Aus gegebenem Anlass widme ich mich heute dem altgriechischen Wort für Tugend und tugendhaftem Verhalten … Es ist nämlich schon erstaunlich, was „die Freiheit“ für den einzelnen Menschen in Alltag und Wirklichkeit, in seiner eigenen Realität bedeutet … Zum Beispiel kann ich selber festlegen
Und bestimmen,
nach welchen ethischen und moralischen Werten ich leben möchte … Irgendwie klingt das auf dem ersten Blick nicht besonders beeindruckend, was sich beim genaueren Hinsehen ins Gegenteil umkehrt, wenn man erkennt, welch gewaltige Verantwortung, sogar Macht man über die vielen Umgebungen, nebst dem eigenen …
Leben habt.
Angeblich sagt man mir nach, dass ich ein großzügiger Mann bin … Ja wirklich, wer hätte das gedacht, denken sich manche, während ich nur verschmitzt schmunzle, über diejenigen, die mich kaum, wenig, bis gar nicht zu kennen scheinen … Zum Beispiel leihe ich Freunden Geld, wenn sie Hilfe brauchen, das Wasser bis zum Hals, wenn sie …
in der Klemme stecken.
Auch lade ich meine Freunde gerne in Bars und Restaurants ein, besonders Frauen, im Speziellen jene, die meine Partnerin ist, wird, oder werden könnte … Ich gebe es zu: Frauen, beschenke ich sehr gerne, sogar ohne Hintergedanken, wie mir manche „per Trieb und Gesetz“ nicht selten unterstellen. Ganz in echt:
Ich gebe gerne.
Aber auch Großzügigkeit braucht ein gesundes Maß … Vor ein paar Monaten lernte ich eine tolle Frau kennen … Sie lebt in Marseille, was nicht um die Ecke liegt, aber dicht genug, um sich hin und wieder zu sehen … Wir hatten eine Affäre, wie man das schön sagt … Jung und schön sind Qualitäten, die bei erfahrenen Katern wie mir immer sehr gut ziehen … meine liebe S. die ich schon dann und wann vermisse …
„Ja, ich hab es gesagt!“
weiß das sehr gut … Schönheit ist für mich manchmal zum Niederknien … Mir steigen dann die vielen tollen Glückshormone in den Kopf … ständig lade ich dann zum Essen ein, oder mache hier und da Geschenke … Wenn meine Partnerin Taktgefühl und ein ähnliches Maß an Generosität besitzt, beruht es ganz natürlich auf
Gegenseitigkeit.
Sie lädt dann genauso gerne ein, quasi, um natürlichen Ausgleich zu schaffen, ohne nachzurechnen natürlich, es geht nicht um die Summen, sondern um die Sache … Meine Marseillerin hat, wie ich kürzlich lernte ganz anderes Verständnis & Verhältnis mit jenen natürlichen ausgleichenden Kräften … Entweder kennt sie sie nicht, oder sie unterdrückt sie ganz bewusst … Schlimmeres möchte ich ihr auf keinen Fall unterstellen … Dessen bin ich mir
völlig bewusst.
Es ist erstaunlich, wie viel Ausdauer Menschen haben … man wartet und wartet und selbst wenn nichts passiert, macht man weiter, nicht selten aus reinem Egoismus … In Partnerschaften finde ich das besonders wertvoll … man will nicht alles auf die Waagschale legen, hat man für Partner doch sowieso jenen bekannten …
weiten Ärmel.
Diesmal jedoch passierte etwas Merkwürdiges … Ungewöhnlich schnell entstand ein Echo in mir, dass mich an Vergangenes erinnerte … Wenn plötzlich, wohlgemerkt, nach wenigen Monaten, alles nicht schnell genug geht, wenn alle Großzügigkeit plötzlich nicht langt, als würde man mich einem
Finanzstresstest
Unterziehen … noch dazu die Sprache vorwurfsvoll, hart und unfreundlich wird, sich in eine dauerhafte Anklage verwandelt, tja dann zugegeben reißt meineTugend zum Selbstschutz an den Zügeln und sorgt für reinigende Gespräche … Ganz ohne Ärger und Zorn … Wichtig hierbei ist mir Folgendes: Es geht nicht um richtig, oder falsch … wer Recht hat, oder nicht … Ganz und gar nicht: Es geht um nichts weniger als …
Respekt & Toleranz
Und die Einschränkung der eigenen Freiheit und Rechte … Was meine ich? Grundsätzlich lebe ich mit meiner Partnerin am liebsten zusammen, vorausgesetzt, man behandelt mich respektvoll und mit den gleichen Rechten, wie sie selber behandelt werden möchte … Allerdings ist das leichter gesagt als
In Wirklichkeit getan.
Und ich sage nicht, dass ich darin gut bin … Dazu sollten sich meine Freunde und Freundinnen äußern, nicht ich … Aber wenn man achtsam miteinander ist, finde ich zusammenleben schön, weil es ja darum geht, das Leben zu teilen … Voraussetzung hierbei ist jedoch ein ganz entscheidendes Detail:
Selbstkontrolle
Es braucht nämlich ein gerüttet Maß an Zurücknahme der eigenen Person und Persönlichkeit, den eigenen Bedürfnissen, dem anderen nicht ständig akustisch aufs Maul zu hauen … sondern stattdessen die Dinge höflich und respektvoll zu kommunizieren, auch wenn Tag, Arbeit, Kinder und das Drecks-Leben als Ganzes gerade mal wieder
richtig Scheiße sind.
Im Affekt eben nicht aggressiv reden, oder urteilend wie das Jüngste Gericht den Partner mit einem begründet, oder unbegründeten Donnerwetter zu überziehen, gehört zu den größten Leistungen, die man zur Pflege einer harmonischen und symmetrischen Partnerschaft braucht … Und hier zählen besonders die eigene weiterentwicklte
Moral und Tugend.
Sämtliche Verhaltensforscher, Biologen, Psychologen und Therapeuten sagen das Gleiche: Tu Dinge, die dir gut tun … Und lebe mit jenen, für die Gleiches gilt … Alles andere macht dich unglücklich und krank … Als einziges Hindernis übrig bleibt die Angst vorm Alleinsein … Hier hilft uns die nackte
Erkenntnis,
dass wir alle unterm Himmel alleine sind, egal wie viele Kinder und Geschwister wir haben … Unser eigenes Leben kann uns niemand abnehmen zu leben … Wir sind alle vollständig … Nichts fehlt uns zur Zufriedenheit … Wir müssen es nur selber herausfinden, was für dafür benötigen … Jene Erkenntnis hilft bei schweren Entscheidungen, wenn es
ums Wohlbefinden geht.
Aber zurück zu Marseille … Wir telefonierten und beendeten unsere Affäre „ganz modern und fortschrittlich“ über Whatsapp genauso vertraut und rational, wie sie begann … Und doch passierte da etwas mit mir: Es bildete, manifestiert sich eine immer tiefer sitzende Überzeugung, dass wir in Beziehungen …
zu schnell aufgeben.
Eine einmal eingegangene gewachsene Beziehung, mit seinen Erlebnissen, mit seiner ganz eigenen schönen Wirbelschleppe an Geschichte, verdient es immer, verbessert und gerettet zu werden … Manchmal bedarf es Trennungen, um zu erkennen, was man verloren hat, auch das ist wahr … Scheinbar lernen
wir Menschen nur so.
Mit Echos Pauken und Trompeten erstrahlt diese Erkenntnis klar sichtbar wie nie zuvor … Diesmal hat es nicht geklappt, was grundsätzlich nicht schlimm ist … im Gegenteil, haben wir zwei es immerhin versucht … haben sich selbst mit dem anderen zusammen ausprobiert … Was mich an den Ursprung und Anfang von heute zurückbringt:
Die eigene Tugend.
Und weil ich meine Marseillerin verabschiedete, entschied ich mir stattdessen eine andere neue Mitbewohnerin in meine vier Wände zu holen … Seit Jahren kreisen meine Gedanken darum … Jasmin ist ihr Name … Sie ist ein kleines Topf-Bäumchen … Seit gestern wohnen wir zusammen … Sie haart weniger als eine
Katze,
frisst und trinkt kaum und ist ansonsten sehr pflegeleicht … Unterhaltungen funktionieren blendend, als wären wir schon ewig zusammen … Sie hat eine unendliche Geduld, lässt mich ausreden, unterbricht mich nie und duftet jeden Tag umwerfend frisch parfümiert … Vielleicht ist sie mir eines Tages dann
auch zu langweilig
und ich wohne wieder mit einer Zweibeinerin aus Fleisch und Blut zusammen, so wie der Rest der Welt … Bis dahin jedoch kann Jasmin wachsen und gedeihen … Ich habe gehört, dass auch Frauen Jasmin mögen, was einer Wohngemeinschaft vermutlich zu Gute kommt, sollten sich alle drei gleich schätzen und auch
gleich achten.
In der Zwischenzeit schaue ich mir weiter die Welt an … Zur Zeit ist zwar keine gute Zeit, wenn es um Moral und Ethik geht … Oft habe ich den Eindruck, dass wir modernen Menschen unsere Humanität längst verloren haben und sie durch Besitz und Geld ersetzt haben, anstelle sie wachsen und
Gedeihen zu lassen,
so wie Jasmin bei mir zuhause … aber was will man machen, wir müssen das Beste draus machen … Weitere Analysen erspare ich mir, da es genug andere gibt, die das besser können … Seine geistigen sieben Sachen zu packen, ist auf jeden Fall ein schöner Moment … Ich entschlacke jetzt besonders gründlich und trenn mich von Allem, was bis dahin
Ballast war.
Danach lässt sich‘s bestimmt noch leichter durchs Leben wandern und herumflanieren … Und wer weiß, wer einem alles so auf dem Weg neu oder bekannt begegnet … In der Zwischenzeit passt Jasmin bei mir zuhause auf und wird von meinen lieben Nachbarn gegossen, wenn ich auf Reisen bin, damit sie mir an heißen Tagen nicht
vertrocknet,
wie die unzufriedenen Scharfschützen-Rhetoriker*innen … und tageslicht-tauglichen Stalinorgeln, die ihr Leben, nebst Umgebungen mit ihren vielen ungefilterten Affekten, Neurosen und schlecht kompensierten Unzufriedenheiten überziehen und verbrannte Erde hinterlassen, auf denen ihre Partner dann tapsend und blind vor …
Angst und Furcht herumirren …
Den rettenden …
Ausgang …
Suchend …