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Götter und Komödien – Odyssee 2020 CW41

11.Oktober – am Vormittag hatte D ein bewegendes Telefonat mit einem guten Freund; er lernte nicht nur, wie resolut man in Deutschland die bereits anrollende zweite Corona-Welle anging, sondern auch, dass man unverändert vergeblich nach Solidarität in Europa suchte.

Anstelle auf EU-Ebene für alle EU-Bürger gültige EU-Richtlinien abzustimmen, wurschtelte jede Nation vor sich hin, nicht müde darin werdend, die Nachbarländer reihenweise als Risiko-Gebiete zu kennzeichnen, als würde man Oblaten, oder Verdienstorden vergeben. Soziale und psychische Beschädigungen von Menschen und deren Familien wuchsen und gediehen munter weiter, als gäbe es kein Morgen.

Seit das RKI und durchsetzungsstarke deutsche Amtsinhaber auf Bundes und Länderebene mit hochgekrempelten Ärmeln drohten, fragte D sich schon länger, warum er in dieser Glorreichen Zeit, in der Freiheit und Wärme so rar geworden sind, dass man sich dabei ertappen konnte, im Kühlschrank danach zu suchen, keine Anleitung zum Unglücklichsein schrieb.

Wie immer hatten die Götter eine ebenso geniale, wie einfache Antwort parat – es gab sie bereits! Mit Freuden blätterte D darin herum, nachdem er das verstaubte Buch in seiner kleinen Bibliothek wiedergefunden hatte. Paul Watzlawick hieß der kluge Mann, der die Menschen nicht nur sehr mochte, sondern ihnen ausdauernd auf die nervösen und ungeduldigen Finger sah.

Seine Gleichnisse blieben schlicht und ergreifend das Beste, was man finden konnte, um unsere menschliche Misere darzustellen – völlig unabhängig, ob es die Geschichte mit dem Hammer, dem Elefanten, oder dem verlorenen Schlüssel ist.

D nahm sich daher vor, sein Leben ab sofort noch mehr durch die humoristische Brille zu sehen und erkannte zum tausendsten Mal, welch sagenhaft göttergleiches Wesen der Mensch ist – er hat schlicht und einfach jede Anlage für wirklich und wahrhaftig alles.

Seien es Ausnahmemenschen wie Mozart, Beethoven, Heraklit, Empedokles, Dante – aber auch Schatten-Talente wie Hitler, Stalin, Franco und viele andere, die auch heute noch Anhänger haben, obwohl ihre Egos menschenverachtende Konsequenzen nach sich zogen, deren Narben bis heute nicht vollständig verheilt sind.

Ein lockeres Gespräch mit Monsieur Thalamus sollte D’s Gedanken belüften und neu ordnen.

MT: Nun, lieber D, wie geht sich das Leben an?

DT: Ganz okay soweit, ich sehe halt zu, einen möglichst großen Bogen ums Glück zu machen…

MT: Wieso denn das auf einmal? Hattest du nicht vor…

DT: Schau uns Menschen doch an…

MT: Tue ich in jeder Sekunde meiner Existenz…

DT: Ich weiß, aber jetzt mal im Ernst…sobald wir am Ziel unserer Wünsche sind, scheinen wir nach kurzer Zeit wieder unzufrieden zu sein…es ist ein ewiges auf und ab…entweder sind wir glücklich, oder unglücklich…und wenn wir keinen Krieg oder Stress haben, brechen wir welchen vom Zaun…wir sind unfähig zufrieden in Frieden zu leben…es ist eine kosmische Satire, wenn sie nicht so viele Abermillionen Tote nach sich ziehen würde…daher meine Theorie: Es kann sich nur um eine absurde göttliche Komödie handeln…weil die Götter betrunken waren, als sie uns mit dem Ego ausstatteten…

MT: Wie wahr, lieber D – und jetzt?

DT: Na nichts – ich halte mir halt den Bauch vor Lachen…

MT: Dann ist unser Gespräch also schon zu Ende?

DT: Im Grunde ja. Es ist doch schon alles gesagt worden…ich habe eben nur mal kurz durch Watzlawicks Buch geblättert, dann lacht man Tränen der Verzweiflung und der Freude…

MT: Beides zusammen…?

DT: Aber hallo…

MT: Kannst du mir das ein wenig erklären? Du weißt, ich orchestriere dich nur, ich bin nicht verantwortlich für Inhalt und Content…

DT: Nehm doch mal die Bürger der USA…

MT: Wie kommst du denn jetzt auf die, wegen der Wahl…?

DT: Keine Ahnung, das müsstest du doch eigentlich besser wissen, oder nicht?

MT: Jetzt wirst du aber pingelig…

DT: Der Ami gibt dreimal so viel Geld für Rüstung und Sicherheit aus wie ganz China und fühlt sich trotzdem unsicher…er hat 20.000€ mehr Jahreseinkommen, als der durchschnittliche Europäer und ist trotzdem unzufrieden…also in anderen Worten: Egal wie viel du den Menschen an Vermögen und Glück gibt’s, sie werden immer unzufrieden bleiben…was ist da los?

MT: Der menschliche Makel…

DT: Und wie! Wenn du krank bist, sehnst du dir nichts mehr als gesund zu werden, bis es dann drei Wochen bis zwei Monate dauert, bis du dies Gefühl wieder verloren hast…

MT: Natürlich…was hast du denn gedacht…?

DT: Es ist doch erstaunlich…man kann jederzeit zufrieden sein, entscheidet sich aber für das Gegenteil…

MT: Natürlich…im Mangel zu leben ist einfacher…nach oben schauen auch…natürlich liebt ihr Menschen Helden, aber wer will schon gerne einer sein…ist viel zu anstrengend…das ist richtig Arbeit…aber mal etwas ganz anderes…was unternimmst du denn dagegen, nicht unzufrieden und maulig zu sein…und auf kurz oder lang einen Krieg mit dem Nachbarn vom Zaun zu brechen, weil sein Apfelbaum über den Zaun wächst?

DT: Habe ich doch gesagt…nie hörst du mir zu…!

MT: Jetzt sei nicht wieder die beleidigte Leberwurst…nun sag es halt noch einmal, bitte…!

DT: Du nimmst 1000 Menschen und mich, du gibt’s uns allen ein Glas voller Glück…wenn wir es bis auf den Grund leeren, werden wir bis ans Ende unserer Tage glücklich sein…was tun die 1001 Menschen…?

MT: Sie trinken das Glas restlos aus…

DT: Falsch!

MT: Sondern?

DT: Ich werde nur daran riechen und es ohne zu kosten wieder abstellen…

MT: Bravo…dann war ja nicht alles in deinem Leben umsonst…die Götter sein Dank…

DT: Lass diese Heinis da raus…die haben uns den ganzen Kram eingebrockt…

MT: Schon gut, reg dich wieder ab…was gedenkst du denn noch so zu machen, wo du doch in einem gefährlichen Risiko-Gebiet lebst, nach Aussage des RKI…?

DT: Wenn das Berliner RKI Frankreich mit der roten Flagge markiert, dann erscheint mir das eher eine Art Orden zu sein, den wir uns, nicht ganz ohne Stolz erarbeitet haben, denn das Leben in Toulouse lässt sich wunderbar an, wie vor Corona…wenn das umgekehrt genauso ist, dann könnten wir auf die Idee kommen, dass diese von außen kommenden Bewertungen nichts in der Wirklichkeit bewirken, weswegen wir sie aufheben könnten, was wir natürlich nicht machen, weil ja alle in Lohn und Brot sein sollen und wir froh sein sollten, so viele Corona-Tests machen zu dürfen – was schlussendlich nichts anderes ist, als eine indirekte Wirtschaftshilfe, daher – Vive L’Europe, vive le Con…

Monsieur Thalamus und D liegen sich lachend in den Armen, jegliche Regeln für soziale Distanz missachtend…und prosten sich mit einem Schluck Rotwein zu, um auf weitere unzufriedene Jahre anzustoßen…

 

Nur ein Traum – Odyssee 2020 CW36

06.September – D’s gestriger Zusammenstoß zwischen seinem Motorrad und einem Quad im Toulouser Stadtzentrum verlief gimpflich. Was erwartete man, wenn zwei passionierte Menschen aufeinanderprallten, außer verbogenes Plastik und Metall?

Früher waren es Schwerter, heute Drahtesel.

Nachdem die beiden Großstadtritter sich freundlich nach dem werten Befinden befragten und nichts Bermerkenswertes festellten, nicht mal einen Schreck, wünschten sie sich ein schönes Wochenende und zogen wieder von dannen.

Die leicht verbogene Gabel richtete D erfolgreich an einem Laternenpfahl; die Fußraste reparierte er ebenfalls mit Hausmitteln und bog den Fußbremshebel wieder gerade, weswegen D sich nicht wundertee, als er am Abend noch einen Flaschenöffner zerstörte.

Vermutlich hatten die Griechischen Götter all das angeordnet, weil es D schon länger sehr gut ging – so sendeten sie kleine Aufgaben, damit alles wieder in die Waage kam.

D wusste sofort, dass diese Ereignisse Poesie als Antwort brauchten – und so geschah es.

„Tagtäglich – bahnen wir uns Wege, ohne dass wir Füße nutzen, gar Richtungen spüren;

Früher – klein und rosig, heute erfahren, bedürftig, drehen wir Kreise, schwindelnd strauchelnd;

Gesichter – voll unbekannter Fragezeichen, Weitermachen bleibt als Antwort möglich;

Dummheiten – reihen sich zu Früchte und Erfahrungen, bunte Perlenschnüre bildend;

Mühselig – streifen wir Zwiebelhäute, um zum Kern, unserm Selbst hinabsteigend;

Bemühen – bewusst, offen und frei zu sein, schon drücken Ahnungen aus Poren;

Es bleibt übrig kosmische Freude, unser ernstes Schürfen erträglich machend;

Tage drehen sich und rasen mehr und mehr, Schlaf wird immer länger;

Träume sind unsere Nahrung, um durch Tag und Nacht zu kommen;

Bis alles als Stummfilm davonfließt, durch knorrige Hände rieselnd,

Wieso kamen wir ungefragt hierher, versuchten unser Möglichstes;

Die neugierige Katze im Kopfe fütternd, ständig weiterschreitend;

Tage und Ende nicht bemerkend, ohne die Augen selbst geöffnet;

bald gehen wir verloren, ohne dass wir uns selber je gekannt;

was hinterlassen Träume, mögen sie noch so bunt und lang;

Stirnrunzeln, graue Haare – Kampfes Ernte mit dem Selbst;

Schon fällt der letzte Vorhang, wir hatten noch viele Fragen;

Lächle umso reichlicher – verbreite Freude soviel du kannst;

Verschwende deine Liebe, serviere Tage wie Sterne-Menüs;

Feiere Tage reichlich bunt, mögen die Mahlzeiten gleichen;

göttliche Rechnungen, erleichtert du entgegennimmst;

endlich hat alles ein Ende, schön dass es dich gab;

alles war gut, blieb es auch nur – ein Traum!“

 

Angela Merkel muss sterben – Odyssee 2020 CW34

23.August – seit geraumer Zeit beschäftigte sich D mit dem Tod. Nicht so sehr, weil er ihn suchte, oder Dergleichen, man kann ja oft Dinge all zu leicht missverstehen, gerade in Zeiten, wo er Hochkonjunktur hat, sondern viel mehr deswegen, weil man ihn ausgrenzte. Dabei wollten die europäischen Länder so tolerant und liberal sein und das nicht nur im Gender-Bereich, sondern grundsätzlich. Deswegen entschied D sich der Sache selber anzunehmen.

In einem weiteren Interview mit Frau Dr. Claudia Meyer-Paradiso stand also der Tod auf der Tagesordnung, der wie schon seit Bestehen der Erde überall zuhause war. D saß mit einem Glas Wasser, sowie seinem Headset vor dem Laptop. Punkt 16:00 wählte sich die Journalistin ein.

CMP: Hallo Don – wie geht es dir?

DT: Gut soweit – dir auch?

CMP: Ja. Ganz ungeduldig habe ich unser heutiges Interview erwartet…..

DT: Wieso denn das? Ist irgendetwas passiert….?

CMP: Nein! Aber den Tod als Thema hat man ja nicht oft. Hast du eigentlich Angst vorm Sterben?

DT: Nein. Ich sterbe ja schon mein ganzes Leben lang…..

CMP: Wie ist das gemeint?

DT: Das Sterben beginnt direkt nach der Geburt. Jeden Tag stirbt man ein wenig mehr, denn wenn du geboren wirst, ist eines sofort klar: Jeder muss sterben, du, ich und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie muss genauso sterben wie mein kläffender Nachbarshund und die uralten Olivenbäume auf Mallorca. Letztere haben in der Tat ein anderes Verfallsdatum. Grundsätzlich aber kann man sagen, dass sekündlich millionenfach gestorben wird. Und DAS verdrängen wir.

CMP: Kann man das den Menschen verdenken? Wer denkt schon gerne an den Tod – du etwa?

DT: Lass es mich mal so sagen: Ich denke nicht jede Stunde an den ihn, aber vielleicht öfter, als die Mehrheit. Vermutlich liegt es daran, weil ich es als natürlichen Teil des Lebens ansehe. Genau jene natürliche Handhabung ist uns seit bald 2000 Jahren abhandengekommen, weil……

CMP: Warte mal, warum seit 2000 Jahren und vor Allem: Wodurch?

DT: Religionen haben den Tod stigmatisiert und dann instrumentalisiert. Ohne in die Tiefe zu gehen, kann man sagen, dass er deswegen heute auch als etwas Negatives gesehen wird, weswegen wir unter Anderem auch gewohnt sind zu trauern, wenn jemand vom Sensenmann heimgesucht wird. Ich behaupte übrigens, der Tod kann auch in weiblich Form erscheinen, nicht nur wegen der Gleichberechtigung.

CMP: Du machst dich über mich lustig, oder wie soll ich das verstehen?

DT: Nein, mache ich nicht! Aber ich nehme das Leben nicht so ernst und weil in meinem Leben, der Tod dazugehört, nehme ich den Tod nun mal genauso wenig ernst.

CMP: Okay, einverstanden, das verstehe ich, aber meinst du nicht, dass du einigen Menschen damit vor den Kopf stößt? Viele haben große Angst vor dem Tod. Viele haben ihre Lieben durch den Tod verloren, meinst du nicht, dass du den Menschen ein rotes Tuch vorhältst?

DT: Ich kann dir ehrlich gesagt nicht sagen, was die Menschen beim Thema Tod denken und fühlen, aber ich finde es merkwürdig, wie sehr sich zur Zeit alles um genau dies Thema dreht, ohne dass man es anspricht. Schau doch nur mal beim ganzen Corona-Thema: Wir sollen uns durch Masken und diverse Maßnahmen schützen, obwohl……

CMP: Warte mal! Wie kommst du denn darauf, dass wir die ganze Zeit indirekt davon reden?

DT: Na hör mal! Alles dreht sich zurzeit um den bestmöglichen Schutz vor einer möglichen Corona-Ansteckung und das, weil wir wissen, dass man daran sterben könnte. Ich stelle dir eine Gegenfrage: Was ist der wahre Grund für unsere Furcht vor dem Tod? Oder konkreter gesprochen: Was ist DEINE ganz persönliche Angst vorm Tod?

CMP: Ich glaube, ich hätte Angst, am Ende meines Lebens zu erkennen, etwas falsch gemacht, oder falsch gelebt zu haben, ich meine falsch für mich, also, nicht das Eigene gelebt zu haben…..

DT: Ganz genau! Es ist häufig die Furcht, Dinge verpasst zu haben, oder nicht die richtigen Dinge getan zu haben, die man sich vorgenommen hatte, weil man eben NICHT sein eigenes Leben gelebt hat – es ist schlussendlich die Angst vor der finalen Rechnung.

CMP: Und ist das nicht sehr menschlich und natürlich, deswegen Angst vor dem Tod zu haben?

DT: Nein! Ich finde es im höchsten Maß – unnatürlich!

CMP: Tatsächlich? Erklär bitte, wieso….

DT: Wir hatten es schon letzten Sonntag angesprochen: Wenn ich Angst vor dem Tod habe, sagen wir mal, aus deinen eben genannten Gründen, was hält mich dann davon ab, genau jetzt damit zu beginnen, mich damit auseinanderzusetzen? Dann brauche ich es nicht am letzten Tag tun, wäre das nicht sinnvoller? Du erinnerst dich an das 1-Jahr-Restleben-Diagnose….?

CMP: Ja, natürlich erinnere ich unser Gespräch von letzter Woche, aber du willst mir doch nicht im ernst sagen, dass du dich täglich damit auseinandersetzt?

DT: Ein Vorschlag: Wir haben festgestellt, dass Angela Merkel sterben muss, genauso wie jedes andere Mitglied, der deutschen Bundesregierung. Sie wollen die Bürger vor einer möglichen Corona-Ansteckung schützen, obwohl jeder weiß, wieviel Menschen an anderen Dingen sterben. Natürlich steckt dahinter der Schutz vor einer weiteren Pandemie-Ausbreitung, schon klar, aber wäre es nicht konstruktiver, den Menschen beizubringen, wie sie ihr eigenes Leben führen?

Dann müsste niemand Angst vor dem Tod haben, wäre das nicht ein reizvoller Ausblick? Anstatt sich darüber Sorgen zu machen, sich mit einer eventuell tödlichen Krankheit anzustecken, um möglicherweise daran zu sterben, könnte jeder anfangen sich zu fragen, was er braucht, um zufrieden und glücklich zu leben. Verstehst du, worauf ich hinaus will? Drehen wir doch den Spieß um: Richten wir den Focus auf das Leben und nicht auf ein krankheitsbedingtes theoretisch eher kommendes Ende, wär das attraktiver?

CMP: Doch, natürlich, aber wie soll mir das jetzt konkret helfen?

DT: Stell dir vor, du lebst in den Tag hinein, hast nicht die leiseste Ahnung, wie lange du lebst und auch keine Ahnung, ob du dein eigenes Leben lebst. Erinnert das nicht an Lotterie-Spielen?

CMP: Doch, natürlich, deswegen mag man den Tod ja auch nicht……..

DT: Und wer hält dich davon ab, ab jetzt etwas daran zu ändern?

CMP: Vermutlich nur ich selbst?

DT: Vermutlich ist gut: Ausschließlich du selbst, natürlich! Wenn du so oder so sterben musst, wäre es dann nicht gut, alles dafür zu tun, dass du zufrieden, mit einem erfüllten Leben stirbst?

CMP: Doch, natürlich, aber das versuchen doch alle, oder meinst du nicht?

DT: Da bin ich mir nicht sicher. Erfüllung und Zufriedenheit sind ganz individuelle Empfindungen. Alles Wertvolle ist in Wahrheit meist Immateriell. Vermutlich gibt es Menschen, die lieber frei und gefährlich, dafür vermutlich kürzer, als lang und behütet, dafür aber länger leben.

Diese Freiheit, selber zu entscheiden und zu wählen, haben Regierungen zurzeit stark eingeschränkt und sogar das, behaupte ich, ist reiner Zufall. Absichtlich hat das keiner gemacht; es bleibt nur zu hoffen, dass mehr Menschen ihren Nutzen daraus ziehen und sich die richtigen Fragen stellen…..

CMP: Kommen wir noch mal konkret auf den Tod zu sprechen…….

DT: Machen wir das nicht die ganze Zeit? Was ist deine Frage?

CMP: Letzte Woche sagtest du, dass du nicht anders tätest, wenn du nur noch ein Jahr hättest. Du würdest also nichts konkret an deinem Leben ändern?

DT: So lauteten meine Worte, ja. Was ist deine Frage?

CMP: Du würdest nichts vermissen, wenn du so plötzlich gehen müsstest?

DT: Auch wenn ich 100 werden sollte, kann ich unendlich viele Dinge nicht tun. Ich muss mich also von Anfang an ständig entscheiden, was ich will und was nicht, und die Menge der Dinge, die man nicht tun kann ist unendlich viel größer……was unter anderem den Charme des Lebens ausmacht, wie ich finde. Werte wie Zufriedenheit kommen nicht einfach so. Sie entstehen, wenn man sich bemüht zu verstehen wer man ist und danach zu leben versucht. Damit steigt die Chance auf Zufriedenheit gewaltig an.

CMP: Ich verstehe was du sagst, aber es fällt mir schwer, mich so konkret damit auseinanderzusetzen….

DT: Warum?

CMP: Weil ich es irgendwie anmaßend finde, selber über mein Leben zu bestimmen!

DT: Wow, du machst mich sprachlos!

CMP: Warum?

DT: Weil es zeigt, was die größte Herausforderung im Leben und in unsere heutigen Gesellschafft ist….

CMP: Und das wäre?

DT: Verantwortung für sich und sein eigenes Leben übernehmen.

CMP: Mehr nicht?

DT: Mehr nicht! Wenn man diese Erkenntnis gewinnt, dass man NUR und ausschließlich SELBST für sich verantwortlich ist, dann ist man einen großen Schritt weiter. Denn egal ob ich Kinder habe oder nicht: Wir können unser Leben nur selber leben. Wir können es nicht für andere übernehmen. Oftmals habe ich den Eindruck, dass viele die Verantwortung für andere, aber nicht für sich selbst übernehmen. Ich finde das äußerst merkwürdig.

CMP: Warum? Ist das nicht das Normalste von der Welt, sich mehr Gedanken über andere, als über sich selbst zu machen?

DT: Keine Ahnung, wenn du das sagst? Vielleicht ist das der Grund, warum manche mich für egoistisch halten, weil ich mich mit mir auseinandersetze.

CMP: Hast du eine Empfehlung in Sachen Tod?

DT: JA! Wir sollten froh sein, dass es ihn gibt. Ohne ihn gäbe es kein Leben. Ohne ihn hätte nichts einen Wert. Wenn wir quasi unendlich alt würden, verlöre alles seinen wert. Ist in etwa das Gleiche, wie wenn man sehr reich ist und sich alles kaufen kann, was man will.

Ab dem Zeitpunkt verliert alles an Wert, bis alles wertlos geworden ist. An vielen Dingen in der Welt können wir das heute deutlich sehen, doch sehen wir weg. Der Tod ist nicht unser Feind. Er ist eher wie ein guter Freund, des Lebens, der Selbigem durch seine Anwesenheit Wert verleiht.

CMP: Ziemlich schwere Kost, deine Empfehlung!

DT: Nein, es ist das Gegenteil. Erkennen tut man es jedoch nur, wenn man mit der Auseinandersetzung beginnt. Versuch es mal, Claudia.

CMP: Okay, mache ich, versprochen! Vielen Dank für das Gespräch. Was machst du heute Abend?

DT: Danke. Gebe ich gerne zurück. Ich werde Horus zu Ende reinschreiben. Und du?

CMP: Einen Spaziergang mit einer Freundin unternehmen.

DT: Viel Spaß. Hab einen schönen Sonntagabend.

CMP: Vielen Dank. Auf Wiedersehen.

 

Gentechnik und Geographie – Odyssee 2020 CW25

Sonntag der 21.Juni – Spanien hob seinen Alarmzustand auf und öffnete die Grenzen zu den Nachbarn – wie schnell drei Monate vergingen. Gerade trank D seinen ersten Café, als Volotea seinen vierten Flug nach Mallorca stornierte und ihn in einer von Trauer umflorten Email darüber informierte, ohne das D’s Herz beim Lesen auch nur einmal Gefahr lief höheren Puls zu bekommen.

Das lag zum Einen daran, dass D mittlerweile alles als eine Art Wette auf die Zukunft ansah, mochten es Aktien, Flüge, Eier, Wein, oder sonst welche Produkte sein und zum Anderen daran, weil er beim rhythmischen studieren der Flugangebote bemerkt hatte, dass Südfrankreich zwar rein geographisch direkt an Spanien grenzte, was jedoch gegen die leidenschaftliche Liebe der Norddeutschen offenkundig nicht ausreichend punktete, weil man seit dem 15.Juni wieder mehrmals täglich Hamburg – Mallorca fliegen konnte.

Was war geschehen? Hatten die Franzosen Nähe und Liebe zu ihren okzitanischen und aragonischen Brüdern und Schwestern verlernt, gar über COVID-19 vergessen? War es möglich, dass normannische Willensstärke und teutonische Planungsleidenschaft sich gegen physische Nähe und mediterrane Kulturen durchgesetzt hatte? D wusste es nicht – aber war klar, dass er es bald herausfinden musste – er ahnte noch nicht, wie schnell und wie bald!

Alles fing damit an, dass Emmanuel der Erste, König vom Frankenreich, zum Krieg gegen die Coronen ausrief, welcher mit einer leidenschaftlichen Rede am 16.März im Jahre Null, v.Corona. nicht nur begann, sondern zum ersten Mal alle Landsleute mobilisierte und selbst oben, in der weit entfernten Bretagne, das letzte gallische Dorf, mitriss. Überall im Königreich krempelte man Ärmel hoch, was man daran merkte, wie pflichtbewusst die Franken in ihren Häusern blieben, um dieser modernen Pest, um jeden Preis den Nährboden zu entziehen.

Rückwirkend betrachtet konnten sich Wissenschaftler auf drei Monate einigen, was die Geschichtsbücher später bestätigten. Mögliche Erklärung für D war, dass Emmanuel der Erste und seine Getreuen nach dem gewonnen Krieg offensichtlich so viel mit sich selbst zu tun und so viele Apéros nachzuholen hatten, dass man Lichtjahre davon entfernt war, alte und neue Nachbarn wahrzunehmen, oder gar mit Besuchen zu wertschätzen.

Weil die Normannen, Preußen und Teutonen schon seit langer Zeit keinen König mehr hatten, fiel somit mehr Macht auf die einzelnen 16 Stämme und Herzogtümer, die deswegen schneller und zielgerichteter reagierten, während König Emmanuel der Erste noch seine Hafenrundfahrt unternahm, um Getreue und Volk auf seine Linie einzuschwören., was darin mündete, dass manche Fluglinie Emmanuel und sein Frankenreich als geringere Gewinnopportunität ansah, als zum Beispiel Normannen, Teutonen und Preußen.

Doch war dies erst der Anfang – bald schon fiel es D wie Schuppen von den Augen, warum das ganze Frankenland in einer Art glückseligen Dornröschenschlaf fiel, Benommen vor Selbstliebe, als er versuchte sich seine morgendlichen Eier zu machen, die er nur mit Mühe alleine gehoben und durch die Tür getragen bekam, was an den gewaltigen Fortschritten fränkischer Gentechnologie lag, die es Emmanuels Hühnern erlaubten, Eier auszubrüten, die an Gewicht und Größe ihr Selbst überstiegen.

Und – auch diese Erkenntnis, ließ D’s Hand mit lautem Klatschen an seine Stirn schlagen, als er einen weiteren Erfolg fränkischer Zauberkraft überblickte, die sich vor seinen Augen ausbreiteten und in den letzten drei Monaten stattgefunden hatten – was D als wahren und richtigen Schritt in eine geeinigte EU wahrnahm, woraufhin D sofort zum Apéro griff, um auf Europa anzustoßen.

Was war passiert!

Erst nur aus dem Augenwinkel, bald schon für einen ersten konfrontierenden Blick zurecht gedreht, breitete sich D’s Irritation über das Pentagramm in Schockwellen aus, dass König Emmanuel der Erste und Seine Getreuen als fränkisches Gütesiegel auf Produkte und Verpackungen imprägnierten.

Dazu mussten Emmanuel der Erste und seine Getreuen es in nur drei Monaten hinbekommen haben, dass sich die Pyrenäen um mehrere hundert Kilometer vergrößert hatten, oder, wenn sie an Größe und Ort die gleichen geblieben sein sollten, sein Frankenland, durch gewaltige Sandaufschüttungen vergrößert haben, dass sich das bekannte Hexagramm in nur drei Monaten in ein magisch-großes Pentagramm verwandelte.

Auch nach dem hastigen Genuss, mehrerer Gläser Roséweins, änderte sich für D nicht das Geringste, dass er schlussendlich, die griechischen Götter sein Dank, die einzig richtigen Schlüsse zog: Entweder mussten König Emmanuel der Erste und seine Getreuen eine eingeschworene Familie einflussreicher Druiden sein, die über magische Kräfte verfügten, dass ihnen quasi alles gelang, wenn sie nur wollten, was sich durch Foie Gras sehr schön wissenschaftlich bestätigte, dass sie machen konnten, dass Tiere, allen voran Enten und Gäse, mehr fraßen, als sie natürlicherweise bevorzugten.

Oder aber, fränkische Eier Produzenten hatten so niedrige Schulbildung, dass sie nicht bis sechs zählen konnten und sich deswegen tragischerweise zu sehr auf Marketing, statt auf Weiterbildung und Qualität ihrer Produkte konzentrierten und daher unwissend in Kauf nahmen, zuerst eine fränkische, dann eine europäische Revolution dadurch auslösend, weil man mindestens zweimal auf Ursprung und Ort seiner Produkte hinwies, ohne sich der Ungenauigkeit bewusst zu sein, welche verheerende Wirkung ein Pentagramm bei König Emmanuel dem Ersten und seinen Getreuen auslöste.

Glücklicherweise lebte D bereits lang genug in König Emmanuel Frankenland, um gut einschätzen zu können, dass man es hier mit vielen Dingen nicht so genau nahm, was er schon bei den im Freien stehenden Traktoren von Jay-Bee bemerkte, die dort munter vor sich hinrosteten, was mitnichten eine herausragende Gelassenheit Jay-Bees, dafür umso mehr eine grundsätzliche Verhaltensweise aller Winzer aus Bordeaux zu sein schien.

Wieder einmal fühlte D sich bestätigt, alles als eine Wette anzusehen, weswegen er alles mit Wahrscheinlichkeiten abwog, was das Herz und die wahre Natur der fränkischen Freiheitsmethodik zu sein schien – vive la France, vive l’Europe!