Königsinsel

Nasser Sand grub meine Füße ein; leichter Wind zog seufzend an mir vorbei, ein paar Haarsträhnen hinterherziehend, als wären sie leicht zu überreden; salzige Luft klammerte sich an meine Nase, verklebte seicht mein Haupt zur Kruste; seichte Wolken luden das Himmelsblau ein zu leuchten; Sonne wärmte meine Haut, lud sie ein zu lächeln; weißes Energisches und gelbes schüchternes Licht strahlte mich an; rauschend legte sich das Meer in meine Ohren; Wellen rollten rhythmisch an den Strand, rissen ein paar Steine klöternd zurück ins Meer; Schaumkronen tänzelten auf Poseidons metallisch-glänzender Haut. Möwen trieben andächtig auf dem nassen Laken herum; Augen fächerten dem Horizont Weite zu; Gedanken perlten herab, vorbei an meinen Wangen, tropften ungehört in den Sand, vom Meer wieder hinfort gerissen. Muße, würdest du doch nie entschwinden; würdest du doch bitte noch lange verweilen wie die schönste Zeit und mich streicheln, als wäre ich ein ewiges Geschöpf.

Mein Tag wurde müde, neigte sich dem Ende zu. Ich war aufs Meer hinausgefahren, war meinem Instinkt gefolgt, hatte Netze ausgeworfen und kam mit viel zu vollen zurück. Immer bekam ich mehr als ich brauchte; ständig war ich am Wegsortieren und Verschenken. Schon lange hatte ich zu viel und bekam doch immer mehr dazu. Wie ein stetig überlaufendes Gefäß nahm ich den Überfluss an so gut ich konnte, versuchte zu verstehen so sehr ich vermochte und zu geben, so viel meine kleinen Taschen trugen.

Weit war ich hinausgefahren. Viel weiter als sonst. Kaltes Wasser ließ meine Nussschale herumspringen, bis das Land verschwand und ich mutterseelenallein an aller Welten vorbeitrieb, auch die Meinige vergaß und Unbekannten begegnete. Bojen markierten meine Netze, die fangen sollten, obwohl ich nichts brauchte; die gefüllt werden wollten, ohne zu wissen wofür; die nach Stunden des Wartens vor Stolz fast platzten, ohne zu wissen warum; ständiges rausfahren, fangen und reinfahren. Seit ich Netze nahm war es ertragbar.

Früher fuhr ich einfach nur zum Spaß raus. Ständig sprangen Fische, Kraken und Meeresungeheuer in mein kleines Boot und ließen mich fast ertrinken, wenn ich unter ihnen begraben war und die Wellen höher schlugen. Viele Male kenterten wir und nur mit Not konnte ich uns retten, weil ich all den Ballast über Bord gehen ließ, bis wir leer genug waren und wieder von Neuem alleine schwammen. Ohne Spaß, dafür mit viel Seriosität wurde fischen schwer, richtig harte Arbeit; mit Freude und Leidenschaft gelang es wie von allein, manchmal so gut, dass es zu viel des Guten werden konnte.

Oft brauchte ich den ganzen Tag, um den Fang wegzuräumen, ihn weg zu sortieren. Manchmal war ich gerade fertig, da musste ich schon wieder raus. Es war ein einziges Einladen und ausladen. Nach einer Weile, mittlerweile hatte ich meine kleine Insel von all dem Fang um 20 Meter erhöht, fragte ich mich warum ich das tat. So fand ich gar keine Zeit für Anderes. Ich begann zu verschenken, wieder ins Meer zurückzuschmeißen und weniger zu fangen.

Heute nehme ich kleine Netze, fange nur wenig, gerade so viel, dass es zum Leben langt und lasse alles sausen, was ich nicht brauche. Ich fühle mich gut dabei, weiß ich doch, dass ich sonst sortieren und behüten muss und nicht mehr dazu komme, meine Füße in nassen Sand zu stecken, Wind zu schmecken, Sonne zu riechen, Wasser zu sehen und auf die Muse zu warten, mich von ihr küssen zu lassen, sie, die nur kommt, wenn ich ihn genieße, den süßen Müßiggang.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.