Interview Marine Le Pen – Odyssee 2021 CW20

23.Mai – 2021, ganz Europa ist von der Demokratie besetzt. Doch halt, nicht ganz Europa: Nur die Bewohner alter ideologischer Gedanken-Dörfer jagen immer noch Wildschweine, grölen Volkslieder und gehen keiner Keilerei aus dem Wege.

Wachsender Unmut gegenüber einer viel zu langanhaltenden 75 Jahre alten Friedenszeit, sowie die beschleunigte Globalisierung, die alle geliebten Heimat-Dörfer ins Chaos zu stürzen droht, lassen selbst stark behaarte Männerwaden in der guten Stube schlottern, das sich die gelangweilten Bewohner dieser sauberen und reinen Volkstümlichkeit, besonders nach dem hastigen Genuss von ein paar Krügen Bier, immer lauter nach eisernen Fäusten sehnen.

Doch wieso?

Konnten die Menschen etwa mit Komfort und Frieden nicht, etwa gar noch nie umgehen? War Langeweile am Ende der Grund, warum wir die über unseren Zaun gewachsenen Apfelbaum-Äste des Nachbarn abschnitten, oder sonst anderswie Streit vom Zaun brachen?

D wusste es nicht, weswegen er sich entschloss, zumindest einen dieser Vertreter zu interviewen, idealerweise jemanden, aus einem anderen Garten Eden:

Marine Le Pen.

Doch wie bereitet man sich am Besten darauf vor? Auch dies wusste D nicht und überzeugte Marines Pressesprecherin davon, dass es ihm nicht darum ging, ein provokantes Bild von Marine darzustellen, sondern, dass es in erster Linie ein privates Gespräch sein sollte. Schnell verabredeten sie einen Video-Call.

D: Liebe Marine – schön, dass es so schnell geklappt hat, ich darf dich duzen, oder?

M: Naja ausnahmsweise, weil es sich um ein privates Interrview handelt; würden wir einen formellen Rahmen haben, dann…

D: Freut mich. Also, wie geht es meiner Lieblingsnachbarin…? Liegst du im Sterben, oder in den Wehen…?“

M: Wie bitte…?

D: La France, mein Frankreich, Frankenland, Fronkraisch…du erinnerst dich…?

M: Okay, also ohne waming-up, waum nicht; also ab in den Ring…“

D: Nein, nein, wir können gerne erst einen Ice-breaker…

M: Mein Eis ist längst gebrochen…los, komm schon rein mit dir in den Ring…traust dich wohl nicht, oder…? (Marine macht ein paar Boxbewegungen vor der Kamera, wie beim Sparring…)

D: Hat Papa dich so werden lassen? Als ehemaliger Fremdenlegionär hat er dich bestimmt wie einen Jungen hart rangenommen und dich wie einen erzogen, so mit im Stehen Pinkeln und so…

M: Keine Witze über meinen Vater; er hat zwar wirklich einige merkwürdig Ansichten und ist aufgrund seines Alters ein wenig mental deformiert, aber er ist und bleibt mein Vater…(Marine fährt mit leichten Boxbewegungen fort, denen D auf der anderen Seite der Kamera gespielt ausweicht)

D: War es schwer ihn aus der Partei auszuschließen, immerhin war es sein Baby..

M: Na klar! Blöde Frage……

D: Echt wahr, dass ihr in Frankreich nicht blickt, das „Vive La France, vive La Republique“ das Gleiche ist wie „America First“, nur das es eleganter klingt…?

M: Natürlich ist das was Anderes…wir sind Frankreich und nicht…

D: Du meinst eure Kultur, Bildung und keine verlorenen Weltkriege, so wie in Deutschland, machen euch zu einer nobleren Nation…?

M: Nein, aber unsere eigenen Maßstäbe als Leitkultur für Einwanderer zu sehen, lässt zumindest mehr Ordnung im eigenen Haus entstehen…

D: Aber ist Frankeich nicht genauso wie Deutschland eine Nation, die von Zuwanderung profitiert, sie geradezu braucht…?

M: Wenn ihr in Deutschland nicht sagt, was alle denken, nämlich, dass Zuwanderer zumindest eure Kultur und Sprache annehmen müssen, um Teil eures Landes zu werden, dann ist das nicht mein Problem…

D: Klingt nicht sehr europäisch…

M: Natürlich nicht, zuerst denkt jeder an sich…

D: Sag ich ja, Frankreich first…

M: Gilt doch für jeden Menschen…wenn ihr in Deutschland eure Atomkraftwerke abschaltete, dann hindert es uns ja nicht, mehr zu bauen…jeder nach seiner Facon…

D: Was unterscheidet dich denn von Manu…?

M: Mit mir wird es kein Geschunkel mit dem Islam geben! Ich setzte mich voll für das Verschleierungsverbot…

D: Gibt es wirklich nichts Wichtigeres in Frankreich, als Religions-Mode…?

M: Es ist ein wichtiges Symbol…wir müssen…

D: Was unterscheidet dich denn jetzt konkret von Manu…?

M: Ich will, dass Frankreich auch in Zukunft Frankreich…

D: Also wie in Bayen „Mir san mir“..?

M: Wie bitte…?

D: Und Manu will all das nicht…?

M: Er ist doch der Grund, warum La France so schlecht dasteht und im Chaos versinkt…

D: Manu? Der ist doch erst in paar Jahre da…ich dachte, er ist für Erneuerung…

M: Schau dir mal dieses Chaos in unserem schönen Land an…überall Gewalt und Korruption.

D: Wo habt ihr denn Chaos…Vielfalt sieht so aus….Europa nennt sich das…hast du Angst vor Liberté und Diversité?

M: Überall herrscht Unmut und Verzweiflung…in den Banlieus brennen die Straßen…

D: Aber die Banlieus hat doch deine Klasse, die Bourgeoise selber gegründet….Zuwanderer schön raus aus den Stadtzentren, kennt man doch….unter sich bleiben uns so….und jetzt beschwert ihr euch? Ist ein Witz oder…? Und wo du Korruption ansprichst…hast du deinem Freund nicht einen gutbezahlten Posten in der eigenen Partei beschafft? Musstest du nicht erst Letztens veruntreutes Geld zurückzahlen…?

M: Dafür bin ich nicht verantwortlich…..für so etwas hab ich….

D: Noch einmal: Was unterscheidet dich von Manu…? Bis jetzt hast du das noch nicht benennen können, außer, dass Frankreich schön und französisch bleiben soll…das gilt vermutlich auch für Macron….

M: Er hat zu verantworten, das Frankeich verwahrlost…

D: Wie bitte? Also, lass uns jetzt mal Tacheles reden: In der EU willst du bleiben, weil sie sich, ich zitiere „ An euch angenähert hat“ – echt wahr, dass du das so siehst? Klingt ein bisschen größenwahnsinnig, meinst du nicht? Alleine schon Gravitationstechnisch ist leicht zu erkennen, dass du..

M: Wir können innerhalb der EU mehr bewirken als…

D: Schon kapiert, du hast die Platte gewechselt…also: In der EU bleiben, auch den Euro behalten…nur die Gartenzwerge, die sollen in Frankreich geschnitzt werden, vermutlich von glücklichen französischen Dreifachmüttern, die mit der Bibel unterm Kopfkissen ihren Partner glücklich machen…

M: …natürlich haben Frauen die gleichen Rechte wie…

D:….der natürlich ein Vorzeigeprodukt der Republik ist, idealerweise mit Abschluss von einer Grand Ècole…aber was ist mit den anderen 95% des Volkes, die nicht von der Uni kommen…heute gibt es ja nur Universitätsabsolventen und die anderen…..wäre es nicht an der Zeit, sich hier etwas beim Nachbarn abzuschauen?

M: Mir gefällt nicht, wie du über mein Land sprichst ….bist du Freund, oder…

D: Entspann dich mal, ma chère…du musst nicht gleich wie der Biden Vorgänger reden…

M: Es gibt nun einmal wenig, in dem Franzosen nicht führend…

D: Merkst du das eigentlich? Ihr müsst mit eurem selbstverliebten Werbejingles aufhören…das nervt…genießt das Leben, seit glücklich und zufrieden mit euch, aber posaunt es nicht ständig rum…Bescheidenheit…verstehst du? Ihr könnt doch Diskretion…

M: Man muss nicht schüchtern sein, wenn man erfolgreich ist…

D: Okay, also, ich halte dann fest, korrigiere mich gerne: Du bist für die EU…

M: Ich sagte, ich bin für den Erhalt und unsere Mitgliedschaft…

D: Sei nicht so pingelig – also, du bist für die EU, für den EURO, ja ich weiß, du bist nicht explizit dafür, aber auch nicht dagegen, einverstanden; was noch? Ach ja, du bist für Atomkraft, obwohl ihr wie Deutschland kein Endlager habt, willst aber auch keine Windenergie…also Bio und Öko schon, aber mit Atomkraft….und Frankreich den Franzosen…

M: Irgendwie klingst du nicht seriös, wie du meine Sicht widergibst, es klingt so, als würdest du meine Ansichten nicht ernst nehmen…

D: Deine Wahrnehmung trügt nicht…

M: Das ist eine Unverfrorenheit…

D: Möchtest du wissen warum…?

M: Eigentlich nicht…

D: Ganz genau das ist der Grund…

M: Wie bitte? Ich sage doch…

D: Ganz genau! Du bist an einer fremden Sicht, die eventuell nicht deine ist, gar nicht interessiert; du bist ein Narziss, der sich im Spiegel betrachtet – kritische Töne? Fehlanzeige, noch dazu ist dein Programm kaum anders als das vom Manu, außer…

M: Okay, bleibt das Bitte unter uns…?

D: Was…?

M: Wie gut kennst du uns…?

D: Ich würde meinen, ein wenig…

M: Tatsächlich? Mutig von dir…

D: Was wolltest du mir anvertrauen…du batst darum, das etwas unter uns…

M: Wir haben eine reelle Chance an die Macht zu kommen; die Medien geben uns Rückenwind…noch nie war sie so greifbar nah…Franzosen, alle Mittelmeerländer, im Grunde alle Südeuropäer lieben Helden…ich muss einen Krieg gegen Manu führen, weil ich mich kaum hinstellen und sagen kann, dass es wenig Unterschiede gibt und das wir im Grunde zusammenarbeiten sollten, um Frankreich in die Zukunft zu führen….das klingt nicht sexy…auch interssiert sich niemand für so eine kollaborative Zukunft, was meinst du warum Menschen Rugby und Fußball schauen? Mnschen lieben Sieger, die Hlden, die hoch zu Ross stolz durch das Schlachtfeld reiten….solange es Apéro und gutes Essen gibt..

D: Die Flasche ist alle, wollen wir bei weiß bleiben, oder zu Rot wechseln…?

M: Wie wäre es mit Rosé…?

D: Einverstanden….gute Idee….ich höre dir zu…

M: Wir Franzosen sind eigentlich recht genügsam, solange es ein wenig „Amou fou“, gute Weine und unsere weltberühmte Cuisine…

D: Jetzt fängst du schon wieder mit diesem Werbejingle an….was soll ich für mich behalten…?

M: Santé…

D: Santé…

M: Wir brauchen das barocke Drama in der Politik, die Sentimentalität…und zwischen den Wahlen geht alles seinen üblichen sozialistischen Gang…erwartet keine Revolutionen von uns…denn uns geht es gut genug….keiner will groß etwas ändern,….wir tun nur so als ob, verstehst du das? Nur kann ich das keinem sagen, schon gar nicht als Chefin des AF, der seit Gründung zum Elysee-Palast schielt…verstehst du?

D: Na klar…also bleibt es dabei was ich bereits gesagt habe…

M: Was..?

D: Das es in Wahrheit keinen Unterschied macht, wer von euch beiden an der Macht sitzt…

M: Natürlich ist das wurscht…es wäre nur unterhaltsamer, wenn ich dran käme, weil…

D: Schon kapiert, Frau und so….hast du nicht Angst, dass du dich in etwas Ähnliches verwandelst, wie Kurz in Österreich oder Trump oder all die anderen Alpha-Schwachköpfe…? Wir können euch Heinis nicht mehr gebrauchen…die jungen Generationen noch weniger….die kriegst du nicht motiviert, dich zu wählen…überleg dir also gut, ob du wirklich Präsidentin werden willst….mehr Zeit für dein Leben hast du, wenn ihr Opposition bleibt….

M: Das stimmt wohl, aber versuchen müssen wir es…

D: Verstehe ich…

Pressesprecherin: So, die Zeit ist um…

D: Danke für das Gespräch…

M: Avc Plaisir…

Tatsächlich saß man noch länger zusammen und leerte am Schluss vier Flaschen – auch die Pressesprecherin setzte sich dann dazu und trank mit…

PS: Anm.d.Redaktion: Natürlich hat ein solches Gespräch nie stattgefunden – es ist aber zu empfehlen, das wirklich stattgefundene Interview mit der Zeit-Redaktion zu lesen, weil dies fiktive Interview zwar an einigen Stellen als überzeichnet aufgefasst werden könnte und es um so mehr jeden überraschen dürfte, das die Wirklichkeit manchmal noch viel beeindruckender sein kann….was nichts daran ändert, dass es vermutlich wirklich egal ist, wer in La France an der Macht ist.

Es wird viele Jahre, gar Jahrzehnte dauern, bis man fair hergestelltes Foie Gras und all die vielen anderen leckeren Schweinereien abschafft….….lediglich die Tatsache, dass der französische Präsident der einzige demokratische Leader der Welt ist, der per Einzelentscheidung einen Krieg beginnen darf….das lässt die Redaktion immer wieder nachdenklich di Stirn runzeln…hier regen wir unsere Freunde in Frankreich an, Änderungen in ihre Verfassung einzubringen…

…frohe Pfingsten!

Wissen und Wahrnehmung – Odyssee 2021 CW19

16.Mai – Kürzlich gab es einen Eklat. D hatte eine Auseinandersetzung mit seinem engen Freund Perikles. Es ging um Erkenntnis und Wissen. Wie gelangte man an sie, idealerweise an beide? Doch schon dort gingen ihre Meinungen auseinander. Es kam nämlich schon darauf an, in welchem Kontext man Worte benutzte.

Je nach Abhängigkeiten und Inhalte, konnte es schon zu gewaltigem Kuddelmuddel kommen. Und so kam es. Selbst diese zwei recht ausgeglichenen und geduldigen Gesprächsteilnehmer behielten nur mit Mühe die Nerven, gehorchten sie doch letztendlich ihrer Vernunft. D und P saßen bei Wein zusammen, als ihr Freund A hinzustieß.

D: Ich muss dir widersprechen, Perikles; ein Beispiel, schau, wenn ich sage – ich werde statt jünger täglich älter – dann ist diese Aussage nicht nur wahr, sondern richtig. Warum? Weil es fürderhin als bewiesen gilt, dass alle biologischen Organismen altern. Wenn wir also eine Induktion tätigen, also seht euch um, alle Lebewesen in der Natur sind sterblich, dann schließen wir daraus, dass auch aller Menschen Leben endlich ist.

Was jedoch nicht verhindert, dass ich von etwas überzeugt sein kann, etwas also zum Beispiel eine Hainbuche zur Familie der Buchen zähle, die viele unserer Wälder verzieren, was offenkundig falsch ist. Weil ich es aber Teil meiner Überzeugung ist, gelangt diese Aussage automatisch in meine Wirklichkeit, womit ich diese Aussage für wahr halte, wenn ich weiterhin darauf beharre und meinen Irrtum nicht bemerke. Daraus folgt, dass..

P: Warte warte warte, nicht so hastig, werter Recke – du willst mir doch nicht erzählen, dass die Wahrheit nicht per se richtig ist, oder…?

D: Ganz genau! Die Wahrheit ist Ausdruck meiner Wahrnehmung, meines Sinnfeldes sozusagen; ich habe ein Konstrukt in meinem Kopf, das ich für wahr halte, damit ist es nicht automatisch richtig. Denn wenn ich eine Aussage mache, die…

P: Falsch mein Lieber, die Wahrheit ist immer wahr – in deinem Fall ist es eben nicht die Wahrheit, was du da vermutest, sondern schlicht eine falsche Annahme, ganz im Gegensatz zu…

D: Leider ist das nicht korrekt, mein Lieber – wir halten ständig Dinge für wahr, weil wir natürlich gute Gründe dafür haben, wie übrigens in allen Fällen von Irrtümern, was aber eben nicht automatisch bedeutet, dass es richtig sein muss; es ist schlicht unser Sprachgebrauch, der uns auf die falsche Fährte lockt, so wie auch dich, geschätzter Freund. Nehm das Beispiel der Erd- versus Heliuszentrierung…

P: Wenn ich deinen Worten also glauben schenke, müsste daraus automatisch folgen, dass es unendlich viele Wahrheiten gibt, wo sich jeder Betrachter rauspflückt was er will, womit…

D: Natürlich! Was anderes ist doch gar nicht möglich; nehm das Beispiel mit der Erde als Zentrum des Kosmos; Jahrhunderte hat man das nicht nur geglaubt, sondern es war schlicht die Wahrheit gehalten; Aristoteles formulierte es schon…es hat nahezu 1800 Jahre gedauert, bis man bemerkte, dass man falsch lag – wieviel haben Galileo Galilei, Kopernikus und Kepler und Konsorten unter der damaligen Haltungen, besonders der Inquisition gelitten…

P: Unfug, das ist grober Unsinn! Wir wären mit deiner Theorie verloren; man könnte sich ja auf nichts mehr verlassen, geschweige Stabilität suchen, sich an etwas klammern…nein, das lehne ich ab…du nutzt das Wort Wahrheit nicht richtig; natürlich kannst du von etwas überzeugt sein, aber das heißt ja nicht…

D: Siehst du das Glas vor dir…?

P: Was ist damit…?

D: Wie voll ist es…?

P: Fast leer, wieso? Du passt eben nicht auf, gibst nicht mehr gut auf deine Freunde acht, denn sonst würdest du mir das Glas lenkst wieder….

D lächelt, nimmt den Krug Wein und füllt etwas nach; sofort will Perikles protestieren, wird jedoch abgelenkt, weil ihr Freund Alexander ihren lauten Dialog aus der Ferne belauschte, neugierig wurde und sich fix dazusetzte.

A: Na ihr beiden? Um was streitet ihr am Samstag-Nachmittag?

D: Von Streit kann keine Rede sein, sondern eher von angeregter…

P: Also für mich ist es schon einer, weil, schau mal, wenn du die Sprache…

D: Okay, wenn es für dich einer ist, für mich jedoch nicht; jedoch passt es ganz gut zu dem Beispiel mit dem Weinglas…

P: Du meinst mein…

D: Wart doch mal, darauf will ich doch jetzt hinaus; also, wie voll ist es jetzt…?

P: Naja, halbleer, so schlecht, wie du mich schon den ganzen Tag behandelst, ist es ja kein Wunder, dass du mir mein Glas nur…

D: Halbleer? Sehr interessant, ich aber schmettere dir tapfer an den Kopf, dass es halbvoll statt halbleer ist; wer von uns beiden hat nun Recht?

A: Ihr beide!

D: Ganz genau; wir haben zwei Wahrheiten, die in diesem besonderen Fall sogar beide richtig sind, was nicht so oft vorkommt, wenn ihr mir zustimmen wollt….

P: Okay, es ist alles eine Sache der geistigen Betrachtung und Haltung…jedoch ändert es nichts daran, das…

D: Natürlich nicht, das habe ich ja auch nie abgestritten, im Gegenteil! Deswegen ist es ja so wichtig, dass man mit den Worten achtsam umgeht; überleg mal, wie leichtfertig…

A: Nicht nur das; denkt nur mal daran, wie schnell aus unterschiedlichen Betrachtungen Konflikte entstehen, obwohl man vielleicht das Gleiche meint, wie in eurem Fall…

P: Ganz genau! Hier, als Veranschaulichung, mein Beispiel mit dem Messer…

D zückt ein Messer, klappt es auf und hält die Klinge so an seinen kleinen Finger, als würde er sich diesen kleinen Teil yakuza-mäßig abschneiden; erschrocken und etwas beunruhigt schauen ihn die zwei Freunde an.

D: Keine Sorge, ist nur ein prägnantes metaphorisches Gleichnis: Stellt euch vor, ihr wäret an meiner Stelle, warum schneide ich mir die Fingerspitze des kleinen Fingers NICHT ab?

P: Weil du ihn noch brauchst…?

D: Ein möglicher Grund…

A: Und weil es schlicht schmerzhaft ist…

D: Auch eine Möglichkeit…

P: Was willst du uns damit sagen…?

D: Das es hier für mich eindeutig ist, was zu tun ist; alle Wahrnehmungen sind mir offenkundig. Ich verfüge über ausreichend Lebens-Erfahrung, dass es die Wahrheit wäre, wenn ich annehme, dass es sehr schmerzhaft sein dürfte und ich halte es für sinnlos, ihn mir abzutrennen, weil ich  a) mit diesem Teil auf die Welt gekommen bin und b) weil mir ohne ihn deswegen vermutlich manche Handgriffe schwerer fallen sollten, womit die Antwort des Nutzens ebenfalls gegeben ist…nur so offensichtlich es in diesem Fall zugeht, so selten eindeutig ist unser Alltag, noch dazu, wenn wir uns im permanentem Austausch mit anderen befinden…

P: Was ist jetzt mit meinem Glas…?

D: Was meinst du? Grade eben habe ich doch darüber…

P: Willst du das jetzt so lassen, oder schenkst du mir endlich voll…?

Obwohl Perikles Gesicht äußerst ernst dreinblickte, dauerte es nur wenige Sekunden, bis die drei Freunde die Totenstille überwältigten und laut loslachten…

Sprachverwirrung – Odyssee 2021 CW18

09.Mai – Um Kopf und Kragen redet sich die Menschheit zurzeit. Als wir unser Wissen noch mit Keilschrift ritzten war das Thema Geschwindigkeit noch nicht relevant. Man hatte stattdessen noch überhaupt keine Vorstellung davon, dass man irgendwann Leistung in Arbeit pro Zeit ausdrücken würde. Sowieso musste alles erst einmal trocknen. Wenn man die Tafeln dann noch brannte, was bei vielen Experten umstritten ist, kann das schnell ein paar Tage dauern. Aber selbst dann, blieb die Menge stets überschaubar.

Dann kam Papyrus und Pergament.

Wenn mich meine Erinnerungen nicht täuschen, waren es die alten Griechen, die den ersten Vorläufer vom Papier erfanden, während die Römer die Tierhautvariante ins Rennen brachten. Sofort machte das verbreitete Wissen einen gewaltigen Sprung. Als der Buchdruck kam, gab es nahezu eine Buch-Explosion.

Wenn ich sehe, mit welchem Speed an Telegramm (Das wirkliche Original, nicht die neue russische Whattsapp-Antwort) erinnernde Kurznachrichten in den Orbit geblasen werden, wenn ich dazu noch versuche zusammenzuzählen, wieviele Affären und Schmutzkampagnen jeglicher Coulour über Menschheit und Einzelne gekippt werden, wenngleich ich das Thema Haltbarkeit völlig außer Acht lasse, dann stehe ich sprachlos vor dieser

zweiten biblischen Sprachverwirrung!

Die schlicht bis zum Himmelszelt hochreichenden Informationsmengen lassen uns genauso straucheln und kopflos herumwackeln, wie einst das erste Hochhaus Babyloniens. Denn genau das sind heute die schier unverdaulichen Mengen, die wir uns vor die Türen kippen lassen:

Unseren ganz persönlichen Turm zu Babel!

Dabei rede ich noch nicht einmal von Relevanz, oder gar Trennung zwischen Wissen, Meinung und Vermutung – mitnichten! Das postfaktische Zeitalter ist genauso grober Unfug, wie der Ausdruck „Alternative Fakten“.

Solche Begriffe entstehen nur durch das Vermischen von den oben erwähnten Gruppen. So etwas zu bemerken, oder zu erkennen, ist überhaupt nicht schwierig, es setzt lediglich voraus, dass man ein gewisses Maß Neugier und Skepsis zugleich mitbringt. Selbst zum Beginn von Industrie 4.0 hat sich diese menschlichen Eigenschaften gar nichts verändert.

Erst als wir den sozialen Medien Raum für unser privates Entertainment einräumten, verloren wir den Überblick, als wir mehr und mehr nach bestimmten Wissen und dem Bestätigen unsrer Meinungen suchten.

In wieweit permanent lernende Algorithmen unsere Neugier beeinflussen, können wir gar nicht bewusst erfassen. Wenn ich zusätzlich dazu noch Verschwörungen hinter Manchem vermute, dann werde ich diese natürlich genauso nachweisen, wie jedes halbvolle Glas, das eben auch halbleer sein kann.

Beides ist nämlich wahr. Nur Betrachtung und Standpunkt machen etwas anderes daraus.

Was habe ich mit dieser Erkenntnis konkret gemacht? Zuerst einmal habe ich Twitter und Facebook gelöscht. Denn in Wahrheit musste ich feststellen, dass ich wirklich nichts zurückbekomme, außer eine Menge News. Doch habe ich doch schon viel zu viel, warum also noch mehr? Eben! Schnell merkte ich, wie sich mein Informations-Menge auf ein angenehmeres Maß reduzierte – herrlich!

Neulich schickte mir ein Kumpel eine Broschüre von Pfizer. Ich sollte mir die dringend durchlesen, es würde etwas mit mir machen, meinte er. Schnell folgte ich der Empfehlung. Es handelte sich tatsächlich um eine offizielle Info vom Arznei-Riesen aus den USA. Fand ich schon mal super. Nach 20min war ich durch mit dem Schreiben und sah aus dem Fenster.

In der Zwischenzeit hatte mir der Kumpel noch ein paar Nachrichten geschickt. Alle Bürger wären Versuchskaninchen, weil man in dem Schreiben klar beschrieb, was die Impfung kann und was nicht. Wieder sah ich aus dem Fenster.

Mittlerweile regnete es.

Erste Fragen wuchsen in meinem Gedächtnispalast. Was, wenn das mit neuen Mitteln zu unbekannten Krankheiten immer so ist? Tappte man nicht immer bei Unbekanntem zuerst im Dunkeln? Was, wenn am Anfang immer die Regel gilt, MIT dem wenig erforschten Mittel ist die Chance auf Krankheits-Reduzierung vermutlich größer als ohne – ist das nicht schon eine ganz Menge, so am Anfang einer Pandemie?

Keine Ahnung, ob das richtig ist, aber logisch erscheint es mir schon.

Letztendlich ist sowieso jeder für sein Leben selber verantwortlich. Solange das so bleibt, und man Ungeimpfte nicht ausgrenzt, ist die Welt für mich noch in Ordnung. Ich fände es jedenfalls schön, wenn die Wissenschaften noch mehr Aufklärung betreiben könnten. So wüssten mehr Menschen, dass Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen in den Infoblättern neuer Impfseren vielleicht völlig normal sind – und dass es gar nicht anders geht.

Es würde die Menge meiner gesuchten Informationen reduzieren und mir gleichzeitig mehr Wissen in die Hand geben – wenn wir das hinbekommen, hätten wir das gleiche erreicht wie bei dr Erfindung des Buchdrucks: Nämlich volle Bücherregale für jeden.

Jetzt brauchte man sie nur noch lesen…

Tod eines Freundes – Odyssee 2021 CW17

02.Mai – Freitag starb ein Freund. Es geschah plötzlich, völlig unverhofft. So ist es vermutlich immer, aber in seinem Fall deswegen unverhofft und blitzartig, weil er erst Mitte vierzig war.

Mein Verhältnis mit dem eigenen Lebensende ist irgendwie – unkompliziert. Ich weiß nicht, wann es ist, deswegen erlebe ich es als etwas, was weit weg zu sein scheint, obwohl ich weiß, dass es ein Trugschluss ist.

Wenn es anderen geschieht – wie meinem Freunden jetzt – erlebe ich es als Schock. Nichts kann ich dagegen unternehmen. Es ist so, als wenn ich um eine Häuserecke gehe und da steht dann mitten in der Straße so ein verfluchter Tyrannosaurus Rex! Nur wenige Meter vor mir. So nah, dass ich sehe, wie sein Atem feinen Sand herumpustet.

Todesstarre nennt man das wohl.

Reg-, sprach- und fassungslos zugleich. Alles zwecklos. Weglaufen, um Hilfe rufen, sich nach gebräuchlichen Schlagwerkzeugen umsehen. Alles Quatsch. Niedergeschlagen fühlte ich mich, so als wenn ich bis dahin glaubte, dass wir ihm irgendwie vielleicht doch hätten entkommen können.

Zwischen seinen Beinen hindurchschlüpfen sehe ich als einzige Chance – doch meine Gedanken verraten mich auch jetzt – immer will ich, das wir ihm entkommen!

Ein Freund aus nächster Nähe rief bei mir an und erzählte es mir. Für den Rest des Tages fühlte ich mich leer und mutlos. Oft dachte ich an seine Frau, seinen Sohn, all seine Freunde – und natürlich ständig an ihn.

Wie hilfsbereit, fröhlich und optimistisch er war. Oft habe ich ihn dafür beneidet. Auch für seine den Menschen zugwandte Art – immer war er ein Lichtblick, im tristen Pessimismus der Menge. Strahlend, fröhlich und mit Charme verband er Menschen über alle sichtbaren und unsichtbaren Grenzen hinweg.

All die Theorien, die vielen Bücher, die ich gelesen hatte, nützten mir wiedermal nichts. Man kann machen was man will, nie wissen wir, in welche Richtung wir uns bewegen. Eher hin, eher weg?

Ist das die Quintessenz des Lebens?

Besteht keine Möglichkeit, dass wir es irgendwie anders handhaben können? Für mich zumindest ist es ein Riesenbetrug, ne Sauerei den die Natur da an uns begeht. So vieles bleibt ungetan. Unmöglich kann es im Sinne der Schöpfung sein. Ist mir egal wie das klingt:

Ich finde den Tod zum Kotzen!