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7.August – Fortschritt – Odyssee 2022

Langsam öffne ich die Augen. Nach und nach kommen Farben und Formen. Mein Schädel brummt. Züge voller Erinnerungen brausen mir durch den Kopf. Wo bin ich? Immer noch in der Irrenanstalt? Ängstlich setze ich mich auf und sehe mich um. Ich scheine in meiner Wohnung zu sein.

Hab ich das alles – nur geträumt?

Die Zwangsjacke, der Gendarm, die Herren in weiß – alles nur ein Traum? Vorsichtig gehe ich die Treppe runter, schleiche ins Bad und knipse das Licht an. Gott sei Dank ist die geplatzte Scheibe da. Erleichterung macht sich breit, laute Seufzer folgen. Ich schmunzle in mich hinein.

Noch mal Glück gehabt!

Ich schaue aus dem Fenster, wie spät ist es? Mein Smartphone greifend, schaue ich auf die Anzeige – 08:15. Schon wieder ‘ne Schnapszahl, denk ich mir. Ein dreckiges Dutzend pop-up Nachrichten flimmern über den Touchscreen des S-fons. Verärgert leise vor mich hin knurrend wische ich alle weg. Es lodert überall.

Feuer in Europa.

Wälder brennen, Regierungen wie Italien, Russland, Ukraine, Taiwan, China und die USA; Inflationen lassen Preise wie Pilze sprießen; die einen schreien nach Beistand, die anderen flüchten. Nur die Eliten retten den Planeten mit elektrischen Autos und Fahrrädern, Biofutter und Diversity.

Frankreich hat 58 Atomkraftwerke.

Angeblich sind 50% nicht am Netz. Deutschland will seine A-Meiler still-legen, schafft es aber trotzdem Strom nach Frankreich zu liefern. Unsere Welt ist völlig verdreht. Noch dazu erscheint das Meiste absurd zu sein. Doch Moment mal:

Nach Albert Camus – IST – die Welt absurd.

Oder meinte er das menschliche Leben? Natürlich ist‘s nicht das Gleiche. Aber in Wahrheit ist es das – DOCH! Man kann das mathematisch nachweisen. Wenn ich Sinn gleichsetze mit allen Zahlen größer Null, dann folgt daraus, dass Null die Zahl für „Sinn-los“ ist. Alles mit Null multipliziert ergibt – Null.

Natürlich ist dieser Vergleich an den Haaren herbeigezogen.

Aber nicht mehr, als das was ich zurzeit in der Welt beobachte – UND – vermutlich weniger, als jenes vom Latschenträger und jenem haarsträubende Märchen, vom unendlichen Wirtschaftswachstum, an das Ökonomen und Wirtschaftswissenschaftler noch immer – GLAUBEN.

Was ist – FORTSCHRITT?

Interessiert das jemanden? Ich meine im Ernst – auch in meinem Umfeld gibt es einige Menschen, die sich weder für Politik, Wirtschaft noch Umweltschutz interessieren. Von Energie.- und Geldsparen und systematischer Reduzierung, zum Beispiel in Sachen Wohnraum, Fuhrpark usw. ganz zu schweigen. Hier das Zitat eines guten Freundes.

„Die Welt ist mir scheißegal, Hauptsache mir geht’s gut!“

Da weiß man doch, was man hat – guten Abend! Es muss einen Weg geben eine absurde Welt zu einer Besseren zu machen. Schon mein Leben lang befürchte ich, dass Logik, Vernunft und Verstand weder richtige Wege aufzeigen, noch Menschen einladen neue Verhaltensweisen im Alltag auszuprobieren. Vielleicht klappt das nur mit Satire, Kunst und allen möglichen Formen der Provokation.

Vielleicht so:

Obdachlose Männer und Frauen werden Models für‘n Prêt-à-porter in Paris; Behinderte präsentieren das Wetter und werden Nachrichtensprecher*innen; Flüchtlinge machen Werbung für faschistische Parteien.

Dicke Menschen für Diäten.

Dünne für Fastfood; alte Menschen machen Werbung für Särge und Tierfutter. Patriarch Kyrill macht Werbung für Kalaschnikow; der Papst wirbt für den Islam, inklusive Beschneidung. Ungeahnte Möglichkeiten, um für Fortschritt zu werben.

Auf sie mit Gebrüll…

12.Juni – das Bad des Hades – Odyssee 2022

Nach langer Planung besuchte ich meinen Kumpel Pierre-André. Für mich ist PA in Wahrheit Druide. Offiziell ist er Winzer und lebt bei Langon, genauer gesagt in Toulenne. Wenn er sich nicht um Wein kümmert, kocht oder trinkt, oder beides zugleich, liest er die Zukunft aus Knochen, Eingeweiden eines Kaninchens, oder von den Schenkeln seiner Freundin. Letzteres hat mich auch immer interessiert; oft habe ich mich versucht,

gefunden habe ich meistens was anderes.

Es liegt daran, dass ich leicht abgelenkt bin, besonders wenn Frauen im Spiel sind; hier sind PA und ich uns sehr ähnlich. Schon vor Jahren vermutete ich, dass er in Wahrheit der Präsident des Universums sein müsste, natürlich ohne davon zu wissen;

solche Ämter bekommt man verliehen.

Diesmal fand ich nicht nur Indizien, sondern echte Beweise. An diesem Wochenende lernte ich die Wahrheit über ihn. Es gehen nämlich nicht nur die griechischen Götter bei PA ein und aus, nein, es ist viel beeindruckender. Sein Haus ist der Beweis dafür, dass die Milchstraße schon vor Jahren implodierte!

Sie krempelte ihr Innerstes nach außen – und umgekehrt.

Seit dem Zeitpunkt, befindet sich die Milchstraße im Haus von Piérre-André. Ganz erstaunlich wie ich finde ist dabei, dass es vor den Augen von Hawking und all den anderen Wissenschaftlern passierte. Als ich gestern sein Haus betrat, da geschah es. Ich spürte es sofort. Ein unaufhaltsamer Sog, wie ich ihn nur von schwarzen Löchern kenne.

Doch das war es nicht.

Je länger ich grübelte, erinnerte es mich mehr ans Verbrennen durch’ne Supernova, wenn sie sich aufbläht und man verschlungen wird. Gegenüber vom Eingang thronte der viel zu große Kamin, vor dessen Feuer ein aufgespießtes Kaninchen seine Runden drehte; zur Linken prunkte eine mächtige Anrichte. Hier erlebte ich das Gleiche. Kaum sah ich genauer hin, gab’s einen weiteren Strudel. Wohin ich auch sah, überall wuchsen neue Welten und Milchstraßen.

Und alles direkt vor meinen Augen.

Ein paar Türen der Anrichte hatten kleine Fenster, aus den weitere Planeten neugierig herausschielten. Auch Flaschen und Gläser standen dort, viele halbvoll, vor langer Zeit geöffnet, nicht ganz ausgetrunken, für später weggestellt, es mochte Jahre her sein; ein beachtlicher Berg Tabletten und jegliche Form von Medizin, die man PA verschrieben,

die er jedoch nie eingenommen hatte.

Eine nicht minder eindrucksvolle Auswahl Werkzeuge, Feuerzeuge, Aschenbecher, Rechnungen, Bücher und ein meine ganze Anerkennung und Aufmerksamkeit auf sich ziehender Vorratskarton Kondome, der Bordellbesitzer*innen in der gesamten Galaxis

feuchte Augen geschenkt hätte.

Schon dieser Kosmos verschlang mich mit Haut und Haaren. Nie würde ich hier wieder wegkommen, soviel stand fest. Doch das war längst nicht alles. Irgendwann musste ich aufs Klo. Auf dem Weg dahin, durchschritt ich auf leisen Sohlen die Küche, um nicht die gewaltigen Berge Töpfe, Pfannen Gemüsereste beim Plausch aufzuschrecken,

deren Gesprächs-Takt ein stetig tropfender Wasserhahn gab,

der wie ein galaktisches Metronom unendlich weit und tief klang; erfolgreich, ohne Aufsehen zu erwecken und Wegzoll zahlen zu müssen, passierte ich diesen Isthmus, der mich beim Durchschreiten an ein Wurmloch erinnerte, in dem die Zeit still steht.

Endlich bin stehe ich vor der Tür vom WC.

Langsam öffnete ich die Tür. Ein elegisch-schummriges Licht glomm darin, obwohl keine Lampe brannte. Noch ahnte ich nicht, welchen großen Schritt ich für die Menschheit wagte. Vorsichtig schob ich mich hinein, aus mir unbekannten Gründen war ich sprungbereit. Endlich traute ich mich und knipste Licht an. Beim Aufblitzen zuckte ich zusammen, gefolgt von Stöhnen:

„Oh mein Gott….!“,

entfuhr es mir. Denn ich stand im Bad des Hades. Ihr kennt ihn, jenen einen Moment im Leben, der Alles ändert. Nun kam er zu mir. Jener stumpfe totenbleiche Spiegel, in dem sich schon die gesamte Unterwelt rasiert hatte lächelte wie aus anderen Welten; eine unzählbare Menge Tassen, Gläser und Tuben breiteten sich hier unaufhaltsam

wie die Wüste Gobi aus.

PA scheint jede Woche ’ne neue Zahnbürsten zu verwenden, bei den vielen Sträußen, die in bunt bedruckten Senfgläsern das Bad bewachen. Gewaltige Berge Cremes und Shampoos warten auf Benutzung oder Entsorgung; kein Zweifel, jede seiner Freundin bestand auf ihre eigene Pflegeserie; war dies alleine schon eine Fahrt in der kosmischen Achterbahn, entschied ich mich glücklicherweise doch dafür,

kein genaueres Auge zur Dusche zu werfen.

Ein aus hellblauer Keramik geschmiedetes Tor ließ all meine Hoffnungen und Ängste wahr werden: Hier stand ich nun – einsam und alleine vor der Pforte zum Tartaros. Und dieser Moment ließ mich erzittern. Wie hätte ich mich auf diese unbeschreibliche Unterwelt hätte setzen können? Mit zitternder Hand klappte ich die Brille hoch und versuchte meinen Reißverschluss zu öffnen – vergeblich.

Vor diesem gähnenden Schacht gab alles klein bei.

Doch wie entstand dies Kunstwerk? War es ein Akt des Zufalls, bei dem Musen und Götter nachhalfen? Hatte PA ein klares Bild im Kopf, an dem er aktiv drauf hin arbeitete? Oder entstand alles aus reinem Zufall, was bedeuten musste, dass des Künstlers Botschaften und Anliegen, mit dem Werk selbst mitwuchsen und sich so

zu einem unsterblichen Gesamtwerk aufschwangen?

Das Bad des Hades verlässt du als anderer Mensch. Das änderte sich auch nicht, als PA zum Abend hin nach ausgiebiger Siesta, die bei größeren Weinmengen wichtig sind, eine zweite Genusswelle aus „Trüffel-Eier-Champignon-Suppe“ sowie wild gewachsene Jacobsmuscheln über uns zusammenbrechen ließ, was seinen Gipfel in einem Côte du Boeuf fand.

PA wissendes Lächeln setzte Allem die Krone auf.

Wusste er mehr als er preisgab? Vermutlich. War es wichtig, ob er Winzer, Druide, Magier, Präsident des Universums, Künstler, Frauenheld, Vagabund oder mit den Göttern im Bunde war? Nein. Sein Universum, seine Zeit mit mir zu teilen, noch dazu mit solchen Speisen und Weinen zeichnet wahre Freundschaft aus. Sie bleibt Motor des Universums und macht

ehrerbietend andächtig…

Konvertierung – Odyssee 2022 CW06

06.Februar – Das is’ne dicke Krise, sag ich euch! Natürlich spreche ich von der Kirche, genauer gesagt von der Römisch-Katholischen. Jede Woche wächst deren dunkler Schatten, man darf sich zu Recht fragen, wieviel Licht in Zukunft übrig bleibt. Früher hat die Inquisition Hexen und Ketzer auf Scheiterhaufen verbrannt – heute unterschlagen sie uns, der immer noch christlich gläubigen Öffentlichkeit – aus Reue vermutlich, die völlige transparente Berichterstattung über

ihre schmutzigen Fehltritte.

Mit Werten wie Wahrheit und Gerechtigkeit kann man sich flott an diesem Thema abarbeiten. Wenn man sich dazu die Vergangenheit von Avignon als Papstresidenz auf der Zunge zergehen lässt, mit den dazugehörigen bald hundert jährigen Machtkampf der Kardinäle und ihrer tollkühnen Doppel-Päpste, dann kann man als kritischer Bürger, welcher Nation man in Europa auch immer anhängig ist, schnell den Eindruck bekommen, dass es um Macht und Ansehen geht und nicht so sehr um die Ausübung einer Religion. Es lohnt sich jedenfalls, wie ich finde, daran zu denken, wenn man, die nächste, hoffentlich gewaltfreie

Oblate in den Mund gesteckt bekommt.

All diese Aufregung, um ein paar tausend misshandelter Knaben, also wirklich; ist doch keiner gestorben von denen; was aber ist mit den vielen Frauen im Orient, im Nahen Osten? Hat man da nicht noch die Todesstrafe, inklusive Steinigung und so? Sind Frauen dort eventuell trotzdem glücklicher als Christen das wahrhaben wollen? Auch den Sklaven im alten Griechenland sagte man ein hohes Maß an Stolz nach – angeblich ging es den meisten ganz anständig. Es wird weiterhin schwierig bleiben, Zeitzeugen zu befragen. Soviel steht glaube ich fest: Anderen Menschen eigene Kulturen aufzuzwingen, dürfte zu allen

Menschenzeiten nichts Faires gewesen sein.

Wenn ich mir diese ganze Vergangenheits-Soße reinziehe, noch dazu die heute aufgewendete Energie in Sachen Gleichberechtigung, dass wir Frauen-Quoten für Damen in Führungspositionen erwägen, vielleicht in Grundgesetze gießen, dann sollten wir parallel eine wirksame Gegenbewegung lostreten. So wie damals der Konter-Papst in Avignon, könnte ein weiblicher Ajatollah in Paris sitzen, quasi als Konter-Islam, zum traditionellem Islam,

wär das nichts?

Lasst uns über einen Rollentausch nachdenken und ihn mit dem klassischen Modell vergleichen. Wir könnten eine Mischung aus Beidem haben – versuchsweise. Klassisch islamische Paare, die wir bei der Familiengründung begleiten und das dazugehörige Gegenmodell. Und nach ein paar Jahren setzen wir uns wieder zusammen. Auch die knappen 700 Jahre Vorsprung der Christen sind unfair. Wenn alle Christen Mohammedaner wären, gäbe es keine Konflikte mehr zwischen

Christen und Islamisten.

Da die christliche Kirche gerade in einer fetten Krise steckt, über Jahrhunderte, bis in die heutige Zeit sich geheime, dafür 100%ig physisch-reale gay-porn-mäßige Sexringe gehalten hat, inklusive passiver und aktiver Vertuschungsarbeit hoher Amt- und Würdenträger, bis hinauf zum emeritierten lieben Papst Joseph Ratzinger, wenn man die Berichterstattung der Wochenzeitung „Die Zeit“ mitverfolgt, dann erscheint es ein günstiger Moment zu sein,

ein neues Zeitalter des Islam einzuläuten.

Und wir sollten bewusst in Frankreich beginnen, nicht nur, weil hier einige Wunden noch frisch sind, sondern weil man schon die Nazis erfolgreich mit Champus, gutem Essen und l’Amour tu jour umarmte; meiner geschätzten fünften und vermutlich bald sechsten Republik, dürfte dies Husarenstück gelingen; stellt euch nur vor – Notre Dame de Paris als Moschee; kommt uns diese Initiative nicht wie gelegen, wo sie sich sowieso  im Wiederaufbau befindet? Wäre doch fair, ein wahrer Versöhnungsakt mit der Hagia Sophia in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Seht ihr? Kaiser Konstantin und Erdogan waren ihrer Zeit weit voraus!

Haben wir nicht im April Präsidentenwahl in Frankreich? Jetzt scheint mir der perfekte Zeitpunkt zu sein, dass wir Männer einen Schritt zurücktreten, nach Jahrtausenden der Kriege und Machtspielereien. Lasst und ein neues Zeitalter des Friedens durch das Matriarchat ausrufen, unter der Führung eines weiblichen Ayatollahs, die gleichzeitig politische Führerin, sprich Präsidentin von Frankreich ist, quasi eine Art geschichtlicher Ausgleich zum erduldeten Leid, unter der Schreckensherrschaft des Feudal-Patriarchat von Rom, das am Ende nur bewies, dass es unschuldige Menschen verbrennen, sowie Knaben-Swingerclubs unterhielt,

alles unterm Denkmantel vermeintlich braver Gottesdiener.

Lasst uns konvertieren, zum neuen Islam 2.0 – wo man zwischen zwei verschiedenen weltoffenen Modellen wählen kann – Patriarchat versus Matriarchat – in anderen Worten, zwischen dem klassischem Modell wählt – also Mann= Chef, der arbeitet, Frau=Küche & Kinder – oder umgekehrt, Frau=Chefin die arbeitet, Mann=Küche & Kinder – um endlich die Ungerechtigkeiten der zweitausend Jahre Dominanz der christlichen Kirche auszugleichen und dem Vatikan in der Zwischenzeit Raum für einen Neustart zu geben,

Geld und Zeit hat man ja…

Wär das nichts? Mir gefällt die Idee, besonders, in Frankreich zu beginnen. Ich würde mich sogar als Gegen-Ajatollah zur Wahl aufstellen lassen, als Gegengewicht, um meinen älteren Mitbewohnern ein wenig die Furcht vor der anstehenden Konvertierung, sowie vor der Wahl des ersten und obersten weiblichen Chief-Ajatollahs zu nehmen, und um ihnen gleichzeitig die Augen zu öffnen, dass dies neue System allen Männern erlaubte, direkt ohne täglichen Umweg der Arbeit zum Apéro kommen zu können,

während die Frauen unterwegs sind und für uns alle malochen…

Freiheit und Demokratie unter den Toten – Odyssee 2020 CW04

Man fragt sich manchmal, wer hat eigentlich wen entfesselt. Manch einer glaubt einer Verschwörung auf der Spur zu sein. Wieder andere machen ohne nachzudenken uhrwerkgleich weiter – wird so schlimm nicht sein, wird so schlimm nicht……doch die Wahrheit ist düsterer und leuchtender zugleich. Werte und Begrifflichkeiten wurden seit Jahrhunderten verdreht angewendet, ohne dass wir es merkten.

Und überhaupt, was ist zu tun, wenn sich die Menschheit transformiert? Wie handeln, wenn Nationen und Regierungen nicht mehr Schritt halten? Warum handeln, wenn ungefragte Informationen und Angebote auf mich einprasseln? Ich, das Individuum, bin die kleinste Zelle des Staates. Was ist mein Wille? Was sind meine Werte und Bedürfnisse?

Digitalisierung, die permanente Verfügbarkeitsmachung von Informationen und Wissen verwandelt mich und mein Leben zu anarchischer Autonomie und radikaler Umkehr. Nicht Politiker, NGO’s oder Religionen geben roten Linien vor – ich selbst muss es tun, wenn eigenes Leben mein innigster Wunsch ist.

Mache ich mich nicht auf den Weg – zählen Freiheit und Demokratie bereits zu den Toten, der globalen Digitalen Revolution, gehenkt, guillotiniert von mir, dem wahren Verantwortlichen. Alles beginnt mit Bedeutung, Inhalt und Werten. Was bedeutet heute Demokratie? Was Apokalypse? Was ist ihr Ursprung und was ihre Bedeutung, damals? Richtig, etwas gänzlich anderes.

Wenn sich Begriffe und Inhalte wandeln, tut es auch die Bedeutung? Apokalypse ist heute eher etwas Düsteres – ich kenne nicht viele, die sich eine Wünschen – dabei heißt es ursprünglich lediglich „Offenbarung“ oder „Neu-Beginn“ – ich für meinen Teil finde das ganz gut.

Was bedeutet Freiheit für mich? Und wie will ich leben? In der Tat, ist eine solche Frage nur jenen stellbar, die volle Kühlschränke haben – kämpfen wir um‘s Überleben, haben wir andere Sorgen, weswegen wir dann eher im Schlaf philosophieren. Womit will ich meine Zeit verbringen? Immer wieder landen wir an Sinn-Kreuzungen, mit den vielen abgehenden Straßen, Wegen und Boulevards. Ständig schauen wir auf die Anderen und vergleichen. Brauchen wir sie, um zu wissen wer wir sind und was wir wollen? Ja, nein – die Klasse? Oder eher keine Ahnung?

Für mich ist die Digitalisierung eine großartige Sache, weil sie mich täglich daran erinnert, erst Plattfüße zu flicken, bevor ich über neue Stoffbezüge für Autositze nachdenke – ist wie das Murmelspiel, wähle nach Bedeutung und beginne mit den Größten – niemals umgekehrt. Was das mit dem Tot von Freiheit und Demokratie zu tun hat? Alles. Beide sind aus der Mode. Wer denkt an sie, wenn er überall Highspeed-Internet hat?

Gestern habe ich eine „Manga-Tee-Stube“ gesehen. Das ist ein Ort, der wie ein Comic aussieht, indem es Tee und Internet gibt. Ich war neugierig und ging rein. Der Laden war brechend voll, doch drinnen herrschte Totenstille. Nur die klickenden Finger auf Tasten hörte ich. Tee-Haus voller Einsamer Seelen. Ich fand das so gespenstisch, dass ich schnurstracks rausrannte.

Ich kapierte es nicht. Selbst nach verzweifeltem Grübeln kam ich nicht dahinter. Ganz sicher wird es mir jemand erzählen und erklären, ich muss nur auf sie oder ihn warten, mehr nicht. Ungeduldig bin ich nicht, nur neugierig, denn ich kann mir keinen Reim darauf machen, warum ich in eine „Manga-Tee-Stube“ gehe. Wenn ich Manga mag, habe ich vermutlich meine Bude so eingerichtet. Internet und Tee gibt es dort auch. Wenn ich mit niemandem reden will und kann, wieso gehe ich dann dahin? Es nagt wirklich an mir, ähnlich, wie wenn ich einen Baumarkt betrete und ein Werkzeug sehe, dessen Funktion ich nicht kenne.

Freiheit bedeutet für mich unter anderem, neugierig sein zu dürfen und sie befriedigen zu können. Demokratie, dass alle Bewohner (nein, nicht Staatsbürger – aus meiner Sicht wird es so etwas wie Staatsbürgerschaft bald nicht mehr geben, wozu auch?) die Regierung wählen, die sie aus einer Auswahl von mindestens vier Parteien auswählten. Frankreich und die USA sind nach meiner Definition keine Demokratien mehr, da sie nur zwei Gruppen haben, dessen Führung ausschließlich aus Kindern besteht, dessen Eltern Geschwister sind. Und zwischen zwei Extremwerten zu pendeln macht noch keine Demokratie, ganz besonders nicht in den USA.

Auch glaube ich, dass es gar nicht so viele stört, dass Freiheit und Demokratie gestorben sind, weil niemand sie in den letzten Jahren genutzt hat. So ähnlich wie‘n Pool-Besitzer, der selber kaum, seine Freunde dafür umso mehr darin schwimmen. Nimmt man ihm das Planschbecken weg, fehlt es meist kaum. Oft herrscht mehr Erleichterung, als Verlust. Wirklich fürchten tun alle nur den Tod. Also, nicht den Tod der Demokratie oder Freiheit, sondern den einzig wahren und echten, sprich den Eigenen.

Über die anderen plappert man so leicht daher. In Wahrheit hat man keine Ahnung, von Tragweite & Wucht eines Satzes wie, „Demokratie und Freiheit sind tot!“, weil die Bedeutung genauso wenig gefasst wird, weil sie ähnlich ungeheuerlich ist, wie die Brände in Australien, der Trumpismus, sowie die ewigen Einmischungen im Krisenherd-Nahost, inklusive aller Kriege, weshalb man in Deutschland einfach den Sportteil aufschlägt und solange liest, bis die Bayern im Chor grölen „Mir san mir“. Zum Abend schenkt man nach und legt sich mit vollem Bauch ins wohlig-warme Bett, nimmt seinen Partner in und nicht auf den Arm und segelt in den Sonnenuntergang.

Klingt doch alles ganz gemütlich, oder nicht? Fehlt was? Kommt mir jetzt nicht mit solchen abgehalfterten Begriffen, wie Moral und Ethik, gar Verantwortung und Vernunft.

Die Friday-4-Future Bewegungen sind gerade dabei großen Firmen rote Karten zu zeigen. Finde ich gut. Wenn es Regierungen, Politiker und Konsumenten nicht tun, bleiben ja nicht mehr viele übrig, oder? Man kann sich halt schlecht doppelt-indirekt an fragwürdigen Geschäften beteiligen, ohne einen roten Kopf zu bekommen. Das wäre so ähnlich, wie wenn ich in einem katholischen, vom Zölibat regierten Kloster, Kondomautomaten aufstelle und damit gutes Geld verdiene und mich wundere, wenn einer den Finger hebt, weil Nächstenliebe vor langer Zeit mal sehr weh getan hat.

Und aufarbeiten von Dingen bedeutet nicht, einen Report von neutral Beauftragten anfertigen zu lassen, wenn man am Status Quo nichts ändert. Schwarz-Weiß Bilder zu schauen, ohne Mechanismen zu verstehen nennt man schlicht Unterhaltung oder Entertainment – von Aufklärung kann keine Rede sein. Man darf sich halt nicht wundern, wenn bei mangelnder Sonne und Zuneigung alles braun und sumpfig wird – man muss sich lediglich fragen, warum das so ist.

Ursachen-Forschung ist ein wichtiger Schritt, wenn man den Tod von Demokratie und Freiheit aufklären, oder gar zu verhindern versucht. Bei Reanimation hat mir ein Arzt letztens erzählt, dass man alles und jeden reanimieren kann – ist alles nur eine Frage von Zeit und Temperatur – das leuchtet, wie ich finde, jedem ein.

Man kann beide aber auch einfach ausstopfen, für den Fall, wenn man ihren langsamen Tod verschlafen, weil man gerade UEFA-Cup gesehen hat. Im Museum sind beide bestimmt eine Attraktion, neben all den Dinosauriern. Vielleicht ist das ihre Bestimmung. Man hat dann auch viel weniger Aufwand. Man stelle sich vor, man würde sich einen ausgewachsenen Tyrannosaurus Rex halten – wieviel der frisst, was für einen Auslauf der bräuchte, nicht auszudenken. Nein, nein – ausstopfen, ich denke das ist der smarteste Weg. Ausstopfen und Werbung über social Media machen……….