Archiv des Autors: Don Tango

Tod eines Freundes – Odyssee 2021 CW17

02.Mai – Freitag starb ein Freund. Es geschah plötzlich, völlig unverhofft. So ist es vermutlich immer, aber in seinem Fall deswegen unverhofft und blitzartig, weil er erst Mitte vierzig war.

Mein Verhältnis mit dem eigenen Lebensende ist irgendwie – unkompliziert. Ich weiß nicht, wann es ist, deswegen erlebe ich es als etwas, was weit weg zu sein scheint, obwohl ich weiß, dass es ein Trugschluss ist.

Wenn es anderen geschieht – wie meinem Freunden jetzt – erlebe ich es als Schock. Nichts kann ich dagegen unternehmen. Es ist so, als wenn ich um eine Häuserecke gehe und da steht dann mitten in der Straße so ein verfluchter Tyrannosaurus Rex! Nur wenige Meter vor mir. So nah, dass ich sehe, wie sein Atem feinen Sand herumpustet.

Todesstarre nennt man das wohl.

Reg-, sprach- und fassungslos zugleich. Alles zwecklos. Weglaufen, um Hilfe rufen, sich nach gebräuchlichen Schlagwerkzeugen umsehen. Alles Quatsch. Niedergeschlagen fühlte ich mich, so als wenn ich bis dahin glaubte, dass wir ihm irgendwie vielleicht doch hätten entkommen können.

Zwischen seinen Beinen hindurchschlüpfen sehe ich als einzige Chance – doch meine Gedanken verraten mich auch jetzt – immer will ich, das wir ihm entkommen!

Ein Freund aus nächster Nähe rief bei mir an und erzählte es mir. Für den Rest des Tages fühlte ich mich leer und mutlos. Oft dachte ich an seine Frau, seinen Sohn, all seine Freunde – und natürlich ständig an ihn.

Wie hilfsbereit, fröhlich und optimistisch er war. Oft habe ich ihn dafür beneidet. Auch für seine den Menschen zugwandte Art – immer war er ein Lichtblick, im tristen Pessimismus der Menge. Strahlend, fröhlich und mit Charme verband er Menschen über alle sichtbaren und unsichtbaren Grenzen hinweg.

All die Theorien, die vielen Bücher, die ich gelesen hatte, nützten mir wiedermal nichts. Man kann machen was man will, nie wissen wir, in welche Richtung wir uns bewegen. Eher hin, eher weg?

Ist das die Quintessenz des Lebens?

Besteht keine Möglichkeit, dass wir es irgendwie anders handhaben können? Für mich zumindest ist es ein Riesenbetrug, ne Sauerei den die Natur da an uns begeht. So vieles bleibt ungetan. Unmöglich kann es im Sinne der Schöpfung sein. Ist mir egal wie das klingt:

Ich finde den Tod zum Kotzen!

 

Katerstimmung – Odyssee 2021 CW16

25.April – Bin heute mit dickem Kopf aufgewacht. Ist lange her, dass ich nen Kater hatte. Zum Glück ist es nur ein Leichter. Also mehr Katze, als Kater. Bin gestern erst gegen drei im Brausebrand nachhause geradelt. Frisch war es, kein Gendarm weit und breit. Genau das mag ich an Frankeich, nichts wird so richtig ernst genommen, in allen steckt ein Rheinländer.

Man konzentriert sich eben aufs Wesentliche. In Deutschland ist das Maß mit weitem Ärmel nur selten zu finden. Alle sind so sehr mit irgendetwas Sinnvollem beschäftigt, natürlich mit größtem Ernst.

Furchtbar diese Protestanten!

Niemand macht Dinge so aus der Lameng heraus. Alle sind so angestrengt, selbst beim Faulenzen wollen viele noch Höchstleistung bringen, zum Kotzen. In Schleswig-Holstein gibt es am ehesten noch so etwas wie Gelassenheit. Land zwischen den Meeren, vom Meer umschlungen sozusagen. Irgendwie muss das alles anders werden. Einfach so weitermachen wie bisher ist das Einzige, was nicht mehr geht.

Zu viel Schizophrenes leben wir da vor uns hin.

Kunststück, ging ja nach WW2 gezwungener Maßen nur nach oben. Wenn alles platt ist, geht es eben auch nur bergauf. Jetzt nach übe 70 Jahren muss endlich was Neues her. Hat doch längst jeder Teenie das ewige Wachstum als Märchen entlarvt, mal ganz abgesehen von der spannenden Frage nach dem „Warum?“. Wir könnten mal anfangen, mit moralischem Fortschritt in die vernetzte, hoffentlich grünere Zukunft zu schreiten.

Vielleicht verschwinden dann auch all diese merkwürdigen Politiker, die sich wundern, dass wir lebenswichtige Insekten erfolgreich vernichten, weil sie immer noch Insektenvernichtungsmittel bewilligen. Absurde Welt, werde wach, oder besser gesagt: Liebe Bürger Europas, lasst uns mehr Verantwortung übernehmen.

Wir müssen uns auf Gemeinnutzen konzentrieren und Wahrheiten, von Meinungen und Kommentaren trennen. Zurzeit geschieht ja viel in Sachen Verdrehung. Alles wird zurzeit vertauscht und umgedreht. Überall wittern Menschen Verschwörungen. Von der weltumspannenden Eliten-Veschwörung, die uns per Impfung in die Abhängigkeit und dann in die Sklaverei zwingt, bis hin zu Chemtrails, die uns mit Gift bespühen, um uns zu kontolieren und manipulieren.

Warum eigentlich nicht?

Zu vieles wird aus dem Kontext gerissen. Zu viele Menschen verpesten ihren Gedächtnispalast. Meine Empfehlung: Einfach Fernseher abschaffen. Lest wieder gedruckte Bücher. Gibt so viel Tolles. Lernt sprachen, reist herum, trefft Menschen, diskutiert, kocht zusammen, ernährt euch gesund, ausgewogen und endlich fleischärmer; trinkt guten Wein; schlaft lange und gut; genießt Müßiggang, soviel ihr könnt.

Aber vor Allem – genießt euch und euer Leben.

Wahrheit suchen, statt schnödem Marketing hinterherlaufen. Man stelle sich das vor, mit dem Unaussprechlichen aus Braunau. Wie er die Deutschen damals anschrien – „Wollt ihr den totalen Krieg?“ und diese Heinis sagen auch noch „JA!“. Was soll man denn dazu sagen? Habt ihr euch das jemals vorgestellt? Hat irgendjemand sich mit Großeltern darüber unterhalten? Mit Opa vielleicht gesprochen? Krieg ist doch Scheiße.

Man stirbt selbst als Held – nur eben als Zweiter!

Ich meine, wenn man mich fragen würde, so etwas wie – „Wollt ihr den totalen Apéro, ein totales Hitzefrei, den totalen Frieden, die totale Glückseligkeit, Hingabe, Liebe, die totale Weinverkostung, oder den totalen Orgasmus…..“ Okay, einverstanden. Da könnte ich mich mit anfreunden – Ich wohl dabei.

Aber den totalen Krieg? Echt jetzt? Im Ernst?

Ich versuche mir das immer wieder auszumalen – haben die da auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände abgestimmt? Oder zählte man einfach hochgerissene Arme? So nach dem Motto – „Warten Sie, mein Führer, wir zählen noch – so, jetzt haben wir es: Es sind 600.000 tausend hochgerissene JA-Arme.“

Soll ich mir das so ähnlich vorstellen?

„Entschuldigung, mein Führer – wir haben dahinten noch 20 JA-Arme übersehen, es waren Kameraden aus dem GAU-Hintertumpfingen – es sind also in Summe, 600.010 JA-Arme“ Konnte es eventuell so gwesen sein, oder langte dem Unaussprechlichem GröFaZ das einstimmige Gejohle? Hat niemand nachgefragt, was der Unaussprechliche mit „Total“ meinte? Ich meine, total wie, die totale Nassheit von Wasser? Oder totales satt sein? Oder, halt, wartet, ich hab es:

Ich bin manchmal total müde!

Ist es eher so nach dem Motto – „Wollt ihr die totale Müdigkeit?“ Also wollen und suchen nicht, aber haben tue ich sie manchmal, wenn gleich es ja eher was sehr Privates ist. Man ächzt und stöhnt ja nicht im Radio oder Fernsehen, wie total müde man ist – außer, man heißt vielleicht Jan Böhmermann. Also noch mal die Frage:

Wie konnten Menschen damals begeistert „JA“ schreien?

Ich will heute niemanden in Schutz nehmen, das ist irgendwie ja auch nicht mögich, stelt euch mal vor, ihr werdet gefragt, ob ihr den totalen Fernsehabend wollt – ihr antwortet dann mit JA – und beschwerrt euch hinterher, das der TV-Abend zu lang geht und das ihr müde und gelangweilt werdet, wo ihr doch selber dafür gestimmt habt.

Also in Schutz nehmen geht per-se schon mal nicht.

Aber vermutlich hat der unaussprechliche Onkel alle besoffen geredet hat, wahrscheinlich hat er sie in eine Art Massenhypnose hineingesülzt, so ähnlich wie beim Psychologen auf der Coach, wenn er einem helfen will, nachdem man gebeichtet hat, dass man mit fast 50 immer noch Fingernägel kaut, seinen Rotz unbewusst ständig hochzieht, oder Popel unter Tische schmiert, so wie früher als Kind, bis man Jahre später, voller Überraschung in die längst kalten, angetrockneten Kraterlandschaften, an der Tischunterkante greift und sich in Lichtgeschwindigkeit daran erinnert – UND – wie gerne man auch heute noch im Stau, gedankenversunken an den Außen und Innenwänden seiner Nase herumfingert, wie 99% aller Autofahrer. Als noch mal:

„Wollt ihr den totalen Apéro?“

Ich bleibe dabei, ich könnte auf diese Frage mit „JA“ antworten, aber nur temporär begrenzt. Denn selbst mit den besten Kumpels ist man doch nach, sagen wir fünf bis zehn Stunden müde und angetrunken, so wie ich letzte Nacht, oder nicht?

Man macht dann doch nicht einfach weiter, geschweige über Wochen, Monate Jahre. Wie lange ging der WW2 noch? Sechs Jahre, oder? Man kann sich doch auf solch einen langen Apéro unmöglich vorbereiten. Ich kenne meine Limits. So etwas artet ruckzuck in Arbeit aus.

Wir lassen uns offenkundig gerne einseifen.

Ich will mitnichten Spontanität und erquickende Lebendigkeit im Keime ersticken, geschweige verbieten, aber ein klein wenig Abstand, hin und wieder durchatmen und nicht alles gleich wollen, kaufen, glauben und machen, würde erstaunlich viel zum Weltfrieden und Weltklima beitragen.

Nicht nur wegen all dem ganzen Plastik Spielzeug der Kinder, oder den Konsum und Entertainment-Artikeln, mit den wir die Mülldeponien der zweiten und dritten Welt verschönern, weil wir den ganzen Abfall ja nicht bei uns im eigenen Land haben wollen, wie sieht das denn aus? Was sollen im Übrigen auch die Nachbarn dazu sagen?

Nie geht es uns um uns selbst, immer nur darum, was andere denken und hinter unserem Rücken plaudern könnten – welch traurige Zivilisation – lasst uns doch lieber nützliche Dinge mit unseren Mitmenschen machen. Gibt doch so Vieles. Wie wäre es mit Vollbeschäftigung? Weg mit dem ganzen Zertifikat und Urkunden-Unsinn. Jeder kann alles lernen und tun. Jeder ist wertvoll und talentiert, man muss sich nur kümmern – dabei hilft es, wenn man Menschen mag.

Man kann sich nämlich schlecht selbst mögen, wenn man Menschen grundsätzlich doof findet. Wundern braucht man sich dann nämlich nicht, wenn manche ihre Mit-Menschen schlecht behandeln, als ungläubig, gar unwert, minderwertig usw betrachten und verurteilen, oder gar foltern, wo wir doch alle im selben Boot sitzen.

Alle Menschen haben die gleichen Menschenrechte.

Rassen, Ethnien, Kulturen, ja selbst Nationen und ihre Staaten, sind lediglich artifizielle Kreationen, erschaffen von den Menschen, um abzugrenzen und Zughörigkeiten zu erzeugen, fürr die es all so etwas gar nicht bedarf – jetzt ist eine gute Zeit alte Zöpfe abzuschneiden.

Lasst uns beginnen, jetzt – heute!

Die Verschlagerung der Welt – Odyssee 2021 CW15

18.April – Ein weiterer Sonntag. D saß vor seinem Notizbuch und kritzelte ein paar Worte hinein. Ein wenig müde, stützte er dabei den Kopf mit der linken Hand. Hin und wieder blickte er auf und sah dann verträumt in die Ferne. Meistens geschah das, wenn er ins Stocken kam und keine passenden Worte fand. Wenn er weder in Kopf noch Körper welche fand, hoffte er sie am fernen Horizont pflücken zu können. Und so geschah es. Immer flüssiger schoben sich Buchstaben aus seinem Geist – vorsichtig formten sich Worte und Sätze.

„Letzte Nacht endlich wieder gut geschlafen; das es so große Unterschiede geben muss, ärgerlich ist das, vermutlich der Wein; doch er hilft, nicht zu viel zu grübeln; R’s Ausführungen machten mich gestern völlig kirre; das er sich so schnell reinsteigern kann, ein richtiger Selbstzünder; erstaunlich, wie er dann davon schwebte, höher und höher wie ein Papier-Drachen; wer hält eigentlich das Ende seiner Leine?

Wie er über Sprache schwärmte, ist richtig verliebt in Literatur; wenn er sein Gesprochenes mit seiner dazugehörigen Körpersprache in Worte übersetzen könnte, hätten sie ihm schon vor Jahren den Nobelpreis geben müssen; er schreibt wirklich unglaublich, leider nicht beständig genug, ist Tagesform, meint er.

Seine Theorie über die Ver-supermarktung der Welt finde ich großartig.

Menschen würden ausschließlich mit leeren Wagen kommen; nichts könnten sie in Regale zurückstellen, wenn es einmal im Wagen ist, geschweige Sachen von Zuhause mitbingen; spannende Betrachtung.

Seit Jahren haben wir Menschen uns in Konsum-Maschinen verwandelt, ohne zu merken, dass wir Geist und Seele ver-ramschen vegan essen, aber Just-over-the-top Jacken für Kinder kaufen, mit SUV in der Stadt gekauft – wonderfull!

Konsumenten = Neo-Kolonialisierer

Offensichtlich ist den Menschen alles wurscht geworden; reich gewinnt gegen arm; müssen endlich kürzer treten, uns reduzieren, Geld spenden, Konsum stoppen; was bitte ist eigentlich Konsum; wenn man kauft, was man nicht braucht; lassen wir uns lenken, oder kaufen wir bewusst ein? Shoppen als Zerstreuung?

Wenn Grundbedürfnisse gedeckt sind, beginnt Luxus; es ist keine Ver-supermarktung, das wäre lediglich die Umsetzung eines gesellschaftlichen Defektes, eine Art Wohlstandsbeschädigung, die man sich leisten können muss.

Wohlstand = Lebens-ver-schlagerung!

Das ist die wahre Ursache; wir machen Nonsens, wenn wir‘s zu Wohlstand bringen und verramschen Geist und Seele; Wichtiges wird verdrängt, rückt in den Hintergrund, verkommt zur Bedeutungslosigkeit; stattdessen blasen wir Unwichtiges gigantomanisch auf, dass es für uns an Bedeutung wächst, bis wir eines Tages in unserer überdimensionalen Puppenstube erwachen, die wir einst labyrinth-gleich aufbauten.

Um nun den eigenen Minotaurus zu jagen.

Schöne Vorstellung, den Ausgang des selbst-geschaffenen Labyrinths nicht zu finden; eine Art ausgleichende Gerechtigkeit; doch wie dagegen schützen; kein leichtes Unterfangen; jeder will es irgendwann gemütlich haben, aber warum eigentlich?

Zuerst arbeitet man zu viel und dann zu wenig – ewige Disharmonie, dabei ist genug für alle da; also kürzertreten, reduzieren, man muss halt irgendwann beginnen; was nützt einem Geld?

Man kauft gesellschaftlichen Status und ein Stück Menschen-Würde!

Dabei ist Zeit das Wertvollste; können wir uns erfolgreich „zurück-ver-schlagern“? Wie sich reduzieren, ohne moralischen Fortschritt einzubüßen? Wie sagte R so schön, es kommt nicht drauf an, WIE, sondern DAS man sich bewegt.

Zum Glück scheint heute wieder die Sonne.

Gestern war es arschkalt, noch dazu der viele Wind und Regen; gib Acht, dass du nicht selbst ver-schlagerst; gibt genug zu tun; über Wetter reden, ist eher nebensächlich; kümmere dich um dein nächstes Buch; du bist nicht diszipliniert genug; jeden Tag musst du daran arbeiten, zumindest mehrmals pro Woche; lesen und griechisch lernen willst du auch täglich; denk mal darüber nach…….

Okay, aber erst morgen, heute nicht mehr; das sagst du ständig; du bist Weltmeister im Aufschieben; ja und? Jeder ist in Irgendetwas gut, ich eben in Dinge nicht machen; gibt doch so unglaublich viele Dinge, die nicht-gemacht werden müssen, wir sollten daher sofort anfangen, warum also nicht jetzt?“

Und so geschah es. D schenkte sich einen Schluck Rotwein an, legte den Griffel beiseite, freute sich darrüber, dass dies Wort aus dem Griechischen stammt, trank einen ersten Schluck und ging raus auf den Balkon, um sich in die Sonne zu setzen.

Und die griechischen Götter sahen, dass es gut war und auch D fand, dass er seinen Teil dazu beigetrug, so dass auch er sah, dass es gut war – hoffentlich würde es länger anhalten.

Wir werden sehen…..sagten weise Männer……..

Und so sahen sie…

Esel und Prinz – Odyssee 2021 CW14

11.Apil – Nach langer Zeit besuchte der kleine Prinz seinen Freund, den Esel. Wie all die Jahre fand er ihn in seiner kleinen Casita, drunten am Meer, an der Platja. Stahlende Sonne empfang ihn, als der Esel fröhlich von drinnen rief – komm rein, komm rein, es ist offen! – Nachdem sie sich herzlich umarmt hatten, bot der Esel ein Glas Weißwein ein, um gemeinsam anzustoßen.

„Prost, mein Lieber – schön dass du wieder mal vorbeischaust!“

„Ganz meinerseits -zum Wohl!“

Sie tranken einen großen Schluck und freuten sich, nach so vielen Jahren, wieder einander zu begegnen. Nachdem der kleine Prinz sich ein wenig umsah, bemerkte er, wie sehr sich der kleine Stall des Esels verändert hatte.

Überall standen Pflanzen rum, ein paar Vasen mit frischen Schnittblumen prunkten stolz auf einem gläsernen Tisch; auch ihn gab es früher nicht, während der kleine Prinz auch über die vielen Bilder staunte, sowie die vielen Postkarten, bunten Flaschenöffner, Tablettendosen, verschiedene Aschenbecher aus Jade, Granit, Messing und eine große Auswahl von Wanderstöcken und Regenschrimen, die in allen Varianten, Farben und Größen daherkamen.

„Wo hast du denn die vielen Andenken her und vor Allem, wieso bist du hier drinnen, wo draußen so ein schönes Wetter ist?“

„Hast du denn nicht von den gefährlichen Viren gehört, die zur Zeit die Welt da draußen in eine gefährliche Wildnis verwandelt haben?“ Mit offenem Mund stand der kleine Prinz in der bunt geschmückten Casita des Esels und kratzte sich am Kinn.

„Meinst du diese Grippe, von der alle reden?“ Plötzlich fing der Esel zu lachen an, so sehr, dass er sich den Bauch hielt. Nachdem er sich Tränen der Freude aus den Augen wischte, stemmte er stolz die Hufe in die Hüfte und sprach:

„Grippe? Na du machst mir Spaß! Hast du nicht die Nachrichten gehört, wie viele Abertausende Menschen schon gestorben sind? Wie die Fliegen fallen die um, man kommt gar nicht hinterher, sie zu beerdigen, hast du das nicht gehört? Du meine Güte in welcher Welt lebst du denn, kleiner Prinz?“

Ein wenig beschämt blickte der kleine Prinz zu Boden. Er wusste nicht so recht, was er jetzt sagen konnte, entschloss sich jedoch schluss-endlich bei seiner Sicht der Wahrheit zu bleiben.

„Natürlich habe ich davon gehört, aber fliegen nicht ständig irgendwelche Viren in der Luft herum? Also, ich meine heute, jetzt, morgen, aber auch gestern? Willst du denn solange in deiner Casita bleiben, bis jemand Entwarnung ausspricht?“

Schnaubend vor Zorn, scharrte der Esel mit den Hufen und senkte den Kopf, wie ein wilder Stier.

„Es ist gefährlich rauszugehen; ich schütze auch die anderen, wenn ich hier drinnen bleibe…ich bin nicht so gedankenlos und egoistisch, wie du…“

Ohne auf diese Spitze einzugehen, lächelte der kleine Prinz und ging nicht weiter darauf ein, wusste er doch, dass der Esel sehr dickköpfig sein konnte. Stattdessen, nahm er sich vor, ihm ein wenig von seiner Sicht zu vermitteln, denn auch der kleine Prinz wusste von den diesen neuen Viren, die in vielen verantwortungslosen Medien Killer-Viren genannt wurden, weswegen sich der kleine Prinz entschloss, diesem geistigen Gift, keinen Nährboden zu geben.

„Was ist, wenn die Entwarnung nie kommt? Und vor Allem, warum lässt du jemand anderen über deine Freiheit bestimmen? Wie jeder Esel musst auch du hin und wieder raus und frische Luft tanken und dich bewegen; jeden Tag kann dir doch ein Missgeschick geschehen, du kannst einen Fehltritt, unten bei den Klippen machen und stürzt in die tödliche Tiefe.

Auch davor kann dich niemand schützen; ein Risiko, deine Gesundheit zu schwächen hast du doch dein ganzes Leben…“ Auf einmal lächelte der Esel verschlagen, so, als wenn der heilige Gal vor seinen Füßen lag.

„Schau mal, kleiner Prinz; das mag für dich jetzt merkwürdig klingen, aber für Esel wie mich, die schon ihr ganzes Leben draußen waren, ist es eine schöne Abwechslung, jetzt endlich mehr Zeit drinnen verbringen zu können; ich kann mich um meine Inneneinrichtung kümmern, mir endlich Zeit zum Kochen nehmen und endlich mal gründlich aufräumen, so wie ich es seit Jahren schon wollte.

Du glaubst gar nicht, wie befriedigend es sein kann, sich beim Betrachten der vielen Andenken daran zu erinnern, was ich schon alles gesehen habe, ich bin priviligiert, weißt du das eigntlich? Ich habe genug essen und trinken, ein Dach über den Kopf, ein schönes Bett, bin gesund, so werde ich glatt hundert Jahr alt, wenn ich nicht aufpasse…“, worüber sich der Esel kaputt lachte. Nachdenklich sah der kleine Prinz seinen Freund an.

„Dir ist also Sicherheit und Gesundheit wichtiger als Freiheit…?“

„Ja aber natürlich…“ Als der kleine Prinz das hörte fing stattdessen er an zu lachen.

„Dann könntest du ab jetzt den Rest deines Lebens hier verbringen?“

„Aber natürlich, ich habe doch schon alles gsehen…?“

„Und was ist mit den jungen Generationen? Willst du die alle einsperren…?“ Da schwieg der Esel zum ersten Mal und blickte betrübt zu Boden. Seine ganze Freude und Überlegenheit war plötzlich wie verflogen, quasi, als hätte es sie nie gegeben.

„Ich habe Angst…“

„Wovor…?“

„Vor dem Virus und das ich mich anstecke und ganz schnell sterbe…“

„Warum hattest du denn nicht vorher all die Jahre die gleiche Angst, wenn das Leben doch ähnlich gefährlich war…?“

„Keine Ahnung, irgendwie ist mir mein Optimismus abhanden gekommen…“ Da schlang der kleine Prinz seine Arme um den Hals des Esel und umarmte seinen Freund.

„Pass auf, wir beide gehen jetzt zusammen runter ans Meer, so wie früher, du wirst sehen, dass gibt dir Kraft und Zuversicht und im Nu sind deine Sorgen wie weggeblasen; so ein kleines Virus wird doch so einen stolzen Esel wie dich nicht ins Bockshorn jagen, und wenn wir unten sind, suchst du dir etwas Schönes vom Strandgut aus und nimmst es als Andenken mit zu dir in deine Casita…“

Da lächelte der Esel und strahlte über alle vier Backen, dass selbst die Blumen weiter zu wachsen schienen. Gemeinsam trabten sie gemütlich runter ans Wasser, so wie früher und erzählten sich Geschichten von früher und von morgen, weil sie auch schon weitere Pläne für die Tage danach machten…

Und so geschah es…