Paul’s Vase – Odyssee 2026

Mein Opa nannten sie Paul … allerdings als zweiten, nicht ersten Vornamen … gerufen haben sie ihn so glaube ich nie, sondern immer nur Ritschi … Richard klang den meisten zu vornehm, daher musste er mit Goldie und Ritschi leben … Goldi, wegen seiner strohblonden Haare, wie sich’s für’n echten

Preußen gehörte.

Viel dazu getan hat er zwar nicht, aber zum damaligen Idealbild vom blauäugigen großen stattlichen Offizier war es nicht mehr weit zum Vorzeige-Arier im damals teilweise noch dänischen Hamburg-Altona, während Opa in Tonndorf nach dem überlebten WW2 an der Wandse sein „Slow Life“ und „Ruhe.- statt Unwesen“ trieb.

Und heute?

Tja, da sitze ich mit ‘nem Campari-Spritz (Garibaldi für Italiener) an der Garonne, schlürfe in langen Abständen langsam und bedächtig und lächle … still und zufrieden vor mich hin … wie sich das Leben doch manchmal merkwürdig von selbst fügt, wie Dinge langsam, immer mehr & mehr, kaum merklich

aber unaufhaltbar,

ineinandergreifen … langsam und unaufgeregt, zwei Zustände und Eigenschaften, von denen man heutzutage wenig, eher nichts mehr sieht, geschweige wahrnimmt … alles ist heute auf gnadenlose Rentabilität ausgerichtet … immer hat / haben Zahlen Recht … sie dienen alleine und ausschließlich

dem Gewinn.

Sie alle zusammen stimmen das Konzert an, sind Kapellmeister und Musiker zusammen und zugleich … ein stufenlos wechselndes, im ständigen Tausch sich befindendes Duo Infernale … das nur zu einem einzigen Sinne zusammen musiziert, um der allerletzten und heiligsten aller Weltreligionen zu dienen, dem nahezu …

göttlichen Wachstum!

Ja! So sieht es aus, liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder der Arche Noah … Selbst der letzte aufrechte Sozialist, ganz zu schweigen von Kommunisten, nehmen wir mal die Chinesen, die sich auf gleiche Machtstrukturen und feudales Durchregieren verstehen, wie alle totalitären Regime in Ost und West,

sein es die USA,

Russland, oder Chile … man schaue sich nur den Patienten SPD in Deutschland an, den man mittlerweile in die Palliativ-Abteilung nach dem Desaster in Baden-Württemberg verlegt hat, um ihm ein würdevolles Sterben zu ermöglichen, mit Kassenpatienten-Versorgung, als kleine Erinnerung an nur eine von dutzenden Sauereien, die man

meinte mitzutragen.

Während ich hier meinen Drink genieße, krepieren da draußen tausende Menschen in von Egomanen angetriebenen Kriegen … Ja! So ist es nun mal … neu ist das alles nicht, das geht schon seit tausenden von Jahren so … seit wir Menschen hier auf diesem Planeten herumirren … Unverändert irritierend daran finde ich nur die furchtbare

Kreativlosigkeit,

mit der wir meinen, uns selbst vom Irrsinn des Ganzen überzeugen zu müssen … jedes Kind kapiert es und sieht zu, wie Großkapital Land und Leute auslaugt und ausbeutet, wie Gesundheitssysteme kollabieren, wie Rentensysteme immer unbezahlbarer werden, während Lebensmittel und Wohnraum teurer werden

und warum?

Weil wir Wachstum als grundsätzliches Totschlagargument hinnehmen … 1974 ging Opa mit 61 Jahren in seine wohlverdiente Pension, die ihm noch weitere 33 Jahre beschieden sein sollte … Damals redete man nicht von unsicheren Renten und so Krams … Sondern erfreute sich am Farbfernsehen

und wachsender

Gleichberechtigung für Frauen, die bald eigene Bankkonten eröffnen und alleine Wohnungen mieten durften, obwohl das noch lange ungern gesehen war, dass ledige Frauen alleine lebten … Wie konnte das bloß sein? Und heute? Ja! Heute ist es normal, dass Frauen studieren, alleine leben, durch die

Welt reisen,

nicht heiraten, nicht Mütter werden wollen und ein ziemlich selbstbestimmtes Leben führen … „50 Jahre hat es gedauert – meine Güte, wie langsam wir Männer sind“, seufze ich in meinen Campari gefüllten Strohhalm, aus dem ich trinke, mich noch nicht festhalte … wenngleich sich‘s Stunden später etwas

ändern sollte.

„Läuft unser Leben so automatisch ab, dass wir deswegen so ewig lange brauchen um uns und unsere Rituale zu ändern? Sie zuvor zu erkennen, sie neu zu beobachten, anzuerkennen und sich für eine Änderung zu entschließen? Ist das so selten, weil es so schwer ist?“ Ihr seht es ja selbst, ich kaue wieder auf den

großen Fragen rum.

„Was machen, mit soviel Leben?“ … Was tun, in Zeiten von Kriegen und sich ständig zuspitzenden Wirtschaftsrepressionen zwischen Kontinenten, wo die Waren, die wir kaufen, als Spielbälle fungieren, wo Politiker mit digitalen Pistolen aus Hüften schießen, den ganzen Tag rumballern, weil schneller besser als langsam ist …

Was tun?

In einer Zeit, in der lokalpatriotische CEO’s aus den Nachbardörfern (man denke an Dassault und Rheinmetall) mit hölzernem Führungsstil Weltkonzerne lenken, mit regelmäßigem achtbarem Erfolg, Menschen anderer Länder vor den Kopf zu stoßen, einschließlich ihrer Politiker, dass ich oft an die komischen schwarz-weiß Filme von den lieben

Stan und Laurel

denken muss, die man in Deutschland als „Dick und doof“ kennt … was manchen heute vielleicht ähnlich merkwürdig vorkommt wie mir, was also – tun? … „Vielleicht sollte ich anders herangehen, vielleicht sollte ich mich fragen – was ich NICHT mehr tun sollte!“ … Wie wär‘s, mit sofortigem Aufhören

zu beginnen?

„Hm, womit könnte ich beginnen? Ah ja, genau … Durchschnittlichkeit als neues Maß der Dinge. Lasst uns Dinge einfach nur noch ausreichend gut machen, gerade so, dass es unsere Aufgaben erfüllt … Pünktlich sein, ohne zu pünktlich zu sein … alles mit einem „weiten Ärmel“ angehen … kein regelmäßiges wöchentliches

Rasenmähen,

sondern höchstens nur alle zwei Wochen … nie wieder Autos waschen, noch dazu mit Trinkwasser, welch Wahnsinn … Möglichst oft nichts tun, Müßiggang statt Wachstum als Religion … stattdessen reduzieren und einschränken, auf günstigere Lösungen setzen … teilen, zum Beispiel Wohnraum,

wie Kumpel K.

es sich überlegt hat, um sein Haus besser zu nutzen … Autos teilen, anstatt zu sammeln … Kleidung und Schuhe spenden, sein Zuhause leer machen, auf links drehen, aufräumen, um anderen zu geben, die brauchen … Sprachen lernen, zuhause und die nahe Umgebung erkunden, anstatt teure Cluburlaube, Weltreisen und umweltzerstörende

Kreuzfahrten machen.

„Weniger Fleisch essen, dafür mehr Gemüse … mehr Fisch und Meeresfrüchte … ausreichend Bewegung und Sport … Mikrowelle auf den Sperrmüll … Fernseher verschenken … Lebenszeit ist wertvoller als Geld“ … hab mich jetzt richtig heißgeredet, bestimmt fallen mir noch viel mehr neue

Ideen ein.

Kapitalismus ohne Sozialismus ist gefährliche Monokultur, wie jede Einseitigkeit … Alles braucht ein Gleichgewicht … Opa hatte Oma … Paul Bocuse hatte Küche und Wein … Und ich? Meine Bücher, meine Schreiberei? Oder doch was Menschlicheres und Humaneres? JA – ich habs! Ganz genau,

warum eigentlich nicht – beides?

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