Sprachverwirrung – Odyssee 2021 CW18

09.Mai – Um Kopf und Kragen redet sich die Menschheit zurzeit. Als wir unser Wissen noch mit Keilschrift ritzten war das Thema Geschwindigkeit noch nicht relevant. Man hatte stattdessen noch überhaupt keine Vorstellung davon, dass man irgendwann Leistung in Arbeit pro Zeit ausdrücken würde. Sowieso musste alles erst einmal trocknen. Wenn man die Tafeln dann noch brannte, was bei vielen Experten umstritten ist, kann das schnell ein paar Tage dauern. Aber selbst dann, blieb die Menge stets überschaubar.

Dann kam Papyrus und Pergament.

Wenn mich meine Erinnerungen nicht täuschen, waren es die alten Griechen, die den ersten Vorläufer vom Papier erfanden, während die Römer die Tierhautvariante ins Rennen brachten. Sofort machte das verbreitete Wissen einen gewaltigen Sprung. Als der Buchdruck kam, gab es nahezu eine Buch-Explosion.

Wenn ich sehe, mit welchem Speed an Telegramm (Das wirkliche Original, nicht die neue russische Whattsapp-Antwort) erinnernde Kurznachrichten in den Orbit geblasen werden, wenn ich dazu noch versuche zusammenzuzählen, wieviele Affären und Schmutzkampagnen jeglicher Coulour über Menschheit und Einzelne gekippt werden, wenngleich ich das Thema Haltbarkeit völlig außer Acht lasse, dann stehe ich sprachlos vor dieser

zweiten biblischen Sprachverwirrung!

Die schlicht bis zum Himmelszelt hochreichenden Informationsmengen lassen uns genauso straucheln und kopflos herumwackeln, wie einst das erste Hochhaus Babyloniens. Denn genau das sind heute die schier unverdaulichen Mengen, die wir uns vor die Türen kippen lassen:

Unseren ganz persönlichen Turm zu Babel!

Dabei rede ich noch nicht einmal von Relevanz, oder gar Trennung zwischen Wissen, Meinung und Vermutung – mitnichten! Das postfaktische Zeitalter ist genauso grober Unfug, wie der Ausdruck „Alternative Fakten“.

Solche Begriffe entstehen nur durch das Vermischen von den oben erwähnten Gruppen. So etwas zu bemerken, oder zu erkennen, ist überhaupt nicht schwierig, es setzt lediglich voraus, dass man ein gewisses Maß Neugier und Skepsis zugleich mitbringt. Selbst zum Beginn von Industrie 4.0 hat sich diese menschlichen Eigenschaften gar nichts verändert.

Erst als wir den sozialen Medien Raum für unser privates Entertainment einräumten, verloren wir den Überblick, als wir mehr und mehr nach bestimmten Wissen und dem Bestätigen unsrer Meinungen suchten.

In wieweit permanent lernende Algorithmen unsere Neugier beeinflussen, können wir gar nicht bewusst erfassen. Wenn ich zusätzlich dazu noch Verschwörungen hinter Manchem vermute, dann werde ich diese natürlich genauso nachweisen, wie jedes halbvolle Glas, das eben auch halbleer sein kann.

Beides ist nämlich wahr. Nur Betrachtung und Standpunkt machen etwas anderes daraus.

Was habe ich mit dieser Erkenntnis konkret gemacht? Zuerst einmal habe ich Twitter und Facebook gelöscht. Denn in Wahrheit musste ich feststellen, dass ich wirklich nichts zurückbekomme, außer eine Menge News. Doch habe ich doch schon viel zu viel, warum also noch mehr? Eben! Schnell merkte ich, wie sich mein Informations-Menge auf ein angenehmeres Maß reduzierte – herrlich!

Neulich schickte mir ein Kumpel eine Broschüre von Pfizer. Ich sollte mir die dringend durchlesen, es würde etwas mit mir machen, meinte er. Schnell folgte ich der Empfehlung. Es handelte sich tatsächlich um eine offizielle Info vom Arznei-Riesen aus den USA. Fand ich schon mal super. Nach 20min war ich durch mit dem Schreiben und sah aus dem Fenster.

In der Zwischenzeit hatte mir der Kumpel noch ein paar Nachrichten geschickt. Alle Bürger wären Versuchskaninchen, weil man in dem Schreiben klar beschrieb, was die Impfung kann und was nicht. Wieder sah ich aus dem Fenster.

Mittlerweile regnete es.

Erste Fragen wuchsen in meinem Gedächtnispalast. Was, wenn das mit neuen Mitteln zu unbekannten Krankheiten immer so ist? Tappte man nicht immer bei Unbekanntem zuerst im Dunkeln? Was, wenn am Anfang immer die Regel gilt, MIT dem wenig erforschten Mittel ist die Chance auf Krankheits-Reduzierung vermutlich größer als ohne – ist das nicht schon eine ganz Menge, so am Anfang einer Pandemie?

Keine Ahnung, ob das richtig ist, aber logisch erscheint es mir schon.

Letztendlich ist sowieso jeder für sein Leben selber verantwortlich. Solange das so bleibt, und man Ungeimpfte nicht ausgrenzt, ist die Welt für mich noch in Ordnung. Ich fände es jedenfalls schön, wenn die Wissenschaften noch mehr Aufklärung betreiben könnten. So wüssten mehr Menschen, dass Wahrscheinlichkeitsbeschreibungen in den Infoblättern neuer Impfseren vielleicht völlig normal sind – und dass es gar nicht anders geht.

Es würde die Menge meiner gesuchten Informationen reduzieren und mir gleichzeitig mehr Wissen in die Hand geben – wenn wir das hinbekommen, hätten wir das gleiche erreicht wie bei dr Erfindung des Buchdrucks: Nämlich volle Bücherregale für jeden.

Jetzt brauchte man sie nur noch lesen…

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