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03.Juli – Kiel – Odyssee 2022

An diesem Wochenende war ich in Kiel und hab ‘nen Kumpel besucht, der mit Freundin dort lebt. Meine Erinnerungen an die Stadt bestanden aus Regen und grauen Betonklötzen. Was ich dann zu sehen bekam hatte nichts mehr mit sechziger Jahre Tristesse zu tun. Wir machten ‘ne flotte Fahrradtour.

Im Hafen lagen dicke Kreuzfahrtschiffe.

Auf der Hafenpromenade wurde getrunken, gegessen und geflirtet. Die Sonne schien, es war wie Urlaub. Ein Partyschiff fuhr vorbei. Laute Musik und schreiende Menschen. Rollerblades, hier und dort, mit und ohne Musik, dazu Radfahrer in Hülle und Fülle. Tätowierungen stolzierten herum. Auf der anderen Seite lagen graue Kriegsschiffe, inklusie U-Boote und dem Stolz der deutschen Marine.

Die Gorch Fock. Hatte man sie nicht ausgemustert?

Das ganze Wochenende super Wetter mit tollem Essen, Weinen und spannenden Gesprächen. Kiel ist heute unglaublich grün und sauber. Vielleicht liegt das an Robert Habeck. Alles ist aufgeräumt und gut organisiert. Menschen halten bei Rot, tragen Fahrradhelme, reden wenig aber laut und verleben ihre Zeit.

Irgendwie kam mir alles unwirklich, wie inszeniert vor.

Ich hatte das Gefühl, auf ‘ner Bühne zu stehen, als wäre alles eine gewaltige Ausstellung. Irgendwo mussten Kameras stehen. Doch ich fand keine. Aber ich spürte, dass etwas Entscheidendes fehlte. So machte ich mich auf die Suche, ohne zu wissen wonach.

Ich weiß nicht was es ist, aber es fehlt in Deutschland.  

Kann sein dass es Alter, oder leben in Südeuropa ist. Oder beides. Ganz offensichtlich jedoch habe ich mich an Dinge gewöhnt, die mir hier fehlen. Später im Restaurant aßen wir vorzüglich. Ein 2016er La Clape ließ unsere Augen leuchten. Gegen zehn kam die Chefin mit der Rechnung und setzte uns vor die Tür. Wenig los heute – sagte sie – wir sind die letzten Gäste, wir möchten Verständnis haben.

Rausschmiss auf Norddeutsch.

Ich glaube es sind Gründlichkeit und Perfektionismus die mich stören. Dadurch bekommen Sachen mehr Bedeutung als Menschen. Schicke coole Gegenstände stehen im Zentrum. Ihre Anschaffung, Pflege und deren Updates geben digitalen Menschen Bedeutung und Sinn. Ein Gefühl von Kontrolle und Macht. Alles ist dann plötzlich wieder sicher, hygienisch, elektrisch und vegan.

Utopia für die einen – Dystopia für mich.

Wahrscheinlich liebe ich deswegen Hellas. Alles ist unfertig, roh und hoffnungslos. Daran kann man verzweifeln. Ausblenden ist aber auch keine Lösung. Es bedeutet Ablenkung vom Wesentlichen. Kann nett sein, besonders mit gutem Essen und Wein.

Auf dem Rückweg dann noch mal dicke Pötte.

Mittlerweile sind Kreuzschiffe umweltfreundlich geworden, sieh einer an, dachte ich so bei mir. Keine Ahnung wie die das machen. Bestimmt mit Solar, oder Brennstoffzellen und so Zeugs. Wieviel Müll die wohl produzieren. Wo landet der eigentlich? Noch dazu die vielen Toiletten.

Wo landen tonnenweise Scheiße und Pisse?

Sammelt man die in Tanks? Mich jedenfalls bringt niemand auf eine schwimmende Stadt. Überhaupt war das Wochenende irritierend. Dabei kann ich nicht mal sagen warum. Vielleicht ist es diese Leere, die ich überall spüre. Ich kann nicht mal sagen, ob sie draußen, oder in mir ist.

Wie könnte ich?

Alles was ich weiß ist, dass es Dienstag zurück nach Toulouse geht. Darauf freue ich mich. Morgen ein letztes Mal norddeutsche Sachlichkeit. Ich meine das ganz neutral. Bauhaus war auch mal der letzte Schrei. Vermutlich ist es fehlende Lieblichkeit.

Am Ende dreht sich alles um die Sonne…   

29.Mai – Chinaski in Athen – Odyssee 2022

Gestern 10:40 – Ankunft Toulouse. Die Sonne brennt; kein Problem, dank 3-wetter TABS. Während des Flugs spürte ich, wie Athen an mir zog. Aus’m vollen Gallop stieß mich diese nimmersatte Großstadt-Hure vom Pferd und bohrte mir ihre brennende Lanze ins Herz. Das war’s. Ausgespielt. Game over!

Hatte keinen Zweck es zu leugnen – ich musste da bald wieder hin.

Mehr. Öfter. Warum nicht für – immer? Dieser Rhythmus, die Farben, Düfte, Menschen, die antike Vergangenheit und dann diese f***ing Sprache! Um sich da wohlzufühlen und nicht im Strom des Kosmos unterzugehen, muss man bereit für’s intensive Leben sein. Für Dornfelder-Freunde ist das nix; wenn man sich aber am Gesäuge eines fetten Côtes-du-Rhônes labt, gar festsaugt, wird es dich in der Luft zerreißen.

So wie mich!

Eine Woche leben wie Hank Chinaski, lautete meine Devise. Nahezu blitzartig zuhause fühlte ich mich. Auch die zwei Monate Hellas-Intensiv-Online-Kurs haben ihren Teil dazu beigetragen. Zwar sind kleine Alltagsphrasen noch nicht aktiv nutzbar, aber ich verstehe deutlich mehr. So schmolz ich dahin in diesem Hornissen-Nest.

Schon bildeten sich erste Lokal-Rituale.

Kaum hatte ich mich in meinem Turm eingerichtet, sortierte ich mich flott. Ich hatte ‘nen Supermarkt vor der Haustür. Passender Name – Bazar. Na das konnte was werden, freute ich mich; flott runter-gerauscht, Maske auf und los gings. „Gia-sas..!“, grüßte ich die Frauen an den Kassen und ihren Türsteher; einmal Athen-Standard; griechischer Kilo-Pott Joghurt, Gurken und reichlich Rosé- und Rotwein. Dazu Olivenöl, kretisches Knäckebrot, Honig, Salat und ’nen Sack Tomaten.

Mehr braucht es nicht.

Freundliches zahlen anner Kasse; alles rein in meine Plastiktüten gestopft, fühlte mich tatsächlich wie Hank. Kaum hatte ich alles verstaut, wetzte ich wieder runter und streunte durch die Straßen. Gierig wie ein grauschnäuziger Cocker-Spaniel, der den Duft einer läufigen Hündin in die Nase bekam, schnüffelte ich an Allem, was mir vor die Schnauze kam.

Hier gibt’s Alles und noch mehr.

Cafés, Tavernas und einen großen Sack Armut. Meine Güte, da kommt was auf uns zu, dachte ich. Früher oder später wird’s uns zerlegen. Hier gibt es alles flott und zack-zack auf die Hand. Fressen auf die Faust und Espresso freddo to go, die hellenische moderne Café-Alternative zum klassischen Mocka,

den Kumpel Ede – Gruselkaffee nennt.

Bald vergrößerte ich meinen Radius. Rauf aufs Moped und ab durch die Hecke. Meine Güte, dieser Verkehr – ich kam aus’m Lachen, Grinsen und Kopfschütteln nicht raus. Wie großartig – es erinnerte an‘ne Mischung aus Bangkok und Rom. Gnadenlos zischte es auf meiner Haut, als mir die antike Mega-City ihr Zeichen auf den Pelz brannte.

Ich ließ sie gewähren.

Schnell bin ich im Flow der Stadt und lass mich wie Treibgut, ziellos, mal hier und dort hinspülen. Wundervoll. Noch dazu das Licht. Angelos Straßen-Café ist im Grunde ‘ne Art Bauchladen, den er aus ‘nem Gebäude heraus betreibt; Chapeau, er macht den besten Espresso-Freddo XL der Stadt – UND

lässt dazu geilen Elektro laufen.

Aber am Besten ist, dass sein Laden am Schambein von Athen steht. So wie das Goldfisch-Glas inner Schanze von Hamburg. Hier findet Leben nicht nur statt: Hier operieren die griechischen Götter höchstpersönlich am Herzen des Lebens rum, während wir ihnen dabei zusehen, selber Teil davon sind, weil es nämlich – Unseres ist! Man ist schockiert und fasziniert zugleich:

Alda – was hier abgeht!

So sind wir Menschen? Wow! Nach meinem Morgencafé – das Frühstück kommt immer davor und besteht aus Joghurt und Honig – geht’s rauf auf meinen Gaul und weiter; entweder gibt’s meine Akropolis-Kontrollrunde, oder was mit Kultur – so wie z.Bsp. das Lykeion von meinem Kumpel Aristotels: danach schreiben, gefolgt von lesen; gegen 15:00 Uhr leichtes Mittag, bestehend aus Tomaten, Olivenöl, Basilikum und Kreten-Brot, mit Rosé. Dann Schiesta – mindestens ’ne Stunde.

Zweite Schicht – schreiben, dann wieder lesen.

Chinaski hatte Recht. Wenn man sich nicht genügend bewegt und am Leben abarbeitet, fühlst du dich nach ein paar Tagen wie ein durchgeladenes Insekt; dann läufst du Gefahr onanierend und sabbernd im Bett zu liegen; bei permanenter Reizüberflutung, hohen Temperaturen, den Wogen halbnackter Brüste, die BH-los vor der Nase rumhopsen, hilft nur nachschenken oder Hand anlegen.

Oder – BEIDES!

21:00 Uhr. Meine zweite Schicht ist beendet; ich belohne mich mit Wein. Diesmal Roten. Stark und schmutzig muss er für mich sein, so wie das Leben. Dann je nachdem, was mein ‘tite creux sagt, gibt’s Abendessen – jedoch nie vor 22:00 Uhr. Streetfoodmäßig ist Athen ein Paradies.

Hier gibt’s alles Mögliche auf die Faust – außer Wurst.

Gekocht und geschrieben wird in der Küche, wo sonst. Nach getaner Arbeit geht’s ab auf die Terrasse; dort wartet ein bequemer Stuhl, mit weicher Auflage; und damit ich ein Gefühl für die Rituale alter Männer bekomme – in Wahrheit ist es die Hitze, die einem Klamotten vom Körper reißt – renne ich in Unterhosen rum.

Einfach großartig!

Und damit alles seine Richtigkeit hat, liegt auf der Auflage ein Handtuch; daneben steht ein Glastisch, mit meinem Wein; zwischen mir und dem gegenüberliegenden Häuserblock rauscht der Strom des Wahnsinn vorbei; hin und wieder brechen sich seine Wellen an den Eingangsstufen der unzähligen Frisöre, Shops, Tabakläden, Mini-Supermärkte und Drogerien, sowie IT- und Spirituosenläden.

Seit ich mich drauf eingelassen hab, ist ‘ne unbekannte Tür aufgegangen.

In kurzen Hosen und T-Shirt durch diese Stadt zu brettern, lässt dich wie ein Eroberer fühlen; du wunderst dich über jeden Meter, noch am Leben zu sein – vielleicht ist das die Magie von Athen. Am letzten Tag Apéro mit Savvas. Drei Stunden Schlaf blieben auch in Athen kurz, dachte ich mir, als ich mein Motorrad-Topcase am Toulouser Airport öffne und den Helm aufsetze.

„Ist hier mein zuhause….?“,

fragte ich mich. Gab’s so ein Gefühl noch in mir, das sich nach nostaligischen Gefühle wie Heimat, oder Dergleichen anfühlt? Oder war’s mittlerweile ein und das Selbe? Wie lange würd es anhalten? Konnte ich mir wirklich vorstellen nach Athen zu gehen? Oder war ich über den Punkt hinaus, dass es ein „Ankommen“ wie Kumpel Ede es nennt,

für mich nicht mehr funktioniert?

Wurden wir wieder Nomaden, so wie früher? Digitale Wanderer zwischen den Welten? Keine Ahnung. In Toulouse anzukommen fühlte sich jedenfalls immer noch gut und richtig an – nur das zählte.

Alles andere wussten nur die griechischen Götter…

Anm. d. Redaktion: TABS = Temperatur-Autonome-Bermuda-Shorts

01.Mai – Anleitung für Nationalisten – Odyssee 2022

„Vive la France – vive la République!“

„Deutschland den Deutschen!“

„America First!“

Sowas sind auffällige Krankheitsmerkmale und typische Motto’s (Motten ist nicht das Plural) und Beispiele für Nationalismus und nationalistische Wahlsprüche. Wie versprochen, kommt heute deswegen das „under construction“ befindliche Handbuch für „Anti-Nationalismus“ – von Komikern auch kurz „RAF4.0“ genannt. Weil Menschlichkeit und Solidarität auf‘m blauen Erdball fehlen, ließ sich die königliche Universität zu Satrup leicht einladen, ein gemeinsames Handbuch zu entwerfen.

Heute gibt’s erste Auszüge davon, mit konkreten Anleitungen!

Zuerst einmal ist Nationalismus per-se nix Schlechtes, solange sich die gesamte planetare Menschheit als EINE Nation sieht, die sich für den Kampf gegen Klingonen, Borgs und ähnliches Ausländergesocks wappnet. Sobald jedoch kleine oder große Gruppen, vom gefährlichen „Nationalismus-Virus“ befallenene – NATIONEN – sobald so eine Gruppe / Nation meint, besser als beispielsweise „die im Süden / Westen / Osten oder jene im Westen oder weiß der Kuckuck wo“ zu sein,

haben wir ein ernstes Problem!

Gut ist in solchen Fällen, dass diese „Gedankliche Verirrung und geistige Kontamination“ nicht die gesamte Gruppe / Nation befällt, mag sie groß oder klein sein. Daher kann sich diese Gruppe selber heilen, so dass sie verschwindet, sich auflöst, bis nichts mehr von ihr übrig bleibt, als eine süffisante, meist ein wenig romantisch verklärte Erinnerung. Und genau hierzu, dient unser Handbuch:

Zurrr Selbstheilung!

Wir – die königliche Universität zu Satrup und ich – empfehlen also Folgendes: Nehmt euch eine Frau / Mann aus‘m Ausland; zwei oder drei sind noch besser, wenn eure Nation vom christlichen Glauben heimgesucht wurde; (Anmerk.d.Redaktion: Euch = Männer & Frauen! Für Frauen gilt natürliches Gleiches); seit ihr selber blond, groß, blauäugig, noch dazu zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl und wendig wie die Wiesel,

empfehlen wir, euer Gegenteil zu suchen.

Deutsche sollten sich alleine schon aus Gründen der völkischen Gesundung mit Türken, Griechen, Syrern oder Iranern kreuzen; wenn ihr gerade keine dieser ausgesprochen gut passenden Menschen am Start habt, dann geht in der Not auch eins der preiswerten spanischen oder französischen Modelle. Seit ihr groß und schlank, wählt eine kleine und dicke Variante.

Wenn ihr dann gemeinsame Kinder habt,

nennt sie nicht Attila, Thor, Odin, Dirk, Thomas, Lothar Helga, Leni, Melanie, Christina, Julia, Nadja oder Sissi; besser sind Namen, wie Xanthipe, Euredike, Eleni, Fili oder Sofia; wählt Namen aus einem dritten Land; ein frandeutsches Paar sollte für ‘ne gute Balance zum Beispiel griechische Namen vergeben. Auch ist im Alltag dringend geraten, alle nationalen Rituale gezielt zu unterwandern. Statt Samstags zum Baumarkt fahren, sowie an Wochenenden eure vielen Autos waschen, empfehlen wir spätestens um 12 Mittags

den ersten Apéro einzunehmen – gerne mit Freunden!

Seit faul, genießt Müßiggang so oft und viel ihr könnt. Ihr werdet sehen, viele lassen sich davon anstecken; in Wahrheit wollen alle das Leben genießen, statt unter der Last barbarischer Malocherei stöhnen; ihr könnt euch denken, dass es beim Essen munter weiter geht; serviert euren Freunden Patta-Negra, statt Rauchkatenschinken; Tapas, statt Leberwurstbrot; Austern statt Heringsbrötchen; statt kistenweise Bier, besser

Kartonweise Wein trinken – versteht ihr?

Kommen wir zu euren Höhlen und deren Einrichtungen. Statt Viehbrock empfehlen wir was Südeuropäisches, wenn’s schon neu sein soll. Fincas haben sich im Süden bewährt; da es wärmer wird, empfiehlt sich vorauszudenken; keine Produkte von Ikea, sowie andere Wegwerfmöbel; nehmt Dinge vom Sperrmüll, oder kauft alte Sachen vom Flohmarkt;

was bereits 50 Jahre gehalten hat, wird euch locker überleben,

wenn ihr keine ungelösten mentalen Probleme habt, die sich in weit verbreiteten Dekorations-Psychosen entladen. (Anm.d.Redakt.: Sucht zur ständigen Renovierung). Volkswagen war gestern; kauft gebrauchte Auto’s aus dem Süden / Osten; statt 70.000€ für Premiumfahrzeuge wie Volkswagen Tuareg oder Audi A6 Kombi zu zahlen,

wo ne halbe Tonne neuwertiger Industrie-Schrott drin ist,

der euch bei jedem Starkregen zur nächsten Blitz-Inspektion zwingt, empfehlen wir ’nen günstigen Dacia, der 10 Mille kostet, den ihr aber locker 10 Jahre fahrt, bevor ihn euch in den Garten als Gewächshaus stellt; wenn ihr all diese Dinge beherzigt, werdet ihr euch erfolgreich in eine anti-nationalistische Zelle verwandeln, die Menschen animiert, selber tolle neue Ideen zu erschafen. Wie zum Beispiel, bei der nächsten Wahl,

maximal schlecht für die Nation wählen.

Ihr lebt in einem düsteren Industriestaat? Keine Sorge, nichts leichter als das – siehe oben – und wählt Parteien, die NICHT mit der Industrie kollaborieren, sondern ihnen stattdessen den grünen umweltfreundlichen Daumen aufzwingen; bei Fußballweltmeisterschaften lohnt es sich, für den Gegner und nie für die eigene befallene Gruppe / Nation zu sein – passt aber auf, wie und wo ihr’s macht.

Wir empfehlen, das Umfeld vorher sorgfältig zu studieren!

In einer Fankurve, mit lauter Blut- und Nationalstolz durchzogenem Fanclubs, empfehlen wir Vorsicht. Ladet stattdessen Freunde ein, die ihr mit eurer antizyklischen Begeisterung anstecken könnt; erfindet das Menschsein neu, indem ihr Parolen wie „Deutschland den Türken“, oder „Frankreich den Algeriern“ oder „Italien den Polen“ und „Spanien den Portugiesen“ ruft und mit Spraydosen an öffentliche Gebäude sprüht. Bei den täglichen, apéro-geschwängerten Unterhaltungen gilt:

Handelt entgegengesetzt zur Umgebung!

In Deutschland redet man laut, bis man mit steigendem Bierpegel lauthals „Sieg heil!“ schreit; redet daher ausgesucht höflich und leise; macht intelligente subtile, statt platte und sexistische Witze; seit höflich, statt polterig; hört zu statt weg; schmeißt euren Fernseher raus und lest stattdessen Bücher; kauft den Kindern Laubsägen, statt Playstation; wenn ihr diese ersten einfachen und basischen Regeln beherzigt, werdet ihr sehen, wie sich muffig riechender Nationalismus von selbst ins nächstbeste Museum befördert. Und noch einmal, weil es sooo schön ist:

Müßiggang, statt geregelter Maloche, mit schwitzendem Antlitz!

Von den griechischen Göttern, bis ins späte europäische Bürgertum des 19ten Jahrhundert, galt Müßiggang als höchstes Gut; faul sein bedeutet, kulturell auf der Höhe zu sein; worin besteht der Trick, 40 – 60 Stunden zu arbeiten, um sich dann Wegwerfprodukte zu kaufen?

Eben!

Also – reduziert eure Geldausgaben bis zum Maximum; die wertvollsten Dinge kosten kein Geld; lasst euch nicht von arbeitswütigen Protestanten dominieren; Martin Luther war durch und durch Politiker, der dem Volk, mit der Macht der Kirche, die Arbeit aufzwang – was für ein Arschloch!

Zum Kotzen, wie wir nichts dazulernen, oder?

Ab heute gibt’s keine Ausreden mehr; es gibt so viel „Nicht-zu-tun“, ihr müsst sofort anfangen; warum nicht heute, am Tag der Arbeit – was meint ihr? In diesem Sinne, herzliche Grüße an euch alle und

viel Erfolg & Spaß beim Kampf gegen Arbeitswut und unsinnigem Aktionismus,

Santé & Proust!

24.April – Anti-Nationalismus – Odyssee 2022

„Ich will Präsident werden!“, schrien die Kandidaten. Aus acht oder neun Compatrioten, gefühlt waren es hundert, wählte das deutsche Volk, pardon, die Franzosen der fünften Republik zwei potentielle Endlösungen, um ihr lebendiges Museum und ihre Geschichte in der Gegenwart zu bewahren. Manu bevorzugt ‘ne Wiederholung von 2017 – Marine von 1933.

Menschen lieben Wiederholungen.

Oder lassen sie‘s sich sagen, was sie gut finden sollen? Woher wissen wir, wie alles in Wahrheit ist? Wenn ich denke, ich bin besser als andere, bin ich dann ein guter Christ? Wenn ich denke, meine Nation ist besser als ne andere und dominiere sie, im Stil von Kolonien, oder Lohndumping oder ziehe in ‘nen Krieg, um zu siegen – was macht man mit solchen Heinis?

Was, wenn viele Nationen so sind?

Denken US-Amerikaner nicht ähnlich wie Russen, Chinesen, Franzosen, Spanier und Deutsche, das SIE nun wirklich die Besten und Wertvollsten sind? Haben die alten Perser nicht schon Gleiches behauptet, wie Alexander der Große, Cäsar und andere vorher und nachher? Wesen einer Rasse sollten einander achten, oder nicht? Wenn das Recht des Stärkeren die Oberhand behält und die Vernunft verliert – wie sieht dann unser Dasein aus?

(Boah – welch langweiliges Thema…)

Ein sehr, sagen wir mal – pessimistisches Werk – hat der Philosoph Oswald Spengler geschrieben. „Untergang des Abendlandes“ heißt es. Da ich aber weder Wiederholungen, noch ernste Themen mag, noch dazu solche, die meinen die Zukunft zu kennen, mache ich es, wie die Kinder im Malort von Arno Stern: Ich male einfach drauflos,

gerade so wie‘s mir gefällt!

Neulich kam mir ne existenzielle Frage hoch – im Februar war’s; ich diskutierte ich mit Freunden. Die These geht so: Sind südeuropäische Alkoholiker, unser Fokus lag hier ganz eindeutig auf Südfrankreich, glücklichere Alkis, im Vergleich zu Nordeuropäiern, Beispiel Hamburg? Ist DAS nicht eine wissenschaftliche Studie wert?

Aber sowas von!

Warum trinkt man? Um zu vergessen, um das Leben zu ertragen, oder weil man den leckeren roten Spanier, Italiener oder Côte-du-Rhone gern hat, weil gut schmeckt? Ist Trauer und Frust der Grund, oder Genuss, gar Müßiggang? Und welchen Einfluss haben Arbeit, Essen und Sonne? Was treibt uns an, den Arbeitsalltag zu überstehen? Ist es „die gute Arbeit“ die ich leiste, oder die Vorfreude auf den nächsten Apéro – also die „Nichtarbeit? Wo verdammt noch mal kommt diese Arbeitshuldigung her?

Ich befürchte der Luther Martin war’s!

Wusste ich’s doch. Die Protestanten waren‘s, die uns diesen Mist eingebrockt haben – Büßen, Pflichten ausüben, um Gottesgnade usw. sonst drohen Apokalypse und Hölle….klingt für mich wie eine weitere Wiederholung; schon in der Antike musste man aufpassen, dass einem nicht die Götter zürnten; heute gibt’s stattdessen das Endspiel „arm gegen reich“, was auch eine Wiederholung ist; wenn sich alles im Leben wiederholt, warum nicht wieder Bud Spencer Filme gucken, dazu gute Weine trinken und den ganzen Tag im Frotteehausanzug rumrennen und am Mittelmeer wohnen?

Warum nicht….?

Also statt barmherziger Christ, bin ich lieber Nihilist und Müßiggänger, als Gipfel der menschlicher Schöpfung. Klingt das nicht vernünftig? Man ahnt, warum sich nach 70 Jahren Avignon-Verirrungen, Päpste und Vatikanstaat wieder im Herzen Italiens niederließen…ihr seht? Egal wohin ihr geht, nichts als Wiederholungen…

Nächstes Mal gibt’s dann die Anleitung für Anti-Nationalismus – versprochen!