Belanglosigkeit

Bebend, zähnefletschend stach der kleine Ast zu, wieder und immer wieder, hinein in die warme, enge Höhle der pochend-gierigen Schöpfung, die sich selbst vor lüsterner Leidenschaft zuckend verspeiste, noch lieber sich verspeisen ließ, die bei jedem Stoß des weiter blühenden Astes auf den Nächsten wartete, der bald mehr Strauch als Blüte ward, als er und Höhle gemeinsam brannten, immer heller, sich gemeinsam höher schaukelten, schreiend zu Sternenstaub vergingen, langsam weiterverkohlten, bis sie nackt bis zum knöchernen Schafte vor den Weltenlegionen hockten, auf warme Decken süßer Erschöpfung und fiebriger Müdigkeit wartend, Hitze und Schmerzen lindernd, glühende Leiber kühlend, bis sie schlummernd im Weltenschlamm hinwegschwebten, bis ein neuer Traum sie erwachen ließ.

Gierig suchte mich der Sinn, schnüffelte überall nach mir, bekam mit letztem schäbigen Glück meist billigen Plunder, für das Viele was er gab; fragte oft, wohin denn ging das Weltenlicht, wenn so düster blieb der hellichte Tag; wohin entschwebte all die Freud, all unsere Wünsche, die wie matt gewordene Träume, heimlich schwindend hinfort gegangen, wenn unsere urtümlich-springende Kraft nur noch raffgierige Hochglanzzwerge gedeihen ließ, die wie irrunwitzige Armeen das Paradies planierten, bis der letzte hohle Bambus sprach, ach wie schön war doch die Welt.

Steif, völlig verhärtet saß der Sinn dann oft, vor den pandora-esken Figuren, die sich rieben an den blitzenden Hüllen der Aussagelosigkeit, Wahrheit heuchelnd, doch keine innewohnen hatten, Recht meinten zu besitzen, doch auch die wichtigste aller Freiheiten nicht ihr Eigen nannten, nachdem sie elitär-faschistoide Gesellschafftssiebe überlebend, durch Schwert und Kohle geadelt, mit Möglichkeiten vollgesogene Lappen gründlich auswringend, stolz den letzten hoffenden Tropfen herausgequält, von einer diabolisch-lächelnden Speise gestärkt, geschaffen aus Gier, Neid und Glauben.

Schöpfung, hier und da, überall; ich trage sie in mir, lasse die kleinen Soldaten Bereitschaft trainieren, halte sie warm, doch nicht zu sehr, lasse sie reproduzieren, ständig, täglich, immerzu; wie sie gierig auf der Lauer liegen, sich auf die Wirtin stürzen, als gäbe es nie mehr was zu essen, wenn Schlüssel und Schloss sich finden, wenn sie voneinander haben, was der Andere längst war, wissend, dass sich viele millionenfach nicht gewahr, dennoch rücksichtslos drauflosschlossen, auf und zu, immer wieder, ohne Unter.-, geschweige Aderlass;

wenn sie sich schon wieder vermehrten, wie garstige Pilze, vor nichts Halt machend alles infizierten, ihr Wahnsinn überall zuhause war, dann brauchte es wahrlich wache Sinne, die behielten die Gabe, wahrhaftiges Licht zu erkennen;

warme Inseln, die Wenigen die ich habe, sie brauche um zu durchschwimmen, das Meer des täglichen Wahnsinns, des Schrotts, aus Plastik, Glanz und Vergänglichkeit, anwachsend, aufgetürmt von der nimmersatten Mensch-Maschine, die alles frisst, in sich stopft, um selbst die letzten Fetzen vom Knochen zu nagen, nach allem neidvoll giert, was sie noch immer nicht besitzt;

wenn ich mein kleines Boot besteige, angetrieben von der Hoffnung, zum nächsten Licht zu gelangen, allen Stürmen der zivilisatorischen Verdammnis trotzend, keiner noch so leckeren Verlockung erliege, verführt, bis auf das letzte Hemd ausgeraubt, von den Wegelagerern, gierend nach dem weiten Mehr.

Wie entkommen einem System, das frisst seine eigenen Kinder, lebendig verschlingt, mit Mann und Maus, Pauken und Trompeten untergehend; wie ausweichen dem Eisberg, den zwar früh gesehen, jedoch keiner hat erkannt, bedeuten es müsste, den Kurs zu ändern.

Was mir selbst ist möglich? Wie kann ich ändern den eigenen Weg, um nicht zu scheitern, um nicht verschlungen zu werden, von fresssüchtigen Mäulern, hinter jeder Ecke wartend, hoffend, dass du verweilst lang genug, um dir den Zehnten abzupressen, als Wegzoll des globalen Jetzt-Sofort, das den Sog vergrößernd, bis es nur noch gibt das Eine, das verdrängt die letzte freie Menschenseele, die springend in die Freiheit flüchtete.

Utopie, die Wahl zu wollen? Kann ich selber, ohne müssen und sollen? Ist Licht und Schatten zusammen das eine Ganze, das wir versuchten zu teilen, was nie gelang? Kommt die Angst von der Ahnung des Ganzen? Gärt tief in uns verborgen, langsam und bedacht, bis es aus uns bricht heraus? Wir öffnen unsere Augen, oder verschlungen wir werden, von Angst und Verleugnung gemästet;

am Ende vielleicht doch gültig ist, die Wahrheit vom Licht.

 

 

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