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News, Satire, Geschichten und Wahnsinn aus dem Alltag.

Neu-Gier

Ich bin müde. Und das recht anständig. Es hat nichts mit Schlafmangel zu tun, überhaupt nicht. Es ist mein Selbst, mit dem ich müde bin. Ich mag mich schon noch, so ist es nicht. Aber manchmal, so wie jetzt gerade, schafft es mein Charakter, mich richtig müde zu machen.

Seit ich klein bin, ist das schon so.

Ich öffne die Augen und strahle die Welt an. Alles will ich gleichzeitig wissen und machen, wirklich Alles. Ständig ist meine Neugier so groß, dass ich mich in jedes kleine Ding versenken und es bis zur mikroskopisch kleinen Molekularstruktur beschreiben und aufspalten kann.

Sozusagen Aschbombe vom Zehner – in Zeitlupe.

Als Ergebnis kommt ein Mensch heraus, der ständig zwischen Erschöpfung und Euphorie hin und herpendelt. Nein, nein liebe Psychologen – ich bin weder manisch-depressiv, noch irgendeine Form von „Grenzgänger“, der den schmalen Grat, oder irgendein anderes vermeintlich existierendes Thema als Ziel hat – eher das Gegenteil.

Ich lebe so gerne, so viel und intensiv, dass ich immer alles aufsauge und mein allerbestes gebe, nämlich wirklich Alles was ich hab. Interessanterweise hat das bis heute kaum jemand kapiert.

Wie oft habe ich in der Schule gehört, „streng dich mehr an“ – oder im Sport sowas wie „leg noch ne Schippe drauf!“, oder in Beziehungen, mein großer und absoluter Lieblings-Klassiker, „Wie kannst du das schon wieder vergessen haben? So hörst du mir zu!“. Beliebig und unendlich weitergehen, könnte die Liste.

Wenn ich nen Höhenflug habe, ist das offensichtlich für andere auch schön.

Menschen lassen sich mitreißen und erfreuen sich mit an den schönen Dingen des Lebens, aber nur solange, wie ich fliege. Kommt die Zeit der Erschöpfung, der Erholung, der Verpuppung und Transformation, nehmen sie Reißaus und rennen soweit sie können, als würde ich mich in ein schwarzes Loch verwandeln und alles und jeden mithineinziehen.

Dabei finde ich das ziemlich normal, dass man irgendwann müde ist – dies Recht, räumt die Welt mir offensichtlich nicht ein. Wenn ich nämlich daniederliege, ist es meist sehr still um mich herum. Ich finde das komisch. Ist denn nicht jeder so, mehr oder weniger? Sind wir nicht alle von manchen Dingen begeistert und irgendwann, vom Leben und all dem Bunten darin, müde und benötigen ein wenig Schlaf?

Schon immer hatte ich viel vor. Ständig war ich unterwegs. Alles Mögliche habe ich gemacht, wirklich alles. Auch gereist bin ich schon immer viel und gerne. Natürlich konnte und kann ich nicht alles machen, was ich gerne wollen würde, natürlich nicht – man weiß halt irgendwann, dass ALLES halt ein klein wenig zu VIEL ist – also wählt man, mehr oder weniger bewusst aus. Macht doch jeder so – hoffe ich.

Manches hat es aber ungleich schwer – zum Beispiel Skifahren. Ich liebe es. Am liebsten würde ich’s jeden Winter machen. Dabei bin ich es erst einmal gefahren – vor 30 Jahren, wohlgemerkt. Seit dieser langen Zeit versuche es im Stillen jedes Jahr aufs Neue und dennoch hat es bis zum heutigen Tag nicht geklappt. Ich bin mir deswegen aber nicht böse.

Spannend wird es dann In Partnerschaften, wenn die priorisierten Themen nicht die Gleichen sind. Dann kommt’s vor, dass man einander Vorwürfe und Vorhaltungen macht, dass man sich gegenseitige Unwichtigkeit oder eine stümperhaft-verdeckte Gedanken.- und Interessenlosigkeit unterstellt.

Dabei ist es genau anders herum. In Wahrheit geht es um ganz andere Dinge.

Ich glaube, viele fühlen sich abgelehnt, wenn der Partner etwas anderes will, etwas mit einer anderen Priorität versieht.

Zum Beispiel Sauberkeit. Alle meine Partnerinnen, waren ordentlicher als ich – ich spreche von Ordnung, nicht Sauberkeit. Das ist was ganz anderes. Dies Thema spare ich ganz bewusst aus. Zu viele Massaker habe ich auf Party‘s erlebt, nachdem irgendjemand dies Thema, in angeheiterter Runde aus der Büchse der Pandora gelassen hat.

Ordnung muss sein, hier in doppeldeutiger Sache sozusagen.

Ordnung ist für mich etwas, dass mit „Sich-Wohlfühlen“ zu tun hat und, ganz ehrlich gesagt, ich bin hier anpassungsfähig. In der Regel ist mein Bedürfnis nach Ordnung nicht übertrieben. Als Metapher können wir eine Wohnung, ein Haus oder ein Urlaubs-Cottage nehmen. Während ich ein mittelmäßiges Niveau an Ordnung brauche – alte Schulnoten von ein bis sechs – langt mir eine 3 bis vier, während für viele eine zwei Bedingung ist, um sich wohl zu fühlen.

Für mich ist das gar kein Problem, mich in einer Zweier-Umgebung wohl zu fühlen, wenngleich sie sich deutlich von einer „Drei bis Vierer“ unterscheidet – glaubt ja nicht, dass mich irgendjemand mal gefragt hat, ob ich mich in der satten „Zwei“ wohl fühle! Man setzt das halt irgendwie voraus, dass einem das Höherwertige, oder korrekterweise neutral gesagt, „höher-benotete“ automatisch mehr zusagt.

Das dass bei mir nicht der Fall ist, hat noch nie jemanden interessiert.

Oder um es auf den Punkt zu bringen – je stärker die Ordnung, desto eingeengter fühle ich mich. Aushalten und ausbalancieren tue ich das mit meinem Gedächtnispalast und mit schreiben. Deswegen bin ich wirklich und absolut überall überlebens.- und des Glückes fähig.

Das sorgt, wie kann es anders sein, natürlich für reichlich Reibung und dass schon seit Jahrzehnten. Diese Unbedarftheit, dieser grenzenlose Optimismus, der öfters auch an zum himmel-schreiende Naivität erinnert, lässt viele Menschen in meinem Umfeld mit den Augen rollen.

„Du kannst doch nicht so einfach in Tag hineinleben?“, Eltern und andere Autoritär-liebende neigen dazu, mich zu schnellstmöglicher Unterlassung zu drängen.

„Wieso denn nicht? Wie denn sonst? – meine übliche Antwort.

„Du musst doch Ziele haben; deine Zeit ist begrenzt; nutze sie; warte nicht; schnapp dir das Leben; bringe Ordnung in dein Leben; strebe das Höchstmögliche an; suche dir eine Frau die dich liebt und versteht; zeuge eine Heerschar Kinder!“ – eine der meistgespielten Langspielplatten.

Ich finde ja, dass ich meine Zeit nutze. Hab ich schon immer gemacht.

Vor Kurzem habe ich mir einen langersehnten Traum erfüllt. Ich habe Griechenland besucht. Genauer gesagt, Kreta. Mein Leben lang wollte ich das schon. Ich habe so viel über griechische Mythologie gelesen, so viele Bücher über ihre Kultur und ihre großen Philosophen, dass ich in Wahrheit im Herzen schon immer Grieche war und das nicht nur, weil ich seit über dreißig Jahren Rezina und Raki liebe. Vor zwei Wochen konnte ich mir diesen Traum erfüllen.

Was ich da alles erlebt habe und was das mit Ordnung zu tun hat, erkläre ich nächste Woche.

 

Ja-zu-Europa!

Mir fällt es schwer mich für Dinge zu begeistern. Europa hingegen zählt zu diesem kleinen auserwählten Kreis. Wie kann man gegen Europa sein? Kapier ich nicht. Vereinte Staaten von Europa! Das wär doch was, wenn wir Egoismus, barocken Feudalismus und Imperialismus im Museum lassen würden. Fragt mal die junge Genration! Die kapiert nichts von dem, was unsere lieben Politiker verzapfen. Versteht mich nicht falsch, es geht mir um die Idee des vereinten Europas. Das irgendjemand dagegen sein kann halte ich für völlig – nein wirklich – absolut ausgeschlossen!

Egal ob Marine Le-Pen, die Briten, die AfD, die paar durchgeknallten populistischen Italiener und der aristokratisch daherkommende Holländer – sie alle lieben Europa! Noch mal, nicht verwechseln mit der Umsetzung, über die sich alle Beklagen, mit der alle Trittbrett fahren. Nicht vermischen, das Ganze – das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun!

Hab ich noch nie kapiert. Diese dumme Blindheit, klare Fakten und Sachverhalte zu vermischen. Ich kann doch für Mobilität, aber gegen eine technologische, diktatorische Automobil-Industrie sein. Ich kann doch für Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit sein, aber die Umsetzung in meinem Land zum Kotzen finden, oder nicht? Da vergleichen wir doch Äpfel mit Birnen!

Nochmal: Niemand in Europa ist gegen Europa!

Wenn wir über die derzeitige europäische Politik aus Brüssel reden, dann können wir anfangen uns zu unterhalten. Aber Herrgott nochmal, man muss doch irgendwie irgendwann mal anfangen, oder nicht? Man ist doch nicht Sprint-Weltmeister auf 100 Metern, wenn man gerade aus der Krabbelgruppe kommt. Man muss doch erst mal Erfahrung sammeln. Diese ewige Nörgelei. Natürlich ist vieles Mist, aber wen wundert das? Die brauchen unsere Ideen und Rückmeldungen, unsere Energie, unsere Einmischung, unsere Umsetzung.

Das so viele Menschen in unseren dynmaischen Zeiten, auf konservatives Phrasendreschen, auf über 6000 tausend Jahre alte populistisch-egoistische Nummern reinfallen will mir nicht in den Kopf gehen. Das die ganze politische britische Elite kein großes Interesse an Europa hat, liegt einzig und alleine daran, dass die alle reichlich volle Kühlschränke haben. Die wissen gar nicht, was es bedeutet auszutreten, woher auch.

Warum diese Typen die Stimme des breiten Volkes vertreten ist eine andere Geschichte. Aber wenn diese verwöhnt-dekadente Elite, den restlichen 90% bei der Volksabstimmung verkauft, das ein Austritt ein Segen ist, dann ist das nichts Geringeres, als ein Volksverbrechen, weil diese Herrschaften ihren Job nicht machen.

Sie vermischen ihre eigenen, privaten Sichtweisen und Interessen, mit der ihres Mandats, mit ihrer Verantwortung als Volksvertreter. Sowas ist ein schweres Vergehen. Aber das muss das Volk erst einmal begreifen.

In Deutschland und Frankreich ist es gar nicht viel besser, außer, dass es kein Referendum gibt, in dem man eben genau um dies Nachahmung, des geschichtlich wertvollen britischen Abgangs abstimmt. Davon mal abgesehen ist es überall das Gleiche – die top ausgebildeten 10% eines Volkes bestimmen über das Wohlergehen der restlichen 90%, die den ganzen Mehrwert, das Bruttosozialprodukt erwirtschaften.

So einfach geht Volkswirtschaft.

Wenn also die 10% mehr am Gewinn beteiligt sind, als Diejenigen, die ihn leisten, dann ist etwas falsch, will sagen unfair und ungerecht. Aber auch das, ist noch kein Argument GEGEN Europa. Es ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit, sicherlich. Aber es liegt vermutlich daran, dass eben diese 10% nicht wissen, wie die restlichen 90% leben, abgesehen von dem exponential wachsenden Ego in Bezug auf Macht und Einkommen.

Ein Beispiel, verzeiht mir, wenn ich nicht alles ganz exakt erinnere; ich bin vom Charaketer her süd.- und nicht Nordeuropäer:

Wenn man in Deutschland über ein Bürgergeld anfängt zu sprechen, in der Höhe von 450 oder 550€, dann kann es sich nur um ein Versehen handeln, oder ein Zeichen, dass deutsche Politiker jegliches Menschsein, jegliche Moral und Ethik verloren haben und daher, sofort ihr Amt räumen sollten, solange sie noch können!

Warum:

Nur diejenigen, die NICHT, ich betone NICHT am Existenzminimum leben müssen, können so schamlos darüber redden, weil sie keine Ahnung haben. Jeder Politiker sollte sich was schämen, so unwissend und unmenschlich daherzureden.

Alles unterhalb 1500€ ist menschenunwürdig!

Und gegen so eine Aussage sollte niemand auch nur anfangen Luft zu holen, wenn er nicht versucht hat, jemals von dieser Summe über die Runden zu kommen, geschweige mit Familie. Ich rede von Einzelperson. Aber der Mensch zählt in Deutschland nicht mehr viel. Das sieht man an der Familienpolitik. Kein Wunder, dass Deutschland das Geburtenschwächste und Frankreich das Geburten-Stärkste Land Europas ist.

Man muss nur mal hinschauen, wie die Familienpolitik in beiden Ländern aussieht. Man kann es der vergreisten deutschen Politiker-Klasse nicht einmal vorwerfen. Wie hoch ist das Durchschnittsalter? 60, oder so? Natürlich kann ich ich mit 70 am Puls der Zeit sein. Aber wieviel Prozent sind es? Nehmt mal das Thema Digitalisierung. Da ist Deutschland im Mittelalter. Nichts haben die kapiert.

Oder Frankreich.

Ein solch zentralistisches, hochgradig elitäres Land, in dem es nur Universitätsabsolventen und den Rest gibt. Ein Land, dass Europaführer in der Einnahme von Psychopharmaka ist, der kann nicht ganz richtig ticken. Wenn man sich den administrativen Wasserkopf betrachtet, das Fehlen der starken Mittelschicht, weil das Schulsystem zu extrem elitär ausgelegt und daher nicht konkurrenzfähig in Europa, geschweige in der Welt ist. Frankreich ist eine Menschenfabrik. Das Land züchtet Soldaten, die idelaerweise eine katholische Bibel unterm Kopfkissen liegen haben.

Das ändert nichts daran, dass ich dennoch ein großer Freund von Frankreich und Deutschland bin.

Wir müssen uns halt alle Mühe geben und daran arbeiten, eine bessere Zukunft bauen zu wollen. Das geht garantiert nicht, indem ich rechts und konservativ, noch weniger gar nicht wählen gehe. Wählen zu gehen ist die oberste aller Pflichten. Gebiete, in denen wir Dinge besser machen können gibt es reichlich.

Aber ständig zu meckern hilft auch nicht gerade, oder? Meckern ist nur angemessen, wenn man einen sinnvollen und konstruktiven Gegenvorschlag macht und diesen in die Diskussion einbringt. Hat man so einen Einfall nicht, schlage ich vor, dass man zum Stammtisch geht und seinen Ärger runterspült, der vermutlich von woanders herkommt.

Γεια μασ, prost, santé und salute – auf Europa!

 

Ehrlichkeit

Ich finde es schwer, ehrlich zu sein. Schon beim Verständnis fangen die Schwierigkeiten an, zumindest für mich, im Zusammenhang mit meinen Mitmenschen. Was bedeutet ehrlich sein? Das man alles sagt, wie man es meint? Das man tut was man sagt und sagt was man tut? Um was geht es? Mir jedenfalls fällt es unheimlich schwer, schon mal ich damit genug mit mir zu tun habe. Oft merke ich gar nicht, dass ich gar nicht ehrlich mit mir bin. Wenn ich mich also selber betrüge und es nicht merke, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich mit diesem Schwindel auch mein Umfeld beglücke. Nennt man das dann un-ehrlich?

Für mich gibt es verschiedene Ebenen von Ehrlichkeit. Auch muss ich noch einmal entschieden unterstreichen, dass Ehrlichkeit nichts mit Wahrheit zu tun hat – ich kann ja unumwunden ehrlich sein, aber die Wahrheit nicht kennen, dass ich mich in etwas irre, was ich als wahr mein Leben lang in mir herumgetragen habe – so wie zum Beispiel, wenn ich mit 18 erfahre, dass der Bernd gar nicht mein leiblicher Vater ist, sondern der Nachfolger von Vati. Oder dass beide Teile mich zwar großgezogen, aber man mich in Wahrheit als Zwerg in eine Babyklappe gesteckt hat. Unbegrenzt sind auch die Interpretations-Möglichkeiten beim Ehrlich sein. Bin ich ehrlich, wenn ich einen Teil bestimmter Information nicht mit dem Zuhörer teile? Bin ich dennoch ehrlich, wenn ich Wichtiges unterschlage, aber beim Gesagten der Wahrheit treu geblieben bin?

Ehrlichkeitsebenen helfen mir da sehr. Natürlich bedeutet es einen Haufen Arbeit, diese Ebenen zu warten, weil ich dann auch verschiedene Zirkel pflegen muss. Welche Ebene bekommt welche Informationen, um authentisch und in dieser Ebene – ehrlich zu sein. Oder langt es, lediglich als ehrlich wahrgenommen zu werden? Ein Beispiel: Ich erzähle einem Bekannten, dass ich auf eine Hochzeit eingeladen bin und sage ihm, dass ich mich geehrt fühle eingeladen zu sein. Mein Bekannter wird eventuell anfangen sich mit mir zu freuen. Gut möglich, dass wir uns dann über Hochzeiten unterhalten, ob man auf vielen gewesen ist, welche war die Schönste, die eigene mal außenvorgelassen; die Liste ist unbegrenzt groß.

Dennoch wird mein Bekannter nicht zu erfahren bekommen, was solche Feste für mich bedeuten, was sie in mir auslösen. Ganz anders geht es mir mit einem Freund. Er wird mich eventuell besser und oder lang genug kennen und wissen ob ich mich darüber freue, denn das hat der Bekannte noch gar nicht erfahren dürfen. Mein Vertrauter darf diese Dinge, muss diese Dinge wissen, wenn er mein Vertrauter bleiben soll.

Ich denke auch, dass es Dinge gibt, die nur Eltern wissen sollten und natürlich gibt es reichlich Dinge, die Eltern niemals erfahren dürfen. Spannend ist auch die Frage, ob der Partner der oder die Einzige sein sollte, sein muss oder darf, die wirklich ALLES wissen darf, soll oder muss. Zu schnell gehen uns mit Informationen die Pferde durch. Nehmen wir mal Bücher:

Ich schreibe welche, okay. Nahezu alle Menschen nehmen unausgesprochen an, dass ich belesen bin, dass ich garantiert alle möglichen Bücher kenne, dass ich mich auskenne und so weiter. Das mündet dann gerne in Fragen wie:

-Was für ein Buch empfiehlst du mir zum Lesen?

-Was für ein Buch empfiehlst du als Geschenk für so und so…

-Wie findest du das Buch von so und so….

-Wie findest du die Bücher der jungen Schriftstellerinnen?

-Wie oft hast du „Fifty shades of grey“ gelesen?

Und so weiter und so weiter. Wenn ich schweige emfinden die meisten mich als unhöflich. Wenn ich ständig ehrlich antworten würde, wäre ich ebenfalls unhöflich und arrogant noch dazu. Hat man mir so gesagt, habe ich alles ausprobiert. Wenn ich es ehrlich meine, könnte ich anfangen nachzufragen, wer der Beschenkte ist, welche Dinge ihn oder sie interessieren. Was diese Person für ein Mensch ist, steht überhaupt noch nicht zur Disposition. Vielleicht kann ich ein wenig Licht ins Dunkel des Büchermarktes bringen, aber will der Zuhörer das? Wieviel Licht kann er oder sie ab?

Ich würde nie sagen, dass ich Ahnung von Büchern habe. Das gilt eher für studierte Literaturwissenschaftler, würde ich meinen. Aber auch der weiß nicht, wie ich als Leser welches Buch finde. Vielleicht gibt es Bücher, die so ein Experte für handwerklich daneben einstuft und dennoch ist es ein Bestseller geworden. Wenn ich einem Menschen, der des Deutschen mächtig ist, erzähle, dass ich mir selbst, in meinem ganzen Leben noch nicht ein einziges Buch von einem deutschschreibenden Autor gekauft habe, obwohl ich selber in genau der Sprache schreibe, dann lächelt mein Gegenüber smart und verschmitzt, weil er den Witz sofort bemerkt hat, weswegen er mit folgenden Worten nachfasst:

-Und jetzt wirklich?

Meine Antworten sind meistens langweilig und schon gar nicht hilfreich, wenngleich sie dennoch ehrlich sind. Selbst dieser Text, ist vermutlich nicht sehr spannend, so wie alles was ich ins Netz stelle. Ich bin nicht besonders witzig, nahezu völlig unbrauchbar geliked zu werden. Das sehe ich an meinem Twitter-Account. Nachdem ich ein paar Mitleids-Like’s bekommen habe, stand die mangelnde Attraktivität meines users so übermächtig im Raum, dass allen Followern, jene die es waren oder noch werden, jegliche Form von Höflichkeit und Mitleid abhanden gekommen ist, weil wirklich keiner meiner letzten Beiträge auch nur ein einzelnes Reiskorn bewegt hat.

Auch die Badguy Nummer funktioniert nicht. Ich bin halt wie ich bin, weder weiß noch schwarz, sondern einfach nur so. Oft unterstellt man mir, ich glaube das machen die meisten immer noch, dass ich mich in meiner „Revoluzzer-Rolle“ sehr wohl fühle, sogar mehr als das, dass ich sie so gut finde, dass ich sie nach Belieben auskleide, ausschmücke und ausbaue und zu meinen Gunsten hindrehe, mir meine Welt so mache, wie sie mir gefällt, so Pippi-Langstrumpf-Style, wenngleich ich keine so schöne rote abstehende Zöpfe habe.

Wie oft habe ich das gehört. Interessanterweise hat mich noch niemand gefragt, wie es mir mit mir in meinem Leben geht. Vielleicht habe ich mein Selbst gefunden, vielleicht ist eine häufige äußere Wahrnehmung deckungsgleich mit meiner Eigenen, dann scheint es zumindest so, dass ich authentisch geworden bin. Ob ich mich dann darin eingerichtet habe, ist eine ganz andere Sache. Nur wenige Vertraute wissen, dass in Wirklichkeit alles ganz anders ist.

Ob das Internet daher mit zu diesem kleinen, aus meiner Sicht erlesenen Kreis zählen sollte, überlasse ich jedem Einzelnen, darauf eine für ihn gescheite Antwort zu finden. Ich war in der Vergangenheit zu untalentiert, genug richtige Dinge zu tun. Zu groß ist meine Neugier, auch heute noch. Vielleicht tue ich mich deswegen so schwer, für andere Empfehlungen zu geben, weil Vieles für mich ganz andere Bedeutungen und Werte hat. Zumindest hat es den Anschein, dass ich meinen lieben Mitmenschen reichlich Entertainment, in den vergangenen Jahren gegeben habe, zwar auf meine Kosten, aber da man mir auch Egoismus vorhält, bin ich diesen Doublebind gewohnt. Daher:

Schweigen ist das Kommunizieren von morgen.

 

Wort und Totschlag

Sprachen sind ein scharfes Schwert, Worte wirken mächtig. Sie können zu Tränen rühren, liebreizend und im gleichen Atemzug ins Mark erschüttern, brutal und gewalttätig sein. Verbrannte Erde können sie hinterlassen und das Paradies auf Erden sein. Worte sind mächtiger als das Sein. Für manchen ist der magische Moment gar zu schnell vorbei, dann, wenn man kosmischen Momenten hinterhersieht, wie langsam den Sonnenuntergang hinfort-segelnden Schiffen, dann, wenn die zeitenlose Stunde des Wortes gekommen ist, das als Einziges, für ewig und alle Zeiten fortbestehen darf, für ewig in uns und allen kommenden Generationen weiterlebt. Literatur – das wahre Leben.

Sie ist das Bergwerk, meine Mine, in der ich jeden Tag auf Knien hockend nach Buchstaben, Sinn und Worten schürfe. Sie alt und neu kombiniere, manche verbinde, verändere, zu etwas Neuem verwandle und sie nach kurzer Zeit dann doch wieder zurück ins schwarze Loch werfe, um sie weiter reifen zu lassen. Vielleicht ziehe ich sie später ein zweites Mal an Land, baue neue Bilder und Melodien, in der Hoffnung, dass sie magische, oder zumindest angenehme Musik erklingen lassen, die uns leicht und luftig über die Lippen kommt. Oder sperrig, holzig, wie eine verstaubte alte Kiste – schön, anmutig wohlgeformt, oder stachelig, aufwühlend, den ein oder anderen Splitter im Mund hinterlassend.

Es ist eine mühselige Plackerei. Tag für Tag. Manchmal begegnen mir alte Worte, denen ich neue Namen geben muss, da sie sich zu etwas anderem weiterentwickelt haben, ähnlich wie Menschen. Manche sind selbst nach Jahrzehnten die gleichen geblieben, während andere sich verpuppten, um nach anschließender Metamorphose als was anderes erneut auf die Erde zu kommen. Noch mächtiger und zerrüttender sind Unterhaltungen zwischen Menschen. Wenn sich dann zu Worten noch Stimmen, Gesichter, das ganze körpersprachliche Orchester gesellen. Man kann so starke Erdbeben auslösen, dass sich tektonische Platten anheben, Verwerfungen entstehen, Tsunamis und Weltuntergangsstimmung auslösend, dass Menschengruppen, Gemeinden, komplette Regionen, manchmal ganze Völker Verstand, Seele, Geist und Herz verlieren und in menschenverachtende Kriege ziehen, von denen sie hinterher kaum was erinnern.

(Täglich Brot, unschuldig-pfeifend kommst du daher)

Manche sind schnell mit der Hand am Messer. Andere lieben es sich selbst reden zu hören. Nur wenige sind achtsam genug, um mit Worten vorsichtig und bedacht umzugehen, unabhängig der Sprachen die sie sprechen. Im Deutschen jedoch ist jede Wortwahl eine Lotterie, die nicht selten im Fiasko endet. Nahezu unmöglich, jedes Wort sorgfältig, mit Vorsicht zu gebrauchen, wo doch genau das aber vonnöten ist, ist sie doch die präziseste und schärfste Klinge von allen. Habe oft selber unbemerkt genug verwüstete Gärten und Landschaften hinterlassen. Zu unbekümmert war mein Gebrauch. Auf eine Art erscheint es mir heute daher wie eine Art ausgleichende Gerechtigkeit, wenn mir Gleiches widerfährt.

Der Vorteil von Französisch.

Man parliert oberflächlich, ohne oberflächlich zu sein, geschweige unelegant. Sprache der Diplomaten. Mit ihr geht es mir wie auf Kur sein. Sie stresst mich nicht. Es ist nicht schlimm, bei Grammatik und Wortwahl mal daneben zu liegen – ganz anders im Deutschen. Wie sehr wünschte ich mir, dass man diese reiche Sprache viel unsauberer, unkorrekter und mit anderen vermischt sprechen würde, um sie zu einer schmackhaften Melange zu verwandeln, anstatt einander ständig Sträuße scharfer Rasierklingen um die Ohren zu hauen, dass jeder wie ein von Bombensplittern sorgfältig sezierter Infanterist aussieht, der des Abends versucht sich ins abendliche Lazarett zu retten, um über Nacht Wunden zu lecken und am nächsten Tag von Neuem zu beginnen. Vielleicht kann er morgen mehr austeilen, als einstecken. Kriegerische Sprache wilder Herzogtümer des Nordens.

Einer der Gründe, warum ich kaum noch Deutsch spreche, dafür mit wachsender Hingabe schreibe. Zu zerstörerisch die Unterhaltung mit Deutschen. Zu eindrucksvoll ihre Worte. Zu verheerend und groß ihre Krater – ganz nebenbei auch viel zu viele zu’s für mich – zu furchtbar tief ihre Sprengtrichter, gleich schwarzen Löchern, die sie hinterlassen. Schnarrende Stimmen, wütende Visagen. Stählern-säbelnde Beine. Ständig sägende germanische Blutgrätsche. Erobern. Dominieren. Siegen.

Bin nach wenigen Tagen hinüber und springe ins nächstbeste Rettungsboot. Komme mir oft wie in einem Arbeitslager vor, wenn deutscher Materialismus, Kapitalismus, Exzellenzdenken und Effizienzsteigerung mit von der Partie sind. Moderner Gulag für Industrie-Sklaven – furchtbar. Oft langen eine Hand voll Tage. Jeder Tag im Lager braucht einen weiteren zum Erholen. Gelingt mir nur noch außerhalb von Teutonia.

Ähnlich geht es mir mit Englisch. Wenngleich auf weniger greifbare Art und Weise. Zu indirekt und kalt ist sie, als dass sich bei mir was regt. Auf dem ersten Blick mag sie erholend klingen, wäre da nicht immer der aristokratisch-imperialistische Unterton, der sich verstärkt, je dichter der Gegenüber an Großstädten lebt. Was nützt es, wenn man den Dolch nicht sieht, der einen von hinten erwischt? Sprache der Besatzungsmächte. Eigentlich müsste man sie boykottieren. Nützt doch niemandem was, wenn du Weltsprache geworden bist, nur weil du mehr Macht als andere Kirchen hast.

Auf Melodie und Schwingung kommt es an. Das Gesamtpaket zählt. Selbstverständlich kann man auch nicht permanent auf Kur sein – das verschleiert einem den Kopf, lässt einen feudalistisch-barock daher-kommen, ohne dass man‘s merkt. Irgendwann muss man wieder raus aufs offene Meer. Wir müssen in Bewegung bleiben. Keine Ahnung was als Nächstes kommt. Von Stahlhelm, Knobelbecher und Splitterschutzwesten habe ich erst einmal genug.

Santé – à la votre!