Arbeit – Odyssee 2025

Erster MAI, Tag der Arbeit in Collioure … Zuerst nur als spontane Idee im Raum stehend, merkten wir schnell, dass man sich bei bestem Sonnenwetter sputen muss, um nicht nur eine bezahlbare Unterkunft zu finden, sondern Sonne, Hinfahrt und freie Tage aufs Allerfeinste abzustimmen, so als würde

Carlos Kleiber

die Wiener Philharmoniker oder Herbert von Karajan die Berliner Philharmoniker dirigieren … Es sollte gelingen … Mit Sonnenschein trudelten wir Mittwochnachmittag in unserer Pension ein, die, welch Glück, mit eigenem Parkplatz glänzt, ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man

Collioure kennt.

Nachdem wir uns in Windeseile umzogen rannten wir runter zu Strand und Hafen … Ah! Endlich Meer! Doch was ist das! … Irgendetwas schien anders als sonst … War es windiger als üblich? Oder voller? Doch leerer als gewohnt? Irgendetwas stimmte nicht … Ha, natürlich! … Eine gewaltig-große

Mega-Yacht

versperrte nicht nur die Aussicht aufs Meer, sondern ließ ein derart tsunamimäßiges Statement über Reichtum, Kapitalismus, Eigentum und Besitz über den malerischen Ort hinwegdonnern, dass sich sämtliche Künstler, die hier jemals ihrer schaffenden Arbeit und Berufung nachgingen, in Gräbern

und Urnen umdrehten!

Überfielen schon früher ganze Schwärme üppig dimensionierter und hochseetauglicher Katamarane und Segelboote klassischer Bauart den kleinen Hafen dieses pittoresken und wunderschönen Ortes, ließ dieser schwimmende MEGA-Phallus von Señor Abramowitsch mit einprägsamen Namen

Eclipse

Nicht nur alle meine buchstäblichen Fässer überlaufen, sondern alle mir bekannten Meere gleich mit dazu … Noch dazu zum Tag der Arbeit! … Was für ein Affront! … Was für ein Schlag ins Gesicht für die weltweit arbeitende Bevölkerung, die im Schweiße ihres Angesichts Lohn und Gehälter ins traute

Heim bringen!

War ich gedanklich auf Urlaub, abschalten und Seele baumeln lassen, drehte ich in keinster Weise nachgebend und einlenkend bei, sondern komplett FREI … Schäumend, wie ein Berserker tobte ich, am Ähnlichsten wohl wie Animal, der Drummer von der Muppetshow … Schon begann ich zu zählen … Es lagen

15 Boote

im Hafen vor Anker, was viel ist für Collioure … Keines kleiner als 20m, gar unter einer Million Euro zu haben, wie meine Recherchen ergaben, nicht mal gebraucht … Während ich an meinem Bier nippte sah ich mich auch bei den flanierenden Mitmenschen um … Keiner von denen, hatte sich seinen Aufenthalt vom

Munde abgespart.

Wir waren also in bester bürgerlicher Gesellschaft, noch dazu am Tag der Arbeit … Und als würde all das nicht schon traurig, nein, in Wahrheit bitter genug sein, dass der europäische Mittelstand immer weiter und weiter durch Effizienzsucht und jährliche Renditen von 10% erdrutschartig schwindet,

im Zeitraffer erodiert,

wie die vielen Opferanoden aus Magnesium, die den Rumpf dieses Oligarchenspielzeugs vor Elektrochemischen-Attacken der Weltmeere schützen, darf man, nein, muss man diese arrogant und abschätzig quer vor den Hafen sich räkelnde riesenhaft-anmutende schwimmende Stadt als wahrhaftige kapitalistische Versperrung

und Belagerung

ansehen, von der es keinen Ausweg geht … Gleich einem nimmersatten Geschöpf, dass nur darauf wartet, alles und jeden zu vereinleiben und uns, früher oder später, erneut zu versklaven, weil wir Dank Komfort, Langeweile und Klimaanlagen gekühlter Urlaubsdomizile genauso dekadent geworden sind, wie Millionäre und Milliardäre der Welt,

im kleineren Maßstab,

dass soll uns für mildernde Umstände angerechnet werden, wenn es zu unser aller Verurteilung kommen sollte, wenn wir so blind und gleichgültig weiterkonsumieren und wählen, wie es in der westlichen Welt seit einigen Jahren nun schon so schön sichtbar geworden ist … Es war nämlich nicht nur, aber eben auch

Pietät,

die mich dazu aufforderte, nein, viel mehr, die mich dazu ZWANG, dies mehr oder weniger bewusste Auffahren, schwerster Luxusgeschütze als ein Art Sinnbild, eine Art nonverbaler Denkschrift, mit unerhört langem Echo, keinerlei Notiz zu nehmen, um Gruppenfotos mit kreisenden Champagnerflaschen an …

glänzenden Decks

gleich am Anfang des Gedankens zu ersticken, sowie die unangenehme, aufdringliche Präsenz dieses 160 Meter Ungetüms, dass wir vermutlich alle, in den letzten Jahrzehnten irgendwie mitfinanziert haben dürften, damit das Foto zu meinem heutigen Essay ganz im Zeichen des Ortes und der

Natur steht

und diese beiden nicht als Statisten verkommen, nur weil man meint, sich auf einer kleinen, aber feinen Schiffsmesse zu befinden und nicht in der Vorbereitung, im Gedenken an diverser Unruhen, Aufstände und Demonstrationen, die mehr oder weniger allesamt für mehr Lohn und weniger Ausbeutung

kämpften

und auch heute noch – streiten … So, wie ich es auch mit Don Blondie, Jot-Deh-Wanze und all den anderen Alpha-Unmenschen halte und handhabe, deren Verhalten ich nicht nur einfach ablehne und verachte, sondern sämtlichen Boden entziehe … Es bleibt am Ende natürlich jedem selber überlassen, ob er E-Autos aus den

USA kauft,

dessen Markenname, leider Gottes, vom Nachnahmen des begnadeten Nikola unpässlich verziert und missbraucht wird … Nächster Tag, jetzt ist er endlich da, der 1.Mai … Noch dazu mit dieser geschmacklosen Sauerei, wie dieser riesenhaften MEGA-Yacht … An Erholung, Urlaub,

gar Entspannung

ist nicht zu denken … An diesem Feiertag tobe ich besonders … Es fühlt sich an, als bräche ein Vulkan aus, nur dass die glühende Ladung aus meinem eigenen Inneren kommt … Es langt nämlich ganz und gar nicht, sich zurückzulehnen und mit Instagram und anderen „sozialen Medien“, welch

Paradox,

genauso scheußlich schön wie „Holz-Eisenbahn“ und „Diäten-Erhöhung“, die Zeit zu vertreiben, weil man es sich leisten kann, im Vergleich zu den restlichen 99% des Planeten … Man kann unmöglich alteingesessenen Mächten und Autokratischen Personen, nebst Netzwerken folgen, NUR, weil man sich …

eigene Vorteile

davon erhofft … Nichts anderes lässt Machtgierige so weit und schnell emporkommen … Weshalb heute, im Jahr 2025, monochrome Gesellschaften und Lebensmodelle wieder höher im Kurs stehen, als Diversität und Freiheit, Gleichheit für alle, scheint mir oft auch an den zu kurz gedachten und ebenso kurzsichtig

gesprungenen Lösungen

liegen, die man von Patriarchalen Personen und Systemen angeboten bekommt … In einer komplexen Welt, was sie übrigens immer schon war und auch bleiben wird, einfach Schwarz-Weiß-Lösungen angeboten zu bekommen, ist nicht nur ein ganz uralter Hut … Immer schon, spielt man mit Ängsten und Wünschen von uns

Menschen,

was bestimmt 10.000 Jahre schon so geht, so lange es menschliche Zivilisationen gibt … Schlimm daran ist, dass wir die Angebote, trotz der vielen Erfahrung die wir haben, immer wieder erneut mit anfänglicher Begeisterung annehmen, bis zum hundersten Male weder rumreiche Ankündigungen und Versprechungen in der bitteren

Wirklichkeit ankommen.

Es bleibt dabei, und genau hier möchte, muss ich eine Lanze für all jene brechen, die sich organisiert in Gewerkschaften einsetzen und verstanden haben, dass weder Arbeitskampf, noch der Kampf ums Klima jemals aufgegeben werden darf … Nicht nur, weil es weder Entwarnung, noch großer

Erfolge mangelt,

sondern weil wir Menschen mit unserer verspielten digitalen Neugier, uns direkt und indirekt zum Kumpan, sowie unbezahlten Arbeitnehmer und Leistungsbringer herabwürdigen und in unserem eigenen moralischen Fortschritt herabdegradieren, anstatt uns systematisch und konsequent

weiterzuentwickeln.

Gegen Nachmittag lichtete – Eclipse, das Seeungeheuer – endlich den Anker und verschwand genauso lautlos, wie Anstand und Moral zwischen heutigen Vorgesetzten und Untergebenen … Welch wunderbare Worte, finde ich, wie sie selbstständig alles sagen … Vor-Gesetzter und

Unter-Gebener.

Wie die Moral von der Geschichte lautet? … Keine Ahnung. Moralapostel und erhobene Zeigefinger kann ich nicht ausstehen … Sie erinnern mich an meinen Nazi-Lehrer mit dem Holzarm, der auch glaubte, auf wirklich Alles Antworten zu haben, obwohl wir seit bald 2500 Jahren wissen,

Nichts zu wissen …

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