Johannes-Offenbarung, Joker & Odyssee 2019

Ob ich religiös bin, ob ich an etwas glaube, hat mich gestern eine Freundin gefragt. Natürlich, habe ich geantwortet. Ich glaube an Liebe und an das Universum. Immer noch. Ob das nicht sehr viel Ähnlichkeit, mit einer Gottheit hätte. Vielleicht, antwortete ich. Vermutlich ist es meine innere Ablehnung, Labels auf alles zu kleben, weswegen ich mich schwer tue, dem zuzustimmen.

Vielmehr bewegen tut mich seit einer Woche der Film „Joker“ – für mich ein Meisterwerk, im Ernst! Fotografie, Kamera und natürlich Joachim Phönix. Mein Güte! Zwei Stunden saßen wir gefesselt im Kinositz. Zweimal habe ich danach geträumt. Mit ihm darin. Interessanterweise waren die Träume alle gut. Im Film fühlte ich sehr mit ihm. Häufig entdeckte ich Parallelen aus Schulzeit, Jugend und Erwachsenwerden. Wenn ich es mich trauen würde zu sagen, müsste ich gestehen, dass wir so was wie Blutsbrüder sind.

Natürlich ist es ist nicht das erste Mal, dass ein Film eindrucksvoll zeigt was passiert, wenn ein Mensch genug hat und / oder wenn ihn Bösartigkeit packt. Falling Down, Shining, alle Quentin Tarrantino Streifen, die Liste ist erschöpfend. Überraschend ist für mich allerdings nach wie vor, dass die moderne Gesellschaf, darauf überrascht & schockiert reagiert.

Hier behaupte ich, dass die Mehrheit – wie so oft – darauf unbewusst, mit einer politisch, sozial-gesellschaftlich vertretbaren Konditionierung reagiert, statt mit wahrhaftig Empfundenem. Verantwortung für Kinder, Tiere und Partner hält uns in Wahrheit davon ab, zur Waffe zu greifen. Zuviel haben wir zu verlieren, nicht wahr?

Dabei ist das Ganze ‘ne ganz olle Kamelle. Ich glaube es war ein paar Jahrzehnte nachdem Jesus auferstand, hat der Apostel Johannes seine Offenbarung niedergeschrieben, die berühmte Beschreibung der Apokalypse, in der die „Hure Babylon und der Siebenköpfige Drache“ die Menschen in ihr Armageddon, ihre End-Schlacht stürzen.

Keine leichte Kost, wie finde ich. Aber gut und für meinen Geschmack recht aktuell. Vermutlich ist die Allegorie der Hure B. und Drako 7K (klingt wie ein Computer-Game, wenn ich jetzt darüber nachdenke) den Meisten bekannt, weswegen ich sie nicht mehr im Detail, oder doch? Okay, im Schnelldurchlauf:

Hure B & 7K-Drako = altes Rom, große / machtvolle Städte / Stadtstaaten = heutige Mega-Cities & 7K = 7 Todsünden (Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid & Faulheit) – zusammen Nährboden für….

Alles klar?

Damals, gestern, heute & morgen?

Schnick-Schnack? Klick-klack?

Kapiert? Super. Santé!

Keine Ahnung wie oft, aber während des Films habe ich mehrmals darüber nachgedacht – oder ich sag mal, ist mir der Gedanke im Kopf, wie ein Pilz hochgeschossen (in Wahrheit eher eine im dunklen Schacht gefühlte, archaische Krokodil-Gehirn-Kernkeule) – dass wir uns ganz beruhigt schlafen legen können. Woher all die Aufregung? Wozu all diese Warnungen? Ganz besonders der Kirchen, aller Glaubensrichtungen. Wieso überall der Zeigefinger? Angst vor der Verrohung, Angst vor Untergang…..wieso, in Bal’s Namen sollen wir uns vor der Apokalypse fürchten?

Sie ist doch schon seit Jahren da. Seht euch mal um. Wir sehen nichts weniger, als den totalen Krieg, Arm gegen Reich. Jeder versucht, seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, idealerweise immer ein paar mehr als der Nachbar, der Nachbar-Staat usw. Totale Ausbeutung. Wir fertigen in Billiglohnländern und wundern uns, dass wir Arbeitslose im eigenen Land, haben, wo manche Konzerne nicht einmal Steuern zahlen.

Wir versprühen jahrzehntelang Insektenvernichtungsmittel und wundern uns, dass jetzt die Insekten vernichtet sind und wir ein Problem haben, weil manche irgendwie, Überraschung, für irgendwas nützlich schienen. Vielleicht sollten wir die nützlichen unter Nutztiere gruppieren.

Man dreht Hilfsorganisationen den Hahn zu und wundert sich, dass es Flüchtlingswellen, ganze Tsunamis von ihnen gibt. Wir machen Business mit Jedem, der uns zu Gewinn verhilft, einschließlich Regierungen, obwohl die alle Rechter der eigenen Büre rmit Füßen treten. Kapier ich nicht. Wieso wundert sich irgendjemand über die Zustände?

Wie kann ich Freund von Elon Musk sein, ihn für einen großen Innovator halten, wenn man weiß, wie er mit Menschen, besonders mit Mitarbeitern umgeht. Wieso beklage ich mich über die massenhafte Schließung von kleinen Läden, sei es Gemüse, Buchhandlung usw und über die wachsende Macht der großen digitalen Multis, wie Amazon wenn ich da aus Bequemlichkeit selber kaufe?

Ist ja so praktisch und zeiteffizient. Mehr Quality-Time. Meine Bequemlichkeit kostet mich meinen eigenen Arbeitsplatz. Wir haben den Schuss ja nicht mehr gehört. Bis oben hin voll sind wir von Sünden. Jeden Tag. Wir wachen auf und schon geht’s los. Rein ins Auto. Schön alleine fahren. 1,5 Tonnen Stahlblech, mit 10 Liter Verbrauch, um klimatisiert ins ebenfalls klimatisierte Büro zu bringen.

Energiebilanz? Sicher. Irgendwo hab ich eine. Plasmaschirm aus Korea, Kleidung aus Indonesien, Türkei oder Indien, Tomaten aus Spanien, Bio-Knoblauch aus China, Spargel im Winter aus Afrika. Alles super geil, fair und bio.

Ich selber mache keine Ausnahme. Im Gegenteil. Ich gehe mit gutem Beispiel voran. Bin sozusagen Qualitäts-Sünder. Wenn schon Qualitäts-Zeit, dann auch Qualitäts-Sünder. Klingt irgendwie konsistent. Erkenne dich selbst. Dann bist du ganz vorne. Qualitäts-Gewinner. Ich zum Beispiel tue mich schwer mit den großen Sieben.

So sehr ich mich auch anstrenge böse zu sein: Nicht alle Todsünden sind für mich gemacht. Ist wie Berufswahl. Oder…genau. Im Service könnte ich zum Beispiel nicht arbeiten. Ich bin einfach nicht nett genug. Nicht mal vorspielen, so tun als ob, halte ich nicht lange genug durch, geschweige zu jedem gleich nett zu sein.

Hochmut und Geiz gehen mir, glaube ich, auch echt ab. Zwar höre ich mich gerne reden, aber eitel & hochmutig würde ich mich nicht nennen. Dafür kann ich manchmal dumm und unwissend wirken & sein. Einverstanden, aber diese Eigenschaften sehe ich eher als Qualitätsmerkmale, statt als Mangel oder Defekt. Neid und Faulheit sind auch nicht meins. Ich wünsche den Menschen wirklich alles Gute, mich eingeschlossen.

Mit Fleiß und seinem Gegenteil, okay, da kenne ich ein paar Menschen, die mich vermutlich als faul bezeichnen dürften. Schade ist das, weil es eher ein Zeichen dafür ist, dass es immer noch viele gibt, die nicht wissen, dass Müßiggang mit Faulheit nichts zu tun hat und viele mich gar nicht Richtig kennen.

Aber von Zorn und Wollust sind meine Gefäße reichlich gefüllt. Da gibt es kein Entkommen. Tapfer sein und in den Spiegel schauen, lautet die Devise – und vor Allem, akzeptieren. So ist es. Nun ist es raus. Und da wir in Sachen Todsünden von Anfang an sehr gründlich in schwarz-weiß kategorisieren, ist man vermutlich nur frei von ihnen, wenn man wirklich keiner mehr nachgeht.

Weil ich aber nur ein kleines Menschlein bin, zähle ich somit zu den Sündern. Inklusive selbstangebrachtem Qualitäts-Siegel. Mir ist nun einmal nichts Menschliches fremd. Ein Glück. Menschsein steht mir irgendwie gut zu Gesicht.

Mein ernstgemeinter Versuch, Schattenseiten ans Licht, nicht hinters, zu führen, beruht darauf, dass man uns die Geschichte falsch erzählt hat. Die Schlange, Eva & Adam, Apfel essen usw. und schon waren wir raus aus dem Paradies. Hier liegt der Fehler verborgen.

Sterblich zu werden, aus dem Paradies verstoßen zu werden. Klingt irgendwie nicht schön. So, als wenn wir’s vermasselt haben. So wie, Klasse wiederholen. Nachmittags nachsitzen und so. Seit ich mich hier unten auf der Erde umsehe, muss ich allerdings gestehen, dass es mir hier sehr gefällt.

Wenn ich, wie es in einem alten Buch geschrieben steht, wegen meiner Sünden, zur Sterblichkeit auf die Erde verbannt wurde, um dort meine schwere Bürde des Menschsein, unter diesen grausamen Mitmenschen alleine zu tragen, und mich anstrengen soll, sündenfrei zu werden, um nach meinem Tod ins Paradies zu kommen, vorausgesetzt, das hohe Gericht lässt das zu und entscheidet zu meinen Gunsten, dann drücke ich mit meinem kleinen Rest menschlichen Stolz, mein Rückgrat durch und erwidere, voller Inbrunst, dass ich mein Schicksal, sowie meine Sünden als Last und Bürde annehme und mein armes karges Dasein hier unten fortsetzen und in keinster Weise Anstalten mache, sündenfreier zu werden, sondern ganz im Gegenteil, genau jene sorgfältig pflege, um möglichst lange hier unten die weltumspannende Apokalypse zu genießen, täglich darauf bedacht, meine dunklen Seiten, durch sorgfältige Kultivierung leuchtender zu machen.

 

Erotik & andere Missverständnisse – Odyssee 2019 CW48

Gestern hatte ich schon wieder. Quatsch, es war Vorgestern. Ein interessantes Erlebnis. Wie üblich, habe ich Mittag gegessen. Weil ich versuche mich gesund zu ernähren, achte ich darauf, dass es einmal am Tag Obst gibt. Vorgestern lachte mich eine Schale Mandarinen in meiner hektischen Kantine an. Sie sahen prall und saftig aus, ganz besonders eine. Noch dazu wunderbar geformt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich unter Dutzenden nur deswegen jene eine ausgesucht, weil Form und grobporige Schale, erotische Gedanken in meinem Gedächtnispalast erblühen ließen.

Mag sein, das mich irgendeine Frau wieder mal Sexist nennt, weil ich die anderen Mandarinen vernachlässigt hab, obwohl sie bestimmt mindestens genauso zart in Fleisch und Biss sind, als die verträumte Schwester, für die ich mich letztendlich entschieden habe. Jedoch fällt es mir nicht minder leicht, diese Rufe mit leichtem Federstrich wegzuwischen, weil man(n) nämlich durchaus offen für Erotik, sowie ebensolche erotische Formen sein kann, ohne, ich wiederhole, ohne automatisch Sexist zu sein.

(Abgesehen davon, sind weibliche Leserbriefe, die mich als Chauvinist, Sexist oder Macho abstempeln, seltener geworden. Verwundert mich noch heute, dass ich welche bekam. Vermutlich hat‘s was mit unterschiedlichen Werten zu tun. Keine Ahnung. Eigentlich bin ich ganz umgänglich. Vielleicht war ich das früher weniger)

Nahezu immer, handelt es sich nämlich um reine Missverständnisse, weil wir in Zeiten von Social-Media zu schnell mit Urteilen bei der Hand sind. Eigentlich müsste man Social-Media in Asozial-Media umtaufen. Ein öffentlicher, digitaler, immer noch mittelalterlicher Pranger. Gibt keine Verbrennungen, Steinigungen und Auspeitschungen mehr. Abwarten, sag ich nur. Kommt vielleicht alles wieder. Vom Prinzip ist es jedoch das Gleiche, weil Betroffene zwar nicht verbrennen, dafür der Vorgang innerlich von statten geht. Erinnern wir uns. Man überlege gut, den ersten Stein…..

Erotik jedenfalls stammt vom altgriechischen Wort „Erotas“ ab – was übersetzt „Liebe, Leidenschaft und vieles mehr“ bedeutet, anstatt das, was wir darunter heute im deutschsprachigen Raum verstehen. Wenn man Erotik bei Google eingibt, springt einen hauptsächlich Schlüpfriges entgegen, was mehr in die Richtung von puren Sex geht, sprich körperliche, einvernehmliche Vereinigung, ohne Liebe. Jedenfalls habe ich die erotische Form der Mandarine als Grund identifiziert, die mich die Schachtel Mandarinen hat kaufen lassen.

Sowieso finde ich mehr und mehr, dass manch alte Sprache, Dinge besser beschreibt, als heutige Moderne. Erotik im Deutschen ist sehr klar, besonders gesellschaftlich, umrissen, im Vergleich zur weiten und großen Bedeutung, im Altgriechischen. Worten einen kontextabhängigen wandelbaren Raum zu geben, finde ich fantastisch. Macht das nicht immer Sprachen und ihre Weiterentwicklung aus? Natürlich, dürfte mir eine bekannte Sprachwissenschaftlerin zurufen, deswegen bedeutet Erotik ja heute im Deutschen, 2500 Jahre später was Anderes, als im Altgriechischen – nennt sich Weiterentwicklung. Bin grundsätzlich einverstanden, wenn Bedeutungen sich stärker fokussieren, wodurch sie in Art und Weise präziser werden.

Richtig, werden Linguisten mir zuprosten – Deutsch ist nicht umsonst und bekanntermaßen die Schrift der Dichter und Denker. Jawohl, entgegne ich mit loderndem Herzen. Stellt aber gewissermaßen eine gewaltige Verantwortung dar. Wenn eine Sprache unwahrscheinlich reich an Worten und gleichzeitig, unvergleichbar messerscharf in Bedeutung und Inhalt ist, müssen ihre Benutzer äußerst vorsichtig im Gebrauch sein. Zu schnell gibt es Verletzungen, die tiefe Narben hinterlassen, täglich bestätigt in TV, Radio, Internet und Social-Media. Wie rücksichtslos und brutal gehen wir miteinander um? Wiederhole hier meinen ständigen Aufruf.

Liebe Leute – gewaltfreie Kommunikation, bitte!

Natürlich können extrem dynamische, von Brutalität geprägte Zeiten dennoch ein Festessen sein. Unser letztes „Großes Fressen“ I’m wahrsten Sinne – Endgame – Alle gegen Alle. Wenn dein Unverständnis über gelesene Inhalte, Bedeutungen und Botschaften exponentiell wächst, befindet sich der Pessimist vor einem wachsenden Problem, der Optimist, im Paradies auf Erden. Ich zähle mich zu Letzterem, weswegen ich meistens Freude habe. Ein Beispiel: Sophie Passmann’s Kolumne im aktuellen Zeitmagazin #49. Kurz vorab:

Riesig meine Freude, dass es Frauen wie Sophie gibt. Ihre Art zu schreiben, wie sie Dinge herleitet, wie sich hinter ernsten Zeilen, lächelnder Witz, mit Selbstironie verbirgt, finde ich toll. Sie trifft Geschmack, Ton der Leser und schafft es, Distanz zu wahren. Müsste mir wünschen, dass sie ’ne Kolumne, in der BILD-Zeitung bekäme, um mehr Menschen zu erreichen und die Bild mehr Verantwortung als Boulevardzeitung übernähme. Schließt sich, wie ich finde, nur bedingt, aus. Alles Erschaffene, hat mit seinem Gedrucktsein hohe Verantwortung.

Habe mir den Kopf darüber zerbrochen, was Entertainment tatsächlich für mich bedeutet. Für mich ist es das Gegenteil von Müßiggang. Konsumierende, passive Lebensüberdrüssigkeitspflege. Natürlich kann es unterschiedlichste Formen annehmen. Entertainment ist ein weites Feld. Viel spannender, nicht midner quälender ist daher die Frage, warum man’s wählt. Was das alles mit erotisch geformten Mandarinen zu tun hat?

Keine Ahnung. Mein Bauch jedenfalls meint – Alles.

 

Gelungene Gleichbrechtigung? – Odyssee 2019 CW47

Schattenseiten mag ich mehr als den scheinenden Gegenpart. Hab nie darüber nachgedacht, warum das so ist. Sag mir, worin du Scheiße bist und ich weiß wer du bist. Die alte Geschichte des Gewinners und Verlierers vielleicht. Wer bin ich als Sieger? Wer als Zweiter? Bin ich als Zweiter schon Verlierer? Wer bin ich als Letzter? Nicht der Selbe oder Gleiche?

Gleichberechtigung ist mein Lieblingsthema. Wirklich. Meine das nicht ironisch, sarkastisch oder in irgendeiner anderen destruktiven Form. Ich finde, Sieger und Verlierer verdienen das gleiche Recht. „Natürlich – haben sie doch auch!“, sagen die einen ganz erbost….nein, haben sie leider nicht.

Bei Gleichberechtigung fühlen alle zuallererst das Gleiche, nämlich, dass es um die überall vieldiskutierte Gleichberechtigung der Geschlechter geht. In wieweit, das biologisch, ethisch & moralisch möglich ist, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil bemühe mich, alle Menschen gleich respekt.- und würdevoll zu behandeln. Gelbe Kinder, rote Frauen, weiße Rentner, Blaue, jeglichen Geschlechts. Nicht immer gelingt mir das, natürlich nicht. Ich bin ein Mensch, kein Roboter. Manche liegen mir vom Typ näher, andere weniger.

Erwachsene Schreihälse zum Beispiel finde ich furchtbar anstrengend. Eine stille Denkerin, ein stiller Denker hat es bei mir deswegen ganz automatisch viel leichter. Vielleicht bin ich grundsätzlich höflicher und charmanter zu Frauen, als zu Männern. Vielleicht nennen mich deswegen manche Kerle jetzt Sexist, oder so ähnlich. Vielleicht auch Frauen. Kann schon sein. Erklärungen habe ich dafür keine, außer, dass ich so bin.

Irgendwo habe ich gehört, dass Frauen & Männer jetzt Märchenbücher umschreiben wollen, weil in denen sehr viel Sexistisches stehen soll. Vermutlich gilt das auch für Koran und Bibel, wenn man lang genug forscht und bohrt. Ändert das was? Keine Ahnung. Wir Menschen sind talentiert. Wir können das, soviel steht fest. Sogar weltbekannte Märchenbücher umschreiben. Ich hoffe, dass man sich danach um all die furchtbaren Opern kümmert, wo vollbusige Frauen ihre Macho-Helden anschmachten.

Wieviel Chauvi in Mann und Frau steckt merkt man leicht, wenn es um das Thema pinkeln geht. Ganze Partys und Beziehungen kann man damit sprengen. Wer sitzt, wer steht? Schon ist die Stimmung am Kochen. Einfach mal ausprobieren, wenn ihr mal wieder richtig böse seid.

Neulich las ich, dass bei allen deutschen Börsennotierten Konzernen zusammengenommen, nur eine Frau im Chef-Sessel sitzt. Fand das Bild extrem interessant. 33 gleich angezogene Grauhaarige Männer, manche mit Slimfit-Anzug, manche im halb-väterlichen Gehrock. Innovation ist anders und hierbei meine ich  überhaupt den Typus Manager.

Zutiefst abstoßend unsympathisch erschienen mir die meisten. Wahrscheinlich ist das völlig ungerecht, weil sich viele vielleicht zum Pinkeln hinsetzen und ihren Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorlesen. Was soll ich bloß gegen mein Bauchgefühl machen?

Heute morgen bin ich laufen gewesen. Frische Luft, Bewegung. Herrlich. Auf dem Rückweg, so nenne ich den Teil, wenn ich mich „Ausgehe“, den Körper langsam runterfahre, kam mir ein junger Vater mit seinen zwei Töchtern entgegen. Vielleicht vier und Sechs. Beide auf Fahrrädern. Kleine Miniräder, mit Minipedalen und Mini-Helmen.

Papa mit Müll in beiden Händen, während die jüngere vorweg fuhr und lauthals „We will rock you!“ sang. Da wusste ich, wir sind auf ’nem guten Weg. Wahrscheinlich lag seine Herzensdame noch besoffen in den Federn. Harte Sauftouren steckt Frau ja mit zunehmenden Jahren nicht mehr so leicht weg wie früher.

Bestimmt war es drei oder vier Uhr, als sie heimgetorkelt kam und vor der Toilette hockend die Güllepumpe anwerfen musste, dass Töchter samt Gatten zu Tode erschrocken senkrecht im Bett standen, um gleich wieder in seligen Schlaf hinwegzusegeln, in die unendlichen Weiten Skandinaviens, wo röhrende Elchkühe ähnlich glücklich aus Wäldern winken, wie das verschmiert-lächelnde Gesicht der Mutter, das mit den Worten „E-i-s-h-o-g-e-y!“ in die Kinderzimmer grüßte, den süßen Mädchen den Guten-Nacht-Kuss ersparte, ihn stattdessen exklusiv für den glücklichen Gatten aufsparte, um ihn für alle Zeiten mit einem unvergesslichen bitter-sauren Zungenkuss in den achten Himmel zu schießen.

 

Bald zu Ende, die Odyssee 2019 – CW46

Woche im Gulag. Aufstehen, Frühstücken, Schreiben, Schreiben, Schreiben, Abendbrot, Schlafen. Wieder von vorne. Eine Woche lang. Habe angefangen, ein paar Augenübungen zu machen. Glotze zuviel stumpf gerade aus. Hilft gewaltig. Kann ich jedem empfehlen. „Wladimir Zhdanov – Sehen ohne Brille“ einfach mal bei Youtube suchen & anschauen. Komms‘t aus dem Staunen nicht raus. Man fragt sich halt immer öfter, ob es nicht noch mehr Dinge gibt, wo man mit alternativen Behandlungs-Methoden eventuell preiswertere und bessere Ergebnisse erzielt, als mit der herkömmlichen, limitierten Newtonschen Betrachtungsweise, des Ärzte-Wesens. Habe da so meine Zweifel. Muss jeder für sich selbst entscheiden. Zum Gluck!

Am Ende ist’s oft eher Religion, als Faktenbasiert. Wir beeinflussen die Ergebnisse, mit unseren Erwartungen, sind quasi blind für alles, was davon abweicht. Das geht so weit, dass wir Dinge, die in der realen Welt vor unseren Augen passieren, von uns selbst nicht wahrgenommen werden – umgekehrt natürlich genauso. Spreche hier durchaus aus eigenen Erfahrungen.

Komme gut mit dem dritten Buch voran. Muss mich jedoch unbedingt mit dem Cover auseinandersetzen. Habe mich da noch nicht festgelegt. Auch die Übersetzung vom Zweiten ins Französische kommt langsam, aber stetig weiter. Was in der Welt da draußen von sich geht, entzieht sich allerdings mehr und mehr meinem Interesse.

Nicht, dass ich es nicht kapiere. Nichts leichter als das. Ich bin Utopist. Nahezu alles kapiere ich, was halbwegs schräg und naiv klingt oder ist. Aber der nahezu genetisch vorbestimmte Rechtsruck hin zum Konservativen, scheint uns Menschen irgendwie in die Wiege gelegt zu sein. Haben so viele so viel Angst vor Verantwortung, dem eigenen Leben gegenüber? Brauchen soviele jemanden, der ihnen die Entscheidungen & Verantwortung abnimmt?

Hab das mal ausgerechnet. 6000 Jahre, sind so um und bei 2,2 Millionen Tage. Klingt gar nicht so viel, wie ich finde, bezogen aufs Alter der Erde. So lange, wiederholt sich jetzt schon das Aufkommen und Untergehen von Imperien, Königreichen und Nationen. Vom alten Sumer bis heute, mas-o-menos. Immer schon gab es den Aufschwung, in Richtung liberaler Öffnung, Selbstbestimmtheit und Freiheit und den Abschwung, Richtung Monarchie bis hin zu Diktatur. Stalin und Franco sind altersbedingt verschieden. Ist gar nicht so lange her, wenn wir an die 2,2Millionen Tage denken.

Dennoch ändert das nichts daran, dass ich jeden Morgen mit dem gleichen Eifer, der gleichen Hoffnung und dem gleichen Zorn erwache, dass wieder ein paar Menschen mehr wach werden und etwas ändern wollen. Mag blauäugig und idealistisch klingen, vielleicht. Definitiv jedoch nicht gleichgültig. Nichts, aber auch gar nichts ist mir egal. Wir müssen uns unsere Schauplätze lediglich gut überlegt aussuchen. Dann klappt es auch mit Brüderlichkeit, Freiheit und Gleichheit.