Krieg! – Odyssee 2025

Ganz zu Anfang, ja, da war ich noch Pazifist … aber schon in der Schule ging es los … gleich schmerzhaft gelernt in der ersten Klasse … Hoffnung dem ganzen zu Entkommen? ZERO … wir selber, unsere ganze Gesellschaft sind auf Wettbewerb, auf Krieg ausgerichtet … man kommt nicht drum herum …

Krieg

Ist das alles Beherrschende … Weg, Mittel, Zweck, Methode … alles in Einem … selbst die Natur ist so angelegt … immer überlebt Stärkeres … Klügeres eher nicht … so zog, zieht er mich rein, täglich, egal wo … ob Sport, Schule, Freunde, Familie … immer ist er schon da … selbst in meinen

Träumen

dominiert er … schon als Kind fand ich das ziemlich entmutigend … so was von traurig, in Wahrheit, richtig erschüttert hat es mich damals, wie heute … denn auch heute ist es nicht anders … im Gegenteil, heute sehe ich noch mehr Leid … heute kriege ich das Ausmaß noch besser, noch leichter erfasst … auch wenn ich’s eigentlich

nicht will.

Ist es hoffnungslos? … Natürlich! Niemand wird uns ändern … Wir wollen es nicht. Zwar reden wir ständig davon, aber nur bis uns die nächste Schweinerei von der Hand geht … Alleine sind wir schon ziemliche Sausäcke … in Gruppen jedoch, bleiben wir unschlagbar unerträglich … Ob Paare,

Familien

Dorfgemeinschaften, ganze Nationen … in Gruppen fühlen wir uns gerne unbesiegbar … spätestens nach ein paar Glas Wein … gestern auf dem Markt … Schlangestehen beim Schlachter … viel wollte ich nicht kaufen, nur zwei leckere Schweinereien, die ich mir manchmal gönne … manchmal,

nicht regelmäßig.

Vor mir drei Kunden … Ein Vater mit seiner Tochter, er um die fünfzig, sie um die 15 … danach zwei Damen um die sechzig … hinter mir ein Pärchen, er vielleicht frisch verrentet, sie eventuell zehn Jahre jünger … gut bürgerlich gekleidet, geschmackvoll, aber nicht übertrieben … hinter den beiden zwei

alleinstehende Frauen.

„Wieso alleinstehend?“ … Na, weil sie da alleinstehend herumwarteten, so wie ich … unsere kleine Schlange machte einen Bogen um die Auslagen herum … zwischen der Dame die der Schlachter gerade in diesem Moment bediente und Vater-Tochter gab es einen kleinen Abstand … eine

Mischung aus

Anstand, Diskretion und Höflichkeit vermutlich, der Dame etwas Freiraum zu lassen … sie kaufte viel ein, wanderte vor der Vitrine hin und her … jeder kennt das, man kommt in Fahrt, begeistert sich für die Ware, ist ein wenig aufgeregt, wie man die Dinge beschreibt, wie man sich

ausdrückt,

höflich natürlich, aber schlicht in der Sprache … man will dem Schlachter nicht mit Smalltalk nerven, den er den ganzen Tag schon genug … und natürlich auch, weil man die Wartenden nicht unnötig länger als nötig, noch mehr warten lassen will … unsere Wahrnehmung während des

Bedientwerden?

Ziemlich eingeschränkt … wir kriegen zwar mit, dass man uns Platz macht, wenn wir an der Vitrine entlangmarschieren, aber ob wir eine leise Geflüsterte Bemerkung, eine leichte Rechenaufgabe, oder gar eine komplexe Frage gleichzeitig beantworten können, das wage ich zu bezweifeln … Wir sind konzentriert

und im Flow,

wenn es uns gut geht … also, Tunnelblick, eingeschränkte Wahrnehmung, gepaart mit der totalen Bereitschaft, auf alles zu reagieren, was der Schlachter mich fragt … „Ein Pfund Fleischsalat, bitte“ … er greift in den großen Pott mit dieser Riesenkelle, packt ’ne Ladung in seine Plastikschale, misst, wiegt die Ware, schaut

uns fragend an,

„passt so“ antworten wir meist, wenn es etwas mehr ist … „Außerdem?“ … „Das wär’s … ach Halt, fast hätte ich es vergessen“ … obwohl wir alles auf unserem Papierzettel, oder unserem digitalen Lebensbegleiter stehen haben, fällt uns fast immer etwas ein was wir vergessen, was wir zusätzlich gerne hätten … bei mir passiert das in Wahrheit

immer

ungeplant … auf irgendetwas habe ich plötzlich Lust … entweder, weil ich es so lecker in Erinnerung habe, oder weil es köstlich ausschauend vor mir liegt … immer gebe ich nach und bestelle, nehme den spontanen Einfall mit … vielleicht diszipliniere ich mich hin und wieder und lass was bewusst liegen … mit dem

inneren Versprechen verknüpft,

es beim Nächsten Mal mitzunehmen … so, oder so Ähnlich … irgendetwas fällt mir immer ein … so ging es der Dame gestern beim Schlachter … was sie nicht alles einkaufte … die Dame nach dem Vater-Tochter-Pärchen hielt ebenfalls etwas mehr Abstand als wir anderen, allerdings aus reiner

Unaufmerksamkeit.

Sie war mit ihrer Liste beschäftigt … ging jeden einzelnen Punkt durch, fragte sich mehrmals, ob sie alles, ob sie nicht vielleicht gerade drauf und dran wäre, etwas zu vergessen … sie war völlig konzentriert … wir anderen ließen sie in Ruhe … sie hatte eh noch Zeit, bis sie drankam.

Von außen betrachtet

hätte man eventuell neugierig geschaut, aber nur kurz, weil man sofort bemerkt hätte, dass die Abstände innerhalb der Schlange zwar völlig unterschiedlich sind, menschlich und individuell, hat doch jeder eigene Ansichten und Empfindungen, welcher Abstand angemessen, der ideale Abstand ist … aber zu erkennen war sie sofort und im Nu,

die Schlange.

Ich beispielsweise halte gerne ausreichend Distanz zu Menschen … ich mag es nicht, wenn sie mir zu dicht auf die Pelle rücken, keine Ahnung warum … auf der anderen Seite, stehe ich wiederum ungerne zu weit weg vom Nächsten vor mir … hat viele verschiedenen Gründe, zu Einem komme ich

gleich noch

Jedenfalls, wir stehen also alle in dieser Schlange, Madame wird bedient, während wir unseren Gedanken, oder Einkaufslisten nachhängen, als plötzlich eine stilvoll gekleidete Dame seitlich zu uns stößt … sie war vielleicht 60 Jahre alt, vielleicht auch ein

wenig jünger.

Beim Geschmack ihrer Kleidung, sowie ihrem Geschmeide, sie trug reichlich Ketten, Ringe und Anhänger … noch dazu große Kreolen in den Ohren, wie es Französinnen über 40 lieben … ihren Stil könnte ich am Treffendsten mit „Religionslehrerin“ oder

„Bibliothekarin“

Beschreiben … farblos und blass ihr ganzer Aufzug … alles in Pastelle, als würde sie aus einem alten Aquarelle gefallen sein, irgendwo in Cassis am Mittelmeer oder so … ich kenne diesen Typ, nicht nur, weil meine Mutter ihr ein wenig ähnlich ist … Disziplin, Ordnung und

Sauberkeit,

äußerst wichtige Dinge für sie … vielleicht auch Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Anstand und bestimmt noch einen großen Sack voll Anderem … auch Ungeduld ist Teil ihrer DNA … wieviel sie diese Ungeduld in ihrem Leben schon gekostet hat weiß die Aquarelldame nicht … sie würde aber ganz sicher einen

Heulkrampf

kriegen, wenn sie eine Aufstellung, eine detaillierte Liste, eine Übersicht bekommen könnte, soviel ist sicher … ihre Ungeduld treibt sie zu so vielen Dingen an, dass sie sich wundern würde, wenn sie bewusst wahrnehmen dürfte, wieviel das ist … es geht soweit, dass wir Dinge tun, die uns aus Sicht der Anderen als unfreundlich …

gar unangenehm

erscheinen lässt … so auch diese Frau, die sich vor langer Zeit aufgemacht hat, weit entfernt, aus dem fernen Weltall, um hier in Les Carmes auf dem Markt, genau bei diesem Schlachter einzukaufen, wo es mindestens fünf andere auf dem Markt gibt … nein es muss dieser sein, mit der noch dazu

längsten Schlange

des gesamten Markes … sie blieb ungefähr 1,5m neben uns stehen … man konnte sehen, was in ihrem Kopf vorging … auch sie ging im Geiste ihre Liste durch … ein paar Mal griff sie ihre zwei ausgeblichenen Stofftaschen, die, beide halbgefüllt, den Eindruck machten, als hätte sie erst

die Hälfte erledigt,

was prima zu ihrem Leben passte, dem es ganz ähnlich ging … sie hatte eine interessante Technik entwickelt. Sie hob einen Arm etwas höher und befühlte dann mit der anderen Hand, was sich alles in der Tasche befand, während sie die beiden Tragegriffen in der Mitte der tastenden

Hand balancierte.

Hatte sie sich selbstbefriedigt und jeden Gegenstand eindeutig erkannt, huschte ein ganz leichtes Lächeln über ihr Gesicht, das sich genauso schnell verflüchtigte, wie es erschienen war … Hobbypsychologen könnten auf die Idee kommen, dass sie viel Verlust im Leben erlitten haben dürfte,

weswegen

sie alles genau überprüft, um ganz sicher zu sein … eine der vielen Neurosen, die wir Menschen uns aneignen, in unserem ereignisreichen Leben … zum Ausgehen und Einkaufen jedoch gibt sie sich alle Mühe … Kleidung, Schmuck und Parfüm, ein etwas schwer-süßliches … vermutlich

Chanel No.5,

zeugen von einer Frau, die auf sich Acht gibt und nicht nur das … ihr ist es wichtig, auch vollständig gekleidet zu sein, was in ihrem Fall bedeutet, dass Geschmeide und modische Accessoires nicht nur nett, sondern notwendig sind, ohne die sie niemals das Haus verlässt, soviel ist mal

sicher.

Aber ihre Ungeduld geht vermutlich auch ihrem Umfeld auf den Wecker … Mittlerweile war es 12:30, lange würde der Markt nicht mehr aufhaben … Und nun ereilte sie es ein weiteres Mal … Denn nicht nur, dass sie die gesamte Länge der Schlange längst erfasst hatte, sie hatte sehr wohl

Maß genommen,

wie lange diese Schlange, wieviel Zeit es sie kosten dürfte bis sie sich um den nächsten Punkt auf ihrer Liste kümmern konnte, dass sie, wie so viele von uns, keine Möglichkeit ausließ, um maximal mögliche Zeit aus Allem herauszuholen, als ihr zustand … denn eines ist ihr zuwider:

WARTEN.

Unnütze Lebenszeit, so nennen es auch manche meiner Freunde … so kam ich nicht drum herum, als verschmitzt zu lächeln, als sie in leiser Kriechfahrt auf uns zukam, die großartige Möglichkeit, unsere ungedeckte offene Flanke erspähte zwischen der Dame hinter dem Vater-Tochter-Pärchen, ohne Zögern

ihre Harpune,

im Schatten spannte, elegant beidrehte, um uns zu signalisieren, dass sie im Grunde schon immer hier, vor Allem vor uns gewesen war, weswegen sie ohne sich auch nur für kleinste Schmauchspuren zu schämen, trotz, oder gerade wegen ihrer emsig gebügelten Akkuratheit und Sauberkeit, ohne Zögern …

vorpreschte und abdrückte.

Schon kamen ihre unverhohlen freundlichen, aber taktlosen Worte angeschossen … „Entschuldigen Sie, sind Sie das Ende der Schlange?“ … das die in ihre Liste vertiefte abwesend erscheinende Dame, genauso verständnisvoll lächelte und ihre penible, sowie unangenehme Frage noch dazu ins Unermessliche steigerte, als sie

„leider nein“

antwortete … wie gerne hätte sich die Pastelle-Queen verkrochen, in irgendein kleines dunkles Loch, als sie bemerkte, wie ihr Schamesröte ins Gesicht schoss … sich vielleicht an all die vielen Male erinnernd, als sie mit ihrer Ungeduld an anderer Stelle unangenehm auffiel … ausgerechnet sie, die so

sehr auf Etikette

Wert legt, dass man sich vor lauter Labels, Schildern und Anstandsverpackungen manchmal fragt, was für ein Mensch sich hinter dieser Verpackung verbirgt, hinter diesem Wald an selbstauferlegten Vorschriften, dieser zur Fleisch gewordenen Verbitterung, immer das Gefühl zu haben, etwas und sei es Zeit,

verloren zu haben.

Natürlich ist diese Dame keine Kriegerin, die sich mit Waffengewalt Vortritt, oder ihren Worten Nachdruck verschafft, wie Männer es oft und gerne tun … jedoch eint uns alle die Bereitschaft, im Zweifel, wenn wir etwas wollen, wenn unser Ego sich mehr Platz im Weltraum verschafft als uns zusteht, es

mit Anstand,

unseren Werten und moralischen Vorstellungen nicht so genau zu nehmen, um ohne Zögern, andere zu übervorteilen. Denn selbst in Seide gekleidet, mit charmantem Lächeln vorgetragen, verbirgt sich so, oder so eine derartige unbewusst zur Schau getragene Gleichgültigkeit und Kaltschnäuzigkeit,

die unsere Welt

zu genau dem Ort macht, wie wir spätestens zu den Abendnachrichten mit üblichem Stoßseufzer bekunden, ohne im Entferntesten zu erkennen, welchen Anteil wir daran haben, mag er auch noch so klein sein und wir uns somit die Erkenntnis versagen, vielleicht genauso gnadenlose Knast.- oder

KZ-Schließer

hätten sein können, die für ihr eigenes Wohl und Fortkommen, keine noch so große Abscheulichkeiten scheuen, was im Falle der Pastelle-Lady ihren ganzen Aufzug, mit den gedeckten Farben, dem Geschmeide und all der scheußlich dressierten Freundlichkeit nicht nur schwer erträglich macht, sondern uns allen zeigt … der Weg in die Wildnis, ist für uns alle nur einen

Fuß breit entfernt …

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahren Sie mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert