Unsinn und Sinn – Odyssee 2021 CW03

24.Januar – D verzweifelte. Nicht wegen Corona, mitnichten: Mehr wegen Allem anderen drum herum. Tief in seinem Herzen hasste D alle Schwarz-weiß-annäherungen, musste aber eingestehen, dass sie manchmal eben doch ganz passabel zu sein schien.

Warum muckte keiner auf und krempelte sich die Ärmel zur Debatte hoch, wenn so viele Menschen Relevantes mit Nicht-Relevantem vertauschten? Unsinn bekam plötzlich Sinn. Statt zu machen, tat man nur noch so als ob. Und auf einmal schien alles Fake oder Verschwörung zu sein, was man nicht mochte oder einordnen konnte.

Ständig erwarteten die Menschen böse Hintergedanken.

Präsidenten verkamen zu Entertainern und Entertainer zu Politikern; sozialistisch war plötzlich böse; grün-alternativ arrogante Bildungsbürger und wer konservativ dachte, durfte sich plötzlich schick und hip fühlen. Was war da los?

D wusste es nicht.

Überhaupt schmerzten ihn manche Gedanken, wie es weiter gehen sollte. Nicht aus Negativismus, sondern aus Neugierde. Wieso vermuteten so viele Menschen hinter so vielen unbekannten Phänomenen böse Hintergedanken? Wo kam all der Pessimismus plötzlich her?

War die Welt nicht auch heute noch besser als ihr Ruf?

D war davon überzeugt. Vielleicht kamen wir alle nur gerade an natürliche Grenzen des Wissens. Nicht die Menge an sich, sondern der Berg, den man selber verstoffwechseln konnte. Vielleicht war es längst zu viel. Möglicherweise rannten wir deswegen ruhelos herum und konnten Stille nicht ertragen.

Aus diesem Grund entschied D sparsamer mit Worten umzugehen und zwar gleichermaßen gesprochen wie geschrieben; nicht sparsam im Sinne von Geiz, sondern achtsam in Umgang und Wirkung.

So geschah es, dass D nach wenigen Zeilen alles gesagt hatte,

und spürte, wie Armut plötzlich ihren Reiz wiederfand.

und D darüber glücklich lächelte.

 

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