut dazu, am besten aus dem Kalumet oder so.

Ich war auf der Straße, sah mir die Menschen an, wie sie ziellos vorbeitrieben und setzte mich auf einen Begrenzungsstein. Eine Zigarette ansteckend, dachte ich an Gestern und Morgen. Und wieder von vorne. Ich hatte ungefähr die Hälfte der Zigarette weg, als ich ihn die Straße runterkommen sah. Er sah müde aus.

„Hola Hermano, que tal?“ Wir umarmten uns.

„Ich bin müde, war eine ziemlich anstrengende Woche. Heulen und Zähneklappern: Alles dabei, vom bunten Teller.“

Ich reichte ihm eine Zigarette. Er lächelte, ließ sich Feuer geben und nahm glücklich und dankbar den ersten Zug. Wir quatschten über dies und Jenes. Erzählten uns unsere Geschichten. Lachten, zweifelten und schüttelten die Köpfe. Leben eben. Die zweite Zigarette nahmen wir im Innenhof, dann gingen wir rein. Wir öffneten ein paar Bier, redeten, tranken und rauchten. Es wurde ein schöner Abend. Mit der zweiten Flasche gingen wir wieder raus zum Rauchen. Irgendwann musste er los und ich ging schlafen.

Am nächsten Morgen ging es von vorne los. Aufstehen, schon wieder: Das nahm gar kein Ende. Wieder zwischen 8 und 10. Ich machte Kaffee. Ein Ritual. Während ich den Ersten trank, sah ich auf meine Wetter-App. Sonne, Sonne nichts als Sonne. Ich wollte mir ein wenig Abwechslung verschaffen und stöhnte herum, als würde mich das bewegen. Manchmal muss man unzufrieden sein; man kann nicht ständig glücklich und zufrieden herumlachen. Das geht nicht. Niemand darf das. Ich trank die zweite Tasse und rauchte die erste Zigarette. Irgendwann aß ich eine trockene Scheibe Brot, fischte eine Kartoffelleiche aus dem Suppentopf und trank einen Schluck Olivenöl. Frühstück. Ich horchte in mich rein: Einsame Stille. Da war nichts. Rein gar nichts. Da war nicht mal ein Leuchten, kein Funken. Ich schenkte Café nach und sah mir die gegenüberliegende Wand an. Die Zeitung ließ ich ungelesen auf dem Tisch liegen. Ich hörte leichte Jazz-Musik, dachte über meine Geschichte von diesem Wochenende nach. Ein paar Ideen, sogar Stichworte hatte ich mir notiert; doch die machten nichts mit mir, lösten keinen Tsunami aus, triggerten nichts. Ich entschloss mich was anderes zu machen. Ich wollte meine „Ballade d’Amour cosmique“ ins Italienische übersetzen. Routinearbeiten halfen mir den Kopf zu entspannen und gelassen zu bleiben. Kurz nach 12 Uhr Mittag schenkte ich mir Weißwein ein. Sofort lief es besser. Sogar erste Ideen blitzen erleichtert auf. Ich nahm einen weiteren Schluck.

Ich dachte über die aktuellen Geschichten nach, die verschiedenen Stränge, die wie bunte Linien in meinem Gedächtnispalast leuchteten. Ich dachte an den Profikiller, die Krokodilgeschichte, die Erzählung vom Präsidenten des Universums und all die komischen anderen Sachen, die noch nicht ihren Weg raus ans Licht gefunden haben. Ich war gerade ganz vertieft, als Guilia mich daran erinnerte, dass wir nach Saint Girons wollten. Plötzlich ging alles ganz schnell: Wir schmissen uns in unsere Klamotten und sprangen ins Auto. Ab ging es Richtung Pyrenäen. Wenn man mit einer smarten Frau zusammenlebt, muss man ein paar wichtige Dinge beachten: Sie braucht Bewegung, Abwechslung und Wein. Oder Kinder. Das ist eine universelle Regel. Ich achte darauf, dass sie Ersteres reichlich bekommt. Dann schnurrt sie zufrieden, ist liebevoll, macht Café und bügelt meine Hemden. Ist man nachlässig fliegt schnell ein Drachen ums Haus.

Nach einer Weile kamen wir aus Toulouse raus und fuhren auf der A64 weiter. Links und rechts das Gleiche: Wiesen und Bäume, soweit das Auge reichte. Ein paar kleine Orte sprenkelten die Landschaft grau und dunkel. Menschen erschaffen selten Erhellendes. Bäume, Wiesen und Sonnenblumenfelder. Und wieder von vorne. Eigentlich recht langweilig, aber eine schöne Abwechslung, wenn man wochenlang in der Stadt rumsitzt und wartet das die Zeit rumgeht. Nachdem wir uns verfahren hatten, blieben wir dem rechten Weg bis zum Ende treu. (Schöner Satz, oder?) Ich sah mich um. Was war denn das?

Grauer Himmel, niedrige Temperaturen, sowie das neblige Mittelgebirge, ließ uns eher an Nidda-Oberschmitten, Eifel oder Sächsische Schweiz denken, als an Südfrankreich. Verlassene Höfe en Masse. Stillgelegte Tankstellen, Dutzende. Offensichtlich wurde weniger getankt. Oder die Menschen blieben zum Trinken zuhause. Graue, triste und sehr lieblos hingestellte hässliche Hutzelhäuser, überall. Man hatte sie mit Spritzputz verschmiert. Sie ließen einen an Plattenbau denken. Grau, grau und nochmal grau. Wie der Himmel. Keine Farben, nirgendwo. Ein paar Wohnwagen standen herum. Ein Zirkus fuhr seine Tiger spazieren, schrie die Einzigartigkeit mit Lautsprechern in die Welt. Da hatten sie wohl recht: Eine Großkatze einzusperren und dann im Käfig herumzufahren, kann man leicht einzigartige Perversion nennen. Ein paar dunkle Kneipen gaben den Profis ein Zuhause. Gebeugte Menschen rannten auf Gehsteigen herum. Ihr Aussehen stand im direkten Wettbewerb mit den Häusern in denen sie wohnten. Nicht das ich mich selber attraktiv finde, bestimmt nicht: Aber lächeln hilft, egal wie ich mich anziehe, egal wie ich ausschaue.

Wir parkten, sahen an uns herunter. Ich hatte kurze Hosen an, steckte Barfuß in meinen Latschen und hatte ein dünnes Hemd an. Typisch Stadtmenschen, dachte ich. Wir fahren raus aufs Land und sind vorbereitet wie die Frisöre. Wir fuhren ein wenig  herum, bis wir uns entschieden etwas zu essen. Aus einer ehemaligen stolzen Tankstelle, hatten sie eine traurige Boulangerie gebaut, vor der ein Breulerwagen stand. Brathähnchen hatte ich schon ewig nicht mehr gegessen. Schnell hatten wir den toten Vogel, zusammen mit ein paar Bratkartoffeln bezahlt und fuhren aus dem Ort raus, in der Hoffnung noch ein sonniges Plätzchen zu finden. Irgendwann saßen wir auf einer kleinen Anhöhe, der frische Wind flatterte um unsere dünne Kleidung herum, während wir gierig die Hühnerknochen abnagten. Das Hühnchen entschädigte uns ein wenig; es war lecker und unter freiem Himmel hatte ich lange keines mehr gegessen. Nachdem wir uns die Finger abgeleckt hatten fuhren wir wieder zurück, dem warmen Toulouse entgegen. Zwanzig Kilometer vor der Stadt hatten wir wieder Sonne und sieben Grad mehr, endlich. Irgendwie tat die Abwechslung gut. Als wir zuhause waren fielen wir übereinander her und schliefen nach einem intensiven Blitzkrieg schnell ein. Siesta auf Südfranzösisch. Nach einer Weile wurde ich wieder wach und dachte an meine Sonntagsgeschichte. Ich schenkte mir ein Glas Wein ein. Er war lecker, fruchtig und etwas mineralisch. Frisch. Ein guter Wein. Ich freute mich, startete meinen Laptop und machte leichte Jazzmusik an. Kaum war das Gerät einsatzbereit, floss es schon aus den Fingern, hinein in die Tasten, hinaus in die Welt:

„Vorgestern ging es noch; den Tag danach schon nicht mehr. Und heute? Da drückt die Freude mir den Kummer aus den Poren, als wenn es morgen kein heute geben würde. Alles stöhnt. Menschen lamentieren. Die Monotonie, das ewige Hamsterrad lässt sie verrückt werden. Freude und Glück kommen immer zu spät, gehen wie Gepäckstücke verloren. Verabschiedungen bleiben aus, werden von der Tristesse verscheucht, als wären sie lästiges Laub. Veränderungen stören. Ständig. Mancher bewahrt sich in der Gleichförmigkeit den letzten Stil; andere entgleisen stattdessen völlig und lassen die konsumgeblendeten Augen erblinden. Der Sommer gleicht einem Traum, der uns zeigt wie schön Sonne und Freude das Leben leuchten lassen. Glühende Leidenschaft kriecht das Rückgrat hoch; unser Kopf, ein glühendes Haus der Lüste, der Orgien.

Sommer ist herrlich; Wein, Lust und Wärme ist einfach schön, auch wenn sie auf Dauer anstrengend sind. Schwitzen finde ich schöner als Langeweile, im Ernst. Alles ist zwar immer irgendwie ähnlich, fast das Gleiche, aber dennoch schön und lebenswert. Morgens stehe ich fröhlich auf. Dann mache ich mir leckeren Kaffee. Wenn ich die zweite Tasse trinke, rauche ich eine Zigarette. Nach einer Weile, oft beim Dritten, esse ich irgendetwas Leckeres vom Vortag. Morgens bin ich zwar manchmal faul und habe wenig Hunger, aber ich habe oft gute Ideen und viel zu schreiben. Nur selten sitze ich herum und sehe mir die Wände an. Zum Zeitunglesen komme ich nicht oft und wenn, dann lese ich den Feuilleton. Der interessiert mich. Oft gibt es gute Buchempfehlungen. Den Menschen fällt immer etwas ein.

Wenn ich weder schreibe noch lese, kann es passieren, dass ich Musik höre. Das kann alles Mögliche sein, von Mozart, bis Goran Bregovic. Aber nicht jeden Tag. Manchmal höre ich auch Keine. Einholen tue ich sehr gerne. Man sieht andere Menschen, sieht die Welt, bekommt Anregungen. Aber nur hin und wieder. Sonst wäre das ja ein Ritual. Und genau die vertrage ich nicht immer. Mehr noch: Man muss sie vorsichtig dosieren. Jeden Morgen zu einer ähnlichen Zeit aufstehen ist besser, als zur Gleichen. Wein und Lebendigkeit, macht das Leben bunt. Hin und wieder geht er mir aus; dann hole ich wieder Frischen. Wein soll man zu schätzen wissen.

Wenn ich darüber nachdenke, würde ich sagen, dass ich sehr gerne lebe. Darin bin ich gut. Ich finde, wenn man ein Leben hat, sollte man auch gut im leben sein. Alles andere wäre ja unsinnig, wäre ungesund.“