Bin seit einer Woche wieder zurück in Toulouse … aber nur körperlich, streng zieht der Hellenismus an mir, jedes Jahr mehr und mehr … Dann irgendwann, glaube es war Mitte der Woche, gegen Mittag, ich meine es war Mittwoch, wurde aus Athen der ganze Rest nachgeschickt … mein Selbst,
samt Ich, Über-Ich,
Es und Über-Es … endlich waren wir wieder komplett … keine Ahnung, warum es mich in Hellas immer so schwer erwischt … habe keinen Schimmer, warum beim Rückflug ins weströmische Reich Teile zurückbleiben … habe keine einzige Idee, warum es mich trennt, spaltet, zerreißt und ich doch
weiterbestehe,
mit merkwürdigen Empfindungen, Wahrnehmungen … häufig einhergehend, mit einer totalen Weltfremdheit, herumstreifend wie ein Außerirdischer, den es beim „Beamen“ auf den falschen Planeten verschlug, ohne zu wissen, wieso und warum … vielleicht liegt es an den Unterschieden, zwischen
orthodoxer und
römisch-katholischer Welt … Ostrom versus Westrom … Athen, Babylon, Rom, Konstantin, Schisma, Avignon, Rom … Trennung von Körper und Geist, und die schwebende Seele, beides, alles verbindend, 2+1 = 2 ist doch klar … Descartes und Pascal … Menschmaschine und Geist Gottes, eine tolle
Geschichte ist das.
Selektion! bis heute … Separierung, wir hier und die da drüben … Trennung und Ausgrenzung, Zäune bauen, „Ausländer raus!“ … kasernieren, stramm stehen … Herrschaftssprache, große Exegese, mit Freischwimmer im Mittelmeer, gut im CV … Kolonialmächte und ihr bröckelnder, schwindender
moralischer Fortschritt.
Wo sind die Kirchen, im Fall Frontex? … Man möchte ausflippen, alle Brüder und Schwestern schütteln … was ist Französisch, was ist Deutsch … wer weiß es, wer legt es fest … genug, Schluss jetzt: welch Wonne im selbst angelegten geistigen Zen-Garten herum zu wandeln … ja, ganz genau
Dao, du bist es,
wo Gegensätze eins werden, enden Argumente und Reden … wo alles eins ist, enden Konflikte, wird im Schweigen alles gesagt, wo es zuvor ungezählte Worte brauchte, um letztlich – nichts zu sagen … irgendwann spürt man es, dann hat das Weitereden ein Ende … dann sprechen, nur noch die zwei Übriggeblieben, nämlich …
Handlung und Tat.
Doch genug der geistigen Ejakulationen … KI mäht dir nicht den Rasen, schneidet dir nicht die Haare und kauft nicht für dich ein … gähnende Leere im Kühlschrank … muss Einkäufe machen, zuerst Marché Les Carmes … komme zu Eric, meinem Gemüsehändler, „Salut! Und?“ … er meckert über die
Schwüle Luft,
„Muss ja“ … außerdem über steigende Preise … „habe keine Büffelherz-Tomaten, sind zu teuer, ich zahle im Einkauf 4,20, kannst du dir das vorstellen? Bei dem heißen Sommer haben doch alle nur noch Tomaten den ganzen Tag gefuttert“ … ich war einer von ihnen … brauche Gurken, Zwiebeln,
Tomaten und Knoblauch,
dann ab zum Kiosk, Zigaretten, „Charlie-Hebdo“ und „Le Canard enchaîné“ … bin ein guter Franzose geworden, soziales Rauchen mit Pastis, dazu Charlie, wer hätte das gedacht … Puppenstube Frankreich, Grande École und Rafale, Côte d’Azur und Côte du Rhone … habe Bilder von Gartenzwergen im Kopf,
zum Glück
nur dort … Märklin H-Null Eisenbahn … jeden Dachböden haben Väter mit ihren Söhnen zugebaut, als wäre es ein Ausgleich für den Mauerbau, nebst Fall … baut auf, baut auf, baut auf, baut auf, freie deutsche Jugend baut auf … sitze endlich wieder auf den Terrassen meiner Toulouser Bars, Bistros
und Cafés.
Lieblingskreuzung Eingang Pont-Neuf … Hektik und schnell-schnell … hier ist alles zum Greifen nahe, was wir glauben flott-flott zu tun, wird hinterm Vorhang verlangsamt … Verweigerung der Realität, Verarmung größer werdender Massen … Demonstrationen, Kernenergie, Wassermangel und dazu
satte Aufrüstung.
Aufgepasst, liebe Europäer … schon während der Wiedervereinigung ging der Russe pleite, sein Wettrüsten mit dem Ami bekam ihm nicht … will er, wollen wir Europäer die Geschichte wiederholen? Besser nicht … Schöner Artikel im LeMond-Diplomatic „Krieg und Kino – wie die französische Armee
Ihre Propaganda,
über die Rüstungsindustrie verbreitet“ … sieh an, dachte ich … im Westen nichts Neues … bleibt wohl nur der Osten übrig, Ost.- statt West-Rom … Byzanz statt Kolonialeuropa … dann die Horrornachricht: Meine Olivenölvorräte sind am Ende … trocken, wie der Lauf der Garonne, die wir in Toulouse brav
austrinken,
solange der Vorrat reicht … was soll ich tun, Zeus? … Aus Kalamata kommt kein Nachschub und die anderen Götter sind besoffen … und wo man in Ostdeutschland wieder braun trägt, weiß ich auch bald nicht mehr wohin, außer zu dir auf den Olymp … doch Zeus schickt mir Hermes, den leuchtenden
Götterboten
Und so sprach er … „geh nach Osten, dort findest du eine alt aussehende Kirche“ … was er wohl meint, vielleicht ist er betrunken, so wie er in Rätseln spricht … „um sie herum findest du“ … sicher, einen Friedhof, unke ich, soweit kann ich auch denken … „einen Markt, dort findest du gutes Olivenöl aus dem
schönen Kreta,
Kalista heißt es, Christos von Iraklio verkauft es“ … und so geschah es … Rucksack aufgeschnallt und losgelaufen, bei 25 Grad, heute am Sonntag, zur Mittagszeit … alle am Napf, die Straßen – leer … los, los, auf Schusters Rappen … mochte Fritz Merz im Schlamassel stecken, oder Manu Macron
von Wiederwahl
träumen, all dies Alltagsgedröhn … vergrößert, aufgeblasen, wie eine Gummipuppe von Beate Uhse, auf der die Medien rumreiten, bis sie platzt, oder der Journalismus ermattet, erschöpft und wund von wilder Reiterei, zur Seite rollt und mit Frauchen die nächste Kreuzfahrt bucht, während Frontex
jenen zu Kreuze
kriechenden das Mittelmeer kreuzenden Flüchtlingen Proviant, statt Hände reicht … rauf die Rue Metz, Gedanken an meinen Kühlschrank und meine nicht vorhandene Vorratskammer … gähnend leerer Boulevard Lazare Carnot … dann endlich „Marché Saint Aubin“ … Erinnerungen an meine
Kindheit.
Wochenmärkte und ihre Magie … streife geflasht herum … gegrillte Hähnchen, T-Shirt.- und Messerhändler … Gemüse, Salate … Schmuck, Gaukler, Straßenmusiker und Bettler … suche die Kamera von Emir Kusturica … langsamer Rundgang, mit Zeit und Muße … heute mit dem Uhrzeigersinn,
früher andersrum.
Alles fließt … panda rie … bin fast einmal rum, da sehe ich den Stand von Christos, mit seinem Kalista Olivenöl aus Kreta … „Hallo mein Freund, wie geht es dir?“ … mittlerweile ist mein Griechisch gut genug um eine kleine Unterhaltung durchzuhalten, ohne dass es langweilig wird … Tage wie solche
tragen mich überall hin.
„Prima – was darf es sein?“ … möchte seinen 5 Liter Kanister haben, der anscheinend ausverkauft ist, jedenfalls hat er ihn nicht vorrätig … „ich gebe dir 2x3Liter für einen besonders guten Preis, nur für dich“ … er gibt mir währenddessen Oliven zum Probieren … „wo aus Griechenland kommst du her?
Frage ich ihn.
„Kreta – kennst du die Insel?“ … da hat er den richtigen getroffen … ich liebe Kreta, da leben die Menschen noch in Freiheit … Erinnerungen an Damasta 2019 … welch großes Jahr … traf im Sommer gleichen Jahres meine Freundin S. … „komme aus dem kleinen Dorf Gazi, das sozusagen
links von Iraklio liegt.
„Kenne ich … wenn du da links abbiegst, hoch in die Berge fährts, dann kommst du nach Damasta, wo es die Taverne „Da-Ma“ gibt, Vicky führt sie … schon leuchten seine Augen … „DAS kennst du?“ … er streckt mir mit feuchten Augen beide Hände hin, gibt mir Oregano aus seinem Ort, sowie einem Rezept dazu.
DAS sind sie!
Genau DIESE Momente … sie lassen mich Vieles ertragen … wir plaudern, dass man sowieso nur am Besten mit Wein und Raki oder Tsipouro richtig essen könne … die ganze Zeit auf Griechisch … längst habe auch ich glänzende Augen bekommen … packe meinen 3 Liter Kanister ein … „Bonjour“, ein französisches
Pärchen.
Hatten uns die ganze Zeit belauscht … wurden neugierig und bekommen von Christos ein paar Löffel mit Öl herübergereicht … ich reiche ihm ein paar Scheine rüber … „Evcharisto File mou“ … beseelt schlenderte ich zurück nach Saint Etienne … freue mich über diesen schönen Moment,
denke an Diogenis,
der mit seiner Lampe Menschen, zwischen all den vielen Menschen suchte … glaube aber insgeheim, dass es viel besser um uns Menschen steht, als wir alle düster glauben … bleibe auch heute ein ungebrochener Optimist … durch und durch … mögen die Braunen noch so viele Stimmen kriegen:
„Ich lasse mich betrügen …
um nicht auf der Hut …
zu sein vor …
Betrügern!“
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