Gallien & Sparta – Odyssee 2026

Leonidas von Sparta hatte einen Sohn … er hieß Leon … betrübt über den Verlust des geliebten Vaters – ehrlichgesagt waren ihm die heldenhaften Taten, sowie der epochal-pathetische Tod von Papa in der Schlacht bei den Thermopylen (480v.Chr) mit den anderen 300 Spartiaten schnurzpiepegal – so entschied Leon

Sparta zu verlassen.

All die Kriegstreiberei … noch dazu diese permanente Verherrlichung von Härte, Strenge und Disziplin, als gäben sie Antworten auf alles unter der Sonne, so ein Scheiß aber auch! … All das, betrübte ihn zutiefst … mehr noch, bald begann er diese menschenverachtende und verschleißende Kultur zu hassen … er gab seiner Mutter einen Kuss,

legte dem Vater

einen Brief auf den Grabstein und ging fort … Weit weg wollte er, so weit wie irgendwie möglich … So landete er in Gallien, genauer gesagt in Toulouse … 475 vor Christus … ein kleines Kaff in Süd-Gallien, genauergesagt Okzitanien … hier atmete Leon endlich auf … der Rhythmus des Lebens schien ihm etwas formbarer, flexibler und …

vor Allem weicher,

als in Sparta, der Heimat der Lakedaimonier … er ließ sich nieder, verdiente sich sein Brot als Lehrer und Briefschreiber und half im kleinen Ort aus, wo er konnte … Bald war der Grieche überall bekannt, weil er durch seine höfliche und beflissene Redensart auffiel, unter dessen Oberfläche jedoch noch andere Dinge zu schlummern

schienen, als nur – Güte.

So kam es, dass Leon eine Toulouserin kennenlernte … sie verliebten sich Hals-über-Kopf … sie schienen füreinander bestimmt … Violette war ihr Name, sie war anmutig, grazienhaft schlank, eine stille Zuhörerin … Leon war zum ersten Mal glücklich im Leben … bis an jenen Tag, als die schöne, elegante Gallierin, sonst immer liebevoll mit ihm, plötzlich ihre seidene Stola

energisch beiseite stieß,

ihm gebleckte Messer, nebst glänzender Rüstung zeigte, ihn lauthals anherrschte … ausgerechnet ihn, der wegen des Friedens nach Gallien kam … ihn vor vollendete Tatsachen stellte, was jetzt die Stunde geschlagen hat, aus dem Nichts heraus, ohne Ankündigung … nachdem er von der stürmenden Brandung völlig durchnässt war, sich auf

weitere Monsterwellen

einstellte, erstarb die markerschütternde Posaune von einer Sekunde zur anderen und verlor sich in totaler, eisiger Stille … schockiert von diesem Ereignis versuchte Leon seine tobende Herrscherin zum Reden zu bemühen, sie regelrecht zu animieren, doch …

vergeblich!

Mit eiserner Disziplin hielt sie ihre schweigende Rolle aufrecht … Was Leon zu anfangs als normales Leben abtat, entpuppte sich als ein wiederkehrendes Phänomen … Immer öfter fuhr Violette aus der Haut … „Es konnte, es scheint doch“, Leon wurde nachdenklich, dachte über sich nach, immer öfter.

„Liegt es an mir?“

Doch sooft er grübelte, er fand keine Antwort … Eines Abends sprach er seine holde Violette an, warum sie so rigoros und markerschütternd sein konnte, um nach kurzer Zeit sich in eisiger Kälte zusammen und zurückzuziehen … „ich bin ebenso“ … sprach Violette in ihrer ihm sonst so bekannten und geschätzten

Engelsruhe.

„Hm … “ dachte Leon und hakte nach, brannten ihm doch dutzende Fragen auf der Seele … „war das, bist du schon immer, will sagen, also – ich meine“ … sanftmütig und gütig wie Göttin Athene selbst, lächelte sie ihn mit glänzenden Augen an … „so lange ich denken, mich erinnern kann“ … Leon dachte wieder lange

und viel nach.

Auch in Sparta konnten Frauen außer schön, erotisch, elegant, mystisch und perfekt geschaffen für die Liebe, auch kraftvoll zupacken, zuweilen zynisch, schneidend und durchaus herrschsüchtig daherreden und auch ebenso drastisch handeln … was war in Okzitanien also anders? Wieso erschreckte

sich Leon so sehr?

Natürlich hatte er keine Angst vor Frauen … immerhin war er ein Krieger, zugegeben, einer der sein Schwert nicht mehr nutzen wollte, nach den vielen Schlachten, aber er einer der wusste, dass der Krieger in ihm schlummerte …  Er brauchte ihn nur aus der Büchse lassen … doch diesen Schlüssel, hatte er nicht ohne Grund …

um den Hals hängen.

Woche für Woche beobachte er sich selber … Leon nahm an, dass es an ihm lag, an ihm liegen muss, wie sonst konnte eine sonst so ausgeglichene kluge Frau, so sehr sich ins Gegenteil verwandeln, als wäre sie der Rache-Engel von Hades persönlich … Und weil sein Herz groß war, seine …

Violette liebte,

blieb er glücklich und optimistisch wie eh und je – vorerst … Aus ihm unbekannten Gründen, nahmen die Erdbeben zu, noch dazu wurden sie stärker, hielten länger an … „was ist denn hier los?“ fragte er sich immer öfter … wie er es drehte und wendete, er verstand es nicht … hatte sich etwa der verhasste,

der verfluchte Alltag

eingeschlichen? … War er, der sonst jeden Tag wie ein großes Ereignis, wie eine Schlacht ansah, war er etwa nicht – alltagstauglich? … Sofort machte sich Leon an die Arbeit … Aufs Äußerste genau und sorgfältig prüfte er … „Unterlasse ich irgendwas, oder übertreibe ich mit Etwas?“ … Wie immer gingen sie

Hand in Hand

einkaufen, schlenderten über Märkte … er half im Haushalt, was noch kein König von Sparta vor ihm jemals getan hatte, man hatte dafür Sklaven, was sonst … er wusch Wäsche, spülte das Geschirr, trocknete es pingelig genau ab … sogar im Garten arbeitete er neugierig und wissbegierig mit

Sense und Sichel,

Und im Schlafzimmer? … „Aber hallo – dass weiß ich aber genau“ … auch dort, wusste er genau … „da bleibt keine Auge trocken … okay, jeden Tag vielleicht nicht, aber spätestens jeden zweiten … und wenn wir am Wochenende Zeit haben, dann gehen Violette und ich mehrmals“ … ganz bestimmt gab es keine ungestillten Erwartungen,

Leon war sich ganz sicher.

Mehr und mehr schmökerte, schwelgte er in seinen eigenen Erinnerungen, erzählte, las sich vor, aus seinem eigenen bunten Dasein und war – zum ersten Mal im Leben – ganz zufrieden mit sich und seinem Leben … Nur Violette schien es an etwas zu fehlen … Genau sagen und beschreiben konnte sie es nicht … irgendetwas

vermisste sie.

So entschied sich Leon, sich keinerlei weitere grauen Haare wachsen zu lassen … solange Violette nicht wusste, was ihr fehlte, wie sollte er – Leon, etwas für sie tun? … Völlig ausgeschlossen, wie es ihm logisch einleuchtete, wo ihn sein Vater doch nach allen Regeln der Kunst durch Lykurg von

Sparta erzogen ließ,

was bedeutete, dass Ataraxie und Arete, die alten Werte und Verhaltensweisen, ihn zu einem ausgeglichenen und konstruktiven Stoiker und Pragmatiker erzogen hatten … Eines Tages, Leon musste immer öfter verreisen, um seiner Arbeit nachzugehen, kam er nachhause und bemerkte sofort die Veränderung an seiner …

geliebten Violette.

Etwas war mit ihr geschehen … Sogar ihre Sprache war nüchtern, sachlich, frei von allem Liebevollem, etwas war mit ihr passiert, ohne dass Leon es anscheinend bemerkte hatte … Nur was war es? … Leon hatte keine Antwort … Sie redeten, diskutierten, sie kamen, anders als sonst zusammen, fanden nicht mehr leicht

zueinander,

Kompromisse mussten gefunden werden … doch auch die wurden seltener … Leon raufte sich die schwarzen dichten Locken, er verstand die Welt nicht mehr … Was ist geschehen? … Eines schönen Tages, er war wieder auf einer längeren Reise und musste ein paar Wochen von zuhause fort bleiben,

da bekam er Post.

Nanu? Ein Brief? Von meiner Violette? … „Wir sind auf ein Fest unten an der Garonne eingeladen, ich gehe auf jeden Fall hin, bleibe aber nicht lange, weil ich später noch mit Freundinnen wegfahre … überleg dir, ob du nachkommst, oder gleich mitwillst“ … Leon runzelte die Stirn … „Merkwürdig, was für

ein komischer Brief“

So viele Tage vorher, noch dazu`? … Er las ihn noch einmal durch und kam auf die Idee, sich ebenfalls mit zwei Kumpels zu treffen, wenn Violette sich mit Freundinnen traf … so hätten sie zumindest gemeinsame Zeit unten am Fluss, den sie beide so liebten … Doch es kam alles ganz anders … Schon unten

am Fluss

fingen sie an zu streiten … Violette hatte kurzfristig ihre Pläne geändert … Leon stand mit offenem Mund da … verstand weder sie, seine Violette, noch die Welt … Jenen Abend vergaß er nicht so schnell … Ein paar Tage hing ihr Haussegen schief … dann setzten sie sich zusammen und

beratschlagten sich.

Den griechischen Götter sei es gedankt – sie einigten sich … Ein Tag folgte dem anderen, eine Woche folgte der anderen, bald der Nächsten … Wieder musste Leon eine Dienstreise antreten … Und wieder bekam er einen Brief von seiner Violette … dieser jedoch, ließ sein Herz stillstehen … „Wir haben uns auseinander gelebt,

müssen es neu,

anders versuchen, ohne einander …  in anderen Worten, wir sind getrennt!“ … jenen letzten Absatz las Leon wieder, immer wieder und wieder … An jenem Abend nahm er sich eine Flasche schweren Rotweins … Solcher von jener Sorte, der die Nacht schwarz, still und friedlich macht … Er trank seinen

ersten Becher.

grübelte über sein Leben in Sparta … dann über sein Neues, mittlerweile einige Jahre altes in Okzitanien, mit ihm und Violette, nun, seit kurzem, ohne sie … In den ersten Wochen fiel es ihm schwer nicht an sie zu denken … Egal wohin er ging, sie steckte in jeder noch so schmalen Mauerritze …

von Toulouse.

Oft dachte er nach, ob es an ihren unterschiedlichen Kulturen lag … eine Gallierin und ein Lakedaimonier aus Sparta … für Leon klang das hervorragend, ganz wunderschön und prächtig … endlich kein Berufssoldat, stattdessen Lehrer, mit einer Gallierin zur Frau … mit dieser Ansicht saß er aber nun alleine an der Garonne … So kam ihm, die Frage:

„Was tun, Zeus?“

Mittlerweile trank er den letzten Schluck … tatsächlich hatte er die ganze Pulle leergemacht „Guter Junge!“ klopfte Leon sich selber auf die gedanklichen Schultern … und während Leon in seiner Kammer saß und trank, antwortete ihm der Göttervater … „Hör mir zu – Sohn“ … Leon klapperte mit den

Zähnen,

wurde er jetzt verrückt, oder was? … Da war doch eine Stimme, wo kam sie her? … Gehetzt drehte er sich um … nein, in seiner Kammer war niemand … „Lass den Unfug, Leon“ … donnerte die Stimme weiter … „glaubst du etwa, ich sitze Apfel essend vor dir, oder hingegossen auf deinem Bett? Wein benebelt die Sinne, auch die Deinigen, offensichtlich,

hör mir zu,

wenn ich mit dir rede“ … mit schlotternden Knien lauschte Leon … „ich höre, oh Zeus, Gott aller Götter, was befielst du?“ … lautes Seufzen aus dem Weltraum, dass alle Bäume, samt Borke bebten … „Geh nach Massilia! Hast du noch nie von diesem neuen Hafen dort nebenan gehört? …

Hellenen

haben ihn kürzlich erschlossen, nachdem ich ihnen mit ein paar Stürmen half, los, geh dorthin … Dort spricht man deine Sprache und ganz bestimmt gibt es dort auch tolle Frauen“ … doch Leon war noch ganz und gar nicht überzeugt … „Aber wenn ich Violette doch

noch liebe?“

Wieder gab es dies laute Seufzen, aber viel lauter … „Zeus scheint ungehalten“, dachte der Sohn des Leonidas … „Leon – du Armleuchter: Selbst wir Götter haben keinen Einfluss auf die mysteriösen Frauen … hast du etwa das Theater, den Streit vergessen, den ich ständig mit Hera hab? Glaubst du,

alles läuft gut bei uns,

nur weil wir – GÖTTER sind? Nein, ganz im Gegenteil … hör mir zu, hör mir genau zu: Wenn eine Frau dich nicht mehr will, dann sag ihr nicht, dass es klug ist dich zu wollen, das ist hoffnungslos … Außerdem riechst du dann nach Kaninchen, ausgerechnet du – aus Sparta! … Geh weg … Geh nach Massilia, das ist weit genug weg, dass sie

nicht mal kurz

kommen kann … und du auch nicht mal kurz bei ihr vorbeireitest, aber dicht genug, dass du nicht ganz weg vom Fenster bist, quasi in ihrer Reichweite dich befindest … kapierst du das? Geh nach Massilia, werde dort wieder glücklich … Auch wenn es schwer fällt:

vergiss diese – Violette!

Sie wird dich irgendwann vermissen, dich vielleicht noch lieben und wenn auch du sie noch liebts, habt ihr eine zweite Chance … wenn ihr euch aber verliert, im Nebel des Kosmos, mit den Irrlichtern neuer Lebenswege – dann ist es so! … Glaubst du, IHR seid die ersten, die die große Liebe fanden und trotz, oder gerade – wegen ihr – irgendwann getrennte Wege gehen müssen?

Es ist Gesetz!

Wenn du das kapierst, hast du was gelernt – sogar etwas Neues!“ … Leon nippte die letzten Schlückchen vom schweren Roten während er lauschte … „Hm, loslassen, um zu … hmmm“ … Nur kurz flimmerten ein paar Gedanken noch durch seinen immer müder werdenden Geist … Irgendwann, in der Nacht:

„JA – Heureka!“

Leon schoss schweißgebadet hoch … auf einmal hatte er alles ganz klar vor seinen Augen … „Massilia also, immerhin habe ich dort ein wenig Heimat, bevor ich … vielleicht irgendwann wieder heimkehre, nach Sparta … Zwischenstopp Massilia, klingt nach einem schönen, mir unbekanntem Buch“ … und über diese Gedanken …

schlief Leon dann endlich ein …

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