Rentner – Odyssee 2026

Eine Woche Athen … erst, oder schon … fühlt sich mehr nach einem Monat an … mach mal täglich 30 Aschbomben vom Zehner … so fühlt sich so ein Tag an … stumm verhallen deine ungehörten Schreie im Kosmos, wie Millionen vor dir … du kapierst es schnell … nicht die Menschen, sondern die Stadt will dich überwältigen,

sie will dich fertig machen,

dir ein für alle Mal den Garaus, will dir den Hals umdrehen … sie will sehen, wie weit sie es mit dir treiben kann, wann du aufgibst … jeden Tag aufs Neue, wieder und immer wieder … alles passiert im Eiltempo, Schnellzüge die mit Full Speed durch deinen Bahnhof donnern, anhalten? Nicht vorgesehen! Ruhe! Kopf runter! Maul halten!

Langsam fahren mit Motorrad?

Kannst du vergessen, braucht viel Erfahrung … musst den Dreh raushaben, musst wissen, wie du dich aus Stromschnellen heraushältst … noch dazu in Shorts, Birkenstock und kurzem Hemd … ja, ganz genau, sehr richtig gelesen, halbnackt auf dem Moped, was dagegen? Hier dreht sich der Planet andersherum … kann man nicht erklären, muss man erlebt, gesehen haben.

Zwei Wochen Athen,

volles Rohr Mega-City, so mein Plan, diesmal mit Selbstversuch: Wollte wissen wie es ist: Leben wie ein griechischer Rentner … Erholung? Ferien? Relaxing und Urlaub? War alles vorgestern … für mich zählt „Hardcore-Reality“ … nicht mehr nur so tun als ob, sondern ganz weit weg von Theorie … stattdessen sofort Handeln … Chemiebaukasten in groß, im echten und wahren Leben, mit Feuer, Rauch und vielen lauten

Explosionen!

Was machen griechische Rentner – anders – als die in Frankreich & Deutschland? … Zuerst einmal gehen Hellenen vormittags schwimmen … mittags fahren sie nachhause, treiben ihr Unwesen in ihrem Dorf, Kiez, ihrem Viertel oder einem Benachbarten, sitzen bei Freddo Espresso beisammen, plaudern, machen Einkäufe, Besorgungen … Nachmittag, früher Abend = Siesta … zum Abend, ausgehen mit Freunden.

Gedacht, gesagt

und getan … los geht’s, Montag 10 Uhr morgens, locker über 30 Grad, ich springe auf mein Blechesel, verbrenn‘ mir den Arsch … „So eine Scheiße! Fuck-Fuck-Fuck!“ … Moped mit kochender Sitzbank „danke für hartgekochte Eier!“ … pöble ich, knattere mit zusammengebissenen Zähnen aus meiner Straße in Exarchia „Charilou Trikoupi 133“ weiter hoch zur „Hippokratous“, weiter Richtung

Omonia Platz.

An Ampeln halten im Schatten? Ist auszuhalten … im Sonnenschein fühlst du dich nach 45 Sekunden wie ein Brathähnchen … „immerhin, man friert nicht“ sarkastiere ich … haben 40 Grad oder mehr … sobald ich rolle, meine ich zu lächeln, irgendwo … über alle Backen, die mittlerweile, bin mir ganz sicher …

well done gergrillt sind.

„Boah! Krasser Speed, der Verkehr hier“ … muss irgendwie Schritt halten, wird sonst gefährlich … nur erfahrene Haudegen haben den Dreh raus, wie man langsam mitschwimmt, ohne sich, oder andere in Gefahr bringt … will aber fürs Erste noch nicht herausfinden, ob ich dazu zähle … also wieder wie früher,

erste Startreihe,

mittendrin statt nur dabei … GRÜN! Alles dreht auf links … volles Rohr aus allen Hähnen … total geil, macht schnell süchtig … keiner stört sich, dass ich in Birkenstock unterwegs bin … die Meisten, ohne Scheiß, fahren sogar in Flipflops … „früher war ich nur im Einteiler unterwegs, du meine Güte“, was eine Verwandlung.

15min später

Ich knattere am Kalamaki Beach vorbei, sehe die Ägäis aus Augenwinkeln, „was für ein blau!“, sage es jedes Mal, als wär es das erste Mal … „Merde! Ist das heute krass heiß – und – ein Verkehr, totaler Wahnsinn!“ … schlängeln uns ständig in der Mitte durch, eingenebelt von Abgasen, heißen Wüstenstürmen, die unter

Autos herausgeblasen,

von wildgewordenen Ventilatoren, die meine Beine grillen, von den auf Vollgas laufenden Klimaanlagen, Kühlschränken auf Rädern … während wir Mopeds, besonders vor roten Ampeln, mit Schnappatmung auf grün warten … Staub, Hitze, Gestank, hartes Pflaster Athen,

Langeweile ist anders.

Rolle im Tiefflug am Ellenikon-Tower vorbei, der mich an den Turm von Sauron erinnert … mal sehen, ob er später auch oben ein Auge hat … rolle 10 Minuten später mit ausgeschaltetem Motor zum Kavouri-Beach, parke direkt am Strand unter einem Busch, springe aus den Klamotten, laufe der blauen Ägäis entgegen und –

Plouf! – herrlich

„Boah ist das fresh!“ … schwimme raus wie ein überglücklicher Delphin in Altersteilzeit … schaue nach oben, als würde ich hoffen, einen der zwölf griechischen Göttinnen und Götter zu sehen … aber wie immer – Fehlanzeige, wenn man sie braucht … sehe nur Flugzeuge, einen Hubschrauber und ein paar Segelboote, die in Entfernung

vor Anker liegen

Schwimme und schwimme, paddle eine Weile, bis ich merke … „okay langt jetzt“ … und wieder zurück … kommt mir alles sehr lang vor, bis ich wieder am Strand bin … setze mich in den Schatten auf einen abgesägten Holzstumpf, tropfe im Schatten ab, starre aufs Meer, merke erschrocken: denke rein gar nichts,

fantastisch.

Beobachte, wie sich der leere Strand füllt … da kommen sie, die Rentner-Paare auf Mopeds und Rollern, „seht, bin vor euch da!“ … schwimme irgendwann ein zweites Mal raus … trockne mich mittags ab, ziehe mich um und trabe zurück ins Stadtzentrum … zuhause Salz abduschen, dann wieder ab auf den schwarzen Gaul, los zum

Coffee-Royal,

endlich Freddo-Espresso-Megalo, dazu geballter Wahnsinn von Athens Verkehr, liebe das, einfach großartig … gehe danach ein paar dringende Besorgungen und Einkäufe machen, Karottensaft, Wein, Eier, Bier, Milch, Wasser, Oliven, Obst usw … übliche Grundnahrungsmittel, danach wieder nachhause, einen Happen essen,

dann Schreiben,

bis mein Kopf leer ist … bin jetzt ready für meine Siesta … penne sofort ein … gegen Abend schieße ich hoch, „nanu, wie spät ist es denn?“ Jetzt aber los, ist höchste Zeit … man isst kaum bei so viel Hitze und Sonne … gehe zur Creperia, trinke Wasser … ist immer noch heiß, windstill, kommt selten vor in Athen … deswegen macht man alles mit

Rollern oder Mopeds,

weil du sonst nach 100 Metern durchgeschwitzt bist … ständiges Wassertrinken, während es dir aus den Knopflöchern gleich wieder rausläuft, wunderbar … merke wie mein Körper rackert, wie er gegen die Stadt ankämpft, sich sagt, „Kein Stück! Kannst du vergessen, mich kriegst du nicht klein – fuck you!“ … Gehe abends zu Fuß, es geht ins

K.O.T.E.S.

Bier trinken und Campari-Spritz … in Hellas wird die Obergrenze hart durchgesetzt – 0,1 Promille für Zweiräder! Da überlegst du besser vorher … komme ausgetrocknet an … Dimitria gibt mir ein frisch gezapftes Budweiser, so geht Leben – Abfahrt! … „Boah, wie das zischt, den Durst löscht“ … mein

Leinenhemd

ist hinten klatschnass, obwohl ich wirklich langsam schlendere. „Hallo, sei gegrüßt“ … Nikos lädt mich an seinen Tisch, wir plaudern, trinken, wollen eigentlich seit letztem Jahr zusammen Schach, oder Backgammon spielen … bin aber noch nicht ready, muss erstmal ankommen, mich vollsaugen … Habe gegen Mitternacht genug,

bin kaputt,

müde, geschafft und schlurfe heim … um ein Uhr nachts krabble ich ins Bett … Ein nächster Morgen, ich schieße um 8:30 hoch, gerade rechtzeitig, um Kaffee zu trinken, zu frühstücken und mich um 10 Uhr wieder auf den Gaul zu schwingen … zweiter Tag in meinem Experiment „Griechischer Rentner“ … Wieder schreit die Sonne in glühender

Hitze zum Himmel,

heute mal ganz ohne gekochte Eier … parkte mein Moped gestern in den Schatten … Menschen lernen langsam, aber immerhin, spätestens durch Schmerzen … wie gestern erste Reihe an fast jeder Ampel. Schwitzen im Akkord … auch heute grillt uns Helios durch … habe mich mit SF50 eingecremt … Arme, Beine, Brust und Visage kribbelten

gestern verdächtig,

spannten gestern unangenehm, auch hatte ich den Eindruck, einen leichten Schuss abgekriegt zu haben …  dabei war ich doch meistens im Schatten, oder langten die paar Minuten? … Nehme mir am zweiten Tag vor besser Acht zu geben. Wieder Rallye runter zum Strand, einfach völlig crazy … Staubwolken am Ellenikon-Tower … was hier am alten

Flughafen von Athen

gebaut wird? Geht auf keine Kuhhaut … würde mich interessieren, wer die Investoren sind … Nach 25min Fahrt, park ich unterm gleichen Strauch, mein Holzstumpen liegt noch da, niemand hat ihn angerührt … Plouf! … „Boah! Einfach herrlich“ … rausschwimmen, wie gestern … spule auch Dienstag mein Montag-Programm ab … fahre zur

gleichen Zeit zurück,

trinke Freddo-Espresso im selben Laden … kaufe mir danach eine Badehose und Shorts bei Davos-Outdoor, statt Lebensmittel im Supermarkt, Besorgungen eben … Schreiben, Siesta, dann wieder ins K.O.T.E.S. Gegen Mitternacht nachhause, um ein Uhr = Schlafen … Mittwoch, Donnerstag und Freitag?

Gleiches Programm

Zwischenzeitlich horche ich in mich hinein? Wie geht es mir? Wie fühlen sich die Tage an? … Glaube abzunehmen … esse wirklich wenig, kann aber auch Einbildung sein … Gestern dann zur Akropolis knattern, laufe zum Filopapos rauf … bin für den Abend mit Freundin M. verabredet … wir gehen ins Ama Lachei … trinken 1 Liter

Weißwein und Raki,

reden über Gott und die Welt und noch viel mehr … gegen Mitternacht, nach vier Stunden essen und trinken verabschieden wir uns … Heute mittag = Spaziergang und Kaffee mit Freundin S. … diesmal im Park … heute ist es endlich wieder windig, wie angenehm … wir plaudern, kennen uns seit Jahren, waren damals

zu dritt unterwegs

Es geht unaufhaltsam weiter und weiter … höre mich mehrmals sagen, wie lang die Woche sich anfühlt. „Wirklich? Sei froh, für die meisten gilt eher Umgekehrtes“ höre ich sie sagen … horche in mich rein, wenn sie aus ihrem Leben erzählt, wie es mir heute wirklich geht … das regelmäßige Schwimmen bekommt mir gut … Haare und Haut,

alles fühlt sich so,

irgendwie anders an, keine Ahnung wie, aber anders, dann dies ständige Wasser trinken, habe kaum Hunger und doch fühle ich mich gut und fit … Toulouse ist im Vergleich zu Athen wirklich eine gemütliche Stadt … dieser Speed hier in Allem und Jedem, besonders auf den Straßen, der krasse Fluss der Roller und Mopeds, alles zieht dich rein,

wie ein Strudel,

echter Wahnsinn, permanenter Ausnahmezustand, ständig liegt die Stadt in den Wehen … Kapiere langsam, warum meine Athener Freunde ihre Stadt hassen und zugleich lieben … ständig hier zu sein, zu leben, zwingt dich früher oder später in den Schwitzkasten … dazu die ständige Sonne … es macht was mit dir, wenn du immer in kurzen

Hosen und T-Shirt

unterwegs bist … fühle mich wie benommen … einen klaren Vorteil sehe ich allerdings schon: Man denkt nicht mehr viel … rein gar nichts … du wirst innerlich leer … dazu der Rhythmus, mit morgendlichem Schwimmen im Meer – einfach göttlich … Mal sehen wie morgen, meine zweite Woche wird …

werde es beobachten …

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