José zog lautstark hoch … „Entzündete Nebenhöhle“, ließ er mich wissen, „mitten im Sommer?“, fragte ich, während warme Luft und Menschen uns unverändert umströmten … „eine Flasche Rot und eine Flasche Rosé“ … stumm nickend griff José sich ein Glas Weißwein und schluckte sie runter,
seine Smaragdmuschel,
die er kurz zuvor, recht elegant, im Mund herumjongliert hatte, bis er eine Idee hatte, wie er sie loswerden konnte, ohne sie auf den Boden zu schmettern … Hochkonzentriert zapfte er wie immer zuerst den Roten, bald den Rosé … ein paar Mal tippte er auf seinem Taschenrechner herum, eine Flasche 0,7L Rot und eine, ja genau …
1,5L PET-Flasche Rosé,
mein10€ Schein flatterte sanft auf seinen Tisch, 4,60€ bekam ich zurück, füllte meinen Jutesack und zog von dannen … ein Käsestand hinter uns ließ beeindruckende Wolken herüberwabern … „bonne journée“, ich zog weiter, zu Eric dem Mann mit Obst und Gemüsestand.
„Wir stecken fest“,
murmelte ich vor mich hin, während ich an den zwei Fisch-Ständen vorbeischlich, mir die glänzenden Formen und Farben reinzog, Preise der Austern kritisch beäugte, während sich die meisten Menschen in den umliegenden Bars und Cafés längst an Weingläsern festhielten, um Langweile, Klima.- und Energiekrise,
sowie Kriege,
besser verdauen zu können … „Bordelle de merde, mais vraiment! … wir Europäer stecken total fest, im nationalen Ego-Morast, nebst Befindlichkeiten, ist kaum auszuhalten!“ … wetterte ich auf Deutsch weiter, während meine teutonischen Worte genauso schroff und spitz hervorstachen, im Markt von
Les Carmes,
wie die Klippen und Riffs vor der Îsle Ouessant, weswegen die spannende Insel von hunderten Schiffwracks umgeben ist, als wär‘s der Lorbeerkranz des Poseidon … Doch Dank des Sturms aus Stimmen und Geräuschen, der auf‘m Markt bläst, nahm keiner Notiz von meinen preußischen Forderungen, die ich Leadern aus
Politik und Wirtschaft,
mitgab, ohne dass sie, oder irgendjemand und sei es Maja Göpel, das blonde personifizierte schlechte Gewissen der nord-europäischen Welt, davon Notiz nahmen … Mein Rückweg führte mich in ein Kiosk, während ich Schlangenlinien um Hundescheiße und Erbrochenem lief, um mir wieder …
„Charlie & ’ne Ente“
zu holen, besser bekannt als „Charlie Hebdo“ und „Le canard enchaîné“ … meine derzeitigen Lieblingszeitungen, die es geschafft haben, das ich meine Wochen-Taz kündige, wie ich schon Wochen zuvor androhte, natürlich auch ganz ohne Resonanz … Schuld daran ist Epiktet … Seine einfache und dazu
kristallklare Sprache,
haben ein Beben in mir ausgelöst … echt, ganz ohne Quatsch. Sein erstes Kapitel über das Eigenthum, eine altdeutsche Übersetzung vom Gelehrten Karl Philipp Conz hatte mich völlig aus der Bahn geworfen … Wozu hatte ich mich durch die ganze Antike, nebst Aufklärung durchgefräst, um nach seinen knappen, aber epischen Seiten von nur
50 Seiten
in Scherben zu liegen? … Ja! Genau so ist! Es ist so, als hätte man eine magische Brille auf, sieht plötzlich klar, hat ein Gefühl von nicht mehr allein zu sein, mit all seinem Kram, den man Jahre, jahrzehntelang kultivierte, ja pflegte … bis, ja, bis man plötzlich – nichts mehr denkt! … Irgendwann wieder bei
neuer Besinnung ist,
sich umblickt und fragt, ob wir Menschen noch zu retten sind, ob es hier auf diesem Planeten überhaupt noch welche gibt? … Worauf man nur „Natürlich“ antworten kann … Denn der Grund des gedanklichen und gefühlten Chaos, die Digitalisierung, können wir auch im Umkehrschluss nutzen, um uns gegen die …
„Shitshow“ zu stellen,
ein Ausdruck von Maja, was ich passend finde, nebenbei gesagt … Hierfür langt es aber nicht, Slaloms um Hundescheiße zu laufen, oder für Attac zu spenden … es könnte ein Anfang sein, aber bedarf viel mehr, wie ich finde, vor Allem an Eigenbeteiligung … Noch nie konnten wir so schnell so viel wissen … „statt sich von Medien
mit neuen Schweinen
durch Gassen treiben zu lassen, könnte man“, so grübelte ich, auf meinem Weg nachhause, vorbei an stehengebliebenen Uhren, bröckelnden Fassaden und lachenden Menschen auf Terrassen, die sich mit Weiß.- und Roséwein die Zeit versüßen … „endlich was gegen diese Neuzeit-Antike tun, mit ihren
Tyrannen und Diktatoren!“,
fauchte ich zornig gen Himmel und drohte den Hellenischen Göttern mit der Faust … Ja! Wirklich, das tat ich, ich drohte ihnen, nicht nur, weil sie mir vor paar Tagen jemanden schickten, der mich und mein Motorrad ein wenig über den Haufen fuhren, sondern als blankes Zeichen des Widerstandes, dass die
Zeit der Einschüchterung,
sowas von vorbei ist, dass, das, ja was eigentlich? … Genau, jetzt habe ich es wieder: es ist nämlich völlig egal, ob man Macron, Putin, Merz, Trampel, oder Lieschen Luli Müller heißt: Als freier Mensch kann man nur verantwortungsbewusst nach seinen EIGENEN Werten und Maßstäben handeln, es sind
keine Gesetze und Regeln,
die die Welt verändern, die meisten sind eh ungeschrieben, wenn wir von den zehn Geboten, Bibel, Koran und vielen anderen Schriften absehen, die von ebenso vielen verschiedenen Schreibern, aktualisiert wurden und imme rnoch werden … Man weiß, dass man keine alten Frauen auf der Straße schubst, oder …
Frauen unter 18 Jahren
vergewaltigen darf … dass darf man in Frankreich erst wenn sie 18 Jahre und volljährig ist … NEIN! Natürlich auch dann nicht, auch wenn man gerade beim Fall von Lyhanna von Frankreich ein anderes Bild bekommt … Es gibt ein universell gültiges ethisch moralisches Korsett für die Bewohner dieses Planeten, die zur Rasse der …
Menschen zählen.
Ja! Wirklich! So etwas gibt es … Wir schauen immer in die falsche Richtung: Putin ist da, weil Zeit und Systeme das hergeben … Gorbatschow damals ebenso, wie Don Blondie in den USA, weil Zeit und Technik es möglich machen, weil genügend Wähler ihm sein Quatsch abkauften … Don Blondie ist nicht das Problem, er ist nicht mal das Symptom, er ist schlicht nur ein …
Ergebnis, ein Resultat.
Mehr nicht … und das gibt es jetzt halt wieder, weil, ja, jetzt können wir uns anfangen zu unterhalten, vielleicht zu streiten, weil in Zeiten von Vielfalt und Unruhe, die gleichen Mechanismen von geschürter Angst und Unsicherheit langen, wie in den letzten 10.000 Jahren, bis genügend nach dem eisernen Besen schreien, damit endlich wieder
Zucht und Ordnung
herrschen, mit Arbeit die frei macht und all dem anderen Quatsch … Bevor ich es aber noch mal vergesse, hier die Zeilen vom lieben Epiktet, die sich bei mir bis ins Knochenmark festsetzten: „Einige Dinge sind in unserer Gewalt, andere nicht. In unserer Gewalt sind: Meinung, Trieb,
Begierde und Widerwille,
kurz: Alles was unser eigenes Werk ist. Nicht in unserer Gewalt sind: Leib, Vermögen, Ansehen und Ämter – kurz: Alles, was nicht unser eigenes Werk ist.“ … Zuhause angekommen, packte ich Rosé und Rotwein in den Kühlschrank, griff mir Weißwein, füllte ein Glas halbvoll, machte Spritzer Campari rein,
um Garibaldi zu machen,
trank den ersten Schluck … und siehe da: es änderte sich – rein gar nichts. Noch immer schien die Sonne in Toulouse bei 35 Grad … Noch immer schmeckten mir Weiß.- Rosé.- und Rotweine, nebst Garibaldi – kurz: vorzüglich … Don Blondie saß immer noch im ehemals Weißen Haus, dass er jetzt unansehnlich
bräunlich färbt,
dank menschenfreundlicher Einwanderungspolitik, die lediglich den Hunger der Masse nach Ordnung stillt – kurz: letztlich nichts daran ändert, dass die USA auf Einwanderung angewiesen ist, so wie Deutschland, Frankreich, Spanien und all die anderen reichen, behütet lebenden …
Länder der 1.Welt.
So und so ähnlich dachte ich über dies und Jenes nach, jedoch nicht zu lange – kurz: Gerade nur so lange, dass ich mich jetzt, wo ich es schreibe, schon nicht mehr daran erinnern kann … besser noch, es nicht mehr brauch, weil‘s nicht in meiner Macht liegt … Jedoch liegen in meiner Macht viele Dinge,
also konzentriere ich mich darauf …
und nicht auf die neueste Sau …
die Springer and friends …
wieder durch unsere …
Straßen treiben …
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