Herbst … Alltag … Regen … Kälte … Arbeit … leerer Kühlschrank … Fuck! Ein Auto mit Warnblinker verstopft die enge Einbahnstraße, na prima … Scheiße! Was ein glitschiges Kopfsteinpflaster … hättest dich fast lang gemacht … mal sehen, vielleicht, ja so geht‘s … presse mich mit meinem dicken
wummernden Drahtesel
vorbei an Fußgängern, schön mitten übern Gehweg … alles macht Platz … Regen läuft mir in den Nacken, feines Spray pustet mir ins Gesicht … Fühle mich wie’n betrunkener Slovake, der nach hastigem Genuss einer halben Flasche Slibowitz seine Schwiegermutter abholt … Langsame Kriechfahrt, nur ein Ping,
hörst du? Nur Eins!
Will die Rue de Languedoc kreuzen, parken und ‘nen heißen Tee trinken, oder was mit Alkohol … parke meinen Kaltblüter vor dem Laden vom Silberbesteckfuzzi Gilles Hervy … lächelt immer verständnisvoll aus seiner Boutique raus, auch wenn seine Fensterscheiben jedes Mal drohen zu
explodieren,
wenn ich meine dicke Berta zünde … Bienveillance, über alles, sag ich nur … schlurfe in meine Bude, lass heute den Helm auf, es regnet immer noch, schaue alten Mauerwerken beim Bröseln zu … neue Wochen-Taz im Briefkasten … hab nun vier zu lesen … na endlich, bin drinnen, jetzt ausziehen, fluchen
Teewasser aufsetzen
rein in bequeme Klamotten … Pu-Erh-Tee, schwarz, stark, schmeckt nach Komposterde und Blutwurst, recht lecker, wie ich finde … greife mir die vier Zeitungen, lese, pflüge mich erst mal quer durch … filtere Interessantes raus … doch trotz vier Ausgaben, ist die Ernte heute eher mager … Doch was ist das … ein Bericht über
professionelle Kissenschlachten!
Muss plötzlich, will, sollte … unglaublicher Drang, aus dem Fenster zu schauen, nicht springen … hysterisches Lachen, von tief drinnen an … muss das noch mal lesen, tatsächlich, da steht‘s geschrieben, schwarz auf weiß: Professionelle Kissenschlachten … Nippen am Tee … stehe auf, schenke mir einen
Ricard
ein, mit wenig Wasser, dafür viel vom gelben Saft … zwischen zwei bis viertausend Mal hallen zwei Wörter in meinem Kopf rum, die mein Geist so nicht zusammen nennen möchte … Gedanken an den Präsidenten vom Universum auf Beteigeuze, aus’m Anhalter … danke Douglas Adams … schaue aus dem Fenster …
Gegenüber offene Fenster
Zwei rote Katzen beobachten mich … es regnet nicht mehr, na toll, jetzt wo ich im Trockenen bin … Peter Thiels Firma Palantir schließt Verträge mit dem US-amerikanischen Staat ab, während Bürger, Wähler Kissenschlachten im Fernsehen sehen und ihr Heimat-Staat Teile seiner Exklusivrechte an Privatfirmen
reicher Oligarchen verscherbelt.
Gieß mir einen zweiten Ricard ein … „Freiheit und Demokratie lassen sich nicht vereinen“, meint Peter Thiel, echot es zwischen meinen Ohren hin und her … überfliege ‘nen Beitrag vom Bürgermeister in Lägerdorf … Ehrenamt versus schwulem Tech-Milliardär, feuern meine Synapsen hin und her, während der Pastis sich wie eine …
warme Decke
über meine melancholische Seel legt, schön das alles … also, die Decke, nicht der andere Kram … Gedanken an den Turmbau zu Babel, an Rom, Cäsar, Kleopatra und Katzen von gegenüber … les ’n Beitrag über Otrovertierte … Taz-Interview mit Rami Kaminski … „der schreibt von dir, oder wie oder was“ … krasser Scheiß …
Bordeaux war schön,
aber irgendwie auch, schon ein wenig spießig … komm schon, weiterblättern … Ukraine und Russland, natürlich, was sonst … jemand hat’n Buch über Höcke geschrieben … unbeteiligtes Weiterblättern … lautes Klirren und Glasgeschepper vom Nachbarn nebenan … hat seinen Sack wieder voll … eine der Katzen dreht sich um, zeigt mir
ihren haarigen Hintern.
„Mach dir heute Fenchel-Spaghetti mit Parmesan, genau, super Idee“ … schenke mir‘n dritten Ricard ein … „fick dich!“ rufe ich der roten Katze zu, die mir Ihr Hinterteil zeigt … zeige ihr den Fuck-Finger … „na los, mach Musik an, du Heini, worauf wartest du“ … FIP-Jazz, überlebt nur wenige Sekunden, bin schon zu krass drauf … brauch jetzt was amtlich
hartes, Industrielles,
knall mir strammen Elektro und Techno rein, jawohl, so geht Leben … „Scheißwetter! Alles unter 20 Grad ist Drecks-Kacke-Pisse-Scheiße“, fluche ich, spüle mir wie zur Bestrafung für diese furchtbaren Wörter den Mund weiter mit Ricard aus … jetzt ist’s besser … hab leicht einen sitzen … „bist‘n Otrovertierter, gehst allen auf den Pinsel mit
deiner Fragerei
und hast dabei nicht eine einzige Antwort am Start … hast nur lästige Fragen zu bieten, nervt total … im Gegenteil, selbst die paar Antworten, die du dachtest zu haben, selbst die sind dir verloren, abhandengekommen … Fragen über Fragen … meine neuen Laufschuhe von Brooks sind klasse … haben jetzt so ‘ne neue Generation von Sohle, läuft sich
voll krass darauf.
„Professionelle Kissenschlachten“ hallt es unterdessen ein weiteres Mal nach … Camus wäre stolz auf die Amis … statt täglich Steine karge Berge raufzurollen, haben sie sich nach Wrestling, Jai-a-lai, Squash, Golf, Basketball, Baseball, American Football, Dragstar-Racing, Indy 500 und Stockcar-Races was Neues einfallen lassen …
was TC Boyle und DF Wallace
wohl dazu sagen … „Hauptsache Fernsehen und Fast-Food, sag ich euch“ … alles unter 20 Grad ist mir zu kalt … gibt es einen Ort in Europa, der heute mildes Klima hat? Vermutlich Kreta … zusammenhanglose Gedanken an Athen, bröselnde Mauern in Toulouse … Kanzler Merz, Rente, sein Krieg gegen jüngere Generationen … Obdachlosigkeit
ist kein Spaß,
nirgendwo, aber in Nordeuropa schon mal gar nicht … Turbo-Kapitalismus und KI, tolle Kombination … nur, wozu all das … wozu Wachstum, wozu mehr Geld, mehr Waren … wir haben bald kein Trinkwasser mehr … unsere Nahrung ist so sehr mit Insektenvernichtungsmittel verseucht, dass wir aufhören sollten uns zu wundern, dass wir bald alle
Insekten vernichtet haben.
Wenn wir so weiter machen auch uns … Ist aber nicht so wichtig, solange Peter Thiel und Barbara Becker sicher auf Fishers Island leben … nicht nur bei den Spartanern wird der Überbringer schlechter Nachrichten bestraft … mein Zweckpessimismus nervt mich selber … denn von all dem Wahnsinn da draußen abgesehen, fand ich meine Woche
ganz okay.
Mittwochabend ein gutes Gespräch mit Kumpel S … Donnerstag Dinner mit einer Bekannten … mein spontaner Vorschlag für’n Glas Champagner bei mir kam zu spontan, war für diesen Abend zu ambitioniert … vielleicht klappt es nächstes Mal … Freitag schepperte ich mir alleine einen rein … hab Musik dazu gehört, so wie jetzt gerade.
War super.
Samstag einkaufen, dann Mittagsschläfchen … abends Apéro-Einladung mit Filmsehen bei Freunden … „Schwarze Katze, weißer Kater“, Emir Kusturica, lang ist‘s her … hat Spaß gemacht, aber auch wieder mal gezeigt, dass man manche Filme nicht mehr sehen kann … bin lange schon nicht mehr der Gleiche
wie damals.
Manches funktioniert heute noch … manches nicht mehr … ist gut sich weiterzuentwickeln, sich zu verändern … die Grundlage allen Lebens … zurückschreiten ist doof, kann ich auch gar nicht mehr … den Mengen hinterherlaufen gelang mir dafür noch nie … scheint nun endlich Zeit sein …
die innere Leere zu pflegen …
und auszuleuchten …