Tod eines Freundes – Odyssee 2021 CW17

02.Mai – Freitag starb ein Freund. Es geschah plötzlich, völlig unverhofft. So ist es vermutlich immer, aber in seinem Fall deswegen unverhofft und blitzartig, weil er erst Mitte vierzig war.

Mein Verhältnis mit dem eigenen Lebensende ist irgendwie – unkompliziert. Ich weiß nicht, wann es ist, deswegen erlebe ich es als etwas, was weit weg zu sein scheint, obwohl ich weiß, dass es ein Trugschluss ist.

Wenn es anderen geschieht – wie meinem Freunden jetzt – erlebe ich es als Schock. Nichts kann ich dagegen unternehmen. Es ist so, als wenn ich um eine Häuserecke gehe und da steht dann mitten in der Straße so ein verfluchter Tyrannosaurus Rex! Nur wenige Meter vor mir. So nah, dass ich sehe, wie sein Atem feinen Sand herumpustet.

Todesstarre nennt man das wohl.

Reg-, sprach- und fassungslos zugleich. Alles zwecklos. Weglaufen, um Hilfe rufen, sich nach gebräuchlichen Schlagwerkzeugen umsehen. Alles Quatsch. Niedergeschlagen fühlte ich mich, so als wenn ich bis dahin glaubte, dass wir ihm irgendwie vielleicht doch hätten entkommen können.

Zwischen seinen Beinen hindurchschlüpfen sehe ich als einzige Chance – doch meine Gedanken verraten mich auch jetzt – immer will ich, das wir ihm entkommen!

Ein Freund aus nächster Nähe rief bei mir an und erzählte es mir. Für den Rest des Tages fühlte ich mich leer und mutlos. Oft dachte ich an seine Frau, seinen Sohn, all seine Freunde – und natürlich ständig an ihn.

Wie hilfsbereit, fröhlich und optimistisch er war. Oft habe ich ihn dafür beneidet. Auch für seine den Menschen zugwandte Art – immer war er ein Lichtblick, im tristen Pessimismus der Menge. Strahlend, fröhlich und mit Charme verband er Menschen über alle sichtbaren und unsichtbaren Grenzen hinweg.

All die Theorien, die vielen Bücher, die ich gelesen hatte, nützten mir wiedermal nichts. Man kann machen was man will, nie wissen wir, in welche Richtung wir uns bewegen. Eher hin, eher weg?

Ist das die Quintessenz des Lebens?

Besteht keine Möglichkeit, dass wir es irgendwie anders handhaben können? Für mich zumindest ist es ein Riesenbetrug, ne Sauerei den die Natur da an uns begeht. So vieles bleibt ungetan. Unmöglich kann es im Sinne der Schöpfung sein. Ist mir egal wie das klingt:

Ich finde den Tod zum Kotzen!

 

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