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Bananen-Republik – Odyssee 2020 CW47

22.November – seit wenigen Tagen war D wieder zuhause in Toulouse. Es war nicht nur der mediterrane Duft der Pinien und das höhere Ozon-Niveau, das ihn lächeln ließ, sondern war es vielmehr auch die etwas gelassenere Art mit dem Leben umzugehen – und eben Allem, was so dazu gehörte, Südeuropa eben.

D bemerkte zum zweiten Mal, wie rigoros auf der einen Seite die Fünfte Republik fuhrwerken konnte, allen voran Manu Bonaparte, der all seine Compatrioten zuhause einschloss, um Gesundheits-System und Bürger zu schützen – was diese grundsätzlich goutierten – während auf der anderen Seite, die feudal-zentralistische Administration mit ihren ausdruckbaren und digitalen Ausnahme-Bescheinigungen jegliche Kreativität der Bürger einlud, ausgelebt zu werden.

Oder in anderen Worten: Wer verdeckte, sowie nicht offensichtliche Flexibilität und Interpretations-Spielräume mit seiner Willenskraft kombinierte, konnte nahezu alles machen, wie vor Corona. Dies, sowie viele hundert unausgesprochene Gründe, ließen D einen besonderen Dialog mit Emmanuel Macron führen, den D insgeheim für den größten europäischen Zampano hielt, dass er ihn sogar als Präsident für Europa vorschlagen könnte, wenn man D endlich Redefreiheit geben würde.

Das Gespräch fand im Geheimen statt – Manu hatte D‘s Nummer durch D’s Lektorin bekommen, die als waschechte Pariserin – nicht zu verwechseln mit den Kondomen – immer noch hervorragende Verbindungen mit der französischen Hauptstadt pflegte und die darin mündeten, dass D letzte Nacht eine Whattsapp-Nachricht von Monsieur Presidente Manu bekam. Zuerst schaltete D nicht, bis er begriff, dass er den Bewohner des Elysee-Palastes persönlich am buchstäblichen Rohr hatte. Und so geschah es:

M: Salut Don, wie geht es dir?

D: Wer bist du denn?

M: Na ich, Emmanuel Macron….

D: Im Ernst? Woher hast du denn meine Nummer? Können wir auf Videocall wechseln, damit ich dich sehe? Ich verspreche, dass ich keine Screenshots mache…

M: Na klar, warte…

(Nach wenigen Sekunden nimmt D den Videocall-Request von Emmanuel Macron an)

D. Wau, ich glaub es nicht, du bist es wirklich…

M: Na klar…aber zurück zu deiner Frage: Du kannst dir vorstellen, dass ich Menschen im Team habe, die mir Nummern zuspielen, wenn ich sie brauche, oder?

D: Klar, wahrscheinlich kannst du jede Nummer haben, wenn du willst…

M. Vermutlich…kannst du dir vorstellen, warum ich gerade dich kontaktiere?

D: Ganz ehrlich? Keine Ahnung. Du hast doch so viel schlaue Leute um dich herum, warum dann gerade ich?

M: Ich möchte von einem Ausländer hören, der verschiedene Kulturen kennt, wie es sich bei uns lebt – UND – ich möchte wissen, was du von meiner Ausgangssperre und unseren Corona-Maßnahmen hälst.

D: Oha! Da sprichst du aber gleich ziemlich dicke Brocken an; können wir mit dem Ersten Thema beginnen? Irgendwie fänd ich das netter…

M: Ehrlich gesagt wäre mir Zweites lieber, aber wie du wünschst…

D: Nett von dir! Also: Ich bin richtig happy bei dir in Frankreich, weißt du warum?

M: Wegen unserer Kultur und Sprache?

D: Nicht schlecht, sehr dicht dran…aber nein…möchtest du weiter raten, oder soll ich sagen?

M: Hm, warte: Auch ich mag Ratespiele, aber sag es keinem weiter. Also: Weil unser Land so schön ist und wir immer noch Wert auf Essen und Trinken legen?

D: Was soll ich sagen, alle Argumente sind richtig…okay, ich löse es auf: Weil ich mein Leben lang schon in Kuba oder der Karibik leben wollte!

M: Wie bitte? Aber was machst du dann bei uns?

D: Ich erkläre es dir: Kuba und Karibik sind für mich Ausdruck für etwas, was ich mir schon als Kind wünschte, nämlich in einer Bananenrepublik zu leben…

M: Entschuldige bitte, aber sind wir in der Fünften Republik nicht etwas gänzlich anderes als…?

(D unterbricht Emmanuel, der das nicht gewohnt ist, weswegen er überrascht in die Kamera schaut)

D: Halt halt, lass mich zuerst etwas Entscheidendes auflösen: Bananenrepubliken sind laut Wikipedia ein Begriff von den USA, den man abfällig benutzte, weil manch ein lateinamerikanischer Staat oftmals direkt oder indirekt von Kapitalgebern abhängig wurde, in jener Zeit eben Großimporteure für Früchte.

Heute aber, wo wir ALLE in Europa vom internationalen Kapital abhängig sind, ihr in Frankreich nicht minder als die Deutschen, wenngleich bei euch eher Chateaus auf dem Speiseplan der Chinesen stehen, während man bei den Allemannen eher Großindustrie und Waffenhersteller reichlich verschlingt…

(Der Präsident der fünften französischen Republik blickt ein wenig angesäuert und verwirrt drein)

M: Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich dich richtige verstehe…

D: Das sehe ich…schau, ich lebe in Toulouse, genauer gesagt…

M: Ich weiß…

D: Ach tatsächlich?

M: Ich bin der Präsident, also, ich denke, ich kann Dinge herausfinden lassen…

D: Stimmt, hab ich vergessen…also: Wenn ich diesen Begriff benutze, dann meint er für mich etwas Schönes, während du den Begriff bestimmt negativ aufgefasst hast, nicht wahr…?

M: Kann man wohl sagen…

D: Dachte ich mir…also: Hier in der Region Toulouse ist das Wetter sonnig, sagen wir mediterran, es gibt gute Weine in Hülle und Fülle, gutes Essen, man kleidet sich ein wenig wie in der Karibik, besonders die Frauen und während man in Lateinamerika noch etwas folkloristischer unterwegs ist, gibt es ein höheres Maß an Ordnung, die immerhin 55% Prozent deiner Bürger Arbeit gibt, was man für das 21.Jahrhundert feudal und barock, oder sozial nennen kann – sozusagen eine first Class Bananenrepublik.

M: Erzähl weiter…ich ahne zu verstehen…

D: Ihr habt eine großzügige Administration – eben die famosen 55% des Staatshaushalt – die nicht sehr effizient ist, während ihr im gleichen Atemzug den Menschen ausreichend Flexibilität gebt, so dass ich mich während deines Confinements mit weniger Freiheit, wohler als in Deutschland fühle, obwohl ich dort freier bin – wenn das mal keine Ode auf eure dritte Republik ist…!

M: Excuse-moi, cher Don, die Fünfte Republik…

D: Komm schon, du weißt es besser als ich: Es ist in Wahrheit die Dritte, in neuen Kleidern, einer vermeintlich Fünften, wenn man von ein paar Kleinigkeiten absieht, wie Präsidentenamtszeit, Kirchen-Unabhängigkeit und staatliches Schulsystem…wenn du wie ich Ironie und Sarkasmus magst…

M: Okay, ich habe dein Gedanken-Konzept verstanden…was aber denkst du…

D: Sorry, das ich wieder unterbreche: Was das Ganze für mich so angenehm macht, ist die Tatsache, dass man wirklich nahezu alles verhandeln kann…weißt du, was ich meine? Es gibt die Rote Linie, an die sich jeder hält, aber in Wahrheit findet das Leben links und rechts davon statt…und wenn ich…

M: Hab ich alles verstanden…was ist denn der Unterschied zu den Deutschen?

D: Wollte ich gerade sagen: Bei den Deutschen ist es ähnlich, nur ist der Abstand zur roten Linie im Alltag kleiner als hier…das macht für mich das Gefühl von Freiheit und Elastizität aus…in jeder Hinsicht!

M: Also lebt es sich in Frankreich besser, als in Deutschland…?

D: Nicht besser, sondern anders! Die Wiese ist nicht grüner, sondern sie sind halt unterschiedlich; ihr habt halt ein paar andere Prioritäten; Deutschland hat sich in den letzten 30 Jahren zu den Mini-USA von Europa entwickelt, wenn man sich die Kapitalhörigkeit anschaut und die Tatsache begreift, dass Deutschland das reichste Land Europas ist, aber die Bürger des Landes zur gleichen Zeit das geringste Vermögen pro Haushalt in Europa besitzen.

Das zeigt schlicht und ergreifend, in welch rasender Geschwindigkeit die Umsätze gestiegen, aber diejenigen, die ihn erwirtschaftet haben, nicht daran teilgehabt hatten – oder in etwas abschreckenderen Worten: Heurschreckenkapitalismus vom Feinsten, à la USA!

M: Auch wir müssen aufpassen, dass uns nicht Ähnliches passiert…

D: Allerdings, in der Bildung seit ihr schon gut dabei, wenn man sich die Semester-Kosten bei einigen Universitäten ansieht…

M: Ich dachte da jetzt eher an unsere Wirtschaft…die Kapitalflucht ist halt auch bei uns ein Thema…

D: Wie überall…so etwas muss geächtet werden…entzieht doch den Bürgern die Staatsbürgerschaft, wenn sie ihre Steuern nicht bei euch zahlen wollen…

M: Gute Idee, wird aber schlecht durchzusetzen sein…

D: Wenn du dich dem annimmst, könnte es Marine das Wasser abgraben…

M: Da ist was dran…ich werde mal mit meinem Team drüber reden…also, ich habe verstanden, dass unsere fünfte Republik aus deiner Sicht eine first class Bananenrepublik ist, die noch die Feudalität der Dritten und Vierten beheimatet, was du im Großen und Ganzen aber gar nicht negativ siehst, hab ich das richtig wiedergegeben…?

D: Perfekt!

M: Dann sag mir mal, in wenigen Worten, was du von unsere C-Politik hälst…

D: Hm, schwieriges Thema…aber so viel vorab: Das Confinement muss schnell weg. Nie wieder darfst du das aussprechen; auch müssen alle Bars und Restaurant wieder auf sein; das Leben muss wieder stattdfinden, eben halt mit Corona; sonst gehen wir alle pleite und du riskierst einen Bürgerkrieg.

Die Menschen nehmen lieber das Risiko auf sich krank zu werden und dabei frei zu bleiben, als in einem Gefängnis zu leben, in dem alle vermeintlich geschützter leben, was wir in Wahrheit nicht tun, wenn du dir die Zahlen anschaust…stärke das Gesundheitssystem…schau es dir bei deinen Nachbarn an; lerne von ihnen…

Wenn du deinen Bürgern wieder volle Freiheit gibst, mit Eigenverantwortung und dem Risiko, so wie vorher, dass man sich Krankheiten einfangen kann, dann werden die Leute das sich zu Herzen nehmen…davon bin ich überzeugt!

M: Ich danke dir! Ich muss jetzt Schluss machen; ist es okay, wenn wir demnächst mal wieder plaudern?

D: Gerne, wenn du mir vorher ein wenig Zeit gibst, dann würdest du mich nicht im Schlafanzug im Bett überraschen, sondern ich könnte ein wenig angemessener gekleidet sein, okay?

(Manu schmunzelt, nickt und winkt, während er sich vom Bildschirm entfernt und selbiger schwarz wird)

Noch mindestens zehn Minuten saß D vor seinem Smartphone, das er auf seinen aufgeklappten Laptop gestellt hatte, um es nicht die ganze Zeit in Händen halten zu müssen. Noch immer konnte er nicht begreifen, dass er mit dem französischen Präsident einen Video-Call hatte.

Während er sich einen Rotwein einschenkte fragte er sich, ob er zu offen und ehrlich gewesen war; aber D wusste es nicht und hörte stattdessen ein wenig klassische Musik, um den Abend ausklingen zu lassen…

 

Toulouse – Interview Teil4 – Odyssee 2020 CW29

Am 14.Juli – am Tag der Bastille, flog D zurück nach Toulouse. Nachdem er sein Motorrad am Flughafen bestieg, um in den alten Stadtkern zu reiten und ein paar Waschmaschinenladungen zum Trocknen aufgehängt hatte, kam eine Nachricht aus dem Lektorat seines Verlags. Man hatte dort die ersten 50% seines Finanzkrimis bearbeitet, war grundsätzlich zufrieden, wenngleich es ein paar Anmerkungen gab, die auch D berechtigt schienen, auf denen er dennoch länger als üblich herumkaute.

Auch stand das nächste Telefonat mit Frau Dr. Claudia Meyer-Paradiso an, um das Interview fortzusetzen. Wie sich schnell herausstellte, sollte ihr Gespräch eine kleine Kehrtwendung nehmen. Es kamen mehrere Dinge zusammen, so dass sie die kritische Masse schneller als erwartet erreichten, so dass D ständig am Rande des brodelnden Vulkans entlangbalancierte, mit dem permanenten Gedanken, sich in den glühenden Schlund zu werfen.

D saß mit Rosé-Wein, Zigarette, sowie seinem Headset bewaffnet vor dem Laptop und grummelte vor sich hin, während er sich einwählte. Kurz darauf tauchte seine Gesprächspartnerin vor der Kamera auf.

CMP: Hallo, wie geht es dir?

DT: Ich bin wütend, danke – und selbst?

CMP: Was? Wieso denn das? Was ist passiert?

DT: Willst du es wirklich wissen, oder bekomme ich gerade ungefragt Mitleid von dir?

CMP: Ich würde es gerne wissen! Warte mal, könnten wir es eventuell als Teil des Interviews sehen?

DT: Warte, warte – okay, warum nicht. Ich bin die ewigen Schichten leid. Lass uns loslegen.

CMP: Was für Schichten meinst du?

DT: Na welche schon, Anstand, Höflichkeit und all das andere. Bist du bereit ein pures, ungefiltertes Interview zu erleben?

CMP: Klar, lass es uns versuchen. Wir sollten aber ein Zeichen verabreden, wenn wir ein Timeout brauchen, damit man den anderen nicht überfordert – einverstanden?

DT: Gute Idee! Lass uns den Satz von Balou dem Bären aus dem Dschungelbuch nehmen „Versuchs mal mit Gemütlichkeit!“ – okay?

CMP: Haha, Klasse Idee. Let’s go! Hallo Herr Tango, aus gegebenem Anlass lassen wir heute die auflockernden Fragen weg und fangen direkt an. Wie geht es ihnen?

DT: Ich bin wütend!

CMP: Warum, was ist passiert?

DT: Vor der C-Krise schienen die Leute kalkulierbar zu sein. Man wusste irgendwie was sie mochten. In Deutschland zum Beispiel mochte man schon immer gerne Krimis. Danach kamen dann Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg, mit oder ohne Familie und wenn Daniel Kehlmann und die anderen neue Romane von der Leine ließen, trieb man die durch die Hitlisten, bis das Jahr rum war; alles war beschaulich, wie in einem kleinen Märchen aus 1001 Nacht, so wie im Auenland.

CMP: Und heute nicht mehr?

DT: Nein, natürlich nicht! Überall regiert Angst und Furcht. Alles bleibt zuhause, jeder kocht in seinem eigenen Käfig vor sich hin und verkümmert, ohne es zu merken.

CMP: Und wieso betrifft Sie das?

DT: Weil das meine Mitmenschen und Leser sind. Ein Buch in Erzählform bezieht ganz besonders die Fantasie des Lesers mit ein. Man muss genug Details geben, um Spaß am Lesen zu haben, aber nicht zu viele, damit der Leser seinen eigenen Film drehen kann. Aber ich kenne deren Bedürfnisse gar nicht mehr. Es ist wie einen zu langen Brief an einen Unbekannten schreiben.

CMP: Aber ist das nicht spannend? Warum sind sie deswegen wütend?

DT: Weil die Menschen gebrainwashed sind! Niemand setzt sich mit der aktuellen Lage auseinander. Niemand begehrt auf, bei der permanenten Negativpresse. Ich fühle mich massiv in meinen Freiheitsrechten beschnitten, weil diese bescheuerte Fürsorge der Staaten uns noch unfreier macht, als schon zuvor. Es ist mein verdammtes Recht selbst zu entscheiden wie lange ich leben will! Wenn ich keine Lust mehr habe, dann gehe ich wann ich will. Wenn ich mich daher von einer Brücke schmeiße, wird das niemand verhindern, aber diese schwachsinnigen Vorsichtsmaßnahmen sind wie Fangzäune, die man über jede Brücke spannt, damit sich niemand runterstürzt, zum Kotzen!

CMP: Entschuldigen Sie mal, was hat das mit ihrem Buch zu tun? Und ganz unabhängig davon, was ist mit den vielen Corona-Toten? Die sind doch kein Fake?

DT: Ich werde mich in Sachen Corona-Statistiken nicht äußern; erinnern Sie sich an unsere Einkaufsliste von letzter Woche?

CMP: Natürlich, aber was hat das mit……

DT: Alles! Handeln Sie danach?

CMP: Wonach?

DT: Nach ihrer Liste!

CMP: Ähm, war die nicht fiktiv?

DT: Sehen Sie das Problem nicht klar vor sich?

CMP: Ich glaube nicht, was hat das mit ihrem Buch…

DT: Natürlich alles! Wenn Sie ständig fiktive Listen machten, wann machen Sie dann ihre Echte? Und wann fangen Sie endlich an, danach zu leben?

CMP: Ist das nicht meine Privatsache? Was hat das mit ihrem Buch……

DT: Verdammt noch mal, das ist es doch! Alle Menschen sind zurzeit Blätter im Wind. Niemand hat mehr seine Vision vom Leben. Aber ohne die, bleibt man eben anfällig für Alles und genauso sieht es ja aus. Schauen Sie sich doch mal die Nachrichten und die Politiker an – die haben aus braven Bürgern Europas einen Haufen ängstlicher Schafe gemacht. Alles kann man ihnen vorsetzen, sie löffeln brav den Nachrichten-Trog leer und warten, bis er wieder gefüllt wird. Nicht dass es vorher besser war, aber zumindest schienen sie nicht ständig ängstlich zu sein; irgendwie hatte jeder seinen Roten Faden, verstehen Sie?

CMP: Natürlich, aber noch einmal, was hat das mit Ihrem Buch zu tun?

DT: Jetzt fangen Sie an mich aufzuregen – Sie drehen sich im Kreis……

CMP: Den Eindruck habe ich eher von Ihnen…….

DT: Merken Sie etwas? Sie lassen mein Argument gar nicht erst an sich ran, stattdessen reagieren Sie nur verteidigend, oder nennen wir es ablehnend……es geht nicht um mich, sondern um Sie und die Anderen, verstehen Sie?

CMP: Nein, wenn ich ehrlich bin nicht so richtig……

DT: Okay, also: Es geht mir NICHT darum, dass ich die Bedürfnisse des Lesers nicht kenne; die kannte ich vorher auch nicht richtig, aber da war der Leser standfester und traute sich mehr. Es geht darum, dass ich ausschließlich Dinge schreibe, um Menschen zu bewegen. Wenn die Menschen das aber nicht mehr wollen, weil sie durch die derzeitige Corona-Krise an einem „Wohlfühldefizit“ leiden, dann hört morgen eben keiner mehr die Egmont-Ouvertüre, sondern stattdessen Schlagermusik und liest nur noch Liebesromane mit Romantikgarantie, die verlässlich schön und leidenschaftlich enden.

CMP: Aber wie kommen Sie darauf, dass es so ist?

DT: Weil uns Menschen die ganze Zeit Märchen erzählt werden, die wir brav glauben; niemand ist mehr an konkretem Wissen interessiert. Niemand zweifelt und ist neugierig und nutzt seinen gesunden Menschenverstand. Es ist so, als würde man ihnen im Restaurant Tische zum drauf sitzen geben und einen großen Stuhl, auf dem man das Essen serviert und niemand fragt sich, ob nicht etwas verdreht ist.

CMP: Okay, ich ahne worauf Sie hinauswollen, aber…….

DT: Nichts aber! Wir richten das Spotlight ausschließlich auf das Negative, weil es auch mehr Aufmerksamkeit bekommt als das Gute! Es gibt mehr Klicks bei Horrornachrichten, als bei Friede-Freude-Eierkuchen. Wir selbst sind die Quelle für den Bordelle, weil wir Blätter im Wind sind.

CMP: Einverstanden, aber wie ändern wir das?

DT: Jeder einzelne muss den Antrieb haben, die rote Pille zu nehmen!

CMP: Sie können nichts dazu beitragen?

DT: Wollen Sie mich auf den Arm nehmen? Meine Bücher tun ausschließlich das!

CMP: Dann haben Sie doch alles richtig gemacht, oder nicht?

DT: Wenn Sie zu den Wenigen zählen, die ihre Freiheit der Sicherheit vorziehen, wohin wollen Sie gehen und wie wollen Sie leben, wenn Ihre Umgebung so geartet ist, wo, frage ich Sie?

CMP: Eine schwere Frage, aber sind wir nicht ein wenig von Ihrem dritten Buch abgekommen?

DT: Es geht doch nicht nur um mein Buch, es geht darum, dass man nicht zurück kann……

CMP: Sie meinen, wenn man die Rote Pille genommen hat, kann man nicht…?

DT: Natürlich! Wer bereits auf dem Rand des brodelnden Vulkankraters wandelt, der tut sich schwerer zurück ins Tal zu gehen, anstatt zu springen, wie es der große Empedokles getan hat.

CMP: Wollen Sie springen?

DT: Meine Arbeit ist noch nicht getan. Aber zur Zeit habe ich das Gefühl, dass der Krater täglich höher wird, auf dem ich stehe. Deswegen bin ich wütend, weil meine Mitmenschen am Fuße des glühenden Schlundes dafür sorgen könnten, dass er nicht weiter wächst, doch er sprießt in die Höhe wie ein Pilz, obwohl ich mich kaum bewege – DAS lässt mich verzweifeln und meine Haare raufen.

CMP: Wie geht es ihrem dritten Buch?

DT: Gut! Ende kommender Woche sollte es komplett sein. Es ist auf jeden Fall für eine breitere Masse gedacht, daher ringe ich auch so mit mir. Ich hatte dem Projekt vor vielen Jahren zugestimmt – ich kann mich nicht aus der Verantwortung stehlen, so wie es Politiker und Vorstände machen – also ringe ich solange mit mir, bis es fertig ist.

CMP: Sie versprechen, nicht in den Vulkan zu springen?

DT: Ich verspreche gar nichts, aber ich habe bereits gesagt, dass es viel zu tun gibt, weswegen jetzt noch nicht die Zeit dafür ist.

CMP: Was können Sie Ihren Lesern heute zum Schluss noch mitgeben?

DT: Macht eure Einkaufslisten und lebt danach, so gut es geht.

CMP: Das ist alles?

DT: Das ist bereits mehr als genug. Wer danach lebt, der ist nicht mehr Blatt, sondern wurde zum Wind.

CMP: Ein schöner poetischer Schluss.

DT: Danke.

CMP: Gerne! Haben Sie vielen Dank Herr Tango. Was werden Sie im Anschluss machen?

DT: Mein Glas nachschenken, mich kurz in die Sonne legen und dann schreiben und Sie?

CMP: Meine Einkausliste machen und einen Apéro zu mir nehmen….

DT: Sehr gut….dann santé.

CMP: Auf wiedersehen.

D legt auf, modifiziert nicht seine Reihenfolge und schreibt später an seinem Finanzkrimi weiter.

 

Mallorca Interview Teil2 – Odyssee 2020 CW27

5.Juli – seit elf Tagen lebte D wieder zuhause. Nachdem er mehrere Tage gegen eine Armada Flöhe kämpfte, die ihm seine Beine mit ihrem gewaltigen Appetit derart gründlich abgenagt hatten, das überall Messer und Gabel im Beinfleisch steckten, setzte sich der Heilungsprozess langsam aber stetig fort, so dass er wieder klarer Denken und das Schreiben fortsetzte.

In einer barock geschriebenen Whattsapp-Nachricht schlug Frau Dr. Claudia Meyer-Paradiso vor, das Interview fortzusetzen, um weiterzukommen, aber auch, um mehr über den Fortschritt seines neuen Buches zu erfahren, wie sich hinterher herausstellte. Mit Café, Zigarette, sowie seinem Headset bewaffnet, saß D vor dem Laptop und freute sich auf das Gespräch mit der quirligen Journalistin.

CMP: Guten Morgen, wie geht es dir?

DT: Hola, ganz okay und selbst?

CMP: Hervorragend, wie ist deine Woche gewesen?

DT: Appetitlich, wenn ich im Namen der Flöhe sprechen darf, die mich seit Ankunft auf ihrer Speisekarte haben.

CMP: Oh! Das tut mir leid, konntest du bei dem Juckreiz denn schlafen?

DT: Doch-doch, das geht schon, wenngleich meine Beine wirklich abenteuerlich aussehen….

CMP: Kann ich mir vorstellen. Fühlst du dich gut genug, um unser Interview fortzusetzen?

DT: Ist kein Problem, willst du dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten?

CMP: Natürlich, zum Auflockern beginnen wir mit ein paar einfachen Fragen, einverstanden?

DT: Okay!

CMP: Hallo Herr Tango, um unser Interview fortzusetzen, stelle ich Ihnen ein paar Fragen zur Auflockerung.

DT: Gerne, warum nicht?

CMP: Wein oder Bier?

DT: Wein

CMP: Berge oder Meer?

DT: Beides.

CMP: Glücklich oder unglücklich?

DT: Unglücklich!

CMP: Halbvoll oder halbleer Glastyp?

DT: Halbvoll!

CMP: Das widerspricht sich, weil……

DT: Tut es nicht, weiter…..

CMP: Dann müssen wir gleich nochmal darauf zurückkommen…..

DT: Okay, weiter-weiter….

CMP: Raucher oder Nichtraucher?

DT: Nichtraucher, der hin und wieder raucht

CMP: Politisch links, oder rechts?

DT: Natürlich links……

CMP: Warum ist das natürlich?

DT: Weil ein solidarisch-denkender, halbwegs gebildeter, kultivierter und neugieriger Mensch unmöglich rechts sein kann, weil dort jegliche Form von Zukunft und Kunst verhungert!

CMP: Wow! Was wäre, wenn ich rechts oder faschistisch wäre?

DT: Nichts, ist ihr gutes Recht zu wählen was sie wollen, nennt sich Demokratie, glaube ich.

CMP: Könnten Sie eine faschistische, konservativ-rechts denkende Frau küssen?

DT: Natürlich! Wer bin ich, über Menschen zu urteilen und ihre anderen positiven Eigenschaften auszublenden? Boris Becker war ein wunderbarer Ausnahmesportler im Tennis und später im Geschäftsleben weniger erfolgreich als Warren Buffet. Niemand kann überall ein Supertalent sein…..

CMP: Lassen Sie uns zu ihrem Widerspruch zurückkommen…..

DT: Okay.

CMP: Wie können sie „unglücklich“ wählen, aber ein „Halbvollglastyp“ sein?

DT: Weil ich „unglücklich“ produktiver und kreativer bin, als glücklich. Außerdem weiß ich nicht einmal was Glück sein soll – ich gehe daher davon aus, dass es mich faul und bequem, wie das Paradies macht – also Zustände und Orte, die ich nicht mag.

CMP: Sie wissen nicht was Glück ist?

DT: Nein, weiß ich nicht, was nicht heißt, dass ich keine glücklichen Momente erlebe, aber das ist etwas gänzlich anderes……

CMP: Schlagen wir die Brücke, zu unserem Gespräch von vor einer Woche….

DT: Gerne!

CMP: Sie sprachen von Quantenphysik, Schrödingers Katze und dass für Sie die Literatur das wahre Leben ist, weil Sie Erlebtes oder Nicht-Erlebtes ohne Zeitlimitierung in jeder möglichen Tiefe schreiben, also leben können – wie sollen wir uns das vorstellen und welche Verbindung sehen Sie zu ihrem aktuellen Werk?

DT: Sie können nicht agieren und sich dessen darüber, im gleichen Atemzug bewusst sein, in der Literatur kann ich das, daher ist es für mich dass wahre Leben, deswegen ist es für Schreiberlinge so wichtig, zu reisen, den ohne neue Reize, können sie zwar wie Proust im Bett bleiben und alltägliche Dinge bis in den Molekularbereich genau beschreiben, aber irgendwann ist der Kelch ausgetrunken – reisen, ist eine schöne Art, sein Fass wieder und wieder zum Überlaufen zu bringen.

CMP: Sie haben nichts zu meiner Frage zu ihrem nächsten Buch gesagt, reiner Zufall oder Absicht?

DT: Beides ein wenig……

CMP: Wollen Sie ihren möglichen potenziellen Lesern nicht einen Vorgeschmack geben?

DT: Eigentlich nicht…..vielleicht ändere ich nochmal alles, und dann?

CMP: Aber das Thema bleibt doch das Gleiche, oder könnte es sein, dass Sie auch das über den Haufen werfen?

DT: Nein! Also gut, es wird ein Wirtschaftskrimi, der sehr gut in die aktuelle Zeit passt…..

CMP: Warum?

DT: Weil Kapitalismus, der sich ausschließlich auf wirtschaftliches Wachstum konzentriert, die Mehrheit der Menschen in die Mittellosigkeit zwingt und eine Minderheit unermesslich reich werden lässt, inklusive dem vollständigen Versagen von Ethik und Moral. Daher muss es andere Formen des Wachstums geben und über das Bürgergeld ernsthaft gesprochen werden. Wie soll das Menschsein der Zukunft aussehen, wenn uns Maschinen die Mehrheit abnimmt? Sprechen Sie mit Richard David Precht und Harald Welzer, oder lesen und hören Sie, was die zu sagen haben – die bringen diese Themen sehr gut auf den Punkt.

CMP: Interessant, das werde ich machen! Zurück zu ihrem Buch, ein Wirtschaftskrimi sagen Sie? Wo spielt er und wie heißt der Protagonist?

DT: Das werde ich Ihnen nicht sagen, falls ich noch Änderungen vornehme.

CMP: Wann wird es erscheinen?

DT: Mein Verlag meint Ende Juli, ich denke es wird vermutlich eher August.

CMP: Warum geben Sie uns nicht mehr Hinweise, mögen Sie keine Vorfreude?

DT: Es programmiert und erzeugt Erwartungen, nein, ich bin kein Freund von Erwartungen aber ein großer Befürworter vom jungfräulichen Erleben, im eigentlichen Sinne – stellen Sie sich vor, sie gehen in ein Museum und da steht vor jedem Kunstwerk, was es ausdrückt – Eine Katastrophe, weil dann raubt man Ihnen ihre intime Eigenbetrachtung, weil man ihren Geist bereits kontaminierte…….

CMP: Aber in ganz vielen Ausstellungen macht man das so……

DT: Ich weiß, aber deswegen muss es nicht gut oder richtig sein, nur weil alle es machen, geschweige muss man es nachmachen; ich habe mit einigen Kuratoren Streitgespräche gehabt, ohne Namen zu nennen…

CMP: Schade, mich hätte interessiert, wen Sie da aufs Korn genommen haben…..

DT: Ich kann Ihnen aber die Antwort geben, mit der mich einer der Herrschafften, es war übrigens keine Frauschafft dabei, beglückte….

CMP: Sagen Sie schon……

DT: Er schrieb, dass die Besucher ihre Beschreibungen sehr schätzen würden, weil es Orientierung gäbe…

CMP: Das finde ich auch, und das ist doch etwas Gutes, finden Sie nicht?

DT: Nein, natürlich NICHT! Darum geht es doch in der Kunst, um Freiheit, darum, eigene Erlebnisse, sich der eigenen Phantasie, der eigenen Empfindung hinzugeben – meine unbefleckte jungfräuliche Sicht töten Sie, noch bevor sie geboren ist, indem man etwas vorwegnimmt und es beschreibt – Kuratoren und ihre Ausstellungen haben einen Bildungsauftrag gegenüber dem Bürger – den die Mehrheit von völlig verfehlt, jedenfalls in Deutschland…..wollen wir an dieser Stelle pausieren?

CMP: Gerne! Haben Sie vielen Dank Herr Tango – was werden Sie heute noch machen?

DT: Jetzt einen Apéro zu mir nehmen und schreiben – und Sie?

CMP: Essen zubereiten….

DT: Na dann bonne app…..et à bientôt

Klacken in der Leitung. D legt auf, schenkt sich Rotwein ein und beginnt weiterzuschreiben.

 

Gentechnik und Geographie – Odyssee 2020 CW25

Sonntag der 21.Juni – Spanien hob seinen Alarmzustand auf und öffnete die Grenzen zu den Nachbarn – wie schnell drei Monate vergingen. Gerade trank D seinen ersten Café, als Volotea seinen vierten Flug nach Mallorca stornierte und ihn in einer von Trauer umflorten Email darüber informierte, ohne das D’s Herz beim Lesen auch nur einmal Gefahr lief höheren Puls zu bekommen.

Das lag zum Einen daran, dass D mittlerweile alles als eine Art Wette auf die Zukunft ansah, mochten es Aktien, Flüge, Eier, Wein, oder sonst welche Produkte sein und zum Anderen daran, weil er beim rhythmischen studieren der Flugangebote bemerkt hatte, dass Südfrankreich zwar rein geographisch direkt an Spanien grenzte, was jedoch gegen die leidenschaftliche Liebe der Norddeutschen offenkundig nicht ausreichend punktete, weil man seit dem 15.Juni wieder mehrmals täglich Hamburg – Mallorca fliegen konnte.

Was war geschehen? Hatten die Franzosen Nähe und Liebe zu ihren okzitanischen und aragonischen Brüdern und Schwestern verlernt, gar über COVID-19 vergessen? War es möglich, dass normannische Willensstärke und teutonische Planungsleidenschaft sich gegen physische Nähe und mediterrane Kulturen durchgesetzt hatte? D wusste es nicht – aber war klar, dass er es bald herausfinden musste – er ahnte noch nicht, wie schnell und wie bald!

Alles fing damit an, dass Emmanuel der Erste, König vom Frankenreich, zum Krieg gegen die Coronen ausrief, welcher mit einer leidenschaftlichen Rede am 16.März im Jahre Null, v.Corona. nicht nur begann, sondern zum ersten Mal alle Landsleute mobilisierte und selbst oben, in der weit entfernten Bretagne, das letzte gallische Dorf, mitriss. Überall im Königreich krempelte man Ärmel hoch, was man daran merkte, wie pflichtbewusst die Franken in ihren Häusern blieben, um dieser modernen Pest, um jeden Preis den Nährboden zu entziehen.

Rückwirkend betrachtet konnten sich Wissenschaftler auf drei Monate einigen, was die Geschichtsbücher später bestätigten. Mögliche Erklärung für D war, dass Emmanuel der Erste und seine Getreuen nach dem gewonnen Krieg offensichtlich so viel mit sich selbst zu tun und so viele Apéros nachzuholen hatten, dass man Lichtjahre davon entfernt war, alte und neue Nachbarn wahrzunehmen, oder gar mit Besuchen zu wertschätzen.

Weil die Normannen, Preußen und Teutonen schon seit langer Zeit keinen König mehr hatten, fiel somit mehr Macht auf die einzelnen 16 Stämme und Herzogtümer, die deswegen schneller und zielgerichteter reagierten, während König Emmanuel der Erste noch seine Hafenrundfahrt unternahm, um Getreue und Volk auf seine Linie einzuschwören., was darin mündete, dass manche Fluglinie Emmanuel und sein Frankenreich als geringere Gewinnopportunität ansah, als zum Beispiel Normannen, Teutonen und Preußen.

Doch war dies erst der Anfang – bald schon fiel es D wie Schuppen von den Augen, warum das ganze Frankenland in einer Art glückseligen Dornröschenschlaf fiel, Benommen vor Selbstliebe, als er versuchte sich seine morgendlichen Eier zu machen, die er nur mit Mühe alleine gehoben und durch die Tür getragen bekam, was an den gewaltigen Fortschritten fränkischer Gentechnologie lag, die es Emmanuels Hühnern erlaubten, Eier auszubrüten, die an Gewicht und Größe ihr Selbst überstiegen.

Und – auch diese Erkenntnis, ließ D’s Hand mit lautem Klatschen an seine Stirn schlagen, als er einen weiteren Erfolg fränkischer Zauberkraft überblickte, die sich vor seinen Augen ausbreiteten und in den letzten drei Monaten stattgefunden hatten – was D als wahren und richtigen Schritt in eine geeinigte EU wahrnahm, woraufhin D sofort zum Apéro griff, um auf Europa anzustoßen.

Was war passiert!

Erst nur aus dem Augenwinkel, bald schon für einen ersten konfrontierenden Blick zurecht gedreht, breitete sich D’s Irritation über das Pentagramm in Schockwellen aus, dass König Emmanuel der Erste und Seine Getreuen als fränkisches Gütesiegel auf Produkte und Verpackungen imprägnierten.

Dazu mussten Emmanuel der Erste und seine Getreuen es in nur drei Monaten hinbekommen haben, dass sich die Pyrenäen um mehrere hundert Kilometer vergrößert hatten, oder, wenn sie an Größe und Ort die gleichen geblieben sein sollten, sein Frankenland, durch gewaltige Sandaufschüttungen vergrößert haben, dass sich das bekannte Hexagramm in nur drei Monaten in ein magisch-großes Pentagramm verwandelte.

Auch nach dem hastigen Genuss, mehrerer Gläser Roséweins, änderte sich für D nicht das Geringste, dass er schlussendlich, die griechischen Götter sein Dank, die einzig richtigen Schlüsse zog: Entweder mussten König Emmanuel der Erste und seine Getreuen eine eingeschworene Familie einflussreicher Druiden sein, die über magische Kräfte verfügten, dass ihnen quasi alles gelang, wenn sie nur wollten, was sich durch Foie Gras sehr schön wissenschaftlich bestätigte, dass sie machen konnten, dass Tiere, allen voran Enten und Gäse, mehr fraßen, als sie natürlicherweise bevorzugten.

Oder aber, fränkische Eier Produzenten hatten so niedrige Schulbildung, dass sie nicht bis sechs zählen konnten und sich deswegen tragischerweise zu sehr auf Marketing, statt auf Weiterbildung und Qualität ihrer Produkte konzentrierten und daher unwissend in Kauf nahmen, zuerst eine fränkische, dann eine europäische Revolution dadurch auslösend, weil man mindestens zweimal auf Ursprung und Ort seiner Produkte hinwies, ohne sich der Ungenauigkeit bewusst zu sein, welche verheerende Wirkung ein Pentagramm bei König Emmanuel dem Ersten und seinen Getreuen auslöste.

Glücklicherweise lebte D bereits lang genug in König Emmanuel Frankenland, um gut einschätzen zu können, dass man es hier mit vielen Dingen nicht so genau nahm, was er schon bei den im Freien stehenden Traktoren von Jay-Bee bemerkte, die dort munter vor sich hinrosteten, was mitnichten eine herausragende Gelassenheit Jay-Bees, dafür umso mehr eine grundsätzliche Verhaltensweise aller Winzer aus Bordeaux zu sein schien.

Wieder einmal fühlte D sich bestätigt, alles als eine Wette anzusehen, weswegen er alles mit Wahrscheinlichkeiten abwog, was das Herz und die wahre Natur der fränkischen Freiheitsmethodik zu sein schien – vive la France, vive l’Europe!