Wie bitte, immer noch? Odyssee 2019 – CW44

Ich war mal wieder in meiner Heimat, korrekterweise „auf“ ihr – Mallorca. Ist’n schweres Wort, finde ich – „Heimat“. Viel will ich darüber aber nicht verlieren; es liegt mir manchmal zu sperrig im Magen, weswegen ich es ausführlich in meinem vierten Buch behandle – Titel wird noch nicht verraten – es handelt aber von meiner philosophischen Betrachtung des Lebens, soviel sei vorab verraten.

Jedenfalls, soviel steht eben auch fest, ist das Gefühl, was wir mit „HEIMAT“ verbinden, angenehm und stark, eventuell beides zusammen; bei 20 – 25 Grad Sonne, gutem Essen & Trinken und mit Freunden beisammensein, bleiben eh wenig Wünsche offen; auch hierrüber will ich nicht länger schreiben, noch mehr Worte verlieren.

Meinen angenehmen Kurztrip ins Heimatdorf genießend, haben sich meine üblichen Kanäle geöffnet, so wie immer, wenn ich dort bin – die Schwingung ist auch nach all den Jahrzehnten, auffallend inspirierend; wundert daher nur wenige, warum sich dort Landarbeit und kreatives Schaffen so wunderbar ergänzen und gegenseitig befruchten.

Eher so ganz nebenbei konnte ich meinen gordischen Knoten im Kopf lösen; genauer gesagt, ist es seine Auflösung und die Folgen dessen. Um es nicht allzu kryptisch klingen zu lassen: Jeder würde es als gegeben sehen, dass Gedanken, Wort und Schrift frei sind; das stimmt leider nur bedingt; wir können kaum frei denken und Schreiben, weil wir zu viele Schichten über unserem Zellkern liegen haben, das unser wahres Wesen nur äußerst selten, tendenziell eher so gut wie nie, klar und ungefiltert heraustritt und Hervorscheint.

Wieso das so ist? Abgekürzt formuliert: Unsere Prägung während Kindheit, Jugend, kombiniert mit Schulbildung und Berufsausbildung und anschließenden Studien eingeschlossen, geben uns zwar reiches Handwerkzeug an die Hand, dass wir jedoch nur sehr selten, mit unseren eigenen, frei herausgearbeiteten Bedürfnissen, Empfindungen und Werten bedienen; eigene und fremde Erwartungen und Ansprüche sein hier nur als Spitze des Verhinderungs / Verkomplizierungs-Eisbergs genannt, der direkt vor unserer Nase, die Fahrrinne versperrt.

Meine Freude ist deswegen umso größer, dass ich mich von weiteren Teilen befreien, sie bei Spaziergängen am Wasser abstreifen konnte; es ist tatsächlich äußerst anstrengend, sich seinem eigenen Schreibstil treu zu bleiben, ihm konsequent zu folgen. Zu schnell tauchen wir auch im Leben in verwässerte Gefälligkeit, in nahezu unverständliches Diplomaten-Schreib-und-Sprech ab, weswegen von unserem eigentlichen Ansinnen oft nichts erreicht & übrig bleibt.

Feuer und Wasser war immer schon schwer zusammenzubringen – Öl und Wasser geht eher; jeder einzelne von beiden hat tolle Eigenschaften; zusammen, als gründlich vermischte Emulsion, sind sie gut anwend.- sprich verreibbar; gründliche Durchmischung, lautet das Geheimnis. Endlich ist mir, genau das, beim Schreiben gelungen. Ewig lang haben das Dritte und ich miteinander gerungen; alle möglichen inneren Stimmen und fremde Kommentare wuchsen wie wild-wuchernde Pilze in meinem Kopf.

Jetzt – nach einer knappen Woche in der Heimat, bekam ich ‘nen Griff dran; jene innere permanente Wachsamkeit zu schüren, bedarf täglicher Arbeit und Disziplin, um das Schwert scharf zu halten – auf einen guten Schliff, lieber Schreibschmied.

 

Immer noch Odyssee 2019 – CW43

Herbst überall. Auch in meiner Seele, obwohl es seit Tagen gut läuft. Dutzende Seiten schreibe ich. An einem Tag, ich weiß schon nicht mehr welcher, kam ich auf 20. Soviel, also wirklich, schaffte ich noch nie. Dafür bin ich aber unzufrieden mit dem Ergebnis. Ich weiß genau, wie die Bilder und Filme in meinem Gedächtnispalast sind, aber bei meinen Versuchen es zu Papier zu bringen, treffe ich immer nur den Rand.

Es ist ein wenig so, wie wenn man einen Tisch beschreibt, ohne ihn zu beschreiben. Man erklärt die Umgebung, den Raum wo er steht. Seinen Eigentümer, oder Gäste, die er schon beheimatet hat. Vielleicht erzähle ich, was auf ihm alles passiert ist. Hat man Lebensmittel und Körper darauf ausgepackt. Oder hat man erschütternde Momente auf ihm erlebt, wenn man seinen Kopf in eine Armbeuge stecken musste, wie ein Flamingo, der danach auf einem Bein weiterschläft.

Vielleicht will mein Unbewusstes nicht mehr genau sein, sondern nur noch vage und schemenhaft. Offensichtlich gilt es auch für meine aktuelle Art der Beschreibung. Mehr und mehr glaube ich, dass ich es selbst bin, der so geworden ist. Neulich bat mich ein Freund um meine Meinung. So etwas rührt mich immer sehr, weil es ein bewusster Vorgang ist, jemanden um seine Betrachtung und Einschätzung zu bitten. Dabei geht es natürlich weniger darum, dass man einer Meinung ist – mein Freund will ein Haus auf einem Grundstück bauen, was in der Nähe von jenem liegt, in dem er selber wohnt.

Kaum hatte ich begonnen zu antworten, bemerkte ich, dass ich über Selbstfindung zu sprechen kam, dass wir erst wissen müssen, wo wir hinwollen, bevor wir losgehen können, in etwa so, wie wenn man einen Kompass ohne Nadel hat. Einfach losrennen bringt nichts, solange man die Richtung nicht weiß. Lange habe ich darüber nachgedacht, weshalb ich auf seine direkte Frage durch Umschreibung des Umfeldes geantwortet hatte und eben nicht ganz kompakt und direkt. Ich fand, dass so eine Begleitung schöner ist, als wenn man auf die Frage „Hunger“ schlicht mit „Ja“ antwortet.

Selbst zu einer Erkenntnis zu kommen, ist doch am wertvollsten. Man macht sie somit zu seiner eigenen. So eine Herangehensweise kostet Geduld und Einfühlungsvermögen. Beides ist immer seltener Anzutreffen. Geduld ist mittlerweile schwerer zu finden, als Empathie, wenngleich auch jene sich oft schon vor langer Zeit aus dem Staub gemacht hat. Man muss Menschen mögen, um ihr ein Zuhause geben zu können. Nur allzu oft geht uns das verloren. Schnell und effizient muss heute alles gehen. Selbst in unserer Freizeit. Quality-Time, welch abscheuliches Wort.

Sokrates hat mit dieser Technik begonnen, der sogenannten Mäeutik. Offenkundig gab es damals noch genügend Zeit zum Zuhören, wenngleich man Sokrates mit dem Schierlingsbecher wegen Gottlosigkeit und nicht wegen Zeittotschlagen umbringen ließ, was aus vielerlei Betrachtung auch heute noch eine Tragödie ist, nicht kleiner oder minder, als all das, was uns heute täglich umgibt.

An so einer altmodischen, aus meiner Sicht, menschenfreundlichen und weisen Methodik festzuhalten, empfinde ich als wohltuend, wenngleich ich mir dessen lange nicht bewusst war, da ich von dieser didaktischen Herangehensweise nicht wusste, dass ich sie anwendete, ganz besonders mit Hinblick auf den furchtbar-düsteren Immanuel Kant, der bereits uralte Erkenntnisse, der alten Griechen in Frage stellte und es über 200 Jahre brauchte, bis wir sie hier im dunkler werdenden Abendland wieder neu entdecken durften – bravo!

Manchmal kommt es mir so vor, als wenn man nichts wirklich zu Ende bekommt, nicht mal einen einfachen Satz, in dem so Vieles Stecken kann, dass es einem das ganze Leben und noch viel mehr kostet, zu verstehen, was er bedeutet. Möglicherweise ist es auch ganz natürlich, dass wir immer nur in Tagesfragmenten leben, fühlen und denken. Vielleicht kommt daher der Charme der ewigen Daseins-Lebendigkeit, weil wir jeden Tag ein Stück weit anders, also tatsächlich ein klein wenig verändert worden sind, weswegen wir uns oftmals in Altaufgeschriebenem nicht wiedererkennen, sogar oftmals fremd sind.

Ein Hoch auf Geduld & Müßiggang

 

 

Odyssee 2019 – CW42

Herbst in Norddeutschland. Bunte Blätter hängen in Bäumen und Gedanken rum. Frühe Dunkelheit sorgt für ausreichende Melancholie. Rum im Tee für wohligen Müßiggang mit Rauch auf der Zunge. Frühstücken, dann zum Amt; muss meine alte Lady abmelden; 25 Jahre pflichtbewusstes Überleben. Ist nicht jedem gelungen. Zu schnell verheddert man sich und fällt durchs Rost. Ein paar Mahnungen sind mit der Post gekommen; scheint so, als wenn meine Abneigung gegen administrativem Bullshit größer wird. Kann sie physisch spüren. Keine Ahnung warum Menschen so hinter ihr her sind. Nachmittags schreiben, kein Mittagsstündchen. Dann Besuch von Karsten, mit Wein und Chips. Pünktlich ins Bett. Muss weniger saufen.

Dienstag – ich befürchte, ich brauche eine Lesebrille. Mache zwar ständig Übungen, um die Augen nicht durchs stumpfe Geradeaussehen einrosten zu lassen, aber es ist mühselig und ich bin schlecht in Disziplin, was grundsätzlich toll für Müßiggang, aber schlecht für Alltagsabläufe ist. Musste zum Verleger. Hat mir die Hammelbeine langgezogen, warum das dritte buch so lange dauert; richtig sauer war der. Kapiere das nicht; egal was ich mache, Menschen werden schnell stinkig, besonders Frauen. Warum nur? Komisch. Gestern zum Beispiel: Bekomme da wieder eine Hasstirade von Susanna. Wahnsinn. Ist sechs Jahre her; hab da keine Worte mehr. Abends Buch lesen ohne Brille.

Mittwoch – Besuch bei der Lektorin. Sie wollen Hörbücher rausbringen; nichts dagegen. Habe derzeit andere Themen im Kopf. Muss Horus fertig machen, damit ich mich an mein Haupt-Werk setzen kann. Mann und Frau driften immer weiter auseinander, zwei Rollenmodelle die sich auflösen; die alten Griechen haben es vorgemacht; kein Wunder, dass die ständig im Krieg waren. Bin knapp 4 Wochen aus Griechenland weg und muss sagen, dass mir Land und Leute fehlen, später dazu mehr. Nachmittags wieder zurück an den Schreibtisch, spätes Mittagessen, dazu Milch – kein Wein. Abends dann Doku im Internet; habe keine Aquarium oder Fernsehen um’s Licht auszumachen. Eine späte Zigarette, dann ins Bett.

Donnerstag – draußen regnet‘s. Heute bleibe ich im Bett liegen. Habe Bock auf nichts. Lesen, dösen, Decke anstarren. Späten Vormittag dann die Überwindung. Aufstehen und ab zum Broterwerb; Mittag mit zwei Surf-Kumpels. Mag deren Frohsinn und Aktivität. Immer ist bei denen was los. Spaziergang an der Elbe nach dem Essen. Locker quatschen und Blankenese aufs Schambein starren. Danach wieder arbeiten. Mache heute zeitig Schluss. Abendbrot bei Doku. Danach Lesen – immer noch ohne Brille.

Freitag – spätes aufstehen, gegen Elch in der Stadt. Verlag und Lektorin wollen das Manuskript vom Horus, nur um es schon mal vorab durchzuarbeiten; bin dagegen; ich will keine Kommentare, bevor es nicht fertig ist; das ist so ähnlich, wie wenn du Migräne-Tabletten für deine zukünftige Frau kaufst, die du noch nicht kennengelernt hast. Abends Dinner mit meinem Freund und Steuerberater – im Ono. Teurer Laden, mit vielen schicken Slim-Fit Hamburgern. Kohle-Futter-Balance ist noch okay. Wir haben reichlich Spaß, quatschen von früher, heute und auch morgen. Ein schöner Abend, bis die Bedienung uns um kurz nach elf vor die Tür setzen will. Denke ich höre nicht richtig. Gebe der Lady ein strammes Feedback.

„Darf ich sie duzen oder lieber…?“

„Nein,nein dozen gerne…!“, ihre Augen werden größer, sie geht einen Schritt zurück. Ich muss eine entschlossene Austrahlung haben.

„Schmeißen Sie uns jetzt etwa raus?“

„Sie sind die letzten Gäste; wir würden gerne….“

„Darf ich das als JA, deuten? Ich will Ihnen dann mal eine Kundenrückmeldung geben: Das geht überhaupt nicht, was ihr hier gerade macht; ihr wollt hohen Anspruch haben, Qualität in Luxus-Porno-Qualität, alles edel und geil und dann, weil wir die Letzten sind, uns vor die Tür setzen, im Ernst? Um 23 Uhr auf einem Freitag? Ist klar, dass wir nie wieder kommen, oder? Als Gast nimmt man die niedrige Qualität im Essen hin, wenn der Service super ist; umgekehrt nie, kapiert?“ Bin wirklich sauer, über diese Popper-Läden, die meinen mit geiler Location, cooler Deko und tätowierten Bedienungen den Laden zu Rocken – das langt nicht, Leute! Ihr könnt mit gutem Service Werbung machen, vor Allem aber müsst ihr den vorleben; habe so etwas in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt, grolle ich noch vor mich hin und fahre heim. Zuhause beende ich mein Dinner mit einem Glas Wein und einer Zigarette – Fuck-Off. Gute Nacht!

Samstag – Frühstücken, Buchpaket an meine Freunde von der Zeit schicken, damit sie bei all der Haute-Cuisine, die in ihrem Feuilleton verstoffwechseln zwischendurch auch mal einen herb-gewürzten Eintopf bekommen. Dann Deal mit kleinem Laden für meine Ware gemacht. Bücher müssen gelesen werden, oder? Abends Dinner mit Freundin in Ottensen; Restaurant in meiner alten Straße, Nernstweg.

Komme früher an und wandle durch die Gassen; viel hat sich verändert; zuviel Hochglanz, zu viel Neues und Buntes für meinen Geschmack; das ganze Viertel ist ein Freeshop geworden; Hippster-Bärte und Tätowierungen, wohin ich auch sehe; Erinnerungen kommen hoch; platte Reifen, Geschreie, Flaschen die an der Wand zerschellen; mochte gerne hier leben; irgendwann sah für mich alles gleich aus; musste dann weg; war vielleicht falsch, den Typen das Feld zu überlassen.

Mein alter Kämpfer Ede lebt noch mit Familie dort; unnachgiebig halt er die Fahne hoch; ich bewundere ihn dafür; oft wünschte ich mir, noch dort zu sein; heute nun, wegen einer Freundin – habe sie lange nicht mehr gesehen; hängt ziemlich durch die Gute; Arbeit, Leben, Liebe, der pure Stress; will ihr Leben ändern, kürzer treten, ein wenig auschecken und dann weitersehen.

Ist ne komische Welt da draußen: Diejenigen, die sich um sie kümmern, werden vergrault. Merkwürdig. Hab noch nicht kapiert warum. Kommt vielleicht noch. Gegen Mitternacht gehen wir in eine Bar, nehmen ein letztes Glas Wein mit Zigaretten – beim Zahlen kommt ein junger kerl, der die Rechnung zählt: „Tessera, pente….“, freue mich und frage ihn auf griechisch, ob er Hellene ist; er freut sich dass ich seine Sprache lerne; wir plaudern ein wenig, mitten in Hamburg; ich bekomme Heimweh, obwohl es erst vier Wochen her ist – gehe mit Kloß im Hals zum Auto und fahre Heim.

Sonntag – Kaffee, frühstück, Musik, schreiben, schreiben, schreiben – gegen Abend Kumpel-Besuch mit schnacken, lachen und vermutlich….na wollen mal sehen.

 

Odyssee 2019 – CW41

Broterwerb am Montag – ein unschönes Wort; sein Brot er-werben, was implizit heißt, dass man es tun muss, weil es sonst nichts zu essen gibt; wir verbringen viel Zeit damit – Erschaffung von Schuld & Sühne, welch geniale Idee, Macht durch Wissen auszuüben und das schon so lange. Heute ist Kapital die neue Kirche. Instrument der Macht? Wissen; alte Bekannte im edlen Gewand elitärer Akademien – alte Platte, mögest du ewig weiternudeln, so wie früher!

Dienstag – stülpte ich mein Innerstes nach außen, ohne zu verkleben. Um sieben aufstehen, 30min laufen, ohne Pause – dann ausmümmeln, duschen und Frühstücken, hintereinander, nicht gleichzeitig; dann Broterwerb in Büro-Kaserne; erwäge im nächsten Jahr meine Arbeitszeit zu verkürzen; schönes Wort, Arbeits-Zeit-Verkürzung – wun-wun-wunnaba. Mittag mit „Me-myself-and-Ei“ – mag das zu dritt in der Kantine zu sitzen. Dreibeine sind auch statisch gesehen das Ideal; da kippelt rein gar nichts. Nachmittags, früher Abend schreiben; dann ging die Sonne unter; ich haste in den Supermarkt, Gemüse, Lachs, Brot und Kleinkram; draußen erste Zeichen vom güldenen Eichenlaub – Mitternacht dann heia-bubo.

Mittwoch – Letzter Tag vor Moped-Wanderung; vormittags Mahlzahn mit Brille und Laptop; Nachrichten und Termine mit dem Rechen gehakt, gewendet, getrocknet und zu Heu verarbeitet; ich mag Gras; Lunch mit einem Freund an der Garonne; Wein zum Mittag in der Woche zeigt, dass du alles richtig gemacht hast; kannst du nur keinem sagen; ihr habt Verständnis, ich kenne euch, zumindest tief verborgen, wo es muffig und feucht ist. Abends ein paar Sachen gepackt, dann Lachs mit Toast – guten Abend!

Donnerstag – Wecker um 5:00 Uhr! Heute bring ich meine CBR600, die ich liebevoll Wanze nenne, zurück zur Quelle, droben im Norden, zu Loka; komme pünktlich um sieben am Flughafen an; dort steht sie seit fünf Monaten; lasse den Starter nudeln, nichts; nur ein wenig hüsteln; weiternudeln, schnell macht die Bakterie die Grätsche; dann anschieben, bis die Knie zittern; ein paar Biker helfen, bis unsere Beine weich wie Pudding sind; bald stellt sich heraus, dass die alte Dame in den 5 Monaten 5 Liter Sprit durch die Unterhose hat laufen lassen.

Also los, Kanister gekauft, Sprit rein, geschwind zurückgefahren; hinein mit dem Humpen, frisch löungsgeglüht genudelt und kawumm – bravó-bravó! Und losfahren – merkwürdig, wie schwer die sich lenken und fahren lässt; völlig normal bei 2 Plattfüßen; abenteuerlich, wie ich die erste Autobahnraststätte anlaufe – endlich Luft in die Rueda’s und weiter; im eleganten 200KM-Takt getankt, gepinkelt und weitergefahren; zum Glück regnet es, da trocknet die Erde nicht aus; schön all die Gischt auf dem Visier; gut dass ich Samstag noch Regenkalmotten gekoft hab.

Frankreisch ist schön – Brücken, Berge, Bäume fahren wie ein Quentin Tarantula Streifen vorbei; Reisetempo 120-140, besser iss das; Brive-de-la-Gaillarde crossing; Clemong-Ferrong taucht auf Schildern auf; Hamburg sucht man vergeblich, dafür reichlich Paris; geographisch geht es jetzt radikal rechts-ab, Richtung Cle-Fe; einsam reite ich grüne Berge rauf und schroffe Täler nunter; nimmer-endendes Asphaltband, hin und wieder unterbrochen von Mautstationen; wieder anfahren alle Gänge durchschalten, Affen hinter Cockpitscheibe machen, Beine einrollen und weiter-rauschen; nach Clement geht es durch Vichy, Quellwasserfreaks aufgepasst; dann weiter Richtung Chalon-sur-Sàone; Schafe, Weiden, sympatisch-verlodderde Häuser, Traktoren, klapprige Auto’s; Gemütlichkeit.

Zwischendurch tanken, dann weiter Richtung Nancy und Metz; tanken, pinkeln, weiterfahren; es läuft ganz gut so ohne Pause; dann Luxemburg; endlich Pause beim goldenen M; die Bedienung nimmt keine Bestellungen mehr auf, das machen jetzt Service-Stationen, wo ich mein Kram eintippen darf; nach 15min gebe ich auf; ein junger Franzose zeigt mir die Prozess-Schritte, die ich bis eben gerade nicht hätte wissen wollen; ich bekomme einen Zettel, mit meiner Bestellung drauf, den es nicht geben würde, wenn ich sie wie immer akustisch geteilt hätte; was für ein Schwachsinn; Müll produzieren, um die Effizienz auf Kosten der Kunden zu erhöhen; good-bye Mc-Donalds, wie hast du mir noch nie gefehlt! Natürlich ist nicht alles auf meinem Tablett, als meine Nummer auf dem Bildschirm erscheint – ähnlich wie bei Arbeits.- oder KFZ-Zulassungsstelle – ich suche die Kamera vergeblich; schöne neue Realität.

Auf Klo soll ich einen weiteren Automaten mit 70cent füttern; Geld verdienen mit meiner Notdurft, wahnsinn! Wutentbrandt krabble ich unter dem Drehtor durch, beobachtet von einer entsetzten Klofrau; bevor sie die Polizei ruft, hauche ich ihr schneidend-leise zu: „Ich werde nicht in die Hose pinkeln, weil ich vorher meinen Schein kleinmachen muss, iss klar, oder?“ – sie lässt mich gewähren; ich kann es nicht fassen, springe auf meine alte Dame und fahre weiter Richtung Trier; die Dämmerung drückt das Licht zu Boden; bald gleiten wir über A1, dann A48; Ulm geht es ab Richtung Nürburgring, alte Heimat; 10 Jahre Kreisfahren, mit und ohne Kontakt; Etappenziel erreicht, Pension-Müller Herschbroich, Franziskaner-Weizen und Zigarette zum Abschluss; erste Etappe geschafft, gute Nacht.

Freitag – 8:00 Uhr aufstehen, 8:45 „In-der-Dell“, 9:00 Uhr Frühstück bei Rewe in Breidscheid. Um 10:00 Uhr Abfahrt in den Norden; rolle zufrieden an der Ahr entlang; alles heil geblieben die letzten 47 Jahre, mehr oder weniger; zu viele Tränen und Kollateralschäden; manchmal merkt man nicht, dass man die Axt im Wald ist; A61, dann A1; Frankreich war leer, Deutschland ist voll; ich fege durch den Pott, zum Mittag Kamener-Kreuz, dann auf die A2, fluchs durch die Porta Wesfalica, Bückeburg, mit Berg und brauner Vergangenheit; tanken, pinkeln, weiterfahren, nichts hat sich verändert; meinen Knochen geht es wunderbar.

Rasthof Allertal Pause, mit Burger-Krieg, ähem, King; Menschen bedienen mich und das Essen ist besser, ein Glück! Jedoch auch hier 70cent für die Notdurft; ich ziehe das Drehtor ein wenig in meine Richtung; siehst du, da pass ich locker durch, blockiere es bis es brummt und schlüpfe unbeobachtet hindurch; mit meiner Notdurft wird nicht abkassiert – ist ethisch und moralisch verwerflich; gegen Nachmittag endlich Ankunft in Wilstedt-Siedlung bei alten Freunden; hier wird die alte Dame Rente einreichen – feiern, trinken, essen, lachen und schluchzen, alles gleichzeitig, wunderbar; gegen Elch dann Taxi nach Siek – Waidmannsheil!

Samstag – Frühstück, einkaufen, Buchpakete nach Griechenland aufgeben, neue Bücher im Laden abholen; mein Hirn braucht Futter; dann Physiotherapeut zuhause; ächzen und stöhnen; dann schreiben, schreiben schreiben; abends dann Freund mit Rotwein für die Seelen, reden für‘s Leben; es geht um Trennung und Neuanfang, Life is a bitch! Gegen eins ins Bett, gute Macht!

Sonntag – Kaffee, frühstück, Musik, schreiben, schreiben, schreiben – dann Kumpel-Besuch, mit Ente, Wein und Bier, aber nicht zu viel – Zeilen fertig-tippen, korrigieren, hochladen und ab-dafür.