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Weine, Bücher und Erste-Hilfekasten

Ich mag Wein – nicht das ich ihn brauche, wie die Luft zum Atmen, sicherlich nicht, aber wenn ich ehrlich bin, nicht so weit davon entfernt – natürlich kann ich ohne ihn leben, aber will ich das?

Luxus hat für mich nichts mit Ferrari oder Porsche fahren zu tun, in teurer Architektur zu wohnen und ausgedehnten Cluburlaub zu machen, wenngleich ich mir vorstellen kann, dass das auch Spaß macht – so ist das nicht, aber ich bin von Haus aus sehr wartungsarm und anspruchslos – Luxus ist für mich, zwischen verschiedenen Weinen auswählen zu können und ein Körbchen im Warmen zu haben.

Im Ernst, für mich gibt es nichts Schöneres, als mit einem guten Rotwein und einem spannenden Buch auf dem Sofa zu sein und mich von beiden genüsslich durch den Nachmittag und Abend führen zu lassen. Die Farben variieren je nach Jahreszeit – natürlich trinke ich im Winter weniger Weiß, dafür im Sommer umso mehr – und Rosé ist auch dabei, aber eher Mittags, keine Ahnung warum – manchmal verirrt sich sogar ein Pastis mit dazu – im Grunde ist das Leben doch ein Durchhangeln, von einem Aperitif zum Nächsten – mit ausreichend Essen und Schlaf dazwischen.

Ich hab heute Nachmittag das Muster der Nofretete fertig geprüft und mir dann ein Gläschen gegönnt. Während ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass ich gleich nachschenken möchte, dabei ist es gerade erst 17:00 Uhr – aber was soll ich machen? Wir haben spät Pasta gegessen – zum Mittag muss ich gestehen trinke ich immer Wein, hat für mich auch irgendwie was mit Essenskultur zu tun, finde ich – für mich ist das völlig normal.

Während ich also vom köstlichen Respide trinke, habe ich mir gedacht, ob man nicht auch Bücher mit Wein zusammen verkaufen könnte – so eine Art First-Aid-Kit, oder besser – Late-Afternoon-Pack für Erwachsende, mit Hang zu Kultur, Genuss und Geschmack.

Ich finde das eine schöne Idee – natürlich habe ich nicht genug Wein zuhause, um jetzt jedem Buch eine Flasche beizulegen – ich gebe gerne, so ist das nicht, aber ich besorge mir gerade professionelle Hilfe – (nicht wegen dem Weinkonsum, sondern wegen dem Buch-Marketing) – weswegen ich da nicht mehr so frei schalten und walten kann, wie ich es gewohnt bin und man mir schon mit vielen Stirnrunzeln auf meine komischen Ideen und Fragen geantwortet hat – ich glaube Manches ist schwierig umzusetzen.

Aber ich bin wirklich davon überzeugt, dass eine Sonderserie, mit Wein, vielleicht mit Widmung, eine gute Sache sein müsste – was meint ihr? Würdet ihr das gut finden? Vielleicht sogar aus einer kleinen Liste Wein zum Buch auszusuchen? Ich mein dass Ernst – vielleicht finde ich einen Weinhändler, der die Idee gut findet, der mitmacht – manchmal geht sowas ruck-zuck.

Wenn ihr mir sagen würdet, was ihr ganz ehrlich darüber denkt, würde ich mich sehr freuen – schreibt mir gerne über Facebook, Twitter, oder einfach per email – vielen Dank im Voraus.

Herzlichst,

Don

 

Wörterberge

Zu viele Buchstaben sind in meinem Kopf. Ungeordnet, wie ein Knäul Wolle vorm Spinnen, türmen sich Berge von Buchstaben in ihm auf – sicher, dann und wann kommt was raus, ich bin ja noch kein völlig verkauzter Kommunikationsautist, hoffe ich zumindest, aber es ist wirklich zu viel – die Tür zum Kellerloch zuziehen hilft auch nicht, im Gegenteil – früher oder später, ertrinkt man im Meer der Wörterwogen – in solchen Momenten hilft Tapetenwechsel.

Gestern war ich mal wieder mit Freunden zusammen – Entre deux Mers, wunderschöne Landschaft –umschlungen von Garonne und Dordogne, östlich von Bordeaux, ein kleines Kaff, voller netter schräger Individualisten und Winzer – vor allem Letzteres findet man in Saint Germain du Puch, so wie mein Freund.

Als wir gegen 18:00 Uhr den ersten Aperitif hatten – ein fruchtiger, knackiger Weißwein aus dem Baskenland sollte den Startschuss geben – ahnte ich nicht, wie leicht ich meinen Wörterberg vergessen sollte. Längst schmeckten wir den Atlantik, als sich frische Austern dazugesellten, und wir einen weißen Bordeaux aus dem Ort dazu nachschenkten – doch auch in der Umgebung von Bordeaux wird es irgendwann dunkel – was will man machen – so wie die Farbe der Weine – er hatte seinen neuen 2016er da, sowie eine Vielzahl anderer Flaschen, Jahrgänge und Chateaus, die wir nach kurzer Zeit offen hatten und munter durchprobierten.

Bald schwirrte mir der Kopf vor lauter wohlklingender Namen, die genauso weich und vollmundig waren, wie ihr Geschmack. Als der Maître sich dann an ein Pilz-Omelett machte, hatten wir eine seriöse und ehrbare Menge Weine probiert, sowie unsere Gemüter in Hochform gebracht. Schnell, wie bei der Wahl der Weine, wurden die Themen schwer – auch im Weinparadies, ist man unglücklich über Glyphosat – wieso sprüht man eigentlich Gift über die eigene Nahrung?  – sowie über die weltweit wachsende Anzahl, autokratischer Größen, die unsere weinselige Gesellschaft eher an Geschichtsbücher und Muppet-Show erinnerten, als an demokratische Wirklichkeit, wenngleich die Vergangenheit, kulturell betrachtet, uns wunderschöne Dinge beschert hat.

Eines hat der gestrige Abend auf jeden Fall zu Tage gebracht – das Wein und Bücher irgendwie gut zusammengehen, und das Winzer und Schreiberlinge, zumindest in einem Punkt völlig d’accord sind – nämlich, dass ein munterer Abend, mit Speis und Trank, tatsächlich Leib und Seele zusammenhält und das man nicht alles in der Welt zu ernst nehmen muss – es gibt einfach so vieles nicht zu tun – man muss damit unbedingt anfangen, denn der Berg wächst täglich – genau darum fange ich heute damit an – Müßiggang.