Odyssee 2019 – Teil1

Adonis sprach von der Weisheit der Götter, dass Griechenland ständig im Clinch mit sich selbst, oder mit einem oder mehreren Eroberern gleichzeitig lag, er holte noch weiter aus und erklärte mir, warum die Sterne so großen Einfluss auf uns Menschen haben, warum wir Menschen ein Wunder sind, auch wenn wir so viel Leid verbreiten und dass er sie aber immer noch von ganzem Herzen liebt – dass den Griechen und ganz besonders den Kretern das Teilen und Geben ihrer Natur entspringt, warum er seine Frau und das Matriarchat verehrt und warum der weiseste Mensch, den er je in seinem Leben treffen durfte, ein Schafhirte ohne Schulabschluss ist.

Keine Ahnung, wie lange wir in seinem kleinen Blechcontainer am Flughafen standen – ich glaube, eine kleine Ewigkeit – irgendwann, schwenkten wir auf Pferde und Motorräder um. Ich hatte eins bei ihm gemietet. Als Pauschaltourist über diese geheimnisumwitterte Insel zu kommen und mich in irgendwelchen Touri-Hochburgen sattfressen, während mechanisch-lächelnde Inselbewohner sich genötigt fühlen, angelsächsische Mundflora-vergewaltigende Anglizismen zu benutzen, kam für mich nicht in Frage – weder wollte ich Deutsche, Briten oder Russen, englisch reden, noch ihre imperialistischen Verhaltensstörungen spüren.

Für mich gab es nur eins: Ein Dorf in den Bergen, wo es nur und ausschließlich eine Hand voll Inselbewohner gab, die garantiert nur ihr kreta-griechisch sprechen, damit ich endlich einsam und verlassen und hoffentlich schnell verloren war.

Erobern wollte ich die Insel – mit Leib und Seele spüren – Kultur, Sprachen, Menschen, Speisen, Farben und ihre mir unbekannten Eigenarten einatmen – sie schmecken – erleben, wie sie mit mir umgehen – herzlich und liebevoll, oder ruppig, abweisend, vielleicht sogar feindselig – einen riesigen Bogen um jeden Kompromiss wollte ich machen, soviel war klar. Als mir Adonis die XT660 an mich übergab, fühlte ich mich wie Alexander der Große, der auf Anhieb Bukephalos zähmte – wir waren füreinander bestimmt – ich spürte es sofort.

Mit der Halbschale auf dem Kopf, dem plötzlich handzahm gewordenen Rassepferd unterm Hintern, der Sonne über mir und der geballten Energie von hundert-tausenden Kretern um mich herum, hatte ich das Gefühl, mich gleich direkt mit Zeus anlegen zu können – er hätte keine Chance gehabt, Göttermacht und Blitze hin oder her.

Beseelt und bereit für mein Abenteuer lächelten wir uns an, nickten wie Blutsbrüder, bis ich stolz und hocherhobenen Hauptes aus Adonis sicherem Hafen auslief und nach wenigen Metern, vom quirligen Verkehr verschluckt wurde, wie eine Flaschenpost vom Amazonas. Sonne, Wind, Freiheit – wie fantastisch konnte das Leben sein, dachte ich und knatterte zur ersten Kreuzung, die eher an einen Kreisverkehr erinnerte, als an ein nach Farben geordnetes Verkehrssystem – Ampeln blinkten in allen Farben – Autos, Motorräder und Lieferwagen schoben sich abwechselnd durch den gewaltig pulsierenden Blechsalat, der wechselweise mal zu platzen oder zu schrumpfen drohte – herrlich, was für ein Wahnsinn, einfach wundervoll!

Irgendwann dröhnte ich mit meinem Pferd auf die Autobahn. Nicht nur, dass die Auffahrt schon wie ein Feldweg dritter Klasse aussah, völlig zugewachsen und übersät mit abgerissenen Pflanzen-Köpfen und ich der einzige auf der Insel zu sein schien, der einen Helm meinte tragen zu müssen, nein es wurde noch viel besser – hier und da spazierten Menschen am Straßenrand, mit und ohne Kindern an der Hand – Seitenwechsel schien auf Autobahnen genauso üblich zu sein, wie die Tatsache, dass man mit jedweder Geschwindigkeit fahren konnte.

Mofas mit höchstens vierzig Stundenkilometern, beritten von Hundertjährigen, die mit Zigarrenstumpen, fleckigen Unterhemden, Flipflops und Shorts unwirkliche Mengen Leergut in ihren Plastiktüten spazieren fuhren, während weißes Haar sie umflatterte, wie Intschutschuna, den großen Häuptling der Apatschen, das im schönen Kontrast zu den hageren, zerklüfteten und ausgemergelten Gesichtern stand, die an Mahagoniholz, oder lederbezogene Korallenriffe erinnerten.

Reisebusse, die sich nachdrücklich wippend und nickend vorbeischoben; röhrende Autos, die aussahen, als wären sie bis eben Statisten in einem Sergio-Leone-Western gewesen, während uns diese bunte Emir-Kusturika-Aspahaltschlange aus Heraklion gebar, die wie ein offener Organismus in der Sonne pochte, pulsierte und seine Bewohner durch enge Kapillare drückte, Vehikel und Menschen mit großer Reibung aneinander vorbeizwängte, um eine drohende Verstopfung, einen Infarkt zu verhindern.

Noch nie sah ich so offen gelebtes lebendiges wahres Leben – noch nie sah ich so viel Leidenschaft auf einem Haufen, auf einem Flecken Erde – was für eine erleuchtende Erfahrung. Berührt, wie ein Sängerknabe trabten Bukephalos und ich weiter – nach und nach änderte sich die Farbe der an uns vorbeiziehenden Landschaft – das satte Weiß der Stadt wich mehr und mehr den bunten Farben der Berge und Dörfer – schon bald sah ich das ersehnte Schild, „Gazi“.

Hier musste ich wieder runter – es kam mir vor, als wäre ich schon Stunden lang gefahren und hatte alle meine Tanks mit Reizüberflutung gefüllt, stattdessen fuhr ich erst wenige Minuten und war jetzt schon hin und weg. Beim Abfahren wackelte mein Blechpferd komisch herum – ich dachte zuerst an ein loses Hinterrad, was nicht weiter schlimm gewesen wäre, hatte ich doch ein wenig Werkzeug eingepackt – dann schob ich den unruhigen Lämmerschwanz auf die groben Stollenreifen, die bekannt dafür sind, dass sie ein Eigenleben haben.

Nachdem ich ein paar Mal kräftig am Gas gezogen hatte, stabilisierte sich die Fuhre – es ging weiter und weiter. Als die Ampel, vor der ich zum Stehen kam, anfing zu blinken, wusste ich als erfahrener Kreter bereits, dass losfahren grundsätzlich erstes Gebot schien – wieder schlingerte Bukephalos, was das Zeug hielt.

Langsam schraubten wir uns in die Berge – Damásta – endlich sah ich ein erstes Schild, mit dem verheißungsvollen Namen drauf. In langen und manchmal knackigen Serpentinen kletterten wir weiter und weiter hinauf – hier und da knallten Bodenwellen direkt in Knochen, sowie in Weichteile – halb so wild – nach und nach gewöhnten Bukephalos und ich uns aneinander – wir wurden mutiger.

In guter Offroad-Manier bliesen wir zum Angriff, gegen alle Insel-Gebirge – im Galopp fegten wir auf die engen Kehren zu, um mit Schwung durch sie hindurch zu brausen, wie der heiße Scirocco aus der Sahara, dass einem nur noch Zähneknirschen übrig blieb. Hin und wieder zitterte Bukephalos Hinterteil, ähnlich wie auf der Autobahnabfahrt, jedoch nur sehr schwach – ich schenkte dem Phänomen keine Beachtung mehr und genoss meinen Sturm in den Himmel.

Ein erstes Straßenschild, erinnerte mich daran, dass es von ihnen kaum welche gab, ebenso die Gründe und das allgemeine Niveau ihrer Wertschätzung der Inselbewohner gratis mit dazu – von dutzenden Kugeln durchsiebt stand es einsam und verlassen im heulenden Wind – beeindruckt vom Drang der Insulaner, lieber zu handeln, als zu warten, erinnerte es mich wieder daran, welche Parole die Griechen und ihr Land hochhalten: „Freiheit oder Tod!“ – langsam dämmerte mir, dass ich nicht nur auf dem südlichsten Punkt Europas, sondern auf einem ganz anderen Planeten gelandet war!

Immer größere Berge schoben sich aus der Deckung – manche karg und ermahnend, doch die Mehrheit bunt überdeckt mit gewaltigen Teppichen aus Kräutern und Sträuchern, die vermutlich seit Jahrtausenden üppig wuchsen, nicht nur mächtig angefeuert, durch das vulkanische Gestein, das der große Vulkanausbruch von Santorin über der gesamten Insel, vor ungefähr drei bis viertausend Jahren, hinabregnen ließ, sondern wahrscheinlich auch ungezählte Schlachten von Helden, die ihr Blut gegen Feinde und Monster vergießen mussten, dass die Erde noch heute dunkelrot in der Sonne glänzt, als wären die letzten erste gestern und nicht vor hunderten von Jahren gefallen.

Wind begann stärker zu blasen – keine Ahnung in welcher Höhe wir uns befanden. Nur einmal kurz, konnte ich Heraklion sehen, wie es weit weg, klitzeklein, weit hinten und unten zusammengekauert, auf den nächsten Tag zu warten schien, um seine Bewohner weiter durchs Leben zu scheuchen. Ein erster kleiner Ort kündigte erste Bergbewohner an – ein Ortsschild huschte gemächlich an meinem Rappen vorbei – doch zu schnell, um den Namen mit meinen wenigen Sprachkenntnissen lesen, geschweige richtig aussprechen zu können – beim nächsten Mal.

Pickups ermahnten mich, wo ich mich hier befand. Nackte Kinder rannten hin und wieder über die Straße, mit und ohne Ball – ein paar Knäule Gesträuch rollten über den glänzenden Teer, als spielte ich die Hauptrolle in einem Quentin Tarantino Streifen.

Meine Augen

Im Schlamm liege ich. Seit langer Zeit schon wälze ich mich mit meinen Flügeln im Schmutz und werde ihn nicht los – ständig schüttet unsere Zivilisation neuen Unrat drauf. Immer wenn ich gerade denke, jetzt sind die Flügel frei, kommt eine neue Ladung. Und weil ängstliche Gesellschaften und Menschen auf Nummer sicher gehen, haben sie sich eine totsichere Lösung einfallen lassen, damit ich nicht hoch und weit fliege – seit meiner Geburt trage ich eine Leine am Fuß – zwar ist sie lang genug, um mich zu erheben, aber ausreichend kurz, um mich jederzeit runterzuziehen, wann immer es nötig ist.

Sie halten mich am Boden wie all die anderen Landtiere – wie ein Ziervogel im Käfig, oder ein Dodo – mit dem Unterschied, dass ich furs Fliegen gemacht bin. Sieht man mir aber direkt in die Augen, kann man erkennen, dass ich schon mal von wahrer Freiheit gekostet habe. Eine phantastische Speise – einfach unbeschreiblich. Ein paar Mal konnte ich mich nämlich von den Fesseln lösen, bin dann ganz hoch hinaus; bin geflogen wohin ich wollte, tagelang. Irgendwann bekam ich Hunger. Ich machte den Riesenfehler zurückzufliegen.

Hätte ich doch bloß meinen Magen knurren lassen. Verdammt, wäre ich doch bloß jagen gegangen – es zumindest versucht. Bestimmt hätte es geklappt. Schön Beute machen, den Magen mit frischem Fleisch vollschlagen. Welch fataler Fehler zurückzufliegen. Sie machten ein Heidentheater, als ich plötzlich wieder da wa und bekam natürlich eine neue, noch festere Leine angelegt.

Freiheit – weiß man von ihr, hast du von ihr einmal probiert, ist es um dich geschehen. Ein Zurück? Ausgeschlossen. Du bist gebrandmarkt, bist beschädigte Ware. Von dem Tag an, dreht sich alles nur noch darum, sie wiederzubekommen – jeden Tag – das ganze Leben.

Schmutz und Schlamm abschütteln, die Schlinge abstreifen, sich endlich erheben – hoch über den Wolken zu schweben – Thermiken ausnutzen, sich mit ihnen hochschrauben, höher und höher – den weiten Blick genießen, den Göttern hallo sagen – fliegen, um zu sein – die Erde von oben sehen, wie sie wie ein gewaltiger Organismus danieder, in den Wehen liegt – wie sich Pflanzen und Lebewesen durch sie bohren, hindurchschrauben, sich in die Quere kommen, einander bekriegen und bekämpfen, um zu siegen und stärker zu sein als die anderen – zu dominieren, den Ton angeben, sich in alles einmischen, alles entscheiden müssen. Unersätzlich sein und bleiben, immer Mangel spüren, in der Hoffnung unsterblich zu werden.

Gegen Nachmittag landete ich in Heraklion. Kaum trat ich aus dem Flugzeug und schritt die Treppe hinab, bemerkte ich das besondere Licht. Es ist weich und warm, von einer ganz anderen Farbzusammensetzung – nicht so hart wie auf dem Festland. Es ist intensiv, aber blendet nie. Auch das Blau des Himmels ist von einer Farbe, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Gut gelaunte Busfahrer kurvten uns in museumsreifen Kutschen zum Terminal, an dem man die buntgefleckte Urlaubsware sorgfältig auskippte. Ein Terminal wie aus Kuba. Geborstene Stahlbewährung steckt hier und da ein Bein aus dem Beton, als wäre es langweilig in der Wand, als hätte sich alles und jeder von Glück und Lebensfreude anstecken lassen.

Vermutlich hat man das Gebäude vor langer Zeit gebaut und seit dem, nichts mehr daran getan. Beim Betreten des Terminals komme ich drauf: Sieht aus wie eine alte Schule. Die Treppen, das Laufband, im großen Saal, der nach Turnhalle aussieht und auch so riecht. Erleichtert gehe ich an der Touristenschar vorbei. Mir langt mein kleiner Rucksack.

Als ich raustrete, bin ich überwältigt – eindrucksvolle Gesichter, mit kantigen grimmigen Gesichtszügen, und gütigen Augen. Dunkle Haut, die an Krokant erinnert – Sprachmelodien, die mit ihren beeindruckenden Worten markigen Eindruck hinterlassen – was für eine mächtige Sprache. Voll Leidenschaft, Energie und Lebenslust. Und dann noch der Duft der Luft dazu.

Tief beseelt setze ich mich in eine sonnige Ecke und schaue dem regen Treiben zu, wie alles durcheinander-wuselt, wieder und wieder zusammenkommt und erneut auseinander stiebt, wie ein Schwarm aufgedrehter Spatzen – unterstrichen, von einer unvergleichlichen Melodie, eingetunkt in weich-gezeichneten Farben, als würden die Götter höchstpersönlich den Pinsel führen – bis ich über diesen wunderschönen Moment langsam, tief und fest – einschlafe.

 

Neu-Gier

Ich bin müde. Und das recht anständig. Es hat nichts mit Schlafmangel zu tun, überhaupt nicht. Es ist mein Selbst, mit dem ich müde bin. Ich mag mich schon noch, so ist es nicht. Aber manchmal, so wie jetzt gerade, schafft es mein Charakter, mich richtig müde zu machen.

Seit ich klein bin, ist das schon so.

Ich öffne die Augen und strahle die Welt an. Alles will ich gleichzeitig wissen und machen, wirklich Alles. Ständig ist meine Neugier so groß, dass ich mich in jedes kleine Ding versenken und es bis zur mikroskopisch kleinen Molekularstruktur beschreiben und aufspalten kann.

Sozusagen Aschbombe vom Zehner – in Zeitlupe.

Als Ergebnis kommt ein Mensch heraus, der ständig zwischen Erschöpfung und Euphorie hin und herpendelt. Nein, nein liebe Psychologen – ich bin weder manisch-depressiv, noch irgendeine Form von „Grenzgänger“, der den schmalen Grat, oder irgendein anderes vermeintlich existierendes Thema als Ziel hat – eher das Gegenteil.

Ich lebe so gerne, so viel und intensiv, dass ich immer alles aufsauge und mein allerbestes gebe, nämlich wirklich Alles was ich hab. Interessanterweise hat das bis heute kaum jemand kapiert.

Wie oft habe ich in der Schule gehört, „streng dich mehr an“ – oder im Sport sowas wie „leg noch ne Schippe drauf!“, oder in Beziehungen, mein großer und absoluter Lieblings-Klassiker, „Wie kannst du das schon wieder vergessen haben? So hörst du mir zu!“. Beliebig und unendlich weitergehen, könnte die Liste.

Wenn ich nen Höhenflug habe, ist das offensichtlich für andere auch schön.

Menschen lassen sich mitreißen und erfreuen sich mit an den schönen Dingen des Lebens, aber nur solange, wie ich fliege. Kommt die Zeit der Erschöpfung, der Erholung, der Verpuppung und Transformation, nehmen sie Reißaus und rennen soweit sie können, als würde ich mich in ein schwarzes Loch verwandeln und alles und jeden mithineinziehen.

Dabei finde ich das ziemlich normal, dass man irgendwann müde ist – dies Recht, räumt die Welt mir offensichtlich nicht ein. Wenn ich nämlich daniederliege, ist es meist sehr still um mich herum. Ich finde das komisch. Ist denn nicht jeder so, mehr oder weniger? Sind wir nicht alle von manchen Dingen begeistert und irgendwann, vom Leben und all dem Bunten darin, müde und benötigen ein wenig Schlaf?

Schon immer hatte ich viel vor. Ständig war ich unterwegs. Alles Mögliche habe ich gemacht, wirklich alles. Auch gereist bin ich schon immer viel und gerne. Natürlich konnte und kann ich nicht alles machen, was ich gerne wollen würde, natürlich nicht – man weiß halt irgendwann, dass ALLES halt ein klein wenig zu VIEL ist – also wählt man, mehr oder weniger bewusst aus. Macht doch jeder so – hoffe ich.

Manches hat es aber ungleich schwer – zum Beispiel Skifahren. Ich liebe es. Am liebsten würde ich’s jeden Winter machen. Dabei bin ich es erst einmal gefahren – vor 30 Jahren, wohlgemerkt. Seit dieser langen Zeit versuche es im Stillen jedes Jahr aufs Neue und dennoch hat es bis zum heutigen Tag nicht geklappt. Ich bin mir deswegen aber nicht böse.

Spannend wird es dann In Partnerschaften, wenn die priorisierten Themen nicht die Gleichen sind. Dann kommt’s vor, dass man einander Vorwürfe und Vorhaltungen macht, dass man sich gegenseitige Unwichtigkeit oder eine stümperhaft-verdeckte Gedanken.- und Interessenlosigkeit unterstellt.

Dabei ist es genau anders herum. In Wahrheit geht es um ganz andere Dinge.

Ich glaube, viele fühlen sich abgelehnt, wenn der Partner etwas anderes will, etwas mit einer anderen Priorität versieht.

Zum Beispiel Sauberkeit. Alle meine Partnerinnen, waren ordentlicher als ich – ich spreche von Ordnung, nicht Sauberkeit. Das ist was ganz anderes. Dies Thema spare ich ganz bewusst aus. Zu viele Massaker habe ich auf Party‘s erlebt, nachdem irgendjemand dies Thema, in angeheiterter Runde aus der Büchse der Pandora gelassen hat.

Ordnung muss sein, hier in doppeldeutiger Sache sozusagen.

Ordnung ist für mich etwas, dass mit „Sich-Wohlfühlen“ zu tun hat und, ganz ehrlich gesagt, ich bin hier anpassungsfähig. In der Regel ist mein Bedürfnis nach Ordnung nicht übertrieben. Als Metapher können wir eine Wohnung, ein Haus oder ein Urlaubs-Cottage nehmen. Während ich ein mittelmäßiges Niveau an Ordnung brauche – alte Schulnoten von ein bis sechs – langt mir eine 3 bis vier, während für viele eine zwei Bedingung ist, um sich wohl zu fühlen.

Für mich ist das gar kein Problem, mich in einer Zweier-Umgebung wohl zu fühlen, wenngleich sie sich deutlich von einer „Drei bis Vierer“ unterscheidet – glaubt ja nicht, dass mich irgendjemand mal gefragt hat, ob ich mich in der satten „Zwei“ wohl fühle! Man setzt das halt irgendwie voraus, dass einem das Höherwertige, oder korrekterweise neutral gesagt, „höher-benotete“ automatisch mehr zusagt.

Das dass bei mir nicht der Fall ist, hat noch nie jemanden interessiert.

Oder um es auf den Punkt zu bringen – je stärker die Ordnung, desto eingeengter fühle ich mich. Aushalten und ausbalancieren tue ich das mit meinem Gedächtnispalast und mit schreiben. Deswegen bin ich wirklich und absolut überall überlebens.- und des Glückes fähig.

Das sorgt, wie kann es anders sein, natürlich für reichlich Reibung und dass schon seit Jahrzehnten. Diese Unbedarftheit, dieser grenzenlose Optimismus, der öfters auch an zum himmel-schreiende Naivität erinnert, lässt viele Menschen in meinem Umfeld mit den Augen rollen.

„Du kannst doch nicht so einfach in Tag hineinleben?“, Eltern und andere Autoritär-liebende neigen dazu, mich zu schnellstmöglicher Unterlassung zu drängen.

„Wieso denn nicht? Wie denn sonst? – meine übliche Antwort.

„Du musst doch Ziele haben; deine Zeit ist begrenzt; nutze sie; warte nicht; schnapp dir das Leben; bringe Ordnung in dein Leben; strebe das Höchstmögliche an; suche dir eine Frau die dich liebt und versteht; zeuge eine Heerschar Kinder!“ – eine der meistgespielten Langspielplatten.

Ich finde ja, dass ich meine Zeit nutze. Hab ich schon immer gemacht.

Vor Kurzem habe ich mir einen langersehnten Traum erfüllt. Ich habe Griechenland besucht. Genauer gesagt, Kreta. Mein Leben lang wollte ich das schon. Ich habe so viel über griechische Mythologie gelesen, so viele Bücher über ihre Kultur und ihre großen Philosophen, dass ich in Wahrheit im Herzen schon immer Grieche war und das nicht nur, weil ich seit über dreißig Jahren Rezina und Raki liebe. Vor zwei Wochen konnte ich mir diesen Traum erfüllen.

Was ich da alles erlebt habe und was das mit Ordnung zu tun hat, erkläre ich nächste Woche.

 

Ja-zu-Europa!

Mir fällt es schwer mich für Dinge zu begeistern. Europa hingegen zählt zu diesem kleinen auserwählten Kreis. Wie kann man gegen Europa sein? Kapier ich nicht. Vereinte Staaten von Europa! Das wär doch was, wenn wir Egoismus, barocken Feudalismus und Imperialismus im Museum lassen würden. Fragt mal die junge Genration! Die kapiert nichts von dem, was unsere lieben Politiker verzapfen. Versteht mich nicht falsch, es geht mir um die Idee des vereinten Europas. Das irgendjemand dagegen sein kann halte ich für völlig – nein wirklich – absolut ausgeschlossen!

Egal ob Marine Le-Pen, die Briten, die AfD, die paar durchgeknallten populistischen Italiener und der aristokratisch daherkommende Holländer – sie alle lieben Europa! Noch mal, nicht verwechseln mit der Umsetzung, über die sich alle Beklagen, mit der alle Trittbrett fahren. Nicht vermischen, das Ganze – das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun!

Hab ich noch nie kapiert. Diese dumme Blindheit, klare Fakten und Sachverhalte zu vermischen. Ich kann doch für Mobilität, aber gegen eine technologische, diktatorische Automobil-Industrie sein. Ich kann doch für Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit sein, aber die Umsetzung in meinem Land zum Kotzen finden, oder nicht? Da vergleichen wir doch Äpfel mit Birnen!

Nochmal: Niemand in Europa ist gegen Europa!

Wenn wir über die derzeitige europäische Politik aus Brüssel reden, dann können wir anfangen uns zu unterhalten. Aber Herrgott nochmal, man muss doch irgendwie irgendwann mal anfangen, oder nicht? Man ist doch nicht Sprint-Weltmeister auf 100 Metern, wenn man gerade aus der Krabbelgruppe kommt. Man muss doch erst mal Erfahrung sammeln. Diese ewige Nörgelei. Natürlich ist vieles Mist, aber wen wundert das? Die brauchen unsere Ideen und Rückmeldungen, unsere Energie, unsere Einmischung, unsere Umsetzung.

Das so viele Menschen in unseren dynmaischen Zeiten, auf konservatives Phrasendreschen, auf über 6000 tausend Jahre alte populistisch-egoistische Nummern reinfallen will mir nicht in den Kopf gehen. Das die ganze politische britische Elite kein großes Interesse an Europa hat, liegt einzig und alleine daran, dass die alle reichlich volle Kühlschränke haben. Die wissen gar nicht, was es bedeutet auszutreten, woher auch.

Warum diese Typen die Stimme des breiten Volkes vertreten ist eine andere Geschichte. Aber wenn diese verwöhnt-dekadente Elite, den restlichen 90% bei der Volksabstimmung verkauft, das ein Austritt ein Segen ist, dann ist das nichts Geringeres, als ein Volksverbrechen, weil diese Herrschaften ihren Job nicht machen.

Sie vermischen ihre eigenen, privaten Sichtweisen und Interessen, mit der ihres Mandats, mit ihrer Verantwortung als Volksvertreter. Sowas ist ein schweres Vergehen. Aber das muss das Volk erst einmal begreifen.

In Deutschland und Frankreich ist es gar nicht viel besser, außer, dass es kein Referendum gibt, in dem man eben genau um dies Nachahmung, des geschichtlich wertvollen britischen Abgangs abstimmt. Davon mal abgesehen ist es überall das Gleiche – die top ausgebildeten 10% eines Volkes bestimmen über das Wohlergehen der restlichen 90%, die den ganzen Mehrwert, das Bruttosozialprodukt erwirtschaften.

So einfach geht Volkswirtschaft.

Wenn also die 10% mehr am Gewinn beteiligt sind, als Diejenigen, die ihn leisten, dann ist etwas falsch, will sagen unfair und ungerecht. Aber auch das, ist noch kein Argument GEGEN Europa. Es ist eine Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit, sicherlich. Aber es liegt vermutlich daran, dass eben diese 10% nicht wissen, wie die restlichen 90% leben, abgesehen von dem exponential wachsenden Ego in Bezug auf Macht und Einkommen.

Ein Beispiel, verzeiht mir, wenn ich nicht alles ganz exakt erinnere; ich bin vom Charaketer her süd.- und nicht Nordeuropäer:

Wenn man in Deutschland über ein Bürgergeld anfängt zu sprechen, in der Höhe von 450 oder 550€, dann kann es sich nur um ein Versehen handeln, oder ein Zeichen, dass deutsche Politiker jegliches Menschsein, jegliche Moral und Ethik verloren haben und daher, sofort ihr Amt räumen sollten, solange sie noch können!

Warum:

Nur diejenigen, die NICHT, ich betone NICHT am Existenzminimum leben müssen, können so schamlos darüber redden, weil sie keine Ahnung haben. Jeder Politiker sollte sich was schämen, so unwissend und unmenschlich daherzureden.

Alles unterhalb 1500€ ist menschenunwürdig!

Und gegen so eine Aussage sollte niemand auch nur anfangen Luft zu holen, wenn er nicht versucht hat, jemals von dieser Summe über die Runden zu kommen, geschweige mit Familie. Ich rede von Einzelperson. Aber der Mensch zählt in Deutschland nicht mehr viel. Das sieht man an der Familienpolitik. Kein Wunder, dass Deutschland das Geburtenschwächste und Frankreich das Geburten-Stärkste Land Europas ist.

Man muss nur mal hinschauen, wie die Familienpolitik in beiden Ländern aussieht. Man kann es der vergreisten deutschen Politiker-Klasse nicht einmal vorwerfen. Wie hoch ist das Durchschnittsalter? 60, oder so? Natürlich kann ich ich mit 70 am Puls der Zeit sein. Aber wieviel Prozent sind es? Nehmt mal das Thema Digitalisierung. Da ist Deutschland im Mittelalter. Nichts haben die kapiert.

Oder Frankreich.

Ein solch zentralistisches, hochgradig elitäres Land, in dem es nur Universitätsabsolventen und den Rest gibt. Ein Land, dass Europaführer in der Einnahme von Psychopharmaka ist, der kann nicht ganz richtig ticken. Wenn man sich den administrativen Wasserkopf betrachtet, das Fehlen der starken Mittelschicht, weil das Schulsystem zu extrem elitär ausgelegt und daher nicht konkurrenzfähig in Europa, geschweige in der Welt ist. Frankreich ist eine Menschenfabrik. Das Land züchtet Soldaten, die idelaerweise eine katholische Bibel unterm Kopfkissen liegen haben.

Das ändert nichts daran, dass ich dennoch ein großer Freund von Frankreich und Deutschland bin.

Wir müssen uns halt alle Mühe geben und daran arbeiten, eine bessere Zukunft bauen zu wollen. Das geht garantiert nicht, indem ich rechts und konservativ, noch weniger gar nicht wählen gehe. Wählen zu gehen ist die oberste aller Pflichten. Gebiete, in denen wir Dinge besser machen können gibt es reichlich.

Aber ständig zu meckern hilft auch nicht gerade, oder? Meckern ist nur angemessen, wenn man einen sinnvollen und konstruktiven Gegenvorschlag macht und diesen in die Diskussion einbringt. Hat man so einen Einfall nicht, schlage ich vor, dass man zum Stammtisch geht und seinen Ärger runterspült, der vermutlich von woanders herkommt.

Γεια μασ, prost, santé und salute – auf Europa!