Wege und Ringe

Jahresring für Jahresring, eines langsam wachsenden Baumes der nicht weiß, dass er einer ist; Schritt für Schritt, wie ein langsam dahinschreitender Mensch ohne Zuhause, ohne gestern und morgen; Schluchten über Schluchten, wie unschuldig alternde Erde, die man ungefragt zerfurchen ließ; Falte um Falte, wächst das Leben sich bei mir ein, als wäre ich sein Zuhause; Tag für Tag, Meter für Meter zieht alles an mir vorbei. Gleich einem absurden, unendlich langen Traum schleicht es vorbei. Ständig wechselt es seine Kleider, Farben, Formen und Temperatur. Mal kocht es über, mal friert es zu.

Manchmal regnet es, als würden die Götter uns zürnen, uns hinfort spülen wollen, die Menschheit gründlich wie Plankton ertränken, uns mit unserer kleinen Nussschale die wir Leben nennen, untergehen lassen, all unsere Leiber hinfort reißen, weil am Ende ihrer Geduld sie gekommen zu scheinen sind, uns nur schwerlich noch als ihre Schöpfung ertragen können. Immer sehe ich hin, höre zu. Verstanden habe ich nicht. Bis heute. Den Göttern scheint es ähnlich zu gehen. Ist Ihnen am Ende Menschliches gar nicht fremd?

Tage sind wie Wochen, Wochen wie Monate. Jahre? Unendlich lang. Es hört nicht auf. Immer mache ich irgendetwas; dann lege ich mich hin, mit und ohne Wein, allein oder nicht; irgendwann stehe ich wieder auf. Halte ich inne? Manchmal. Wenn ich mich umdrehe, mir den zurückgelegten Weg ansehe, dann weiß ich meist nicht was ich sehe. Was ist es? Ein Leben? Meines? Ist es viel, lang, kurz, richtig, falsch oder gut? Weiß ich das? Oder was? Weiß irgendjemand irgendwas? Ich bekomme keine Antworten, mache weiter. Tag für Tag.

Gefüllt sind meine Taschen, schwer behangen meine Schultern, voll mein Kopf, bis zur Oberkante beladen, doch ich weiß nicht mit was. Manches taugt zum Helfen; manches zum Lächeln, vieles genauso zur Verzweiflung, das ich oft nicht weiß, wer sich mehr vor mir fürchtet: Die anderen oder ich. Für alle ist was dabei.

Verdammt noch mal, alles was Menschen, Pflanzen und Tiere brauchen! Will ich das? Hat mich jemand gefragt? Und wofür? Für die Evolution? Für den Erhalt der Rasse? Weil das Rad sich drehen muss? Nennt man das Entwicklung? Ist es das?

Ständig liefere ich aus, liefere ab. Mit und ohne Erwartungen. Mal mehr, mal weniger. Manches nehme ich mit, Manches hin und Einiges auf. Irgendeiner wird brauchen. Fragen tu ich nicht mehr. Menschen ziehen alles aus mir raus; Manches stecken sie in meine Taschen, in meinen Kopf, gleich einem wandelnden Selbstbedienungsladen, der ungefragt ausgebeutet, abgebrannt, auf.- und umgebaut wird, bis nichts mehr übrig bleibt was ich war gewesen, bis ich am nächsten Morgen erwache und frage, bevor ich jemand anderes werde, der ich noch nicht geworden war.

Pendeln, von Sonnenaufgang bis Untergang. Bald wieder von vorne. Und noch mal. Wieder. Immer zu. Links, dann rechts. Dann zurück. Stille, etwas Ruhe nur am Wendepunkt. Bewegung und Stillstand. Zusammenziehen und Ausdehnen. Immerzu. Nie müde werdend, immer in Unruhe. Wie eine Uhr die sich selber aufzieht, aufziehen lässt. Von Station zu Station, schreite ich weiter, ein Lied pfeifend, die Götter verlachend, das Leben feiernd, gleich einem glücklichen Vagabunden, der nur sich gehört und wartet, was sich hinter der nächsten Ecke verbirgt; wie ein Spieler, der die Sucht der Würfel kennt, sie immer aufs Neue wirft; wie ein Fisch der nicht weiß was Wasser ist, doch das Schwimmen liebt; wie ein Thor der Thorheiten liebt; wie ein Maler der malt, weil er Farben streicheln will, durch Verschmelzung von Leinwand mit Textur erstrahlen lässt; wie ein Bildhauer, der seine Skulpturen aus Gefängnissen befreit; wie ein Musiker der Töne steigen lässt, um die Welt mit Klang zu füllen; wie der brave Schreiber, der seine Zeilen pflichtbewusst in Stille aus dem Herzen schnitt, um seine Seele zu erleichtern und Andere zu füttern. Arbeiten, sich Verausgaben, vom Abend überrascht werden. Schon wieder!

„Es ist spät, gehe zu Bette. Gute Nacht, schlaft gut.“

Dunkelheit. Dann Helligkeit. Schichten über Schichten lassen mich wachsen. Tiefer dringen meine Wurzeln, lassen mich die Dürre länger ertragen, gleich einem älter gewordenem Baum der nicht weiß, dass ein Alter er ist. Wie eine Erinnerung, die seinem Besitzer wie ein Zuhause hinterherschreitet, ohne heute und jetzt. Unschuldiges Meer, Armee ohne Anführer, das erst durch Wind zornig zum Abgrund wird. Berge über Berge, aufgetürmt durch verborgene Platten, die sich heben selten, aber dann. Stürme, die einfallen, da ich selbst sie gerufen, weshalb sie geworden mein Zuhause; Minuten, Stunden die keine sind, schleichen an mir vorbei: Wer soll erkennen, verstehen, gar wollen?

Wo sind all die Weisheiten hin, die gewusst wir haben, bevor wiederholt schon wieder, was wir geschworen, zu vermeiden, um jeden Preis? Hatten wir ausgelassen? Wurde Wissen nicht weitergegeben? Wiederholt sich alles, bis wir anfangen zu ändern? Aufhören zu sehen? Besser fühlen? Habe ich daher nicht verstanden? Scheint es den Göttern ähnlich zu gehen? Ist am Ende uns Menschen nichts Göttliches fremd, wie dem Heimatlosen, der sein Zuhause sucht und nicht weiß, das seines schon immer die Fremde war?

Es geht immer weiter, hört nicht auf. Immer macht man was; dann legen wir uns hin. Irgendwann stehen wir wieder auf. Halten wir inne? Manchmal? Nie? Würden wir wissen, was wir sehen, wenn umdrehen wir uns würden? Was ist Leben? Eine Wiederholung? Bekommen wir Antworten, oder machen wir einfach weiter, Tag für Tag?

Pendeln, von Sonnenuntergang bis Aufgang. Wieder von vorne. Und wieder. Nochmal. Rechts, dann wieder zurück. Stille, Ruhe nur am Wendepunkt. Ausdehnen und Zusammenziehen. Und von vorne. Wie Bäume. Schicht um Schicht. Ring um Ring. Ring für Jahresring, eines langsam wachsenden Baumes der nicht weiß, dass er einer ist; Schritt für Schritt, wie ein langsam dahin schreitende Menschen ohne Zuhause; ohne gestern und morgen; Schluchten über Schluchten, wie unschuldig alternde Erde, die man ungefragt zerfurchen ließ; Falte um Falte, wächst das Leben bei mir ein, als wäre ich ein zuhause; Tag für Tag, Meter für Meter zieht all das an mir vorbei, gleich einem absurden, unendlich langen Traum schleicht es vorbei. Ständig wechselt es seine Kleider, seine Farben und Formen und Temperaturen. Mal kocht es über, mal friert es zu.

Manchmal regnet es, als würden die Götter uns zürnen, uns hinfort spülen wollen, die Menschheit wie Plankton ertränken, uns mit unseren kleinen Nussschalen die wir Leben nennen, untergehen lassen, all unsere Leiber hinfort reißen, weil am Ende ihrer Geduld sie gekommen zu scheinen sind, uns nur schwerlich noch als Schöpfung ertragen können.

Immer sah ich hin, hörte zu. Verstanden habe ich nichts. Bis heute. Göttern scheint es ähnlich zu gehen. Ist am Ende ihnen gar nichts fremd?

Tage sind wie Wochen, Wochen wie Monate. Jahre? Es hört nicht auf. Lege mich hin, mit und ohne Wein. Allein oder nicht. Irgendwann stehe ich auf. Halte ich inne? Manchmal. Drehe ich mich um, wenn ich mir den zurückgelegten Weg ansehe? Weiß ich was ich sehe? Was ist es? Ein Leben? Meines? Ich mache weiter. Tag für Tag.

Voll sind meine Taschen, behangen meine Schultern, voll mein Kopf, bis zur Oberkante beladen. Weiß ich mit was? Manches taugt um zu helfen. Manches zum Lächeln. Vieles zur Verzweiflung, das ich nicht weiß, wer sich fürchtet: Die anderen oder ich? Für alle ist was dabei. Für Alle. Ständig liefere ich pünktlich ab. Mal mit, mal ohne Erwartung. Manches nehme ich mit. Manches hin, Einiges auf. Irgendeiner wird brauchen. Fragen tue ich nicht mehr. Menschen ziehen alles aus mir heraus. Manches stecken sie mir in Taschen, in meinen Kopf, gleich einem Tante-Emma-Laden, ausgebeutet und abgebrannt, bis nichts mehr übrig bleibt was ich war gewesen, bis ich am nächsten Morgen erwache und frage, wer ich war, bevor ich jemand anderes bin.

Pendeln, von Sonnenaufgang bis Untergang. Wieder von vorne. Wieder. Immer wieder. Links, rechts. Zurück. Stille nur am Wendepunkt. Bewegung dann Stillstand. Zusammenziehen dann Ausdehnen. Immer. Immer Unruhe. Eine Uhr die sich aufziehen lässt. Station zu Station, ein Lied auf den Lippen, die Götter auslachend, mein Leben feiernd, gleich einem glücklichen Vagabunden, der nur sich selbst gehört, wartet, was hinter der nächsten Ecke sich verbirgt; wie eine Sucht, die den Spieler würfeln lässt, der immer aufs Neue wirft; wie Wasser das nicht weiß, dass Fische in ihm schwimmen; Weise die Weisheit lieben; Dionysos, der Weinschläuche liebt; Bildhauer, die Skulpturen befreien; Musiker die Töne steigen lassen, die Welt mit Klängen füllen; Schreiber, die Zeilen pflichtbewusst aus dem Herzen schnitten, um ihre Seele zu erleichtern und Andere zu füttern; sich verausgaben, vom Abend überrascht werden. Schon wieder.

„Es ist spät, gehe zu Bette. Gute Nacht, schlaft gut.“

Dunkelheit. Dann Helligkeit. Schichten über Schichten lassen mich wachsen. Tiefe Wurzeln, lassen die Dürre länger ertragen, gleich Bäumen die nicht wissen, dass alt geworden sie sind; eine Erinnerung, deren Besitzer ihr hinterherschreitet. Schuldiges Meer, Armee ohne Anführer. Durch Wind du wurdest zornig und warfst uns in den Abgrund. Berge, aufgetürmte, die sich heben ließen; Sturm, der einfällt, da ich ihn gerufen, weshalb geworden mein Zuhause; Tage, Wochen Stunden schleichen vorbei; wer soll verstehen, gar wollen?

Es geht immer weiter. Pendeln, von Sonnenuntergang bis Aufgang. Dann von vorne. Und nochmal. Stille. Dann von vorne. Wie Bäume. Schicht um Schicht. Ring um Ring.

 

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