Athen – Odyssee 2025

Endlich wieder Athen! dachte ich, als ich dem Taxifahrer zuhörte, wie er über den stetig zunehmenden Verkehr in seiner Stadt fluchte … Was für ein Gewusel … Als hätten die griechischen Götter alle schwarzen Löcher des Kosmos in Athens Straßen ausgeschüttet, bis auf den letzten Krümel entleert … Vorm Kalimarmoro-Stadion bewegten wir uns

nur noch in Zentimetern.

Hier also auch? Wie in Hamburg? stellte ich mir die gleiche haareraufende Frage … Täglich, wie die Champignons sprießen neue Baustellen in der Hansestadt aus der Erde … Verkehrsinfarkt an jeder Ecke … Ausdrücke wie „Verkalkte Adern“ bekommen in Athen ’nen lustigen, doppeldeutigen Beigeschmack … die zunehmends saure Luft „verwandelt“

jeglichen Marmor

in Kalk … Je mehr Touristen, desto schneller verschwinden antike Erinnerungen und Überbleibsel, die Geld in Kassen bringen … Mit Staus geht man in Hellas ähnlich um, wie bei jedem mediterranen Anreihner … Solange keine Deutschen mit von der Partie sind, geht es voran … Allerdings ist’s ein wenig gefährlich … Sehe staunend zu, wie

Motorräder und Scooter

links und rechts an unserem gelben Skoda Octavia vorbeisausen … Gedanken an Kometen, Sternenschnuppen … An Naturgewalten, an Bienenschwärme, an Insekten-Schwarmintelligenz … Voll ist‘s ja immer schon gewesen, aber so? … Wie am langen Samstag bei Karstadt am Grabbeltisch … So viel Verkehr und Stau ist selbst hier …

für Athen neu.

„Ja, in diesem Jahr ist’s schon wieder mehr geworden; wir wissen nicht wirklich genau warum, aber es ist unübersehbar voller in der Stadt“, sagt Kumpel S. als wir uns auf einen Freddo-Espresso treffen und plaudern … „Es gibt verschiedene Vermutungen … meiner Einschätzung nach sind es hauptsächlich

noch mehr Touristen“,

so mein Kumpel weiter … Gemütlich schlendere ich von der Akropolis quer durch’s Stadtzentrum nach Exarchia, wo ich, bei einer Freundin unterkomme … 30 Grad, strahlender Sonnenschein … Immerhin gibt es hier noch Wettergarantien … Von Südfrankreich und Norddeutschland kann man das nicht unbedingt mehr …

sagen.

Ist es wirklich der Klimawandel und daraus resultierende wachsende lokale Wetterveränderungsdynamik? Schönes Wort, findet ihr nicht? … Oder schlicht typisch-wechselhaftes Wetter, wie immer wenn wieder Frühling ist? … Keine Ahnung, muss ich ehrlich zugeben … Kumpel JM sagt‘s schon seit Jahren in der Weinanbaugegend rund

um Bordeaux:

„Zuerst ist’s zu früh zu heiß und dann zu feucht, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Weine viel Zucker, viel Alkohol haben, wenn sie nicht vorher verbrennen und zum Anderen, das wir sie reichlich besprühen müssen, um keinen Pilzbefall zu bekommen, wenn‘s ab Mai mal wieder zu heiß UND zu feucht ist …

Scheiße ist das!“

Endlich auf meinem Zimmer … Flix umgezogen, danach ab ins Leben … Nichts tue ich lieber, als in Exarchia flanierernd dem Leben zuzuschauen … Tatsächlich: Was im Hamburger Schanzenviertel schon vor 30 Jahren seinen Anfang nahm und sich in Hamburg Ottensen fortsetzte, beobachtet man auch hier:

Gentrifizierung,

nebst Nebenwirkungen … Ewig kreisende Motorradfahrer … Am meisten nerven Harleyfahrer mit ihrem laut knatternden Industrieedelschrott … Ewig dieser Zwang zu markieren … Bein hochhalten, an jeder Ecke … In Hamburg haben’s Cruiser sogar geschafft, dass der Jungfernstieg für Autos gesperrt wurde, sieh an, sieh an …

Wer hätte’s gedacht …    

In welcher Geschwindigkeit auch hier in Athen alte Häuser renoviert und in Luxusappartements verwandelt werden, wie oft ich britisches und US-Amerikanisches Englisch höre, reichlich komplementiert mit Deutsch, Spanisch und Französisch, sowie der wachsenden Anzahl Birkenstock-Sandalen lässt mich

andächtig schweigen.

Da wären wir nun also! spreche ich mit mir selbst und stelle mir die einzig vernünftigen Fragen, nämlich ob ich nicht a) selber Teil des Problems bin, will sagen, jeden zu hohen Preis bereitwillig zahle, um hier zu sein, weswegen auch ich aktiv mithelfe, alle Preise in Restaurants, Bars und Supermärkte …

hochzutreiben

und b) ob ich die viele Rumfliegerei nicht endlich sein lassen und meinen Urlaub genauso zuhause verbringen sollte, wie früher in den 70, 80igern … Auch interessant, wenn Moral neue Heimatgefühle beschert, um den Klimawandel positiv zu beeinflussen … Und um die Freunde in Hellas in Ruhe zu lassen und nicht um Frieden und …

Heimat zu bringen.

In anderen Worten: Wieviel Moral ist gut und notwendig? Welche Art vonnöten? Vielleicht in ganz ganz anderen Worten: Was darf ich mir guten Gewissens gönnen? Und was sollte ich besser sein lassen? Beim genüsslichen Flanieren im Viertel las ich‘s dann mehrmals als Graffiti und auf Postern:

Tourist go home!

Na klar! Haben ja Recht … In Toulouse bemerkt man Gleiches … Längst sind die Preise auch in meinem Viertel kaum noch bezahlbar … Nur von den oberen 10% … Aber auch diese Gruppe schwindet, schrumpft, teilt sich immer weiter auf … Sie schmilzt ab, diffundiert nach oben oder unten … Kein Zweifel: Es wird immer so

weitergehen!

Was sollen wir tun? … Aufhören zu Fliegen? … Urlaub zuhause machen? Und erst zur Rente dann ab in griechische, galizische oder galische Dörfer? Sieht so meine klimaverträgliche Wahrheit, mein möglicher Plan aus? Wie sieht‘s mit Sozial.- und Gesundheitssystemen aus? Kann man FRA, SPA und DEU mit …

Hellas vergleichen?

Kann man? Sollte man? Oder geht das nicht so einfach hopp-hopp, schlicht-um-schlicht? Auch auf Mallorca beobachte ich wachsenden Verdruss auf Touristen … Ist doch auch ganz natürlich … Sie sind Schuld, dass die eigene Bevölkerung mit steigenden Preisen vertrieben wird … Überall das Gleiche, letztendlich … Was also tun?

Fragte Zeus …

Kumpel S. nennt mich Gast … „Bist aus vielerlei Gründen kein Tourist“, sagt er und beginnt aufzuzählen … „Zum einen, du behandelst Menschen respektvoll, achtest darauf lokale kulturelle Unterschiede zu schätzen und zu pflegen und zum anderen ist da“, munter zählt er immer

weiter auf …

Natürlich klingt das alles nett, aber „sollten wir nicht zu jedem Menschen nett sein? … Sollte es nicht völlig normal sein, wenn wir „zuhause“ mit allen Menschen rücksichtsvoll und respektvoll umgehen? Bedeutet „Tourist sein“ etwa, dass ich Menschen distanziert und formell behandle,

gar von oben herab,

wenn möglich noch? … Ist es DAS, was einen Menschen zum Tourist macht? … Kann ich dann nicht auch zuhause als „Tourist“ durchgehen, wenn ich meine Mitmenschen unfreundlich, wie Menschen zweiter, oder gar dritter Klasse behandle? … Habe irgendwie den Eindruck, dass ich mich der Sache langsam …

annähere.

Vielleicht sollten wir nicht Haxe auf Mallorca fordern, gar erwarten … Genauso wenig, wie Wiener Schnitzel in Athen … Dafür mehr eigene Neugier gegenüber anderen Landgenossen fördern, damit sich am Ende nicht alle wie JD Vance und Pete Hegseth selbstherrlich verhalten, womöglich so …

… aussehen.

Unberücksichtigt hierbei … Muss ich zugeben … der Einfluss digitaler Nomaden … Wachsend ist die Anzahl junger Menschen, die remote arbeitet … Noch dazu sind die Herrschafften oft Verfechter von „Null-Besitz-Null-Eigentum“ … Selbst bei Milliardären wie Pavel Durow beobachtet man schrumpfenden Materialismus … Nur wie verhält es sich?

Wie wirkt sich’s langfirstig aus?

Verbrauchen wir so noch mehr natürliche Ressourcen? … Wächst der Flugverkehr stetig weiter? Wer bitte schön, fliegt denn da mehr? Wir? Oder etwa Inder und Chinesen? … Geht ja gar nicht … Genug gegrübelt … Antworten habe ich heute keine … Vielleicht ja bald, warum nicht – übermorgen? … Werde in der Zwischenzeit meine Zeit in

Athen genießen

und überlegen, wie ich bezahlbares mediterranes Leben bekomme, bei gleichzeitiger Reduzierung von Flügen … Irgendwie muss es gehen … Oder schlicht zufrieden sein, mit dem Wenigen was man hat? Vielleicht wird so’n Schuh daraus … Mal schauen, irgend etwas wird passieren in 2025,

soviel steht fest …

Gerade baut man den alten Fluhafen von Athen um … Ein völlig neues Viertel soll dort entstehen … Frage bleibt hier, ob man auch ausreichend Sozialen Wohnungsbau dort zugelassen und geförter hat, oder ob die Nähe zum Mittelmeer wieder nur Teures und Edles entstehen lässt, dass die eigene Bevölkerung wieder leer ausgeht?

ich werde es beobachten …

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