Ist Kultur lebenswichtig? – Odyssee 2021 CW07

21.Februar – Erst vor wenigen Tagen las D in den Medien, dass in Frankreich, wie auch Deutschland die Frisöre wieder offen hatten. Grundsätzlich eine durchaus begrüßbare Nachricht, wenn man sich vorstellte, wie die Haartracht beider Staaten bereits ins wahrhaftig Unermessliche gesprossen sein musste.

Vermutlich hatten sich Herr und Frau Biedermeyer es sich längst selber besorgt, bevor sie wookiee-gleich durch die Straßen schlurften.

Aber wie war das mit Kunst und Kultur? War Kultur schützenswert? Gehörte Kunst nicht bis vor Kurzem zur Kultur, so wie Ying zum Yang? Wie sah es in der Pandemie damit aus? Bekamen Künstler genauso Arbeitslosenunterstützung, wie alle anderen, eher Ökonomie getriebenen?

D wusste es nicht.

Das Einzige, was D kristallklar vor seinen Augen aus der tiefsten Steppe der Erkenntnis entgegensprang, war das Bedürfnis zu helfen!

Noch konnte man sich vermutlich über Wasser halten, doch wie lange noch? Was passierte bis Sommer? Wie würden sich die unzähligen Pleiten auf Arbeitsmarkt und viel dramatischer, Immobilienmarkt auswirken?

Stundenlang brütetet D über diese ernste Situation nach und merkte, wie sich der Ernst der Lage auf seine Unbeschwertheit auswirkte. Es konnte nicht mehr lange dauern und seine Inspiration würde erste Signale senden; Einfälle und Eingebungen mussten ganz zwangsläufig weniger werden, viellicht sogar irgendwann ausbleiben, denn selbst wenn man selber vielleicht noch die Nase überm Wasser halten konnte, musste man ganz natürlich zutiefst berührt um sich herum erblicken, wie die Mitmenschen nacheinander absoffen.

Wen ließ sowas kalt? Wer konnte noch fröhliche Lieder pfeifen, wenn er damit alleine war?

D jedenfalls lief es ein wenig kalt den Rücken runter, wenn er sich vorstellte, welche Auswirkungen es haben könnte und welche es garantiert haben musste!

Beides war nicht von Pappe. Doch es war vielmehr die Frage, was für die Europäer wirklich lebenswichtig blieb; noch spannender fand D die Frage, wer darüber entschied; wer legte fest, welche Dinge lebenswichtig blieben und welche nicht meh; wonach wurde gemessen?

Offenkundig standen Frisöre ganz oben auf der Liste.

Wie konnte ein flotter Haarschnitt wichtiger als Musik, Kunst und Literatur sein? War es nicht eher umgekehrt, dass alles ein großes Nichts blieb, wenn man die großen Drei nicht um sich hatte?

Wie hielten es die Nachbarländer, wie sah es die Eurokommission?

Waren Frisuren wichtiger als kosmisches Benzin? Könnte sich nicht jeder einen Haarschnitt verpassen, der eine Schere bedient? Natürlich, über die Ausführungen müsste man nicht weiter diskutieren; mit Sicherheit dürften einige Varianten wüst bis unmöglich aussehen.

Aber wenn ein Forstwirt, der die Motorsäge bedient und den Baum nicht mehr sieht, weil seine Matte zu lang geworden ist, sich den Pony selber schneidet, um wieder frei auf das schreiende Schwert blicken zu können, dann erfüllt es zumindest seinen Zweck!

Vielleicht lieben Forstwirte die Kunst?

Könnte er nicht eher ohne Kultur am Leben zerbrechen, anstatt mit schnittiger Frisur im kulturfreien Wohnzimmer zu vertrockne, weil er weder Geist noch Seele gießen kann?

D kannte tatsächlich ein paar Forstwirte und war durchaus erfreut, über deren Literaturgeist und Kunstverstand; einer malte soga; wie konnte man also den Friseuren, ohne schlechtes Gewissen wieder erlauben, zu öffnen, während der Rest sehen konnte, wo er bleibt?

D wusste es nicht, im Gegenteil.

Die derzeitige Verrohung, bedingt durch die ungebrochene Taktlosigkeit der Politiker, ließ erahnen, was da noch auf Europa zukommen würde; Fragen wie „was ist lebenswichtig“ konnte und durfte man nur durch Volksentscheide treffen; niemals dürften das Politiker im eigenen Kreis tun; hier ging es um Demokratie und Mitbestimmung, gerade in Zeiten wie diesen, was D letztendlich wieder zur Anfangsfrage zurückbrachte, nämlich, wie half man den freischaffenden Künstlern?

Gab es so etwas wie Rettungsfonds für erwerbslose Künstler? Auch dies wusste D nicht – was er aber wusste war, dass er handeln wollte.

Zwar hatte er nicht die leiseste Ahnung wie, aber es musste einen Weg der Solidarität für alle geben und wenn nicht, musste man sie wieder herstellen und sei es in der Not durch Eigeninitiative.

D grübelte noch ein wenig herum und merkte noch kurz, wie ihn Morpheus heimsuchte, der ihn mit komplexen Träumen in weit entfernte Länder entführte, wo es noch Freiheit und Förderung von Kunst gab……bis er dann selig udn erleichtert…..

………davonsegelte……….

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.