„Herumstochern!“ … So nenne ich das, wenn ich nicht genau weiß, was ich tun, schreiben, lesen soll, kann, darf … Was ist, oder was wird geschehen? … Für‘n paar Tage war ich zwischen Libourne und Bordeaux unterwegs … Zum Teil wegen Schreiberei und zum anderen, um in Saint-Germain-du-Puch
Kumpel K.
zu besuchen … „Wie immer, Hyperaktive unter sich“ … so in etwa wollte ich meinen ersten Satz beginnen, stockte dann aber, hielt mittendrin an und machte eine lange Pause … „Wie soll man diese besondere Sorte Mensch beschreiben?“, fragte ich mich … noch dazu, wenn man es ganz genau
nehmen will,
haftet diesen Wirbelwinden etwas Magisches an … Wie sehr sie andere begeistern … man denke nur an Neal Cassidy bei „On the Road“ von Jack Kérouac … Doch wie jeder andere brauchen auch sie eine Art Gegengewicht … Warum ich das schreibe? Kann ich nicht mal genau sagen, vielleicht weiß
Kalliope mehr,
immerhin kommt der ganze Kram von ihr … Mir selber wiederum geht’s irgendwie anders: Früher, ja, natürlich, da war ich auch ein Wirbelwind, ein richtiger Zappel-Philipp, wie ihn Heinrich Hoffmann im „Struwwelpeter“ beschreibt, doch heute? … Was ist mit mir geschehen? Nein, mit dem Alter hat das
nichts zu tun,
auch wenn mir Kumpel F. beim Lesen jetzt zuzwinkert … vielleicht in Teilen, einverstanden, aber es ist doch eher etwas von den Sternen da droben, etwas Unerklärliches, Feinstoffliches, etwas, was man nicht messen und nachweisen, geschweige greifen kann … vielleicht ist, hat es was mit Erfahrung,
mit Reife zu tun?
Oder mit dem Gefühl von „etwas nicht mehr brauchen zu müssen“ … entschlacken, weniger ist mehr und so, keine Ahnung, „back-to-the-essentials“ vielleicht? … Bin mir aber ganz sicher, dass ich die Antwort irgendwo zwischen Thermopylen, Delphi, Son Garriga, Flensburg, Bordeaux und Phaistos
finden werde.
Jedenfalls, wenn man es ganz genau betrachtet, wurschteln wir doch einfach nur so vor uns hin, weil wir vor einiger Zeit glaubten, dies, oder jenes unbedingt machen zu wollen, nur warum das Alles? Erinnern wir das noch? … Und warum all die Exzellenz-Gedanke dabei? Marathon alleine langt nicht,
nein, es muss
auf jeden Fall systematisch schneller gehen … wo das endet sehen wir ja gerade … also worum es wirklich geht, so oder so, bleibt doch das wahre Rätsel, das wahre Phänomen … Meine Antwort lautet Entschleunigung. Unsere Welt da draußen ist mir zu hektisch! … „Unsere“ Gier nach
schlechten Nachrichten,
hat die Bullshit-Maschine Internet zum Fliegen gebracht … Jeden Scheiß wollen wir auf unseren Smartphone haben, bloß kein gedrucktes Papier und so … Und schaut nur, wieviel Lärm Politik & Wirtschaft derzeit erzeugen, mit all den Kriegen, den Seeweg-Blockaden, dem Säbelgerassel, welch
Kommunikations-Kapitalismus,
wie er vor nichts Halt macht, im Gegenteil, wie er alles bei Seite schiebt, vereinnahmt, oder im Zweifel, wenn es / man nicht schnell genug beiseitetritt, auf die Bäume kommt – verschlungen wird … Alles, jeder Mist, dreht auf Höchstdrehzahl, vier Dinge erledigen pro Stunde ist besser als drei, „fünf“ wären noch besser,
warum nicht gleich 100 mit der KI, hm? Wäre das nichts? … Nee, sorry, wieviel, wie schnell kommuniziert, geteilt wird, wie schnell wir reagieren sollen, was man alles wissen sollte, wissentlich, dass Vieles genauso schnell wieder Geschichte, obsolet ist, wie es gesagt, herausposaunt wird.
Wer hält Schritt?
Marathonläufer, weil sie auf Maximal-Leistung getrimmt sind? … Während die Welt da draußen heiß läuft, täglich hier und da überhitzt, lebe ich mein unaufgeregtes Slow Life, mein persönliches Ausgleichsmittel gegen Diktatoren, Arschlöcher, Wichtigtuer und Ellbogenmenschen, die anscheinend diese hektischen und
lauten Welten
zu brauchen, zu lieben scheinen, zumindest geben sie das oberflächlich vor … Warum viele von Ihnen mit Burnout-Syndromen, Krebs, Migränen, Rückenschmerzen und anderen physischen Beschädigungen ausfallen, lasse ich mal unkommentiert … Turbokapitalismus auf Hochtouren, gegen
die Langweile etwa?
Woher kommt die Unruhe? … Zwar kompensieren und kanalisieren wir, sogar meist erfolgreich, mit viel Kinderstube, Bildung, Mühe, Lebenserfahrung, gutem Essen und viel Wein, aber der Kern bleibt der Gleiche, auch heute … jedenfalls kam mir die Geschichte wieder in den Sinn, als wir
mit vielen Ideen,
Energien und Fantasien zusammenkamen … Spannend, welche Rollen dann jeder einnimmt … ob, beispielsweise alle ihren Tendenzen freien Lauf gewähren, oder ob es einige schaffen, sich mehr zu zügeln, als andere, sprich, sich mehr zügeln „wollen“ … Wahrscheinlich werden wir das wohl nie ganz wirklich und wahr
herausfinden,
wo doch das Meiste unbewusst per Autopilot geschieht … Naja, Süd-West-Frankreich ist schön, ganz außer Frage … Über die verschiedenen Angebote von Wochen.- und Supermärkten möchte ich mich nicht auslassen, sonst liest sich das hier wie ein Artikel aus Geo, oder Hörzu, nicht auszudenken, stellt euch das mal vor!
Freutag der 8.Mai.
Fête du Victoire 1945, wie es in Frankreich heißt … Kein Feiertag in Deutschland, wie wir aus gutem Grund wissen … Kumpel K. fuhr mit uns nach Salleboeuf, wo es eine Ausstellung gab, die sehenswert war … ich jedoch blieb draußen bei den Autos stehen … ein seltener alter
Kübelkäfer,
vermutlich beschlagnahmt … stand herum, an seiner funktionalen Nacktheit hing ich fest … Kriegsgerät, 80-90 Jahre alt, mit Gewehrhaltern in der Mitte, alles robust und schlicht, matte Farben, karge Ausstattung … wie aus einer Zeitkapsel gefallen, stand dieser Wagen vor mir … viel stärker als sonst wirkten Autos und
ihre Fahnen.
Schnell begann schweres Grübeln … Auch heute geht uns Aufrüstung nicht schnell genug, Sondervermögen hier, Extra-Ausgaben dort, Waffen-Neuentwicklungen, deutsche Marschflugkörper, ein Paradox für mich wie Holzeisenbahn, oder die Bewerbung von Hamburg für Olympia, wo man täglich im
Verkehrs-Chaos untergeht.
Leistungsbereitschaft und Wachstum in Allem … heute Weber, morgen Aufstieg zum Napoléon-Gasgrill … Wer sind wir bloß! Wer sind wir, dass wir das alles – schon wieder – mitmachen! Menschen werden aufgescheucht von einem Kanzler, der den Bürgern Faulheit unterstellt … Wer will das?
Resistence.
Welch schönes Wort, welch großartiger Ausdruck für eine „Dagegen-Haltung“ … vielleicht folgt daraus unser Übermut und Größenwahn, dass man immer meint, dass es noch besser und doller sein kann, bis man Nachbarn angreift, oder viel größere Länder, oder solche mit völlig anderer Religion und
anderen Werten,
um dann – was – eigentlich zu tun? … Warum nicht sein Leben vereinfachen, reduzieren und es mit ganz bescheidenen Mitteln und dafür überschaubarer Arbeit zu verleben, anstelle auf ein unerfülltes Idealbild hinzuarbeiten, dass entweder nie kommt, oder nur zu viel zu hohem Preis? Wie zum Beispiel:
Fête de la Victoire 1945.
Solange in europäischen Ländern Nationalismus lebt, der Fremde und zugereiste ausreisen, verdrängen will, obwohl die genauso Steuern zahlen und Kaufkraft mitbringen, wie jeder andere Compatriot, solange Faschismus wieder boomt, sind wir auf dem Holzweg und jagen den gleichen alten Gespenstern hinterher, wie vor
90 Jahren.
Schlägt das Pendel wirklich immer nur in zwei Richtungen aus? Was, wenn es kein herkömmliches, sondern ein Foucaultsches Pendel ist, dass die Welt beschreibt, dass jenes, unser Weltenpendel nicht nur in zwei, sondern in unendlich viele, sich nie wiederholende Bewegungen und Richtungen vollführt …
welch schöner und …
positiver Ausblick …