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Corona und Verschwörungen – Odyssee 2020 CW22

Pfingst-Sonntag, 14.45 in Saint Germain du Puch – D saß im Garten seines Freundes K und genoss die südfranzösische Sonne. Ein großes Glas Rosé leistete ihm dabei erfrischende Gesellschaft, während D den gestrigen Abend Revue passieren ließ.

Jay-Bee, ein gemeinsamer Freund kam gegen Abend vorbei, was den weiteren Verlauf nicht nur kurzweiliger, sondern auch umso lehrreicher machte. Letzteres, weil Jay-Bee nicht nur ein talentierter und erfahrener Winzer, sondern, weil D ihn immer als sehr belesen und gut informiert erlebte.

Nicht nur die Tatsache, dass Jay-Bee ein konsequenter Umsetzer der biodynamischen Lehre Rudolf Steiners ist, was sich jedes Jahr in leckeren Rotweinen wiederspiegelte, inklusive seiner zufriedenen Anhänger, sondern auch seine Fähigkeit, aus vermeintlich einfachen Gegebenheiten, eine komplexe vierdimensionale Realität zu erschaffen.

Am gestrigen Abend bekam D reichlich neues Wissen eingeschenkt, sowie die beeindruckende Erkenntnis, dass wirklich alles miteinander verbunden ist.

Langsam dämmerte D, dass Corona kein zufällig entstandenes Virus, sondern eine Geheimwaffe ist, die weitsichtige Chinesische Forscher intelligent eingesetzt hatten, um dafür zu sorgen, dass es den reichen europäischen Staaten an den Kragen ging – wie sich immer mehr herausstellte, gleich doppelt und dreifach. D faszinierte Jay-Bee’s Scharfsinn, wie er virtuos komplexe Zusammenhänge erkannte.

Natürlich war absehbar, dass jeder einzelne EU-Staat seine Grenzen eigenmächtig schloss und damit den eigenen Bankrott beschleunigte – schnell wurde ersichtlich, dass dahinter die reichen Eliten steckten, angeführt von Bill Gates und der WHO.

Doch diese Tatsachen verblassten vollständig, nachdem die Gemeinschaft einige Flaschen Wein intus hatte und Jay-Bee mit detaillierten Ausführungen zur Wahrheit über Hitler und den USA begann. Jay-Bee konnte fundiert und eindeutig herleiten, viel beeindruckender, er schien physische Beweise zuhause zu haben, dass in Wahrheit die USA hinter Hitler steckten; man hatte sich die ganze Sache mit Braunau und dem abgelehnten Kunststudium ausgedacht, wie er farbenreich schildert. In Wirklichkeit hatten die Geheimdienste der USA ihn aufgebaut.

D nippte an seinem Rosé und erkannte messerscharf, zwar verspätet verglichen zu Jay-Bee, aber immerhin, dass Adolf H eine Art Geheimdienst-Angestellter gewesen sein musste, vermutlich mit Personal-Nummer und Gehaltszettel. – Wer war dann sein Vorgesetzter? fragte sich D – der amerikanische Präsident Roosevelt, oder einer der Direktoren von NSA, FBI oder CIA? D wusste es nicht – noch nicht!

Doch eins war D klar:

Er würde nicht ruhen, bis er den ganzen Zusammenhang herausfand und verstand, warum auch Stalin, dazugehörte, wie Jay-Bee gegen Mitternacht, bedeutsam zum Ausdruck brachte. Sein immer breiter gewordener Entre-deux-Mer-Slang machte das herausfischen von klarverständlichen Fakten zum wahren Abenteuer, dass D irgendwann nach drinnen ging, um eine Angel zu holen.

Als D dann seine Vermutung mit den zwei vertrauten Freunden teilte, dass Pfingsten, in Wahrheit ein Fest des Teufels sein musste, was D gekonnt damit belegte, weil das Wort Pfingsten aus dem griechischen, nämlich von Pentikosti kommt, woran man sofort Teuflisches erkannte. Penti = Pentagramm = Zeichen des Teufels und dass die ganze christliche Kirche in Wahrheit eine Luziferische ist.

Nachdem die Gemeinschaft sich gegen 01:30 nachts mit Argumenten in den Armen lag, fragte D sich beim Nachschenken, ob Hitler und Stalin Gehaltserhöhungen, so wie ihre Kollegen, bekommen hatten; ob es zu der Zeit Team-Booster gab? D wusste es nicht – nahm sich aber vor, alles herauszufinden.

Nachdem D am Pfingst-Sonntag weiter am dritten Buch arbeitete, fragte er sich – war es wirklich reiner Zufall war, dass sein Rosé alle war? Steckte am Ende viel mehr dahinter? Konnte er sich wirklich sicher sein? D wusste es nicht.

Nach und nach schob er diese Frage in den Hintergrund, weil er sich vielmehr begann damit zu beschäftigen, ob er in zwei Wochen, wie geplant, zur Heimat fliegen konnte, oder ob auch Mallorca von außerirdischen Echsen und deren Superkräften beherrscht war.

Man hörte doch so viel von abgewiesenen Touristen.

Doch wie sollte das gehen? Man landete, stieg aus dem Flugzeug und dann was? Wurde man dann vom spanischen Geheimdienst in Empfang genommen? Kam man in ein Flughafen-Gefängnis, eine Art spanisches Guantanamo-Bay, bis man einen ungewollten und verfrühten Rückflug erstanden hatte?

Befanden sich diese Gefängnisse am Flughafen? Waren es Provisorien, solche Blech-Container? Mussten die im Sommer nicht unmenschlich heiß sein? War das die Bestrafung für verfrühte Eingereiste? D wusste es nicht – noch nicht!

Das einzige, was er wirklich wusste, war, dass er jetzt aufstehen und nachschenken musste – mochten Hitler, Stalin und Bill Gates auch zur gleichen Elite zählen, die die Menschheit versklaven und unters Joch bringen wollte.

D wusste nicht warum sie das wollten – noch nicht – doch er würde alles tun, um es herauszufinden und keine Ruhe geben, bis die ganze Wahrheit ans Licht kam.

Doch unabhängig von all seinen Recherchen, nahm D sich weiterhin vor, das Leben weiterhin zu genießen, mochte die ganze Menschheit irgendwann, in ferner Zeit, zur Hölle fahren.

 

 

Mephisto am Sonntag – Odyssee 2020 CW19

Wie jeden Morgen stand D mürrisch auf und erschrak im Spiegel, über das stetig schroffer werdende Korallenriff, dass er sein Gesicht nannte. Nachdem er einen ersten überraschenden Angriff seiner tief in ihm wohnenden Faulheit abwehren konnte, auf das morgendliche Zähneputzen zu verzichten, nestelte er widerwillig am Rand des Waschbeckens herum, bis er Bürste und Tube fand.

Fünf Minuten später streifte er eine der herumliegenden Jeanshosen über, griff mit spitzen Fingern ein sauber aussehendes T-Shirt, schlüpfte in Schuhe und machte sich in der Küche zu schaffen, während er eine halbwegs rhythmische Melodie pfiff. Gedankenlos blickte D aus dem Fenster, während ein kleiner Kochtopf auf der Herdplatte gemütlich vor sich hinzischte, als er bemerkte, dass es ihm heute gut passieren könnte, Muttertag zu vergessen.

Von außen betrachtet schien D eigentlich ein ganz netter Kerl zu sein, wenn man von seinen unangekündigten störrischen Reaktionen absah, die an borstige Esel, aus katalanischen Tiefebenen erinnerten und nicht an einen ruhelosen Schreiberling, der seit zwei Jahrzehnten versuchte herauszufinden, warum Wasser nass ist.

Während er hin und wieder am Café nippte und in seine Zeitung blickte, fragte D sich, was er nun wirklich von all den Verrücktheiten da draußen halten sollte. Täglich warfen sich seine müden Augen in das gewaltige Daten.- und Zahlenmeer, dass die Medien stündlich in tsunamigleichen Schockwellen in die Straßen gossen, bis alle, einer nach dem anderen, langsam aber sicher in den Fluten ertrank.

Nicht nur, weil D großen Respekt vor den Weltmeeren hat, aber eben auch, schwimmt er täglich, nach kurzer Zeit zurück ans Ufer, zieht sich am eigenen Schopfe aus dem Strudel des globalen Informations-Gewitters und nimmt sich aufs Neue vor, noch kürzer zu treten. Doch womit eigentlich? D vertritt seit Jahren die These, dass es zum Menschsein dreierlei Dinge bedarf. Seiner Ansicht nach, stellen Armut, Freiheit und Tot die einzigen Grundbedürfnisse dar, um Mensch zu werden.

Nicht ganz überraschend erschien ihm daher die Erkenntnis, dass er vom Corona-Wahnsinn, oder der weltlichen Werte-Implosion, wie er die aktuelle Situation gerne nennt, recht wenig hielt. Sicherlich, auch ihn hatte Manu Bonaparte eingesperrt, aber das hatte ihn genauso wenig gestört, wie die pikierte Reaktion der französischen Reporterin, die ihn während eines Interviews vor einigen Tagen zu spitzen Bemerkungen eingeladen hatte.

Darunter befand sich unter anderem seine These, dass zwischen dem Trumpismus, „Amerika’s first“ und dem „Vive la France, vive la République“ der aktuellen Fünften, sich in Wirklichkeit kein inhaltlicher Unterschied finden ließ, außer der sprachlichen Form, die im Falle Frankreichs, elegant daherkam.

Nachdem die ebenso hübsche wie auch bornierte Journalistin D’s Ansicht zu Europa zu ergründen versuchte, zeichnete sich schnell ab, dass auch in Sachen EU seine Betrachtungen derzeit auf wenig Resonanz trafen, da es seiner Ansicht nach unmöglich ist ein europäisches Wir-Gefühl aufkommen zu lassen, solange sich Einzelstaaten einsperren und niemand den Anfang macht.

Dies und jenes ging in D’s Gedächtnispalast vor, während seine Augen den Artikeln seiner Wochenzeitung folgten und seine Ohren das stetige Summen eines beachtlichen Brummers vernahmen, der sein dünnhäutiges Nervenkostüm malträtierte.

Gerädert blättert D eine Seite weiter, nippt an seinem bereits kalten Kaffee, als der Brummer direkt vor seiner Nase eine unscheinbare Notlandung hinlegt, mit anschließendem Auf-den-Rücken-Werfen und Mit-den-Beinen-strampeln. So etwas hatte D noch nie gesehen. Wie wild strampelte die Fliege mit den Beinen, deren Flügel wie unbeteiligt liegen blieben. Ganz vorsichtig, versuchte er das kleine Fluggerät auf die Beine zu drehen – ohne Erfolg. Es strampelte so vehement mit den Beinchen, dass ein Aufstellen unmöglich blieb.

Mehr und mehr machte es den Anschein, als hätte die Fliege kein Interesse weiterzufliegen. Gebannt sah D der Fliege zu, wie ihre Beine in der Luft wild rumfuchtelten, als sie plötzlich, wie aus heiterem Himmel regungslos erstarrten, als hätte die Schöpfung den Stecker gezogen.

Völlig überrumpelt von den sich überschlagenden Ereignissen, nutze D die Gunst der Stunde und stellte die Fliege auf ihre Beine – wieder ohne Erfolg. Völlig erstarrt fiel die Fliege wieder und wieder um, ohne sich zu regen. Geschockt erkannte D: Sie ist tot! Direkt vor meinen Augen gestorben. Noch nie ging vor D’s Augen etwas ohne Fremdeinwirkung in die ewigen Jagdgründe.

„Das darf doch nicht wahr sein!“, murmelte er sichtlich ergriffen in Richtung des Leichnams.

„Soll mir das was sagen?“, fragte er laut, jedoch ohne Antworten zu bekommen. Minutenlang blickte D zur Fliege, in der Hoffnung, es handelte sich um eine Art Blitzschlaf, wie er es von Kater Garfield kannte. Aber nein. Noch viele Stunden später, sah man die gleichen Stirnrunzeln auf seinem Gesicht, wie just nach dem Aufschlag des Flugobjekts, das ihn den ganzen Muttertag lang, zum Nachdenken zwang.

Nur mühsam gelang es seinen Gedanken von den letzten Krumen der nackten Erkenntnis abzulassen, das er das Leben auch als Krankheit ansehen könnte, von dem ihn der Tot befreit, womit er den Tot als Medizin und nicht als Unheil ansehen könnte.

Vielleicht ist es auch so mit dem Drinnen und Draußen; vielleicht gibt es all das in Wirklichkeit nicht; könnte es nicht sein, dass alles nur eine Frage der Skalierung ist? Doch all die Grübeleien ließen D nicht von der Erkenntnis entkommen, dass der Tot, vor seinen Augen, seine langen Arme nach dieser Fliege ausgestreckt hatte, während er seelenruhig Zeitung las, als wäre nichts geschehen.

Vermutlich, dachte D, ist das die Erklärung für alles: In Wahrheit ging es nicht um den Killer-Virus; es ging einzig und alleine darum, dass auch nach tausenden von Jahren, die Angst vor dem Tot immer noch größer ist, als jede andere. Angst und Furcht schienen die vorübergehenden Wachstumsmotoren unserer Gegenwart zu sein.

„Hoffentlich machen sie bald Platz für positivere Lebensmodelle“, dachte D, als er sich auf seinem Sofa ausstreckte und mit seiner Katze im Arm ein nicht ganz unverdientes Mittagsschläfchen machte.

 

 

Katalysator Corona – Erschaffen einer Vision? – Odyssee 2020 CW17

Mischen – wir Menschen neigen dazu alles miteinander zu vermischen. Ich finde das ganz schön, weil man zum Beispiel in der mediterranen Küche tolle Gerichte damit zaubert, Paella fällt mir da so ad-hoc ein. Weniger Mediterran, dafür aber nicht weniger gehaltvoll kommen Bouillabaisse und Eintöpfe daher. Sie sind weitere schöne Beispiele, wie wir Vieles miteinander zu etwas Neuem und äußerst Leckeren vermischen – einfach wunderbar!

Im Moment erleben wir noch das Corona-Zeitalter. Auch dort vermischen wir reichlich miteinander, zum Beispiel Fakten mit Annahmen; Einschätzungen und Voraussagen mit Anweisungen und Direktiven; Visionen mit Wahrscheinlichkeiten und Wissen mit Furcht. Manche Überbringer von Botschaften konzentrieren sich auf einzelne Felder und Gruppen, während manche nicht einmal davor zurückschrecken, wie ein wild gewordener Alchimist alles zusammen zu kippen, in der Hoffnung, es wird so schlimm schon nicht sein.

Für all dies braucht es Mut, Entschlossenheit, aber teilweise auch Rücksichtslosigkeit, Kalkül und reichlich Egoismus, oder kurz, alles, was uns Menschen liebenswert und einzigartig, in der Welt der Säugetiere macht.

(Anmerkung des Autors: Mitnichten geht es darum, Trauer, Tragik und die Gefährlichkeit des Corona-Virus auszublenden, oder gar zu ignorieren, mitnichten; ich möchte viel mehr dazu einladen, dass es uns auch später gelingt, die gleiche Erschütterung bei all den weiterhin anfallenden Toten durch Krieg, Hunger, Heimatverlust, Krankheit oder Rassenhass und Apartheit zu empfinden und nicht in ein „Business-as-usual“ zurückzufallen.)

Dass wir alle die Tendenz dazu haben, erkennen wir schon an der Ungewöhnlichkeit, dass offenkundig die Mehrheit durch alle Ebenen hindurch nicht erkennt, dass wir schlicht Prozesse und Methoden vermischen, nicht aber verschiedene Objekte. Das ist ungefähr so, als wenn man drakonisch genau beschreibt, wie man pürierte Kartoffeln, gebratene Kartoffeln, Pommes Frites, Kartoffelsuppe, Salzkartoffeln und Kartoffelklöße herstellt, inklusive einer App, die zeigt, wer alles Kartoffeln in der Küche hat, inklusive verwendeter Rezepte, damit Mitbürger und Nachbarn Bescheid wissen, wann der Betroffene zurück auf vorgeschriebene Werte kommt.

Eine weitere anregende Allegorie ist jene mit dem geliebten Auto – seit „Neuestem“ sind auch deutsche Autobauer auf der Elektro.- der Alternatives-Auto-Schiene, wo man mit umweltfreundlichen Medien versucht Individual-Mobilität anzubieten, aber nach wie vor unfähig geblieben ist, die Absurdität zu bemerken, einen 2,5 Tonnen SUV auf Elektrobetrieb und grünen Daumen umzustellen und diese Innovation allen sehr gut verdienenden Frauen und Männern anbietet und nicht realisiert, wie groß der Elefant ist, der im Porzellanladen der deutschen Auto-Industrie steht. Immerhin werden Satiriker dadurch jahrelang Arbeit bekommen – zumindest dass, ist eine gute Nachricht.

Wie aber steht es mit Deutschland? Wie mit der Politik? Und wie vor Allem, mit der Vision? Wo will man hin? Und Warum?

Wir Menschen haben unglaubliches Wissen angehäuft, doch wozu? Wir geben detaillierte Richtlinien heraus, nicht nur auf Bundesebene, sondern längst auf Landesebene, noch dazu in klaren, oft militärisch-klingenden Botschaften, um den Bürger anzuweisen, wie er sich zu verhalten und wo er eine Maske zu tragen hat, inklusive variierende Ladenöffnungszeiten. Okay, warum nicht? Aber ist es das, was man von einer Regierung fordert?

Wenn man auf die Homepage des Bundestags geht, findet man dort erstaunlich viel zu lesen. Mich freut das riesig. Ich bekomme wirklich eine breite Einsicht UND, ich kann das meiste auch runterladen und speichern, was ich ebenfalls wunderbar finde. Wenn wir die medizinisch-sanitäre Krise überwinden, die Corona ausgelöst hat, wie gehen wir die Ökonomische an? Und wenn wir diese überwinden, wie können wir dann weitermachen…..? Krisen können aus dem Nichts entstehen, oder, wie alle Ökonomischen, sich langsam anbahnen. Auf Krisen re-agiert man. AGIEREN aber tut man ausschließlich ohne Not, wenn man einen Plan hat.

Was ist der Plan, die Vision von Deutschland? Wo will man hin? Wer will man in 2050 sein? Gibt es dann Bürgergeld für alle, inklusive frei zugängliche Bildung, inklusive freie Erwachsenenbildung, zum Beispiel an Universitäten und ein ebenso kostenfreies Gesundheitssystem, dass sich endlich der unsäglichen Trennung, „Privat-Patient“ versus „Kassen-Patient“ entledigt hat?

Wird das Bürgergeld groß genug sein, das man wirklich und real davon leben kann? Wird es 2050 auch genug Wohnungen geben, damit ein Leben mit Bürgergeld tatsächlich funktioniert? Wie soll Deutschland aussehen in 2050?

Das Wirtschaftswachstum alleine NICHT mehr als Parteiprogramm, gar als Parole für ein Land funktioniert, weiß mittlerweile jedes Kind und jeder Fridays-for-Future-Mitstreiter. Wird in 2050 Politik für den Bürger, anstatt für Kientel wie Banken und Arbeitgeber gemacht? Wie viel Europa will man sich trauen? Wollen Deutsche in 2050 Europäer sein? Will das Parlament das? Sind Parlamentarier UND Bürger der gleichen Meinung? Haben sich beide Seiten, ausreichend, idealerweise, umfangreiche Gedanken dazu gemacht?

Anstelle sich von einer Ungeheuerlichkeit in die nächste zu stürzen – Trump, Einwanderer, Umweltschutz, Atomausstieg, Tempolimit, Ausgehverbot und Atemschutzmaskentragepflicht, sollten wir wieder mehr Mut für Utopien und unsere Zukunft wagen, allen voran unsere Politiker.

Ein Land und seine Bürger zu verwalten und seine Lebensbedingungen abzusichern, ist nur ein Teil der Verantwortung. Unsere Vergangenheit betrachtend, könnte es an der Zeit sein, den eigenen Weg zu beschreiben.

Bleibt dies aus, wird nichts Besonderes passieren. Dies jedoch wäre der größte anzunehmende Unfall, wenn tatsächlich nichts passiert. In diesem Fall könnten immer mehr Bürger auswandern, bis es die Bundesrepublik nicht mehr gibt.

Vielleicht ist das der Lauf der Geschichte und vielleicht ist es etwas sehr Positives und nur der folgerichtige nächste Schritt, wenn Deutschland in die United-Nations-of-Europe überführt wird.

Doch auch dann, wird man sich die gleiche Frage zu stellen haben, weswegen es umso wichtiger ist, wenn man im Kleinen damit beginnt. Also noch einmal:

Welche Vision verfolgt der vom Volk gewählte Bundestag?

Es ist an der Zeit, dass Einwohner und Bürger des Landes sich diese Frage stellen und an die einzige dafür zuständige Adresse richten – an den Deutschen Bundestag!

 

Sokrates Satire – Odyssee 2020 CW16

Sonntag, 19.April 2020 – genauer gesagt, Ostersonntag, wenn man gewohnt ist, den griechisch-orthodoxen Ritualen zu folgen; gerade bin ich wach geworden; normalerweise bleibe ich länger im Bett liegen und genieße das langsame auftauen, aber nicht heute. Zu mächtig war mein Traum, an den ich mich vollständig bis ins Detail, erinnere.

Irgendwie habe ich auf einem Berg meditiert, keine Ahnung wo das war, jedenfalls hatte er Wasser-Nähe; es sah eher nach Meer als nach einem See aus; ich meditiere da so vor mich hin, konzentriere mich auf existenzielle Dinge wie den letzten und nächsten Urlaub, sowie den letzten und nächsten Apéro, was einen vor erstaunliche Fragen stellt, jetzt mit dem verlängerten Confinement in La France, als mir auf einmal Sokrates erscheint, aber nicht so flaschengeistmäßig, so halb durchsichtig und so, sondern richtig in echt, direkt vor mir stehend; ich schrecke zusammen und merke, dass ich unsanft auf dem Kissen lande; jetzt steht also der Meister aller Meister vor mir, au Backe!

„Guten Morgen Don, du hattest nach mir gerufen?“ Völlig verdattert komme ich ins Stottern.

„Äh, Meister, äh, gerufen? Vielleicht eine e-mail, aber so mit Pferd und so machen wir das eigentlich nicht mehr….“ Kann man, darf man Sokrates eigentlich widersprechen…?

„Sei es, wie es sei, lieber Don; gestern kam ein Bote geritten, der mir die Nachricht überbrachte, dass du mich zu sprechen wünschest; so habe ich mich aufgemacht; was kann ich für dich tun….?“

Voll krass! Ich kneif mich in die Innenseite meines Oberschenkels, wo es besonders weh tut, um sicher zu sein, dass ich nicht träume; es schmerzt höllisch, verdammt, er steht wirklich vor mir; okay, sammel dich; was könnte ich ihn denn mal; so ein Mist, immer werden Wünsche war, wenn man nicht vorbereitet ist; beeindruckend tiefe Stirnrunzeln hat er; ganz schön lässig, wie er so mit Chiton, dem langen weißen Bart und den lockigen weißen Haaren vor mir steht und darauf wartet, mir, ausgerechnet MIR zu helfen……das glaubt mir niemand!

„Setz dich bitte, ja, du kannst mir tatsächlich helfen…“ Er setzt sich sehr langsam auf einen neben ihm liegenden Stein, wenn er jetzt den Kopf auf einen seiner Arme stützt, werfe ich mich sofort den Berg runter…..

„Ja, ich höre, womit kann ich dir helfen……?“ Er soll das mit der Hilfe lassen, es macht einen ja ganz wuschig; wie soll man sich auf etwas konzentrieren, wenn der große Meister dich besucht und ständig wiederholt, dass er ausgerechnet DIR helfen will; ich habe doch gestern Abend keine Drogen genommen, warum ist der Kerl denn jetzt da; hast du ihn dir herbeigewünscht? Merkwürdig; okay, konzentriere dich, also was könntest du? Ach ja, Corona! Nee, mit so etwas kannst du ihm nicht….oder doch? Ach, frag ihn doch erst einmal…..genau…..

„Sag mal, wie wir hier jetzt so zusammensitzen, weißt du eigentlich, was zwischen deinem Schluck aus dem Giftbecher und heute alles passiert ist…?“ Jetzt habe ich es! Ich muss seinen Geist geweckt haben, als ich sein Gefängnis im letzten Jahr besuchte; habe da ein paar Sachen vor mich hingemurmelt………

„Finde ich übrigens echt stark, dass du ihr Urteil aus Respekt vor dem Staat angenommen hast, Hut ab, mein Lieber! Da müsstest du heute lange suchen, um so einen zu finden, der aus ähnlichem Holz geschnitzt ist, das kann ich dir sagen…..!“ Aber echt, heute geht es den Herrschenden ja bloß um, ja worum eigentlich? Wissen wir das? Achtung, er lächelt, hör genau hin was er sagt, hörst du…?

„Lieber Don, sei dir gewiss, dass die Hintergründe meiner Urteilsanerkennung und die Verurteilung selbst, nicht ganz so stattgefunden haben, wie ihr es euch heute erzählt; nach so einer langen Zeit und all der furchtbaren Anhimmelung meiner Person, was ich grundsätzlich ablehnungswürdig finde, schlage ich vor, dass wir uns schlicht auf die wenigen geschichtlich wahren Fakten einigen, nämlich dass ich den Schierlingsbecher akzeptierte und ihn daher trank; wie du weißt, bin ich dann verschieden, einverstanden…?“

„Okay-okay, einverstanden…!“ Wie kann man das denn nicht sein? Nein, Sokrates, ich bin dagegen, ich habe einen besseren Vorschlag…? Ist ja lächerlich……

„Gut! Und zugegebener Maßen erinnere ich das ja bald selber schon nicht mehr, wie die Geschichte ging; aber zurück zu dir; womit kann ich dir helfen….?“

Stimmt, wir sind keinen Schritt weiter; was wollte ich ihn eigentlich; man bist du nervös; komm doch mal runter; ach so ja, jetzt hab ich es….

„Ich kann sonst auch später wiederkommen, wenn es dir besser passt…..“

„Nein-nein, bleib wo du bist…entschuldigung, will sagen……ich hab’s schon; also……“

„Ja-ha? Womit kann ich dir helfen, lieber Don…? Der macht mich wahnsinnig, mit seiner unaufgeregten Art und dem ständigen Wiederholen; okay, los doch, konzentrier dich; stell dir vor, er besucht dich nur einmal in deinem lausigen Leben; womit soll, kann, oder muss er dir helfen, was du nicht selber, alleine hier….okay, genau, das ist es…..

„Kannst du machen, dass sich die Menschen mehr mögen? Damit sie weniger Streit und Krieg machen und dieser ganze Kram, wie dem Errichten von Grenzen endlich aufhört? Vielleicht könnten wir dann endlich ein geeintes Europe werden, was meinst du…..?“

„Möchtest du, dass ich dir erst bei deiner Sympathie-Frage helfe, oder möchtest du zuerst meine Meinung zu deinem skizzierten geeinten Europa hören….?“ Boah ist der anstrengend, wie kann man jedes Wort auf die Waagschale legen, da musst du ja höllisch aufpassen, was du sagst; okay, sei dir klar, was du willst.

„Sympathie, zuerst die Sympathie bitte…..!“

„Wie du wünscht, lieber Don…also, zuerst einmal sollten wir zusammen feststellen, was du zwischen den Menschen verbessern möchtest; du sprachst davon, ob ich machen kann, dass die Menschen, ich zitiere dich…“sich mehr mögen“…ist das so richtig wiedergegeben….?“

„Genau, sie sollen einander mehr mögen, sich sympathischer sein…..…..“

„Warte lieber Don, nicht so hastig; lass uns zuerst einmal die Grundlage zusammen festlegen; ich habe dich also richtig verstanden? Das ist ein guter Anfang; meine Antwort ist NEIN.“

„Äh, wie bitte? Wie NEIN….du bist Sokrates, wer DENN, wenn nicht du kann machen, dass….?“

„Sei kein Narr, Don; ich bin lediglich ein alter Mann, der zu viele Fragen gestellt hat; wie im Namen aller griechischen Götter soll ich machen, dass sich alle Menschen; wie viele seit ihr noch? Acht Milliarden? Wie soll ich dir, gar allen Menschen helfen, gar MACHEN, dass sie sich mehr mögen? Abgesehen davon, bin ich nicht gerade bekannt dafür ein besonders sympathischer Mann zu sein, deinen / euren Wortgebrauch ausnahmsweise nutzend; ich verwende übrigens den Begriff und seinen Inhalt, also die Bedeutung des Wortes ganz anders, als ihr das tut; nein, hierbei kann ich dir und den Menschen nicht helfen; was kann ich sonst für dich tun?“

„Aber Sokrates! Was müsste denn geschehen, DAMIT, die Menschen mehr….?“

„Mein lieber Don; ich kenne die heutigen Menschen nicht; das ging mir schon damals so; kannst du mir sagen, was einen Menschen KENNEN für dich bedeutet? Ich weiß es nämlich nicht….“

„Jetzt hör aber auf, mich auf den Arm zu nehmen, geschätzter Sokrates! Du wirst doch wohl dich und deine Nächsten, Freunde und Familie genauestens…..?“

„Wie könnte ich? Selbst heute, über 2400 Jahre nach meinem Tot, verstehe ich die Mehrheit der Dinge um mich herum nicht; nehmen wir zum Beispiel meine Frau, wie sollte ich sie kennen? Sie kennt sich selbst ja nicht; wie soll ich sie dann…?“

„Moment mal! Du willst mir sagen, dass du deine eigene Frau nicht kennst; dass du nicht weißt, wer sie ist; willst du weiterhin Scherze mit mir treiben, oder können wir….?“ Langsam werde ich sauer; wie selten und geil, sauersein auf Sokrates; ich muss mir das Gefühl irgendwie konservieren und für später aufheben.

„Aber mitnichten, lieber Don; manche kennen sich nicht einmal auf dem Sterbebett; ich kann jemanden sympathisch, dem ursprünglichen Wort nach, finden; also das zugewandte Fühlen zu einer Person hin; ich kann dir sagen, dass meine Frau gut kochen kann, dass sie den Haushalt unheimlich gut organisiert und unser weniges Geld beeindruckend gut zusammenhält; dass sie Geranien lieber als Rosen hat und Wein dem Wasser bevorzugt; das wir uns auch heute, zueinander hingezogen fühlen, aber kennen……“

„Aber Sokrates! Wie können wir Menschen uns weiterentwickeln, wenn wir beide uns schon bei einzelnen Begriffen nicht einig und unterschiedlicher Auffassungen sind? Wie…..?“

„Wenn du die Antwort nicht kennst, lieber Don; wenn ich sie nicht, wenn niemand sie hat, wie denkst du, könntest du vorgehen?“

Ich habe den Eindruck, mehr Fragen als Antworten zu bekommen; das soll Sokrates sein; ist der aber was von anstrengend……

„Na wie schon, indem ich suche……?“

„Dieser Weg erscheint der passende für dich zu sein; suche, lieber Don und nimm es einem alten Mann nicht übel, nicht auf alles eine Antwort zu haben“

„Schon gut, du bist Sokrates, was du nicht weißt und kannst, was sollen wir dann schon….?“

„Ich bin nur ein alter Mann, der dir dabei versucht zu helfen, deine eigenen Erkenntnisse zu gebären; suche, soviel dir möglich ist……..“

„Okay-okay, ich hab’s verstanden; wie lange denn? Wie lange denkst du muss ich…..?“

„Bis du dich selbst erkennst……“ Ich ahnte es….

„Eine Frage habe ich aber noch, geht das…?“

„Nur zu; ich bin hier, weil du mich gerufen hast; womit kann ich dir helfen, lieber Don?“ Wenn er das noch einmal sagt, vergesse ich mich….!

„Warum haben dich die Athener eigentlich wirklich zum Tode verurteilt? Das kann unmöglich der überall nachlesebare Quatsch sein, dass du angeblich die Götter missachtest und zweifelhaften Einfluss auf die Jugend hast; all diese Dinge hatten doch überhaupt keinen Einfluss auf die Stadt und das öffentliche Leben und das Respektieren geltenden Rechts….?“

„Lieber Don…das Leben, mit allem darin ist viel einfacher, als wir Menschen wahrhaben wollen; Menschen zum Nachdenken und Hinterfragen einzuladen ist und bleibst die gefährlichste aber auch schönste Sache im Leben eines jeden Menschen; tun das viele und zeigen diese alle dankend auf dich, wenn man sie nach dem Grund befragt, wird jeder seinen Becher kriegen, mag er auch in unterschiedlicher Gestalt daherkommen…….Mit was kann ich dir noch helfen….?

„Ich glaube für heute langt es; nimm es nicht persönlich; ich spüre gerade eine ziemliche Lehre in meinem Kopf; könnten wir verabreden, dass….?“

„Allen meinen Schülern ging es wie dir; die Mehrheit hat es nicht offen gewagt zu zeigen und auszudrücken, wie du, lieber Don, aber ich kann es euren Gesichtern ansehen, wenn euch die Lust und Neugier vorrübergehend verlässt; entschuldige, ich hatte dich unterbrochen; was wolltest du vorschlagen……?“

„Können wir verabreden, dass ich dich wieder rufe, wenn ich eine Frage habe….?“

„Können wir so machen…..ich habe dir auch einen Vorschlag zu machen…..schreibe alternativ die Dinge auf, die du mich fragen möchtest und versuche, in einem fiktiven Dialog herauszufinden, ob du meine Antworten vielleicht schon kennst, einverstanden….?

„Einverstanden!“ Na da habe ich mir ja was eingebrockt….

„Ich würde mich dann wieder zurückziehen….ist das in Ordnung…?

„Natürlich-natürlich; war schön dich zu treffen, Sokrates. Merkwürdig, irgendwie weiß ich jetzt auch nicht mehr von dir, wie kommt das bloß…..?

„Aus Wiedersehen, lieber Don; hat mich auch sehr gefreut. Siehst du? Schon erlebst du den ersten positiven Effekt; du verstehst etwas nicht und beginnst sofort mit dem Suchen……Mach es gut,…..bis bald…….

„Tschüß……!“

Plötzlich schieße ich hoch und liege in meinem Bett und nicht mehr auf dem Berg. Vielleicht sollte ich jetzt langsam mal aufstehen und mir einen Kaffee machen……