„Ist mir egal!“ … schrieb eine Freundin aus Polen, die heute eigentlich ihren nächsten Präsidenten wählen soll … „wirklich, ist mir richtig egal, wer‘s von den beiden wird! Keiner von denen wird groß was ändern … es gab bereits viele Projekte, die den Menschen zu Gute gekommen wären, aber was hat man gemacht
– nichts!“
Schon merkwürdig, irgendwie landen wir immer wieder bei Berthold Brecht … „Erst kommt das Fressen, dann die Moral!“ … Ob in Athen, Warschau, Toulouse, Hamburg, Madrid, Prag, Rom oder sonst was weiß ich wo, im schönen Europa … Verfügbare Arbeitsplätze versus gezahltem Geld driften …
immer weiter auseinander.
Es gibt immer weniger Arbeit, dank moderner Technologien … AI / KI wird das ganze in den nächsten Jahren noch weiter beschleunigen … dahinter jedoch versteckt sich das große Thema unserer Zeit, wie ich finde: Welche Aufgaben haben Regierungen? Dafür zu sorgen, dass es keine
Kapitalflucht gibt?
Oder – der großen Mehrheit der Bürger – lebenswerte Rahmenbedingungen geben, für Familien, Paare und Alleinstehende? Gar Beides? Man muss kein Mathematiker sein, um die Gaußsche-Verteilungskurve zu verstehen … Es braucht keinen Master in Ökonomie, um zu begreifen, dass die Menge der
Arbeitsplätze,
schneller schrumpft, als die Anzahl derer, die arbeiten müssen, um ihr Leben zu bezahlen … Was also tun? Genau, man muss flott darüber nachdenken, wie Privat-Vermögen und im Umlauf befindliches Geld, derart moralisch verwendet und gelenkt wird, dass Wertschöpfungen und Einkommen zu den
Lebenshaltungskosten passen.
In anderen Worten: Wir müssen uns schnellstens moralisch weiterentwickeln, weil ansonsten Generationsverträge und künstlich empor gehaltenes Wachstum lediglich Konsum, Ressourcenverschwendung und Inflation ankurbeln, ohne Ausblick und Möglichkeit, europäisch, national und lokal …
eingreifen zu können.
Erste Schritte müsste die Reduzierung privater und öffentlicher Verschwendung sein … Hier in Toulouse brennt die gleißend hell brennende Straßenbeleuchtung die ganze Nacht … nicht nur Fledermäuse und Motten irritiert das, man fragt sich, ob irgendjemand diese gewaltige Anzahl von Leuchtmitteln vorher
getestet hat.
Man möchte des Nachts nur noch mit Sonnenbrille rausgehen … Auch beim Durchblättern des Toulouser Stadtmagazins von Oberbürgermeister Jean-Luc Moudenc, bekomme ich, nicht nur wegen der radikalen Transformation, die JL seit Jahren mit Gewalt vorantreibt, wie in diversen Artikeln in Nebensätzen erwähnt,
eine stetig wachsende Gänsehaut.
Alles muss noch glanz.- prunk.- und prachtvoller werden … am liebsten würde JL seine Stadt ganz in Marmor und Gold auskleiden, natürlich muss man dann alles ständig blitzblank putzen, damit sich das sehen lässt, so richtig, meine ich … Über delikate Themen, wie versiegelte Flächen, Mülltrennung und
Mietpreisexplosionen,
will ich gar nicht erst anfangen … Wozu? Ist denen, die sich’s leisten können zum einen egal, und die, die es betrifft, die lesen kaum dies Hochglanz-Werbeprospekt, weil man vermutlich längst zu einem Zweitjob gezwungen ist, um sich über Wasser zu halten, ähnlich wie im Herzen Griechenlands,
in Athen.
Weswegen meine „Krawatte“ stetig weiterwächst, liegt vor Allem daran, dass sich keinerlei Veränderungen abzeichnen, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite … Schon heute wimmelt die Stadt von Fahrrädern und Mopeds, die zum stetig wachsenden Geschwader von
Lieferdiensten gehören.
Ein Wahnsinn, man fragt sich, ob die Menschen nicht mehr selber kochen … Meine Nachbarn lassen sich jeden Tag, rund um die Uhr, Produkte liefern … Meine Wohnanlage ist wie ein Taubenschlag, ständig werden Speisen und Getränke angeliefert, um zeitverzögert entsorgt zu werden … entweder über Abwasser, oder trennungsfreie
Müllcontainer.
Auf dem Markt „Les Carmes“ sind alle über 40 Jahre alt, habe ich den Eindruck … Liegt es daran, dass sich die jüngeren die Produkte der Wochenmärkte nicht mehr leisten können? Oder vielleicht nicht mehr wollen? Lieferdienste sind ganz bestimmt teurer, als selber kochen, bin mir sicher …
Dazu kommt AirBnB.
Jedes Jahr hört man mehr Fremdsprachen auf der Straße … Jedes Jahr wächst der Tourismus in der Ville rose … Jean-Luc dürfte das freuen, aber wie sehen das seine Bürger, meine Nachbar, seine Bewohner? Vermutlich eher ambivalent, wenn nicht mit stetig wachsendem Groll …
Was nun?
Wie wäre es mit HANDELN, im Sinne von Umwelt, Beruf und Nachhaltigkeit … Wie wäre es mit VERÄNDERUNG, des eigenen Lebens, Konsumreduzierung, weniger Wegwerfgesellschaft … Schlimm ist bei all dem Mist, dass ich das schon so oft geschrieben habe … Warum wiederhole ich das eigentlich?
Für mich?
Will ich mich selber überzeugen? … Bin ich etwa störrisch? … Vielleicht in Wahrheit wenig bereit für Veränderung? … Schreibe und labere ich das alles nur so daher, mache aber tatsächlich – NICHTS? So wie alle anderen? … Bin auch ich ein Heuchler, ein Opportunist, der sich nur
möglichst bequem,
im eigenen Leben einrichtet und drauf scheißt, wie‘s dem Rest geht? … Manchmal hilft es, mit sich selbst hart ins Gericht zu gehen, besonders dann, wenn das Leben bereits komfortabel und gemütlich ist, dass man nur noch dekadent durch die Welt fuhrwerkt, wie ein grinsender
Gérard Depardieu.
Mein Kumpel F. und ich beobachten seit Längerem, dass eigentlich immer mehr egal zu sein scheint, ob in Politik, wie auch Wirtschaft … Man weiß, über den Dreck am Stecken, von Jens Spahn, über die CumEx-Geschichte von Altkanzler Olaf Scholz … Man kennt den Hang zu Reichtum & Großkapital von …
Jung-Kanzler Merz.
Man kann diese Liste unendlich lang weiterführen … wir könnten Wirtschafts-Skandale mit hinzufügen, über die Ausbeutung, die Auslaugung des deutschen Gesundheits-Systems sprechen, die Konzerne wie Asklepios perfektionieren … Wir können jetzt die Liste aller uns bekannter
Auto-Konzerne
mit dranheften, was würde es ändern, außer, dass wir schlechte Stimmung kriegen? … Wir könnten über den großen Teich fliegen, nach Seattle, zu Boeing … Was die in den letzten Jahren veranstaltet haben, um Umsätze und Gewinne anzukurbeln, geht weder auf Kuhhäute, noch auf‘n einzelnen
Grabstein,
so viele Menschenleben hat man auf dem Gewissen … bei einer öffentlichen Anhörung, wurde dem ehemaligen CEO David Calhoun ins Gewissen geredet, wie sein Jahresgehalt von über 30 Millionen US-Dollar zu den Einsparungen im Qualitätswesen passen … Daraufhin trat er vom
Amt zurück.
Niemand fragte mehr nach der Abfindung, nach den Zahlungen, die er dadurch erhalten hat … Schnell vom Tisch, aus den Augen, aus dem Sinn … Ob der NEUE CEO, der 65 jährige Kelly Ortberg viele Veränderungen lostreten kann, bleibt fraglich … Inwieweit sich die
europäische Luftfahrtindustrie
positionieren kann, wird man sehen … Wie komme ich jetzt aus dieser Negativ-Schleife heraus? … Am besten mit Humor, Ironie und Sarkasmus vielleicht, soweit das denn geht … Vielleicht müssen wir heutzutage lediglich viel konzentrierter unsere
eigenen Sachen
verfolgen und uns weniger vom stetig wachsendem Grundrauschen stören zu lassen … Vielleicht lohnt es sich ja doch, wenn man ausreichend Fressen in den Schränken hat, hin und wieder doch über den eigenen
Moralischen Fortschritt nachzudenken …