Karneval – Odyssee 2026

Dunkles Schimmern von rechts … immer dann, wenn die Dunkelheit Hoffnung und jeden Fetzen Licht zu verschlingen drohte, schmissen gewaltige Wellen glitzernde Sterne zum Auto rein … blauschwarze Gebirge, brandeten an die Küste, duschten unseren Wagen ab … unendlich weites stählernes Bett …

der Atlantik.

Längst lagen Okzitanien und Gascogne hinter uns … wir schraubten uns durch Zarautz, immer tiefer, weiter der Küste entlang im spanischen Baskenland … schon seit Wochen freute ich mich darauf … ein verlängertes Wochenende mit Freunden … wie eine Verheißung, strahlte dieser Ausblick, leuchtete diese Erwartung meinen kühlen Frühlingshorizont aus … Nach Jahren Pause war‘s wieder soweit:

Getaria.

Zugegeben, ein Weltreisender war ich, bin ich letztlich nie geworden … alles dreht sich in und um Europa … Ja, ich weiß: Es gibt so unendlich viel Meer, ähm pardon – mehr … aber wo willst du anfangen? Wo aufhören, wenn du die Chance dazu bekommst? … Es ergab sich, wie immer im Leben, durch einen …

Zufall.

Vor vielen Jahren sauste mein Finger über eine Landkarte … schnell fiel mir auf, dass ich den Nordwesten Spaniens gar nicht kannte … mein Kumpel K. sprach von einem Fischerdorf dort … hörte den Namen über eine Freundin, während mein Finger von San Sebastian, nach Zarautz flitzte und, kurz

dahinter, hängenblieb.

Und zugegebenermaßen gibt es im Leben unsagbar viele Dinge, die man nicht erklären, für die man kaum Worte findet und selbst wenn man glaubt sie gefunden, kratzt man meist nur oberflächlich an dem, was man wirklich spürt, wenn man irgendwo ist, oder etwas – empfindet … Noch dazu, war Sturm angesagt … Windböen peitschten seit

Toulouse

Unser Auto durch … Was uns am Atlantik erwartete, wie stark der Wind Land und Leute durchschüttelte, in welchen Massen sich der Himmel entlud, als er seine horizontale Armee Wasser-Nadeln losschickte, wie man mich nach zehn Metern bis auf die Knochen durchkaute, beschreibt am Ehesten das Wort …

biblisch.

Und trotzdem … gerade das, so stellten wir alle fest … änderte nichts an der Magie dieses Ortes, im Gegenteil: Sobald die Natur mit ihren Muskeln spielt … man sich mit letzter Kraft durch die Gassen kämpft, von Unterstand zu Überdach rettet … von einer Pintxo-Bar zur nächsten hechelt, lässt es dich

Komplize

vom ganzen Dorf werden, um sich im gemeinsamen Kampf gegen die Götter der Natur zu behaupten und zu überleben … Solidarität unter Menschen, irgendwie so etwas, fängt an in dir zu wachsen … Und noch etwas passiert mit dir: Naturgewalten rücken unsere eigene Bedeutung ins rechte Licht … Niemand aus dem Dorf,

droht in Gefahr

zu geraten, größenwahnsinnig zu werden … Überhaupt, Seeleute, die ihr täglich Brot mit Fischfang verdienen, neigen nicht dazu große Reden zu schwingen … zu oft schon, standen ihre Münder vor gigantischen Wellen offen, zu oft knien sie beseelt im Hafen nieder, wieder einen Tag mehr …

überlebt zu haben.

Nein, diese Menschen sind aus anderem Holz geschnitzt … nicht aus diesem anpassungsfähigen, in alle Richtungen offenen Opportunisten.- und Schönwetterholz.- sondern eher aus wortkargem, festen, robust und bescheidenem Schlechtwettermaterial … Hier sieht man den Menschen ihren Kampf

mit der Natur an.

Viele Männer im Dorf sind dünn, manche dürr … mit faltigen, eingefallenen Gesichtern … auch ihre Körper, nicht wenige gehen gebückt, fast unterwürfig … ausgezehrt, ausgemergelt und zerknittert macht man weiter, trotz, oder genau wegen der Ausweglosigkeit … Ganz gleich ob Mann oder Frau, jeder

In Getaria, ist – König Sisyphos.

Und wir, die Besucher, spüren, dass hier Manches anders ist … irgendwann merkt man es: täglich im Angesicht vom Atlantik, veränderst du dich … nichts im Ort ist glänzend, gar glamourös … alles ist benutzt, nicht selten abgerockt und öddelig … die Bar mit Namen Ketarri unten am Wasser hat eigentlich den Charm einer trostlosen

Trinkhalle.

Funktional, leicht zu reinigen, am Besten mit einem Kärcher, aber mit den wenigen wichtigen Dingen ausgestattet, die‘s braucht, um eine gute Tapas-Bar zu sein … Unser erster Tag begann mit Stromausfall … nach einer unruhigen Nacht, ging es gleich munter weiter … von Mitternacht bis frühen Morgen, das gleiche Bild:

Peitschender Regen

und hurricane-ähnliche Sturmböen mit bis zu 160km/h, wie wir von den Hotelbesitzern hörten … Stundenlang kreischte und pfeifte es draußen, dass ich mit aufgerissenen Ohren und Augen mehrmals senkrecht im Bett lag … doch obwohl hier alles beschwerlich zu sein scheint, egal zu welcher

Jahreszeit,

würde ich meinen Urlaub hier in Getaria gegen keinen Luxusclub der Welt eintauschen … ein paar enge Gassen, Bars und der nahe Hafen, langen, um von seinem hohen Roß herunterzukommen und still und leise ein paar unauffällige Tage hier zu verbringen … was im Leben will man noch?

Karneval,

mag die Antwort einiger sein … denn auch hier, gibt es ihn … ein Phänomen, dass mich schon immer vor Rätsel stellte … hier scheint er am Valentinstag zu geschehen, vermutlich ein ungewollter Zufall, doch was weiß ich schon … Bestimmt hat es mit Religion, Fasten und so zu tun … Gestern war im Ort

die Hölle los.

Nicht zu vergleichen mit Karneval in Rio, aber mit nicht weniger Leidenschaft und Energie … Und mit wem ich hier schon alles war … was wir hier schon alles erlebt haben … Pausen machte ich aus gutem Grund … zum Einen, weil ich mit meiner Freundin bereits drei Mal hier war, mit Ausnahme von 2021, wo wir alle

Dank Corona

eingesperrt waren, weswegen wir damals nach Bages, bei Narbonne flüchteten … Und zum Anderen, weil wir damals Abwechslung suchten … Heute, in 2026, tickt die Welt schon wieder ganz anders … Ein paar von uns kletterten heute ritualgleich den kleinen Berg hinauf, wie immer mit reichlich

philosophischen Gesprächen.

Nur allzu leicht kann man heute ins Grübeln kommen … Zuviel Essenzielles scheint, trotz antiker Erkenntnis, erneut, oder wieder den berühmten Bach runterzugehen … Universelle Erkenntnis ist zwar reichlich vorhanden, aber ohne Not, ändern wir Menschen uns nicht … Einer der Gründe, warum sich Geschichte oft zu

wiederholen scheint,

oder mindestens, sich ähnelt … Ganz gleich ist sie nie, dafür sind sämtliche Zeiten Unikate … Jetzt, bleibt immer einmalig, auch wenn es ständig anhält … Aber Mechanismen, Methoden und Konzepte, sind zuweilen uralt, manche 1000ende von Jahren … Und nicht ohne Grund, suchen viele ihr Heil in

Mystik und Spiritualität.

Hier in Getaria geht alles seinen üblichen Gang … Man hält den Kopf in den Wind und fängt Fisch, dazwischen geht man mit der Zeit, so gut es geht … So geht Leben, so geht „slow-life“, wenn man sich auf das Wenige und Nötige beschränkt … Nur hier, stellen wir jedes Mal fest, haben wir vom

Einen viel – Zeit!

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