Nachschlag, den könnte es geben – genau heute … aber wovon? Eine gute Frage … jedenfalls wartete ich auf eine Antwort, keine Ahnung von wem … vielleicht von dieser krassen Stadt Athen, oder vom Kosmos, warum eigentlich nicht direkt von Gott? … Ein paar Mal saß ich danieder … Angriff, auf sie –
mit Gebrüll,
zum letzten Gefecht … mit so’ner Haltung blies ich zur Attacke … und was kam raus? Rein gar nichts. Ein paar Gedichte kleckerte ich aufs Papier … war der reinste Kampf sag ich euch, so ein richtig schlimmes Gewürge … aus allen Löchern wollte es sprudeln und konnte doch – nicht … als hätte das ganze verdammte Universum
eine Verstopfung.
Meine Romane? … Liegen seit Sommer 2025 brach … Sicher, immer wieder mache ich mir Notizen hier, etwas Gekritzel dort, alles wüst verteilt auf Papier, meinem verdammten Smartphone, oder sonst wo … auf Rückseiten von Briefumschlägen, sogar auf Klopapier, schon auf allem Möglichen habe ich meinen …
geistigen Kram gefunden,
ich sag es euch, das reinste Durcheinander … Zerfaserung kann man es auch nennen, die vielen kleinen Schnipsel und Fragmente … Beinheben an Straßenlaterne, immer öfter digital … ein Selbst das verloren geht, vielleicht schon lange – ging … immer öfter dagegen, als dafür sein … nicht aus Prinzip, oder aus
Bockigkeit und Sturheit,
gar furchtbarem Besserwissertum … eher jene furchtbare Langeweile, die entsteht, wenn man Wiederholung ent.- und aufdeckt, sie zu oft hat, täglich, wöchentlich, monatlich, nicht selten stündlich … alles extrem zermürbend, irgendwann kannst du nicht mehr, dann reißt dir der Faden … nach ewigem
Schweigen,
stummen nicken, dann kommt deine große Zeit und Stunde, dann, wenn du plötzlich – niemand ahnte was, sah es voraus – hinterher sagen sie immer den gleichen Scheiß … dann aus dem Nichts NEIN sagts, wenn du plötzlich ganz überraschend – Opposition bist … dabei ist es so logisch wie
Mathematik,
so natürlich wie Sanduhren ablaufen … so saß ich vor den Worten, die vor mir entstanden, direkt von meiner Hand geschrieben … keine Ahnung wo sie herkamen … von mir jedenfalls nicht … mein Kopf blieb leer, so gähnend leer, als wäre schon lange keiner mehr zuhause … mein „drinnen“?
Völlig verstaubt,
nein, keine Unordnung, eher ein sich-selbst, dem Kosmos überlassend … angewandter Daoismus … nur das leise Brummen des angerosteten Kühlschranks, sowie ausgetrunkene Bier.- und Weinflaschen verraten, dass hier jemand lebt … Worte türmen sich in meinem Kopf … sie wollen nicht rauskommen, während gleichzeitig
etwas ganz anderes
meine Hand führt, mir Texte diktiert, mit Direktleitung in meinen Körper, ohne den hinderlichen Umweg durch den verwirrten Kürbis, den Geisteswissenschaftler, allen voran die Psychologen, als Quelle allen Übels ansehen … oft frage ich mich „wer ist hier eigentlich der Boss?“ … vielleicht fragt man sich das in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin
auch heute,
nachdem man in Sachsen-Anhalt meinte, Initiative ergreifen zu müssen … darin liegt aus meiner Sicht der öde, sich immer wiederholende Kardinalsfehler … immer Antworten haben zu müssen, zu glauben, dass es immer eine braucht noch dazu „schnell-schnell“ idealerweise möglichst „deutsch“ oder „französisch“ … aber mindestens
„anständig, korrekt“
und bitte auch „christlich-völkisch“ … hier in Athen sind mir alle Worte abhandengekommen … „endlich frei“ dachten sie … und so dachte auch ich … denn Worte blockieren, verhindern unser eigenes Leben … immer sind es nur Worte, die uns im Kopf rumspuken, Worte mit ihren leeren Gefäßen dahinter, denen sie als Schild
als Label dienen,
die uns und unsere kleine Welt verkrampft nach Inhalten suchen lassen, im ständigen Panikmodus, damit wir endlich wieder alle Tassen im Schrank haben, idealerweise – gefüllt … als wäre dann alles gut, vielleicht besser. So schaffen wir es seit Jahren, uns vom eigenen Leben abzuhalten, mit unseren eigenen
Idealvorstellungen
vom eigenen Leben, erschaffen aus leeren Worten … bis unser Film reißt, der Vorhang fällt und dich die nackten Steine der Vergangenheit mit gebleckten Zähnen anglotzen, die auch heute, in deiner Gegenwart, alles eisenhart bestimmen, wenn wir begreifen, doch nur kopiert und wiederholt zu haben, wo wir uns doch
solche Mühe geben,
anders zu sein und auch bitte genau so auch verdammt nochmal, zu leben … anders leben zu müssen … unbedingt anders als unsere Eltern … Worte verhindern unser aller Leben, Worte, verstopfen Gedanken, Geist und Sinne … SIE müssen wir freilassen, müssen sie raus ins Leben schicken, damit sie
reif und erwachsen werden,
ihre eigenen Inhalte finden … dann später vielleicht, irgendwann, kann man sie vielleicht wiederverwenden, wenn nicht neue längst ihre freien Plätze einnahmen … So plätscherte meine zweit Woche Athen vor sich hin … wie Harz, der sich kaum merklich, ganz langsam aus seiner Baumrinde herausbewegt … immer wieder versuche ich
zu lesen.
Manchmal gelingt es, doch oft auch – nicht … dann gehe ich raus in mein Viertel Exarchia, hol mir irgendwo einen Espresso Freddo, setze mich in den Schatten … verlasse meine verstaubte mentale Bude, mit den Bücherbergen und dem brummenden vollen Kühlschrank … nach einer Weile streune ich dann herum,
zu Fuß,
oder auf dem Motorrad … herumlaufen, rumfahren, moderne westliche Form des Wartens … sogar mein mein Schnupfen verabschiedet sich, den ich mir die Tage einfing … hatte letzte Woche beim Schwimmen übertrieben … zu optimistisch stemmte ich mich gegen den harten Wind, der die Ägäis
und mich zerfurchte,
mit ständig nassen Haare und Klamotten … selbst 40 Jahre später machst du die gleichen Fehler wie als Kind, welch schöne Erkenntnis … Ein paar Verabredungen hatte ich … Schach spielen mit Christos … es geschah in gleicher Demut, wie mit Nikos … höfliches Untergehen, mit Anstand und Stil … Aperetivo und Dinner mit
Freundin A.
die uns einen Tisch im Mavros Gatos reserviert hatte … dazwischen, davor und dahinter, übliches Herumstreunen, Flucht vor Worten, Bedeutungen und Bestimmungen … nirgendwo gehe ich so gerne verloren, wie in Athen … zuschauen beim doppelten Urknall … live und in Farbe … wie hier alles, wirklich alles gleichzeitig … explodiert und
implodiert – unaufhaltsam.
In Frankreich und Deutschland wird konserviert und ausgestopft, was das Zeug hält … „alles muss hübsch national und lokal bleiben wie es ist“ … schön, nett und hyggelig … während hier, in Athen … herumstreunen ohne Leine, in diesem verrückten Laboratorium, in dem man stündlich, meint bei der …
Metamorphose zuzusehen.
Auch neue Frauen lerne ich kennen … Gibt es so etwas überhaupt, so etwas wie die „neue Frau“? … oder den „neuen Mann / Kerl“? … hat irgendjemand jemals so ein Exemplar getroffen? … habe wohl ein Faible für die Außergewöhnlies … treffe zwei unterschiedliche Frauen … bin mir nicht mehr sicher, ob nicht die anderen, sondern ich mich
selber einst wegschloss
und den Schlüssel wegwarf … suche anscheinend nach etwas Seltenem … jener einen, meiner Rose, so wie es der kleine Prinz schon beschrieb … doch woher weiß ich, dass ich sie nicht schon hatte und vielleicht, nicht mit ihr umgehen konnte? … Oder es ist ganz anders und es gibt – mehrere Rosen für mich – dort draußen?
Wer weiß das schon.
In Tavernas aß ich mit Dimitra und Angeliki … immer war es schön, aber auch etwas hektisch … immer mussten sie noch woanders hin, „schnell gleich noch weiter“ … DAS wiederum war mir nicht neu, sondern – eher bekannt … auch diese Wärme hier … sie macht dich zwar mürbe, auf der einen Seite,
natürlich,
doch auf der anderen, fehlt sie dir, wenn du sie nicht mehr hast … wie dein Partner, mit dem du regelmäßig zankst … aber wenn er dann weg ist, du dann doch etwas vermisst … so geht es mir hier in Toulouse, wo ich gestern ankam … wo es warm ist, aber nicht so wie in Athen … schon fehlt
mir die Stadt.
Immer öfter graut mir vor dem Gedanken, erkennen zu müssen, dass ich für Vieles anscheinend nicht mehr gemacht bin … versucht habe ich es, immer wieder … doch ein Leben, als stetiger langsam dahinfließender Fluss, als festes Fundament, mit Stabilität, Ritualen, Routinen, in denen …
Worte den Ton angeben,
Worte und die Vorstellungen von Ihnen, was die Dinge zu sein haben … „so und nicht anders“ … bleibt schwierig für mich … so, habe ich gelebt, viele Jahre, immer wieder aufs Neue … immer bunter wurden Konzepte und Variationen … immer hatte ich Glück, auf Frauen zu treffen, die auch offen für
Neues waren,
gemeinsam probierten wir aus, so lange es ging … vielleicht hätte Manches länger, auf ewig funktionieren können … doch genau diese Gedanken sind eine Falle … denn in Wahrheit, prüfte uns die Wirklichkeit und befand „so geht es nicht“ … „jedenfalls nicht mit euch – JETZT nicht“ … Scherben klebst du zusammen, oder du suchst dir ein
neues Gefäß,
oder eine Mischung aus Beidem … Weitermachen ist Pflicht … aber ändere genügend, damit dein Leben nicht nur zur Daily-Soap, zur Telenovela verkommt … doch dagegen scheinen mein innerer Wikinger und Punk genug gewappnet zu sein … bleibt die Frage offen,
ob auch Punks und Wikinger irgendwo eine Heimat finden …
Irgendwann …
Irgendwo …
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