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Federball und die Pandemie – Odyssee 2021 CW09

Seit nun bald einem Jahr gab es dies neue Jetzt. D versuchte es von sich zu schieben, merkte aber schnell, dass es nicht klappte – es war immer noch da. In Frankreich gab es immer noch von 18 – 6:00 Uhr Ausgangssperre. Bars und Restaurants blieben immer noch geschlossen. Niemand wusste, wann sie wieder öffnen würden. Hoffentlich half der Staat all den Restauratoren und Barbesitzern.

Was D viel mehr umtrieb war die wachsende Sehnsucht der Menschen nach Bedeutungslosigkeit. Immer mehr Menschen suchten ihr Heil in der Zerstreuung. Wie sollte man auch sonst das dauerhafte Medien-Bombardement zum Thema Corona aushalten – wie?

D wusste es nicht.

Stattdessen staunte er über die verschiedenen Ansätze und Betrachtungsweisen innerhalb der EU. Da gab es reichlich zu lernen und zu bewundern. Denn während man in Deutschland – D hatte sich hier ein wenig eingelesen – die magische Grenze von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern auf 35 gesenkt hatte, weil es ja Angriffe britischer Mutanten gab, ging man in Spanien mit anderen Maßnahmen und Betrachtungsweisen vor, weil man dort bei 200 Neuinfizierten praktisch Entwarnung gab.

Auch verschlagerten immer mehr Unterhaltungen – D freute das, weil  vor aller Augen eine neue Sprache geboren wurde, ohne dass die Allgemeinheit etwas davon bemerkte, was quasi das gleiche ist, als wenn man im zehnten Monat schwanger ist und nichts davon bemerkt.

Wir schalten uns daher unbemerkt in ein Telefongespräch zwischen D und einem guten Freund.

E: Moin……

D: Hola Ede…alles gerade bei euch?

E: Naja, muss ja ne…?

D: Wie wahr…was will man machen…

E: Wie ist denn das Wetter bei euch…?

D: Mild, meistens über 15 Grad…und bei euch?

E: Auch schön….aber nicht so warm, wie bei euch…

D: Ja…

E: Bei euch blühmt es bestimmt schon überall…

D: Wie verrückt…

E: Hier ist die Natur noch nicht so weit…

D: Wie ist denn die Stimmung so bei euch…?

E: Wie die Abgase hinter einem Katalysator…es geht immer weiter…

D: Hier in Toulouse auch…

E: Ja…

D: Dies neue Federballspielen finde ich super…

E: Was bitte…?

D: Was wir hier gerade machen…

E: Was…?

D: Naja wir beide…?

E: Was machen wir denn…?

D: Wir unterhalten uns…

E: Und…? Was ist daran jetzt neu…?

D: Naja, dies lockere miteinander den Federball in der Luft halten…

E: Was bitte…?

D: Naja, wir reden die ganze Zeit, ohne etwas zu sagen…

E: Stimmt…

D: Ist so wie Schlager hören…

E: Stimmt…

D: Oder eben Federball spielen…

E: Ja…

D: Weißt du was ich meine…?

E: Nee…

D: Warum fragst du dann nicht…?

E: Ja…

D: Wie ja…?

E: Weil es mir eigentlich egal ist, über was wir reden…

D: Wie bitte…?

E: Ich weiß, klingt merkwürdig…

D: Das klingt gleichgültig…

E: Nee, im Gegenteil….

D: Wie jetzt, das Gegenteil? Das verstehe ich nicht…

E: Nichts ist mir egal, was nicht heißt, dass ich ständig zu Allem was sagen möchte…

D: Achso…

E: Ich freue mich einfach, dass wir uns unterhalten, egal, worüber…

D: Sag ich ja…wir spielen Federball…

E: Du meinst, weil wir miteinander…?

D: Genau…

E: …ohne, dass einer den Anderen…?

D: Genau…

E: Ach so…stimmt!

D: Genau…

E: Und nun…?

D: Was…?

E: Was machen wir jetzt…?

D: Wie meinst du das…?

E: Naja, was machen wir jetzt…?

D: Wir machen doch die ganze Zeit etwas…

E: Stimmt…

D: Wir spielen Federball…

E: Wollen wir weitermachen…?

D: Warum nicht…?

E: Wollen wir uns ein Glas Wein dazu einschenken…?

D: Gute Idee…

E: Bis gleich…

D und E stehen beide auf und verschwinden vor den Kameras; Synchronschwimmern gleich hört man zeitgleich Korken knallen und Flaschen gluckern, bevor sie wieder vor den Linsen erscheinen und ihre Unterhaltung noch zwei Stunden weiterführen, ohne auch nur das Geringste zu sagen…und so geschah es…!

 

 

 

Giftige Blumen

Gierig wie Schmeißfliegen den Rüssel in Blüten drücken, klammerte sich der elendige Erzeuger zuckend an das bebende Becken, das von glühender Lava von innen verzehrt, die reife Frucht bestäubend, boshaft getragen von der listigen Meduse, die kein Mühsal scheute, nicht zögerte der Schöpfung einen weiteren Sklaven zu schenken, über dessen Herzen sie zu allen Zeiten gebieten würde, zum Preis der alternden Gebeine, auf dem Weg zum brennenden Schafott.

Im warmen Sternenstaub schliefen wir glücklich und zufrieden, schwebten zwischen den Zeiten, als wir unschuldig gepflückt vom Firmament, in einer Schlangengrube schwammen, geschützt vom schuldigen Leib, der stahl die verbotene Frucht, stolz die wachsende Brut zur Stau stellend, als hätte sie das Recht über Leben und Tod zu gebieten, wie über alle Lust und Gier der Welt, als käme sie als Gesandte des Himmels, hämisch lachend, das niemand sah die grausame Hyäne hinter dem Vorhang des lüsternen Fleisches.

Bodenlos stürzten wir, unter Tränen zerquetscht, als stinkender Höllen-Wurm das blendende Weltenlicht erblickend, die fragenden Murmeln, von irdischer Gier und Boshaftigkeit versengt, wie der Nachtfalter, der verzweifelt die Dunkelheit sucht, doch nur vom schreienden Licht der Sirenen übergossen wird, die unseren Hunger nutzen, uns mit ihrem Willen säugten, ihren Leib als täglich Brot an uns verfütterten, uns mit jedem Bissen mehr vergifteten.

Kopf und den fragenden Mund, stopfte man uns; nichts ließen man außer Acht; man gab sein Bestes, viel mehr als das, man goss Zwietracht, Gier und Neid in unseren Höllenschlund, köchelte unsere Seele auf kleiner Flamme, würzte die Suppe mit Vorverdautem, das sie nahmen aus alten schmierigen Kästen, scherten sich einen Dreck um die Träume des jungen Geschöpfs, wollten glückliche Kopien von ihrem Selbst und hinterließen verbrannte Erde, wo vormals stand ein junges Wäldchen.

Wir lehnten ab aus Leibeskräften; wollten nichts aus ihrem Pandämonium des Schmerzes, nicht ein Funken ihrer verdorbenen Verlogenheit, die nur trachtete danach, zu bekommen die Kontrolle über uns und unsere Wünsche; kein Mühsal scheuten wir, nach dem Grund des Weltendrecks zu fragen, den sie uns anpriesen, als wären es Oblaten des heiligen Geistes und nicht nur öde Belanglosigkeiten ihres Fleisches, das nichts ausließ, das Eigene zu geißeln;

nach einer Weile, wir wurden älter, im Herzen das gleiche Kind, dessen junger Garten zerstört für alle Zeiten, da ließ man uns alleine, sie hatten ihre Nerven blankgelegt vom eigenen Wahnsinn, endlich Mut gefunden, die verlogene Fratze der liebevollen Fürsorge herunterzureißen, zeigten jetzt unverhohlen den eigenen Schmutz wie eine Trophäe herum, nachdem man Jahre vorgab, das Beste gewollt zu haben.

Wenn Glück, selbst Freiheit fahl wie Asche schmecken, wenn die Bäume der Wahrheit, verstaubt auf das Ende aller Zeiten warten, ihre Früchte nicht süß und saftig, dem Durstigen nicht nehmen den Selbigen, dem Hungrigen nicht nehmen den Knurrenden, wenn das Gute, die goldene Parole schmierig klingt, ihre Geschwister stinken, wenn alles verdreht, ganz anders ist, als die Verkleidung zu verkaufen scheint, dann ist das Erwachen nicht mehr fern.

Früh wurden wir zum Werten erzogen; schnell lernten wir, Urteile schneller zu fällen, als wir Worte verstanden; oft wurden wir ausgestoßen, bevor aufgenommen; weil Gleiches nicht anders kann, als nach sich selbst zu suchen, weil uns Vielfalt während der Kindheit geraubt, durch Uniformen ersetzt; lächelnde Verführer kamen als Freunde, wollten uns in ihrer Mitte, um im Chor zu schreien, als wäre der Krug der Verdammnis umgestoßen.

So ging es immer weiter und fort, nie wollte es enden; wir sahen weder Ende, noch Ausweg; sie benutzten uns, wo sie nur konnten; sie rackerten sich an uns ab; erst die Eltern, dann die, die nur unser Bestes wollten, so wie alle und immerzu;

nichts und niemand ist an uns interessiert; alle löschen Bedürfnisse an uns, so wie den Durst in der Oase; es geht ihnen um sich, nicht um uns; niemand will uns frei und glücklich; man nimmt uns als Pflaster, als Medizin, als Grund für Enttäuschung, als Erinnerung an bunte Zeiten, idealisiert im Licht der Vergangenheit;

Frei wir werden wenn wir sprengen die Ketten, die uns halten in den staubigen Erinnerungen der frühen Jahre; Ansprüche, Erwartungen, benutzt zur inneren Konservierung; zum Fordern, Verlangen, zur ewigen Verbindung, bis das Alte geht und verblasst und nichts mehr ist, außer einer alten Erinnerung, wie aus Tausend und Einer Nacht.

Wenn wir die Augen öffnen, wenn wir das erste Mal mit Ihnen sehen, was all die Jahre durch Fremde gesehen; wenn wir denken, alleine und befreit; abgelegt all das Fremde und Vorgeformte, das so Recht nie passen wollte, nie Unseres war, wir es nur aus Reflex und Respekt trugen, bis wir merkten, dass es uns zerstörte, wir verbrannten, fast zu Grunde gingen;

Manches wird verschwinden; Anderes wird kommen; man wir uns meiden, verfluchen und hassen; wir werden bleiben, was wir immer waren, Aussätzige, die zu niemandem passten, die sich weigerten etwas anderes zu tun als das Eigene zu leben; sich weigerten etwas anders zu spüren als sich selbst; Kopien, Sackgassen und Grenzen ablehnten, wie vorgefertigte Meinungen und kopierte Lebensmodelle;

wenn sie uns borstig, widerspenstig nennen, wenn wir wieder sind, wie wir als Kinder waren, wenn wir wieder bei uns sind, wenn das Kind in uns wieder lebt, dann werden wir unsere Dornen lieben und genießen, das wir nicht jedem schmecken.