Stil – Odyssee 2025

Endlich! … Zwei Wochen hocke ich nun schon im Abklingbecken … So lange dauerte es diesmal, um Staub und Erinnerungen an meinen letzten Athen-Aufenthalt aus Klamotten und Geist zu klopfen … Ziemlich lange, wie ich finde … Besonders lang brauchten Eindrücke und Sound aus der Musik-Bar mit Namen …

K.O.T.E.S. (Booze Cooperativa).

Letzter Tag Athen … Ich fand, er verdiente ein letztes Budweiser vom Fass … Draußen war es mild … Einer der Stammgäste setzte sich an eben diesen Tisch draußen auf dem Gehweg … Offenbar ein Stadtbekannter, vielleicht in ganz Hellas verehrter Schriftsteller und Schachspieler, der wie selbstverständlich …

Raki mit Eiswürfeln bekam.

Mit am Tisch saß der DJ vom Samstag, dessen Elektro mir an jenem Abend gut gefiel … Neugierig beobachtete ich die Unterhaltung der beiden … Nur wenige Wortfetzen ließen meinen überschaubaren hellenischen Wortschatz aufleuchten … So ganz in schwarz gekleidet, strahlte er so eine ganz besondere

Würde aus.

Nicht nur, dass ihn seine Frau hinten auf dem Roller mitnahm und ihn kurzerhand vor seinem Stammlokal absetzte, nein, sie hatten auch ein paar Bilder von ihm an den Wänden hängen, aus Zeiten, wo er mir 20 bis 30 Jahre jünger erschien … Irgendwie stieß das einen gedanklichen Prozess an … Keine Ahnung was passierte,

oder gar – warum.

Es passierte halt … Man kann nicht alles erklären … Plötzlich dachte ich an Georg Schramm, dann an Wiglaf Droste, Jörg Fauser, Rolf-Dieter Brinkmann … Und noch ein paar andere dieser herausragenden und leidenschaftlichen Wüteriche … Bekannt für ihr erbarmungsloses Beobachten, verziert von …

messerscharfen Beschreibungen.

Ihre Arbeiten erzeugen bis heute bei mir elektrische Spannung … Jedoch kommt sie nicht so sehr von dem was die Herren schrieben und was sie mit mir, dem Leser teilen, sondern vielmehr … was es bei mir auslöst … Nicht selten fühle ich mich ertappt, wenngleich es sich um Form von Kumpanei handelt und

nicht, Selbstverurteilung.

Endlich kam ich drauf: Es ist die ewige Frage des Menschen, beschrieben durch den Mythos von König Sisyphos, das allegorische menschliche Bildnis, dargestellt durch das Schicksal des Prometheus und die vielen anderen, dass es nicht so sehr auf das – was – sondern vielmehr auf das

WIE – ankommt.

Ins Bild passte, das ich vor wenigen Tagen eine Dokumentation über die RAF sah … Wie die 68iger nahezu Alles Althergebrachte in die Tonne traten und sich daraus zwei regelrechte Fronten bildeten … Staat gegen jene, die ihn ändern wollten … Knapp 60 Jahre, zwei Generationen später, stehen wir an ähnlicher

geschichtsträchtiger Stelle.

Längst haben sich einige Akteure resigniert zurückgezogen … Glut glimmt zwar immer noch unter der kalten Asche, all jener verbrannten Erde, die unsere Menschengeschichte, nebst moralischer Unfassbarkeiten, zum Teil fast für immer beenden hätte können … Heute, wo das Ganze noch zusätzlich durch

digitale Gründlichkeit

beschleunigt wird, sind die Erbschaften und ihre moralischen Lasten still und heimlich in gewaltige Höhen weitergewachsen … Man staunt, schnappt nach Luft, schüttelt den Kopf, kann, will es nicht fassen und fragt sich dabei selbst, was man denn heute im Jahr 2025 noch tun kann, wo der Zug doch längst …

vollständig abgefahren zu sein scheint.

Oder in Worten der Klimaforscher: Es ist fünf NACH zwölf – nicht vor … Immer wieder kommen mir Artikel in die Finger, in denen über mangelnde Aufarbeitung des dritten Reichs, sowie der nie dagewesenen Stunde NULL geschrieben und berichtet wird … Es gibt soviel nicht abgegoltenes Unrecht, ganz zu

Schweigen, vom Schweigen

und dem nicht zahlen von Reparationen … Wie fühlt sich all das an, während im Nahen Osten, sowie in so vielen anderen Krisenherden, heute im Jahr 2025, sich Geschichte und menschliche Tragödien nicht nur wiederholen, sondern, anders als vor 60 Jahren, wir über all das in …

Echtzeit Bescheid wissen.

Helge Schneider hat seinen Weg gefunden … Christoph Schlingensief den Seinigen … Was mich jedoch am meisten wundert ist die Regungslosigkeit … Es muss ja nicht gleich eine Wiederbelebung von ETA und RAF sein … Vereinigungen wie der Chaos-Computerclub haben heute nicht zu unterschätzenden

Einfluss.

Vielmehr ist bei all dem die Frage, was das ganze mit mir macht … Was passiert, wenn ich aus dem Abklingbecken steige? … Lerne ich dann wieder intensiv Griechisch? Und Französisch? … Was fange ich an mit den Möglichkeiten, die ich noch nicht kenne, noch nicht durchdacht habe? … Lass ich sie auf mich

zukommen?

So nach guter Art des Daoismus? … Einfach zurück zur Natur, rauf auf den Berg und warten, bis das Licht ausgeht, während man täglich stundenlang meditiert? … Oder doch aktiver werden, mit Dingen, Aktionen, die zu meinem Stil passen, die Ausdruck der eigenen Moral und Ethik geben? Und wenn ja, zu

welchem Preis?

Stil vor Talent … So heißt ein Platten.- Musiklabel aus Berlin … Mir gefällt der Name … Irgendwie kompromisslos auf den Punkt gebracht … Was tun, lieber Prometheus … Handeln durch nicht handeln, oder letztendlich doch aktiv werden und sein? … Mit was? … Irgendwie ahne ich die Antwort,

zumindest für mich …

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