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Natur & Mallorca-Interview Teil3 – Odyssee 2020 CW28

12.Juli – seit achtzehn Tagen lebte D auf seiner Insel. Langsam heilten die Attacken der Flohhundertschaften ab, was daran lag, dass D sich Hilfe aus Dosen kaufte, um den langen Atem der kleinen Freunde zu überdauern, so dass er noch klarer Denken und das Schreiben an seinem Finanzkrimi, sowie seinem Philosophischen Buch fortsetzte.

Nachdem D eine kleine Wanderung machte, meldete sich einen Tag später Frau Dr. Claudia Meyer-Paradiso, um das Interview fortzusetzen, diesmal aber, um über ein aktuelles Thema mit D zu sprechen, dass sie anfragte geheimhalten zu dürfen, worauf D sich ohne Umschweife einließ. Im Gegenteil, er mochte Überraschungen, besonders in Interviews, weil spontane Gespräche oft mehr brachten, als gestellte, was man oft bei Politikern und Konzernchefs sah.

Wieder saß D mit Café, Zigarette, sowie seinem Headset bewaffnet vor dem Laptop und freute sich auf das Gespräch mit der übersprudelnden Journalistin. Nachdem D sich eingewählt hatte, tauchte auch seine Gesprächspartnerin vor der Kamera auf.

CMP: Hallo, wie geht es dir?

DT: Recht gut, danke – und selbst?

CMP: Aufgewühlt, um ehrlich zu sein……

DT: Na, wie kommt denn das? Was ist passiert?

CMP: Bei dir auf der Insel wollen Sie die Corona-Vorschriften ab Morgen wieder verschärfen und ich wundere mich, dass dort niemand auf die Straße geht – das Gleiche in Deutschland und Frankreich; mir erschließt sich einfach nicht, dass……..

DT: Warte, warte, Claudia – ich kann das alles verstehen, aber wollen wir nicht lieber erst mit dem Interview weitermachen, was meinst du?

CMP: Ja, du hast Recht, entschuldige, dass ich so aus der Haut…..

DT: Nein, bitte nicht entschuldigen, du hast ja Recht – Demokratie und Freiheit brauchen streitbereite und kritische Bürger – wir haben viel zu wenig Emotionen……also, let’s go!

CMP: Finde ich auch – wir starten zum Auflockern wieder mit ein paar einfachen Fragen?

DT: Gerne!

CMP: Herr Tango, um Teil3 unseres Interviews fortzusetzen, habe ich wieder ein paar Fragen vorbereitet.

DT: Klasse, ich bin gespannt.

CMP: Weißwein oder Rotwein?

DT: Eher Rot, obwohl ich Weiß auch gerne trinke.

CMP: Action.- oder Liebesfilm?

DT: Attische Tragödie.

CMP: Warum?

DT: Weil es das Leben ist.

CMP: Ja oder nein zu Atemschutzmaske?

DT: Natürlich nein…..

CMP: Warum „natürlich“…?

DT: Ich bitte Sie, nennen Sie mir einen Menschen, der das Ding gerne hat….

CMP: Bauhaus oder Gaudi?

DT: Natürlich Gaudi….

CMP: Warum ist das natürlich?

DT: Weil ein Naturliebhaber wie ich unmöglich die kubische Welt von Herrn Gropius mögen kann….meine Welt sind organische Formen, Gaudi, Hundertwasser und alles, was die Natur zum Vorbild nimmt, wie goldener Schnitt und Fibunacchi.

CMP: Dann haben Sie heute regelmäßig Schwierigkeiten, sich wohlzufühlen, nehme ich an?

DT: Ist die Auflockerung schon zu Ende?

CMP: Hahahaha – wenn Sie so wollen ja J

DT: Natürlich habe ich immer mehr Schwierigkeiten, mich Wohlzufühlen, welcher halbwegs kultivierte und gebildeter Mensch nicht?

CMP: Warum? Könnten Sie uns das etwas konkreter beschreiben?

DT: Weil wir Menschen uns immer mehr von der Natur entfernen; anstatt sich ihr endlich wieder mehr anzunähern, tun wir das Gegenteil.

CMP: Warum denken Sie, ist das so? Weil Corona uns zwingt Abstand zu Allem zu halten?

DT: Corona, dass ich nicht lache……..

CMP: Zurzeit lachen sehr wenige, Herr Tango….

DT: Was wollen Sie von mir hören, meine Meinung über Corona, oder meine Meinung, warum wir Menschen uns immer mehr von der Natur entfernen?

CMP: Beides vielleicht?

DT: Diese zwei Themen haben nichts miteinander zu tun, wählen Sie bitte aus….

CMP: Dann Corona….

DT: Was wollen Sie über Corona wissen?

CMP: Alles, was Sie darüber denken….

DT: Bitte etwas spezifischer…

CMP: Was ist das Erste was Ihnen einfällt, wenn Sie an Corona denken?

DT: Das wir uns den gesunden Menschenverstand abtrainiert haben.

CMP: Warum denken Sie ist das?

DT: Gegenfrage, wenn Sie in den Supermarkt gehen und einkaufen, wie machen Sie das?

CMP: Wie bitte? Wie ist das zu verstehen?

DT: So, wie ich es sage – was machen Sie?

CMP: Hm, ich schaue nach, was ich habe und was nicht…..

DT: Klingt vernünftig und dann?

CMP: Wie und dann?

DT: Was machen Sie dann?

CMP: Eine Liste, was sonst, wie jeder andere wohl auch, denke ich…..

DT: Ganz genau!

CMP: Wie meinen Sie das?

DT: Wie ich es sage, jeder macht eine Liste, wenn er einkaufen geht, Sie auch.

CMP: Ja und? Was hat das mit……

DT: ALLES!

CMP: Ich verstehe nicht…..

DT: Genau, jetzt wissen Sie, warum wir mit Corona gerade so umgehen, wie wir es derzeit tun!

CMP: Hätten Sie die Güte etwas konkreter zu werden?

DT: Vielleicht ist es zu einfach……

CMP: Lassen Sie uns teilhaben…..

DT: Wenn Menschen einkaufen, machen die meisten eine Liste, damit sie nichts vergessen und weil es DIE Dinge sind, die am Wichtigsten sind – leider tun wir das nur beim Einkaufen, statt bei allem anderen, wie zum Beispiel dem Leben, der Partnerschaft, bei Arbeit, in Politik, beim Was-sie-wollen…..

CMP: Was hat das mit Corona zu tun….?

DT: Lassen Sie uns einen Einkauf machen…..

CMP: Einverstanden, obwohl ich keine Ahnung habe, worauf Sie hinaus wollen….

DT: Was ist mir wichtig? Was tue ich in meinen Einkaufskorb? Also, unverzichtbar sind für mich Freiheit, Demokratie, Gesundheit, Arbeit, Wirtschaft….

CMP: Ah ich verstehe……

DT: Jetzt kennen Sie meine Einkaufsliste, machen Sie Ihre……

CMP: Hm, Freiheit, Gesundheit, Glück, Arbeit, Sport, Freunde,,,,

DT: Merken Sie was?

CMP: Was denn?

DT: Sie haben Sicherheit und Hygiene nicht erwähnt…..

CMP: Stimmt!

DT: Jetzt kennen Sie den Grund, warum es derzeit ist wie es ist….

CMP: Weil wir die falschen Prioritäten gewählt haben?

DT: Nein, die Prioritäten sind nicht falsch, es sind schlicht die gewählten Prioritäten und Sie und ich müssen jeden neuen Tag mit den Konsequenzen leben – that’s all folks!

CMP: Könnten Sie uns noch ein paar weitere Hinweise geben, was sie darüber denken?

DT: Warum nicht – nahezu alle Nationen und deren Regierungen handeln schizophren!

CMP: Warum das?

DT: Weil sich kein Land einen Lockdown wirtschaftlich leisten kann; nationale Lockdowns und Grenzschließungen sind der Tot jedes Staates, nicht nur in Europa übrigens – das man genau dies gewählt hat, gibt Evidenz zur Schizophrenie….

CMP: Warum gibt Ihnen dass Evidenz?

DT: Weil man sich verhält, als hätte man vergessen, dass man ohne Nachbarn weiterleben kann. Solidarität ist das Zauberwort, gerade in Krisenzeiten, ist es das einzig Wichtige und genau die fehlt überall; schauen Sie mal, wie sich Politiker gegenüber ihrem Volk verhalten; warum noch keiner auf der Straße ist, bleibt mir ein Rätsel……

CMP: Wir haben noch nicht über ihr Philosophisches Buch gesprochen.

DT: Ich arbeite daran schon einige Zeit und durch sehr glückliche Umstände, komme ich vermutlich schneller als erwartet weiter.

CMP: Geben Sie uns bitte ein paar Hinweise, warum……

DT: Heute noch nicht, beim nächsten Mal….wollen wir an dieser Stelle pausieren?

CMP: Gerne! Haben Sie vielen Dank Herr Tango. Was werden Sie gleich machen?

DT: Drei Freunden zum Geburtstag gratulieren, einen Apéro einnehmen und dann schreiben und Sie?

CMP: Das Interview überarbeiten und dann Essen zubereiten….

DT: Na dann gutes Gelingen und gesunden Appetit.

D legt auf, modifiziert seine Reihenfolge, indem er sich zuerst Rotwein einschenkt, um anschließend drei Nachrichten zu schreiben und danach weiter zu schreiben.

 

Gentechnik und Geographie – Odyssee 2020 CW25

Sonntag der 21.Juni – Spanien hob seinen Alarmzustand auf und öffnete die Grenzen zu den Nachbarn – wie schnell drei Monate vergingen. Gerade trank D seinen ersten Café, als Volotea seinen vierten Flug nach Mallorca stornierte und ihn in einer von Trauer umflorten Email darüber informierte, ohne das D’s Herz beim Lesen auch nur einmal Gefahr lief höheren Puls zu bekommen.

Das lag zum Einen daran, dass D mittlerweile alles als eine Art Wette auf die Zukunft ansah, mochten es Aktien, Flüge, Eier, Wein, oder sonst welche Produkte sein und zum Anderen daran, weil er beim rhythmischen studieren der Flugangebote bemerkt hatte, dass Südfrankreich zwar rein geographisch direkt an Spanien grenzte, was jedoch gegen die leidenschaftliche Liebe der Norddeutschen offenkundig nicht ausreichend punktete, weil man seit dem 15.Juni wieder mehrmals täglich Hamburg – Mallorca fliegen konnte.

Was war geschehen? Hatten die Franzosen Nähe und Liebe zu ihren okzitanischen und aragonischen Brüdern und Schwestern verlernt, gar über COVID-19 vergessen? War es möglich, dass normannische Willensstärke und teutonische Planungsleidenschaft sich gegen physische Nähe und mediterrane Kulturen durchgesetzt hatte? D wusste es nicht – aber war klar, dass er es bald herausfinden musste – er ahnte noch nicht, wie schnell und wie bald!

Alles fing damit an, dass Emmanuel der Erste, König vom Frankenreich, zum Krieg gegen die Coronen ausrief, welcher mit einer leidenschaftlichen Rede am 16.März im Jahre Null, v.Corona. nicht nur begann, sondern zum ersten Mal alle Landsleute mobilisierte und selbst oben, in der weit entfernten Bretagne, das letzte gallische Dorf, mitriss. Überall im Königreich krempelte man Ärmel hoch, was man daran merkte, wie pflichtbewusst die Franken in ihren Häusern blieben, um dieser modernen Pest, um jeden Preis den Nährboden zu entziehen.

Rückwirkend betrachtet konnten sich Wissenschaftler auf drei Monate einigen, was die Geschichtsbücher später bestätigten. Mögliche Erklärung für D war, dass Emmanuel der Erste und seine Getreuen nach dem gewonnen Krieg offensichtlich so viel mit sich selbst zu tun und so viele Apéros nachzuholen hatten, dass man Lichtjahre davon entfernt war, alte und neue Nachbarn wahrzunehmen, oder gar mit Besuchen zu wertschätzen.

Weil die Normannen, Preußen und Teutonen schon seit langer Zeit keinen König mehr hatten, fiel somit mehr Macht auf die einzelnen 16 Stämme und Herzogtümer, die deswegen schneller und zielgerichteter reagierten, während König Emmanuel der Erste noch seine Hafenrundfahrt unternahm, um Getreue und Volk auf seine Linie einzuschwören., was darin mündete, dass manche Fluglinie Emmanuel und sein Frankenreich als geringere Gewinnopportunität ansah, als zum Beispiel Normannen, Teutonen und Preußen.

Doch war dies erst der Anfang – bald schon fiel es D wie Schuppen von den Augen, warum das ganze Frankenland in einer Art glückseligen Dornröschenschlaf fiel, Benommen vor Selbstliebe, als er versuchte sich seine morgendlichen Eier zu machen, die er nur mit Mühe alleine gehoben und durch die Tür getragen bekam, was an den gewaltigen Fortschritten fränkischer Gentechnologie lag, die es Emmanuels Hühnern erlaubten, Eier auszubrüten, die an Gewicht und Größe ihr Selbst überstiegen.

Und – auch diese Erkenntnis, ließ D’s Hand mit lautem Klatschen an seine Stirn schlagen, als er einen weiteren Erfolg fränkischer Zauberkraft überblickte, die sich vor seinen Augen ausbreiteten und in den letzten drei Monaten stattgefunden hatten – was D als wahren und richtigen Schritt in eine geeinigte EU wahrnahm, woraufhin D sofort zum Apéro griff, um auf Europa anzustoßen.

Was war passiert!

Erst nur aus dem Augenwinkel, bald schon für einen ersten konfrontierenden Blick zurecht gedreht, breitete sich D’s Irritation über das Pentagramm in Schockwellen aus, dass König Emmanuel der Erste und Seine Getreuen als fränkisches Gütesiegel auf Produkte und Verpackungen imprägnierten.

Dazu mussten Emmanuel der Erste und seine Getreuen es in nur drei Monaten hinbekommen haben, dass sich die Pyrenäen um mehrere hundert Kilometer vergrößert hatten, oder, wenn sie an Größe und Ort die gleichen geblieben sein sollten, sein Frankenland, durch gewaltige Sandaufschüttungen vergrößert haben, dass sich das bekannte Hexagramm in nur drei Monaten in ein magisch-großes Pentagramm verwandelte.

Auch nach dem hastigen Genuss, mehrerer Gläser Roséweins, änderte sich für D nicht das Geringste, dass er schlussendlich, die griechischen Götter sein Dank, die einzig richtigen Schlüsse zog: Entweder mussten König Emmanuel der Erste und seine Getreuen eine eingeschworene Familie einflussreicher Druiden sein, die über magische Kräfte verfügten, dass ihnen quasi alles gelang, wenn sie nur wollten, was sich durch Foie Gras sehr schön wissenschaftlich bestätigte, dass sie machen konnten, dass Tiere, allen voran Enten und Gäse, mehr fraßen, als sie natürlicherweise bevorzugten.

Oder aber, fränkische Eier Produzenten hatten so niedrige Schulbildung, dass sie nicht bis sechs zählen konnten und sich deswegen tragischerweise zu sehr auf Marketing, statt auf Weiterbildung und Qualität ihrer Produkte konzentrierten und daher unwissend in Kauf nahmen, zuerst eine fränkische, dann eine europäische Revolution dadurch auslösend, weil man mindestens zweimal auf Ursprung und Ort seiner Produkte hinwies, ohne sich der Ungenauigkeit bewusst zu sein, welche verheerende Wirkung ein Pentagramm bei König Emmanuel dem Ersten und seinen Getreuen auslöste.

Glücklicherweise lebte D bereits lang genug in König Emmanuel Frankenland, um gut einschätzen zu können, dass man es hier mit vielen Dingen nicht so genau nahm, was er schon bei den im Freien stehenden Traktoren von Jay-Bee bemerkte, die dort munter vor sich hinrosteten, was mitnichten eine herausragende Gelassenheit Jay-Bees, dafür umso mehr eine grundsätzliche Verhaltensweise aller Winzer aus Bordeaux zu sein schien.

Wieder einmal fühlte D sich bestätigt, alles als eine Wette anzusehen, weswegen er alles mit Wahrscheinlichkeiten abwog, was das Herz und die wahre Natur der fränkischen Freiheitsmethodik zu sein schien – vive la France, vive l’Europe!

 

Heimatflüge und Interviews – Odyssee 2020 CW24

Achter Juni, ein vermeintlich normaler Montag. Gerade hatte D seinen morgendlichen Café zubereitet, es sich damit an seinem kleinen Tisch vorm Fenster gemütlich gemacht, als er die Nachrichten seines Smartphones durchsah und feststellte, dass man seinen Flug am 12.Juni storniert hatte – nicht erlaubte Einreise von Ausländern, thanks to COVID-19 – lautete die nüchterne Begründung. D sah verärgert aus dem Fenster und suchte sofort nach einem Alternativflug und fand einen, drei Wochen später, für den 3.Juli.

D ließ noch einmal die nüchternen Eckdaten der C-Sache – mittlerweile konnte er das C-Wort genauso wenig aussprechen, wie den Namen des 45.Präsidenten der USA – Revue passieren. Was war eigentlich geschehen? D fühlte sich immer noch überrollt und benommen von den Ereignissen, denn was bis Anfang März Normalität zu sein schien, nämlich dass man gehen, fahren und fliegen konnte, wann und wohin man wollte, hatten die eigenen europäischen Staaten und ihre nationalen Parlamente in wenigen Tagen pulverisiert.

Und weil offensichtlich die Mehrheit aller europäischen Politiker und deren Bürger ein gerüttet Maß vorauseilenden Gehorsam in sich tragen – meist treibt dieser unbewusst sein Unwesen, was dem Ergebnis jedoch gänzlich schnurzpiepenegal ist – sprachen Medien und Menschen bereits von der sogenannten neuen Normalität. D‘s Misere verkleinerte sich in keinster Weise, lehnte er doch schon Großteile der alten Normalität ab; mit der Neuen, stand er nun vollständig auf Kriegsfuß, was man am ungezügelten Wachsen seiner Kratzbürstigkeit und Widerspenstigkeit bemerkte.

Beeinträchtigte der Shutdown seine Schreibarbeiten nicht im Geringsten, mussten Interviews jedoch vollständig remote stattfinden, wenngleich es sowieso nur wenige gab, was D’s Undergroundstatus und generalle Unbekanntheit bestätigte, sowie sein geringes Interesse, etwas daran zu ändern. Seinen Bekanntheitsgrad zu verbessern, war so ziemlich das schlechteste Argument aus D’s Sicht, obwohl die Marketingchefin seines Verlages durchaus passable Erklärungen parat hatte.

Nach langer Überzeugungsarbeit gab er nach und stimmte einem Interview zu – hier ein paar Auszüge. (Das Magazin hat darum gebeten, seinen Namen nicht anzugeben, um Anspruch zur Erstveröffentlichung gültig zu machen, wir haben daher den Namen verändert)

Kalligraphi-Magazin: Hallo Herr Tango, wie geht es Ihnen?

DT: Hallo Frau Meyer-Paradiso, heißen Sie wirklich so? Ist ihr Mann aus Spanien, oder Lateinamerika?

KM: Ich heiße wirklich so, mein Mann kommt aus……..

DT: Sagen Sie nichts, ich wette Spanien…..

KM: Gerade wollte ich es sagen, Gallizien; Sie haben mir aber noch nicht gesagt, wie es ihnen…..

DT: Haben Sie ihn dort während eines Urlaubs oder bei Ihnen in Deutschland kennengelernt? Sind Sie schon lange verheiratet…?

KM: Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich gerne unser Interview beginnen, wenn es Ihnen nichts ausmacht, einverstanden…?

DT: Es macht mir etwas aus, weil von einem Interview überhaupt nicht die Rede war, Frau Meyer-Valparaiso, verstehen Sie?“

KM: Moment mal, Her Tango…..

DT: Lassen Sie das mit dem Herrn, nennen Sie mich Don, so wie alle anderen….

KM: Okay, einverstanden, trotzdem bin ich etwas irritiert, weil mir ihr Verlag zusagte, dass…..

DT: Warten Sie, Frau Meyer-Valparaiso, hier liegt glaube ich ein Missverständnis vor…..

KM: Ein Missverständnis, wie meinen Sie das? Sind Sie etwa dagegen, interviewt zu werden?

DT: Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie……

KM: Moment, bitte beantworten Sie meine Frage, wir brauchen gar nicht weitermachen, wenn Sie….

DT: Natürlich, liebe Frau Meyer-Valparaiso, wie lautet Ihre Frage…?

KM: Ein Interview, sind Sie dafür oder dagegen…?

DT: Aber gute Frau Meyal-Paraiso…..

KM: Lassen Sie das, nennen Sie mich Claudia…….

DT: Okay, gerne, also liebe Claudia…….

KM: Dafür oder dagegen….?

DT: Na, sie kommen aber auch, Entschuldigung, DU kommst aber auch mit der Tür ins Haus…..

KM: Warum denn das, ich habe nur meine Frage gestellt?

DT: Über die Macht der deutschen Sprache sollten wir ein anderes Mal reden, sie und ihre, verdammt nochmal, du und deine Effizienz seid wahrscheinlich einverstanden, wenn wir das hier abkürzen…..

KM: Sehr gerne, also, zurück zu meiner Frage…..

DT: Selbstverständlich, liebe Claudia – schau, ich bin natürlich FÜR ein Interview, doch das müssen wir doch zusammen vorbereiten, oder etwa nicht? Und hierin liegt auch das Missverständnis, von dem ich eben gesprochen habe – dieses Telefonat dient unserer Abstimmung, worüber du mit mir reden, mich interviewen möchtest, es ist also nicht das Interview selbst, verstehst du was ich meine?

KM: Ach-so, okay! Aber stand das so nicht in meiner Videokonferenz-Einladung? Egal…..

DT: Genau, lass uns anfangen…..

KM: Könntest du trotzdem so nett sein, meine erste Frage zu beantworten, die du, ich bin mir ganz sicher, nicht vergessen hast? Ich will dir auf die Sprünge helfen, ich fragte, wie es dir geht!

DT: Habe ich nichts dazu gesagt? Wie unaufmerksam von mir; im Großen und Ganzen okay; diese C-Sache ist zwar eine Katastrophe, aber das sollten wir ebenfalls ein anderes Mal besprechen, weil ich sonst schlechte Laune bekomme.

KM: Kein Problem, also zu den Themen und dem Interview, ich schlage 30min vor, weil ich dich zu dir und deiner Person befragen möchte, wie du zum Schreiben gekommen bist und vor Allem, was Schreiben für dich bedeutet. Länger als 30min machen wir auf keinen Fall, es sei denn, es entwicklet sich in eine leichte Plauderei, der man leicht folgen kann; hast du von deiner Seite irgendwelche Fragen?

DT: Wo wollt ihr das ausstrahlen, Radio, TV oder Internet?

KM: Dazu haben wir uns noch nicht festgelegt, wir binden dich und deinen Verlag aber gerne ein, einverstanden?

DT: Klasse, vielen Dank Claudia…..

KM: Bleibt nur noch die Abstimmung der Zeit……

DT: Nächste Woche ist gut, Mittwoch-Nachmittag ist okay? Können wir die Zeit noch offen lassen, so wie es reinpasst?

KM: Eher ungern, ich muss meinen Tag auch planen, sagen wir Mittwoch 15:00 ?

DT: Verstehe ich, na gut einverstanden, hat mich dennoch gefreut……

KM: Mich auch, bis Mittwoch……

 

Mephisto am Sonntag – Odyssee 2020 CW19

Wie jeden Morgen stand D mürrisch auf und erschrak im Spiegel, über das stetig schroffer werdende Korallenriff, dass er sein Gesicht nannte. Nachdem er einen ersten überraschenden Angriff seiner tief in ihm wohnenden Faulheit abwehren konnte, auf das morgendliche Zähneputzen zu verzichten, nestelte er widerwillig am Rand des Waschbeckens herum, bis er Bürste und Tube fand.

Fünf Minuten später streifte er eine der herumliegenden Jeanshosen über, griff mit spitzen Fingern ein sauber aussehendes T-Shirt, schlüpfte in Schuhe und machte sich in der Küche zu schaffen, während er eine halbwegs rhythmische Melodie pfiff. Gedankenlos blickte D aus dem Fenster, während ein kleiner Kochtopf auf der Herdplatte gemütlich vor sich hinzischte, als er bemerkte, dass es ihm heute gut passieren könnte, Muttertag zu vergessen.

Von außen betrachtet schien D eigentlich ein ganz netter Kerl zu sein, wenn man von seinen unangekündigten störrischen Reaktionen absah, die an borstige Esel, aus katalanischen Tiefebenen erinnerten und nicht an einen ruhelosen Schreiberling, der seit zwei Jahrzehnten versuchte herauszufinden, warum Wasser nass ist.

Während er hin und wieder am Café nippte und in seine Zeitung blickte, fragte D sich, was er nun wirklich von all den Verrücktheiten da draußen halten sollte. Täglich warfen sich seine müden Augen in das gewaltige Daten.- und Zahlenmeer, dass die Medien stündlich in tsunamigleichen Schockwellen in die Straßen gossen, bis alle, einer nach dem anderen, langsam aber sicher in den Fluten ertrank.

Nicht nur, weil D großen Respekt vor den Weltmeeren hat, aber eben auch, schwimmt er täglich, nach kurzer Zeit zurück ans Ufer, zieht sich am eigenen Schopfe aus dem Strudel des globalen Informations-Gewitters und nimmt sich aufs Neue vor, noch kürzer zu treten. Doch womit eigentlich? D vertritt seit Jahren die These, dass es zum Menschsein dreierlei Dinge bedarf. Seiner Ansicht nach, stellen Armut, Freiheit und Tot die einzigen Grundbedürfnisse dar, um Mensch zu werden.

Nicht ganz überraschend erschien ihm daher die Erkenntnis, dass er vom Corona-Wahnsinn, oder der weltlichen Werte-Implosion, wie er die aktuelle Situation gerne nennt, recht wenig hielt. Sicherlich, auch ihn hatte Manu Bonaparte eingesperrt, aber das hatte ihn genauso wenig gestört, wie die pikierte Reaktion der französischen Reporterin, die ihn während eines Interviews vor einigen Tagen zu spitzen Bemerkungen eingeladen hatte.

Darunter befand sich unter anderem seine These, dass zwischen dem Trumpismus, „Amerika’s first“ und dem „Vive la France, vive la République“ der aktuellen Fünften, sich in Wirklichkeit kein inhaltlicher Unterschied finden ließ, außer der sprachlichen Form, die im Falle Frankreichs, elegant daherkam.

Nachdem die ebenso hübsche wie auch bornierte Journalistin D’s Ansicht zu Europa zu ergründen versuchte, zeichnete sich schnell ab, dass auch in Sachen EU seine Betrachtungen derzeit auf wenig Resonanz trafen, da es seiner Ansicht nach unmöglich ist ein europäisches Wir-Gefühl aufkommen zu lassen, solange sich Einzelstaaten einsperren und niemand den Anfang macht.

Dies und jenes ging in D’s Gedächtnispalast vor, während seine Augen den Artikeln seiner Wochenzeitung folgten und seine Ohren das stetige Summen eines beachtlichen Brummers vernahmen, der sein dünnhäutiges Nervenkostüm malträtierte.

Gerädert blättert D eine Seite weiter, nippt an seinem bereits kalten Kaffee, als der Brummer direkt vor seiner Nase eine unscheinbare Notlandung hinlegt, mit anschließendem Auf-den-Rücken-Werfen und Mit-den-Beinen-strampeln. So etwas hatte D noch nie gesehen. Wie wild strampelte die Fliege mit den Beinen, deren Flügel wie unbeteiligt liegen blieben. Ganz vorsichtig, versuchte er das kleine Fluggerät auf die Beine zu drehen – ohne Erfolg. Es strampelte so vehement mit den Beinchen, dass ein Aufstellen unmöglich blieb.

Mehr und mehr machte es den Anschein, als hätte die Fliege kein Interesse weiterzufliegen. Gebannt sah D der Fliege zu, wie ihre Beine in der Luft wild rumfuchtelten, als sie plötzlich, wie aus heiterem Himmel regungslos erstarrten, als hätte die Schöpfung den Stecker gezogen.

Völlig überrumpelt von den sich überschlagenden Ereignissen, nutze D die Gunst der Stunde und stellte die Fliege auf ihre Beine – wieder ohne Erfolg. Völlig erstarrt fiel die Fliege wieder und wieder um, ohne sich zu regen. Geschockt erkannte D: Sie ist tot! Direkt vor meinen Augen gestorben. Noch nie ging vor D’s Augen etwas ohne Fremdeinwirkung in die ewigen Jagdgründe.

„Das darf doch nicht wahr sein!“, murmelte er sichtlich ergriffen in Richtung des Leichnams.

„Soll mir das was sagen?“, fragte er laut, jedoch ohne Antworten zu bekommen. Minutenlang blickte D zur Fliege, in der Hoffnung, es handelte sich um eine Art Blitzschlaf, wie er es von Kater Garfield kannte. Aber nein. Noch viele Stunden später, sah man die gleichen Stirnrunzeln auf seinem Gesicht, wie just nach dem Aufschlag des Flugobjekts, das ihn den ganzen Muttertag lang, zum Nachdenken zwang.

Nur mühsam gelang es seinen Gedanken von den letzten Krumen der nackten Erkenntnis abzulassen, das er das Leben auch als Krankheit ansehen könnte, von dem ihn der Tot befreit, womit er den Tot als Medizin und nicht als Unheil ansehen könnte.

Vielleicht ist es auch so mit dem Drinnen und Draußen; vielleicht gibt es all das in Wirklichkeit nicht; könnte es nicht sein, dass alles nur eine Frage der Skalierung ist? Doch all die Grübeleien ließen D nicht von der Erkenntnis entkommen, dass der Tot, vor seinen Augen, seine langen Arme nach dieser Fliege ausgestreckt hatte, während er seelenruhig Zeitung las, als wäre nichts geschehen.

Vermutlich, dachte D, ist das die Erklärung für alles: In Wahrheit ging es nicht um den Killer-Virus; es ging einzig und alleine darum, dass auch nach tausenden von Jahren, die Angst vor dem Tot immer noch größer ist, als jede andere. Angst und Furcht schienen die vorübergehenden Wachstumsmotoren unserer Gegenwart zu sein.

„Hoffentlich machen sie bald Platz für positivere Lebensmodelle“, dachte D, als er sich auf seinem Sofa ausstreckte und mit seiner Katze im Arm ein nicht ganz unverdientes Mittagsschläfchen machte.