Es ist Flucht! … Sei ehrlich mit dir! … Nichts anderes ist es! … Ja, okay – ich geb’s zu! … Hab doch alles versucht, wirklich alles – doch es wollte nicht gelingen! … Beobachten, lernen, anpassen, passend gemacht werden, sich vernachlässigen, vielleicht verleugnen, alles – doch
… alles umsonst.
Nein! Gar nichts war umsonst! … Gelernt habe ich stattdessen … in kaum verdaubaren Mengen, sie türmen sich vor mir auf, noch heute … umzingeln mich, lassen mich schlecht schlafen … stattdessen fließt jeden Tag, in rauen Mengen, der ganz krasse Scheiß durch das dicke Glasfaserkabel …
am Nacken – Scheiße!
Komme zum ersten Mal in Athen an, um – abzukühlen! … Ja, wirklich! … Während uns in Toulouse das Gehirn bei 40 Grad und mehr kocht, dass man sich wie ein betrunkener Einzeller durch den Tag rettet, sind Temperaturen und Wind in Athen erträglich und angenehm … Verrückter ist, dass ich nur hier in dieser völlig überdrehten Stadt wirklich …
zur Ruhe komme!
Und alles nur, weil wir zentral-europäischen Kolonialisten seit hunderten von Jahren den Schuss nicht hören … weil wir uns mit unserem eigenen Anspruch, unserem permanentem Wachstums.- Exzellenz.- und Großartigkeitswahn mit der Mistforke vor uns hertreiben … schneller und schneller zu Wand, Abgrund, oder was auch immer du willst,
Digger, Aldaah!
„Was redest du?“ … fragen meine Freunde … „hast dich in Rage gedacht, geredet, oder wie oder was?“ … NEIN! Ganz und gar nicht … Es sind unsere eigenen Ziele und Ambitionen, nichts kann man einfach mal so, ungeplant, ohne Absicht, ohne Ziel, Hintergedanken, oder Anliegen, gar durchschnittlich tun –
rein gar Nichts!
Alles muss gebügelt im Schrank hängen, akkurat, selbst unsere Jeans … alles ist durchgeplant, perfekt inszeniert, mit klaren Absichten, Ambitionen und Hintergedanken … Permanenter Informationsfluss, ständiges Verfügbarsein … JA! So ist es, glaubt es, oder lasst es sein! … Niemand trifft sich einfach nur so, immer gibt es ein höheres Ziel, einen Hintergedanken, einen Handel, um ins „next Level“ zu kommen … jenes eine hehre, natürlich immer weiter oben
liegende Ziel.
Selbst in unserer Freizeit, folgen wir diesen Prinzipien … Egal ob in Hamburg, oder Toulouse … kaum trete ich vor die Tür, falle ich schon in den gewaltigen Strom von Regeln, Ansprüchen und Erwartungen … Immer will man gewinnen, sucht das Beeindruckende, will großartiger sein, werden, als zuvor … immer muss es weiterwachsen, Stagnation
ist negativ besetzt.
Von Schrumpfung, wirtschaftlicher Regression, Depression will ich gar nicht erst reden … Ist untersagt, Tacheles reden? Fehlanzeige? … Scheiße, Mann! … Beim Schreiben spür‘ ich’s: Man versteht mich vermutlich nicht … Was ich versuche zu sagen: Hier in Athen geht‘s ums nackte Überleben, man träumt nicht Marmor-Denkmalen, oder vom Napoleon-Grill, als luxuriösem Nachfolger für den vormaligen
Weber-Grill.
Niemand sammelt Autos, kauft neue, überflüssige dazu … Man versucht einfach zu überleben, irgendwie klarzukommen, lebt maximal bescheiden, kauft Essen, Trinken und versucht Luft zu holen, zwischen zwei oder drei Jobs! … Während meine benachbarten Großbürgerlichen-Kolonialisten in Toulouse ihr gutes Speise-Porzellan und Tafelsilber gegen
Besseres austauschen,
und ihren Bordeaux St.Émilion oder Pauliac mindestens eine Stunde vor Öffnung aus dem Keller holt, damit er sich ans Klima gewöhnt, damit Blume, Glas, Nase, Gaumen, zu einer Einheit verschmelzen, während man in höchsten Tönen schwelgt, wieviel Vanille man wann udn wo schmeckt und rätselt, ob jenes Barrique-Fass evtl. gar
kein einfaches
aus Eichenholz ist, gar langweilig neu, sondern ein altes Portwein-Fass sein könnte, weil man doch ein paar besonders facettenreiche Nuancen erschmeckt hat … Nein-nein! Einfachheit ist das Geheimnis, nicht – einfach sein – sondern, einfach und natürlich die Dinge tun, angehen … doch das gibt es bei uns im lieben …
Zentral-Europa
nicht mehr … Daher ist es wahr: Ich bin geflüchtet – nach Athen! Endlich durchatmen. Zwei Wochen. Noch weniger verstehen, noch weniger vorhaben, keine Pläne aufgedrückt bekommen, ständig was machen wollen müssen, als verpasste man einen imaginären letzten Zug … Will wiederin den Tag hineinleben, leben eben, reines – SEIN – „slow life“ – oder – „slow now“ … Warum all das
viele Wollen?
Wo das SEIN schon so er.- und voll-füllend ist? … An was fehlt es uns denn? … Genau! Ganz genau da, verlässt mich, verlasse ich die moderne zentral-europäisch-religiöse Konsum-Gesellschaft, die auf Alles nur mit MEHR antwortet, obwohl jedes Kind … ach, was soll’s … schweig endlich still, kümmere
dich nicht!
Schon gar nicht um die Sachen anderer Leute … Es sei denn – tja – es sei denn, es hat Auswirkungen auf mein Leben! … Auf hohem Niveau klagen, ja das tue ich … Sich Gedanken statt Frühstück machen ist Luxus … mein Taxifahrer brachte es auf den Punkt: Es bleibt ein ewiges Suchen, ein lebenslanger Versuch … Ob man Erfolg hat?
Wissen wir erst am Schluss.
Was also machen, bis dahin? … Stetige Veränderung? Wozu? Um was zu erreichen? … Laufen wir vor unserer Umgebung weg? Oder vor uns selber? … Für mich habe ich ganz klar rausgefunden, vor Ersterem! … Denn ich habe mich vor einiger Zeit – endlich wiedergefunden! … Bin mit Vielem nicht mehr einverstanden … Habe zwar keine bessere Antwort, was aber egal ist,
wie ich finde,
aber in der Zwischenzeit einfach weitermachen, bis es Weisheit regnet, ist genausp ausgeschlossen … Philosophie kann man lernen, studieren, vielleicht irgendwann lehren – oder – im eigenen Leben anwenden … Natürlich braucht es eine Aufgabe, eine Leidenschaft … Etwas für das wir
täglich brennen,
idealerweise etwas, wozu man kein Geld braucht … denn was Kapitalismus mit Europa macht, sieht man hier in Athen durchs Brennglas! … Selbstbedienungsladen Elláda! … Selbst Café lässt man sich vom Lieferdienst bringen! … Wollen wir das? … Scheiße! Sag NEIN zur Bullshit-Show … Ah! Wie lange fraßen falsche Erfolgssucht und
Geltungsbewusstsein
sich durch meine Gedärme, ganz zu schweigen von lang eingesetzten Ellenbogen, die das letzte bisschen meiner Seele zerbeulten … bis eines Tages, etwas geschah … jener eine magische Moment … keine Ahnung, ob’s beim Dinner, oder Drink mit gut erfolgreichen gut situierten Freunden war, mit ausreichend, zum Teil –
reichlich Moos,
da sah ich sie aufblitzen … jene gleiche nackte Leere, die aus uns allen stumm herausschreit … der wir nur begegnen können, wenn wir etwas erschaffen, etwas von uns, ein Gedanke, eine Weltansicht, ein Traum, eine Wahnvorstellung, irgendeine irrsinnige Theorie, eine Betrachtung – ausgedrückt durch eine Formel, oder ein Bild, ein Gedicht, ein Text, ein Musikstück … irgendwie, irgenwann materialisiert, hier, auf dieser Erde, in diesem Leben –
DAS – ist es,
was wir hinterlassen können, egal ob es jemand gelesen, betrachtet oder mitgesungen hat … es ist erschaffen worden, es ist da … nun muss die Welt damit klarkommen, darum bereichert, nie wieder die Selbe sein zu können, so wie wir … DAS ist es, was wir sein MÜSSEN: Gestaltende Instrumente, die ihren Ideen und Eingebungen –
Ausdruck verleihen,
so lange es irgendwie geht … dazwischen im Meer schwimmen und Wein trinken ist nicht nur empfohlen, sondern von Nöten, besonders mit inspirierenden Gesprächen … absichtsloses Teilen, statt ständiges Wachstum, weiter.- höherkommen, ständig Effizienz getrieben, mehr mit weniger erreichen … während andere dafür –
die Zeche zahlen,
mit Ausbeutung, Inflation, schlecht bezahlter Arbeit und Knebelverträgen, wie es heute wieder mehr denn je, Gang und Gebe ist, als hätten wir alle Errungenschaften der 60 und 70iger Jahre die Toilette runtergespült haben, wie im besten Mittelalter … Darwin schlägt immer noch Kant … es sei denn
Kant schlägt – endlich zurück!
.