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7.August – Fortschritt – Odyssee 2022

Langsam öffne ich die Augen. Nach und nach kommen Farben und Formen. Mein Schädel brummt. Züge voller Erinnerungen brausen mir durch den Kopf. Wo bin ich? Immer noch in der Irrenanstalt? Ängstlich setze ich mich auf und sehe mich um. Ich scheine in meiner Wohnung zu sein.

Hab ich das alles – nur geträumt?

Die Zwangsjacke, der Gendarm, die Herren in weiß – alles nur ein Traum? Vorsichtig gehe ich die Treppe runter, schleiche ins Bad und knipse das Licht an. Gott sei Dank ist die geplatzte Scheibe da. Erleichterung macht sich breit, laute Seufzer folgen. Ich schmunzle in mich hinein.

Noch mal Glück gehabt!

Ich schaue aus dem Fenster, wie spät ist es? Mein Smartphone greifend, schaue ich auf die Anzeige – 08:15. Schon wieder ‘ne Schnapszahl, denk ich mir. Ein dreckiges Dutzend pop-up Nachrichten flimmern über den Touchscreen des S-fons. Verärgert leise vor mich hin knurrend wische ich alle weg. Es lodert überall.

Feuer in Europa.

Wälder brennen, Regierungen wie Italien, Russland, Ukraine, Taiwan, China und die USA; Inflationen lassen Preise wie Pilze sprießen; die einen schreien nach Beistand, die anderen flüchten. Nur die Eliten retten den Planeten mit elektrischen Autos und Fahrrädern, Biofutter und Diversity.

Frankreich hat 58 Atomkraftwerke.

Angeblich sind 50% nicht am Netz. Deutschland will seine A-Meiler still-legen, schafft es aber trotzdem Strom nach Frankreich zu liefern. Unsere Welt ist völlig verdreht. Noch dazu erscheint das Meiste absurd zu sein. Doch Moment mal:

Nach Albert Camus – IST – die Welt absurd.

Oder meinte er das menschliche Leben? Natürlich ist‘s nicht das Gleiche. Aber in Wahrheit ist es das – DOCH! Man kann das mathematisch nachweisen. Wenn ich Sinn gleichsetze mit allen Zahlen größer Null, dann folgt daraus, dass Null die Zahl für „Sinn-los“ ist. Alles mit Null multipliziert ergibt – Null.

Natürlich ist dieser Vergleich an den Haaren herbeigezogen.

Aber nicht mehr, als das was ich zurzeit in der Welt beobachte – UND – vermutlich weniger, als jenes vom Latschenträger und jenem haarsträubende Märchen, vom unendlichen Wirtschaftswachstum, an das Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler noch immer – GLAUBEN.

Was ist – FORTSCHRITT?

Interessiert das jemanden? Ich meine im Ernst – auch in meinem Umfeld gibt es einige Menschen, die sich weder für Politik, Wirtschaft noch Umweltschutz interessieren. Von Energie.- und Geldsparen und systematischer Reduzierung, zum Beispiel in Sachen Wohnraum, Fuhrpark usw. ganz zu schweigen. Hier das Zitat eines guten Freundes.

„Die Welt ist mir scheißegal, Hauptsache mir geht’s gut!“

Da weiß man doch, was man hat – guten Abend! Es muss einen Weg geben eine absurde Welt zu einer Besseren zu machen. Schon mein Leben lang befürchte ich, dass Logik, Vernunft und Verstand weder richtige Wege aufzeigen, noch Menschen einladen neue Verhaltensweisen im Alltag auszuprobieren. Vielleicht klappt das nur mit Satire, Kunst und allen möglichen Formen der Provokation.

Vielleicht so:

Obdachlose Männer und Frauen werden Models für‘n Prêt-à-porter in Paris; Behinderte präsentieren das Wetter und werden Nachrichtensprecher*innen; Flüchtlinge machen Werbung für faschistische Parteien.

Dicke Menschen für Diäten.

Dünne für Fastfood; alte Menschen machen Werbung für Särge und Tierfutter. Patriarch Kyrill macht Werbung für Kalaschnikow; der Papst wirbt für den Islam, inklusive Beschneidung. Ungeahnte Möglichkeiten, um für Fortschritt zu werben.

Auf sie mit Gebrüll…

12.Juni – das Bad des Hades – Odyssee 2022

Nach langer Planung besuchte ich meinen Kumpel Pierre-André. Für mich ist PA in Wahrheit Druide. Offiziell ist er Winzer und lebt bei Langon, genauer gesagt in Toulenne. Wenn er sich nicht um Wein kümmert, kocht oder trinkt, oder beides zugleich, liest er die Zukunft aus Knochen, Eingeweiden eines Kaninchens, oder von den Schenkeln seiner Freundin. Letzteres hat mich auch immer interessiert; oft habe ich mich versucht,

gefunden habe ich meistens was anderes.

Es liegt daran, dass ich leicht abgelenkt bin, besonders wenn Frauen im Spiel sind; hier sind PA und ich uns sehr ähnlich. Schon vor Jahren vermutete ich, dass er in Wahrheit der Präsident des Universums sein müsste, natürlich ohne davon zu wissen;

solche Ämter bekommt man verliehen.

Diesmal fand ich nicht nur Indizien, sondern echte Beweise. An diesem Wochenende lernte ich die Wahrheit über ihn. Es gehen nämlich nicht nur die griechischen Götter bei PA ein und aus, nein, es ist viel beeindruckender. Sein Haus ist der Beweis dafür, dass die Milchstraße schon vor Jahren implodierte!

Sie krempelte ihr Innerstes nach außen – und umgekehrt.

Seit dem Zeitpunkt, befindet sich die Milchstraße im Haus von Piérre-André. Ganz erstaunlich wie ich finde ist dabei, dass es vor den Augen von Hawking und all den anderen Wissenschaftlern passierte. Als ich gestern sein Haus betrat, da geschah es. Ich spürte es sofort. Ein unaufhaltsamer Sog, wie ich ihn nur von schwarzen Löchern kenne.

Doch das war es nicht.

Je länger ich grübelte, erinnerte es mich mehr ans Verbrennen durch’ne Supernova, wenn sie sich aufbläht und man verschlungen wird. Gegenüber vom Eingang thronte der viel zu große Kamin, vor dessen Feuer ein aufgespießtes Kaninchen seine Runden drehte; zur Linken prunkte eine mächtige Anrichte. Hier erlebte ich das Gleiche. Kaum sah ich genauer hin, gab’s einen weiteren Strudel. Wohin ich auch sah, überall wuchsen neue Welten und Milchstraßen.

Und alles direkt vor meinen Augen.

Ein paar Türen der Anrichte hatten kleine Fenster, aus den weitere Planeten neugierig herausschielten. Auch Flaschen und Gläser standen dort, viele halbvoll, vor langer Zeit geöffnet, nicht ganz ausgetrunken, für später weggestellt, es mochte Jahre her sein; ein beachtlicher Berg Tabletten und jegliche Form von Medizin, die man PA verschrieben,

die er jedoch nie eingenommen hatte.

Eine nicht minder eindrucksvolle Auswahl Werkzeuge, Feuerzeuge, Aschenbecher, Rechnungen, Bücher und ein meine ganze Anerkennung und Aufmerksamkeit auf sich ziehender Vorratskarton Kondome, der Bordellbesitzer*innen in der gesamten Galaxis

feuchte Augen geschenkt hätte.

Schon dieser Kosmos verschlang mich mit Haut und Haaren. Nie würde ich hier wieder wegkommen, soviel stand fest. Doch das war längst nicht alles. Irgendwann musste ich aufs Klo. Auf dem Weg dahin, durchschritt ich auf leisen Sohlen die Küche, um nicht die gewaltigen Berge Töpfe, Pfannen Gemüsereste beim Plausch aufzuschrecken,

deren Gesprächs-Takt ein stetig tropfender Wasserhahn gab,

der wie ein galaktisches Metronom unendlich weit und tief klang; erfolgreich, ohne Aufsehen zu erwecken und Wegzoll zahlen zu müssen, passierte ich diesen Isthmus, der mich beim Durchschreiten an ein Wurmloch erinnerte, in dem die Zeit still steht.

Endlich bin stehe ich vor der Tür vom WC.

Langsam öffnete ich die Tür. Ein elegisch-schummriges Licht glomm darin, obwohl keine Lampe brannte. Noch ahnte ich nicht, welchen großen Schritt ich für die Menschheit wagte. Vorsichtig schob ich mich hinein, aus mir unbekannten Gründen war ich sprungbereit. Endlich traute ich mich und knipste Licht an. Beim Aufblitzen zuckte ich zusammen, gefolgt von Stöhnen:

„Oh mein Gott….!“,

entfuhr es mir. Denn ich stand im Bad des Hades. Ihr kennt ihn, jenen einen Moment im Leben, der Alles ändert. Nun kam er zu mir. Jener stumpfe totenbleiche Spiegel, in dem sich schon die gesamte Unterwelt rasiert hatte lächelte wie aus anderen Welten; eine unzählbare Menge Tassen, Gläser und Tuben breiteten sich hier unaufhaltsam

wie die Wüste Gobi aus.

PA scheint jede Woche ’ne neue Zahnbürsten zu verwenden, bei den vielen Sträußen, die in bunt bedruckten Senfgläsern das Bad bewachen. Gewaltige Berge Cremes und Shampoos warten auf Benutzung oder Entsorgung; kein Zweifel, jede seiner Freundin bestand auf ihre eigene Pflegeserie; war dies alleine schon eine Fahrt in der kosmischen Achterbahn, entschied ich mich glücklicherweise doch dafür,

kein genaueres Auge zur Dusche zu werfen.

Ein aus hellblauer Keramik geschmiedetes Tor ließ all meine Hoffnungen und Ängste wahr werden: Hier stand ich nun – einsam und alleine vor der Pforte zum Tartaros. Und dieser Moment ließ mich erzittern. Wie hätte ich mich auf diese unbeschreibliche Unterwelt hätte setzen können? Mit zitternder Hand klappte ich die Brille hoch und versuchte meinen Reißverschluss zu öffnen – vergeblich.

Vor diesem gähnenden Schacht gab alles klein bei.

Doch wie entstand dies Kunstwerk? War es ein Akt des Zufalls, bei dem Musen und Götter nachhalfen? Hatte PA ein klares Bild im Kopf, an dem er aktiv drauf hin arbeitete? Oder entstand alles aus reinem Zufall, was bedeuten musste, dass des Künstlers Botschaften und Anliegen, mit dem Werk selbst mitwuchsen und sich so

zu einem unsterblichen Gesamtwerk aufschwangen?

Das Bad des Hades verlässt du als anderer Mensch. Das änderte sich auch nicht, als PA zum Abend hin nach ausgiebiger Siesta, die bei größeren Weinmengen wichtig sind, eine zweite Genusswelle aus „Trüffel-Eier-Champignon-Suppe“ sowie wild gewachsene Jacobsmuscheln über uns zusammenbrechen ließ, was seinen Gipfel in einem Côte du Boeuf fand.

PA wissendes Lächeln setzte Allem die Krone auf.

Wusste er mehr als er preisgab? Vermutlich. War es wichtig, ob er Winzer, Druide, Magier, Präsident des Universums, Künstler, Frauenheld, Vagabund oder mit den Göttern im Bunde war? Nein. Sein Universum, seine Zeit mit mir zu teilen, noch dazu mit solchen Speisen und Weinen zeichnet wahre Freundschaft aus. Sie bleibt Motor des Universums und macht

ehrerbietend andächtig…

01.Mai – Anleitung für Nationalisten – Odyssee 2022

„Vive la France – vive la République!“

„Deutschland den Deutschen!“

„America First!“

Sowas sind auffällige Krankheitsmerkmale und typische Motto’s (Motten ist nicht das Plural) und Beispiele für Nationalismus und nationalistische Wahlsprüche. Wie versprochen, kommt heute deswegen das „under construction“ befindliche Handbuch für „Anti-Nationalismus“ – von Komikern auch kurz „RAF4.0“ genannt. Weil Menschlichkeit und Solidarität auf‘m blauen Erdball fehlen, ließ sich die königliche Universität zu Satrup leicht einladen, ein gemeinsames Handbuch zu entwerfen.

Heute gibt’s erste Auszüge davon, mit konkreten Anleitungen!

Zuerst einmal ist Nationalismus per-se nix Schlechtes, solange sich die gesamte planetare Menschheit als EINE Nation sieht, die sich für den Kampf gegen Klingonen, Borgs und ähnliches Ausländergesocks wappnet. Sobald jedoch kleine oder große Gruppen, vom gefährlichen „Nationalismus-Virus“ befallenene – NATIONEN – sobald so eine Gruppe / Nation meint, besser als beispielsweise „die im Süden / Westen / Osten oder jene im Westen oder weiß der Kuckuck wo“ zu sein,

haben wir ein ernstes Problem!

Gut ist in solchen Fällen, dass diese „Gedankliche Verirrung und geistige Kontamination“ nicht die gesamte Gruppe / Nation befällt, mag sie groß oder klein sein. Daher kann sich diese Gruppe selber heilen, so dass sie verschwindet, sich auflöst, bis nichts mehr von ihr übrig bleibt, als eine süffisante, meist ein wenig romantisch verklärte Erinnerung. Und genau hierzu, dient unser Handbuch:

Zurrr Selbstheilung!

Wir – die königliche Universität zu Satrup und ich – empfehlen also Folgendes: Nehmt euch eine Frau / Mann aus‘m Ausland; zwei oder drei sind noch besser, wenn eure Nation vom christlichen Glauben heimgesucht wurde; (Anmerk.d.Redaktion: Euch = Männer & Frauen! Für Frauen gilt natürliches Gleiches); seit ihr selber blond, groß, blauäugig, noch dazu zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und wendig wie die Wiesel,

empfehlen wir, euer Gegenteil zu suchen.

Deutsche sollten sich alleine schon aus Gründen der völkischen Gesundung mit Türken, Griechen, Syrern oder Iranern kreuzen; wenn ihr gerade keine dieser ausgesprochen gut passenden Menschen am Start habt, dann geht in der Not auch eins der preiswerten spanischen oder französischen Modelle. Seit ihr groß und schlank, wählt eine kleine und dicke Variante.

Wenn ihr dann gemeinsame Kinder habt,

nennt sie nicht Attila, Thor, Odin, Dirk, Thomas, Lothar Helga, Leni, Melanie, Christina, Julia, Nadja oder Sissi; besser sind Namen, wie Xanthipe, Euredike, Eleni, Fili oder Sofia; wählt Namen aus einem dritten Land; ein frandeutsches Paar sollte für ‘ne gute Balance zum Beispiel griechische Namen vergeben. Auch ist im Alltag dringend geraten, alle nationalen Rituale gezielt zu unterwandern. Statt Samstags zum Baumarkt fahren, sowie an Wochenenden eure vielen Autos waschen, empfehlen wir spätestens um 12 Mittags

den ersten Apéro einzunehmen – gerne mit Freunden!

Seit faul, genießt Müßiggang so oft und viel ihr könnt. Ihr werdet sehen, viele lassen sich davon anstecken; in Wahrheit wollen alle das Leben genießen, statt unter der Last barbarischer Malocherei stöhnen; ihr könnt euch denken, dass es beim Essen munter weiter geht; serviert euren Freunden Patta-Negra, statt Rauchkatenschinken; Tapas, statt Leberwurstbrot; Austern statt Heringsbrötchen; statt kistenweise Bier, besser

Kartonweise Wein trinken – versteht ihr?

Kommen wir zu euren Höhlen und deren Einrichtungen. Statt Viehbrock empfehlen wir was Südeuropäisches, wenn’s schon neu sein soll. Fincas haben sich im Süden bewährt; da es wärmer wird, empfiehlt sich vorauszudenken; keine Produkte von Ikea, sowie andere Wegwerfmöbel; nehmt Dinge vom Sperrmüll, oder kauft alte Sachen vom Flohmarkt;

was bereits 50 Jahre gehalten hat, wird euch locker überleben,

wenn ihr keine ungelösten mentalen Probleme habt, die sich in weit verbreiteten Dekorations-Psychosen entladen. (Anm.d.Redakt.: Sucht zur ständigen Renovierung). Volkswagen war gestern; kauft gebrauchte Auto’s aus dem Süden / Osten; statt 70.000€ für Premiumfahrzeuge wie Volkswagen Tuareg oder Audi A6 Kombi zu zahlen,

wo ne halbe Tonne neuwertiger Industrie-Schrott drin ist,

der euch bei jedem Starkregen zur nächsten Blitz-Inspektion zwingt, empfehlen wir ’nen günstigen Dacia, der 10 Mille kostet, den ihr aber locker 10 Jahre fahrt, bevor ihn euch in den Garten als Gewächshaus stellt; wenn ihr all diese Dinge beherzigt, werdet ihr euch erfolgreich in eine anti-nationalistische Zelle verwandeln, die Menschen animiert, selber tolle neue Ideen zu erschafen. Wie zum Beispiel, bei der nächsten Wahl,

maximal schlecht für die Nation wählen.

Ihr lebt in einem düsteren Industriestaat? Keine Sorge, nichts leichter als das – siehe oben – und wählt Parteien, die NICHT mit der Industrie kollaborieren, sondern ihnen stattdessen den grünen umweltfreundlichen Daumen aufzwingen; bei Fußballweltmeisterschaften lohnt es sich, für den Gegner und nie für die eigene befallene Gruppe / Nation zu sein – passt aber auf, wie und wo ihr’s macht.

Wir empfehlen, das Umfeld vorher sorgfältig zu studieren!

In einer Fankurve, mit lauter Blut- und Nationalstolz durchzogenem Fanclubs, empfehlen wir Vorsicht. Ladet stattdessen Freunde ein, die ihr mit eurer antizyklischen Begeisterung anstecken könnt; erfindet das Menschsein neu, indem ihr Parolen wie „Deutschland den Türken“, oder „Frankreich den Algeriern“ oder „Italien den Polen“ und „Spanien den Portugiesen“ ruft und mit Spraydosen an öffentliche Gebäude sprüht. Bei den täglichen, apéro-geschwängerten Unterhaltungen gilt:

Handelt entgegengesetzt zur Umgebung!

In Deutschland redet man laut, bis man mit steigendem Bierpegel lauthals „Sieg heil!“ schreit; redet daher ausgesucht höflich und leise; macht intelligente subtile, statt platte und sexistische Witze; seit höflich, statt polterig; hört zu statt weg; schmeißt euren Fernseher raus und lest stattdessen Bücher; kauft den Kindern Laubsägen, statt Playstation; wenn ihr diese ersten einfachen und basischen Regeln beherzigt, werdet ihr sehen, wie sich muffig riechender Nationalismus von selbst ins nächstbeste Museum befördert. Und noch einmal, weil es sooo schön ist:

Müßiggang, statt geregelter Maloche, mit schwitzendem Antlitz!

Von den griechischen Göttern, bis ins späte europäische Bürgertum des 19ten Jahrhundert, galt Müßiggang als höchstes Gut; faul sein bedeutet, kulturell auf der Höhe zu sein; worin besteht der Trick, 40 – 60 Stunden zu arbeiten, um sich dann Wegwerfprodukte zu kaufen?

Eben!

Also – reduziert eure Geldausgaben bis zum Maximum; die wertvollsten Dinge kosten kein Geld; lasst euch nicht von arbeitswütigen Protestanten dominieren; Martin Luther war durch und durch Politiker, der dem Volk, mit der Macht der Kirche, die Arbeit aufzwang – was für ein Arschloch!

Zum Kotzen, wie wir nichts dazulernen, oder?

Ab heute gibt’s keine Ausreden mehr; es gibt so viel „Nicht-zu-tun“, ihr müsst sofort anfangen; warum nicht heute, am Tag der Arbeit – was meint ihr? In diesem Sinne, herzliche Grüße an euch alle und

viel Erfolg & Spaß beim Kampf gegen Arbeitswut und unsinnigem Aktionismus,

Santé & Proust!

Wissen und Wahrnehmung – Odyssee 2021 CW19

16.Mai – Kürzlich gab es einen Eklat. D hatte eine Auseinandersetzung mit seinem engen Freund Perikles. Es ging um Erkenntnis und Wissen. Wie gelangte man an sie, idealerweise an beide? Doch schon dort gingen ihre Meinungen auseinander. Es kam nämlich schon darauf an, in welchem Kontext man Worte benutzte.

Je nach Abhängigkeiten und Inhalte, konnte es schon zu gewaltigem Kuddelmuddel kommen. Und so kam es. Selbst diese zwei recht ausgeglichenen und geduldigen Gesprächsteilnehmer behielten nur mit Mühe die Nerven, gehorchten sie doch letztendlich ihrer Vernunft. D und P saßen bei Wein zusammen, als ihr Freund A hinzustieß.

D: Ich muss dir widersprechen, Perikles; ein Beispiel, schau, wenn ich sage – ich werde statt jünger täglich älter – dann ist diese Aussage nicht nur wahr, sondern richtig. Warum? Weil es fürderhin als bewiesen gilt, dass alle biologischen Organismen altern. Wenn wir also eine Induktion tätigen, also seht euch um, alle Lebewesen in der Natur sind sterblich, dann schließen wir daraus, dass auch aller Menschen Leben endlich ist.

Was jedoch nicht verhindert, dass ich von etwas überzeugt sein kann, etwas also zum Beispiel eine Hainbuche zur Familie der Buchen zähle, die viele unserer Wälder verzieren, was offenkundig falsch ist. Weil ich es aber Teil meiner Überzeugung ist, gelangt diese Aussage automatisch in meine Wirklichkeit, womit ich diese Aussage für wahr halte, wenn ich weiterhin darauf beharre und meinen Irrtum nicht bemerke. Daraus folgt, dass..

P: Warte warte warte, nicht so hastig, werter Recke – du willst mir doch nicht erzählen, dass die Wahrheit nicht per se richtig ist, oder…?

D: Ganz genau! Die Wahrheit ist Ausdruck meiner Wahrnehmung, meines Sinnfeldes sozusagen; ich habe ein Konstrukt in meinem Kopf, das ich für wahr halte, damit ist es nicht automatisch richtig. Denn wenn ich eine Aussage mache, die…

P: Falsch mein Lieber, die Wahrheit ist immer wahr – in deinem Fall ist es eben nicht die Wahrheit, was du da vermutest, sondern schlicht eine falsche Annahme, ganz im Gegensatz zu…

D: Leider ist das nicht korrekt, mein Lieber – wir halten ständig Dinge für wahr, weil wir natürlich gute Gründe dafür haben, wie übrigens in allen Fällen von Irrtümern, was aber eben nicht automatisch bedeutet, dass es richtig sein muss; es ist schlicht unser Sprachgebrauch, der uns auf die falsche Fährte lockt, so wie auch dich, geschätzter Freund. Nehm das Beispiel der Erd- versus Heliuszentrierung…

P: Wenn ich deinen Worten also glauben schenke, müsste daraus automatisch folgen, dass es unendlich viele Wahrheiten gibt, wo sich jeder Betrachter rauspflückt was er will, womit…

D: Natürlich! Was anderes ist doch gar nicht möglich; nehm das Beispiel mit der Erde als Zentrum des Kosmos; Jahrhunderte hat man das nicht nur geglaubt, sondern es war schlicht die Wahrheit gehalten; Aristoteles formulierte es schon…es hat nahezu 1800 Jahre gedauert, bis man bemerkte, dass man falsch lag – wieviel haben Galileo Galilei, Kopernikus und Kepler und Konsorten unter der damaligen Haltungen, besonders der Inquisition gelitten…

P: Unfug, das ist grober Unsinn! Wir wären mit deiner Theorie verloren; man könnte sich ja auf nichts mehr verlassen, geschweige Stabilität suchen, sich an etwas klammern…nein, das lehne ich ab…du nutzt das Wort Wahrheit nicht richtig; natürlich kannst du von etwas überzeugt sein, aber das heißt ja nicht…

D: Siehst du das Glas vor dir…?

P: Was ist damit…?

D: Wie voll ist es…?

P: Fast leer, wieso? Du passt eben nicht auf, gibst nicht mehr gut auf deine Freunde acht, denn sonst würdest du mir das Glas lenkst wieder….

D lächelt, nimmt den Krug Wein und füllt etwas nach; sofort will Perikles protestieren, wird jedoch abgelenkt, weil ihr Freund Alexander ihren lauten Dialog aus der Ferne belauschte, neugierig wurde und sich fix dazusetzte.

A: Na ihr beiden? Um was streitet ihr am Samstag-Nachmittag?

D: Von Streit kann keine Rede sein, sondern eher von angeregter…

P: Also für mich ist es schon einer, weil, schau mal, wenn du die Sprache…

D: Okay, wenn es für dich einer ist, für mich jedoch nicht; jedoch passt es ganz gut zu dem Beispiel mit dem Weinglas…

P: Du meinst mein…

D: Wart doch mal, darauf will ich doch jetzt hinaus; also, wie voll ist es jetzt…?

P: Naja, halbleer, so schlecht, wie du mich schon den ganzen Tag behandelst, ist es ja kein Wunder, dass du mir mein Glas nur…

D: Halbleer? Sehr interessant, ich aber schmettere dir tapfer an den Kopf, dass es halbvoll statt halbleer ist; wer von uns beiden hat nun Recht?

A: Ihr beide!

D: Ganz genau; wir haben zwei Wahrheiten, die in diesem besonderen Fall sogar beide richtig sind, was nicht so oft vorkommt, wenn ihr mir zustimmen wollt….

P: Okay, es ist alles eine Sache der geistigen Betrachtung und Haltung…jedoch ändert es nichts daran, das…

D: Natürlich nicht, das habe ich ja auch nie abgestritten, im Gegenteil! Deswegen ist es ja so wichtig, dass man mit den Worten achtsam umgeht; überleg mal, wie leichtfertig…

A: Nicht nur das; denkt nur mal daran, wie schnell aus unterschiedlichen Betrachtungen Konflikte entstehen, obwohl man vielleicht das Gleiche meint, wie in eurem Fall…

P: Ganz genau! Hier, als Veranschaulichung, mein Beispiel mit dem Messer…

D zückt ein Messer, klappt es auf und hält die Klinge so an seinen kleinen Finger, als würde er sich diesen kleinen Teil yakuza-mäßig abschneiden; erschrocken und etwas beunruhigt schauen ihn die zwei Freunde an.

D: Keine Sorge, ist nur ein prägnantes metaphorisches Gleichnis: Stellt euch vor, ihr wäret an meiner Stelle, warum schneide ich mir die Fingerspitze des kleinen Fingers NICHT ab?

P: Weil du ihn noch brauchst…?

D: Ein möglicher Grund…

A: Und weil es schlicht schmerzhaft ist…

D: Auch eine Möglichkeit…

P: Was willst du uns damit sagen…?

D: Das es hier für mich eindeutig ist, was zu tun ist; alle Wahrnehmungen sind mir offenkundig. Ich verfüge über ausreichend Lebens-Erfahrung, dass es die Wahrheit wäre, wenn ich annehme, dass es sehr schmerzhaft sein dürfte und ich halte es für sinnlos, ihn mir abzutrennen, weil ich  a) mit diesem Teil auf die Welt gekommen bin und b) weil mir ohne ihn deswegen vermutlich manche Handgriffe schwerer fallen sollten, womit die Antwort des Nutzens ebenfalls gegeben ist…nur so offensichtlich es in diesem Fall zugeht, so selten eindeutig ist unser Alltag, noch dazu, wenn wir uns im permanentem Austausch mit anderen befinden…

P: Was ist jetzt mit meinem Glas…?

D: Was meinst du? Grade eben habe ich doch darüber…

P: Willst du das jetzt so lassen, oder schenkst du mir endlich voll…?

Obwohl Perikles Gesicht äußerst ernst dreinblickte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis die drei Freunde die Totenstille überwältigten und laut loslachten…