Boah ey … krass, echt jetzt … kaum gibt es wieder Sonne, bist du aus’m Häuschen … da soll mir noch mal einer von den Wikingern kommen und was daher-schwafeln von Winter-Romantik und so’n Scheiß … mit all dem Glatteis-Mist, Frost, Scheibenkratzen und – nicht zu vergessen, als letztes Zeichen menschlicher Verzweiflung –
Glühwein!
Nüchtern betrachtet ist es für einen mediterranen Anrainer schwer nachvollziehbar, warum man im Norden auf warmgemachten schlechten Rotwein mit Obst und Nelken steht … mit oder ohne Schuss Rum, ist völlig egal … die Sache ist, was es ist … wie immer wenn Menschen sich mit ihrem Leben, oder Situationen einrichten –
sie trinken.
Überhaupt, muss ich gestehen, dass ich uns Menschen kaum noch ernst nehme … Ausnahmen sind natürlich Polizisten und ähnliche Amtspersonen, mit denen man sich besser friedlich arrangiert … aber darüber hinaus, ganz im Ernst? … Nee, sorry! Immer das Gleiche Theater, die gleiche Suppe aus Macht, Ego, Geld und …
zu viel Testosteron.
Oder, wie in heutigen Zeiten, der völlige Verlust des gesunden Menschenverstandes … Ob es in Berlin glatte Gehwege sind, die man aus Umweltschutzgründen nicht streut (Im Ernst??)… ob es Autos ohne Ersatzreifen sind, oder die Freigabe der EU von großflächiger Nutzung von Pestiziden, sprich Insektenvernichtungsmittel von
BASF
und dem zu teuer eingekauften Monsanto … die bekanntermaßen unsere Insekten vernichten, oh Wunder und auch unsere eigene Gesundheit belasten, von Lebensmitteln und Trinkwasser mal ganz abgesehen … ich könnte die Liste jetzt stundenlang weiter fortsetzen … bei all dem frage ich mich: Was soll das? Ist es Dummheit?
Oder Lobbyismus?
Völlig egal … Spaziergang, es ist Mittag … die Sonne scheint, perfekter Halt, dank 3-Wetter-Taft … ich habe Frühlingsstimmung und drehe eine Runde mit Rückweg über die Pont Neuf von Cypress Hill aus kommend … da sehe ich die Überschwemmung der Garonne … 20cm Hochwasser … man hatte natürlich alles ganz
ordentlich abgeregelt,
als würde eine Gefahr vom Wasser ausgehen … dabei gab es hier schon Fluten mit über 8m über Normalnull, dagegen sind heute unsere 20cm eher läppisch … und so ist es heute ständig … was wollen wir machen, wenn’s mal richtig regnet … Strom dürfte dann ja erst mal weg sein … Berliner haben ja bereits
Übung darin.
Aber gut … man soll nicht glauben, dass nur wir modernen digitalen Neuzeitmenschen crazy geworden sind, mitnichten … anstelle jetzt wieder mit so einer ewiglangen herum-mäandernden metaphorischen Gleichniskette daherzukommen, will ich mich auf ein Objekt konzentrieren, dass für mich ein wirklich
glanzvolles Beispiel
dafür ist, dass wir immer schon das gewesen waren, was wir auch heute noch sind … wir schreiben das Jahr 541, nur zur Erinnerung, da stand die Hagia Sophia im Oströmischen Reich bereits 4 Jahre lang … bis heute kapieren Historiker nicht, wie man den Prachtbau in 5 Jahren bauen konnte … aber heute soll uns das, was im damaligen
oströmischen Reich
alles passierte, nicht interessieren … wie Ostgoten damals ihre Hausaufgaben machten? Interessiert heute niemanden mehr … ich spreche von der Église Notre-Dame de la Dalbade de Toulouse, an der ich mehrere Male pro Woche vorbeilaufe, z.bsp. wenn ich meine Joggingrunde drehe … man braucht kein TV … vor deiner Nase ist pralles Leben,
es ist kaum zuaushalten.
Nennen wir sie daher – die Dalbade – der Einfachheit halber … erfolgreiche christliche bürgerliche Kaufleute haben im Süden wie im Norden damals die Angewohnheit gehabt, als Mäzene aufzutreten … leicht zu erkennen, an der Kirchendichte … egal ob Hamburg, oder Toulouse … jedes Gebäude das damals wie heute älter als
300 Jahre ist,
war entweder Schule, Kirche, oder Puff … böse Zungen behaupten ja, dass … aber lassen wir das … na jedenfalls die Dalbade ist so ein leuchtendes Beispiel von menschlichem Irrsin … oder nennen wir es poetisch „berauschende Nebenwirkung des blühenden Byzanzismus im unterentwickelten Westen“ … man wollte eben auch
„wer sein“
im Westen, also wuchsen Kirchen und Glockentürme in luftige Höhen … wer jemals die Kathedrale von Albi gesehen, gar betreten hat, weiß wovon ich rede … nun, die Dalbade sollte auch etwas ganz Besonders sein, daher baute man in der Mitte des 16.Jahrhunderts einen über 80m hohen Glockenturm … gleichhoch wie eben jene
Kathedrale von Albi.
Vermutlich hat der damalige betrunkene Toulouser Bürgermeister mit seinem Lieblingsarchitekten, der passenderweise genauso betrunken und zugegen war, mit lallender Stimme herausposaunt … „wir können sehr wohl, aber hallo, auch große Kirchen bauen, die werden schon sehen, oder was meinst du,
lieber Nicolas?“
Architekt Nicolas Bachelier, Erbauer, Architekt der Pont Neuf … Natürlich ließ sich Nico (Kurzform von Nicolas unter Freunden) nicht lumpen, und so geschah es! … 244 stolze Jahre stand der dicke lange Glockenturm wie’ne Eins, weithin sichtbar als höchster Punkt in Toulouse, wie die Fleisch-Anaconda von
John Holmes
in den sagenhaften 1750 Pornofilmen, womit sich beide Türme, bis heute, tief in die Netzhaut der menschlichen Geschichte eingruben … bis der 250.Papst … „Pius der Sechste“ … bürgerlicher Name = Giovanni Angelo Graf Braschi … in einem rauschhaften Anflug von Größenwahn …
was sonst,
darunter macht man es als Papst wohl kaum … entschied, dass alle Kirchentürme, die gleich, oder höher als die jeweilige Kirche, des bischöflichen Amtssitz waren … abgerissen werden müssen … ganz genau, ihr habt richtig gelesen … so mussten die Toulouser ihren prachtvollen Turm der Dalbade abreißen … eines
von Millionen
aberwitzigen Beispielen, wie sehr die römisch-katholische Kirche, die christliche Religion als solche, unsere Geschichte, nebst Gegenwart bereichert und verziert … Darüber waren französische Partisanen sowas von stinkesauer, dass sie nicht nur Papst Pius VI. entführten und aus dem besetzten Italien ins Toulouse nahe
Valence einlochten,
(Napoléon Bonaparte war ja starker Mann der Stunde und nahm große Teile Italiens ein) als Rache für seine wahnwitzige Scheißidee und Inhalt seines „Kirchturm-Dekrets“, weswegen auch der Glockenturm der Dalbade abgerissen werden musste, nur weil römisch-katholische religiöse
Phallus-Symbole
mit den gleichen Problemen kämpfen wie pubertierende Jungen in Mannschaftsduschen von Sportvereinen … nur 86 Jahre später bauten die Toulouser den Glockenturm der Dalbade in gleicher beeindruckender Manier wieder auf, wo er bis heute wieder weit in die malerischen Tiefebenen Okzitaniens strahlt und mit seinen
dicken fetten Glocken
herumbimmelt … sollte man meinen … doch leider weit gefehlt … denn noch heute kann man das Echo der schwierigen dritten Französischen Republik in allen Winkeln der heutigen Fünften nachklingen, nachwimmern hören, aus weiter Ferne zwar, aber immerhin … ob es die Dreyfuus-Affäre war, oder der
schwächelnde Napoléon III.
von dem die Idee kam … Mittwoch = Tag Buntwäsche … um geplagte Hausfrauen zu entlasten … viel mehr kann man den beginnenden Laizismus als Grund für das Schicksal der Dalbade zu Recht heranziehen, die Trennung von Staat und Kirche, was im leicht, leider immer stärker, nach hinten gebürsteten
Teutonia
immer noch der Fall ist, (wie sonst wird einem heute noch automatisch die Kirchensteuer auf die Steuerkarte geknallt?!) … denn, diese Trennung, Kirche vom Staat, oder umgekehrt, hatte zur Folge, dass man öffentliche Bauwerke, ganz besonders kirchliche, plötzlich aus ganz anderer, kritischer Sicht sah, ganz zu Recht …
wie ich finde …
wurden die Bauwerke ja damals wie heute nicht von der Kirche selber, sondern meist von familiären Handwerksbetrieben ausgeführt, die bis heute, die Zahlungsmoral des Klerus beklagen, wo der doch die zehn Gebote, und vieles mehr von der Kanzel herunterschwadroniert … wie dem auch sei, was genau sich um
1881
zutrug, was damals geschah, wie genau man den neuen Glockenturm der Dalbade baute … man hatte ja reichlich Übung damit, Kirchen mit dicken langen Glockentürmen zu bauen … all das weiß man heute nicht mehr genau … am 12.April des Jahres 1926 drei Uhr morgens, stürzte der gesamte Glockenturm ein,
begrub einen Bäcker
nebst Frau, sowie seinen Sohn und viele nahestehende Häuser … kein Kunststück, wenn ein über 80m gewaltiger Glockenturm zusammenbricht … noch heute gibt es Schwarz-Weiß-Bilder im Internet, die zeigen, welch enorme Kirche die Dalbade war … weswegen es mir Vergnügen und Ehre zugleich war dem
heutigen Titelfoto
kurzerhand selber zu Glanz und Vollständigkeit zu verhelfen … ein riesiger Spaß, wo es doch auch bei der Kirche genauso oft ums Pimmelfechten geht, wie draußen, um nicht zu sagen – immer … Warum man in Toulouse das Handtuch warf und den Turm nicht ein zweites Mal erneut aufbaute, habe ich nicht herausfinden können …
denn eigentlich
liegt allen Franzosen genug Siegeswillen im Kompatrioten-Blut, um die einstmaligen Grandezzas wieder aufzupolieren, gar neu aufzubauen … man denke nur an Notre Dame von Paris, für die man nach dem Brand in einer Woche eine Milliarde an Spenden einsammelte … dagegen ist so ein kleiner einfacher
Dalbaden-Steinturm
in der Toulouser Altstadt ein echter Klacks … es sei denn, man glaubt den Verschwörungstheorien von Louis-Ferdinand Céline, der schon zu Lebzeiten den Deepstate in Frankreich anprangerte, zu Zeiten, wo der heutige Präsident der USA gerade geboren wurde … in Europa waren wir immer schon Trendsetter,
nicht nur in Mode, auch in Vielem anderen … DAS allerdings,
erlebe ich heute, wirklich …
ein wenig anders …