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Giftige Blumen

Gierig wie Schmeißfliegen den Rüssel in Blüten drücken, klammerte sich der elendige Erzeuger zuckend an das bebende Becken, das von glühender Lava von innen verzehrt, die reife Frucht bestäubend, boshaft getragen von der listigen Meduse, die kein Mühsal scheute, nicht zögerte der Schöpfung einen weiteren Sklaven zu schenken, über dessen Herzen sie zu allen Zeiten gebieten würde, zum Preis der alternden Gebeine, auf dem Weg zum brennenden Schafott.

Im warmen Sternenstaub schliefen wir glücklich und zufrieden, schwebten zwischen den Zeiten, als wir unschuldig gepflückt vom Firmament, in einer Schlangengrube schwammen, geschützt vom schuldigen Leib, der stahl die verbotene Frucht, stolz die wachsende Brut zur Stau stellend, als hätte sie das Recht über Leben und Tod zu gebieten, wie über alle Lust und Gier der Welt, als käme sie als Gesandte des Himmels, hämisch lachend, das niemand sah die grausame Hyäne hinter dem Vorhang des lüsternen Fleisches.

Bodenlos stürzten wir, unter Tränen zerquetscht, als stinkender Höllen-Wurm das blendende Weltenlicht erblickend, die fragenden Murmeln, von irdischer Gier und Boshaftigkeit versengt, wie der Nachtfalter, der verzweifelt die Dunkelheit sucht, doch nur vom schreienden Licht der Sirenen übergossen wird, die unseren Hunger nutzen, uns mit ihrem Willen säugten, ihren Leib als täglich Brot an uns verfütterten, uns mit jedem Bissen mehr vergifteten.

Kopf und den fragenden Mund, stopfte man uns; nichts ließen man außer Acht; man gab sein Bestes, viel mehr als das, man goss Zwietracht, Gier und Neid in unseren Höllenschlund, köchelte unsere Seele auf kleiner Flamme, würzte die Suppe mit Vorverdautem, das sie nahmen aus alten schmierigen Kästen, scherten sich einen Dreck um die Träume des jungen Geschöpfs, wollten glückliche Kopien von ihrem Selbst und hinterließen verbrannte Erde, wo vormals stand ein junges Wäldchen.

Wir lehnten ab aus Leibeskräften; wollten nichts aus ihrem Pandämonium des Schmerzes, nicht ein Funken ihrer verdorbenen Verlogenheit, die nur trachtete danach, zu bekommen die Kontrolle über uns und unsere Wünsche; kein Mühsal scheuten wir, nach dem Grund des Weltendrecks zu fragen, den sie uns anpriesen, als wären es Oblaten des heiligen Geistes und nicht nur öde Belanglosigkeiten ihres Fleisches, das nichts ausließ, das Eigene zu geißeln;

nach einer Weile, wir wurden älter, im Herzen das gleiche Kind, dessen junger Garten zerstört für alle Zeiten, da ließ man uns alleine, sie hatten ihre Nerven blankgelegt vom eigenen Wahnsinn, endlich Mut gefunden, die verlogene Fratze der liebevollen Fürsorge herunterzureißen, zeigten jetzt unverhohlen den eigenen Schmutz wie eine Trophäe herum, nachdem man Jahre vorgab, das Beste gewollt zu haben.

Wenn Glück, selbst Freiheit fahl wie Asche schmecken, wenn die Bäume der Wahrheit, verstaubt auf das Ende aller Zeiten warten, ihre Früchte nicht süß und saftig, dem Durstigen nicht nehmen den Selbigen, dem Hungrigen nicht nehmen den Knurrenden, wenn das Gute, die goldene Parole schmierig klingt, ihre Geschwister stinken, wenn alles verdreht, ganz anders ist, als die Verkleidung zu verkaufen scheint, dann ist das Erwachen nicht mehr fern.

Früh wurden wir zum Werten erzogen; schnell lernten wir, Urteile schneller zu fällen, als wir Worte verstanden; oft wurden wir ausgestoßen, bevor aufgenommen; weil Gleiches nicht anders kann, als nach sich selbst zu suchen, weil uns Vielfalt während der Kindheit geraubt, durch Uniformen ersetzt; lächelnde Verführer kamen als Freunde, wollten uns in ihrer Mitte, um im Chor zu schreien, als wäre der Krug der Verdammnis umgestoßen.

So ging es immer weiter und fort, nie wollte es enden; wir sahen weder Ende, noch Ausweg; sie benutzten uns, wo sie nur konnten; sie rackerten sich an uns ab; erst die Eltern, dann die, die nur unser Bestes wollten, so wie alle und immerzu;

nichts und niemand ist an uns interessiert; alle löschen Bedürfnisse an uns, so wie den Durst in der Oase; es geht ihnen um sich, nicht um uns; niemand will uns frei und glücklich; man nimmt uns als Pflaster, als Medizin, als Grund für Enttäuschung, als Erinnerung an bunte Zeiten, idealisiert im Licht der Vergangenheit;

Frei wir werden wenn wir sprengen die Ketten, die uns halten in den staubigen Erinnerungen der frühen Jahre; Ansprüche, Erwartungen, benutzt zur inneren Konservierung; zum Fordern, Verlangen, zur ewigen Verbindung, bis das Alte geht und verblasst und nichts mehr ist, außer einer alten Erinnerung, wie aus Tausend und Einer Nacht.

Wenn wir die Augen öffnen, wenn wir das erste Mal mit Ihnen sehen, was all die Jahre durch Fremde gesehen; wenn wir denken, alleine und befreit; abgelegt all das Fremde und Vorgeformte, das so Recht nie passen wollte, nie Unseres war, wir es nur aus Reflex und Respekt trugen, bis wir merkten, dass es uns zerstörte, wir verbrannten, fast zu Grunde gingen;

Manches wird verschwinden; Anderes wird kommen; man wir uns meiden, verfluchen und hassen; wir werden bleiben, was wir immer waren, Aussätzige, die zu niemandem passten, die sich weigerten etwas anderes zu tun als das Eigene zu leben; sich weigerten etwas anders zu spüren als sich selbst; Kopien, Sackgassen und Grenzen ablehnten, wie vorgefertigte Meinungen und kopierte Lebensmodelle;

wenn sie uns borstig, widerspenstig nennen, wenn wir wieder sind, wie wir als Kinder waren, wenn wir wieder bei uns sind, wenn das Kind in uns wieder lebt, dann werden wir unsere Dornen lieben und genießen, das wir nicht jedem schmecken.

 

 

Esel und Vogel am Strand

An einem schönen sonnigen Tag standen der schöne Vogel und der störrische und sensible Esel auf und machten sich daran ein schönes Frühstück zuzubereiten. Sonne schien und frischer Wind brachte vom Meer eine leichte Brise in ihre kleine Hütte. Ausgeschlafen setzten sie sich zufrieden an ihren liebevoll gedeckten Tisch, an dem sie sich lange lächelnd in die Augen sahen, glücklich einander zu haben. Sie begannen über den schönen Tag zu sprechen. Der Vogel liebte das Meer: Weiter Blick, Wellen und die salzige Luft ließen ihn ruhig und verträumt in die Weite schauen. Besonders gerne machte der schöne Vogel das zusammen mit dem störrischen Esel, der mit dem Vogel gar nicht störrisch war.

Auch der Esel hatte das Meer gerne. Am liebsten saß er dort mit dem schönen Vogel, um zusammen die Wellen zu beobachten. Sie beschlossen, zum Wasser zu gehen. Der Vogel freute und beeilte sich, den Tisch abzuräumen. Als sie fertig waren, traten sie vor ihre kleine Hütte und atmeten zusammen die frische und salzige Luft. 

Als der schöne Vogel auf den Rücken des Esels flatterte ging es los. Der Esel ging den kleinen Weg gerne, der sich an die Berge schmiegte und sich wie ein kleiner lebendiger Gebirgsbach runter zum Meer schlängelte. Der schöne Vogel freute sich so sehr, das seine Ungeduld hochkam, ähnlich wie die Sonne am Morgen. Der Esel fühlte das und lächelte still vor sich hin. Er kannte den Vogel gut. Nach wenigen Minuten konnte der schöne Vogel es nicht mehr aushalten, hob mit einigen kräftigen Flügelschlägen ab und flog schnurstracks zum Meer.

Der Esel freute sich darüber, dass der schöne Vogel seiner Ungeduld nachgab und vorflog. Zufrieden strahlte er in die große weite Welt, während er gemütlich Richtung Meer trabte. Während der Esel in Seelenruhe den schmalen Weg zum Meer runter ging, flog der schöne Vogel fröhlich zu den lebendig herumspritzenden Wellen und sang vor Freude über den Anblick des schönen Meeres. Wenige Minuten später dache er an den Esel. Er freute sich so sehr darüber, dass der Esel sich mitfreute, dass er umso lieber zum Esel zurückflog. Gerade Pfiff der Esel ein fröhliches Lied, als er den freudig singenden Vogel heranfliegen sah. Es war schön wenn er zurückkam. Das war nicht immer so: Manchmal wartete der schöne Vogel so lange mit dem Vorausfliegen, das der Esel nur kurze Zeit später am Wasser ankam.

Heute jedoch war alles ganz anders: Der schöne Vogel flatterte munter singend auf den Rücken des Esels und berichtete was er alles gesehen hatte. Der Esel nickte lächelnd, während er dem schönen Vogel zuhörte und dieser ihm eine Menge Vorfreude machte. Gemütlich trabte der Esel um die letzte Kurve herum, während der schöne Vogel im Rhythmus des Rückens seine Flügel weit auseinanderfächerte und seine Schwingen sanft im Wind wog.

Es war ein schöner Anblick, wie der Wind Mähne und Schweif des Esels, wie auch die Flügel des schönen Vogels durchfuhr, als wäre er ein kleines Kind, das fröhlich kreischend in die Luft geworfen wurde. Gerade hatten sie die letzte Kurve hinter sich gelassen, als sich der Horizont immer weiter öffnete, bis die ganze Welt voll davon war: Das Meer.

Der Vogel hielt den Atem an, während der Esel stehenblieb: War das schön. Was für ein toller Augenschmaus. Fast gleichzeitig seufzten sie und schauten mit sehnsüchtigem Blick auf den weiten Horizont. Dem Vogel wurde warm ums Herz, fiel dem Esel um den Hals und drückte ihn ganz fest an sich. Tief schnaubte der Esel sanft und liebevoll und bekam glänzende Augen vor Freude.

Als sie sich nach einiger Zeit vom ergreifenden Moment gefasst hatten, gingen sie runter zu den Felsen. Sie hatten vor einiger Zeit zusammen einen Stein ausgewählt, auf den sie sich gerne zusammen setzten. Wellen donnerten mutig an den steinernen Strand; Felsen hielten den Gleichen Stand, als sie den Trampelpfad am Wasser entlang gingen. Dann sahen sie ihn, rannten und flogen gleichzeitig drauf los und versuchten vor dem Anderen da zu sein. Wie jedes Mal gewann der Vogel. Er freute sich, als wäre es das erste Mal.

Gemeinsam saßen sie am Meer, blickten es schweigend an, kuschelten sich aneinander, blickten sich hin und wieder in ihre Seelen und genossen den Anblick. Wie ihre zwei Augenpaare fröhlich glänzten. saßen sie so noch viele Stunden, während sich der schöne Vogel immer dichter und enger an den störrischen Esel schmiegte, bis sie fast eins waren und irgendwann die Sonne unterging.