Gut ist nicht mehr gut – Odyssee 2021 CW41

17.October – Unser Klima erwärmt sich; Lebensmittel und Benzin werden teurer; bides ist nicht gut; neulich las ich, dass viele Franzosen finden, das der Islam nicht zu Frankreich passt; Plattfüße und Zahnausfall sind nicht gut; ein leeres Glas ist weniger gut als ein volles; zu viel Sonne und zu viel Kälte sind nicht gut; Durchfall findet niemand gut; sind grüne Ampeln besser als rote?

Für – wen – müsste man fragen.

Wenn ich Auto fahre und gerade‘ne rote Ampel habe, dann ist das gut für Fußgänger, oder andere Verkehrsteilnehmer, aber auch für mich? Wenn ich Steuern hinterziehe, habe ich mehr Geld in meiner Tasche; wenn man dich dabei erwischt, bestraft man dich – finde ich das genauso gut, oder nicht? Im ersten Fall profitiere nur ich, im Zweiten die Allgemeinheit, ohne dass sie es merkt.

Ist – GUT – ein Zustand, oder ein Prädikat – ne Art Eigenschaftsbeschreibung?

Wer freut sich in mir, wenn ich rote Ampeln überquere? Wer lässt mich mehr Wein trinken als gut für mich ist? Wer lässt mich Gutmenschen langweilig, aber Lebe-Menschen wie Charles Bukowski großartig finden? Wer freut sich in mir, wenn ich zu schnell fahre? Wer freut sich in mir, wenn ich Recht, Glück, gutes Essen, Wein und Sex habe?

Ist – GUT – eine menschliche, oder gar kosmische Größe?

Oder ist Gutsein etwas natürliches, was allen natürlichen Dingen von Natur aus innewohnt? Wäre dann Gutsein nicht eher etwas nicht menschlich, sondern rein – Natürliches? Und wenn es so sein sollte: Wieso maßt sich irgendjemand an, über Gutsein zu befinden, gar zu urteilen, wenn es eine natürliche Eigenschaft ist?

Wenn das schwache kranke Gnu in der Wildnis von dem starken hungrigen Löwen gefressen wird, ist das der Natur nach – gut. Wenn Spinnen ihre Beute bei lebendigem Leibe aussaugen, oder Schlangen sie ewig lang verdauen, dann ist das naturgemäß ebenfalls – gut.

Blickt da jemand durch…?

In Frankreich will man Nuklearenergie noch mehr fördern, obwohl es 58 Atomreaktoren gibt; angeblich soll sie umweltfreundlicher als Kohlekraft sein; in Deutschland, direkt hinter der Grenze sieht man es genau andersherum – da will man sie abschaffen.

Zur Erinnerung: Verbrauchte Brennstäbe strahlen nach ihrer Nutzung noch viele tausend Jahre und kontaminieren, zerstören lebende Zellen, sprich unsere Lebensmittel, Wasser – letztendlich alles Leben.

In Frankreich ist Atomkraft gut – in Deutschland nicht.

Ist ein unendlich langes Leben gut? Ist der Tod schlecht? Ist eine gute Zeit besser als eine Schlechte? Ist gute Ernährung gleichzusetzen mit – gesunder? Bedeutet ein gutes Leben automatisch, dass man gut isst und gute Weine dazu, danach oder immerzu trinkt? Ist es gut, das Leben zu genießen? Was bedeutet es – und viel wichtiger – woran merke ich, dass ich es wirklich tue?

Entweder gibt es kein – GUT – weil es, je nach Blickwinkel, eine rein subjektive Sache ist; oder es gibt ein Universelles, das sich in eindeutiger, wiedererkennbarer Beziehung zu seiner Umgebung befindet; dann muss es ein Begriff sein, der exklusiv mit ethisch-moralischen Dingen zusammenhängt, weil es zum Beispiel gut ist, dass es keine Sklaven mehr gibt und Frauen seit ein paar Jahren gleichberechtigt sind – in den meisten demokratischen Nationen dürfen sie die gleichen Dinge wie Männer.

Aber macht man sich im Alltag ethisch-moralische Gedanken? Eher nicht. Dann kann es im Alltag kein – Gut – mehr geben. Oder in anderen Worten:

Gut ist nicht mehr GUT…..

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