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Zeit ist Geld – Teil 2. Die Lehman Brüder

Am 15.September ist es zehn Jahre her – LehmanBrothers desaströse Pleite, die über 600 Milliarden US-Dollar verbrannte; angeblich spricht man von über zwanzig Billionen Gesamtschaden, inklusive aller kollateralen Auswirkungen; mich hat es damals umgehauen, ja wirklich. Nicht so sehr die Sache selbst, eher die Hintergründe. Ich meine, ich bin Laie; weder habe ich in Stanford Ökonomie, noch in Harvard irgendetwas wie Recht, Philosophie und Ähnlichem studiert, dass mich als Fachmann und Experten ausweisen würde, um so eine komplexe Sache verstehen zu können.

Was das Ganze aber für eine Kettenreaktion auslöste, bis hin zur Euro-Krise, die letztendlich unsere armen Griechen pleitegehen ließ, weil wir dusseligen Europäer nicht den Schneid, nicht genug Pflichtbewusstsein und Brüderlichkeit empfangen, um als eingeschworene Familie aufzutreten, das hat mich damals tief bewegt, nein, viel mehr noch: Es hat mich bis ins Mark getroffen!

Wieso komm ich eigentlich auf dies unangenehme Thema?

Heute morgen wachte ich mit einem flauen Gefühl im Magen auf; mein Bauch sagt mir nämlich voraus, dass sich das ganze wiederholen wird. Aber diesmal mit größeren Auswirkungen – und davor, muss ich ganz ehrlich sagen, habe ich Angst. Dabei bin ich eigentlich Optimist durch und durch. So schlecht konnte es mir noch nie gehen, dass ich nicht irgendwo Licht gesehen habe. Egal, ob es späte Zahlungen meines Verlags waren, die unbezahlte Mieten wie Wirbelschleppen nach sich zogen; mochten es Streitereien mit Freundinnen oder Trennungen sein, irgendwie ging es doch immer weiter, oder?

Und diesmal?

Viel zu lange schon reden Politiker herum, ohne etwas zu bewegen, bis am Ende wieder alle mit dem Rücken zur Wand stehen und es zu Volksaufständen, mit Bürgerkriegspotential kommt, weil das letzte bisschen Rest-Vertrauen, sowie Jobs und Vermögen der Rentenkassen verzockt werden, was letztendlich wieder das Volk ausbaden wird, wie immer schon und zu allen Zeiten.

Nein, ich bin kein Kommunist, wirklich nicht, aber die Rücksichtslosigkeit und Egomanie, wie sich die Gier nach Geld und Macht, wie eine Pandemie über den gesamten Globus ausgebreitet hat, völlig unabhängig, ob es sich dabei um China, Russland, den USA oder sonst wen handelt, macht mich letztendlich sprachlos.

Zum allerersten Mal in meinem Leben, fange ich an zu resignieren, denn aus dem Desaster hat in Wahrheit niemand gelernt. Tatsächlich hat weder die Politik, noch der Markt dafür gesorgt, dass wir endlich doppelte Böden und Netze eingezogen haben, um Volkswirtschaften und ihre Familien zu schützen, vor der blinden Wachstumsgier der Kapital-Märkte und all jenen, die daran still mitverdienen.

Die wachsenden Bilanzen und Bruttosozialprodukte machen keine Aussage über das Ausmaß der neuen Kreditblase, die genauso platzen wird, wie jede Blase zuvor und danach. Es ist auch nicht anders möglich, jeder Gärtner kapiert es. Warum es Ökonomen und Wirtschaftsexperten nicht begreifen, bleibt mir auf ewig ein Rätsel, wo es doch so offensichtlich ist:

Wachstum ist endlich!

Egal welchen Organismus du dir genauer ansiehst, oder untersuchst; sie haben alle eine natürliche Grenze, was Größe und Lebensdauer angeht; selbst Mammutbäume wachsen nicht ewig in die Höhe; auch Olivenbäume leben nicht ewig – alles hat seine eigenen natürlichen Grenzen, so wie jeder Wochenmarkt, oder globale Kapitalmarkt.

Wie es weiterhin möglich ist, dass man surrealen und fantastischen Wirtschaftsprognosen Glauben schenkt und man sie nicht als billige Fantasy-Romane mit geringen Auflagen verramscht, ist so absurd, dass es einem den Atem verschlägt.

Auch diesmal geht der Weltmarkt wieder der gleichen gewöhnlichen Fatamorgana auf den Leim. Niemand will die Signale wahrhaben, die man schon seit vielen Monaten sehen kann. Lasst uns daher noch die Stille vor dem Sturm genießen, die uns für kurze Zeit vergessen lässt, dass wir uns schon morgen in einer alles vertilgenden glutsengenden Wüste befinden werden, die jeden Organismus verbrennt, der nicht mit tiefen Wurzeln und nem dicken Fell gesegnet ist.

Diesmal wird ein Feuersturm losgehen, wie noch keiner zurvor und das, obwohl ich nicht mal Hiob heiße. ein ausgewachsener globaler Wirtschaftskrieg – doch bis es soweit ist, werde ich weiter Côte de Boeuf essen und Minervois dazu trinken – Santé!

 

Zeit ist Geld – Teil1

Es ist Sonntag. Langsam erhebe ich mich und schlurfe vorsichtig aus dem Schlafzimmer. Ich stehe vor dem Spiegel, wieder fühle ich mich älter.

„Scheiße, wieder ein Wochenende ohne Zwischenfälle!“, murmle ich vor mich hin.

Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob ich unvorhergesehene Abwechslung oder dahinplätschernde Monotonie mehr genieße. Ich weiß es einfach nicht. Vermutlich machen wir Menschen einfach irgendwas, ohne sich darüber tiefgreifende Gedanken zu Machen, nicht wahr? Sollten wir etwa? Oder ist es besser, wie es ist?

Ich schaue aus dem Fenster und stelle fest, dass wir immer noch Frühling haben; alle Pflanzen blühen und treiben weiter aus, als sie je getrieben haben und das obwohl bereits der September begonnen hat, das muss man sich mal vorstellen. Während ich so in der Küche stehe und die Kaffeemaschine bewache, schaue ich mir mein Spiegelbild an, wie es in Shorts, grob gestrickten Socken und seinem blutarm arbeitsscheuen Körper dasteht. Wieder kommt mir die ursprünglichste aller Fragen hoch:

„Was um Alles in der Welt ist die Zeit? Was bedeutet Zeit haben? Was meint man mit dem Satz „wie viel Zeit bleibt uns noch. Was ist die Natur, der Zeit? Ist es ein Konstrukt von uns Menschen, die Natur zu verstehen? Oder ein Versuch Dinge in Reihenfolge zu bringen?“

Vermutlich ist die Zeit aber auf jeden Fall eines : es ist die gebräuchlichste Art bestimmte Abläufe in ihrer Reihenfolge zu bestimmen. Oder ist es lediglich eine nüchterne Art den eigenen Verschleißes darzustellen?

Wieder starte ich den Versuch mit meinem eingeschränkten Bewusstsein, zu umschreiben, zu begreifen, was „Zeit“ ist. Erfahrungsgemäß stellen wir bei komplexen Themen fest, dass man sie aus größerer Entfernung besser betrachten kann, als bei engem Kontakt. Grundsätzlich räume ich mir grundsätzlich alle Fehler, Verwirrungen und Fehlannahmen ein, weil ich so unvoreingenommen nachdenken und mutmaßen kann.

Endlich ist der Kaffee durch. Mit vollem Becher bewaffnet setze ich mich jetzt vors Tor meines Gedächtnispalasts und warte ab; wahrscheinlich passiert so wenig, das ich gar nicht bemerke, wie der Abend heranrollt……..