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Nofretete ist im Handel

 

 

 

 

 

Nun ist es soweit – sie ist jetzt für jeden zu haben. Vorbei die Zeit, wo sie nur mir exklusiv zu Füßen lag. Jetzt, wo sie jeder haben kann, fange ich an sie loszulassen. Ich kann nicht sagen, dass es zu viel Zeit war, weil die Dinge ja immer die Zeit brauchen, die sie offensichtlich zum Großwerden gebrauchen, aber es ist nicht weit davon entfernt.

Das mein Verleger die fixe Idee mit den Widmungen hatte, macht es nicht besser – eher im Gegenteil. Er hat damit lediglich dafür gesorgt, dass sich die Zeit der Abnabelung in die Länge zieht – schönen Dank! Bleibt nur zu hoffen, dass seine Rechnung aufgeht – dass wildfremde Menschen die Widmung eines unbekannten Autors für achtenswert, oder gar als reizende Beigabe erachten. Ich selber hab da so meine Zweifel, aber die habe ich ja meistens.

Also, ab sofort ist Nofretete nun im Handel oder bei mir direkt zu erhalten.

 

Leseprobe – Der Kuss der Nofretete –

Mühsam schlepp ich mich hoch. Ständig klebt meine Zunge in meinem vertrockneten Mund fest. Mehrere Male taumle, falle ich hin, raffe mich mühsam auf und schlurfe mit letzter Kraft in die Küche, um das große Fleischermesser zu holen. Lautes Scheppern, Herumwühlen in der Schublade. Menschen können selbst in unmöglichsten Situationen Idioten sein.

„Im Messerblock, du Trottel!“

Hastig kippe ich ihn aus, endlich, da ist es.

„Liegt ganz schön schwer in der Hand.“

Ich halte es kurz ans Licht, drehe es ein wenig hin und her, schaue mir die Spitze an.

„Hab sowas noch nicht gemacht,“, denk ich mir.

Aber heute – jetzt – und hole mit ordentlich Schwung aus!

 

Eisenstürme und Stahlgewitter

Früher fand ich Gerechtigkeit toll, zumindest die in geschriebener Form. An die Andere kann ich mich nicht mehr erinnern. Heute ist sie fast ausgestorben – alle gegen alle, heißt das neue Spiel, in dem alle alles dürfen – vor allem verlieren – entfesselt von der Gier nach Macht und Reichtum – angeheizt durch die Feuer der Globalisierung.

Angefangen hat es, als die Menschen anfingen digital zu plaudern – sie redeten und redeten – über soziale Medien verbreiteten sie ihre Meinungen in Terra-Bytes pro Sekunde – schnell, schneller und breiter als jemals zuvor – erst Nachrichten, dann Entertainment, Bio und Nachhaltigkeit – alles redete von Gerechtigkeit, doch keiner spürte sie – das WAS war in aller Munde – über das WIE dachte niemand nach – warum jedoch die Altersarmut drastisch stieg, insbesondere bei Menschen über 65 in den letzten 10 Jahren um mehr als 60%, interessierte niemand – zumindest nicht die Mächtigen und Jüngeren.

Doch einige leisteten Widerstand.

Sie wollten nicht hinnehmen, dass sie sich nur für andere aufbrauchten, ohne selbst ein wenig den Schnabel benetzen zu können. Sie gründeten Geheimorganisationen – warum noch warten und vor Allem, wie lange noch? Sie waren doch so viele – die Reichen und Mächtigen so Wenige – warum weiter die Knute spüren, wo man alle digitalen Neuzeitwaffen legal besitzen und bedienen durfte?

Doch die Zeit war noch nicht reif.

Sie fingen an, erste Agenten auszubilden. Agenten und einen, der sie hüten sollte. Niemand kannte seinen Namen. Hinter vorgehaltener Hand nannte man ihn –den Schäfer-. Doch wie er aussah und wo er lebte, wusste niemand. Es schien, als würde er ein Gespenst sein – genährt aus den Wünschen und Hoffnungen des Volkes, dessen Durst nach Helden groß wie nie war.

Aber anders als zu früheren Zeiten, blieben sie geduldig.

Unverhohlen geißelten die Mächtigen ihre Völker, zeigten die lachenden Fratzen des Reichtums und der Dekadenz – selten so vereint, feierten sie ihre Imperien und Autokratien, unter den Deckmänteln der Demokratien, nichtsahnend, das ihre Zeit längst abgelaufen war.

Dann endlich war die Zeit gekommen, das Ende der alten Macht-Eliten stand bevor – die Mächtigen und ihre Familien wurden zum Aderlass gebeten – Ende des globalen Matriarchat – ausgeführt, von Menschen, die nicht mehr für Macht und Gold sterben wollten, organisiert von den Frauen der Mächtigen, die nach Jahrzehnten des Wartens ihre Verantwortung an sich rissen – Hüterinnen der Rasse, Amazonen des Zorns, Mütter und Großmütter, dem sinnlosen Sterben jahrhundertelang überdrüssig – sie hatten genug.

Gnadenlos und Unbarmherzig schlugen sie zu. Alle merzten sie aus, gründlich und sorgfältig, wie es nur Frauen können. Keiner kam mit dem Leben davon. von langer Hand geplant, ohne Krach und Lärm, wie der Schnitt mit einem Skalpell – sauber, glatt und endgültig, als hätte es das blutige Gestern nie gegeben.

Fürchtet euch nicht – die Zeit ist gekommen – Widerstand kriecht ans Licht.

Gibt es 2018 die erste literarische Revolution?

Kann man Frühling riechen?