Das schöne Mehr

Glücklich war ich. Richtig schön pleite und glücklich. Für mich sind das gar keine Widersprüche, im Gegenteil. Wenn ich nichts mehr habe atme ich auf. Besitz vereinnahmt bei mir schnell einen viel zu großen Platz. Wenn ich aber wie ein streunender Hund, wie ein glücklicher Zigeuner durch die Welt vagabundiere, dann fühlte ich mich pudelwohl.

In einem Befreiungsschlag mistete ich meinen Kleiderschrank aus und stopfte zwei leuchtendblaue Müllsäcke mit meiner aufgebrauchten Kleidung voll. Ein tiefes Echo erschall aus dem Kleiderschrank, nachdem ich gefragt hatte, ob noch jemand zuhause sei. Totenstille. Ich hatte nur noch die Kleider auf dem Leib, sonst nichts. Ich sah in mein Portemonnaie und auch an anderen Stellen, um das letzte Geld dem Leben entgegen zu werfen. Wenn man nichts mehr hat, sollte man sich neu einkleiden. Ich wollte mit den Basics anfangen. Hosen und T-Shirts. Schnell merkte ich , dass auch Unterhosen dazugehörten. Und Socken.

Ich fuhr an die Ostsee, genauer gesagt nach Neustadt, weil ich zumindest die T-Shirts und Unterhosen bei Trigema kaufen wollte. Ich bin zwar schon Europäer, aber wenn eine Firma darauf besteht, alles im eigenen Land herzustellen, dann nehme ich sie beim Wort und unterstütze das, weil die meisten es ja anders machen. Ich habe mal ein Buch über das Ökonomische Prinzip gelesen und musste feststellen, dass es, ähnlich wie bei religiösen Büchern, entweder nicht verstanden, oder schlicht nicht befolgt wird. Es gibt da 3 Grundprinzipien: Einmal versucht man mit minimalen Mitteln ein festgelegtes Ziel zu erreichen; dann mit festgelegten Mitteln ein bestmöglichen Nutzen zu erreichen und zu guter Letzt, wobei, wenn ich ganz ehrlich bin, die ganze verrückte Welt danach trachtet, das Extremumprinzip, jenes wo man mit minimalen Kosten, den maximalen Nutzen erreicht. Das ist alles legal, glaube ich. Aber manchmal moralisch und ethisch sehr verwerflich wie ich finde. Ich will mich hier nicht als Moralapostel hinstellen, aber wenn Gier stärker als der letzte ökonomische Takt wird, dann werde ich kitschig.

Ich fand 10 T-Shirts und vier Unterhosen. So gut war ich lange nicht mehr ausgestattet, wahrscheinlich noch nie. Das Wetter war toll, alle Dauercamper und Strandurlauber waren schon da, so dass es aussah, als wenn ganz Deutschland friedlich Urlaub machte und das Leben genoss. Auf dem Rückweg fand ich noch ein Geschäft, indem ich 4 neue lange Hosen fand. Ich fühlte mich Kolumbus, als er seine Füße zum ersten Mal auf patagonische Erde setzte. Ich zählte mein Geld durch und musste feststellen, dass ich immer noch was übrig hatte. Ich war in bester Feierstimmung. Mein unbeantwortetes Fragezeichen, schlummerte noch tief und fest.

 

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