Mystisch, unergründlich und doch, glaubt jeder über 40 Experte zu sein … Liebe, der große Gebirgszug im Leben eines Menschen … Was es nicht alles für Ratgeber gibt, sogar Paartherapeuten gibt‘s überall, an jeder Ecke … doch die kümmern sich nie um Liebe, sondern meist nur darum, dass man
… einander zuhört.
Anscheinend sind wir nur eingeschränkt zurechnungsfähig, wenn Liebe von uns Besitz ergreift, besonders am Anfang, jeder kennt das … Ich könnte da Geschichten erzählen, dass ich noch heute erröte, betreten zur Seite sehe … Ständig fliegt man herum, landet kaum bis nie … Wie schnell man Menschen mit Euphorie, Hysterie und Unrast auf den
… Wecker geht.
Und doch … Liebe! … Liebe! … Hm, welch unbeschreibliche Sache … Schon mein ganzes Leben beschäftigt sie mich … wie wir mit denen, jenen umgehen, die wir zu diesem kleinen, erlesenen Kreis zählen … Wie wir uns den Erlauchten gegenüber verhalten, wie wir sie rufen, nennen, über sie reden, wenn sie nicht da sind, was fühlen wir für jene, die wir
… lieben?
In Frankreich ruft, nennt man Kinder und Partner oft „mon coeur“ … Zu anfangs fand ich das merkwürdig … In Deutschland macht man da große Unterschiede … Meist rufen Eltern ihre Kinder beim Vornamen … Alternativ geht auch „mein Sohn“ oder „meine Tochter“ … In Frankreich sagen sich Eltern, wie Kinder regelmäßig
… „Je t’aime“ ins Gesicht.
So lange ich denken kann, haben meine Eltern mir das nie gesagt, weder offen und direkt, noch diskret, leise, unter vier Augen, niedergeschrieben … geschweige in hoher Frequenz … mindestens einmal pro Woche, vielleicht sogar pro Tag … Ist das oft? Oder wenig? Sind Franzosen in Liebe weiterentwickelter als Deutsche? Keine Ahnung, ist auch
… ziemlich egal.
Vielmehr interessiert mich von, wie Verhalten und Sprache zusammenpassen … Wann weiß ich, dass man jemanden liebt? … Wie bemerke ich, wie glauben wir, dass es anders herum auch so ist? … Wie äußert sich das? Durch ein dauerhaft warmes Gefühl im Bauch? Weil der andere, der mich liebt, es so unmissverständlich auslebt? … Oder doch eher durch Loyalität, Vertrauen und ähnliche Werte? … So als wäre „Liebe“ ein Land, eine
… Art Nation,
mit zwei Bürgern, die nicht nur nach gleichen Regeln zusammenleben, mit gleichen Rechten ausgestattet sind, sondern sich auf Augenhöhe mit allerhöchstem Respekt begegnen und sich deswegen füreinander entscheiden, weil man gleiche Lebensprinzipien vertritt … Mag eher nach einer Vernunft getriebenen Partnerschaft klingen, als nach
… Liebe,
die in ihrer wahren Form ja rein gefühlsmäßig daherkommt … Als wäre man unschuldig, nachdem einem die Götter, Armor, Aphrodite, oder wer auch immer, diesen vermaledeiten Drecks-Pfeil in die verliebten Gebeine donnern, weswegen man jetzt den Mond anheulen muss und sich mit Schnappatmung alleine im Bett
herumwälzt,
bis mich Sterne oder Weltall erlösen, oder die allein ausgetrunkene Flasche Rotwein … Überhaupt, was genau meinen wir, wenn wir von Liebe sprechen? … Zählt Verknalltsein dazu? Was ist Lust? Erotik? Leidenschaft? Dem nüchtern beschriebenen biologischen Geschlechtstrieb, der
missbraucht & unkontrolliert
für so viel Übel auf der Welt sorgt? … Wie alle nicht im Zaum gehaltenen Urkräfte … Feuer und Wasser beispielsweise … Alles ein und dieselbe Mischpoke? Oder muss man bei jedem Begriff genau differenzieren … Verguckt und verknallt habe ich mich jedenfalls bestimmt schon 100 Mal … Manchmal bin ich paralysiert losgerannt, wie das liebestolle Stinktier Pepé von den
Looney Tunes.
Oder ich saß regungslos vorm lodernden Feuer und wartete auf Erlösung … Krass, die volle Bandbreite, ja natürlich kenne ich die, wie alle die über 45 sind … Bin ich jetzt schlauer, weiser geworden? Habe ich was gelernt? … Auf jeden Fall bin ich geduldiger
und nachsichtiger.
Mit Frauen und mit mir … Hilft es? Vielleicht … Auf jeden Fall herrscht heute weniger Strohfeuer, dafür mehr glühende Lava, die alles entzündet, dass sich ihm in den Weg stellt … Ja, die Beschreibung gefällt mir … Auch glaube ich, dass man sich in Sachen Liebe weiterentwickelt, zwangsläufig
… hoffentlich.
Bei Anziehung / Attraktivität in die Kiste zu gehen ist eine Sache … Eine Partnerschaft etwas anderes, noch dazu, mit welcher Absicht … Viele haben Erwartungen und Hoffnungen, die sich eines Tages hoffentlich erfüllen … Ein wiederkehrendes Element in Partnerschaften scheint
… Sprachlosigkeit zu sein.
Wer kennt das nicht, dass man aufeinander einredet … noch mal und nochmal umformuliert … auf beiden Seiten selbstverständlich … und doch den Eindruck hat, sich im Kreis zu drehen … Man kommt nicht weiter, stattdessen steckt man fest, steht man auf der Stelle, oder schlimmer, fällt weiter zurück
… als wo man zuvor stand.
Schon einige Male habe ich Therapeuten besucht … Zusammen mit meinen damaligen Freundinnen, aber auch Alleine … Schon drei Mal war ich kurz davor zu heiraten … Beim dritten Mal habe ich erst drei Wochen vorm Termin abgesagt … Scheiße, war das eine Katastrophe! … All der Aufwand, die Kosten
… und wofür?
Tsunamis von Hass, Wut, Zorn, Abneigung und grandioses Unverständnis brachen damals über mir zusammen … Noch heute, jeden Morgen, bestaune ich Falten und Krähenfüße, die ich bestimmt deswegen bekam, von den grauen Haaren ganz zu schweigen … Nein! Es ist
… kein Wehklagen.
Im Gegenteil … alles geschah freiwillig, weil ich es wollte … niemand anderes als ich selber war und ist dafür, für mein Leben verantwortlich … Bin ich deswegen hermetisch, kaum zugänglich geworden? Jemand der nichts mehr riskiert, der sich nichts mehr, auf keinen Fall mehr etwas traut?
Ich hoffe nicht …
Natürlich, man weiß nie, wo man wirklich steht … Noch dazu, wie man wahrgenommen wird … Letztendlich bleibt’s dabei, dass wir uns gut fühlen sollten … Experte in Sachen Liebe bin ich jedenfalls auf keinen Fall geworden, bis heute nicht … Meine einzige Erkenntnis besteht darin, dass man von keinem, von
Niemandem
das Einverständnis braucht, um jemanden zu lieben … Für eine Partnerschaft ist es allerdings hilfreich, wenn so etwas wie Liebe auf beiden Seiten gefühlt wird, natürlich … Sonst findet nicht allzu viel statt … Vielleicht bin ich deswegen geduldiger und gelassener in Sachen Liebe geworden.
Und die Moral, von‘der Geschicht‘ ?
Wir sollten einander nicht ändern … Im Gegenteil, achten und schätzen … So wie wir sind, so haben wir uns kennengelernt … Etwas ändern? Frage: Worum geht es? Was suchen wir denn? Wenn nicht geliebt zu werden … Kann Liebe allein also langen? Natürlich. Wenn nicht, ist es vermutlich
… keine Liebe.