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Tiwars Tag – Teil1

Marmorsäulen rahmen die mächtige Halle – sie erinnert eher an einen Tempel, als an einen Raum zum Schlafen – Blumen stehen in barocken Bodenvasen – weiße Lilien, überall – ihr Duft strömt durch den Raum, wie auslaufende Gletscherzungen, die alles unter sich begraben, was sich ihnen in den Weg stellt.

Eine schlichte, bequem aussehende Sitzgarnitur steht in einiger Entfernung – ihre Mitte ziert ein filigraner Tisch – ein paar runde flache Bücherregale schwimmen wie kleine Inseln herbei, sobald sein Bewohner die Lust zu lesen verspürt. Säulen, rundherum – mächtig, schön, erhaben und hoch. Schon lange steht die Sonne am Himmel und wirft dicke milchig-gelbe Strahlen herein.

Langsam zieht er die Augen auf – wie müde Jalousien raffen sich die Lider hoch und stöhnen um die Wette. Gleißend springt ihm das Licht ins Gesicht und beißt in seine Augen, als wären es saftige Äpfel – nichts zu machen – auch nach Jahren gewöhnt er sich nicht daran – Sonnenlicht, bleibt ihm am Morgen ein Dornen im Auge.

Seufzend setzt er sich auf. Tiefe Furchen graben sich in seiner Stirn ein, als er sich an den gestrigen Rotwein und das reichlich mit Knoblauch gewürzte Essen erinnert, dass sich wie ein pelziger Schleier auf Zunge und Rachen legt und beides übertapeziert, wie einen Erstbezug. Missmutig blickte er sich um, kratzt sich am Hinterkopf. Sein langes graues Haar hängt ihm wirr um den Kopf – faltig und zerknittert hängt das ehemals weiße Nachthemd von ihm herab – er sieht sich um und fährt sich dabei kratzend über seine Unterlippe, während er den kleinen rechten Finger abspreizt und sich im Ohr zu kratzen.

Behäbig, ein wenig gequält, beugt er sich über den Nachtisch und greift nach der Glocke. Ihr Bimmeln schellt fein und durchdringend durch die Wände – kurze Zeit später kommt sein Sekretär hereingerannt.

-Guten Morgen my Lord, haben Sie gut geschlafen? Womit kann ich Ihnen dienen?

-Geht so, einigermaßen, danke der Nachfrage. Bringt mir einen Tee.

-Sehr wohl, was für einen?

-Einen Grünen und bringen Sie das Programm gleich mit – wir haben keine Lust aufzustehen.

-My Lord, Sie haben heute eine Menge Termine – die Menschen brauchen Sie!

-Papperlapapp – hören Sie auf mit dem Geschwafel – niemand braucht irgendjemanden – und jetzt Abmarsch – ich will Tee und das Programm, verstanden?

Donnergrollen lässt die mächtige Halle erschüttern. Schlotternd rennt der Sekretäre mit wehenden Haaren aus den heiligen Hallen – kurze Zeit später kommt er hechelnd mit einem goldenen Buch und einem Tablett angelaufen, bleibt kerzengerade stehen, gießt ein und schlägt das Buch auf.

-Darf ich euch euer Programm vortragen, my Lord?

-Nur zu, er darf.

-Zum Frühstück sind Vertreter der verschiedenen Systeme eingeladen; alle haben zugesagt – daran anschließend bekommt my Lord einen aktuellen Überblick, Schwerpunkt Milchstraße, Sonnensystem. My Lord erinnert sich vermutlich, dass es dort ein paar Schwierigkeiten gibt. Anschließend Lunch mit den Vertretern der Spiralarme – der Präsident bedauert zutiefst seine Abwesenheit, ist aber zuversichtlich, dass es fruchtbare Unterhaltungen trotz seiner überraschenden Empfehlung geben wird, da alle seine Spiral-Senatoren ihre Teilnahme bestätigt haben.

-Das weiß wahrscheinlich auch nur der Präsident, ob es fruchtbar „trotz“ oder „wegen“ seiner Abwesenheit sein wird – dieser langweilige Crétin – dreht sich seine Planung jeden Tag neu zurecht – der ist so Zuverlässig wie die interplanetaren Eiszeiten – soll mir Recht sein, wenn er wegbleibt – fahre er fort.

An dieser Stelle entfernen wir uns leise, nicht nur, weil dieser Blog geändern wird, sondern auch, weil wir die Geschichte für später offenlassen

wollen……..