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27.Novem-bär – La putain russe – Odyssee 2022

Heute morgen hatte ich ‘ne Eingebung. Ging dabei um Nationen und so. Beim Drübernachdenken fiel mir auf, dass Nationalstolz im Grunde nur für Politiker und Regierungen und so – genau. Wenn man Deutsche und Franzosen fragen würde, was ihnen wirklich wichtig ist, dann vermutlich, dass alles bleibt wie es ist.

Stellen wir uns vor, wir können weiterleben wie wir‘s gewohnt sind,

müsste es uns dann nicht egal sein, zu welchem Land, zu welcher Nation wir gehören? Wenn Sprache, Umgebung alles bleibt wie’s ist, also wirklich alles, dann könnten wir morgen alle Russen sein, ohne dass man einen Unterschied merkte. In Frankreich würde sich lediglich die Reihenfolge der Tricolore ändern.

Selbst die Farben blieben gleich, was will man mehr.

Mit dem GröFaZ hatte man ja schon Erfahrungen gesammelt, wie man nahezu ohne Beschädigungen Paris einnehmen ließ. Lasst Lebenskultur statt Waffen sprechen, wer sagt bei Champagner, gutem Essen und Wein schon nein, noch dazu, wenn Frauen und Musik dich begleiten. Damals hatten die Franzosen den Dreh raus.

Und heute?

Heute würde ich wetten – auch. Man bräuchte seine Armee lediglich in nachlässig-elegante Kleidung mit Schal stecken, ein paar französische Redewendungen und Verhaltensweisen lernen lassen, wie z.Bsp. Rotwein geschickt im Sonnenlicht wälzen und um 12:30 jeden Napf in Frankreich besetzen, schon wäre ganz Frankreich besetzt.

Moment mal, ganz Frankreich?

Ja, ganz genau – ganz Frankreich! Wenn man dann nämlich um 13:00 zuschlägt, ist La France am Futtern und wird sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, bis nicht in aller Ruhe Nachtisch, Käse und Digestif sorgfältig verzehrt und verarbeitet wurden.

Wenn dann Wladimir im Elysee-Palast

eine erste Radio & TV-Ansprache halten könnte, wo er sich Arm in Arm mit Emmanuel zeigt und beide bekanntgeben, dass man sich erfolgreich in Russland integriert hat, weil die Russen im Gegenzug die französische Kultur annehmen, dann könnte man das doch eine gelungene Fusion nennen, oder nicht?

Deutschland würde sich wie von selbst anschließen,

bei der Aussicht, diesen Riesenladen durchoptimieren und organisieren zu dürfen. Allen wäre geholfen. Keine Toten, kein Theater, nur zufriedene satte Gesichter. Die Deutschen würden 100 Jahre brauchen, wenn sie’s überhaupt schaffen, weil die Franzosen mit ihrer Lässigkeit und gutem Wein und Essen den arbeitswütigen Deutschen allen Wind aus den Segeln nähmen.

Welch‘ Traumland wäre dies neue Russland.

Vielleicht könnten wir uns dann durch die Hintertür mit den Ukrainern einigen, dass ganz Europa und Asien halt „Ukrasien“ heißt. Nie wieder Probleme mit Ressourcen und Kultur, geschweige Krieg. Vorausgesetzt, Politiker machen Politik für Menschen und nicht für’s eigene Portemonnaie oder um das Ego zu befriedigen.

Okay – klingt utopisch.

Aber warum nicht, dachte ich mir beim zweiten Café? Na gut, mir ist klar, so einfach wird das vermutlich nicht. In la Trance, pardon – La France – spielen die Elite-Unis eine traditionell große Rolle. Zum Beispiel die École Polytechnique. Deren Motto lautet, Achtung bitte festhalten, jetzt geht sie nämlich los, die wilde Fahrt in die Vergangenheit:

Pour la Patrie, les Sciences, la Gloire

Kann man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Für’s Vaterland, die Wissenschaften und den Ruhm. Na wenn das nichts ist. Da steht nichts von wie zum Beispiel „für die Menschlichkeit, Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit“ Deserteure wurden hüben wie drüben standrechtlich erschossen. Man war Vaterlandsverräter, hat Opa erzählt.

Wen verriet man da eigentlich genau?

Sollte das nicht alles freiwillig sein? Sollte man sich das Land, zu dem man sich hingezogen fühlt nicht freiwillig auswählen können und dürfen? Macht man ja auch beim Partner. Zumindest bei einer Vielzahl von Nationen macht man das noch so. Wenn einer „nein“ sagt, dann eben nicht. Soll er halt weg.- wonaders hin gehen, oder nicht?

Mit „Chers compatriotes……“

Beginnen alle Ansprachen von Manu Macron. Klingt vielleicht irgendwie militärisch, heißt aber, wenn ich mich richtig erinnere, „liebe Landsleute…“. Wen meint er? Alle Franzosen? Vermutlich. Dann meint er mich damit nicht. Ich bin also seiner Ansprache zur Folge, ausgeschlossen, vermutlich so auch einige andere hunderttausende. Warum sagt er nicht „Liebe Bürger und Bewohner von Frankreich…“

Ginge das nicht – auch?

Wählen darf ich auch nicht, egal ob mit oder ohne geänderte Ansprache. Darf man nur als Franzos‘, also mit Pass und so. Dafür muss man aber einen Test machen. Dort wird geprüft, wie gut ich Sprache und Kultur kenne. Was bedeutet, dass, wenn ich sie eben nicht gut genug kenne – im Test durchfalle.

Kommt für mich also nicht in Frage.

Solange man meint, etwas an mir „abprüfen“ zu müssen, wird das nix. Bin lieber ein guter Europäer, als ein guter Franzos‘, was auch immer in diesem Zusammenhang „gut“ bedeutet. Zumindest fühle ich mich eher als Europäer, als irgendetwas anderes, und das nicht nur weil Εὐρώπη im Altgriechischen „Vielfalt“ heißt.

Wie komm‘ ich jetzt vom schweren Thema weg?

Nichts leichter als das. Als guter Franzos‘ der ich angeblich geworden bin, dreht sich alles um Essen und Trinken. Politik, Wirtschaft, Menschenrechte und so stören da nur. Hauptsache lecker futtern und gud‘n Wein. Dann klappt’s irgendwann auch mit umweltfreundlicher Atomkraft, Mülltrennen und menschenfreundlicherer Ansprache.

Bis dahin, vive l’Europe, vive les fêmmes…

6.Novem-bär – Kampf dem Krieg – Odyssee 2022

Mein ältester Kumpel wurde 50; nie macht er Wind um sich; so war uns klar, dass wir was im Hintergrund organisieren mussten; so geschah es; Frau und Freunde machten sich Mühe, was mit ‘ner gelungenen Überraschungsparty gekrönt wurde und ‘nen glücklichen Abschluss für Jubilar und Gäste fand; glänzende Augen und Umarmungen sprachen für sich.

Kurz & nüchtern beschrieben, ist die Geschichte hier zu Ende.

Wer sich beim gemütlichen Schmökern meines Blogs entspannen will, hört an dieser Stelle bitte auf; wer hier auf Zerstreuung und Wohlfühlerlebnisse hofft, der schaltet besser den Fernseher ein und schaut was mit Kai, Jörg, Richard und Markus, für die Mädchen, oder, Barbara, Julia, Bärbel und Florian für die Jungs; halt was Vorhersehbares, dass den Wohlfühlknorpel streichelt

und NICHT belastet.

Wer nach dem Trinken eigener Tränen neugierig geblieben ist, der sei herzlich willkommen, der hat sich alleine dafür schon meine Hochachtung verdient; doch Neugier ist‘n launisches Tier; wenn ich‘n Photo meiner Zahnbürste für den Titel wähle, schlafen Allen die Füße ein; wenn ich stattdessen ‘ne blutige Rasierklinge wähl, sieht die Sache – leider – anders aus.

Ab hier also für Neugierige, Welten-Zerstörer, Mütter & Väter.

Was wär, wenn der Rasenmähermann nebst Gattin – ihr erinnert euch, letzte Woche? – Gast auf der 50-Jahr-Party war? Was, wenn mein „Kurzen-Rasen-und-Fußball-liebender-Nachbar“ nicht der einzige seiner Gattung in der Siedlung ist?

Was wär,

wenn von 50 Gästen, die meisten Männer ähnlich sozial verträgliche Leidenschaften ihr Eigen nennen? Was, wenn Freundinnen und Frauen dieser Inseltalente sich ALLE durch Selbstzündung erleuchten müssen – was dann?

Könnte ein Vierzeiler dem Ganzen gerecht werden?

Als mein Kumpel und ich, wie mit‘m geheimem Festtagsgremium verabredet, gegen 18:00 eintreffen, haben sich fünfzig Freunde und Nachbarn versammelt; üblich an Samstagen in Schleswig-Holstein um die Zeit – man hat’n paar Gläser intus, und somit Vorsprung. Nüchtern ist man in SH schon ausgelassen; wie sind die alkoholisiert?

Einfach – unbeschreiblich.

18:30 – erst einmal Lage peilen: Laute Musik, viel Speis und Trank und Gewissheit zu den TOP 10% in Sachen Einkommen zu zählen; läuft doch, oder; noch dazu physisch wie psychisch gesund, was will man mehr; wie wär‘s mit sozialen Kontakten? Geht man in der Woche noch mal flott abends weg? Zum Beispiel auf‘n schnelles Bier mit Kumpels, oder auf‘n Weißwein mit den Mädels?

Keine Ahnung – vermutlich selten.

Der Hamburger Speckgürtel mit Vierteln wie der Siedlung, kann man auch „bewohnte Friedhöfe“ nennen, auf denen wir unsere alarmgeschützte Existenz mit Alkohol, Netflix und Amazon Prime ersaufen; mentale Hygiene und Erleichterung? Bekommen wir nur auf Fußballplätzen und im Urlaub – oder eben – auf Geburtstagparties.

An jenem Abend trug ich schwarz – auch vom Verhalten.

Beichten gab‘s zwar keine, aber die vielen Geschichten, die ’nen Garten voller Kuriositäten erschaffen, reichlich gewässert von Schnäpsen, Grölereien und Schulterklopfen, wirken wie ein Ventil. 19:00 Uhr, erhitzte Gemüter wetzen Messer.

Themen – Politik und Wirtschaft, gewürzt mit Religion.

Fabelhafter Cocktail, denke ich, hatte ich doch selber schon ein paar Gläser Wein drin und schien nicht mehr völlig nüchtern zu sein, wie ich mir ehrlicherweise gestehen muss, dafür aber mit gehöriger Portion Respekt und Selbstkontrolle bewaffnet. Schnell gab‘s Schuldige.

Südeuropa, wer sonst, all‘n voran Fronkreisch.

Parolen wie „diese faulen Schwaine, die sich‘s mit Teutschlands wirtschaftlicher Hängematte gutgehen lassen…“, gehören zu den harmloseren Faktenchecks; man kannte sich aus; ich war umgeben von Experten; man wisse doch wie‘s laufe; auf Chemtrails wartete ich heute vergeblich; überhaupt der Süden, da hat man ein bequemes Leben und streikt dann noch die

Überreste seiner marodierenden Wirtschaft kaputt.

Oft denk ich an diesem Abend ans „Günther-Phänomen“, an die quietschenden Reifen des Notarztes, an feuchtes Gras, an Wohnmobile und Elektro-SUV’s und verstopfte Rasenmäher, Dachrinnen und Toiletten; viel lerne ich über meine Mitmenschen; welch Inspiration; was gibt’s Schöneres, als gemeinsam an der seelischen Pissrinne zu stehen.

Einfach – wundervoll.

20:00 Uhr; ein schriller Schrei nach Rotwein ruft mich auf‘n Plan; als geleaster Franzose befinden weibliche Gäste, dass ich mich auszukennen habe; los Mundschenk – bringe er Rotwein, aber flott-flott; fix ‘nen Strauß Flaschen aufgezogen, um gierige Mäuler zu tränken; der Rote von Kumpel Jean-Marc verdunstet förmlich in den Gläsern.

21:00 – Männerhände klatschen auf Frauenärsche.

20:25 Glas geht zu Bruch; Musik wird lauter und schneller; man ist bei Elektro angekommen; auch der letzte Mann wechselt auf Havanna-Club-Cola und Gin-Tonic; Frauen beharren auf Wein, neuerdings Roten; Gespräche über Firmen, Menschen, Arbeit und Exfrauen.

Unmöglicher Balance-Akt des Lebens.

Quadratur-des-Kreises; ‘ne Scheißhausmischung von Surrealität und Paradoxien wie Holzeisenbahn, Gesundheitsversorgung, Zwangsverstaatlichung und Bananenbieger. 22:00 – man lacht lauter und rauer.

Ne zweite Buffet-Welle lässt Berge entstehen,

dass der schiefe Turm von Pisa dagegen verblasst; ich denk‘ an Reinhards Song „Schlacht am kalten Büffet“; haben die schon wieder Hunger? Offensichtlich. 22:30 – vorm Klo stehen Frauen Wache, obwohl drinnen ein Schlüssel steckt; 23:00 man schafft Platz, räumt Tische und Bänke weg; Menschen tanzen.

23:30 – muss sitzen, denk ich, also raus auf ‘ne Holzbank.

Endlich weniger Krach; ich schenke Wein nach; Jean-Marc ist ausgetrunken; ein Italiener blendet mich erfolgreich; gerade nipp‘ ich am Glas und denk‘ an Apulien, wo der Tropfen herkommen soll, obwohl er nach

Ahr und Spülmittel schmeckt

als Xerxes und Leonidas mir gegenüber Platz nehmen; ernst und gründlich, spült Leonidas sein‘ Rachen und futtert Salzstangen, um den Itakker gebührend zu kosten. 23:32 – Xerxes lacht schallend laut.

„Völlig sinnlos, außer Don schmeckt hier niemand mehr was…“

Sofort denk ich ans schwarze Loch von Sparta, in den Leonidas im Film „300“ den persischen Kurier hineinbittet; wie‘s heute wohl ausgeht; Xerxes hat‘n ansehnliches Alkohol-Level erreicht, zum Rasenmähermann-Club gehört er nicht.

Leonidas fühlt sich gut,

will / kann aber den ausgeteilten Schwinger an alle nicht stehenlassen; „Du meinst also, dass ich keine Ahnung von…“, Xerxes unterbricht feudal, „Hör doch auf mit dem Scheiß; gar nix schmeckst du; wir können Weine mischen und du würdest nix merken; wir sind alle besoffen…“

Fehdehandschuhe in frisch gemähtem Rasen.

Frieden ist ‘ne komische Sache, so wie Neugier und Gesundheit; man vermisst sie, wenn sie nicht da sind; ich höre Leonidas‘ kämpferische Natur schon zum Angriff schreien „DAS ist Sparta!“ Er wechselt das Wortregister; „Lass uns das beenden und einen schönen Abend haben…“, Xerxes ganz angestachelt, „Was redest du fürn Scheiß? Willst du mich hier etwa als den Bösen….“, Kriege beginnen mit Halbsätzen, denke ich.

23:45 – ziehe mir das Kettenhemd an.

Leonidas rasselt mit dem Schwert; „Langsam gehst du mir auf den Wecker; bis eben war der Abend nett und jetzt wirst du echt….“, Öl löscht am Besten das Feuer, denkt Xerxes „Willst du mich dafür verantwortlich machen? Hör mal wie du mit mir redest…“, Siedepunkt erreicht; bin gespannt, ob Leonidas sich beherrscht, oder sein Schwert für Nichtigkeiten einsetzt.

23:50 – für Sekunden sehen sich die Kontrahenten in die Augen,

sogar auf der Holzbank rutscht man auf Abstand; schlechtes Zeichen; bin sprungbereit, um auf Abstand zu gehen; außer Plastikgabel und Worte trage ich keine Waffen; Leonidas richtet sich feierlich auf; „Sorry, ich gehe; sonst haue ich den Penner hier um…!“, ausgesprochene Drohung, aber er hat die Vernunft siegen lassen – Hut ab.

23:55 – Leonidas ist weg.

Jetzt knöpft der gute Xerxes mich vor; streue verloren aussehende Argumente zur Verschönerung; Xerxes ist nur noch im Sendemodus; gibt noch erstaunlich fiel Unausgesprochenes zu reden; hinter uns beginnt die Nebelmaschine ihr Werk; ein Dutzend Menschen hotten zu Techno ab.

Xerxes lässt nicht locker.

Wortgewaltig donnert er vom Thron herab; „Scheiße, macht ihr mich hier jetzt zum Buhmann? Kann’s nicht glauben, was für‘ne Frechheit; soll dieser Leonidas ruhig wiederkommen, dann kriegt er eine Abreibung, wie er sie noch nie im Leben….“, ich wechsle das Thema, mal schauen, ob das klappt, „Unabhängig von Vielfalt und Allem, schmeckt dir der Wein…?“

Stille – Xerxes grübelt.

Gebannt warte ich auf ‘ne Reaktion, als plötzlich seine Königin am Horizont erscheint und ihn am Schlafittchen packt; wortlos erhebt er sich; feuert ein paar donnernde Blicke auf mich ab; „darüber reden wir noch; ist ne Schweinerei, mich als Bösen abzubügeln!“ Denke wieder an nassen Rasen, der den Nachbarn nicht abhielt, zu tun, was unbedingt zu tun war, obwohl die Natur mit Zaunpfählen winkte.

00:30 – Gäste machen‘s Xerxes und seiner Königin gleich.

Man verabschiedet sich; 6,5h können lang sein, wenn man schnell trinkt und isst; unendliche Weiten können‘s werden, wenn man vom Haben, statt vom Sein redet; avoir et être; zwei Wochen brauche ich um die Party zu verdauen; natürlich kann ich‘n Buch darüber schreiben.

Aber über was denn noch alles?

Antworten habe ich doch auch keine, stattdessen Fragen & Hoffnung, sowie den unbeugsamen Willen NICHT, NIEMALS auf keinen Fall aufzugeben, was auch immer passiert; wir sollten öfter zusammenkommen, vor allen mit Menschen die anders sind als wir selbst; gibt sonst zu wenig Impulse und Inspiration.

Ob ich was vermisse in Frankreich, fragte Xerxes.

Hamburger Kneipen zum Beispiel; in Frankreich gibt’s dafür Bars und Bistros; natürlich ist das Nachtleben anders, aber deswegen bin ich ja da; die Siedlung braucht dringend eins von Beidem; zuhause sitzen macht einsam und unglücklich; manchmal sogar traurig und depressiv, wie Ronja von Rönne und Kurt Krömer schreiben.

Ellenbogenmenschen finde ich anstrengend.

Egal in welchem Land, egal in welcher Sprache; Gemeinsinn scheint heute schwierig, Solidarität auch; Neugier zu kultivieren und pflegen genauso; ich glaube Krieg trägt man vor Allem in sich; kommt er jemals von außen; keine Ahnung; natürlich hat man ’ne Wahl, abgesehen von Angegriffenen; das antike Sparta hielt es mit der Weisheit

„Willst du Frieden, sei bereit für Krieg!“

Seit 2500 Jahren gibt‘s das antike Sparta nicht mehr; Kriege schon; Leonidas hatte die Wahl und zog sich zurück; ein Grund zur Hoffnung, wie ich finde; liegt vielleicht am Charakter und Umgang mit Reichtum; je mehr man besitzt, desto mehr muss man schützen; Menschen zählen nicht dazu; man besitzt sie nicht, auch wenn Manche anderer Ansicht sind.

Menschen gehören ausschließlich und exklusiv nur sich selbst.

„Was ist dir das Wichtigste im Leben?“, fragt Leonidas; ich antworte, „Lebenszeit! Je weniger Eigentum & Besitz ich habe, desto weniger Gedanken mache ich mir dann darüber und desto mehr Zeit ist für Menschen da, mich selbst eingeschlossen“ Kneipen & Bistros sind in Zentraleuropa zwar keine Kirchen,

aber je länger ich drüber nachdenke – eigentlich doch!

14.August – Heureka – Odyssee 2022

Ich schaue aus dem Fenster. Es ist Mittwochabend. Irgendwie sind mir Zeit und Ortungssinn abhandengekommen. Vermutlich ist das der Grund, warum ich zurzeit komisches Zeug träume. Alleine die Sache mit der Irrenanstalt – sehr bedenklich. Und doch fühlt sich alles so echt an – und – ich bleibe schockiert, dass es mir im Traum, der sich wirklich wie keiner anfühlte, völlig egal war!

Ich schaue aus dem Fenster, gieße Roten nach.

Leise nippend lasse ich meine Gedanken von der Leine. Schnell reißen sie in alle Himmelsrichtungen aus. Ich grüble und trinke – Müßiggang mit Wein – das Beste, was‘s im Leben gibt. Ein paar Stunden geht das so. Ich mache Skizzen, schreibe Reime, ein paar Gedanken zum aktuellen Buch. Bald male ich paar natürliche Formen, Tannenzapfen, Bäume, Weinflaschen, Oktopusse und Vaginas.

Es scheint mir gut zu gehen.

Irgendwann schrecke ich hoch, sehe das Löwentor von Mykene, das Theater von Epidauros, sowie die schöne antike Heilungsstätte von Monsieur Asklepios, den man in „Teutonia“ so wunderbar missbraucht, ohne zu wissen, wer er war  und wie man früher wirklich heilte, während ich mir Weißen einschenke, der noch fruchtiger, fetter und komplexer rüberkommt, als Malvasia aus der Sierra Tramuntana – Mallorza.

Mein Wolkenfahrrad fährt mich weiter nach Argos.

Was für ein Hafen! Als die Sonne untergeht, bekomm ich Gänsehaut. Weiter geht‘s nach Argos, dort wo Verzweiflung, Militär, Verzweiflung und Schmutz nie schlafen gehen; ich denke an Henry Miller und sein Buch „Koloss von Maroussi“ und dass es ihm vermutlich ging wie mir; ich drehe Kreise über Drepano, höre Ameisen beim Rülpsen, Adlern beim Furzen zu; nach ‘n paar Runden lande ich und schenke Wein nach – Farbe unbekannt.

Sieht aus wie – Schwarzer.

Dann sitze ich am Meer, in irgendeinem Lokal, vielleicht ‘ne Taverne oder so und esse gegrillten Octopussy mit Humus, dazu hausgemachtes Tzatziki; dazu gibt‘s Weißwein und zu selten Wasser; geht mir wunderpräcjhtig; alles schmeckt großartig, der Wein ist stark, fruchtig und irgendwie schmutzig, so wie ich ihn / sie am liebsten habe.

Wein sind in Hellas – weiblich!

Plötzlich schieße ich hoch. Hektisch seh‘ ich mich um. Wo bin ich? Immer noch am Küchentisch? Ich muss eingenickt sein. Wie aus dem Nichts donnern mir Ideen durch den Kopf; ich greife zum Füller und beginn zu schreiben; es läuft wie verrückt; wenn alles klappt, wird Buch Nummer vier Ende diesen Jahres fertig.

Titel – ungewiss!

Irgendwann vermischen sich Papier, Tastatur, Gedanken, Realität, Wein, Glas, Hände, Gedanken, einfach alles; plötzlich befinde ich mich in einem Bestattunsginstitut; dann vermutlich im Tiefpartérre vom Allgemeinen Krankenhaus Ankona; ein paar Abgedeckte Körper und Särge werden herumgeschoben.

Träume ich das – oder was?

Ein wenig bekomme ich Panik. Ist meine Fantasie entsichert? Oder ist‘s was Anderes? Keine Ahnung: Es läuft weiter, Zeile für Zeile, Wort für Wort, Seite um Seite; irgendwann muss ich den Füller nachtanken; du liebes bisschen, hab ich meinen Kanister mit?

Ich fange an zu suchen, mal hier, mal da…     

7.August – Fortschritt – Odyssee 2022

Langsam öffne ich die Augen. Nach und nach kommen Farben und Formen. Mein Schädel brummt. Züge voller Erinnerungen brausen mir durch den Kopf. Wo bin ich? Immer noch in der Irrenanstalt? Ängstlich setze ich mich auf und sehe mich um. Ich scheine in meiner Wohnung zu sein.

Hab ich das alles – nur geträumt?

Die Zwangsjacke, der Gendarm, die Herren in weiß – alles nur ein Traum? Vorsichtig gehe ich die Treppe runter, schleiche ins Bad und knipse das Licht an. Gott sei Dank ist die geplatzte Scheibe da. Erleichterung macht sich breit, laute Seufzer folgen. Ich schmunzle in mich hinein.

Noch mal Glück gehabt!

Ich schaue aus dem Fenster, wie spät ist es? Mein Smartphone greifend, schaue ich auf die Anzeige – 08:15. Schon wieder ‘ne Schnapszahl, denk ich mir. Ein dreckiges Dutzend pop-up Nachrichten flimmern über den Touchscreen des S-fons. Verärgert leise vor mich hin knurrend wische ich alle weg. Es lodert überall.

Feuer in Europa.

Wälder brennen, Regierungen wie Italien, Russland, Ukraine, Taiwan, China und die USA; Inflationen lassen Preise wie Pilze sprießen; die einen schreien nach Beistand, die anderen flüchten. Nur die Eliten retten den Planeten mit elektrischen Autos und Fahrrädern, Biofutter und Diversity.

Frankreich hat 58 Atomkraftwerke.

Angeblich sind 50% nicht am Netz. Deutschland will seine A-Meiler still-legen, schafft es aber trotzdem Strom nach Frankreich zu liefern. Unsere Welt ist völlig verdreht. Noch dazu erscheint das Meiste absurd zu sein. Doch Moment mal:

Nach Albert Camus – IST – die Welt absurd.

Oder meinte er das menschliche Leben? Natürlich ist‘s nicht das Gleiche. Aber in Wahrheit ist es das – DOCH! Man kann das mathematisch nachweisen. Wenn ich Sinn gleichsetze mit allen Zahlen größer Null, dann folgt daraus, dass Null die Zahl für „Sinn-los“ ist. Alles mit Null multipliziert ergibt – Null.

Natürlich ist dieser Vergleich an den Haaren herbeigezogen.

Aber nicht mehr, als das was ich zurzeit in der Welt beobachte – UND – vermutlich weniger, als jenes vom Latschenträger und jenem haarsträubende Märchen, vom unendlichen Wirtschaftswachstum, an das Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler noch immer – GLAUBEN.

Was ist – FORTSCHRITT?

Interessiert das jemanden? Ich meine im Ernst – auch in meinem Umfeld gibt es einige Menschen, die sich weder für Politik, Wirtschaft noch Umweltschutz interessieren. Von Energie.- und Geldsparen und systematischer Reduzierung, zum Beispiel in Sachen Wohnraum, Fuhrpark usw. ganz zu schweigen. Hier das Zitat eines guten Freundes.

„Die Welt ist mir scheißegal, Hauptsache mir geht’s gut!“

Da weiß man doch, was man hat – guten Abend! Es muss einen Weg geben eine absurde Welt zu einer Besseren zu machen. Schon mein Leben lang befürchte ich, dass Logik, Vernunft und Verstand weder richtige Wege aufzeigen, noch Menschen einladen neue Verhaltensweisen im Alltag auszuprobieren. Vielleicht klappt das nur mit Satire, Kunst und allen möglichen Formen der Provokation.

Vielleicht so:

Obdachlose Männer und Frauen werden Models für‘n Prêt-à-porter in Paris; Behinderte präsentieren das Wetter und werden Nachrichtensprecher*innen; Flüchtlinge machen Werbung für faschistische Parteien.

Dicke Menschen für Diäten.

Dünne für Fastfood; alte Menschen machen Werbung für Särge und Tierfutter. Patriarch Kyrill macht Werbung für Kalaschnikow; der Papst wirbt für den Islam, inklusive Beschneidung. Ungeahnte Möglichkeiten, um für Fortschritt zu werben.

Auf sie mit Gebrüll…